{"id":1487,"date":"2009-12-31T15:30:07","date_gmt":"2009-12-31T14:30:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=1487"},"modified":"2011-04-06T10:56:11","modified_gmt":"2011-04-06T09:56:11","slug":"silvester-zum-knast-demonstration-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/silvester-zum-knast-demonstration-in-berlin","title":{"rendered":"Silvester zum Knast &#8211; Demonstration in Berlin"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/silvester09-berlin_banner_500-110.jpg\" rel=\"lightbox[1487]\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1486\" title=\"silvester09-berlin_banner_500-110\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/silvester09-berlin_banner_500-110.jpg\" alt=\"silvester09-berlin_banner_500-110\" width=\"500\" height=\"110\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/silvester09-berlin_banner_500-110.jpg 500w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/silvester09-berlin_banner_500-110-250x55.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Silvester zum Knast \u2013 f\u00fcr die Zerst\u00f6rung aller Formen der Einsperrung<\/strong><\/p>\n<p>Seit vielen Jahren gibt es an Silvester in Berlin eine Demonstration zum Knast in Moabit, um den Inhaftierten dort &#8211; stellvertretend f\u00fcr alle Gefangenen &#8211; zu zeigen, dass sie nicht allein und vergessen hinter den grauen Mauern vor sich hin vegetieren. Denn auch in deutschen Kn\u00e4sten l\u00e4uft nicht immer alles so glatt wie mensch sich das vorstellt: eines der letzten Beispiele war die Revolte im Jugendknast Kiefergrund im letzten Sommer, wo Gefangene ihre Zellen zerst\u00f6rt haben, um auf die Pr\u00fcgel der Schlie\u00dfer zu antworten. Oder der internationale Hungerstreik, der von dem anarchistischen Genossen Gabriel Pombo da Silva f\u00fcr den Zeitraum vom 20. Dezember bis zum 1. Januar 2010 initiiert wurde.<br \/>\nDies sind Versuche gegen die herrschende Ordnung auch hinter den grauen Mauern vorzugehen und zeigen den Unwillen sich mit diesem System abzufinden. Denn auch Knast ist ein Kampffeld und das Leben h\u00f6rt dort nicht auf.<br \/>\nUns ist es wichtig immer wieder auch hier drau\u00dfen Zeichen zu setzen, die verdeutlichen, dass wir alle Institutionen der Einsperrung verachten und nicht als L\u00f6sung sozialer Konflikte, die durch die gegenw\u00e4rtige Organisierung der Gesellschaft verursacht werden, ansehen. Damit auch denjenigen, die nicht aufgeh\u00f6rt haben auch drinnen weiter zu k\u00e4mpfen, klar ist, dass hier drau\u00dfen ihre K\u00e4mpfe wahrgenommen werden und nicht in Vergessenheit geraten. Ohne dabei unsere Seite in diesen K\u00e4mpfen idealisieren zu m\u00fcssen, weil sie aus den Gef\u00e4ngnissen entstehen, sondern sich mit denjenigen, die dort aktiv werden, eine Komplizenschaft entwickelt.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nDeshalb zeigen am letzten Tag im Jahr mehrere hunderte Menschen was sie von den Kn\u00e4sten halten. Denn Kn\u00e4ste und alle weiteren Einrichtungen zur Ein- und Wegsperrung sind ein fester Teil der kapitalistischen Gesellschaft. Dadurch soll uns tagt\u00e4glich vor Augen gef\u00fchrt werden was mit denjenigen passiert, die sich nicht an die vorgeschriebenen Regeln und Normen halten und sich diesen widersetzen. Denn die zunehmenden Prozesse der Verarmung garantieren f\u00fcr viele einen sicheren Platz in den Kerkern des Staates.<br \/>\nDie Schlangen vor den Armenk\u00fcchen schwellen an. Die Anzahl der Ladendiebst\u00e4hle in den Superm\u00e4rkten nimmt ebenso zu. Die Pf\u00e4ndungsprozesse stapeln sich. Und w\u00e4hrend die unten versuchen nicht vor Hunger zu sterben, bereiten sich die oben auf das Schlimmste vor, auf die gef\u00fcrchtete soziale Explosion. Einer\/m jeden die\/der das Gesetz bricht wird \u201cNull Toleranz\u201d garantiert; f\u00fcr Einheimische und Migrant_innen werden neue Haftstrukturen vorbereitet; Sicherheitstrupps und \u201cFreiwillige\u201d patrouillieren durch die video\u00fcberwachten Nachbarschaften.<\/p>\n<p>Gef\u00e4ngnisse sind keineswegs blo\u00dfe Nebenprodukte des Staates, die darauf abzielen \u201eAbweichler_innen\u201c, nicht konforme, \u00fcberfl\u00fcssige oder unerw\u00fcnschte Menschen zu unterdr\u00fccken und zu isolieren, sie sind im Gegenteil ein elementarer Bestandteil der Gesellschaft.<br \/>\nDas Gef\u00e4ngnisse ist nicht die logische Erweiterung der Gesellschaft, sondern die Gesellschaft eine Erweiterung des Gef\u00e4ngnisses, in welchem die Strafanstalten nur den offensichtlichsten und brutalsten Aspekt eines Systems darstellen, welches uns alle zu Kompliz_innen und Opfern, uns alle zu Eingeschlossenen macht.<br \/>\nDas soziale Gef\u00e4ngnis ist dort pr\u00e4sent, wo die sozialen Beziehungen entfremdet werden, wo die Menschen der sozialen Kontrolle und der \u00dcberwachung unterworfen werden, wo sie nicht mehr f\u00e4hig sind miteinander solidarisch zu handeln und systemkonformes Gedankengut un\u00fcberlegt reproduzieren.<br \/>\nDieser Logik wollen wir durch Solidarit\u00e4t und der Subversion aller sozialen Beziehungen entgegentreten und uns f\u00fcr die Zerst\u00f6rung aller Formen der Einsperrung einsetzen. Aber diese Zerst\u00f6rung kann nur zusammen mit der Zerst\u00f6rung der gegenw\u00e4rtigen ausbeuterischen Beziehungen einhergehen, aller Beziehungen, die unser Leben erniedrigen und gegen diejenigen, die uns als ruhige Sklaven dieser kapitalistischen Ordnung haben wollen.<br \/>\nEin Tag, um unseren Hass auf die permanente Bedrohung durch die Gef\u00e4ngnisse und das soziale Gef\u00e4ngnis an sich zu zeigen kann Silvester sein. Sicherlich auch ein Tag, an dem wir unsere Solidarit\u00e4t mit Menschen zeigen, die aufgrund ihrer expliziten Verachtung dieses Systems sich in Moabit eingesperrt sehen, wie gerade Tobias oder die Gefangenen des 1. Mai zeigen.<br \/>\nAber vor allem ein Silvester, wo wir entschlossen die Einsch\u00fcchterungsversuche des Geistes der Repression, seiner Kerker und seiner Diener_innen zur\u00fcckweisen, wo wir uns nicht scheuen auszusprechen, was wir von allen Zwangsanstalten und ihrer Logik halten: dass sie zerst\u00f6rt werden m\u00fcssen innerhalb eines Prozesses, der die ganzen Zust\u00e4nde umwirft, um zu einer herrschaftsfreien Welt zu gelangen.<br \/>\nUnd nat\u00fcrlich auch in Erinnerung an Dennis und Oscar Grant, die am letzten Silvesterabend bzw. in den ersten Stunden des neuen Jahres von den schie\u00dfw\u00fctigen Schergen des Staates erschossen wurden.<\/p>\n<p>Wie jedes Jahr: Silvester zum Knast!<br \/>\nF\u00fcr die Zerst\u00f6rung aller Formen der Einsperrung und des sozialen Gef\u00e4ngnisses!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Am 31. Dezember 2009 um 22:45 Uhr vom U-Bhf Turmstrasse zur JVA Moabit.<br \/>\nAuf der Abschlusskundgebung werden <a href=\"http:\/\/collectifmaryread.free.fr\/\" target=\"_blank\">Collectif Mary Read<\/a><br \/>\n(Radical HipHop aus St. Etienne) ein paar Songs spielen.<br \/>\nBereits zwei Tage zuvor am 29.12. werden Collectif Mary Read<br \/>\nin der Kadterschmiede in der Rigaer94 ein Benefitkonzert spielen.<\/strong>&nbsp;<\/p>\n<p>Den <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/Silvester09-berlin_aufruf.pdf\">Aufruf als Flugblatt<\/a> zum ausdrucken und verteilen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr size=\"2\" \/>\n<p><strong>Ein Interview zur Demo, erschienen am 30. Dezember in der Tageszeitung <a href=\"http:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/161987.gefangene-nicht-vergessen.html\" target=\"_blank\">Neues Deutschland<\/a>:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gefangene nicht vergessen<\/strong><br \/>\nSeit \u00fcber 20 Jahren gibt es die Silvester-Demos zum Untersuchungsgef\u00e4ngnis Berlin-Moabit<br \/>\nVor der JVA Berlin-Moabit finden vor allem f\u00fcr politische Gefangene immer wieder Knastkundgebungen statt. Robert Schulz von der Gruppe \u00bbAnarchist Black Cross\u00ab bereitet mit anderen Berlinern die Demo \u00bbSilvester zum Knast\u00ab vor, die alle Inhaftierten adressiert. Mit ihm sprach Niels Seibert.<\/p>\n<p><strong>ND: Am Silvesterabend, w\u00e4hrend andere zu Hause mit Sekt ansto\u00dfen, stehen Sie auf der Stra\u00dfe in Berlin-Moabit, warum?<\/strong><br \/>\nSchulz: Seit \u00fcber 20 Jahren gibt es die Silvesterdemo zum Knast in Moabit, um den dort inhaftierten Gefangenen, stellvertretend f\u00fcr alle Gefangenen, Gr\u00fc\u00dfe \u00fcber die Mauer zu schicken. Gerade in der Zeit zum Jahresende, in der es viel um Familie, Zusammensein und Miteinander geht, ist es wichtig, den Inhaftierten zu zeigen, dass sie nicht alleine und vergessen sind. Die Gefangenen sind auch ein Teil der Gesellschaft, der allzu oft ausgegrenzt wird. Ausgrenzung und Isolation ist eine Funktion von Kn\u00e4sten. Und die wollen wir durchbrechen \u2013 mit unseren bescheidenen Mitteln.<\/p>\n<p><strong>Was kritisieren Sie au\u00dferdem an Gef\u00e4ngnissen?<\/strong><br \/>\nKnast soll eine resozialisierende Wirkung haben. In den vergangenen Jahrhunderten hat sich jedoch gezeigt, dass diese Aufgabe nicht erf\u00fcllt werden kann. Im heutigen Gef\u00e4ngnissystem hei\u00dft Resozialisierung, Gefangene durch Arbeit und Zwang zu strebsamen, arbeitsamen Menschen zu erziehen, die sich in der Gesellschaft unterordnen statt aufm\u00fcpfig und widerst\u00e4ndig zu sein.<\/p>\n<p><strong>Sie fordern eine \u00bbGesellschaft ohne Kn\u00e4ste\u00ab. Ist das nicht eine etwas utopische Forderung?<\/strong><br \/>\nKlar, das ist erst mal ein total utopischer Anspruch. Da Kn\u00e4ste ein ganz wichtiger Teil dieser Gesellschaft sind, kann ihre Abschaffung nur mit der Ver\u00e4nderung der momentanen Verh\u00e4ltnisse einhergehen \u2013 hin zu einer solidarischen Gesellschaft. Nichts weniger als das ist unsere Vorstellung.<\/p>\n<p><strong>Knast-Demos und Gefangenenarbeit sind keine hippen Themen in der Linken. Woran liegt das?<\/strong><br \/>\nViele Leute wollen sich nicht so gerne mit Sachen besch\u00e4ftigen, die unangenehm sind oder auch weh tun. Deshalb kommen Knast- und Repressionsarbeit fast immer zu kurz. Es ist kein Thema, mit dem man gro\u00dfe Erfolge erzielen kann wie bei der Antifaarbeit, wo man beispielsweise aussichtsreich gegen einen Naziladen k\u00e4mpfen kann. Antirepressionsarbeit dagegen erfordert sehr viel Aufwand und Zeit, vor allem wenn Leute neu inhaftiert werden: Unterst\u00fctzung, Geldsammeln, \u00d6ffentlichkeitsarbeit und die ganzen Kontakte herstellen, gerade zu Anw\u00e4lten. Und das Wichtigste: Solidarit\u00e4t auf allen Ebenen organisieren und mit allen Mitteln.<\/p>\n<p>Aber gerade in diesem Jahr, in dem es viele Repressionsf\u00e4lle und Gefangene aus der sogenannten Szene gab, haben sich wieder mehr Leute mit Repression und Knast besch\u00e4ftigt. Schade, dass es \u00fcber so einen Weg laufen muss.<\/p>\n<p><strong>Was erwartet den Teilnehmer auf der Demo in der Silvesternacht?<\/strong><br \/>\nWir treffen uns um 22.45 Uhr am U-Bahnhof Turmstra\u00dfe. Nach der Auftaktkundgebung gehen wir am Moabiter Gericht vorbei bis zum Knast. Dort werden wir etwa eine Stunde lang die Abschluss-Kundgebung abhalten, Gru\u00dfworte von Gefangenen verlesen und die Hip-Hop-Gruppe Collectiv Mary Read wird ein paar Songs live f\u00fcr die Gefangenen spielen.<\/p>\n<hr size=\"2\" \/>\n<p>Ein Artikel der <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/1\/archiv\/print-archiv\/printressorts\/digi-artikel\/?ressort=tp&amp;dig=2009%2F12%2F29%2Fa0167&amp;cHash=9e5dec5f71\" target=\"_blank\">Tageszeitung Taz<\/a> vom 29. Dezember \u00fcber die Demo am Silvesterabend und die <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/entfesselt\" target=\"_blank\">Entfesselt<\/a><\/p>\n<p><strong>Wegsperren und weitermachen?<\/strong><\/p>\n<p>JUSTIZ Jedes Jahr wird an Silvester vor dem Knast in Moabit demonstriert. Dort wird Solidarit\u00e4t mit den Insassen bekundet und die Gerechtigkeit des Strafvollzuges grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt<\/p>\n<p>Hinter Gittern &#8211; eine Redewendung, ein Symbol, eine TV-Serie, ein Lebenszustand und die g\u00e4ngigste und banalstm\u00f6gliche Antwort, welche die Menschheit auf die gro\u00dfe Frage der Gerechtigkeit zu geben hat. Verbrechen definieren, T\u00e4ter bestimmen, sie jagen, sie fangen, sie bestrafen, das hei\u00dft: wegsperren.<\/p>\n<p>Eine Position, die dieses Konzept als Ganzes hinterfragt, sucht man im breiten \u00f6ffentlichen Diskurs, z. B. bei Parteien oder Medien, vergeblich. Aber es gibt sie, Gruppen von AktivistInnen, die sich ambitioniert und ausdauernd dieses Themas annehmen. So auch der &#8220;Anarchist Black Cross Berlin&#8221; (abc), der u. a. die Zeitschrift Entfesselt herausgibt. Dort wird zwar einseitig Stellung gegen die angewandte Gerechtigkeitspraxis bezogen und f\u00fcr die &#8220;Zuspitzung der sozialen Konflikte&#8221; pl\u00e4diert, dennoch ist ihre Lekt\u00fcre sehr zu empfehlen. Auch wenn man danach nicht unbedingt von der kompromisslosen Haltung der HerausgeberInnen \u00fcberzeugt sein mag, so werden die LeserInnen doch mit ganz grunds\u00e4tzlichen Fragen konfrontiert, die zumindest zum Nachdenken anregen werden.<\/p>\n<p>Fragen, die vielleicht nicht neu sind, denen es aber an Aktualit\u00e4t nicht mangelt. Ist das Konzept des Wegsperrens oder der Bestrafung insgesamt tats\u00e4chlich der Gesellschaft dienlich? Werden die Gefangenen nach ihrer Entlassung bessere Menschen sein? Inwieweit tr\u00e4gt ein Individuum \u00fcberhaupt Verantwortung f\u00fcr seine Handlungen, wenn doch der &#8220;freie Wille&#8221; weder von der Hirnforschung noch von der Philosophie oder Anthropologie ohne Vorbehalte best\u00e4tigt wird? Tr\u00e4gt die Umwelt jedes Individuums nicht gar den gr\u00f6\u00dften Anteil an seiner Entwicklung und w\u00e4re damit direkte Ursache seiner Handlungen &#8211; mit allen Konsequenzen? Also auch seiner &#8220;Verbrechen&#8221;? Produziert die Gesellschaft ihre D\u00e4monen letztlich selbst? M\u00fcsste die Konsequenz demnach nicht eher auf die Gesellschaft, als auf das Individuum (den &#8220;Verbrecher&#8221;) allein zielen? Geht es \u00fcberhaupt um eine bessere Gesellschaft oder eigentlich nur um den Erhalt oder die Steuerung von Macht- und Wohlstandsverh\u00e4ltnissen?<\/p>\n<p>Die Kritik des abc am Strafregime geht ins Detail. So wird in Entfesselt z. B. das umstrittene Konzept der sog. &#8220;Sicherungsverwahrung&#8221; beleuchtet, das es der deutschen Justiz erm\u00f6glicht, Gefangene auch nach Verb\u00fc\u00dfung ihrer Strafe weiterhin in Haft zu behalten &#8211; auch lebenslang. Besonderen Wert legen die AktivistInnen aber darauf, mit ihrer Kritik nicht nur die deutschen Verh\u00e4ltnisse anzuprangern. In der aktuellen Ausgabe von Entfesselt wird auch ausf\u00fchrlich \u00fcber die Bedingungen in Italien, Frankreich, Griechenland, Belgien, dem Balkan und Lateinamerika diskutiert. Oder auch \u00fcber D\u00e4nemark, wo es wohl bald auch m\u00f6glich sein wird, selbst Kindern ab 12 Jahren elektronische Fu\u00dffesseln aufzuerlegen und sie unter Hausarrest zu stellen.<\/p>\n<p>Das abc bem\u00fcht sich, die Inhaftierten in den gesellschaftlichen Diskurs einzubinden. Sie ver\u00f6ffentlichen nicht nur die Adressen der Insassen, um zu einem Briefverkehr mit anderen Menschen anzuregen, sondern sie ruft auch auf, selbst f\u00fcr ihre Zeitschrift Artikel zu verfassen. So auch Werner Br\u00e4uner, der 2001 wegen Totschlags am Arbeitsamtsdirektor Klaus Herzberg zu 12 Jahren Haft verurteilt wurde (taz berichtete). Von ihm ist ein Artikel abgedruckt, in dem er die Nietzsche-Interpretation der Jungen Welt kritisiert. Zus\u00e4tzlich gibt es ein Interview mit ihm \u00fcber seine Tat und die Situation, in der er sich seinerzeit befand, sowie \u00fcber seine sp\u00e4teren Haftbedingungen, die er als Folter bezeichnet. Er habe seine 18 Monate U-Haft in einer 7(1)\/2-qm-Zelle mit einem pers\u00f6nlichkeitsgest\u00f6rten Mith\u00e4ftling verbringen m\u00fcssen. Au\u00dferdem soll er unter Druck gesetzt worden sein, seine Tat nicht als politisch darzustellen, weil ihm dann Isolation und Zwangsmedikation in der Psychiatrie drohe.<\/p>\n<p>Das abc und Entfesselt erwecken den Eindruck einer vorbehaltlosen Sympathie mit Gefangenen. Daher sind ihre Informationen mit Vorsicht zu genie\u00dfen, dennoch sind sie ein wichtiger Gegenpol, der zur Kenntnis genommen werden sollte. Schlie\u00dflich werden es wohl kaum die Offiziellen sein, die ihr Fehlverhalten in die \u00d6ffentlichkeit tragen &#8211; dazu braucht es ein Forum f\u00fcr die Betroffenen.<\/p>\n<p>Wie bereits seit Jahren wird das abc auch in diesem Jahr zu Silvester eine Demonstration zum Gef\u00e4ngnis Moabit veranstalten, um gegen das Einsperren als L\u00f6sung sozialer Konflikte zu protestieren und um den Gefangenen zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Los geht es am 31. Dezember um 22.45 Uhr am U-Bahnhof Turmstra\u00dfe. Als Warm-up dazu wird es heute Abend in der Rigaer 94 ein Konzert des &#8220;Collectif Mary Read&#8221; und des &#8220;B\u00fchnenwunders&#8221; Jenz Steiner &#8211; des King von Prenzlauer Berg &#8211; geben.<\/p>\n<p>SAM T. FARD<\/p>\n<p>Weitere Informatonen:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\" target=\"_blank\">www.abc-berlin.net<\/a><br \/>\noder<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.bewegung.taz.de\" target=\"_blank\">www.bewegung.taz.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/silvester09-berlin_poster.jpg\" rel=\"lightbox[1487]\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-large wp-image-1510\" title=\"silvester09-berlin_poster\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/silvester09-berlin_poster-495x700.jpg\" alt=\"silvester09-berlin_poster\" width=\"495\" height=\"700\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Silvester zum Knast \u2013 f\u00fcr die Zerst\u00f6rung aller Formen der Einsperrung Seit vielen Jahren gibt es an Silvester in Berlin eine Demonstration zum Knast in Moabit, um den Inhaftierten dort &#8211; stellvertretend f\u00fcr alle Gefangenen &#8211; zu zeigen, dass&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[2,8,31,10],"tags":[698,144,701,707],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1487"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1487"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1487\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1670,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1487\/revisions\/1670"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1487"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1487"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1487"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}