{"id":257,"date":"2009-03-04T22:54:17","date_gmt":"2009-03-04T20:54:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=257"},"modified":"2012-05-02T04:40:56","modified_gmt":"2012-05-02T03:40:56","slug":"thomas-meyer-falk-mannheimer-gefaengnisskandal-vor-35-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/thomas-meyer-falk-mannheimer-gefaengnisskandal-vor-35-jahren","title":{"rendered":"Thomas Meyer-Falk: Mannheimer Gef\u00e4ngnisskandal vor 35 Jahren"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" rel=\"lightbox[257]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-662\" title=\"faust-durchs-gitter\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" alt=\"faust-durchs-gitter\" width=\"115\" height=\"120\" \/><\/a>Pfingsten 1974. Drews und Goike (Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter) betreten die Zelle von Hans G. und verpr\u00fcgeln ihn. Sie gehen anschlie\u00dfend in eine weitere Zelle. Dort zerrt Drews den nackt im oberen Bett des Doppelstock liegenden W. an den Haaren aus dem Bett, so dass dieser auf dem Boden aufschl\u00e4gt. Dem ebenfalls in der Zelle anwesenden Gefangenen H. dr\u00fcckt Drews eine Zigarette im Gesicht aus.<\/p>\n<p>Nach Aussagen von Gefangenen misshandelten in jener Pfingstnacht Rollkommandos rund 100 Gefangene in der Justizvollzugsanstalt Mannheim.<br \/>\nKonkreter Anlass f\u00fcr die \u00dcbergriffe in dieser Nacht waren lautstarke Proteste der Insassen, nachdem eine Stunde fr\u00fcher als \u00fcblich das Licht gel\u00f6scht wurde und pl\u00f6tzlich 800 Gefangene im Dunkeln sa\u00dfen (damals war es \u00fcblich, das Licht zentral geregelt auszuschalten; in Bruchsal beispielsweise wurde diese Unsitte erst 1999 abgeschafft). Sie taten ihren Protest kund und schlugen mit St\u00fchlen und Essgeschirr gegen die Fenstergitter und Zellent\u00fcren.<br \/>\nIn den Folgewochen griffen die Zeitungen die Misshandlungen auf, eine Sonderkommission wurde gebildet, um die Vorf\u00e4lle aufzukl\u00e4ren.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nSeinerzeit gab es einen \u00fcberwiegend aus ehemaligen Gefangenen gebildeten Gefangenenrat in Frankfurt\/Main, auch dieser besch\u00e4ftigte sich intensiv mit den \u00dcbergriffen zu Pfingsten. Und in diesem Zusammenhang wurde dann der mysteri\u00f6se Tod eines Untersuchungsh\u00e4ftlings im Dezember 1973 wieder aufgerollt.<\/p>\n<p>Der 25-j\u00e4hrige Hans-Peter Vast, am 16.12.1973 betrunken am Steuer eines gestohlenen Autos von der Polizei verhaftet, wurde am 28.12.1973 tot in seiner Mannheimer Knastzelle entdeckt. Seinen Angeh\u00f6rigen teilte man mit, er sei nachts in der Zelle umgefallen und dabei versehentlich mit dem Kopf aufs Bett gefallen, so dass er daran verstarb. Erst im Zuge der durch den Gefangenenrat mit initiierten neuen Untersuchungen kam heraus, dass in der Nacht vom 27.12. auf den 28.12. die Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter Meisch, Deis und Otto in die Zelle von Hans-Peter Vast eindrangen, ihn mit Schlagstock, Stuhlbein und Schl\u00fcsselbund (der Schl\u00fcsselbund der W\u00e4rter ist als Waffe geeignet, da er aus gro\u00dfen massiven Schl\u00fcsseln besteht) bewu\u00dftlos pr\u00fcgelten und dann unter sein Bett schoben, wo er sp\u00e4ter erstickte, da er sich in seiner Bewusstlosigkeit erbrach.<br \/>\nEnde 1974 erh\u00e4ngte sich Meisch im Gef\u00e4ngnis. Seine W\u00e4rterkollegen Deis &amp; Otto wurden am 12. Mai 1975 vom Landgericht Mannheim wegen gemeinschaftlich begangenen Mordes zu je 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.<\/p>\n<p>An den Tod von Hans-Peter Vast und den Pfingstaufstand vor 35 Jahren sollte wieder erinnert werden, denn auch wenn heute physische \u00dcbergriffe auf Gefangene \u2013 zumindest in Deutschland \u2013 nicht mehr so oft vorkommen wie damals, so sind doch die Forderungen, die seinerzeit der Gefangenenrat, Gefangene der JVA Mannheim und anderer Anstalten aufstellten, heute noch aktuell!<br \/>\n-Abschaffung der Isolation<br \/>\n-Abschaffung von Zwangsarbeit<br \/>\n-freie Arztwahl<br \/>\n-Abschaffung der Repressionen, die gegen Inhaftierte ergriffen werden, die ihre Rechte wahrnehmen<br \/>\n-generelle Urlaubsregelung f\u00fcr alle Gefangenen<\/p>\n<p>Sinnigerweise forderte man auch 1973 eine \u201esofortige Abl\u00f6sung des Kaufmanns und Einkaufsm\u00f6glichkeiten zu gerechten Preisen\u201c; eine Klage \u00fcber zu hohe Preise, die heute noch erhoben wird (z.B. \u201eKnastshop Massak \u2013 ein Erlebnis!\u201c http:\/\/www.de.indymedia.org\/2009\/01\/239491.shtml).<\/p>\n<p>\u00dcbergriffe auf Gefangene speziell in der JVA Mannheim werden immer wieder mal berichtet, jedoch nicht mehr in der Intensit\u00e4t und Brutalit\u00e4t wie in 60ern und 70ern, bzw. in jener H\u00e4ufigkeit.<\/p>\n<p>In diesem Jahr will die Anstaltsleitung der JVA Mannheim gro\u00df das \u201e100-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um\u201c des Knastes feiern, inklusive Empfang f\u00fcr lokale Politprominenz und \u201eTag der offenen T\u00fcre\u201c f\u00fcr BesucherInnen. Selbst den Insassen wird ein Brotkrumen \u201egeg\u00f6nnt\u201c: Der Auftritt einer HipHop-Band im Sommer oder Herbst 2009. Ob die Anstaltsverantwortlichen wohl Hans-Peter Vast gedenken werden, oder all den anderen Gefangenen, die dort starben?<\/p>\n<p>Wer sich \u00fcber die damaligen Zust\u00e4nde informieren m\u00f6chte, dem lege ich das (nur noch antiquarisch erh\u00e4ltliche, z.B. <a href=\"http:\/\/www.booklooker.de\">www.booklooker.de<\/a>) Buch \u201eKnastalltag am Beispiel Mannheim \u2013 eine Dokumentation\u201c ans Herz. Herausgeber: Sozialistisches B\u00fcro Offenbach. Erschienen Mai 1975.<\/p>\n<p><em>Thomas Meyer-Falk<\/em><br \/>\n<em> c\/o JVA \u2013 Z. 3113<\/em><br \/>\n<em> Sch\u00f6nbornstr. 32<\/em><br \/>\n<em> D-76646 Bruchsal<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.freedom-for-thomas.de\">www.freedom-for-thomas.de<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.freedomforthomas.wordpress.com \">www.freedomforthomas.wordpress.com <\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pfingsten 1974. Drews und Goike (Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter) betreten die Zelle von Hans G. und verpr\u00fcgeln ihn. Sie gehen anschlie\u00dfend in eine weitere Zelle. 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