{"id":1421,"date":"2009-11-26T11:19:09","date_gmt":"2009-11-26T10:19:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=1421"},"modified":"2011-10-29T11:22:41","modified_gmt":"2011-10-29T09:22:41","slug":"ein-brief-des-in-griechenland-inhaftierten-anarchisten-panagiotis-masouras","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/ein-brief-des-in-griechenland-inhaftierten-anarchisten-panagiotis-masouras","title":{"rendered":"Ein Brief des in Griechenland inhaftierten Anarchisten Panagiotis Masouras"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-1274\" title=\"arrested\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/arrested-170x250.jpg\" alt=\"arrested\" width=\"170\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/arrested-170x250.jpg 170w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/arrested.jpg 185w\" sizes=\"(max-width: 170px) 100vw, 170px\" \/><em>Dieser Brief wurde vor ein paar Wochen von Panagiotis Masouras geschrieben. Ein Anarchist der Ende September verhaftet worden ist und unter anderem angeklagt wurde Mitglied der terroristischen Organisation &#8220;Verschw\u00f6rung der Feuerzellen&#8221; zu sein. Mit der selben Anklage befinden sich auch Manolis Giospas und Haris Hatzimihelakis in Haft.<br \/>\nAm 14. November um 5.30 Uhr in der Fr\u00fche wurde auch ein 22-j\u00e4hriges M\u00e4dchen von der Polizei mitten in Athen entf\u00fchrt. Sie wurde allerdings am 18. November Mittags wieder freigelassen. Es gibt weitere Personen (die Infos der Polizei variiert zwischen sechs und acht), die mit diesem Fall in Verbindung gebracht werden, diese sind gerade untergetaucht. W\u00e4hrenddessen hat sich die &#8220;Verschw\u00f6rung der Feuerzellen&#8221; f\u00fcr den Angriff mit einer Bombe auf das Haus des Abgeordneten der PASOK Mimis Androulaki, vorher war er in der Kommunistischen Partei, am 13. November in Athen verantwortlich erkl\u00e4rt.<\/em><\/p>\n<p>Wir erinnern noch daran, dass am 2. Dezember in Saloniki das Verfahren gegen den Gef\u00e4hrten Ilias Nikolau, der seit letztem Januar inhaftiert ist, auf Verdacht, dass er eine Polizeiwache angez\u00fcndet h\u00e4tte, stattfindet. Am 27. November wird es eine Demo in Saloniki geben, sowie eine Kundgebung am 2. Dezember vor dem Gerichtsgeb\u00e4ude.<\/p>\n<p><strong>Brief von Panagiotis Masouras<\/strong><\/p>\n<p>Am Mittwoch, den 23. September um 08.15 Uhr als ich aus meiner Wohnung in Galatsi kam, mit einem Rucksack auf dem Weg zum Fitnesscenter war, fand meine Verhaftung durch 25 Mitglieder der Antiterroreinheit der Polizei statt.<\/p>\n<p>Innerhalb weniger Sekunden befand ich mich auf dem B\u00fcrgersteig, die H\u00e4nde mit Handschellen auf den R\u00fccken gebunden, w\u00e4hrend sie (die Polizisten) ihre Offiziere informierten &#8220;dass, alles gut liefe&#8221; und dass sie mich &#8220;abf\u00fchrten&#8221;. Sie f\u00fchrten mich zur zw\u00f6lften Etage der Polizeizentrale. Sp\u00e4ter wurde ich informiert, dass weitere zwei Personen, welche meine Freunde sind, verhaftet wurden.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nW\u00e4hrenddessen hatte dieses ganze Theater erst angefangen. 48 Stunden ohne Schlaf und k\u00f6rperlich komplett ersch\u00f6pft standen wir mit dem Gesicht zur Wand und sahen uns einer langen Liste von Fragen ausgesetzt, gleichzeitig lief irgendein Offizier in den B\u00fcros auf und ab und schrie im Delirium voller Lust &#8220;was hier gerade geschieht wird Krieg genannt&#8221;.<\/p>\n<p>Dann begannen sie sich f\u00fcr meinen Lebensweg, mein Geplauder mit meinen FreundInnen, f\u00fcr meinen Charakter zu interessieren. Es gab eine menschliche Ann\u00e4herung an eine verirrte Jugend, welche den falschen Lauf nahm. Sie nahmen die Rolle ein mich wieder auf den richtigen Weg zu bringen, mich zur Vernunft zu bringen. Nicht f\u00fcr sie selbst, sondern f\u00fcr mich, sie sagten ich h\u00e4tte die Pflicht mir selbst zu helfen, in dem ich \u00fcber andere Menschen, die ich nicht kenne, sowie Geschehnisse erz\u00e4hle. Sp\u00e4ter sagte mir ein Offizier, ich sei ein Schwachkopf, die anderen h\u00e4tten mich &#8220;verraten&#8221;, sie h\u00e4tten sich von mir distanziert. Falls ich nicht reden wolle, w\u00fcrde ich f\u00fcr die Straftaten anderer ins Gef\u00e4ngnis gehen. Dies sagten sie mir jedes Mal, wenn ich irgendwelche Fragen \u00fcber Sachen, die ich nicht kenne, nicht beantwortete.<\/p>\n<p>Die Wachwechsel fingen an: die &#8220;guten&#8221; Polizisten, voller Sensibilit\u00e4t, mit ihren aufgrund der Kindheit verletzten Gef\u00fchlen, wie sie selber sagten, erkannten die Ungerechtigkeit und wollten mir helfen. Auf der anderen Seite waren die &#8220;Harten&#8221; aus dem Kommando der Antiterroreinheit mit ihren Sturmhauben. Die &#8220;harten&#8221; Aus\u00fcbenden der Gesetze, Vertreter der Moral, arbeiteten mit Entschlossenheit, k\u00f6rperlicher und seelischer Ersch\u00f6pfung, als eine Art von Rache als ich, wie sie selber sagten, &#8220;meinen Mund hielt&#8221;.<br \/>\nDie Tatsache, dass ich die Anschuldigungen leugne, bedeutet nicht, dass ich einen Moment lang meine &#8220;Identit\u00e4t&#8221; und politische &#8220;Herkunft&#8221; abstreite. Ich k\u00f6nnte dies niemals unter den Teppichboden meiner W\u00fcrde kehren und einsperren, sowie ein Auge zur Tat zudr\u00fccken, da ich eine politische Identit\u00e4t bin, welche Stellung gegen die Werte und die Institutionen dieser Gesellschaft durch das kritische revolution\u00e4re Denken und durch die Tat bezogen hat. Ich bin Anarchist und Anh\u00e4nger der Seite der Revolution und zur selben Zeit zu meiner eigenen Seite.<\/p>\n<p>Der Grund weshalb meine beiden Freunde und ich sich in Untersuchungshaft befinden ist leicht zum verstehen. Sogar der naivste Verstand k\u00f6nnte verstehen, dass all das hier mit den Tatsachen zu tun hat, die im Rahmen der Wahlen stattfinden und dass sie politische und mediale Ziele anstreben.<\/p>\n<p>Der Aufschwung der Situation, die bis an die Z\u00e4hne bewaffnete EKAM (Anti-Terroreinheit der Polizei) und die Rolle welche die Petzen der Medien spielte, das alles verbunden mit der politischen Situation der letzten Tage, damit der Normalgrieche ein Gef\u00fchl der Sicherheit und Ordnung im Angesicht der Wahlen empfindet. Ein Normalgrieche, der in seiner Rolle als aktiver B\u00fcrger wie ein Schlafwandler sich wieder Richtung Wahlurne bewegte, um den Anteil seiner existentiellen Verantwortung in die H\u00e4nde anderer abzugeben. Es ist schon bekannt, dass die \u00f6ffentliche Meinung keine Meinung hat, denn deswegen kann sie ja von irgendwem geformt werden. Die Stimmung dieser Tage ist haupts\u00e4chlich den W\u00fcrmern der Kommunikationsmedien zu verdanken. Ihr verschlingender Durst auf &#8220;die Bestien von Galatsi&#8221; und &#8220;den Monstern von Halandri&#8221;, dargestellt als ein Haufen von Bombenwerfern, welche Verbindungen mit den &#8220;sehr ber\u00fchmten&#8221; revolution\u00e4ren Organisationen haben, von welchen sie die Befehle bekommen und Missionen ausf\u00fchren.<br \/>\nWas die Waffen und die Munition angeht, die sie bei mir zu Hause gefunden haben, sowie das Geld welches &#8220;aus Bank\u00fcberf\u00e4llen&#8221; stammt, nur weil alles vorsichtig versteckt war, werde ich es in Zukunft vor der T\u00fcr meiner Wohnung hinterlassen.<\/p>\n<p>Die Gesellschaft ist nicht in Klassen geteilt, sondern nach den Entscheidungen und dem Bewusstsein. Denn wir lernten vom Schmerz und der Freude, vom Blut und von der Stra\u00dfe. Wird sind geboren worden, um unversehrt innerhalb unserer unverst\u00e4ndlichen Einzigartigkeit zu existieren. Unverst\u00e4ndlich, weil wir den Schmerz aushalten, weil wir systematisch lernen Stahl auf unsere Haut zu legen und der Beton mit revolution\u00e4rem Blut bemalt wird.<\/p>\n<p>Die Moral vollstrecken, wir predigen die Zerst\u00f6rung, leider wispern wir mit Wut bei\u00dfend auf die W\u00f6rter: KRIEGSANGRIFF, weil dass einzige was existiert die Sch\u00f6nheit und die Kraft ist. Die Feiglinge haben die Gerechtigkeit erfunden um sich auszugleichen.<\/p>\n<p>Dort wo es Stacheldraht gibt, wird es blutige H\u00e4nde geben, die es zerrei\u00dfen; dort wo es Zement gibt, wird es zornige Schreie geben, die ihn zum Einst\u00fcrzen bringen; dort wo es Gitter gibt, werden korrosive Seelen sein, welche sie zerst\u00f6ren werden; dort wo wir lebendig begraben sind, werden wir die Moral begraben.<\/p>\n<p>F\u00fcr uns selbst haben wir die Pflicht unsere Fesseln zu durchbei\u00dfen, auch wenn wir bei\u00dfend sterben. Denn wir sind nichts weiteres als unsere eigenen Entscheidungen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Ehre, f\u00fcr die W\u00fcrde, f\u00fcr die Revolution.<\/p>\n<p>Freiheit f\u00fcr die Gef\u00e4hrten: V. Pallis, G. Dimitrakis, G. Voutsis-Vogiatsis, P. Georgiadis, I. Nikolau<\/p>\n<p>Sofortige Freilassung f\u00fcr die Angeklagten H. Hatzimihelakis, M. Giospa und mich selbst.<\/p>\n<p>Panagiotis Masouras aus dem Gef\u00e4ngnis von Avlona<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Brief wurde vor ein paar Wochen von Panagiotis Masouras geschrieben. Ein Anarchist der Ende September verhaftet worden ist und unter anderem angeklagt wurde Mitglied der terroristischen Organisation &#8220;Verschw\u00f6rung der Feuerzellen&#8221; zu sein. 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