Gefangenenliste
Warum solch eine Liste?
Hier findet ihr die Adressen von verschiedenen Gefangenen. Personen, welche aufgrund ihrer Feindschaft mit dem gegenwärtigen System eingesperrt werden. Das heißt nicht, dass diese Liste vollständig ist: es gibt viel mehr Gefangene, das ist hier nur ein sehr kleiner Teil davon. Ihr könnt auf anderen Internetseiten und in Publikationen weiter recherchieren, wir wollen hier eine „übersichtliche” Liste erstellen auch mit Personen, mit welchen wir selbst entweder in Kontakt stehen oder seit längerem ihre Geschichte verfolgen.
Außerdem müsst Ihr immer beachten, dass Gefangene oft verlegt werden: deshalb wird diese Liste ständig aktualisiert. Um etwas darüber zu erfahren, wie mensch am besten „Gefangenen schreibt” (denn viele haben am Anfang viele Hemmungen und Unsicherheiten) gibt es weiter unten einen Text, welcher Tips und Hinweise aufzeigt.
Das Briefe schreiben bleibt eine (aber nicht das einzige) Mittel, die Isolation zu durchbrechen. Nutzen wir dieses!
Polen
Artur Konowalik
Zaklad Karny
Załeska 76
35-322 Rzeszow
Artur ist ein sozialer Gefangener, welcher gegen die Zustände in polnischen Knästen kämpft und diese in seinen veröffentlichten Briefen beschreibt und thematisiert. Er spricht nur polnisch, freut sich aber trotzdem über Postkarten.
Russland
Pavel Delidon
FGU IK-7 otryad 6
ul. Timiryazeva-1, g. Valuyki
Belgorodskaya oblast
309990 Russia
Pavel ist ein Anarchist, er wurde zu fünf Jahren verurteilt, weil er versuchte sich die Löhne, welche sein Boss nicht bezahlen wollte, „direkt” zu nehmen, was vom Gesetz als „bewaffneter Raub” bezeichnet wird. Pavel studiert gerade Englisch im Knast, aber laut Informationen seitens seiner UnterstützerInnen ist es wichtig Briefe nur in russischer Sprache zu senden, da die Knastleitung die ansonsten nicht aushändigt.
Aleksey Bychin
SIZO 47/2
ul. Akademika Lebedeva, dom. 39
195005 St. Peterburg
Andrei Mergenov
FGU IZ 64/1 OKB 2 komn. 73
Up. Kutyakova 107
410601 Saratov
Alexey Olesinov
Yuzhskiy rayon, selo Talicy, IK 3/9
155644 Ivanov region
Russia
Alle drei sitzen jeweils wegen Auseinandersetzungen mit Nazis. Weitere Infos: www.avtonom.org
Spanien
Joachin Varces Villacampa
CP Castellón
Ctra. de Alcora, km.10
12006 Castellón
Am 16. September 2003 wurden sechs anarchistische companerxs in Barcelona festgenommen und gegen einen weiteren ein internationaler Haftbefehl ausgesprochen.
Angeklagt wurden sie wegen Waffenbesitz, Herstellung von Explosivstoffen und Durchführung von Bombenanschlägen und außerdem sollen sie eine terroristische, anarchistische Vereinigung gebildet haben. Ein Teil von ihnen bekam mehrere Jahre. Joachin befindet sich als letzter noch in Haft.
Gilbert Ghislain
Centro Penitenciario La Morajela,
Carretera local P-126C,
CP 34210 Dueñas Palencia
Gilbert ist ein anarchistischer Gefangener, welcher seit Jahren innerhalb des FIES-Systems (spanische Isolationshaft) kämpft.
Rafael Martinez Zea
C.P. Puerto de Santa Maria III
crtra Jerez-Rota, km 6
11500 Puerto de Santa Maria
Cadiz
Rafael ist auch ein anarchistischer Gefangener, welcher seit Jahren innerhalb der spanischen Knäste kämpft. Er spricht auch Englisch.
Claudio Lavazza
C.P. Teixerio – Curtis
Mod. 11
Carretera de Paradela s/n
15310 A Coruña
Claudio ist ein italienischer Anarchist. Zusammen mit anderen GenossInnen überfiel er das italienische Konsulat in Cordoba (Spanien) in Solidarität mit den Beschuldigten im Marini-Prozess in Italien (großer Repressionschlag gegen AnarchistInnen in Italien während der zweiten Hälfte der 90er Jahre, viele wurden zu sehr langen Freiheitsstrafen verurteilt). Der Konsul musste solidarische Faxe nach Italien schicken und die Anarchisten eigneten sich einige Pässe und Geld an. Außerdem wurde er aufgrund einer Schießerei mit der Polizei nach einem Banküberfall, wobei zwei PolizistInnen getötet wurden, verurteilt. Er ist einer der aktivsten Kämpfer gegen das FIES-System.
Portugal
António Ferreira de Jesus
E.P. Pinheiro da Cruz
7570 Grândola
Antonio, 67 Jahren alt, hat schon mehrere Jahre Knast hinter sich (43), da er wegen verschiedener Aktionen gegen die soziale Ungerechtigkeit dieser Gesellschaft verurteilt wurde, unter anderem wegen Enteignungen. Er ist ein aktiver Kämpfer gegen die dortigen Knastbedingungen.
Belgien
Farid Bamouhammad
Centrale gevangenis te Leuven
Geldenaaksevest 68
3000 Leuven
Farid gilt als der Hauptfeind des belgischen Knastapparates, da er an verschiedenen Aktionen und Revolten teilnahm. Er beging mehrere Banküberfälle und sitzt gerade ein 17jähriges Urteil ab, weil er den Vergewaltigter seiner Frau getötet hat.
Italien
Giuseppe Sciacca
Via Prati Nuovi 7
27058 Voghera (PV)
Maddalena Calore
Via Gravellona 240
Frazione Piccolini
27029 Vigevano (PV)
Am Abend des 19.10. gingen zwei selbstgebastelte Bomben vor der Polizeikaserne in Parma hoch, verletzt wurde niemand. Einige Tage davor wurde bekannt, dass ein Mensch aus Ghana darin von Bullen gefoltert wurde, daraufhin zeigten andere MigrantInnen auch ähnliche Fälle an. Am 20.10. wurden vier anarchistische GenossInnen verhaftet und in U-Haft gesteckt, weil sie beschuldigt wurden den Anschlag durchgeführt zu haben. Nora und Santo kamen neulich aus dem Knast raus, um unter strengem Hausarrest erstmal „ihre Zeit zu verbringen”. Guiseppe und Maddalena sitzen noch immer.
Daniele Casalini
Strada Casale 50/A
15040 San Michele
Alessandria
Francesco Gioia
Strada Casale 50/A
15040 San Michele
Alessandria
Daniele und Francesco sitzen seit über einem Jahr in U-Haft aufgrund der Anschuldigung eine Postfiliale beraubt zu haben um anarchistische Aktivitäten zu finanzieren. Beide sind zwei anarchistische Genossen, welche der anarchistischen Gruppe „Il Silvestre” angehören. Diese Gruppe hat innerhalb der letzten vier Jahre drei Verfahren ähnlich dem §129 gehabt. Eines davon ist noch offen, wobei Daniele und Francesco auch Mitangeklagte sind: es geht um einige Anschläge, welche auf Strommasten ausgeführt wurden.
Schweiz
Marco Camenisch
„PF 3143“
CH-8105
Regensdorf
Marco sitzt seit mehreren Jahren aufgrund seiner militanten Intervention in der Schweiz und Italien gegen die Atomindustrie. Nach einem erfolgreichen Ausbruch aus dem Knast Regensdorf im Jahr 1981 und mehreren Jahren im Untergrund, wurde er 1991 in Italien wieder verhaftet, wobei er dort wegen „fahrlässiger Körperverletzung (bei seiner Verhaftung gab es eine Schießerei mit den Carabinieris, die ihn festnehmen wollten) und Sprengstoffanschlägen” verurteilt wurde. Er saß mehrere Jahre in Italien (bis 2002) und wurde dann in die Schweiz ausgeliefert, wo er noch eine Haftzeit offen hatte, weil er für den Mord an einen Schweizer Grenzschutzpolizist während der Zeit, in der er untergetaucht war, zu acht Jahren verurteilt wurde.
Marco kämpft schon immer – egal ob draußen oder drinnen – und beteiligt sich immer an allen Aktionen, die gegen diese Knastgesellschaft unternommen werden. Er spricht Deutsch, Italienisch, Französisch und Englisch.
Griechenland
Alfredo Bonanno
Christos Stratigopoulos
Tzamala 3
33100 Amfissa
Greece
Alfredo und Christos sitzen aufgrund eines Banküberfalls in Griechenland in Untersuchungshaft. Weitere Infos hier und hier.
Giorgios Vogiatzis
Dikastikes Fylakes Korydallos, Pteryga E‘
18121 Korydallos
Giorgos wurde im Oktober 2007 verhaftet. Er gab zu der Tat (ein Bankraub) eine bekennende Erklärung ab, in welcher er den Akt als Aktion gegen die Versklavung durch Lohnarbeit nennt.
Giannis Dimitrakis
Fylakes Alikarnassos
Iraklio, Crete
Giannis sitzt seit Juli 2007 und muss noch weitere 35 Jahre wegen eines bewaffneten Bankraubes absitzen. Er begann den Raub zusammen mit drei anderen Anarchist_innen als Aktion gegen die herrschende Lohnsklaverei und wurde währenddessen durch Bullenkugeln verletzt. Er bleibt auch im Knast ein aktiver Kämpfer.
Ilias Nicolaou
Tzamala 27
Fylakes Amfissas
T.K. 37100
Amfissa
Ilias aus Thessaloniki sitzt seit dem 13. Januar aufgrund eines Brandanschlags auf eine Polizeiwache in Untersuchungshaft. Er war lange Zeit auf der Flucht gemeinsam mit zwei weiteren GenossInnen, die im gleichen Verfahren wie Vaggelis Botzatzis eingebunden waren.
Apostolis Kiriakopoulos
A’ Pteriga
Filakes Koridallou
18110 Koridallos
Athens
Apostolis, aktiver anarchistischer Genosse aus Athen, sitzt seit dem Dezemberaufstand in U-Haft.
Deutschland
Gabriel Pombo da Silva
Krefelderstr. 251
52070 Aachen
José Fernandez Delgado
Aachenerstr. 47
53359 Rheinbach
Gabriel und José sind zwei spanische Anarchisten, die schon mehrere Jahre in spanischen Gefängnisse saßen. Beiden haben vor allem unter den schweren FIES-Abteilungen gelitten. Sie haben sich immer gegen ihre Haftbedingungen gewehrt und bei allen Protesten aktiv mitgemacht. Sie schafften es auszubrechen und unterzutauchen, im Sommer 2004 wurden sie in Aachen mit zwei weiteren GenossInnen, Bart und Begona (Gabriels Schwester), verhaftet. Es folgte eine Geiselnahme und eine Schießerei mit den Bullen. Bart wurde zu dreieinhalb Jahren verurteilt (mittlerweile ist er raus), Begona zu einer Bewährungsstrafe, Gabriel zu 13 und José zu 14 Jahren. Seitdem kämpfen die beiden weiter innerhalb der deutschen Knäste.
Ihr könnt Gabriel auf Deutsch, Spanisch und Englisch schreiben, José auf Deutsch und Spanisch. Check: www.escapeintorebellion.info
Thomas Meyer-Falk
JVA Bruchsal
Schönbornstr. 32
76646 Bruchsal
Thomas, der sich als Anarchist bekennt, sitzt sei über 10 Jahren in Haft, weil er einen Bankraub begangen hat, welcher zur Finanzierung von legalen und illegalen linken Projekten dienen sollte. Er hat nie aufgehört hinter den Mauern zu kämpfen. Ihm droht auch die Sicherheitsverwahrung. Thomas könnt ihr auf Deutsch und Englisch schreiben. Check: www.freedom-for-thomas.de + www.freedomforthomas.wordpress.com
Lukas Winkler
Marktplatz 1
96157 Ebrach
Stephanie Träger
JVA Aichach
Münchner Straße 33
86551 Aichach
Sven Maurer
Marktplatz 1
96157 Ebrach
Am 27. Juni 07 wurden die drei Hausbesetzerinnen Lukas, Steffi und Sven in München von einem USK-Kommando festgenommen. Dabei wehrten sie sich mit Steinwürfen, Ende Januar 08 wurden alle drei zu je fünf Jahren Knast verurteilt. Soliblog: www.hausbesetzerinnensoli.de.vu
USA
Green Scare Gefangene:
Anfang 2006 wurde in den USA die größte Operation gegen „Inneren Terrorismus” unternommen: Viele Leute wurden unter der Anschuldigung AktivistInnen der ELF (Earth Liberation Front) und ALF (Animal Liberation Front) zu sein eingeknastet. Eine Vielzahl von ihnen wurde schnell zu Kronzeugen gegen die anderen, andere wurden seit längerer Zeit als Spitzel in der Szene benutzt. Nur ein paar wenige weigerten sich mit den Behörde gegen andere zu kooperieren. Die hier angegebenen Adressen sind selbstverständlich von diesen Letzteren. Seitdem gab es auch neue Fälle von Verhaftungen, leider viel zu oft haben sich einige entschieden gegen ihre ehemaligen Genoss_innen auszusagen.
Wenn Ihr Gefangenen in den USA schreibt musst ihr unbedingt vorher ihre Webseiten checken, weil die Postregelungen dort viel schärfer als anderswo sind und von Bundesstaat zu Bundesstaat variieren. Beispielsweise ist in einigen Bundesstaaten das umrundete “A” Zeichen verboten, da es als “Gangsymbol” (Die Anarchist_innen…) gilt und diese verboten sind…. Weitere Infos: www.ecoprisoners.org + www.greenscare.org
Daniel McGowan,
#63794-053,
USP MARION,
U.S. Penitentiary,
P.O. Box 1000,
Marion, IL 62959
Check: www.supportdaniel.org
Joyanna Zacher (Sadie)
# 36360-086
FCI Dublin
Federal Correctional Institution
5701 8TH ST – Camp Parks – Unit E
Dublin, CA 94568
UnterstützerInnengruppe: supportersofnathanandjoyanna at gmail.co…
Nathan Block (Exile)
# 36359-086
FCI Lompoc
Federal Correctional Institution
3600 Guard RD.
Lompoc, CA 93436
UnterstützerInnengruppe: supportersofnathanandjoyanna at gmail.co…
Jonathan Paul
#07167-085
FCI Phoenix
Federal Correctional Institution
37910 N 45th Ave.,
Phoenix, AZ 85086
Check: www.supportjonathan.org
Daniel, Sadie, Exile und Jonathan gehören zu der ersten Verhaftungswelle
gegen ELF Aktivist_innen und wurden zu mehreren Jahren Knast für verschiedene Brandanschläge verurteilt.
Briana Waters
#36432-086
FCI Danbury
Federal Correctional Institution
Route 37
Danbury, CT 06811
Check: www.supportbriana.org
Eric McDavid
16209-097
FCI Victorville Medium II
Federal Correctional Institution
PO Box 5700
Adelanto, CA 92301
Eric wurde zu 19einhalb Jahren Knast verurteilt, hauptsächlich aufgrund der Aussage eines Spitzels: er hatte gar keine Aktionen begangen, sondern nur einige „geplant” (wie die Sprengung einiger Strommasten). Check: www.supporteric.com
Marie Mason
#04672-061
FCI Waseca
Federal Correctional Institution
p.o. Box 1731
Waseca, MN 56093
Marie erhielt Februar 2009 ihr Urteil: 22 Jahre Haft, sie hat ihre Teilnahme an verschiedenen Aktionen der ELF zugegeben, allerdings ohne weitere Genoss_innen preiszugeben. Sie wurde von ihrem ehemalige Freund und Genossen verraten. Unterstützer_innengruppe: freemarie at riseup.net – Check: www.midwestgreenscare.org
Michael Sykes
696693
Richard A. Handlon Correctional Facility
1728 Bluewater Highway
Ionia, MI 48846
Michael, ein 18 Jahre alter Anarchist, wurde aufgrund verschiedener ELF Aktionen (Brandanschläge und Sachbeschädigungen) zu einer Strafe zwischen 4 und 10 Jahren verurteilt. www.supportmichael.wordpress.com
Großbritannien
John Bowden
Prison No. 6729
HM Prison Glenochil
King OMuir Road, Tullibody
Scotland FK10 3AD
John ist seit 25 Jahren “zu Gast” im englischen Knastsystem. Er definiert sich als Anarchist und hat während seiner Inhaftierung lange gekämpft und an vielen Revolten teilgenommen. Um mehr über ihn zu erfahren könnt ihr in die vergangenen Entfesselt gucken, sonst auf englisch: www.brightonabc.org.uk
Elijah Smith
VP 7551
HMP Elmley (Sheppey Cluster)
Church Rd, Eastchurch
Sheerness, Kent, ME12 4DZ
….
Japan
Urata Keisaku
Hyougo-ken Kakogawa shi Kakogawa-
cho Amano 15530
Japan
Der anarchistische Genosse „Y“ (er will anonym bleiben), aktiv bei der anarchistischen Gruppe „Free Workers Federation“, sitzt seit dem 9. Juli 2008 in japanischen Kerkern, weil er beschuldigt wurde Steine auf PolizistInnen geworfen zu haben, sowie eines ihrer Schilder „enteignet“ zu haben. Das ganze soll im Laufe einer acht Tage langen Revolte in Osaka in Folge des Zusammenschlagens eines Arbeiters durch die Polizei passiert sein.
Wir werden demnächst ausführlich über seine Situation berichten. Er versteht kaum englisch, Postkarten und Zeichnungen sind sehr willkommen.
Frankreich
…
Wie schreibe ich Gefangenen?
Das Schreiben von Briefen ist eine Waffe…
… gegen Vereinzelung, Vereinsamung, Stagnation, Resignation und Isolation.
… gegen die auf Zerstörung angelegte Natur des Knastsytems.
… gegen die Kontrolle des Lebens durch das Knastregime.
Für Inhaftierte zählt der Erhalt von Briefen zu den wenigen Lichtblicken im alltäglichen Grau des vor-sich-hin-lebens in der Anstalt. Hinter den Mauern mit Stacheldraht, Wachtürmen und bewaffneten Schließern gibt es kaum menschliche Nähe und Gefühle, sondern Unterordnung und der tägliche Kampf ums Überleben. Aber das Schreiben ist eine Möglichkeit diese Mauern der Passivität, Kälte und Isolation zu durchbrechen. Es schafft eine Abwechslung und gibt die Möglichkeit die eigenen Gedanken zu erweitern.
Die Gefangenen sollen gebrochen werden, indem ihnen jegliche Emotionen, Gefühle und menschliche Nähe vorenthalten werden. Der regelmäßige Kontakt mit ihnen, sei es durch Briefe, Telefonate oder Besuche, ist das einzige Mittel, die vom den Herrschenden befohlene und von den Knastwärtern praktizierte Kontrolle über das tägliche Leben zu durchbrechen.
Knäste sind nur die Spitze des Eisberges dieses repressiven Systems, welches von der Unterdrückung und Ausbeutung der Menschen lebt und diese zu gleichförmigen, emotionslosen Wesen formieren will. Viele die sich dieser Logik nicht unterwerfen wollen, werden zu Opfern der Repression und Unterdrückung und landen als letztes Zwangsmittel im Knast.
In unserem Kampf gegen dieses System dürfen wir die Knäste und diejenigen, die welche darin vor sich dahinvegetieren nicht vergessen und sie nicht ihrem Schicksal überlassen.
Wie fange ich an zu schreiben?
Für viele ist es ungewöhnlich fremden Menschen zu schreiben und von ihren Erlebnissen zu erzählen. Sie wissen nicht, was sie schreiben sollen und denken, dass sie mit dem, was sie aufs Papier bringen, den Menschen auf der anderen Seite der Mauern deprimieren könnten oder es ihn/_/sie gar nicht interessiert. Um im sogenannten Sinne „das Eis zu brechen“ ist es besser den ersten Brief eher kurz zu halten und nur die nötigsten Sachen zu schreiben, damit der/_/die Empfänger_in nicht gleich überrumpelt wird.
Schreibe ein paar Worte über dich und zu deiner Motivation des Schreibens. Falls du es als notwendig erachtest, schreibe welcher Gruppe/Organisation du angehörst. Aber bedenke, dass die Briefe nicht nur von dir und dem/_/der Gefangenen gelesen werden.
Achte darauf nichts zu schreiben was den/die Gefangene/n in Schwierigkeiten mit dem Knast bringen kann.
Jede Haftanstalt hat eigene Regelungen für den Briefverkehr, teilweise gibt es Begrenzungen für die Anzahl der Seiten und/oder Beilagen usw. Informiere dich, ob die Anzahl der Briefe/Postkarten, die Gefangene erhalten und schreiben können begrenzt ist und ob es erlaubt ist Briefmarken/Briefumschläge bei zulegen.
Informationen über die jeweiligen Regelungen findest du meist auf der Website der Knäste, auch kann ein Anruf vor Ort weiterhelfen.
Bei Gefangenen in Untersuchungshaft werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit die Briefe/Postkarten von der Staatsanwaltschaft gelesen. In der Strafhaft ist dies nicht der Standart. Bei renitenten Inhaftierten ist dies hingegen aber eher die Regel als die Ausnahme, sowie das Verschwindenlassen von Briefen.
Nummeriere die einzelnen Seiten deines Briefes um vorzubeugen, dass einzelne Seiten „verloren“ gehen. Auch ist es sinnvoll die Briefe fortlaufend zu nummerieren und immer das aktuelle Datum reinzuschreiben. Dies hilft dabei zu erkennen, ob der Brief aufgehalten und die Auslieferung verzögert wurde. Liste außerdem alle Beilagen, wie Briefmarken, Broschüren, Zeitungsausschnitte o.ä. auf, denn auch solche Dinge verschwinden gerne mal.
Vergiss nicht auf den Briefumschlag deine Absendeadresse draufzuschreiben.
Briefe werden regelmäßig von den staatlichen Überwachungs- und Repressionsorganen aufgehalten, gelesen, verzögert oder gar „verlegt“. Eine Möglichkeit, mit der ein Verschwinden von Briefen bis zu einem Großteil unterbunden werden kann, ist der Versand per Einschreiben. Die Post notiert ob und wann sie den Brief der JVA übergeben hat. Somit ist im Fall des Falles nachprüfbar, auf welchem Wegabschnitt er „verschwand“. Aber eine hundertprozentige Sicherheit gibt es auch dafür nicht.
Als letztes wollen wir noch erwähnen, das es noch viele andere Möglichkeiten gibt, um Gefangenen gegenüber solidarisch zu sein und der Ablehnung von Knastanstalten Ausdruck zu verleihen.

