Posts tagged with “Rezension”

„Meine neue Freiheit hält mich gefangen und lähmt mich.“ – Rezension

Sunday, 1 September, 2013

Albertine Sarrazin: AstragalusVor kurzem erschien „Astragalus“ von Albertine Sarrazin im Hanser Verlag. Die Rezension wurde geschrieben von Johannes Spohr, übernommen von www.preposition.de.

Ein Ausbruch aus dem Gefängnis sorgt nicht immer für das Gefühl von Freiheit: Als die neunzehnjährige Anne den Sprung von der Knastmauer wagt, bricht sie sich das Sprungbein, den Astragalus. Die Flucht gelingt ihr trotzdem mit der Hilfe von Julien, der sie von der Straße aufsammelt und in Sicherheit bringt. Auch er hat bereits Erfahrung mit dem Knast gesammelt, was die beiden ad hoc zu vertrauten Verbündeten macht. Es entsteht eine Flucht- und Liebesgeschichte, die für Anne vor allem von Abhängigkeiten und dem Versuch der Wiedererlangung von Autonomie geprägt ist. Read the rest of this entry »

„Der beste Gefangene ist ein Ehemaliger.“ – Rezension

Thursday, 30 May, 2013

vogelperspektivenübernommen von www.preposition.de

Als „ein Stück Rebellion gegen den Knast“ bezeichnen die Herausgeber_innen ein Dokument, welches unter dem Pseudonym Thomas Braven zum ersten Mal 1989 im „Paranoia City“ Verlag in Zürich erschienen ist.

Im damaligen Vorwort heißt es: „Das Schreiben ist eine Art, über die Mauer zu klettern, sie zum bröckeln zu bringen, zu diskutieren…sowohl drinnen wie draußen.“ Bravens „Vogelperspektive“, die den Leser_innen vor allem eine „Innenperspektive“ verschiedener Situationen bietet, eignet sich für eine Diskussion sowohl der Knastwelt an sich auch als auch der Bedingungen, die sie produziert. Die blumige Titel erinnert an den dem Text immanenten Freiheitsbegriff, an den auch von den Herausgeber_innen erinnert wird.
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Mit solidarischen Grüßen aus dem Knast – Texte und Bilder von Gefangenen – Rezension

Thursday, 26 July, 2012

Broschüre "Mit solidarischen Grüßen aus dem Knast"geschrieben von Thomas Meyer-Falk, inhaftiert in der JVA Bruchsal

Lebenszeichen aus den Knästen der Erde

Im Frühsommer 2012 kam mit der Post die von einem fünfköpfigen Redaktionskollektiv zusammengestellte Sammlung von Wort- und Bildmeldungen aus Knästen in Deutschland, Belgien, Frankreich, … bis hin aus den USA. Auf knapp 70 Seiten entfaltet sich das ganze Elend, jedoch ebenso die ganze Sehnsucht von Frauen und Männern, die, aus ganz unterschiedlichen Gründen, hinter Gittern sitzen.

Den Auftakt macht Nicci, eine Tierrechtsaktivistin, die auch programmatisch für die knastkritische Haltung der Redaktion und der AutorInnen steht: „Knast schafft Probleme, keine Lösungen“, so der Titel ihres Beitrags. Es gibt auch Zeichnungen, an- und berührende Gedichte, wie auch politische Essays.
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Joe Bausch: Knast – Rezension

Tuesday, 17 July, 2012

Joe Bausch-KnastVon der Webseite des Strafvollzugarchivs übernehmen wir eine Buchbesprechung von Johannes Feest.

Es gibt nur wenige schreibende Vollzugspraktiker. Und diese wenigen beschreiben kaum jemals ihre Praxis. Das vorliegende Buch ist die Ausnahme von dieser Regel.

Joe Bausch, Knastarzt und Tatort-Star, betont, dass sein Buch „keine Autobiographie“ sei (S.15). Seine Erfahrungen aus 25 Jahren in der JVA Werl werden jedoch immer wieder von autobiographischen Einschüben unterbrochen. Und das ist gut so, denn dadurch gewinnen die Schilderungen an Tiefe und an persönlicher Glaubwürdigkeit.
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Thomas Meyer-Falk: Das Ende der Sicherungsverwahrung – eine Rezension

Thursday, 26 January, 2012

faust-durchs-gitterDruckfrisch liegt nun seit Anfang Januar das Buch des seit Jahrzehnten im Umgang mit Gefangenen erfahrenen Sozialarbeiters und Bewährungshelfers Peter Asprion (Freiburg) vor. Auf knapp 200 Seiten, erschienen im Herder-Verlag, gibt der Autor den von Sicherungsverwahrung betroffenen Menschen ein Gesicht.

Jedoch hat Asprion dabei insbesondere die aus der SV frei gelassenen „Altfälle“ im Blick und stellt exemplarisch zwei zur Zeit in Freiburg lebende Ex-Verwahrte vor, welche nach wie vor, also nach über einem Jahr in Freiheit, von der Polizei Tag und Nacht bewacht werden. Er entdämonisiert sie nachdrücklich.
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Liao Yiwu: Für ein Lied und hundert Lieder – eine Rezension

Sunday, 11 September, 2011

Liao Yiwu: Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen.Von der Webseite des Strafvollzugarchivs übernehmen wir eine Buchbesprechung von Johannes Feest.
Er stellt das Buch Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen. des chinesischen Schriftstellers Liao Yiwu vor, in welchem dieser über seine Erfahrung in verschiedenen Knästen in China berichtet.

Liao Yiwu hat eine bemerkenswerte Geschichte zu erzählen. Von einem Lyriker, der zur Zeit des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens in ein „Geheul“ nach Art von Allan Ginsberg ausbrach. Und dessen Gedichte „Massaker“ und „Requiem“ von Hand zu Hand in ganz China verbreitet wurden, auch als Ton- und Videodokument. In der Folge wurden er und einige seiner Freunde festgenommen und er verbracht die nächsten vier Jahre hinter Gittern. Im Jahre 1994 wurde er entlassen und begann an dem Buch zu schreiben, welches jetzt auf deutsch vorliegt. Das erste Manuskript wurde von der Polizei beschlagnahmt und er musste von vorne anfangen. Read the rest of this entry »

Thomas Meyer-Falk: Strafvollzug 2011 – eine Rezension

Sunday, 22 May, 2011

faust-durchs-gitterIm Frühjahr dieses Jahres erschien von dem für die taz (die tageszeitung, Berlin) tätigen Journalisten, Sozialpädagogen und Soziologen Kai Schlieter das Buch „Knastreport – Das Leben der Weggesperrten“.
Auf 254 Seiten bietet der Autor einen ungeschminkten Einblick in den bundesdeutschen Strafvollzug; er lässt neben einigen Gefangenen auch Professor Kröber (Berlin), einen der bekanntesten deutschen forensischen Psychiater zu Wort kommen.

Die sechs Kapitel des Sachbuches unterteilen sich in insgesamt 27 Unterkapitel, vom „Knastkomplex“ (Seite 15 – 38), dort wird über die Erfindung der Gefängnisse, der Gier nach Strafe, wie auch Gefängnisarchitektur erzählt. Hin zu den „jugendlichen Verbrechern“ (Seite 41 – 74); dort berichtet u.a. Yunus von den traumatisierenden Erfahrungen in der Jugenduntersuchungshaft zu landen. Read the rest of this entry »

Thomas Meyer-Falk: Das zarte Pflänzchen Solidarität – eine Rezension

Friday, 29 April, 2011

faust-durchs-gitterVor vier Jahren wurden im Sommer 2007 erst Axel, Florian und Oliver in Brandenburg verhaftet; und nur wenige Stunden später Andrej in Berlin. Ihnen wurde von der Bundesanwaltschaft vorgeworfen Mitglieder der militanten gruppe (mg) zu sein.

Jetzt, eineinhalb Jahre nachdem der Prozess gegen Axel, Florian und Oliver mit einer Verurteilung endete, erschien seitens des „Bündnis für die Einstellung der § 129(a)-Verfahren“ eine 86-seitige Publikation zur Nachbereitung der Soliarbeit und auch gedacht als Handreichung für künftige Soli-Gruppen.
In vier Kapiteln werden neben den Fallen und Freuden der Soliarbeit (S. 9-30), die Öffentlichkeits- und Pressearbeit (S. 31-45), die konkrete Soliarbeit rund um den Prozess (S. 46-64), sowie die Ermittlungsmethoden (S. 65-72) ausführlich dargestellt.
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Thomas Meyer-Falk: Tote sind immer im Recht – eine Rezension

Monday, 30 August, 2010

faust-durchs-gitter Am 27. Dezember 2008, zwischen 11 Uhr und 11.40 Uhr starb im Justizvollzugskrankenhaus Heinrich Pommerenke nach fast 50 Jahren Gefängnis. Kein Gefangener saß bislang derart lange ununterbrochen in Haft (auch wenn es aktuell mehrere Inhaftierte gibt, die 40, 45 und mehr Jahre, wie man im Gefängnisjargon sagt, „auf dem Buckel haben“).

Was machte ihn so gefährlich in den Augen der Justiz? Er wurde am 22. Oktober 1960 in Freiburg wegen vierfachen Mordes, siebenfachen Mordversuchs, 25-facher versuchter und zweifach vollendeter Vergewaltigung und anderer Delikte mehr zu sechs Mal lebenslang plus 15 Jahren verurteilt. In den Jahren nach seiner Verhaftung und Verurteilung gaben Eltern ihren Kindern die Drohung auf den Weg, sie mögen pünktlich nach Hause kommen, „sonst holt Dich der Pommerenke“. Das personifizierte Grauen, ein Monster, der Teufel in Menschengestalt; das wurde er geheißen und noch mehr.
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