Thursday, 26 January, 2012
Druckfrisch liegt nun seit Anfang Januar das Buch des seit Jahrzehnten im Umgang mit Gefangenen erfahrenen Sozialarbeiters und Bewährungshelfers Peter Asprion (Freiburg) vor. Auf knapp 200 Seiten, erschienen im Herder-Verlag, gibt der Autor den von Sicherungsverwahrung betroffenen Menschen ein Gesicht.
Jedoch hat Asprion dabei insbesondere die aus der SV frei gelassenen „Altfälle“ im Blick und stellt exemplarisch zwei zur Zeit in Freiburg lebende Ex-Verwahrte vor, welche nach wie vor, also nach über einem Jahr in Freiheit, von der Polizei Tag und Nacht bewacht werden. Er entdämonisiert sie nachdrücklich.
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Sunday, 11 September, 2011
Von der Webseite des Strafvollzugarchivs übernehmen wir eine Buchbesprechung von Johannes Feest.
Er stellt das Buch Für ein Lied und hundert Lieder. Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen. des chinesischen Schriftstellers Liao Yiwu vor, in welchem dieser über seine Erfahrung in verschiedenen Knästen in China berichtet.
Liao Yiwu hat eine bemerkenswerte Geschichte zu erzählen. Von einem Lyriker, der zur Zeit des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens in ein „Geheul“ nach Art von Allan Ginsberg ausbrach. Und dessen Gedichte „Massaker“ und „Requiem“ von Hand zu Hand in ganz China verbreitet wurden, auch als Ton- und Videodokument. In der Folge wurden er und einige seiner Freunde festgenommen und er verbracht die nächsten vier Jahre hinter Gittern. Im Jahre 1994 wurde er entlassen und begann an dem Buch zu schreiben, welches jetzt auf deutsch vorliegt. Das erste Manuskript wurde von der Polizei beschlagnahmt und er musste von vorne anfangen. Read the rest of this entry »
Sunday, 22 May, 2011
Im Frühjahr dieses Jahres erschien von dem für die taz (die tageszeitung, Berlin) tätigen Journalisten, Sozialpädagogen und Soziologen Kai Schlieter das Buch „Knastreport – Das Leben der Weggesperrten“.
Auf 254 Seiten bietet der Autor einen ungeschminkten Einblick in den bundesdeutschen Strafvollzug; er lässt neben einigen Gefangenen auch Professor Kröber (Berlin), einen der bekanntesten deutschen forensischen Psychiater zu Wort kommen.
Die sechs Kapitel des Sachbuches unterteilen sich in insgesamt 27 Unterkapitel, vom „Knastkomplex“ (Seite 15 – 38), dort wird über die Erfindung der Gefängnisse, der Gier nach Strafe, wie auch Gefängnisarchitektur erzählt. Hin zu den „jugendlichen Verbrechern“ (Seite 41 – 74); dort berichtet u.a. Yunus von den traumatisierenden Erfahrungen in der Jugenduntersuchungshaft zu landen. Read the rest of this entry »
Friday, 29 April, 2011
Vor vier Jahren wurden im Sommer 2007 erst Axel, Florian und Oliver in Brandenburg verhaftet; und nur wenige Stunden später Andrej in Berlin. Ihnen wurde von der Bundesanwaltschaft vorgeworfen Mitglieder der militanten gruppe (mg) zu sein.
Jetzt, eineinhalb Jahre nachdem der Prozess gegen Axel, Florian und Oliver mit einer Verurteilung endete, erschien seitens des „Bündnis für die Einstellung der § 129(a)-Verfahren“ eine 86-seitige Publikation zur Nachbereitung der Soliarbeit und auch gedacht als Handreichung für künftige Soli-Gruppen.
In vier Kapiteln werden neben den Fallen und Freuden der Soliarbeit (S. 9-30), die Öffentlichkeits- und Pressearbeit (S. 31-45), die konkrete Soliarbeit rund um den Prozess (S. 46-64), sowie die Ermittlungsmethoden (S. 65-72) ausführlich dargestellt.
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Monday, 30 August, 2010
Am 27. Dezember 2008, zwischen 11 Uhr und 11.40 Uhr starb im Justizvollzugskrankenhaus Heinrich Pommerenke nach fast 50 Jahren Gefängnis. Kein Gefangener saß bislang derart lange ununterbrochen in Haft (auch wenn es aktuell mehrere Inhaftierte gibt, die 40, 45 und mehr Jahre, wie man im Gefängnisjargon sagt, „auf dem Buckel haben“).
Was machte ihn so gefährlich in den Augen der Justiz? Er wurde am 22. Oktober 1960 in Freiburg wegen vierfachen Mordes, siebenfachen Mordversuchs, 25-facher versuchter und zweifach vollendeter Vergewaltigung und anderer Delikte mehr zu sechs Mal lebenslang plus 15 Jahren verurteilt. In den Jahren nach seiner Verhaftung und Verurteilung gaben Eltern ihren Kindern die Drohung auf den Weg, sie mögen pünktlich nach Hause kommen, „sonst holt Dich der Pommerenke“. Das personifizierte Grauen, ein Monster, der Teufel in Menschengestalt; das wurde er geheißen und noch mehr.
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Monday, 2 November, 2009
Dieses Jahr erschien in deutscher Übersetzung das erstmals 2004 in Frankreich publizierte Buch “Bestrafen der Armen – Zur neoliberalen Regierung der sozialen Unsicherheit” des in Paris und in den USA lehrenden Professors Loic Wacquant.
Die knapp 360 Seiten starke Analyse der straffixierten Wende in der Strafrechtspolitik gehört in jeden Bücherschrank eines an kritischer Auseinandersetzung mit Strafvollzug, Knastpolitik und Strafrechtsverschärfungen interessierten Menschen.
Schon im Vorwort bringt der Autor es auf den Punkt, wenn er das “Law-and-Order-Karussell” anklagt, für die Kriminalität das zu sein, was die Pornografie für die Liebesbeziehung sei, nämlich “ein die Realität bis zur Groteske entstellender Zerrspiegel, der das delinquente Verhalten aus dem Geflecht der sozialen Beziehungen (…) künstlich herauszupft, seine Ursachen und Bedeutungen bewusst ignoriert” um dabei der Kriminalitätsfurcht ebenso Nahrung zu geben, wie von ihr zu leben (a.a.O., S.13-15).
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Monday, 31 March, 2008
Wenn Nelson Mandela davon sprach, das Gefängnis beraube den Menschen nicht nur seiner Freiheit, sondern suche auch ihm die Identität zu nehmen, dann legt das hier zu besprechende Buch von Xose’ Tarrio, der 2005 in Spanien starb, Zeugnis davon ab, wie Gefangene ihre Identität verteidigen und trotz unmenschlicher, trotz erniedrigender Behandlung und Folter ihr Mensch sein bewahren.
Zehn Jahre brauchte es, bis das im Original in Spanien (“Huye, hombre, huye. Diario de un preso FIES”) 1997 erschienene bibliografische Buch von Xose’ nun in deutscher Übersetzung vorliegt: “Hau ab, Mensch!”.
Auf über 300 Seiten berichtet Xose’ von den einzelnen Gefängnissen, in denen er im Verlaufe vieler Jahre festgehalten, geschlagen, in Handschellen gelegt wurde. Dies ist der äußere Rahmen und ist schon lesenswert genug, wird doch die zerstörerische Wirkung der Institution Gefängnis deutlich. Ebenso faszinierend und ungleich mehr von Bedeutung ist jedoch die innere Entwicklung Xose’ Tarrios zu verfolgen. Er, der mit 19 Jahren eine anderthalbjährige Strafe antreten soll und am Ende ein Strafmaß von 71 (!) Jahren vor sich hat, als er 2004 ins Koma fällt und Anfang 2005 stirbt.
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