{"id":2557,"date":"2010-09-30T14:47:31","date_gmt":"2010-09-30T12:47:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=2557"},"modified":"2011-04-11T19:42:43","modified_gmt":"2011-04-11T18:42:43","slug":"mit-der-knastgesellschaft-brechen-%e2%80%93-tage-gegen-knaeste-und-eine-welt-die-sie-schafft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/mit-der-knastgesellschaft-brechen-%e2%80%93-tage-gegen-knaeste-und-eine-welt-die-sie-schafft","title":{"rendered":"Mit der Knastgesellschaft brechen \u2013 Tage gegen Kn\u00e4ste und eine Welt, die sie schafft"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.mitderknastgesellschaftbrechen.wordpress.com\" target=\"blank\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/mitderknastgesellschaftbrechen.files.wordpress.com\/2010\/10\/header.jpg\" alt=\"Mit der Knastgesellschaft brechen \u2013 Tage gegen Kn\u00e4ste und eine Welt, die sie schafft\" title=\"Mit der Knastgesellschaft brechen \u2013 Tage gegen Kn\u00e4ste und eine Welt, die sie schafft\" width=\"600\" height=\"117\" class=\"aligncenter size-large wp-image-2561\" \/><\/a>Vom 26. bis 28. November 2010 werden in Berlin Anti-Knast-Tage unter dem Motto \u201eMit der Knastgesellschaft brechen \u2013 Tage gegen Kn\u00e4ste und eine Welt, die sie schafft\u201c stattfinden, in diesem Rahmen wird es eine Vielzahl von Diskussionen, Workshops, Veranstaltungen und Filmen geben. Wir laden ein zu einer Suche nach Antworten auf Kontrolltechniken, -politiken und -strategien. Was bedeutet es auf herrschende Kontrollpolitiken zu antworten, sie zur\u00fcckzuweisen und vor allem: Wie kann Widerstand gegen Kontrolle aussehen? Was k\u00f6nnen wir gegen die sich ausweitende Repression tun? Dem staatlichen Interesse uns zu kontrollieren, sanktionieren und einzusch\u00fcchtern wollen wir unseren Willen f\u00fcr eine herrschaftsfreie Gesellschaft ohne Zwangsanstalten und Repression zu k\u00e4mpfen entgegensetzen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>Der Aufruf<\/strong><\/p>\n<p>Die sozialen Angriffe auf unser aller Leben nehmen weiter zu. W\u00e4hrend immer gr\u00f6\u00dfere Teile der Bev\u00f6lkerung ihrer Lebensgrundlagen durch K\u00fcrzungen im Sozialbereich und Gesundheitswesen mit gleichzeitigen befristeten Niedrigstlohnbesch\u00e4ftigungen beraubt und an den Rand der Gesellschaft gedr\u00e4ngt werden, nehmen staatlich organisierte Eingriffe in unser Leben st\u00e4ndig zu.<br \/>\nWir leben in einer Zeit, in der das Arbeitsamt mehr \u00fcber uns wei\u00df als unsere direkten Nachbar_innen und Kontrolle \u00fcber uns aus\u00fcbt, die vor ein paar Jahren noch undenkbar erschien. Aufenthaltsbestimmungen, Kontrolle bis hin zur Gr\u00f6\u00dfe und Lage unserer Wohnung, Ein-Eurojobs und die M\u00f6glichkeit uns am langen Arm verhungern zu lassen, wenn wir uns dagegen wehren oder uns dieser Verwertungslogik verweigern, sind Beispiele dieser Eingriffe. Prek\u00e4re Lohnbesch\u00e4ftigung mit mangelnder sozialer Absicherung sind Realit\u00e4t f\u00fcr viele. Noch schlimmer trifft es die, die sich hier ohne Papiere und sicheren Aufenthaltsstatus ein Leben aufbauen wollen. Menschen mit migrantischem Hintergrund schl\u00e4gt die H\u00e4rte institutionalisierten Rassismus direkt ins Gesicht und gipfelt darin, dass Leute, ohne sich auch nur irgendeines \u201eVerbrechens\u201c schuldig gemacht zu haben, eingesperrt und abgeschoben werden. Die, die nicht abgeschoben werden k\u00f6nnen, d\u00fcrfen ihre Wohnorte nur mit Genehmigung verlassen und sollen mit Gutscheinen statt Bargeld einkaufen gehen. Das sind nur die offensichtlichsten Beispiele der Angriffe, denen Menschen, die an den Rande der Gesellschaft gedr\u00e4ngt werden, tagt\u00e4glich ausgesetzt sind.<\/p>\n<p><strong>Als Beispiel: Neuk\u00f6lln\/Berlin<\/strong><\/p>\n<p>Kurzerhand werden im gr\u00f6\u00dferen Kontext ganze Stadtteile zu Problemzonen deklariert und erhalten ihre ganz besondere eigene F\u00fcrsorge. Als Beispiel wollen wir kurz auf Neuk\u00f6lln in Berlin eingehen. Dieser Stadtteil eignet sich bestens f\u00fcr einen solch konstruierten Problemfall und weiterer M\u00f6glichkeiten die Mauern der Knastgesellschaft h\u00f6her und dicker zu bauen und die soziale Kontrolle zu versch\u00e4rfen. Da es hier viele Menschen mit migrantischem Hintergrund, sowie eine hohe Arbeitslosigkeit gibt muss es vor Problemen nur so wimmeln. Kamera\u00fcberwachung an s\u00e4mtlichen \u00f6ffentlichen Orten und die S\u00e4uberung des Stra\u00dfenbildes von unliebsamen Elementen werden zum Hauptt\u00e4tigkeitsfeld staatlichen und privatwirtschaftlichen Handelns. Die Jugend- und Bandenkriminalit\u00e4t sei sehr hoch, deshalb braucht es vermehrte Polizeipr\u00e4senz im Kiez, genauso wie private Wachdienste an Schulen und \u00f6ffentlichen Orten. Der Stadtteil gilt als Experimentierfeld f\u00fcr repressive Ma\u00dfnahmen und gleichzeitig als Aush\u00e4ngeschild f\u00fcr positives Engagement gegen die Missst\u00e4nde innerhalb unserer Gesellschaft und souver\u00e4nes Handeln gegen unangepasstes Verhalten.<br \/>\nDie R\u00fctli-Schule konnte dank des massiven Eingreifens von Sozialarbeiter_innen befriedet und die Ordnung wieder hergestellt werden. Unter der Oberfl\u00e4che brodelt es jedoch weiter. Die kosmetischen Verbesserungen und Befriedungsstrategien k\u00f6nnen nur deckeln was irgendwann \u00fcberkochen muss. Integration und Assimilation werden zu Voraussetzungen um \u00fcberhaupt existieren zu d\u00fcrfen. Unterdr\u00fcckungsmechanismen auf allen Ebenen werden vorbereitet und in Stellung gebracht. Soziale Ungerechtigkeiten werden weggewischt und Gr\u00fcnde f\u00fcr existierende Probleme weder benannt noch angegangen. Doch die Verantwortlichen f\u00fcr alle Probleme sind schnell gefunden.<br \/>\nVerd\u00e4chtige Jugendgruppen verschwinden aufgrund des Drucks durch Polizei und anderer Sicherheitskr\u00e4fte von der Bildfl\u00e4che; B\u00e4nke werden aus Parks entfernt, sodass auch niemand diese zum Schlafen nutzen kann. Neue Techniken der Bestrafung finden hier ihre erste Anwendung. So zum Beispiel ein Konzept f\u00fcr h\u00e4rtere Strafen f\u00fcr jugendliche Straff\u00e4llige. Diese sollen in einem beschleunigten Verfahren zu Kurzhaftstrafen verurteilt und abgeschreckt werden. Mit ihnen gleich alle anderen auch. Das Konzept fand Anklang und wird nun auf die ganze Stadt ausgeweitet werden. Vorurteile gegen Migrant_innen werden gesch\u00fcrt, sie sollen sich entweder integrieren oder verschwinden. Wie schon gesagt, es handelt sich hierbei um ein Beispiel aber nicht um einen Einzelfall.<br \/>\nEhemals ein Arbeiter_innenquartier wird dieser Stadtteil mit der durch Aufwertung bedingten Ver\u00e4nderung der Stadt nun auch f\u00fcr die kapitalistische Ausbeutung interessanter. Durch die Stadt gef\u00f6rderte Initiativen wie die Task-Force Okerstra\u00dfe haben sich die Probleml\u00f6sung auf die Fahnen geschrieben. Alles was nicht dem gew\u00fcnschten Stadtbild entspricht soll verschwinden. Wie schon zuvor genannt sind die Feinde klar ausgemacht: Herumlungernde, Migrant_innen und trinkende Menschen an Kiosken. Einkommensst\u00e4rkeren soll der Zuzug schmackhaft gemacht werden. Die folgen sind klar. Modernisierungen und Mietsteigerungen, und die Menschen mit kleinem Geldbeutel m\u00fcssen \u00fcber kurz oder lang gehen.<\/p>\n<p><strong>Kn\u00e4ste bedeuten f\u00fcr viele den Endpunkt sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeiten<\/strong><\/p>\n<p>Die Verflechtung von staatlichen und kapitalistischen Interessen f\u00fchrt auch auf anderen Ebenen zur Versch\u00e4rfung der Lebensbedingungen. Kn\u00e4ste bedeuten f\u00fcr viele den Endpunkt sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeiten. Eindrucksvoll hierf\u00fcr stehen die vielen Berliner Gefangenen, die auf Grund nicht beglichener Geldforderungen in Folge nicht bezahlter BVG-Tickets in Gef\u00e4ngnissen einsitzen. Dazu kommen steigende Belegungszahlen bei gleichzeitigem R\u00fcckgang von Kriminalit\u00e4t. Gef\u00e4ngnisse werden privatisiert und Insass_innen dort zu Arbeiten f\u00fcr die Wirtschaft gezwungen. Eine Entwicklung, die in Deutschland zwar neu ist jedoch auf ihr erfolgreiches Vorbild in den USA zur\u00fcckblicken kann.<br \/>\nUm sich der Probleme endg\u00fcltig zu entledigen wird nun hitzig \u00fcber die Langzeitverwahrung von Intensivstraft\u00e4ter_innen diskutiert, die sog. Sicherungsverwahrung. Hierbei handelt es sich entgegen der \u00f6ffentlichen Diskussionen jedoch nicht \u00fcberwiegend um Sexualstraft\u00e4ter_innen und M\u00f6rder_innen. Viele Wiederholungst\u00e4ter_innen unterschiedlichster Delikte sind mit dem Damoklesschwert des F\u00fcr-immer-weggesperrtseins konfrontiert. Das Gesetz fand seine erste Anwendung in den Gerichtss\u00e4len Nazideutschlands. \u00c4hnlich sieht es mit geschlossenen Kinderheimen f\u00fcr straff\u00e4llig gewordene Jugendliche aus. Mindestens drei Jahrzehnte nach der durch massive Proteste erwirkten Reformen bez\u00fcglich Kinder- und Jugendeinrichtungen ist bis heute immer noch keine wirkliche Aufarbeitung der Vorkommnisse und deren Auswirkungen f\u00fcr die Insass_innen geschehen, Politiker_innen jeglicher Seiten fordern trotzdem wieder deren Einf\u00fchrung.<br \/>\nDie einen sollen verdr\u00e4ngt oder abgeschoben, die anderen f\u00fcr immer weggesperrt werden. Alle anderen sind angehalten sich unter st\u00e4ndiger Kontrolle ihres Verhaltens auf Video oder ihrer Kommunikation \u00fcber Telefon und Internet nichts zu Schulde kommen zu lassen. Die\/der gl\u00e4serne B\u00fcrger_in wird nicht nur zur staatlichen Idee des funktionierenden Untertans, oft genug wird auch das Selbstbild einiger \u201eIch habe ja nichts zu verbergen\u201c zur Gefahr f\u00fcr die, die das ganz anders sehen. Wer sich nicht anpasst f\u00e4llt in ein Raster was von ablehnend, kritischer Beobachtung seiner Mitmenschen bis hin zu staatlicher \u00dcberwachung und Verfolgung f\u00fchren kann.<\/p>\n<p><strong>Gemeinsam nachdenken, gemeinsam handeln!<\/strong><\/p>\n<p>Soziale Kontrolle ist nicht l\u00e4nger Institutionen abh\u00e4ngig, sondern breitet sich in einem ganzen Arsenal lokaler Programme und Projekte aus. So wird sie zum \u201eselbstverst\u00e4ndlichem\u201c und \u201eunverzichtbarem\u201c Bestandteil des Alltagslebens.<br \/>\nAuf Widerstand folgt Repression \u2013 der Sinn umfassender Infos \u00fcber die verschiedenen repressiven Angriffe ist, die verschiedenen Wirkweisen der Repression einzusch\u00e4tzen und zu erkennen, dass sie an unterschiedlichen Orten zu verschiedenen Zeitpunkten abgestuft agiert um dieselben Ziele zu erreichen.<br \/>\nDem staatlichen Interesse uns zu kontrollieren, sanktionieren und einzusch\u00fcchtern wollen wir unseren Willen f\u00fcr eine herrschaftsfreie Gesellschaft ohne Zwangsanstalten und Repression zu k\u00e4mpfen entgegensetzen.<br \/>\nWir laden ein zu einer Suche nach Antworten auf Kontrolltechniken, -politiken und -strategien. Was bedeutet es auf herrschende Kontrollpolitiken zu antworten, sie zur\u00fcckzuweisen und vor allem: Wie kann Widerstand gegen Kontrolle aussehen? Was k\u00f6nnen wir gegen die sich ausweitende Repression tun? Das wird uns nicht individuell gelingen, sondern nur kollektiv.<\/p>\n<p>Die Anti-Knast-Tage sollen ein Ort des Kennenlernens, des Austausches und des Vernetzens sein. Wir wollen produktiv streiten, und gemeinsam Perspektiven und Widerstand gegen Repression entwickeln. Wir laden euch alle ein zu einem Wochenende mit Diskussionen, Workshops, Veranstaltungen und Filmen ein.<\/p>\n<p>Wann: <strong>16. bis 28. November 2010<\/strong><br \/>\nWo: <strong>im New Yorck \/ Bethanien<\/strong> (Mariannenplatz 2, Berlin-Kreuzberg)<\/p>\n<p>Weitere Infos k\u00f6nnt ihr auf <a href=\"http:\/\/www.mitderknastgesellschaftbrechen.wordpress.com\" target=\"blank\">www.mitderknastgesellschaftbrechen.wordpress.com<\/a> nachlesen.<br \/>\nInformiert Euch und andere, macht den Termin bekannt, bereitet eigene Aktionen vor und was euch sonst noch einf\u00e4llt!<\/p>\n<p>Die Vorbereitungsgruppe<\/p>\n<p><center><strong>Freiheit f\u00fcr alle!<br \/>\nF\u00fcr eine Gesellschaft ohne Kn\u00e4ste!<br \/>\nWeg mit allen Zwangsanstalten!<\/strong><\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 26. bis 28. 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