Solidarität mit Alfredo und Christos
Update 10. Februar 2010: Die Entscheidung über die Haftentlassung von Alfredo fiel negativ aus. Damit sitzt er weiterhin mit besorgniserregenden gesundheitlichen Problemen in Haft.
Update 3. Februar 2010: Ein paar solidarische Menschen besuchten heute das griechische Konsulat in Berlin –> ein Bericht und Fotos.
Update 19. Januar 2010: Die neue Adresse der Beiden lautet:
T.K. 18110
ATHENS
GREECE
Ab dem 20. Januar wird eine Entscheidung des Gerichtes auf die Anfrage zur Entlassung auf Kaution bis zum Prozessbeginn erwartet.
Weiter unten auf dieser Seite gibt eine Zusammenstellung von ins Deutsche übersetzten Texten, die zum Großteil der Webseite www.aftertrikala.blogspot.com entnommen wurden. Sowie eine Chronologie der solidarischen Aktionen für die beiden Inhaftierten. Einige der Texte gibt es auch als Zusammenstellung als Flugblatt: download der pdf.
Update 17. Januar 2010: Vor zwei Tagen, am letzten Freitag, den 15. Januar, wurden Alfredo und Christos nach Athen in den Knast Korydallos gebracht. Ob dies eine dauerhafte Verlegung ist oder dies nur aufgrund des in den nächsten Tagen in Amfissa stattfindenden Prozesses gegen die Bullen, welche Alexis am 6. Dezember 2008 in Athen erschossen haben, stattfand, ist momentan unklar.
07. November 2009: Die Anarchisten Alfredo Bonanno und Christos Stratigopoulos befinden sich im Gefängnis von Amfissa, Griechenland, in Haft. Nachdem sie am 1. Oktober nach einem Banküberfall festgenommen wurden. Christos ist des bewaffneten Überfalls angeklagt und Alfredo der Komplizenschaft. Die Anwälte haben für Alfredo aufgrund seines Gesundheitszustandes eine Anfrage auf Hausarrest verfasst.
Schreibt den beiden Inhaftierten an folgende Adresse:
Tzamala 27
33100 Amfissa
Greece
Es wurde ein Spendenkonto eingerichtet, schreibt uns, wenn ihr spenden wollt.
Revolutionäre Solidarität mit Alfredo und Christos und all denjenigen im Kampf gegen die Welt der Gefängnisse und der Banken.
(…)
Das Hauptproblem bleibt Alfredos ziemlich schlechter Gesundheitszustand. Außer seinen sowieso schon existierenden Gesundheitsproblemen, die er schon hatte bevor er in Griechenland eingeknastet wurde, sind nun auch wieder die Schmerzen in seiner Schulter aufgetaucht. Diese rühren von einem Tumor, der, wie in Italien diagnostiziert wurde, sofort operiert werden muss. Es besteht kein Zweifel daran, dass sein Gesundheitszustand sich nach seiner erneuten Inhaftierung in Griechenland wesentlich verschlechtert hat. Dies wiederum liegt nicht zuletzt an den schlechten Bedingungen unter denen Alfredo eingesperrt wird, mit denen zwar viele leben müssen, aber auf Grund seines Alters für Alfredo besonders gravierend sind.
Zudem entwickeln sich die Dinge auf der Verwaltungsebene nur extrem langsam. Ein Beispiel hierfür sind die Ergebnisse einer Röntgenuntersuchung seiner Schulter, die vor 20 Tagen in einem örtlichen Krankenhaus durchgeführt wurde, ihm und seinem Anwalt aber immer noch nicht ausgehändigt wurden. Sie jedoch werden benötigt um einen erneuten Antrag auf Freilassung stellen zu können.
(…)
Die Notwendigkeit seiner Entlassung wird immer unverlässlicher.
Fast jeden Tag bekommen wir Briefe und Postkarten von Genoss_innen aus Griechenland, aber auch aus ganz Europa. Das gibt uns viel Kraft, vor allem Alfredo in seinem derzeitigen Zustand, da wir so wissen, dass wir unter diesen schwierigen Bedingungen nicht alleine sind.
(…)
Hier sind wir wieder mit dem Problem des Raubüberfalls konfrontiert, das uns, herausgerissen und als ganzes von der Realität isoliert, hingeworfen wird – als eine beständige Bewegung, die einer Logik der Zergliederung und des Historizismus trotzt – und jeder fühlt sich, als müsse sie/er unbedingt etwas über das Subjekt aussagen.
Der Fokus liegt auf ein paar Anarchisten nach einem Bankraub und von diesem Moment legt sich die Zeit über diejenigen, die an diesem Tag einfach rausgegangen sind, ihre eigenen Gründe hatten – ohne zuvor Gesetzestexte zu konsultieren oder irgendjemand nach ihrem/seinen Einverständnis gefragt zu haben. Und hier beginnt die Verwandlung in ein Symbol, in Geschichte in Verdinglichung.
Wenn das freie Handeln von der Gegenseite vereitelt wird und die Gesetze sich aufzwängen gereicht das bürgerliche Bewusstsein dem Individuum und seinen Träumen zum Nachteil egal wie konfus oder unterdrückt diese auch sein mögen. Wer sind die Männer und Frauen, die in jeder/jedem begierigen Bürger_in lauern um regelrecht abzuurteilen? Vielleicht nicht der Raub an sich, sondern sein Misslingen? Wer freut sich nicht wenn anonyme Räuber_innen es schaffen eine Bank auszurauben, einen Sicherheitstransporter zu erleichtern oder ein Juweliergeschäft seiner Beute zu berauben? Ohne Blutvergießen und wieso eigentlich nicht auch mit ein bisschen Stil? In letzter Analyse unterstützt ein_e jede_r die Gewinner_innen. Wir fühlen uns auf eine Art und Weise für die Verletzungen entschädigt, die wir unsere Leben lang erlebt haben. Auf der anderen Seite aber kommt die Logik des Beurteilens dann ins Spiel, wenn solche Versuche fehlschlagen. Und könnte das nicht das gleiche sein, was auch innerhalb der anarchistischen Bewegung passiert? Alle Anarchist_innen sprechen sich für gewisse Dinge aus – theoretisch jedenfalls. Solange sich alles innerhalb des anonymen Flusses des Lebens abspielt sind wir einverstanden, dass Chef_innen Dieb_innen sind, Richter_innen Mörder, Journalist_innen Lügner_innen und Menschen, die Bilder für spektakuläre Darstellungen liefern. Was zählt ist, dass alles diskret über die Bühne geht ohne großes Aufsehen zu erregen.
Aber was wenn Genoss_innen mit der Notwendigkeit konfrontiert sind öffentlich Stellung beziehen zu müssen, weil sie von einem spezifischen Ereignis dazu gezwungen werden, einem, dass versagt hat einen Vorteil zu erbringen? Und wer kann sagen, dass hinter dem Schweigen, der offenen Beurteilung oder dem Klatsch nicht die gleichen Dinge passieren? Wären diese Menschen etwas diskreter gewesen hätten sie sicher machen können was ihnen am liebsten gewesen wäre….Schließlich ist die Enteignung ein Teil unserer Geschichte… aber sie hätten mindestens so dabei wegkommen können ohne dabei auf die Füße anderer zu treten, ohne der noblen Geschichte der Bewegung zu schaden.
Jede_r, die/der die Kristallisation von Teilen der Realität akzeptiert, tut dies so weil dies der Weg ist den sie selbst leben und als Realität empfinden. Und eine real vereitelter Bankraub hier und da macht es, dass die Dinge beginnen hart zu werden für diejenigen, die an der Geschichtsschreibung der Bewegung arbeiten. Aber wo bleiben die Helden der Vergangenheit? Arme Anarchie!
Das gleiche kann aber auch auf der Gegenseite passieren. Durch Mystifizierung des bewaffneten Raubs als solchen. Und dann enden wir in der Logik von Unterstützer_innen – die einen dafür und die anderen dagegen.
Auf der anderen Seite fürchten oder besser erkennen diejenigen, die nicht an Geschichte sondern das eigene Projekt Leben innerhalb der Bewegung glauben, Begriffe wie Fehlschlag oder Misslingen nicht. Sie erkennen die Individualität der Genoss_innen innerhalb des Projektrahmens an. Sie sehen deren Versuche als Bestätigung von Individualität. Sie arbeiten mit ihnen um zu verhindern das es beeinträchtigt wird, indem sie neue, unterschiedliche Momente für dessen Ausdruck eröffnen.
Sie setzen ihr Handeln gegen den Feind fort, womit sie wieder ihre eigene Individualität bestätigen und somit einen weiteren Grund dafür haben dies zu tun. Jeder auf ihre/seine eigene Art mit den eigenen Methoden, nicht für die Geschichtsschreibung, sondern gegen das Bestehende.
In Freiheit, für die Freiheit.
Die Raub an sich ist ein falsches Problem.
Eine weitere Episode in der Chronologie der Repression ist uns allen wohl bekannt: Am 01.10. wurden Alfredo Bonanno (aus Italien) und Christos Stratigopoulos (aus Griechenland), zwei Anarchisten, die schon in der Vergangenheit einige Male von Repression betroffen waren, in Griechenland nach einem Bankraub verhaftet und befinden sich seitdem in der Kleinstadt Amfissa in Haft. Unsere Absicht ist hier weder ihre Aktion zu kommentieren, die sowieso auf ganzer Länge unsere Unterstützung genießt, noch auf Einzelheiten ihrer Verhaftung einzugehen da diese schon in anderen Erklärungen und Flugblättern ausgeführt wurden.
Im Gegenteil ist dies, was uns gerade bewegt und woran wir alle Genoss_innen erinnern wollen die Tatsache, dass Christos und Alfredo immer noch im Knast von Amfissa einsitzen und dies der Punkt ist, über den wir mit größerer Entschlossenheit nachdenken sollten.
Den meisten sind die Knastbedingungen in Amfissa bekannt. Kein Lebewesen sollte in einem Höllenort wie diesem gehalten werden. Wir wünschen uns, dass dieser Ort ein für alle mal zerstört wird – gemeinsam mir allen Knästen und Abschiebelagern dieser Welt. Ein Wunsch, den wir zusammen mit vielen anderen Genoss_innen oft bekundet haben – durch niedergeschriebene Worte und manchmal (wir befürchten allzu selten) mit Taten. Wir stimmen den oft debattierten Punkten zu, Angriffe gegen das System der Ausbeutung zu tätigen, das Knäste baut und jegliche Form von Rebellion unterdrückt und wir sind für die völlige Zerstörung aller Knäste. Auch machen wir uns für die Unterstützung und Solidarität für alle eingesperrten Genoss_innen an allen Orten dieser Welt stark. Wir wollen alle unsere Genoss_innen in Freiheit, zusammen mit allen Rebell_innen, die gerade von welchem Staat auch immer festgehalten werden. Darüber hinaus sind wir auch gegen Knäste für unsere Gegner_innen, da wir eine eigene – andere – Vorstellung von der sozialen Regelung davon haben.
Es spielt sich innerhalb des zuvor beschriebenen Kontextes ab, dass wir die spezifische Situation von Alfredo unterstreichen wollen. Denn auch sein Alter wie auch sein Gesundheitszustand sind Teile dieser Chronologie geworden. Es ist offensichtlich, dass die Verlängerung seiner Einsperrung unter den gegenwärtigen Bedingungen eine bewusste politische Entscheidung ist, die vom Gesetz in der Mächtigkeit der Rache an einem revolutionären Anarchisten, der immer ein entschlossener Feind von Autorität in all ihren Formen gewesen ist, auf das höchste Level bringt.
Handeln ist extrem wichtig geworden, wo sich barbarische Zustände in griechischen Knästen weiter ausbreiten, obwohl letztes Jahr ein langer Hungerstreik von tausenden Gefangenen unternommen wurde.
Solidaritätskonzerte und Gegeninformationen können wichtige Initiativen sein. Sporadische Aktionen gegen Symbole der Macht sind schöne Akte der Solidarität. Ein_e jede_r jedoch bleibt für sich wenn ein permanenter Angriff auf Staat und Kapital als ganzes ausbleibt, der auch die Bestrebung beinhaltet den Kampf weiter auszudehnen und die Ausgebeuteten innerhalb der Mauern der Schande mit einzubeziehen. Dies ist ein notweniger Weg, innerhalb dessen es möglich ist spezifische Aktionen zu planen und auch zum Ziel zu haben einzelne Genoss_innen nicht alleine zu lassen, die sich unter bestimmten Bedingungen in den Händen des Feindes befinden.
Lasst uns jetzt handeln, um den Kampf gegen jegliche Art von Knästen lebendig und effektiv fortzuführen bis alle Gefangenen frei und alle Knäste zerstört sein werden. Vor allem die unsichtbaren Mauern, die die Körper und das Bewusstsein innerhalb täglicher Gewohnheiten und unhinterfragter Rituale mit einreißen.
Lasst uns unseren Genoss_innen, die Geiseln des Staates sind, zeigen, dass wir mit ihnen den flammenden Kampf für das Leben und die Würde beschreiten und dass die Leidenschaft für die Freiheit nicht nur eine Parole ist, sondern ein reißender Strom der Liebe und Zerstörung.
Feuer den Knästen
02. Oktober 2009 – Athen: Bombenanschlag nahe des Premierministers
05. Oktober 2009 – Villejuif: Eingeschlagene Scheiben bei einem Büro der Parti Socialiste
14. Oktober 2009 – Berlin: Angriff auf Polizeiwache mit Steinen und Rauchbomben
02. November 2009 – Brighton: Angriff auf die Zentrale der Royal Bank of Scotland mit Steinen
23. November 2009 – Catania: Graffiti und Transparent aufgehangen
30. November 2009 – Tijuana: 28 ausgebrannte Fahrzeuge der Polizei
04. Dezember 2009 – Berlin: Angriff auf BKA-Zentrale mit Molotowcocktails
25. Dezember 2009 – Thessaloniki: drei Fahrzeuge der Lokalregierung angezündet
… Dezember 2009 – Rovereto: Zerstörung von Bankautomaten mit explosiven Materialien
05. Januar 2010 – Athen: 22 zerstörte Luxusfahrzeuge in einem Showroom
11. Januar 2010 – Lissabon: Poster an Wänden von Banken, Universitäten und einer Bahnstation plakatiert
…viele weitere werden nicht lange auf sich warten lassen, bis zur Freiheit der beiden und aller Gefangenen.
Ehrenwerter Minister Herr Kastanides
Ich bin ein Anarchist, inhaftiert im Amfissa-Gefängnis, wo ich kürzlich angekommen bin. Offensichtlich können sie dies heute verstehen, ich habe die selbe Beziehung zum Sozialismus wie sie zum Antiautoritarismus. Ich erzähle ihnen dies, da ich gerade gestern in den Fernsehnachrichten gehört habe, das Herr Giorgos Papandreou (Premierminister) seine neuen Minister gedrängt hat wie „Antiautoritäre gegenüber der Autorität zu handeln“
Was mich betrifft, ich war immer ein Unterstützer von Aktionen und nicht von oberflächlichen Geschwätz. Dies ist der Grund für mich, warum ich gerade eingekerkert bin und nicht aufgrund meiner Überzeugung.
Ich möchte sie nicht weiter langweilen, ehrenwerter Justizminister. Aber ich habe ihnen direkt zu erklären, dass ich, wenn ich in der Position dazu wäre über das System der Strafanstalten zu entscheiden, die Gefängnisse zerstören oder sie mindestens schließen würde. Ich persönlich träume von anderen Wegen der sozialen Wiedergabe der sogenannten Gerechtigkeit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie eine Position haben, die diese Entscheidungen des System der Strafanstalten unterstützt.
Allerdings habe ich sie darüber zu informieren, falls sie davon unwissend sind, dass die griechischen Gefängnisse und speziell das Amfissa-Gefängnis, in welchem ich mich gerade befinde, nur einen Schritt entfernt sind von den Nazi-Konzentrationslagern oder den ähnlichen Lagern, welche im sogenannten Ostblock existiert haben. Ein Besuch als neuer Justizminister würde ihnen zeigen, dass ich die Wahrheit sage, da bin ich mir sicher.
Um diesen Brief zu beenden, möchte ich eine letzte Frage an sie richten: Was gedenken sie zu tun mit den momentanen Zuständen in den griechischen Gefängnissen? Werden sie fortfahren die Leute wie Ratten einzusperren oder sind sie fähig, ich sage nicht menschliche, aber mehr akzeptablere Bedingungen für alle Eingesperrten zu schaffen?
Vielleicht ist es ihnen die Tatsache bewusst, dass ihre Gefolgschaft ihrer Gesetze dieses spezielle Gefängnis in Amfissa als Krematorium bezeichnen.
Nach tiefgründiger Überlegung,
Christos Stratigopoulos
griechischer Anarchist
Dies sind alte Geschichten, aus einem anderen Jahrhundert. Zwei Anarchisten werden verhaftet nach einem Bankraub. Der erste raubte es, mit der Waffe in der Hand. Sie sagen, der zweite hätte ihm geholfen das Geld zu nehmen. Es geschah in einer kleinen griechischen Ortschaft, am letzten 1. Oktober. Also? Dies sind Geschichten die passieren. Und dann ist das ein Land, welches weit weg ist, mit einer unverständlichen und unübersetzbaren Sprache. Wer soll daran interessiert sein? Der Räuber ist Christos Stratigopulos, bereits verhaftet und verurteilt wegen einer gleichartigen Anschuldigung in Italien vor 15 Jahren. Die Strafe abgesessen kehrte er nach Griechenland zurück. Erinnert von einigen, unbekannt von den meisten. Aber der andere Verhaftete ist Italiener; es ist Alfredo Bonanno. Ja, genau er; wer hat nicht seinen Namen gehört? Klein angefangen ging die Nachricht schnell um die Welt, weitergetragen von vielen Presseagenturen: „einer der wesentlichen Theoretikern des aufständischen Anarchismus“, „unter den bedeutendsten Ideologen der Anarchie“, „anarchistischer Aktivist und Autor“, „internationaler flüchtiger anarchistischer Räuber“, „Theoretiker der revolutionären Gewalt“, ist hinter Gittern gelandet. Die Befürworter des Antiterrorismus, griechische und italienische, sind vorgestürmt, fertig um die saftige Angelegenheit auszubeuten. Die Elemente, um einen ausgezeichneten Lehrsatz zusammenzubrauen sind gegeben: ein Land, in dem unentwegt Feuer flackern nach dem großartigen aufständischen Flächenbrand, welcher aufbrauste im letzten Dezember; ein griechischer Anarchist aktiv in der Bewegung; ein ausländischer Anarchist, bekannt für seine subversiven Theorien, der um die Welt reist, um Treffen abzuhalten; eine ausgeraubte Bank.
Christos hat die volle Verantwortung für den Akt übernommen, verursacht durch ökonomische Probleme, Alfredo’s Beteiligung leugnend. Aber, ohne Frage, der Richter glaubte ihm nicht. So befinden sich beide im Knast. Der Erste, weil er es gewagt hatte eine Hand gegenüber dem Wohlstand auszustrecken als sich selbst in Elend sterbend aufzugeben. Was noch wichtiger ist, er ist ein Anarchist. Der Zweite weil…weil…weil er vielleicht seinem Gefährten helfen wollte. Und, gewiss, er ist ein Anarchist. Und das reicht schon.
Dies sind alte Geschichten, aus einem anderen Jahrhundert. Zwei Anarchisten werden verhaftet nach einem Bankraub. Draußen wird Solidarität organisiert. Gelder werden gesammelt; Initiativen werden vorbereitet. Aber das ist nicht alles. In Athen bekommen die zwei Gefangenen explosive Grüße von der Gruppe Conspiracy of the Cells of Fire, welche bloß die Krönung des neuen griechischen Premiers gestört hat. In Villejuif, Frankreich, huldigte jemand seine Hommage mit dem Einwerfen der Scheiben der lokalen Büros der Sozialistischen Party. Eine der Schönheiten der Anarchie ist, dass sie keine Grenzen anerkennt. Und in Italien? Bah, hier beschränkt es sich darauf die Nachrichten zu kommunizieren, treu und kalt berichtend das journalistische Gift. Kein Kommentar. Die VerfasserInnen der täglichen virtuellen Kommunikees sagen nichts. Die Versorger der militanten Gärten verfallen in Schweigen. Die kleinen Strategen der neuen Allianzen schweigen es tot. Die Bewegung ist jetzt zu einer Gemeinschaft geworden, und jede/r der/die nicht ihre Regeln und Sprache teilt, existiert nicht. Er/ sie ist namenlos. In der Hektik den Massen zu folgen, wurden die Individuen vergessen? Möglicherweise ist es besser so. Lieber ein ehrliches Schweigen, als im Anbetracht von solch einem Akt nicht zu wissen, was zu sagen ist, als heuchlerisches Geschnatter über Solidarität. Überlasst dies den stalinistischen Belästigungen und anderen Ruinen. Oder den Faschisten des dritten Jahrtausends, welche in einem ihrer Foren des beiden inhaftierten Anarchisten ihre „Ehre“ gehuldigt haben.
Dies sind alte Geschichten, aus einem anderen Jahrhundert. Zwei Anarchisten werden verhaftet nach einem Bank Job. Der Erste ist 46 Jahre alt, der Zweite 72. Ob schuldig oder unschuldig, für sie als Anarchisten gibt es keine Ausrede des unreifen Verhalten des Extremismus. Starrsinnig wie sie sind haben sie nicht verstanden, dass jetzt die Zeit ist, um auf den Wellen der sozialen Bewegung zu reiten, um zu verteidigen, wer weiß was vor der Plätzen der Macht, um zu handeln als Sozialarbeiter für die Verdammten dieser Erde. Nein, sie haben dies nicht verstanden. Der Traum, den sie in ihren Herzen haben, ist viel zu groß, um sich dem Tick-Tock der modernen Zeit anzupassen.
Kein Pardon, kein Mitleid.
Auf Wiedersehen, schönes Lugano.


