{"id":2064,"date":"2010-03-26T19:45:54","date_gmt":"2010-03-26T18:45:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=2064"},"modified":"2010-03-27T14:47:26","modified_gmt":"2010-03-27T13:47:26","slug":"in-zweitausend-kilometer-entfernung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/in-zweitausend-kilometer-entfernung","title":{"rendered":"In zweitausend Kilometer Entfernung&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Griechenland-Angriff-auf-Bullen.jpg\" rel=\"lightbox[2064]\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Griechenland-Angriff-auf-Bullen-250x165.jpg\" alt=\"\" title=\"Griechenland - Angriff auf Bullen\" width=\"250\" height=\"165\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2070\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Griechenland-Angriff-auf-Bullen-250x165.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Griechenland-Angriff-auf-Bullen-600x397.jpg 600w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2010\/03\/Griechenland-Angriff-auf-Bullen.jpg 610w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a>Athen, Griechenland. In zweitausend Kilometer Entfernung. Ein fast bankrotter griechischer Staat und eine Wirtschaft, die nicht mehr funktioniert. Auf den Rat der Europ\u00e4ischen Union hin, fordert die regierende sozialistische Partei eine Reihe wirtschaftlicher Ma\u00dfnahmen und Umstrukturierungen. Die Minister schw\u00f6ren, es werden &#8220;Blut, Schwei\u00df und Tr\u00e4nen&#8221; ben\u00f6tigt, aber &#8220;es ist die einzige Option&#8221;. Stra\u00dfen, H\u00e4fen, Flugh\u00e4fen, Grenzen, Fabriken, Eisenbahnschienen,&#8230; wurden seit Januar regelm\u00e4\u00dfig blockiert, blockiert von jenen, die wissen, dass sie diejenigen sind, die den Preis daf\u00fcr bezahlen werden. Demonstrationen folgen auf Demonstrationen und nicht ein einziger Politiker schafft es den Protest zu beruhigen und zu kanalisieren. Schwere Krawalle mit den Aufstandseinheiten der Polizei finden regelm\u00e4\u00dfig statt und hunderte zerst\u00f6rerische Akte, Brandstiftungen und Bombenanschl\u00e4ge richten ihre zerst\u00f6rerische Energie in Richtung der staatlichen Strukturen und der Wirtschaft, in Richtung all der Manifestationen der Autorit\u00e4t.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n&#8220;Blut, Schwei\u00df und Tr\u00e4nen&#8221;. W\u00e4hrend die Polizei gegen die Demonstrierenden auf eine zunehmend gewaltt\u00e4tigere Weise einschreitet, in jede Versammlung, die Knochen und Arme von Hunderten von Menschen brechend, flie\u00dft im Morgengrauen des 12. M\u00e4rz 2010 t\u00f6dliches Blut. Eine Polizeipatrouille erwischt zwei anarchistische Kameraden\/Gef\u00e4hrten dabei, wie sie ein Auto klauen wollen. Nach einem Schusswechsel, schafft es ein Kamerad\/Gef\u00e4hrte zu entwischen, w\u00e4hrend der andere, L\u00e1mbros Fo\u00fandas, t\u00f6dlich verletzt wird. Kritisch verwundet, versucht er noch zu fliehen, wird aber von der Polizei gefangen und blutet vor deren Augen zu Tode. L\u00e1mbrous Fo\u00fandas war 35 Jahre alt und seit Jahren im Kampf gegen alle Formen der Autorit\u00e4t, allein oder mit einigen Kameraden, als auch mit anderen Unterdr\u00fcckten und Rebellen. Er k\u00e4mpfte mit allen Waffen, die er als n\u00fctzlich erachtete: mit Stift und Papier, Stein und Feuer, Barrikaden und Demonstrationen, Schusswaffen und Granaten. Revolte war der Rhythmus seines Atems, so wie es die Freiheit war, die sein Herz schlagen lie\u00df. Dies ist, warum wir ihn nicht vergessen werden, auch wenn wir ihn nicht gekannt haben m\u00f6gen. Diess ist, warum sein Tod unseren Atem nur beschleunigen kann, nach der Luft des Lebens schnappend und den Weg zur Freiheit mit dem Aufstand \u00f6ffnend.<\/p>\n<p>Bergmassive und gro\u00dfe Fl\u00fcsse, ausgedehnte Pr\u00e4rien und die ausged\u00f6rrte Erde von Ex-Jugoslawien, trennen uns von Griechenland. Aber \u00fcberall in Europa und auch hier in Belgien, wittert der Staat, dass da etwas am Laufen ist. F\u00fchlen sie, dass es &#8220;sein k\u00f6nnte&#8221;, dass es &#8220;<strong>m\u00f6glich<\/strong>&#8221; w\u00e4re, dass ihre B\u00fcrger pl\u00f6tzlich das Joch ihrer Resignation absch\u00fctteln und aufh\u00f6ren zu akzeptieren? \u00dcberall wird es immer klarer, dass mehr und mehr Menschen \u00fcber Bord geworfen werden. Es ist kein Zufall, dass die Bullen jetzt den Abzug immer schneller und in einer entschiedeneren Form benutzen, dass ein neues geschlossenes Zentrum gebaut wird und sieben neue Gef\u00e4ngnisse gebaut werden. Sie sichern sich selbst ab gegen die &#8220;<strong>M\u00f6glichkeit<\/strong>&#8221; der Wut.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte uns Angst machen. In Furcht vor Gef\u00e4ngnissen, in Furcht von den Bullen zusammengeschlagen werden, in Furcht durch die Kugeln der Macht zu sterben, in Furcht das bisschen zu verlieren, das wir noch unseres nennen k\u00f6nnen. Wie auch immer, ab einem bestimmten Moment musst du dich der Frage aussetzen: dein Leben auf den Knien verbringen, benutzt und weggeworfen durch die Funktion der Wirtschaft und Kontrolle, zerquetscht durch die soziale Hierarchie, get\u00f6tet durch die endlosen Warteschlangen, der Routine des Essen-Arbeit-Schlafen oder&#8230; ein Leben zu leben in dem dein Herzschlag der Freiheit dich in den Zusammensto\u00df gegen jegliche Autorit\u00e4t f\u00fchrt und dich deine Hand nach allen Waffen greifen l\u00e4sst um sie anzugreifen.<\/p>\n<p>Nichts kann garantiert werden, alles ist m\u00f6glich. Die Revolte, die sich in Griechenland mehr und mehr ausbreitet war vor einigen Jahren noch beinahe undenkbar. Politiker und Journalisten wissen nicht mehr l\u00e4nger welche falschen Reden sie verwenden sollen, um sie zum verstummen zu bringen. Weil die Sprache dieser Revolte nicht im Bauch des Staates fabriziert wurde, sondern durch die Verweigerung noch l\u00e4nger durch den Morast gezogen zu werden. Lasst uns diese Sprache vereinnahmen, lasst uns ihr Vokabular und ihre Grammatik studieren, lasst sie uns verwenden um unseren eigene Dialekt zu erschaffen.<\/p>\n<p>Es wird Zeit die paralysierende Haltung umzuwandeln, das &#8220;sich zu sehr auf den Ozean der Unterwerfung und Resignation konzentrieren&#8221;. Nicht mehr l\u00e4nger diese Realit\u00e4t zu sehen, diese scheinbar st\u00e4ndige Wiederholung des immer selben, dies als der Horizont, sondern zu sehen was sich dahinter verbirgt &#8211; den unvorhersehbaren M\u00f6glichkeiten entgegen.<\/p>\n<p>Es ist Zeit einige schwelende Feuer anzustacheln.<\/p>\n<p>Einige Anarchisten.<\/p>\n<p><em>Dieser Text wurde auch im zweiw\u00f6chentlichen anarchistischen Journal Hors Service (Au\u00dfer Dienst), Nummer 3, 22. M\u00e4rz 2010, Belgien, ver\u00f6ffentlicht. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Athen, Griechenland. In zweitausend Kilometer Entfernung. Ein fast bankrotter griechischer Staat und eine Wirtschaft, die nicht mehr funktioniert. Auf den Rat der Europ\u00e4ischen Union hin, fordert die regierende sozialistische Partei eine Reihe wirtschaftlicher Ma\u00dfnahmen und Umstrukturierungen. 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