{"id":1161,"date":"2009-09-16T01:08:46","date_gmt":"2009-09-15T23:08:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=1161"},"modified":"2012-01-25T18:52:14","modified_gmt":"2012-01-25T17:52:14","slug":"festival-gegen-den-jugendknast-in-wuppertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/festival-gegen-den-jugendknast-in-wuppertal","title":{"rendered":"Festival gegen den Jugendknast in Wuppertal"},"content":{"rendered":"<p>Am 12. September 2009 ging der Protest und Widerstand gegen den neuen Jugendknast in Wuppertal in eine n\u00e4chste Runde. Nach der vielbeachteten Podiumsdiskussion in Ronsdorf mit Gef\u00e4ngnispfarrern und KritikerInnen des Gef\u00e4ngnissystems, nach den Protesten von Umweltsch\u00fctzerInnen gegen die Grundsteinlegung durch die Justizministerin Piepenk\u00f6tter wurde auf dem Festival gegen den Jugendknast vor allem ehemaligen Gef\u00e4ngnisinsassen und sog. \u201eHeimz\u00f6glingen\u201c das Wort gegeben.<\/p>\n<p>Der heutige (Jugend) Strafvollzug hat in Deutschland eine besondere Vorgeschichte. \u201eVerhaltensauff\u00e4llige\u201c und \u201estraff\u00e4llig\u201c gewordene Jugendliche wurden schon in Weimarer Republik-Zeiten in \u201eF\u00fcrsorgererziehung\u201c und Jugendgef\u00e4ngnissen unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten. Die nationalsozialistische Gesellschaft verst\u00e4rkte den Zugriff und sperrte diese Jugendlichen in geschlossene Heime, in sog. \u201eLandespflege- und Heilanstalten\u201c und Jugendkonzentrationslager ein. Diese Jugendliche fielen dann zum Teil den Mordprogrammen der Nazis zum Opfer, fast alle aus diesem Personenkreis wurden zwangssterilisiert.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDie Initiative huschhusch, das Autonome Zentrum Wuppertal sowie die \u00f6rtliche Antifa beteiligten sich vergangenen Samstag am Festival gegen den Jugendknast in Wuppertal Ronsdorf. Eindrucksvoll schilderten Paul Brune, ein Opfer der NS-Psychatrie, der auch nach 1945 in Heimen eingesperrt war, Stefan und Gerhardt, beide Ex-H\u00e4ftlinge in Jugendgef\u00e4ngnissen der neueren Vergangenheit, ihre Erfahrungen und traumatisierenden Erlebnisse. Paul Brune, Jahrgang 1935 wurde als \u201egemeingef\u00e4hrlicher, debiler Psychopath\u201c von 1943 bis 1957 psychiatrisiert und war der Gewalt von Anstaltsleitern, \u00c4rzten und Ordensschwestern ausgeliefert. Als achtj\u00e4hriger Schuljunge entging er nur knapp der Ermordung durch NS-\u00c4rzte und sollte noch in den f\u00fcnfziger Jahren als \u201egef\u00e4hrlicher Psychopath\u201c f\u00fcr immer hinter Anstaltsmauern verschwinden. So wurde von den Zust\u00e4nden innerhalb der Heime und Gef\u00e4ngnisse berichtet, aber auch von den Versuchen erz\u00e4hlt, innerhalb und au\u00dferhalb der Mauern Widerstand gegen die Verh\u00e4ltnisse zu organisieren. Vorangegangen war der Diskussionsrunde ein Zaunspaziergang, entlang des Gel\u00e4ndes auf dem der Jugendknast gebaut werden soll, bzw. bereits gebaut wird \u2013 dieser wurde durch die anr\u00fcckende Staatsgewalt allerdings unterbunden, alle Anwesenden des Gel\u00e4ndes verwiesen. Bei Antifa-Infostand, veganer K\u00fcche und Livemusik wurde dann weiter \u00fcber die Zust\u00e4nde in Kn\u00e4sten diskutiert. Der Teilnehmer, der \u00fcber ganz aktuelle Ereignisse berichten sollte, war leider arbeitsbedingt verhindert, so fehlte ein wichtiger Bestandteil der Diskussion. Der Tag endete mit Livemusik von Grog von Teds &amp; Grog (Liedermacher \u2013 Berlin), Mettfabrik (Elektro-Hip-Hop \u2013 Wuppertal), Nic Knatterton (Hip-Hop \/ Aachen), Microphone Mafia (Hip-Hop \u2013 K\u00f6ln) und Du &amp; Ich tanzen jetzt (Elektro \u2013 Wuppertal).<br \/>\n<em><br \/>\nQuelle: hermilebt.wordpress.com<br \/>\nWeitere Infos zu den Protesten gegen den Knastneubau: <a href=\"http:\/\/huschhusch.blogsport.de\/\">huschhusch.blogsport.de<\/a><\/em><\/p>\n<hr size=\"2\" \/>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Jugendknast und kein Ende<\/strong><\/h3>\n<p>Wir sind heute hier, weil wieder mal ein neuer Jugendknast gebaut werden soll. Ich geh\u00f6re zu denen, die selbst mal unter Jugendknast zu leiden hatten. 1972 wurde ich wegen 5 Gramm Shit zu 9 Monaten Jugendknast verurteilt. Die damalige Verhandlung hat sich wie ein Film in mein Ged\u00e4chtnis eingebrannt. Der Staatsanwalt zeigte in der Verhandlung Fotos von Herointoten in M\u00fcnchen und faselte davon, dass Shit die Einstiegsdroge sei und sprach von General-und Spezialpr\u00e4vention. Ich sa\u00df nur da und dachte &#8220;die spinnen&#8221;. Schlie\u00dflich ging es um 5 Gramm Shit und nicht um ein Kilo H. Nach 2 Stunden machten sie dann kurzen Proze\u00df und schickten mich 9 Monate in den Jugendknast.<br \/>\nIch kam nach Niedersch\u00f6nenfeld (Bayern) und landete dort in einem der damals \u00fcblichen 8-Mann-S\u00e4le. Wie so \u00fcblich wurde ich am ersten Abend vom &#8220;Saalchef&#8221;, einem 20-j\u00e4hrigen Kleiderschrank, der im Hauptberuf Zuh\u00e4lter war, vergewaltigt, d.h. anal penetriert. W\u00e4hrend der ganzen Prozedur dachte ich an die selbstgerechten Gesichter des Staatsanwalts und des Richters, die mich in diese Lage gebracht hatten. Die ganze Vergewaltigung hatte wie \u00fcblich nix mit Sexualit\u00e4t zu tun. Es ging dem &#8220;Saalchef&#8221; darum seine Position zu zementieren. Mir geht&#8217;s hier nicht darum, die Gewalt unter Gefangenen, die es grade im Jugendknast sicherlich gibt, zu sehr in den Mittelpunkt zu stellen. Meine Anklage richtet sich gegen das System Jugendknast, das nicht nur Gewalt unter den Jugendlichen f\u00f6rdert, sondern selbst gewaltt\u00e4tig ist. Auf die Gewalt der Institution will ich nun eingehen.<\/p>\n<p>Als Erst&#8221;t\u00e4ter&#8221; &#8220;durfte&#8221; ich als Freig\u00e4nger bei einem benachbarten Bauern in dessen Champignonzucht arbeiten. Ein sehr fragw\u00fcrdiges Vergn\u00fcgen. Da eine Scheune grade umgebaut wurde, mu\u00dften wir den ganzen Tag Bauschutt mit der Schubkarre wegbringen. Es war Winter und arschkalt und wir hatten nicht mal Handschuhe. Ich hab furchtbar gefroren. Nach ein paar Tagen bin ich dann w\u00e4hrend der Mittagspause einfach in den Wald abgehauen. Nach einem Tag hatten mich dann die Bullen im Wald aufgesp\u00fcrt und nach Niedersch\u00f6nenfeld zur\u00fcckgebracht. Im anschlie\u00dfenden Disziplinarverfahren bekam ich dann 4 Wochen versch\u00e4rften Arrest. Arrest, das bedeutet Unterbringung in einer total kahlen Zelle im Keller. Versch\u00e4rfter Arrrest bedeutete, da\u00df dir die Matraze weggenommen wird. Du mu\u00dft auf einem harten Holzbrett schlafen und bekommst nur zwei Decken. Au\u00dferdem erh\u00e4ltst du kein normales Essen, sondern nur morgens einen sogenannten Kaffee(der mit dem Hei\u00dfgetr\u00e4nk gleichen Namens nichts zu tun hat) und 3<br \/>\nScheiben Brot. Abends gibt es dann sogenannten Tee und 3 Scheiben Brot. Hofgang entfiel ebenso. Jeder dritte Tag war dann normaler Arresttag. D.h. 2 Tage versch\u00e4rft, 1 Tag normaler Arrest. Ansonsten h\u00e4ttest du die 4 Wochen garnicht durchstehen k\u00f6nnen. Nach den 4 Wochen konnte ich mich kaum noch bewegen. Der ganze K\u00f6rper schmerzte einfach.<\/p>\n<p>Der versch\u00e4rfte Arrest wurde mit der Einf\u00fchrung des Strafvollzugsgesetzes zwar abgeschafft, aber die Justiz hat immer noch genug M\u00f6glichkeiten, Gefangene zu qu\u00e4len. Deshalb stehe ich heute mich Euch hier. Weg mit allen Kn\u00e4sten und mit den Jugendkn\u00e4sten fangen wir schon mal an.<\/p>\n<p>Gerhard<br \/>\nAutonomes Knastprojekt K\u00f6ln<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 12. September 2009 ging der Protest und Widerstand gegen den neuen Jugendknast in Wuppertal in eine n\u00e4chste Runde. 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