{"id":2165,"date":"2010-04-28T13:01:01","date_gmt":"2010-04-28T11:01:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=2165"},"modified":"2014-01-03T07:55:42","modified_gmt":"2014-01-03T06:55:42","slug":"aktionstag-gegen-eine-geknastete-gesellschaft-am-19-juni-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/aktionstag-gegen-eine-geknastete-gesellschaft-am-19-juni-2010","title":{"rendered":"Aktionstag gegen eine geknastete Gesellschaft am 19. Juni 2010"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/antiknastaktionstag-am-19-juni-10.jpg\" rel=\"lightbox[2165]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-2185\" title=\"Aktionstag gegen eine geknastete Gesellschaft am 19. Juni 2010\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/antiknastaktionstag-am-19-juni-10-187x250.jpg\" width=\"187\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/antiknastaktionstag-am-19-juni-10-187x250.jpg 187w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/antiknastaktionstag-am-19-juni-10-450x600.jpg 450w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/antiknastaktionstag-am-19-juni-10.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 187px) 100vw, 187px\" \/><\/a>Am 19. Juni 2010 sollen es im deutschsprachigen Raum einen Aktionstag geben, welcher alle Formen der Einsperrung, Inhaftierung und des Wegsperrens und die Folgen davon (Isolation, Vereinzelung, usw.) thematisieren wird. Angesprochen f\u00fchren sollen sich alle, die ihren Beitrag leisten wollen, nicht nur diejenigen, die eh schon gegen Kn\u00e4ste, Abschiebelager und die tagt\u00e4glich massiver auftretende soziale Kontrolle k\u00e4mpfen. Das Ziel soll es sein das Thema und Einsperrung wieder in den Blickpunkt zu stellen, nat\u00fcrlich nicht ohne den Blick auf die Perspektive zu verlieren, die Perspektive nach einem anderen Leben, frei von Unterdr\u00fcckung, Ausbeutung und frei von allen Herrschaftsformen.<\/p>\n<hr size=\"2\" \/>\n<p>Gleichzeitig mit dem Aktionstag gegen eine geknastete Gesellschaft findet ein Aktiontag f\u00fcr die &#8220;<a href=\"http:\/\/no129.info\/19juni.html\" target=\"blank\">Freiheit f\u00fcr die \u00a7129b- und alle politischen Gefangenen weltweit!<\/a>&#8221; statt. Es wird Aktionen in mehreren St\u00e4dten geben:<br \/>\nin Berlin wird es um 16:00 Uhr eine <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/prozess-gegen-die-bullen-die-dennis-erschossen-haben\" target=\"blank\">Demo gegen Polizeigewalt <\/a> geben, um 18:30 Uhr eine Kundgebung unter dem Motto &#8220;<a href=\"http:\/\/no129.info\/19juni\/100619_berlin.html\" target=\"blank\">Freiheit f\u00fcr die Angeklagten nach Paragraph 129b!<\/a>&#8220;,<br \/>\nin <a href=\"http:\/\/autonomes-knastprojekt.blogspot.com\/2010\/06\/aktionstag.html\" target=\"blank\">K\u00f6ln<\/a> wird es eine Kundgebung im Stadtteil Kalk geben,<br \/>\nin <a href=\"http:\/\/no129.info\/19juni\/100619_stuttgart.html\" target=\"blank\">Stuttgart<\/a> und <a href=\"http:\/\/no129.info\/19juni\/100619_duesseldorf.html\" target=\"blank\">D\u00fcsseldorf<\/a> sind ebenfalls Kundgebungen und Demonstrationen geplant,<br \/>\nin <a href=\"http:\/\/manfred.blogsport.de\/\" target=\"blank\">Rostock<\/a> wird es ein Strassentheater in der Innenstadt und ein Besuch des lokalen Knastes der JVA Waldeck geben,<br \/>\nin <a href=\"http:\/\/a3ac.wordpress.com\/2010\/06\/08\/19-06-2010-aktionstag-gegen-eine-geknastete-gesellschaft\/\" target=\"blank\">Aachen<\/a> wird es um 14:00 Uhr einen Anti-Knast-Spaziergang vor dem \u00f6rtlichen Knast und bereits zwei Stunden zuvor eine Kundgebung und einem Infostand in der Aachener Innenstadt geben,<br \/>\nin <a href=\"http:\/\/www.jpberlin.de\/tueinfo\/cms\/node\/19159\" target=\"blank\">T\u00fcbingen<\/a> ist eine &#8220;<em>Demonstration gegen eine geknastete Gesellschaft!<\/em>&#8221; geplant,<br \/>\n&#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.radioflora.de\/audio\/\/gesellschaft\/Wieviel%20sind%20hinter%20Gittern%20Juni%202010%20-%20Aktionstag%20geknastete%20Gesellschaft.mp3\">Audiobeitrag mit Interview und Infos zum Aktionstag der Radiosendung &#8220;Wieviel sind hinter Gittern, die wir drau\u00dfen brauchen!&#8221; Ausgabe Juni 2010<\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<hr size=\"2\" \/>\n<p><strong>Gru\u00dfwort des Netzwerk Hamburg zum bundesweiten Aktionstag gegen eine eingeknastete Gesellschaft <\/strong><\/p>\n<p>Liebe Menschen,<br \/>\nwir, das Netzwerk Hamburg Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen aus Hamburg, richten ein Gru\u00dfwort an alle, die sich heute gegen die geknastete Gesellschaft unterwegs sind.<br \/>\nWir erkl\u00e4ren uns solidarisch mit euren Kampf f\u00fcr eine Gesellschaft ohne Kn\u00e4ste, die verbunden ist mit der Perspektive nach einem anderen Leben frei von Unterdr\u00fcckung, Ausbeutung und frei von allen Herrschaftsformen.<br \/>\nAuch wenn wir heute selbst wegen und gegen den \u00a7129b unterwegs sind, f\u00fchlen wir uns mit Euch verbunden!<br \/>\nIn diesem Sinne:<br \/>\nKn\u00e4ste zu Baul\u00fccken! F\u00fcr die Freiheit Aller!<br \/>\nFreiheit f\u00fcr alle politischen und sozialen Gefangenen!<\/p>\n<hr size=\"2\" \/>\n<p><strong>Grussworte von Thomas Meyer-Falk: F\u00fcr den bundesweiten Anti-Knast-Aktionstag am 19.Juni 2010 <\/strong><\/p>\n<p>In den letzten Wochen trieben die Boulevardmedien das Thema Knast wie die Sau durchs Dorf. Perverse Sexgangster, die angeblich die Bev\u00f6lkerung bedrohen, sollte man sie frei lassen, R\u00e4uber und Totschl\u00e4ger, die nur darauf warten wieder zuzuschlagen.<br \/>\nAll das vor dem Hintergrund sinkender Kriminalit\u00e4tsraten und eines Urteils vom Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte, der n\u00e4mlich im Dezember die BRD daran erinnerte, dass es nicht angehe, in bestandskr\u00e4ftige Strafurteile einzugreifen und aus einer auf 10 Jahre befristeten Sicherungsverwahrung per Gesetzesbeschluss eine lebensl\u00e4ngliche Sicherungsverwahrung zu machen. Letzteres nehmen BILD, RTL und Politiker vom Schlage des J\u00f6rg Uwe Hahn (Hessen, FDP) zum Anlass, dar\u00fcber zu schwadronieren, dass Deutschland eine Demokratie sei und sich gef\u00e4lligst Strasbourg hier nicht einzumischen habe.<br \/>\nIn Niedersachsen m\u00f6chte ein GR\u00dcNEN-Abgeordneter von der Landesregierung ganz genau wissen, wie es hinter Gittern zugeht, denn er wundert sich, dass trotz sinkender Gefangenenzahlen die Regierung einen Knastneubau nach dem anderen plant. F\u00fcr seine Anfrage an die Regierung sieht er sich der Hetze der Presse und Knastverwaltungen ausgesetzt. Letztere behaupten frech, ihnen fehle auf Grund detaillierten Anfrage nun die Zeit f\u00fcr die Resozialisierung der Gefangenen, schlie\u00dflich m\u00fcssten sie die Anfrage beantworten.<br \/>\nKnast und Gefangene sind Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr eine zunehmend sicherheitsfixierte Gesellschaft; wahrgenommen wird nicht mehr der einzelne Gefangene und sein famili\u00e4res Umfeld, sondern er wird als wandelndes Risiko und\/oder Monster auf zwei Beinen dargestellt. Diese Entmenschlichung hilft dabei, sich den unz\u00e4hligen Schicksalen nicht (mehr) zu stellen und auch deren Leid nicht (mehr) anerkennen zu m\u00fcssen.<br \/>\nUmso wichtiger sind Aktionen wie heute! Sie verleihen den Gefangenen eine Stimme und verdeutlichen, dass es auch Menschen gibt, die f\u00fcr eine Gesellschaft k\u00e4mpfen, die Kn\u00e4ste nicht n\u00f6tig hat.<\/p>\n<p>Herzschlagende Gr\u00fc\u00dfe aus Bruchsal<\/p>\n<p>Thomas Meyer-Falk<br \/>\nwww.freedom-for-thomas.de<\/p>\n<hr size=\"2\" \/>\n<p><strong>Zum Aktionstag gibt es einen Aufruf aus K\u00f6ln, sowie zwei inhaltliche Texte, die zur Teilnahme aufrufen: <\/strong><\/p>\n<p><center><strong>Achtung AKTIONSTAG !<\/strong><\/center>F\u00fcr den 19.Juni ist ein Anti-Knast-Aktionstag f\u00fcr den \u201edeutschsprachigenRaum\u201c vorgesehen. Vereinbart wurde dies bisher vonGruppen aus Berlin, Kiel, Hamburg, Dresden, K\u00f6ln und Wien. Wir hoffen, dass es sich noch auf andere Orte ausweitet. Konkreter Themenschwerpunkt wird jeweils vor Ort gew\u00e4hlt und gestaltet. Unsere Idee ist es, eine Kundgebung in Essen vor der Firma K\u00f6tter zu machen. Diese ist gro\u00df im Gesch\u00e4ft, teilprivatisierte Kn\u00e4ste zu verwalten bzw. bewirtschaften. Die Landesregierung plant, ihr das Regiment zu \u00fcbergeben f\u00fcr das im Bau befindliche erste solche Gef\u00e4ngnis in NRW (<em>bei D\u00fcsseldorf = Ratingen<\/em>). Wir sind nicht f\u00fcr staatliche Kn\u00e4ste, wissen aber auch, dass kapitalistisch organisierte Zwangsanstalten nicht besser sind. Manches spitzt sich noch zu. (<em>Gefangene als Arbeiter und zahlende Kunden doppelt ausnutzen, noch weniger \u00f6ffentliche Kontrolle<\/em>). Der Knast- und Privatbullenfirma, mit der wir auch \u201edrau\u00dfen\u201c oft konfrontiert sind, sollten wir schnell zeigen, dass es nicht ihre \u201ePrivatsache\u201c ist, wie sie mit Gefangenen umgeht.. Eine NRW-weite Kundgebung bringen wir aber nur zustande, wenn sich Gruppen der sozialen Bewegungen aus K\u00f6ln und anderswo an der Vorbereitung beteiligen. Ansonsten wird Aktion halt kleiner und lokaler. Gefangene sind eingeladen, sich mit einem \u201eRedebeitrag\u201c (<em>der leider nur von anderen verlesen werden kann<\/em>) zu beteiligen.<\/p>\n<p>AKP (Autonomes Knastprojekt &#8211; <a href=\"http:\/\/www.autonomes-knastprojekt.blogspot.com\" target=\"blank\">www.autonomes-knastprojekt.blogspot.com<\/a>)<\/p>\n<hr size=\"2\" \/>\n<p><center><strong>Kn\u00e4ste zu Baul\u00fccken! Schlie\u00dfer zu G\u00e4rtnern!<\/strong><br \/>\n<em>Aufruf zum Aktionstag gegen eine geknastete Gesellschaft<\/em><\/center>Weltweit sitzen Millionen Menschen hinter Gittern. Die meisten werden weggesperrt wegen Eigentumsdelikten (z.B. Diebstahl), aus politischen Gr\u00fcnden oder weil sie auf Grund ihrer Herkunft illegalisiert werden. Knast bedeutet k\u00f6rperliches und seelisches Ausgeliefert sein, einmal durch die Willk\u00fcr der W\u00e4rter und die \u00dcbergriffe anderer Inhaftierter und zum anderen durch das blo\u00dfe Weggesperrtsein.<br \/>\nViele sehen den Knast nur als ein Geb\u00e4ude aus Stahl und Beton, aber er ist ein Realit\u00e4t gewordener Traum von Autorit\u00e4t und Macht. Eine Form, eine Strategie der Machterhaltung und Machtentfaltung, die unsere gesamte Gesellschaft durchzieht. Wie es ist wenn der Kopf gegen die Zellent\u00fcr knallt und es kein Rauskommen mehr gibt, wissen nur die, die \u201eDrinnen\u201c sitzen. Aber auch hier \u201eDrau\u00dfen\u201c k\u00f6nnen wir die Versatzst\u00fccke einer Knastideologie erkennen.<br \/>\nDie Lebensbedingungen innerhalb wie au\u00dferhalb der Kn\u00e4ste \u00e4hneln sich immer mehr. Wir werden tagt\u00e4glich \u00fcberwacht, fordern diese \u00dcberwachung mehr oder weniger selbst ein oder akzeptieren sie stillschweigend. Konflikte werden nicht offen ausgetragen. Die Drohung mit Anw\u00e4lten und Beh\u00f6rden scheint bequemer, der Griff zum H\u00f6rer um die Bullen zu rufen geht schneller. Die Einschr\u00e4nkung der Selbstbestimmung wird kaum noch hinterfragt.<br \/>\nEbenfalls geben wir uns tagt\u00e4glich der staatlichen Kontrolle hin, und sei es nur durch die Offenlegung unseres privaten Lebens f\u00fcr das Arbeitsamt. Dieser staatlichen Kontrolle sind wir schon in der Schule ausgesetzt, allein schon die \u201eKopfnoten\u201c dienen der Disziplinierung. Milieus welche drau\u00dfen bestehen, werden im Knast reproduziert und verfestigt. Daraus ergibt sich wiederum eine bessere \u00dcberwachbarkeit.<br \/>\nDie Medien tun ihr \u00dcbriges dazu. Sie tragen zur \u00dcbers\u00e4ttigung und \u00dcberforderung der breiten Masse nicht unwesentlich bei. Der \u201enormale B\u00fcrger\u201c soll den ganzen Tag seinen Aufgaben nachhetzen und wenn er geschafft nach Hause kommt, \u00fcbermittelt ihm das meinungsmachende Fernsehen, welch \u201easoziales Pack\u201c jene sind, welche sich diesem System nicht beugen. Es wird nicht die Situation hinterfragt, in der sich diese befinden.<br \/>\nUnd wenn wir uns zur Wehr setzen und unsere freiheitlichen Rechte einfordern, werden wir und unser Tun kriminalisiert. Schon kleinste Aktionen, welche vom Gehorsam abweichen, werden strafrechtlich verfolgt. Was uns vom Knast trennt, sind lediglich die Mauern. Aus diesem Grunde gilt es an den Mauern, den herrschenden Strukturen zu r\u00fctteln.<\/p>\n<hr size=\"2\" \/>\n<p><center><strong>Weiterer Text zum Aktionstag am 19. Juni<\/strong><\/center><em>Das Verh\u00e4ltnis Knast und Gewalt<\/em><\/p>\n<p>Knast bedeutet Unterdr\u00fcckung, Kontrolle, Ausbeutung und Ausgeliefertsein. Strukturelle Gewalt ist Teil unserer Gesellschaft. Auf ihr beruht unser Rechtssystem. Kein Wunder also, dass sie auch vor den Toren der Kn\u00e4ste keinen Halt macht und sich in Form von individueller Gewalt, wie Misshandlungen und sexuellem Missbrauch, entl\u00e4dt. Schlie\u00dfer nehmen innerhalb dieses Systems eine entscheidende Rolle ein. Sie sind Teil der internen Hierarchien und verhalten sich entsprechend. Sie wissen, dass sie in ihrer Position Macht \u00fcber Menschen haben und nutzen diese auch aus. Es gibt immer wieder \u00dcbergriffe durch Angestellte der Vollzugsanstalten. Sei es aus reinem Frust, rassistischer Motivation oder im Sinne der Aufstandsbek\u00e4mpfung. In Frankreich gibt eigens daf\u00fcr ausgebildete Einheiten wie z.B. die \u201eIRIS\u201c. Sie sind \u00e4hnlich ausger\u00fcstet wie die CRS-Einheiten auf den Stra\u00dfen der Banlieues. Schlie\u00dfer und Personal der Vollzugsanstalten sind, genau wie der Justizapparat und die Polizeibeh\u00f6rden Teil des Problems und nicht Teil der L\u00f6sung.<\/p>\n<p><em>Knast und Prekariat<\/em><\/p>\n<p>Weltweit sitzen Millionen Menschen hinter Gittern. Ein gro\u00dfer Prozentanteil wird auf Grund von Eigentumsdelikten, wie z.B. Diebstahl oder Raub, weggesperrt. Also wegen angeblicher Vergehen, die sich bewusst oder unbewusst gegen die Eigentums- und Verwertungslogik des Kapitalismus wenden und den Weg zum \u201eWohlstand\u201c abk\u00fcrzen sollen. Andere k\u00f6nnen sich die Miete nicht mehr leisten oder landen wegen mehrmaligen Schwarzfahrens im Bau. Nach wie vor ist der Knast auch ein Mittel zur Zerst\u00f6rung von Klassenbewusstsein und Schaffung von Milieus ohne Bewusstsein f\u00fcr ihre Lage. \u00c4u\u00dfere soziale Kontrolle, wie etwa durch \u00c4mter und Beh\u00f6rden, macht eine bessere \u00dcberwachung und Disziplinierung nach der \u201eEntlassung\u201c m\u00f6glich. In der US-amerikanischen Studie \u201eHow unregulated is the U.S. Labor Market?\u201c, wird der Ausbau der Vollzugsanstalten, zu Gunsten der Arbeitslosenstatistik, begr\u00fc\u00dft. Diese Idee, kombiniert mit einer \u201eNull Toleranz Politik\u201c, die Haftstrafen schon bei kleinsten Vergehen fordert, st\u00f6\u00dft in Europa auf Anklang. Noch steckt die Entwicklung der Gef\u00e4ngnisses als Mittel der Arbeitsmarktregulierung in den Kinderschuhen.<\/p>\n<p><em>Knast und Migration<\/em><\/p>\n<p>Migrant_innen leiden unter dem Druck der globalen Sicherheitsgesellschaft. Viele von ihnen sterben schon bei dem Versuch Europa oder die USA zu erreichen. Jene die es schaffen, die hochger\u00fcsteten Grenzen zu \u00fcberwinden, werden innerhalb dieser verfolgt, in Lagern inhaftiert und erkennungsdienstlich behandelt, z.B. mittels SIS 1 oder SIS 2. Gedem\u00fctigt und zum Teil schwerst traumatisiert, warten sie nun auf ihre Abschiebung in bittere Armut oder den sicheren Tod. Auch Todesf\u00e4lle vor oder w\u00e4hrend der Abschiebung sind keine Seltenheit. Im Rahmen der Neuorientierung europ\u00e4ischer Sicherheitspolitik soll es zu einem weiteren Ausbau der vorgelagerten Abschiebekn\u00e4ste, in den sog. sicheren Drittstaaten, und zu einer besseren Erfassung und Eind\u00e4mmung der Migrationsstr\u00f6me kommen. Um dieses Ziel zu erreichen wird auch vor der Zusammenarbeit mit Diktatoren, wie Gaddafi, kein Halt gemacht. Den Menschen, die die globalen Krisen am meisten zu sp\u00fcren bekommen, bringt dieses Vorgehen mit \u201eSicherheit\u201c ein Leben in Angst, Verfolgung und Gefangenschaft.<\/p>\n<p><em>Psychiatrie, der wei\u00dfe Knast<\/em><\/p>\n<p>Neben den Gef\u00e4ngnissen f\u00fcr \u201e\u00fcbliche\u201c Kriminelle gibt es auch noch jene Zwangsanstalten f\u00fcr \u201eirre\u201c Menschen, die Psychiatrien. All zu oft wird v\u00f6llig ohne zu hinterfragen in \u201eNormal\u201c und \u201eAbnormal\u201c eingeteilt. Pr\u00e4ventiv wird alles was an der H\u00fclle unsere heilen Welt kratzt durch Medikamentierung oder Therapie ruhig gestellt. Unbequemes wird auch hier eingesperrt und weggeschlossen. In einer Welt in der die Schlie\u00dfer ihre Uniformen gegen die subtileren wei\u00dfe Kittel des Anstaltspersonals tauschen, ist Kritik schwierig und st\u00f6\u00dft oft auf taube Ohren. Da wo Teile der Medizin beginnen jegliche menschliche Handlung auf die Leitung oder Fehlleitung unserer Synapsen zu reduzieren, bei\u00dft sich die Aufkl\u00e4rung in den Schwanz. Ein biologischer Determinismus l\u00f6st den freien Willen ab. Zur Not wird diese angebliche Erkenntnis durch eine Zwangseinweisung, zum Schutz der eigenen Unversehrtheit, untermauert.<br \/>\nAuch hier gibt es die Tendenz sich selbst als nicht leistungsf\u00e4hig genug, als minderwertig, einzustufen. Die pharmazeutischen Unternehmen halten in diesem Fall viele Produkte zur Selbstoptimierung bereit. Eine der am h\u00e4ufigsten verwendeten Substanzen ist das Speedderivat Retalin. Es macht leistungs- und aufnahmef\u00e4higer und wird an manchen Universit\u00e4ten indirekt sogar begr\u00fc\u00dft. Dies kommt einer Selbstdisziplinierung auf gezielt neurologischer Ebene gleich. Eine Qualit\u00e4t, die es im Verlauf der Geschichte der \u201eKerkergesellschaft\u201c so noch nicht gab.<\/p>\n<p><em>Knast als Logik der Gesellschaft<\/em><\/p>\n<p>Der Knast, in Form von Zellenhaft, trifft also nicht nur solche, die sich ausdr\u00fccklich als politische Aktivist_Innen verstehen. Oft gibt es gut funktionierende Solidarit\u00e4tsstrukturen, die betroffene Menschen, besonders aus linken Kreisen, vor einer Inhaftierung bewahren. Dies ist auch gut so, aber es kann dazu f\u00fchren, dass schnell vergessen wird, welche Logik hinter diesen Geb\u00e4uden aus Stahl und Beton, hinter der Symbiose aus Architektur und Autorit\u00e4t steht. Der Knast ist als Teil eines System des Disziplinierens mittels Strafe zu verstehen auf dem sich unsere Gesellschaft aufbaut. Er ist Ausdruck der Herrschaftsverh\u00e4ltnisse in denen wir leben. Disziplinierung und Selbstdisziplinierung, durch Angst vor Strafe, h\u00e4lt uns in den normierten Bahnen der Verwertung fest. Von den Fabriken, Schulen und Universit\u00e4ten bis zu den Krankenh\u00e4usern, alle produzieren. Die einen Waren, die anderen Wissen, die n\u00e4chsten Gesundheit bzw. Krankheit. Hierbei sind, wie bereits erw\u00e4hnt, Architektur und \u00dcberwachung eng mit Autorit\u00e4t und Strafe verkn\u00fcpft. Ein Blick \u00fcber den eigenen Tellerrand, z.B. in die Organisationsstruktur von sog. Sweat Shops, gen\u00fcgt. Die Zeit der pr\u00fcgelnden Arbeitsaufseher_Innen, die durch die Raumaufteilung der Produktionshallen jeder Zeit den \u00dcberblick \u00fcber die Arbeiter_Innen haben, ist hier nicht vorbei. Sweat Shops sind ein fester Bestandteil globaler Kapitalanh\u00e4ufung. Bedingt durch menschengemachte Armut und Landflucht hat sich diese Form der Produktion vor allem im globalen S\u00fcden ausgebreitet. \u00c4hnlich \u201eunfrei\u201c und \u00fcberwacht wie in Haftanstalten, werden die Menschen hier unter unw\u00fcrdigen Bedingungen und f\u00fcr Hungerl\u00f6hne ausgebeutet, gedem\u00fctigt und misshandelt.<br \/>\nAber auch in westlichen L\u00e4ndern gibt es f\u00fcr Fehlverhalten innerhalb der Produktion ein breite, wenn auch struktureller gehaltene, Palette an Sanktionen. Meist erstrecken sich diese \u00fcber z.B. Mahnungen, Verweise, Streichung von Sozialleistungen, K\u00fcndigungen und Rausschmissen. Innerhalb bestimmter sozialer Schicht k\u00f6nnen diese aber schnell einen weiteren sozialen Abstieg bedeuten. Sie bringen damit eine Spirale in Gang, die die Kluft zwischen arm und reich, privilegiert und unprivilegiert weiter vergr\u00f6\u00dfert. Ein R\u00fcckkopplungseffekt ist der Anstieg sog. Kriminalit\u00e4t. Das System schafft sich sozusagen selbst Anl\u00e4sse f\u00fcr den weiteren Ausbau von Sicherheit und Kontrolle. Dies ist eine Art von Machtentfaltungsstrategie, welche weniger von bestimmten Personen, als vielmehr von systemischen Eigenheiten hervorgerufen wird.<br \/>\nDie Freude an der freiwilligen Selbstauskunft, besonders der privilegierteren Schichten, via \u201eWeb 2.0\u201c ist eine erschreckende Tendenz der freiwilligen \u00dcberwachung. Die europ\u00e4ischen Sicherheitsbeh\u00f6rden haben dies erkannt und wollen die sog. Social Networks, im Rahmen des Stockholmprogramms, f\u00fcr die vorausschauende Kriminalistik nutzen. Auch durch die Gemengelage<br \/>\nTerrorismusbek\u00e4mpfung und Klimawandel wird bei vielen Menschen der Hang zur Selbstkontrolle und die Forderungen nach mehr \u00dcberwachung, Normen und Gesetzen deutlich. Im Windschatten dieser Entwicklungen ist eine pr\u00e4ventive Strategie zur Aufstandsbek\u00e4mpfungen nicht nur geduldet sondern auch erw\u00fcnscht. Konzepte wie \u201eManaging Crowds\u201c sollen helfen, k\u00fcnftig zu erwartende Unruhen m\u00f6glichst im Keim zu ersticken. Selbst die NATO h\u00e4lt die innere Sicherheit und Befriedung f\u00fcr den Schl\u00fcssel zu einer \u201eerfolgreichen Intervention\u201c au\u00dferhalb der Mitgliedsstaaten.<\/p>\n<p>Die Zust\u00e4nde \u201eDrinnen\u201c sind nur die Zuspitzung der Tendenzen \u201eDrau\u00dfen\u201c. Die Realit\u00e4ten der \u201ezwei Welten\u201c innerhalb und au\u00dferhalb der Mauern \u00e4hneln sich zunehmend. Ein Anstieg der \u00dcberwachung, der Armut, des Leistungs- und Anpassungsdrucks ist deutlich sp\u00fcrbar und allgegenw\u00e4rtig. Die b\u00fcrgerliche Strafgesellschaft richtet sich, gerade in Zeiten der weltweiten \u201eMehrfachkrisen\u201c gegen Unterschichten, illegalisierte Menschen und soziale Bewegungen. Die Zahl der sog. sozialen H\u00e4ftlinge steigt von Tag zu Tag. Die europ\u00e4ische Sicherheitsarchitektur wird immer weiter ausgebaut. Und fern ab von der \u00d6ffentlichkeit schmoren Menschen in Abschiebekn\u00e4sten. Die Gef\u00e4ngnisgesellschaft ist Realit\u00e4t.<br \/>\nWir rufen darum am 19. Juni 2010 zu einem Aktionstag gegen die Knastgesellschaft in all ihren Facetten auf. Lasst uns ein deutliches Zeichen setzen. Zeigen wir in vielf\u00e4ltigen und kreativen Aktionen, dezentral und \u00fcberall auf der Welt was wir von der Idee der der totalen Kontrolle halten.<\/p>\n<p>Nieder mit allen Kn\u00e4sten weltweit!<br \/>\nF\u00fcr freie Kommunikation, Bewegungsfreiheit und ein konfliktf\u00e4higes Miteinander!<br \/>\nF\u00fcr die \u00dcberwindung der Knastgesellschaft!<\/p>\n<hr size=\"2\" \/>\n<p><strong>Das Poster:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/aktionstag-poster.jpg\" rel=\"lightbox[2165]\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2249\" title=\"Aktionstag gegen eine geknastete Gesellschaft am 19. Juni - Poster\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/aktionstag-poster-176x250.jpg\" width=\"176\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/aktionstag-poster-176x250.jpg 176w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/aktionstag-poster-424x600.jpg 424w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2010\/04\/aktionstag-poster.jpg 1169w\" sizes=\"(max-width: 176px) 100vw, 176px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 19. Juni 2010 sollen es im deutschsprachigen Raum einen Aktionstag geben, welcher alle Formen der Einsperrung, Inhaftierung und des Wegsperrens und die Folgen davon (Isolation, Vereinzelung, usw.) thematisieren wird. Angesprochen f\u00fchren sollen sich alle, die ihren Beitrag leisten&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[22,10],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2165"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2165"}],"version-history":[{"count":35,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2165\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9833,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2165\/revisions\/9833"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2165"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2165"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2165"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}