{"id":2610,"date":"2010-10-12T14:43:48","date_gmt":"2010-10-12T12:43:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=2610"},"modified":"2011-05-31T17:38:10","modified_gmt":"2011-05-31T15:38:10","slug":"broschuere-zu-os-cangaceiros","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/broschuere-zu-os-cangaceiros","title":{"rendered":"Brosch\u00fcre zu \u201cOs Cangaceiros\u201d"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/os-cangaceiros-cover.jpg\" rel=\"lightbox[2610]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-2639\" title=\"Os Cangaceiros - Brosch\u00fcre - Cover\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/os-cangaceiros-cover-176x250.jpg\" alt=\"Broch\u00fcre zu \u201cOs Cangaceiros\u201d\" width=\"176\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/os-cangaceiros-cover-176x250.jpg 176w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/os-cangaceiros-cover-422x600.jpg 422w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/os-cangaceiros-cover.jpg 582w\" sizes=\"(max-width: 176px) 100vw, 176px\" \/><\/a><em>Leute, die revolution\u00e4re Anspr\u00fcche erheben gelten als Tr\u00e4umer. Aber der Mensch ist aus dem Stoff gemacht, aus dem seine Tr\u00e4ume sind. Wir sind Revolution\u00e4re. Os Cangaceiros heisst: \u00ab alles ist m\u00f6glich \u00bb, \u00ab wir sind im Krieg \u00bb, \u00ab nichts ist wahr, alles ist erlaubt \u00bb. Wir sind zahlreich, im Bezug auf die vorherrschende Atomisierung. Wir haben viele Verb\u00fcndete \u00fcberall auf der Welt.<\/em><\/p>\n<p><em>Unser Programm ist sehr alt: ohne tote Zeit zu leben. Wir beabsichtigen nat\u00fcrlich ihm seine Publizit\u00e4t durch den Skandal zu sichern. Unsere Existenz selbst ist bereits ein Skandal\u2026 Im sozialen Krieg kann nichts au\u00dfer Acht gelassen werden.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">\u00ab Notes \u00e9ditoriales \u00bb,<br \/>\nOs Cangaceiros nr. 2, November 85<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/os-cangaceiros-x.pdf\">Os Cangaceiros Brosch\u00fcre &#8211; Pdf<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2010\/10\/os-cangaceiros-druck.pdf\">Os Cangaceiros Brosch\u00fcre &#8211; Pdf f\u00fcr Druck<\/a><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><strong><br \/>\nEinleitung zur deutschen \u00dcbersetzung<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Pamphlet wurde aus dem Englischen \u00fcbersetzt, aus der Motivation heraus, dass sofern mir bekannt weder Originalliteratur von oder andere Texte zu den <em>Totengr\u00e4bern<\/em> in deutscher Sprache bestehen. Vor allem die Texte von Os Cangaceiros selbst k\u00f6nnen einen wichtigen Beitrag zum Diskurs innerhalb der anarchistischen Milieus geben, da sie sehr bestimmt jeglicher offiziellen Struktur und jeder Organisation absagen und der Politik bzw. Gesellschaft den Kampf ansagen. Os Canagceiros haben sich nicht als Anarchisten bezeichnet und jeglichem politischen Couleur abgeschworen, in ihren Aktionen und Texten k\u00f6nnen sich aber durchaus viele Anarchisten erkennen. Sie folgten einem Bed\u00fcrfnis der Aufst\u00e4ndigkeit und Delinquenz, basierend auf ihren individuellen Erfahrungen und lie\u00dfen sich weder durch politische Bildung, moralische Dogmen oder andere Ideologien beeinflussen. Ihr Kampf gegen das Gef\u00e4ngnis, inspiriert durch eben jene Erfahrungen, war vielf\u00e4ltig und angreifend und machte sie so innerhalb von einigen Jahren zum \u00f6ffentlichen inneren Feind des franz\u00f6sischen Staates.<\/p>\n<p>Der erste Teil dieses Pamphlets besteht aus einem kurzen enzyklop\u00e4dischen Beitrag zur Entstehung und Entwicklung von Os Cangaceiros, sowie einer Chronologie und Exzerpten ihres Kampfes gegen das Gef\u00e4ngnis.1<\/p>\n<p>Der zweite Teil enth\u00e4lt einige kurze einleitende Abs\u00e4tze und einen reflektorischen Kommentar2 aus dem Jahr 1995 von Leopold Roc, einem Protagonisten der <em>Totengr\u00e4ber<\/em>. Wie Roc selbst anmerkt kann dieser nicht als stellvertretend f\u00fcr die restlichen Protagonisten von Os Canagceiros angesehen werden und auch ich teile seine Analysen nicht vollst\u00e4ndig. Dennoch ist dieser Beitrag interessant, vor allem weil er Diskussionen aufwirft, insbesondere wenn man sich mit den Texten die von der Gruppe selbst aus den Jahren ihrer Aktivit\u00e4t stammen auseinandersetzt und aus diesem Grund wird er hier publiziert. Wie bereits erw\u00e4hnt bestehen diese leider nicht in deutscher Sprache (dies ist ein zuk\u00fcnftiger Ansporn f\u00fcr mich selbst und vielleicht auch f\u00fcr andere), ich will dennoch jedem zwei Publikationen zu den <em>Totengr\u00e4bern<\/em> nahe legen: <em>Os Canagceiros \u2013 A Crime Called Freedom<\/em> (Englisch, \u00fcbersetzt aus dem Italienischen durch Wolfi Landstreicher \u2013 Eberhardt Press) und <em>Os Cangaceiros [Janvier 1985 &#8211; juin 1987]<\/em> (Franz\u00f6sisch, gesammelte Texte und Artikel von und \u00fcber O.C.3)<\/p>\n<p>Ich will abschlie\u00dfend noch zwei kurze Anmerkungen zum \u201eStil\u201c der \u00dcbersetzung machen, die zum besseren Verst\u00e4ndnis der verwendeten Form beitragen und zur Diskussion anregen sollen.<\/p>\n<p>Zum ersten habe ich der Verwendung von geschlechtsneutralen Formen keine Aufmerksamkeit geschenkt. Ich finde es, in erster Instanz, aus eigener Erfahrung heraus m\u00fchsam solche Texte zu lesen, das sei eine sehr praktische und einfache Erkl\u00e4rung, wodurch sie aber f\u00fcr mich nicht an Wichtigkeit verliert. Dies war auch der Ansto\u00df zu einer etwas tiefergehenden \u00dcberlegung. Diesem, meines Erachtens, <em>oberfl\u00e4chlichen<\/em> Detail wird auch innerhalb anarchistischer Milieus (ganz zu schweigen von der alles vereinnahmenden linken Intelligenzia) zuviel Aufmerksamkeit geschenkt. Die Illusion, dass durch das Ver\u00e4ndern und Adaptieren der Sprache die oft ersehnte Emanzipation vielleicht ein St\u00fcckchen <em>realer <\/em>wird, passt nur zu gut zur scheinbar intellektuellen <em>Fassade,<\/em> hinter der sich die Politisch-Korrekte versteckt, um die essentiellen Fragen des revolution\u00e4ren Projekts zu negieren. Eben jene Fassade ist eine <em>filigrane Konstruktion<\/em> basierend auf den neuen Regeln und Dogmen der Politisch-Korrekten und ihrer Subkultur. Dahinter befindet sich keine <em>Substanz<\/em> sondern die <em>Realit\u00e4t<\/em> der Welt, in der wir leben, die sich in Tristesse und Leere widerspiegelt. Dessen m\u00fcssen wir uns bewusst werden, um mit aller Ernsthaftigkeit die Gesellschaft und jenes <em>Fundament<\/em> der Macht und Unterdr\u00fcckung, das ihr Zugrunde liegt, anzugreifen und letztendlich <em>niederzurei\u00dfen<\/em>. Wir sollten deshalb danach streben, uns nicht mit <em>partikul\u00e4ren<\/em> K\u00e4mpfen und Zielen bzw. jeglicher <em>pazifizierender<\/em> Illusion <em>zufrieden<\/em> zu geben.<\/p>\n<p>Zum zweiten verwende ich in dieser \u00dcbersetzung das Wort <em>Kamerade(n)<\/em> als direkte \u00dcbersetzung des englischen Wortes <em>comrade(s)<\/em>. Leider gibt es im Deutschen kein anderes Wort, das der Bedeutung und des Gef\u00fchls dieses entspricht. Viele Alternativen wurden ausprobiert, <em>Gef\u00e4hrten, Kumpanen, Genossen, <\/em>etc<em>., <\/em>jedoch vermisse ich in diesen Ausdr\u00fccken ein gewisses Gef\u00fchl, das <em>meine<\/em> Bedeutung daf\u00fcr ausdr\u00fcckt. Mit der braunen Kameraderie hat dies gar nichts zu tun und mit der Deutlichkeit dieser Aussage will ich mich auch nicht auf eine tiefergehende Erkl\u00e4rung diesbetreffend einlassen.<\/p>\n<p><em>Mokum, Sommer 2010<\/em><\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<h2>Die vernebelte Spur von  Os Cangaceiros durch die soziale Pampa<\/h2>\n<p><strong> <\/strong>\u201eWenn wir die Banken pl\u00fcndern, dann deshalb weil wir erkannt haben, dass das Geld der Hauptgrund unser aller Elends ist. Wenn wir die Fenster einschlagen, dann nicht weil das Leben teuer ist, sondern weil die Waren uns davon abhalten, um jeden Preis zu leben. Wenn wir die Maschinen zerst\u00f6ren, dann nicht aus dem Wunsch die Arbeit zu besch\u00fctzen, sondern um die Lohnsklaverei anzugreifen. Wenn wir die Polizei angreifen, dann nicht um sie aus unseren Vierteln zu jagen, sondern um sie aus unseren Leben zu vertreiben. Das Spektakel w\u00fcrde uns gerne f\u00fcrchterlich aussehen lassen. Wir versuchen viel schlimmer zu sein.\u201c<\/p>\n<p><em>Die Totengr\u00e4ber<\/em>, Paris, Mai 1980<\/p>\n<p><strong>Der Mai wird zu Neujahr<\/strong><\/p>\n<p>Os Cangaceiros war eine Gruppe von proletarischen Revolution\u00e4ren, die aus den Studenten- bzw. Arbeiterunruhen und Besetzungen im Frankreich des Mai 1968 hervorging. Os Cangaceiros \u2013 oder <em>Les Fossoyeurs du vieux monde<\/em> (Totengr\u00e4ber der alten Welt), wie sie auch genannt wurden \u2013 kamen in Nice, Frankreich, zusammen und waren charakteristisch f\u00fcr die neuen antagonistischen Sozialbewegungen des Europas nach dem Mai `68, die nichts weniger als das \u201eEnde der Politik\u201c forderten. In Lokalzeitungen wurden sie als \u201eHooligans\u201c und \u201ejugendliche Delinquenten\u201c bezeichnet. Sie hatten keine offizielle Struktur, sondern bildeten ein Kollektiv aus individuellen Begierden, f\u00e4hig sich in gegenseitigem Ausdruck zu finden. Mit \u201e<em>Ne travaillez, jamais!\u201c<\/em>1 als Programm, machten sie sich daran jene Umst\u00e4nde zu schaffen, die dies sofort m\u00f6glich machen w\u00fcrden. Zu diesem Zweck kollektivierten sie ihre Ressourcen und kriminellen Begabungen, die ihnen durch ihr Verlangen nach Abenteuer vertraut waren. Sie reisten durch den S\u00fcden Frankreichs, gewannen Freunde und initiierten autonom politische Aktionen; meistens gegen die Polizei, die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie, Politiker und soziale Manager aller Art. Sie lebten nomadisch, strebten danach Orte zu finden, wo die Unzufriedenheit ihren H\u00f6hepunkt erreichte und bereisten diese, um Situationen dort im Rahmen ihrer M\u00f6glichkeiten zu versch\u00e4rfen. Insbesondere versuchten sie die Rolle der liberalen, sozialen Demokraten und Linken beim Manipulieren und Befrieden von jenen aufzuzeigen, die zu ihrem eigenen Nutzen revoltierten, indem sie die Bestimmung des Kampfes aus den H\u00e4nden der generalisierten Radikalit\u00e4t nahmen, die ihre eigene Dynamik hatte.<\/p>\n<p><em>\u201eWir wollen ein f\u00fcr allemal klar machen, dass wir, Os Cangaceiros, nicht aus der Linken kommen; es gibt keinen einzigen ehemaligen Linken unter uns. Keiner von uns hatte jemals etwas mit irgendeiner politischen Couleur zu tun. Wir haben nur eine Art der Beziehung zu politischen Gruppen und Organisationen: Krieg. Sie sind alle ausnahmslos unsere Feinde.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Dies beinhaltete auch den Anarchismus und ihre K\u00e4mpfe mit Anarchisten in Paris, welche zumindest zu einem Todesopfer f\u00fchrten.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Jenseits von Frankreich<\/strong><\/p>\n<p>In den sp\u00e4ten 1970er Jahren reisten sie ausf\u00fchrlich in Italien, wo die Autonomia ihren ersten H\u00f6hepunkt erreichte und der revolution\u00e4re Moment die Fabriken und die Jugend der Kontrolle der Kommunistischen Partei und der Gewerkschaften entriss. Dort begegneten sie auch Comontismo, der sich f\u00fcr einen \u201ekriminellen Kampf gegen das Kapital\u201c aussprach und erlebten aus erster Hand den gewaltt\u00e4tigen Angriff der italienischen Unkontrollierbaren auf den Staat. Da ihre Handlungsmethoden sie h\u00e4ufig in die Illegalit\u00e4t und manchmal auch ins Gef\u00e4ngnis brachten, begriffen sie dessen Bedeutung und richteten ihre Aufmerksamkeit sp\u00e4ter f\u00fchlbarer auf das System von Verbrechen und Strafe. In den 80er Jahren folgten<strong> <\/strong>O.C. Aufruhren im ganzen Land bzw. auf dem ganzen Kontinent, verbreiteten Subversion und bildeten soziale Netzwerke in Paris, Lyon, Belgien, Polen, Brixton und Toxteth. Der Reiz, der sie zu diesen Orten zog war unterschiedlich; in Lyon war es der Nervenkitzel des <em>Joyriding<\/em> und das Auflauern und Angreifen von verfolgenden Polizeiautos durch eine mit Steinen wartenden Menge. In Polen waren es die wilden Streiks und Besetzungen gegen die kommunistische Regierung. In Brixton und Toxteth war es die Explosion der Innenstadtjugend gegen die Langeweile und die Polizeirepression. An jedem dieser Orte f\u00fchrten sie ihre eigenen Aktionen als Beitrag zum Kampf durch, ohne die lokalen Teilnehmer in welcher Weise auch immer zu beeinflussen. In ihrem damaligen Journal, welches keine politische Ver\u00f6ffentlichung, sondern eher eine Zusammenfassung ihrer Aktivit\u00e4ten und Reflektionen darauf war, behandelten sie Fragen wie zum Bed\u00fcrfnis an Unsichtbarkeit (und der konsequenten Ablehnung des politischen Milieus, welches die Aufmerksamkeit der Polizei wegen seiner eigenen Eitelkeit geradezu herausfordert) sowie Strategien zur Untergrabung der alten Welt des Kapitalismus mit all seinen Neuigkeiten und L\u00fcgen. Im Jahr 1984 gingen O.C. nach England, um dort zusammen mit den Grubenarbeitern ihre eigenen Steine zu werfen und hielten sich ein Jahr lang in verschiedensten St\u00e4dten in Yorkshire auf; dies war der letzte Kampf der traditionellen Arbeiterklassenbewegung in Gro\u00dfbritannien, dem letzten Land, das dem europ\u00e4ischen Model folgte. Danach kehrten sie nach Paris zur\u00fcck (zusammen mit mehreren befreundeten Grubenarbeitern) und begannen H\u00e4user zu besetzen.<\/p>\n<p><em>\u201eLasst unsere Kerkermeister keine Herrschaft walten, lasst uns jeden Tag auf das Herz des Tigers einschlagen, in jeglicher Manier, nach unserem Gegensatz, gegen die Traurigkeit und Einsamkeit der Zellen unserer Gefangenschaft.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Vor\u00fcbergehende Ruhe<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend andere Hausbesetzer versuchten umweltschutzbezogene oder architektonische Argumente zu verwenden, um die Besetzung von leerstehenden, zerfallenen Geb\u00e4uden zu rechtfertigen, entschieden sich Os Cangaceiros die besten Geb\u00e4ude die sie fanden zu nehmen \u2013 sie sahen das H\u00e4userbesetzen als direkte Enteignung des materiellen Luxus auf den wir alle ein Anrecht haben, da jeder einzelne von uns ein Leben lang durch die Illusion des materiellen Reichtums aufgereizt wurde. O.C. wollten genau diese L\u00fcge erkennen und aussch\u00f6pfen, zu diesem Zweck zogen sie in einen neu gebauten Appartementblock ein und warfen die sich beschwerenden Yuppiebewohner hinaus. Das eingenommene Geb\u00e4ude wurde dann gegen einen Polizeiangriff verbarrikadiert und sie errichteten eine No-Go Zone f\u00fcr die Polizei in ihrem Viertel. Als die Polizei letztendlich kam, um sie zu r\u00e4umen, dauerte es drei Stunden bis diese durch die Stahlbarrikaden an der T\u00fcr kam, w\u00e4hrenddessen ein, per Telefon informiertes, Netzwerk an Unterst\u00fctzern die Polizei in einem Gegenangriff von hinten attackierte. In den sp\u00e4ten 1980er Jahren schlugen O.C. einen neuen Weg ein und begannen ihre Bem\u00fchungen gegen die Gef\u00e4ngnisindustrie zu richten. In den n\u00e4chsten drei Jahren f\u00fchrten sie mehrere Sabotageakte gegen in Bau befindliche Gef\u00e4ngnisse durch, stahlen Baupl\u00e4ne f\u00fcr neue Gef\u00e4ngnisse, verpr\u00fcgelten Architekten, die in die Planung dieser neuen Gulags involviert waren und zogen Aufmerksamkeit auf den Widerstand, der auch innerhalb der Mauern stark zunahm. Der Kampf gegen diesen Industriekomplex zwang O.C. ihr Journal aufzul\u00f6sen<strong> <\/strong>und vollst\u00e4ndig unterzutauchen, nachdem sie nun massiv von der Polizei verfolgt wurden. Als eine ihrer letzten Aktionen (bevor sie sich vollst\u00e4ndig in inoffiziellen, kriminellen Netzwerken aufl\u00f6sten, die sie \u00fcber die letzten 20 Jahre hin erschaffen hatten) ver\u00f6ffentlichten sie ein Buch \u00fcber die Bewegung des freien Geistes des 16. Jahrhunderts, eine proto-anarchistische Str\u00f6mung, mit der sie sich stark identifizierten.<\/p>\n<p><em>\u201eIn der Morgenr\u00f6te des Industrialismus wurden Fabriken nach dem Muster von Gef\u00e4ngnissen gebaut. In dessen D\u00e4mmerung werden nun Gef\u00e4ngnisse nach dem Abbild von Fabriken gebaut.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Z\u00e4hne und Klauen<\/strong><\/p>\n<p>Im Mai 1985 brachen in ganz Frankreich Krawalle in den Gef\u00e4ngnissen aus. In Solidarit\u00e4t griffen Os Cangaceiros verschiedene Ziele an, von Eisenbahnschienen bis <em>Tour de France<\/em> Autos, basierend auf ihrem eigenen Hass gegen Gef\u00e4ngnisse und nicht als au\u00dfenstehende Befreier, um den Widerstand der Gefangenen publik zu machen.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>5. Mai, 1985 \u2013 <\/strong>In Fleury-M\u00e9rogis randalieren die Gefangenen des D4 Fl\u00fcgels und zerst\u00f6ren den gesamten Trakt.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>6. Mai \u2013 <\/strong>Abermals in Fleury weigern sich 300 Inhaftierte des D1 Fl\u00fcgels nach ihrem Hofgang zur\u00fcckzukehren; 60 von ihnen z\u00fcnden die Krankenabteilung an.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>7. Mai \u2013 <\/strong>In Bois d\u2019Arc klettern ca. 15 Jugendh\u00e4ftlinge (Insassen j\u00fcnger als 18 Jahre, die normalerweise in separaten Abteilungen gehalten werden) auf das Dach und bleiben dort bis zum 9. Mai unterst\u00fctzt und versorgt durch die anderen Gefangenen.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>8. Mai \u2013 <\/strong>In Lille klettern ungef\u00e4hr zehn Gefangene auf das Dach. In Bastia verweigern Insassen das Gef\u00e4ngnisessen in Solidarit\u00e4t mit den anderen Gefangenen. (Die \u201eVerweigerung von Gef\u00e4ngnisessen\u201c ist nicht wirklich mit einem Hungerstreik zu vergleichen, dennoch kann es ein Weg sein diesen auszuf\u00fchren.)<\/p>\n<p>\u2014   <strong>9. Mai \u2013 <\/strong>In Fresnes klettern 400 Insassen auf die D\u00e4cher und liefern sich Zusammenst\u00f6\u00dfe mit der Polizei, die dabei einen Gefangenen t\u00f6tet. In Compiegne, klettern ca. zehn Gefangene, denen der \u201eMorgenschicht\u201c folgend, auf die D\u00e4cher. Im Bonne Nouvelle Gef\u00e4ngnis in Rouen, klettern ca. 50 Jugendh\u00e4ftlinge auf die D\u00e4cher, w\u00e4hrend andere Gefangene ihre Zellen zerst\u00f6ren; nach angeblichen Verhandlungen kletterten ca. 30 zur\u00fcck auf das Dach in Solidarit\u00e4t mit den Kameraden in Fresnes.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>10. Mai \u2013 <\/strong>Vom 9. bis zum 10. Mai gehen Gefangene auf die D\u00e4cher in Douai. Es gibt einen kurzen Zusammenstoss mit der CRS (Franz\u00f6sische Bereitschaftspolizei). In Amiens klettern ungef\u00e4hr 50 Gefangene auf die D\u00e4cher. In Nizza schlie\u00dfen sich 60 Gefangene mit ca. 20 Jugendh\u00e4ftlingen w\u00e4hrend eines Zusammensto\u00dfes mit der Polizei auf den D\u00e4chern zusammen. In Beziers nehmen 130 Gefangene drei W\u00e4chter und einen Krankenpfleger f\u00fcr drei Stunden als Geisel.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>11. Mai \u2013 <\/strong>In Evreux, Saintes und Coutances, klettern Gefangene auf die D\u00e4cher und bek\u00e4mpfen sich mit der Polizei. Dasselbe passiert am n\u00e4chsten Tag in St. Brieuc.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>19. Mai \u2013 <\/strong>Gefangene zerst\u00f6ren das gesamte Gef\u00e4ngnis von Montpellier (Brandstiftung und Verw\u00fcstungen) und liefern sich K\u00e4mpfe mit der Polizei. Drau\u00dfen greift die Menge, bestehend aus Freunden und Verwandten der Gefangenen, die Polizei von hinten an.<\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong>Dar\u00fcber hinaus brechen in verschiedensten Gef\u00e4ngnissen Unruhen aus, von der Verw\u00fcstung von Zellen und versuchter Brandstiftung (in Rennes, Angers, Metz, etc.) bis zur kollektiven Verweigerung von Gef\u00e4ngnisessen (Lyon, Frauen und M\u00e4nner in Fleury, Ajaccio, Auxerres, St. Malo, Avignon, Chambery, etc.). In dieser Zeit finden mehrere \u201eSelbstmorde\u201c statt. Die Rebellen in Douai und Evreux erhalten harte Strafen unter dem Vorwand der verursachten Sch\u00e4den.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>17. Juni \u2013 <\/strong>Auf der Eisenbahnstrecke Nantes-Paris nahe Nantes wird eine Barrikade in Solidarit\u00e4t mit den Gef\u00e4ngnisrevolten in Brand gesteckt.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>20. Juni<\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> Sabotage an den TGV (Schnellzug) Anlagen der Eisenbahngleise im S\u00fcden von Paris.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>27. Juni<\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> Auf der Eisenbahnstrecke Toulouse-Paris nahe Toulouse wird eine Barrikade in Brand gesteckt.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>30. Juni \u2013 <\/strong>In der Nacht von 30. Juni auf 1. Juli wird der Druck der Pariser Tageszeitung lahm gelegt durch Sabotage der IPLO Druckerei nahe Nantes.<\/p>\n<p><em>\u201eWir haben uns dazu entschlossen der nationalen Presse einen halben Tag der Stille aufzuerlegen zu Ehren der rebellierenden Knastbr\u00fcder. Diese Aktion ist weiters in Solidarit\u00e4t mit all den toten Gefangenen, die \u201ege-selbst-mordet\u201c wurden. Alle diese Zeitungen sind bekannt f\u00fcr ihre Feindseligkeit gegen die j\u00fcngste Bewegung der Revolten in den Gef\u00e4ngnissen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u2014   <strong>1. Juli \u2013 <\/strong>Sabotage an den Eisenbahnanlagen der Nimes-Tarascon Strecke.<\/p>\n<p>Jedes Mal verursachten diese Aktionen l\u00e4ngere Unterbrechungen im Zugverkehr und stundenlange Versp\u00e4tungen der t\u00e4glichen Z\u00fcge. Die Forderungen waren immer die gleichen:<\/p>\n<p><em>\u201eEine Reduktion der Strafen f\u00fcr alle verurteilten Gefangenen. Die Freilassung von allen, auf den Prozess wartenden, Inhaftierten. Das endg\u00fcltige Stoppen von allen Abschiebema\u00dfnahmen gegen Immigranten. Die Aufhebung aller Sanktionen gegen die Rebellierenden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>\u2014   <strong>2. Juli<\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> Der Paris-Br\u00fcssel TEE-Zug wird nahe Compiegne gestoppt. Die vier Forderungen werden auf die Wagons gesprayt. Fenster werden eingeschlagen und Exemplare des Pamphlets \u201eFreiheit ist das Verbrechen\u201c werden durch die zerst\u00f6rten Fenster geworfen.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>5. Juli<\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> Sabotage an der Paris-Le Havre Linie. Vier Personen werden zwei Tage sp\u00e4ter in Rouen in Verbindung mit dieser Aktion verhaftet und f\u00fcr drei Monate eingesperrt.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>8. Juli<\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> Von 7. bis 8. Juli klettern in Chaumont Gefangene auf die D\u00e4cher, um ihre Sorgen angesichts der anstehenden pr\u00e4sidialen Amnestie am 14. Juli (Tag der St\u00fcrmung der Bastille) zu demonstrieren, welche verspricht sehr d\u00fcrftig zu werden. Es kommt zu Konflikten mit der Polizei. Vier der Rebellen erhalten schwere Strafen.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>9. Juli<\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> Ein anonymer Sabotageakt wird gegen die Paris-Strassburg Linie, die nahe Chaumont entlang l\u00e4uft, ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>12. Juli<\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> Am fr\u00fchen Morgen werden in Paris zwei Metrolinien mehrere Stunden lang durch schwere Objekte blockiert, die in Solidarit\u00e4t mit den Rouen 4 und den Rebellen von Chaumont auf die Gleise geworfen wurden. Wieder wurden die vier Forderungen publik gemacht.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>13. Juli<\/strong> <strong>&#8211;<\/strong> In Lyon werden zwei Autos der Beh\u00f6rden in Solidarit\u00e4t mit den Gefangenen in Lyon in Brand gesteckt. Bevor noch ein Bekennerschreiben ver\u00f6ffentlicht wird, entflammen erneut zahlreiche Unruhen in verschiedensten Gef\u00e4ngnissen (Fleury, Loos-les Lille, Toul, etc.).<\/p>\n<p>\u2014   <strong>14. Juli<\/strong> \u2013 Im St. Paul Gef\u00e4ngnis von Lyon rebellieren ca. 20 Gefangene der \u201epsychiatrischen\u201c Abteilung (Verw\u00fcstungen und Brandstiftungen). Die l\u00e4cherliche pr\u00e4sidiale Amnestie wird angek\u00fcndigt: ein bis zwei Monate Reduzierung der kurzen Haftstrafen. Die JAP (Komitee der Strafvollzugsrichter) wird ihr Arbeitspensum ausweiten: 3000-4000 Gefangene sollen in den n\u00e4chsten Tagen freigelassen werden. Diese Neuigkeit soll von zahlreichen Unruhen in den Gef\u00e4ngnissen des Landes begleitet werden.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>15. Juli<\/strong> \u2013 In der Nacht von 14. auf 15. Juli werden die Reifen des Konvois, der die Tour de France begleitet, in Solidarit\u00e4t mit den verurteilten Rebellen aufgeschlitzt (ungef\u00e4hr 100 Fahrzeuge werden unbrauchbar gemacht).<\/p>\n<p>In Toulouse wird ein Unternehmen, welches Gefangene besch\u00e4ftigt, durch Brandstiftung zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>\u2014   <strong>18. August<\/strong> \u2013 In Lille klettern dutzende Gefangene auf die D\u00e4cher. In Lyon wird die ROP Druckerei der Pariser Tageszeitungen verw\u00fcstet. Die Publikation und die Distribution werden schwer beeintr\u00e4chtigt. Erneut war es das Ziel die Zeitungen f\u00fcr ihre L\u00fcgen und Feindseligkeit gegen die Rebellen zu z\u00fcchtigen. Der Text \u201eDie Wahrheit \u00fcber einige Aktionen\u201c wurde in den R\u00e4umlichkeiten zur\u00fcckgelassen. W\u00e4hrend Unruhen in Guadalupe k\u00f6nnen ca. 30 Gefangene nach Ausschreitungen im Gef\u00e4ngnis Pointe-\u00e0-Pitre ausbrechen.<\/p>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eDie Forderungen vereinigen die Offensive der Gefangenen gegen ihre Isolation und einen Aufruf an jene au\u00dferhalb der Mauern, um diese konkret zu zerst\u00f6ren. Es geht darum Druck zu erzeugen, um sich gegen diese Gesellschaft zu behaupten, auf eine Welt zu schei\u00dfen, die lieber taub w\u00e4re, wenn es um ihre Gef\u00e4ngnisse geht.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>13.000 Projekt<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahr 1990 begann ein umfangreiches Dossier in Frankreich zu kursieren. Das von Os Cangaceiros in Umlauf gebrachte Dossier enthielt sowohl gestohlene Gef\u00e4ngnispl\u00e4ne und -dokumente als auch eine Chronologie, welche die Sabotagekampagne von O.C. gegen das \u201e13.000 Projekt\u201c umschrieb. Dieses Projekt beinhaltete den Plan des franz\u00f6sischen Staats um neue Hochsicherheits-Gef\u00e4ngnisse mit Platz f\u00fcr 13.000 Gefangene zu schaffen. Weiters beinhaltete die Akte Kopien der Communiques, die an jene von O.C. angegriffenen Institutionen und Personen gesendet wurden. Interessanterweise versuchten die Polizei und die angegriffenen Betriebe sehr diskret mit dieser Kampagne umzugehen, offensichtlich um ihr so wenig wie m\u00f6glich Aufmerksamkeit in der \u00d6ffentlichkeit zu geben.<\/p>\n<p><strong>Brief an einen Architekten<\/strong><\/p>\n<p><em>\u201eBetrifft: Hinterhalt<\/em><\/p>\n<p><em>Sind Deine Wunden gut geheilt, Architekt? Hast Du herausgefunden warum? Unversch\u00e4mt, ohne jeglichen Skrupel, Zentimeter f\u00fcr Zentimeter hast Du diese K\u00e4fige erschaffen, in denen sogar die Behinderten eingesperrt werden sollen. Innerhalb der Mauern, die Du entworfen hast, werden in Zukunft Individuen, die mehr wert sind als Du, regelm\u00e4\u00dfig verpr\u00fcgelt werden. Die Zeit war reif, dass Du einen Appetitanreger von dem erhalten hast, was tausende Gefangene bis zum xten Grade ertragen werden m\u00fcssen. Architekt, dies ist n\u00e4mlich nicht die erste Niedertr\u00e4chtlichkeit f\u00fcr die Dein Betrieb verantwortlich ist. Wenn man betrachtet, was Du baust, um normale B\u00fcrger unterzubringen, kann man Deine Kompetenz um Delinquenten wegzusperren erahnen. Man kann leicht von den Hochhausbl\u00f6cken des 13. Arrondissements auf die Gef\u00e4ngniszellen schlie\u00dfen. Du Schwein, schau Dir Deine Schnauze gut an, wir konnten von Deinem ersch\u00f6pften Gesicht ablesen, wie tief Du selbst in Deine Projekte verwickelt bist. Zuerst hast Du Mauern gebaut, nun wirst Du diese einrei\u00dfen.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p>Os Cangaceiros, Lyon, 19. M\u00e4rz 1990<\/p>\n<p>1 <em>\u201eNe travaillez, jamais!\u201c <\/em>frei \u00fcbersetzt als \u201eArbeitet niemals!\u201c war ein Leitspruch der Bewegungen um den Pariser Mai 1968. Anm. d. \u00dc.<\/p>\n<h2>Os Cangaceiros in der sozialen Pampa<\/h2>\n<p><strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Eine kurze einleitende Erkl\u00e4rung\u2026<\/strong><\/p>\n<p>In den 1980er und fr\u00fchen 1990er Jahren waren wir mit einigen der Personen befreundet, welche die franz\u00f6sische Gruppe Os Cangaceiros bildeten, die aus <em>Les Fossoyeurs du Vieux Monde<\/em> (Die Totengr\u00e4ber der alten Welt) entstanden war. Die originalen Cangaceiros waren Robin Hood-artige Banditen \u2013 die Reichen berauben um den Armen zu geben \u2013 im Brasilien des 19. Jahrhunderts. Die neu gegr\u00fcndete <em>Frog<\/em><strong>&#8211;<\/strong>Gruppe1<strong> <\/strong>(wie wir sie mit einer Brise \u00fcbertriebenen Chauvinismus nannten) war nach Gro\u00dfbritannien gekommen, begeistert von der Periode der urbanen Krawalle in den fr\u00fchen 80er Jahren und den \u00dcberschneidungen mit den erbitterten Streiks, besonders die der Grubenarbeiter zwischen 1984 und 1985, zu welchen die <em>Froggies<\/em><strong> <\/strong>ihre eigenen Zutaten hinzuf\u00fcgten. Sie freundeten sich mit einigen der wildesten, eigensinnigsten und bemerkenswertesten Individuen der Grubenarbeitergemeinschaft in Yorkshire an und versuchten so dauerhaftere internationale Verkn\u00fcpfungen zu schaffen. In der Hoffnung, dass sich bei der steigenden Verelendung<strong> <\/strong>in den 80er Jahren und dem Ungl\u00fcck auch ein Silberstreif am Horizont abzeichnete, vielleicht sogar ein Regenbogen in der Form eines interethnischen<strong> <\/strong>Zusammenkommens in Gro\u00dfbritannien in der D\u00e4mmerung der 1980er Jahre, ausgedr\u00fcckt durch offene Revolte. Leider wollte es nicht sein, da der Zuspruch von wenig auf noch weniger umschlug und letztendlich fast g\u00e4nzlich verschwunden war.<\/p>\n<p>Manche meinten, dass die <em>Kangaroos<\/em>, wie sie unvermeidlich von uns in Gro\u00dfbritannien genannt wurden \u2013 um uns wiederum hinter einem filmreifen Chauvinismus zu verstecken \u2013 Gewalt der Gewalt wegen fetischisierten<strong> <\/strong>und unkritisch jede Art von individuellem Hooliganismus unterst\u00fctzen, was keiner von uns einfach so tun konnte. Besonders nicht nach der Trag\u00f6die im Heysel Stadion von Br\u00fcssel, als 1985 bei einer Massenpanik w\u00e4hrend eines UEFA-Cup Spiels, hervorgerufen durch Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen der Polizei und englischen (Liverpool) bzw. italienischen (Juventus) Fu\u00dfballfans, viele Menschen starben. Man k\u00f6nnte meinen \u2013 und darauf wurde damals auch von einigen Leuten hingewiesen \u2013 dass es um mehr gehen k\u00f6nnte bei den \u201elinken\u201c Liverpool-Fans in ihren roten Heimdressen gegen die italienischen \u201eFaschisten\u201c, aber das w\u00fcrde wohl zu weit gehen.<\/p>\n<p>Andererseits verbreiteten die <em>Kangaroos<\/em> das Beispiel der Autonomie, der spanischen Dockarbeiterorganisation <em>Coordinadora<\/em> entsprungen, bevor auch diese entartete, in dem sie Pamphlets von <em>BM Blob<\/em> distributierten: <em>\u201eInternational Dockers struggle in the Eighties\u201c<\/em> (Internationaler Kampf der Dockarbeiter in den Achtzigern) wurde in ganz Yorkshire verteilt und durch ihre freundliche Veranlagung ergaben sich andauernde Freundschaften2. Dar\u00fcber hinaus haben die <em>Kanagaroos<\/em> einige interessante Texte, vor allem die besten in franz\u00f6sischer Sprache, \u00fcber den Streik der Grubenarbeiter verfasst, welche ein sehr \u00fcberzeugendes \u201eich war dabei\u201c Gef\u00fchl vermitteln.3<\/p>\n<p>Zur gleichen Zeit begannen Os Cangaceiros zu Hause in Frankreich in verschiedene Arten der direkten Aktion involviert zu sein, speziell in Zusammenhang mit den K\u00e4mpfen der Gefangenen, indem sie eine Reihe von einfallsreichen Aktionen initiierten. Der folgende Text bezieht sich auf eine dieser Interventionen unter vielen und geht sensibel und intelligent mit den Problemen um, die einem sozial ausgeschlossenen Gr\u00fcppchen<strong> <\/strong>innewohnen, welches in die Offensive gegangen ist und dadurch den Hass des Establishments auf die eigene, klandestine Existenz<strong> <\/strong>gezogen hat. Insbesondere relevant sind die Fragen des wie, warum und wof\u00fcr, neben anderen unvorhersehbaren Schwierigkeiten in Bezug auf die Publicity-Maschine der Medien; wie sie einen ben\u00fctzen und vor allem wie man ihren <em>modus operandi<\/em> umst\u00fcrzen kann und somit die Medienleute dazu bringt, sein eigenes Spiel zu spielen und nicht ihres. Einiges davon ist scharfsinnig und man kann die aus reiner Erfahrung erz\u00e4hlende Stimme h\u00f6ren. Dies ist sicher ein wertvolles Beispiel f\u00fcr jene, die \u00e4hnliche Wege beschreiten oder selbst dort waren.<\/p>\n<h6>1 Als Froggies oder Frogs werden Franzosen in Gro\u00dfbritannien etwas abwertend bezeichnet, Anm. d. \u00dc<br \/>\n2 siehe \u201eJenny Tells her Tale\u201c, Kommentar der Frau eines Grubenarbeiters auf <a href=\"http:\/\/www.revoltagainstplenty.com\">www.revoltagainstplenty.com<\/a><br \/>\n3 Ein weiterer faszinierender, oft tiefgehender, bewegender autobiographischer Bericht ist \u201eN\u2019Drea\u201c von einer Kameradin, die in sehr jungen Jahren an Krebs starb. Es ist bis dato eine der besten Kritiken am modernen Krankenhaus, in Bezug auf t\u00f6dliche Krankheiten (Herausgegeben von Peligan Press, Here &amp; Now Collective Leeds, \u00fcbersetzt von Don Smith. Das Buch ist auf Grund der limitierten Auflage leider nicht mehr erh\u00e4ltlich, vielleicht aber durch Peligan Press im Internet ver\u00f6ffentlicht).<\/h6>\n<h1 style=\"text-align: center;\">Die vernebelte Spur von Os Cancaceiros<\/h1>\n<h1 style=\"text-align: center;\">durch die soziale Pampa<\/h1>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwischen 1985 und 1990 erlangte die Gruppe \u201eOs Cangaceiros\u201c durch einige durchschlagende<strong> <\/strong>Aktionen in Frankreich einen gewissen Ruf; jetzt, da Os Cangaceiros der Vergangenheit angeh\u00f6ren, sind es wahrscheinlich diese Aktionen, die es wert sind daran zu erinnern oder eher noch die Lektionen und Kritiken, welche man daraus ziehen kann. Die folgenden Anmerkungen versuchen dennoch weder Bewunderung noch Verachtung zu erregen: Ich denke, dass sie n\u00fctzlich sein k\u00f6nnen f\u00fcr andere, die sich auf einen \u00e4hnlichen praktischen Dissens<strong> <\/strong>einlassen wollen.1Die verschiedenen Sabotageakte, die wir ausf\u00fchrten, waren die Erkl\u00e4rung, dass eine handvoll entschlossener Leute sich etwas effizienterem hingeben k\u00f6nnen als dem gewohnten Flugblatt\/Pamphlet-Verteilen, wenn es darum geht Solidarit\u00e4t oder Unzufriedenheit auszudr\u00fccken. Im Jahr 1985 war es die Idee, die Forderungen der damals revoltierenden Gefangenen, durch die St\u00f6rung des Schienenverkehrs im gro\u00dfen Rahmen, weiterzuleiten. Das Blockieren von Autobahnen und Eisenbahnlinien hat eine lange Tradition im franz\u00f6sischen Arbeiterkampf und durch das Anwenden dieser Mittel wollten wir verdeutlichen, dass die Revolte eines Gefangenen ein legitimer sozialer Kampf ist wie jeder andere: genauso wie Arbeiter f\u00fcr eine Lohnerh\u00f6hung streiken, revoltieren Gefangene f\u00fcr die Reduzierung der Strafen (und bei beiden steht nat\u00fcrlich mehr auf dem Spiel als die ausgedr\u00fcckten Forderungen). Selbstverst\u00e4ndlich erkannten dies die Medien und der Staat nicht an und wetterten gegen die von Kriminellen unterst\u00fctzten Terroristen (oder umgekehrt). Trotzdem wurde diese Art Solidarit\u00e4t zu zeigen gut von den Menschen innerhalb der Gef\u00e4ngnismauern aufgenommen und auch von jenen drau\u00dfen. Im Zuge der Berichte \u00fcber unsere Aktionen musste die Presse auch die Forderungen der Gefangenen erw\u00e4hnen und erlaubte so die weitere Verbreitung eben jener Forderungen. Es muss auch hinzugef\u00fcgt werden, dass die vier wegen dieser Aktionen angeklagten Personen, trotz der irren Beschuldigung des Terrorismus, letztendlich sehr milde Strafen bekamen, dank einer lokalen Verteidigungskampagne, die in Bezug auf die \u201eTerroristen\u201c-Frage die entgegengesetzte Richtung einschlug.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl wir diese bestimmte Art der Aktion nicht endlos reproduzieren und unsere ganze Zeit auf dem Gleisschotter verbringen wollten, griffen wir im Februar 1986 noch einmal darauf zur\u00fcck. Dieses Mal, um Abdelkarim Khalki zu unterst\u00fctzen, der seinen gro\u00dfz\u00fcgigen Sinn f\u00fcr Freundschaft und Humanit\u00e4t gezeigt hatte, indem er versuchte seine Kumpels, Courtois und Thiollet, w\u00e4hrend ihres Prozesses zu befreien. Er nahm das Gericht, die Jury und die Journalisten als Geisel. Nach 36 Stunden scheiterte sein Versuch dennoch, jedoch nicht bevor sie es schafften die Richter, das Rechtssystem und die Gesellschaft, live in der Hauptsendezeit des Fernsehens, zu \u201erichten\u201c. Jetzt war Khalki im Hungerstreik und forderte, dass der Innenminister das von ihm gegebene Versprechen einhielt, ihn im Austausch f\u00fcr das Aufgeben von Thiollet und Courtois, gehen zu lassen. Eines Morgens fanden tausende Pariser eine gute Ausrede, um zu sp\u00e4t zur Arbeit zu kommen, nachdem wir praktisch das ganze Metro-Netzwerk f\u00fcr mehr als eine Stunde lahm gelegt hatte, indem wir ganz einfach schwere Gegenst\u00e4nde auf die Gleise warfen und die elektrischen Hauptleitungen durchschnitten. Plakatierte Poster in und um die Metrostationen informierten jeden \u00fcber Khalki\u2019s Situation und seine Forderungen. Wiederum zwang diese Aktion die Presse Khalki\u2019s Hungerstreik zu erw\u00e4hnen, den sie bis zu diesem Zeitpunkt vertuschte. Selbstverst\u00e4ndlich hielt die Regierung nie ihr Versprechen und Khalki bekam eine schwere Strafe. Wie unser Poster damals sagte: \u201ewas kann man vom Staat au\u00dfer L\u00fcgen und Schl\u00e4ge erwarten?<em>\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Reihe von Aktionen, die wir zwischen 1989 und 1990 ausf\u00fchrten, gr\u00fcndeten auf einer anderen Perspektive. Dieses Mal war es keine direkte Antwort auf eine gerade stattfindene Revolte2, sondern eine Entscheidung, um irgendwie gegen den geplanten Bau von neuen Gef\u00e4ngnissen vorzugehen. Das bedeutete, dass wir selbst das Timing und die Mittel w\u00e4hlen konnten, die wir f\u00fcr angebracht hielten, ganz abgesehen von den offensichtlichen Gr\u00fcnden, warum einen die Aussicht auf 13.000 neu gebaute K\u00e4fige ankotzt. Wir hatten auch pers\u00f6nliche Gr\u00fcnde f\u00fcr unseren \u00c4rger, da wir in den letzten Jahren permanenten Auseinandersetzungen mit der Polizei ausgesetzt wurden, welche versuchte die Cangaceiros mit so wenig wie m\u00f6glichem Aufsehen zu besiegen, was uns zur st\u00e4ndigen Flucht zwang. Es war keine \u00dcbertreibung anzunehmen, dass diese Gef\u00e4ngnisse auch f\u00fcr uns gebaut wurden und nachdem \u201eAngriff die beste Verteidigung\u201c ist, dachten wir wenn wir schon gefasst w\u00fcrden, dann auch f\u00fcr etwas sich Lohnendes. Dennoch spielte das Gef\u00fchl eines sorgenvollen Notfalls auch eine sch\u00e4dliche Rolle bei der ganzen Sache. Das spielende Element, notwendig f\u00fcr jede Art der subversiven Aktivit\u00e4t, neigte sich in eine neurotische Besessenheit vom erzwungen erfolgreichen Ergebnis zu verwandeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der abschlie\u00dfende Bericht, den wir zu dieser Kampagne ver\u00f6ffentlicht hatten, k\u00f6nnte einen betr\u00fcgerischen Eindruck von Leichtigkeit und M\u00fchelosigkeit hinterlassen. Genau genommen rannten wir f\u00fcr mehr als ein Jahr mit unseren K\u00f6pfen gegen die (gut bewachten) W\u00e4nde der Regierungsb\u00fcros, privaten Unternehmen, Baustellen und geheime Daten beherbergenden Orte, mit dem Eindruck, dass unsere Sabotage nur ein Nadelstich gegen eine monstr\u00f6se Maschinerie war. Damit konfrontiert war unsere erste Reaktion unsere Ziele zu \u00fcbersch\u00e4tzen, was zu einer gef\u00e4hrlichen (d.h. unkontrollierten) Eskalation f\u00fchren kann. Zudem neigen Langzeitpl\u00e4ne in Zusammenhang mit <em>Hit-Squad<\/em> Aktivit\u00e4ten dazu, ihre eigene \u201emilit\u00e4rische\u201c Logik zu entwickeln, die uns von distanzierteren und selbstkritischeren Reflektionen entfremdet und die Mittel somit den Zweck erf\u00fcllen3. So unhierarchisch die Gruppe auch sein mag, trotzdem hatte jeder das Gef\u00fchl die Initiative zu verlieren und es dauerte einige Zeit bis wir realisierten, dass wir eine viel effizientere und einfachere Karte ausspielen konnten, n\u00e4mlich die weite Verbreitung der geheimen Pl\u00e4ne und Dokumente, die in unsere H\u00e4nde gelangt waren. Dies war jedoch nicht nur eine \u00c4nderung der Taktik; und ich m\u00f6chte einige allgemeinere \u00dcberlegungen zu diesem Thema aufwerfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste betrifft unsere Beziehung zu den Medien. Die Art der Sabotageaktionen, die wir 1985 und 1986 ausf\u00fchrten, war sehr abh\u00e4ngig von der Medienberichterstattung. Wie sehr man die Medien auch hasst, man braucht auch ihre Aufmerksamkeit, denn was ist eine solidarische Aktion wert, wenn jene, an die sie adressiert ist, nichts davon mitbekommen? Und deshalb ergibt man sich ihrer Macht \u2013 der Macht dich zu verleumden, deine Sache \u00fcbertrieben aufzublasen, um Repression zu provozieren oder dich ganz einfach nicht zu erw\u00e4hnen und so unbemerkt lassen. In den Jahren 1989-1990 hatte die Presse offensichtlich die Anweisung bekommen unsere Aktivit\u00e4ten auszublenden: sogar die lokalen Zeitungen, die es nie verpassen w\u00fcrden \u00fcber einen \u00fcberfahrenen Hund zu berichten, schrieben keine einzige Zeile \u00fcber die Sicherheitsfirma, die wir zu Asche verbrannt hatten oder \u00fcber den Gef\u00e4ngnisarchitekten, den wir in Paris auf offener Stra\u00dfe verpr\u00fcgelt hatten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mit der Verbreitung des <em>\u201e13.000 belles\u201c<\/em>-Dossiers stellten wir das Problem auf den Kopf. Bevor die Medien auch nur irgendwas erfuhren, waren sich schon zehntausende Menschen bewusst dar\u00fcber was passierte. Wir hatten das Dossier zum Beispiel an alle Cafes der Orte, an denen neue Gef\u00e4ngnisse gebaut wurden, gesandt und unsere Spione vor Ort meinten, dass es in allen Bars Diskussionen n\u00e4hrte, die den ganzen Tag anhielten. Einer Lokalzeitung zufolge eilte eine entsetzte Pensionistin zum lokalen Gemeindeamt und fragte, ob es wahr sei, dass Gefangene durch sabotierte Gef\u00e4ngnismauern ausbrechen k\u00f6nnten. Die Beamten kopierten das Dossier, das die Frau erhalten hatte (\u201edie Kopierer waren an diesem Tag sehr besch\u00e4ftigt\u201c, schrieb ein Journalist) und es wurde an h\u00f6here Institutionen weitergeleitet. Die Journalisten waren dann gezwungen herumzueilen, um eine Kopie des Dossiers zu ergattern und so gingen an diesem Tag die Neuigkeiten ihren Weg von den Lokalzeitungen zur nationalen Presseagentur, bis ein Regierungsvertreter eine Pressekonferenz veranlasste, um die \u00d6ffentlichkeit zu den m\u00f6glichen Gefahren der Enth\u00fcllung dieser Dokumente zu \u201eberuhigen\u201c. Und nur weil wir dieses Mal die Presse nicht als notwendiges \u00dcbertragungselement gebraucht hatten um die \u00d6ffentlichkeit zu erreichen, waren ihre Meldungen weitaus folgerichtiger und genauer als gew\u00f6hnlich \u2013 manchmal sogar lustig. Le Figaro druckte einen ganzseitigen Artikel mit dem Titel \u201eAusbr\u00fcche \u2013 Anleitung zur Anwendung\u201c in dem sie unseren ganzen Brief rezitierten und eine andere Zeitung kommentierte: \u201eDiese Cangaceiros sind genauso romantisch wie ihre Vorfahren (d.h. die brasilianischen Sozialbanditen), aber besser organisiert.\u201c Ein TV-Nachrichtensprecher schlussfolgerte: \u201eMan k\u00f6nnte denken das sei ein schlechter Witz, denn waren diese Personen nicht schon der Polizei bekannt?\u201c Dies ist die Moral zur Geschichte: Die beste Nutzung der Medien (anstatt von ihnen benutzt zu werden) ist, zu versuchen, sie zu \u00fcbergehen.4 Sie zuerst verzichtbar machen, damit sie vielleicht als gew\u00f6hnlicher Verst\u00e4rker der Geschehnisse fungieren, ohne dass wir ihre Hilfe einsetzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hinter der Medienproblematik liegt jedoch eine viel substanziellere Frage. Desto mehr wir danach strebten dem Gef\u00e4ngnisprogramm best\u00e4ndigen Schaden zuzuf\u00fcgen, desto mehr entwickelte sich das unbehagliche Gef\u00fchl, dass wir einen \u201eeins gegen eins\u201c Kampf gegen den Staat f\u00fchrten \u2013 eine Herausforderung, die wir als solche offensichtlich verdammt waren zu verlieren. Wir waren \u201eDie letzten Mohikaner\u201c in ihrem verzweifelten Angriff gegen die Bleichgesichter. Schlussendlich war es von geringerer<strong> <\/strong>Wichtigkeit, ob die Medien \u00fcber diesen Kampf berichteten bzw. ob es Sympathie oder Verachtung in der \u00d6ffentlichkeit erzeugen w\u00fcrde, denn die \u201e\u00d6ffentlichkeit\u201c konnte ohnehin nichts anderes als eine \u00d6ffentlichkeit von weit weg betrachtenden Zuschauern bleiben. Wir betrachteten uns nie als sich opfernde Avantgarde, dennoch fanden wir uns in eine Ecke gedr\u00e4ngt wieder, in der unsere \u201eguten Absichten\u201c wenig Nutzen hatten. Die Option die Gef\u00e4ngnispl\u00e4ne zu verbreiten war so etwas wie ein Durchbruch der Anklang fand, nicht bei den Zuschauern, sondern bei potenziellen Komplizen, die sich in unserer Initiative finden und diese weiterf\u00fchren konnten. Dies funktionierte ganz gut. Obwohl einige Gefangene sicherlich von dem Dossier wussten und begeistert dar\u00fcber waren, wissen wir nicht, ob es Insassen wirklich half, um einen Weg aus dem Gef\u00e4ngnis zu finden (obwohl die Presse es seither, sobald es in einem dieser Gef\u00e4ngnisse Unruhen gab, niemals verabs\u00e4umte an jene fehlende Dokumente zu erinnern, die sich irgendwo dort drau\u00dfen auf freiem Fu\u00df befanden). Nichtsdestotrotz trug die spielerische Seite des Stehlens verbotener Dokumente bzw. des heimlichen Weiterreichens an andere sicher zur gro\u00dfr\u00e4umigen Verbreitung bei. Sogar Leute die uns gew\u00f6hnlich nicht mochten sch\u00e4tzten es, dass wir dem Staat gezeigt hatten, was wir von ihm halten. Dieser schlussendliche Erfolg war auf alle F\u00e4lle auch eine Ablehnung gegen unsere fr\u00fchere Perspektive, ganz abgesehen von der Freude, dass wir es durchgef\u00fchrt hatten, denn letztendlich hinterlie\u00df die ganze Sache uns in v\u00f6lliger Ersch\u00f6pfung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um zur entfremdenden Seite von langzeitlicher klandestiner Aktivit\u00e4t zur\u00fcckzukommen: die Polizeistrategie gegen uns passte bemerkenswert gut auf die oben beschriebene. Wie ich bereits erw\u00e4hnte, hatte es die Polizei auf ein hartes Durchgreifen<strong> <\/strong>ausgelegt, zusammengetragen zu einem spektakul\u00e4ren Schauprozess, komplettiert mit erfundenen Beweisen und es scheint, als ob sie auch versuchten uns zu infiltrieren, um uns dazu zu bringen Bomben zu legen.5 Ihr Hauptinteresse dieser Jahre lag jedoch darin uns durch permanente Schikanen von unseren potenziellen Verb\u00fcndeten zu isolieren. Im Februar 1991 folgte dem <em>\u201e13.000 belles\u201c<\/em> Skandal eine mittels der Medien inszenierte<strong> <\/strong>Razzia in mehreren St\u00e4dten, bei der 25 Menschen einvernommen und ihre Appartements durchsucht wurden. Dem Mordicus Magazin, das Teile unseres Dossiers ver\u00f6ffentlicht hatte, wurde mit gerichtlichen Schritten gedroht. Nachdem der franz\u00f6sische Staat sich 1987 Action Directe entledigt hatte, suchte er nach einem neuen \u00f6ffentlichen, inneren Feind und wir waren definitiv auf ihrer Liste ganz oben, um diese Rolle einzunehmen. Es ist Grundschule der Polizeipsychologie, dass desto mehr ein Individuum oder eine Gruppe vom Rest der Gesellschaft abgeschnitten ist, es\/sie mit einem umso erh\u00f6hten Level an Gewalt reagiert, was es\/sie wiederum weiter isolieren wird. Die Nachrichtensperre der Medien \u00fcber unsere Aktionen gegen die neuen Gef\u00e4ngnisse hatte zweifellos dies zum Ziel und wir entbl\u00f6\u00dften uns dem zugegebenerma\u00dfen. Wir dachten es sei mit einer Kritik am Terrorismus abgetan, da wir nie eine M\u00f6glichkeit verabs\u00e4umten, um unsere Verachtung f\u00fcr Action Directe, RAF, Brigate Rosse usw. auszudr\u00fccken und weil wir uns weigerten auf Bomben und Gewehre zur\u00fcckzugreifen, \u201eunsere Aktionsmittel sind jene der Proletarier: Sabotage und Vandalismus\u201c. Dies verfehlte jedoch die essentielle Frage: Im Kontext von sozialer Regression kann eine Gruppe von Leuten, die ihre gewaltvolle Revolte durchsetzt und so heraussticht, einfach hervorgehoben, isoliert und auf feindliches Terrain \u2013 den Bullen in deinem Kopf \u2013 geschleppt werden. Unbewusst findet man sich darin wieder, sein eigenes Verhalten und die eigenen Gedanken nach ihnen zu formen und dies ist ihr erster Sieg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Widerspruch pr\u00e4sentierte sich auch im weniger \u00f6ffentlichen Teil unserer Aktivit\u00e4t, dem organisierten Diebstahl, <em>\u201ela reprise\u201c <\/em>(das Wiederaneignen) wie es die anarchistischen Illegalisten im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert nannten. <em>\u201eNe travaillez, jamais\u201c<\/em>: wir erachteten diesen Ausdruck niemals nur als poetischen Slogan, sondern als unmittelbares Programm. Nat\u00fcrlich ist auch Diebstahl in vielen Belangen eine Art der Arbeit, deren Aufteilung, Organisation und Resultate jedoch dir selbst geh\u00f6ren. In einem permanenten Kampf zu leben, l\u00e4sst dich einige wertvolle F\u00e4higkeiten verfeinern und letzten Endes \u2013 nur wenn du erfolgreich warst \u2013 hast du die Freude dich dem vorhergesagten Schicksal zu widersetzen. Au\u00dferdem, wie Woody Allen es in <em>\u201eTake the Money an Run\u201c<\/em> ausdr\u00fcckt, sind die Arbeitszeiten gut, man trifft interessante Menschen und die Bezahlung ist ordentlich. Nat\u00fcrlich war unser Ziel weder unsere Kohle f\u00fcr Sportautos, Pal\u00e4ste oder Champagner rauszuschmei\u00dfen (obwohl nichts falsch ist mit Luxusg\u00fctern) noch Kapital f\u00fcr irgendeine Businessinvestition anzuh\u00e4ufen. Auch wenn wir es kollektiv geschafft hatten einen netten Betrag zu bunkern, die Frage nach der kollektiven Verwendung, die unseren sozialen Ambitionen entsprach, stellte sich noch immer. Auch weil wir mit dieser abstrakten radikalen Sprache brechen wollten, von der wir nie wussten woher sie eigentlich gekommen war, denn wir wollten aus unserer eigenen konkreten Situation als Delinquenten in dieser Welt sprechen.<strong> <\/strong>In dieser Hinsicht f\u00fchlten wir, wie weit entfernt wir von den alten anarchistischen Illegalisten in Spanien und anderswo waren, die Teil von nachhaltigen Gemeinschaften waren und deren Diebst\u00e4hle als untrennbare Bestandteile eines anhaltenden Kampfes betrachtet werden konnten. Durruti hatte sich beleidigt gef\u00fchlt, wenn die Presse ihn einen B\u00f6sewicht nannte; er war ein Arbeiter unter anderen Arbeitern, die ihn auch als solchen erkannten.6 Nat\u00fcrlich sind die Dinge jetzt v\u00f6llig anders, da nahezu alle k\u00e4mpfenden Gemeinschaften und soziale Traditionen zerst\u00f6rt wurden. Das Geld das wir uns nahmen erlaubte nat\u00fcrlich ein gr\u00f6\u00dferes Ma\u00df an Solidarit\u00e4t und Gro\u00dfz\u00fcgigkeit \u2013 ohne die die Erfahrung unserer Freundin Andrea nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re7. Dennoch, wer waren wir in dieser Hinsicht, wenn nicht eine isolierte Gruppe unter isolierten Individuen? Wir hatten viele Gespr\u00e4che \u00fcber eine dadaistische Verwendung des Geldes, \u00fcber eine Vergesellschaftung und die allgemeine Notwendigkeit des Geldes zum Thema zu machen, was allerdings zu nichts f\u00fchrte. Nicht das die Idee falsch war \u2013 ich bin noch immer \u00fcberzeugt davon, dass jeder Versuch sich dem sozialen Zerfall zu widersetzen, sich der finanziellen Frage, in welcher Weise auch immer, stellen muss \u2013 aber ihre Anwendung bedarf einer gr\u00f6\u00dferen Basis als einem Dutzend Irregul\u00e4rer, die sich auf der Flucht befinden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Tats\u00e4chlich bew\u00e4ltigten wir nie wirklich unsere subjektiven Sehns\u00fcchte: neben unserem Willen irgendwie zu einer neuen Welle von sozialem Dissens beizutragen \u2013 d.h. ein Ziel auf lange Sicht, gekoppelt mit einem sorgf\u00e4ltigen Bedenken f\u00fcr die angemessene Vermittlungen, gab es auch diesen groben Impuls f\u00fcr unmittelbare Rache, der an uns nagte. Am allerwenigsten m\u00f6chte ich mich dagegen ausdr\u00fccken Rache zu nehmen, als Handlungen von spektakul\u00e4rem Draufg\u00e4ngertum, das sich keine Gedanken \u00fcber die Konsequenzen macht \u2013 dies ist ein menschliches Handeln, das keine weitere Erkl\u00e4rung braucht, da es im Untergrund gro\u00dfe Wiedererkennung bewirkt.8<strong> <\/strong>Was Aktionen gegen das Gef\u00e4ngnis angeht, f\u00fchrte uns der Anblick dieser Architekten, die sorgf\u00e4ltig K\u00e4fige f\u00fcr Menschen planen, der kleinen Unternehmer, die sich die H\u00e4nde reiben in der Vorstellung des Profits den sie damit erzielen werden und der Lakaien des Staates, die alles kaltherzig beaufsichtigen, oft in Versuchung zu weniger symbolischen Reaktionen. Es schien jedoch, dass wir entgegen aller Erwartungen noch nicht genug verzweifelt daf\u00fcr waren.9<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sicherlich lie\u00df das Leben im Alltag der 1980er Jahre in Frankreich (und Europa) wenig Platz f\u00fcr Optimismus, aber wir nahmen uns der Situation mit einem v\u00f6lligen Fatalismus an, der uns wiederum zu einem versch\u00e4rften Voluntarismus ermutigte, soweit es unseren eigenen Kampf anging. Deshalb ist es bezeichnend, dass sich, obwohl wir uns niemals als Anti-Gef\u00e4ngnis Aktivisten sahen, alle unsere Aktionen trotzdem gegen das Gef\u00e4ngnis richteten, als ob jede Perspektive mittlerweile genauso starr war wie eine Gef\u00e4ngnismauer. Ich glaube nicht, dass wir die einzigen waren, die sich blo\u00df \u00fcber die Ebbe nach der revolution\u00e4ren Flut der Sechziger und Siebziger beklagten, ohne \u00fcberm\u00e4\u00dfig zu hinterfragen, ob die \u201eradikalen\u201c Konzepte und Praktiken, die wir immer noch mittrugen, nicht auch f\u00fcr diese Situation verantwortlich gemacht werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insbesondere, da ich hier an Englisch sprechende Leser schreibe, wei\u00df ich, dass diese Anmerkungen leicht von einigen Leuten als Best\u00e4tigung f\u00fcr ihre alte individualistische Haltung interpretiert werden k\u00f6nnen, welche <em>a priori<\/em> jede Art von kollektivem Versuch als einen \u201eBrutplatz f\u00fcr hierarchische Macht\u201c, als \u201eEntfremdung des Individuums durch die Gruppe\u201c usw. abtut. Ich glaube dennoch, dass diese Art von Kritik irrelevant ist. Wohl wahr, sobald Menschen sich f\u00fcr ein langfristiges Ziel zusammentun besteht das Risiko, dass Machtk\u00e4mpfe ausbrechen, sich spezialisierte Rollen entwickeln oder emotionale Gef\u00fchle hinter dem Schleier der \u201eObjektivit\u00e4t\u201c unterdr\u00fcckt werden \u2013 und Os Cangaceiros war davon \u00fcberhaupt nicht ausgenommen. Dies ist jedoch kein Grund sich zur\u00fcck zu lehnen und darauf zu warten, dass \u201edie Revolution\u201c auf magische Art und Weise all diese Probleme l\u00f6st: sie existieren ohnehin und sind deshalb Teil eines durch kollektive Aktivit\u00e4t erm\u00f6glichten Experiments, von dem man viel N\u00fctzliches lernen kann. Die eigentliche Frage ist eher, ein ausreichendes Niveau an Austausch<strong> <\/strong>zwischen der Gruppe und ihrem sozialen Umfeld zu erreichen bzw. zu halten; durch Scheitern neigt die Gruppe dazu einer anderen Logik zu folgen und wird so zu ihrer eigenen Bestimmtheit \u2013 eine Art von Autismus, der wiederum zwischenmenschliche Konflikte versch\u00e4rft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In all diesen Jahren waren wir sehr zwanghaft mit der Idee besch\u00e4ftigt einen gro\u00dfen Skandal zu verursachen, etwas in der dadaistisch-surrealistisch-situationistischen Tradition; eine punktuelle und spektakul\u00e4re Tat, die den latenten Negativisimus ausdr\u00fcckt, der die Gesellschaft untergr\u00e4bt \u2013 und irgendwie war das Resultat von \u201e<em>13.000 belles\u201c<\/em> so etwas. Jedoch erfuhren wir auch die Grenzen dieser Idee. Der haupts\u00e4chliche Fehler der meisten radikalen post-68 Agitationen war ihre Unf\u00e4higkeit bleibende Br\u00fcche in der Koh\u00e4renz der Gesellschaft zu verursachen, der geduldige Aufbau von sozialen B\u00fcnden durch verschiedenste Vermittlungen und Initiativen. Diese \u201eradikale\u201c Einstellung reduzierte sich selbst zu oft auf die blo\u00dfe Brandmarkung der Gesellschaft in all ihren spezifischen und begrenzten Aktivit\u00e4ten, anstatt zu versuchen in innovativer Weise innerhalb eines festgelegten Terrains zu agieren. Es waren die gew\u00f6hnlichen Kommentare von au\u00dfen zu stattfindenden K\u00e4mpfen (oft mit einer \u201ewir wissen eh schon wie\u2019s ausgehen wird\u201c Haltung), oder etwas weniger passiv, die <em>\u201eHit-and-Run\u201c<\/em> Aktionen, welche unf\u00e4hig waren einen bleibenden dynamischen Impuls zu haben. Diese w\u00e4ren vielleicht zu Zeiten einer m\u00f6glichen revolution\u00e4ren Situation relevant (\u201ekeine Zeit zu verlieren, Mai `68 oder rein gar nichts\u201c), dies ist jedoch nicht l\u00e4nger der Fall. Und da die Cangaceiros nach den Grenzen solch eines Konzeptes strebten, es als totale Herausforderung lebten, f\u00fchlten wir mit einer besonderen Sch\u00e4rfe, dass es uns blo\u00df in eine radikale Sackgasse gef\u00fchrt hatte: Einsame Seefahrer auf der wilden See.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich will hier keine Verbitterung aufkommen lassen. Dies war ein Abenteuer in einer Epoche, in der Abenteuer eher selten sind. Gl\u00fccklicherweise endete es nicht wie das Schicksal der meisten illegalen Gruppen in einer tragischen Niederlage (und was dich nicht umbringt, macht dich st\u00e4rker). Weil es aber nur ein Abenteuer war ging es nicht \u00fcber den Willen seiner Protagonisten hinaus. Letztendlich war das einzige in dem die Cangaceiros \u00fcbereinstimmten, dass eine solche Vereinigung nicht weiter w\u00fcnschenswert war und jeder ging seinen eigenen Weg und versuchte was auch immer er aus dieser Geschichte gelernt hatte in die Praxis umzusetzen. Deswegen werde ich die Frage offen lassen, ob diese Erfahrung nur eine versp\u00e4tete Erscheinung des post-68 Radikalismus war oder den Weg f\u00fcr etwas neues ebnete.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Leopold Roc, Mai 1995<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">&nbsp;<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\">1 Dieser Text gibt meine pers\u00f6nliche Sicht zu diesem Thema wieder und obwohl ein Teil davon aus einer kollektiven Reflexion entsprungen ist, w\u00fcrden wohl einige der fr\u00fcheren Protagonisten meiner Ansicht nicht zustimmen. \u2013 L.R.<\/h6>\n<h6 style=\"text-align: center;\">2 Obwohl wir dies nat\u00fcrlich als Teil des anhaltenden Kampfes gegen das Gef\u00e4ngnis betrachteten, hatte sich die Situation seit 1985, dank einer Anzahl von Individuen und Gruppen, sowohl innerhalb als auch au\u00dferhalb der Mauern ver\u00e4ndert. \u00dcber die sporadisch ausbrechenden Unruhen hinaus, begann sich damals eine Bewegung zu organisieren, die sich z.B. in landesweiten Streiks der Gefangenen, Komitees von k\u00e4mpfenden Gefangenen und \u00f6ffentlicher Unterst\u00fctzung, wenn Insassen wegen Rebellion vor dem Richter erscheinen mussten, manifestierte. Brilliante kritische Texte wurden in Untergrundmagazinen der Gefangenen ver\u00f6ffentlicht. Diese Bewegung scheint heute ausgestorben zu sein.<\/h6>\n<h6 style=\"text-align: center;\">3 Einem der Grubenarbeiter aus Yorkshire zufolge hatten die militantesten von ihnen dieselbe Erfahrung w\u00e4hrend der Streiks von 1984 bis 1985: sie waren so vertieft in die t\u00e4gliche Organisation von Streikposten und Blitzaktionen, dass sie keine Zeit mehr hatten um \u00fcber die allgemeine, auf dem Spiel stehende Perspektive zu diskutieren (in der Armee ist es nur den Gener\u00e4len erlaubt \u00fcber Strategien zu sprechen). Jedoch hatten ihre Frauen in den K\u00fcchen Zeit und Bereitschaft f\u00fcr tiefgr\u00fcndigere Reflektionen.<\/h6>\n<h6 style=\"text-align: center;\">4 Ein gutes Beispiel daf\u00fcr sind jene Hacker, die geheime Daten im Internet ver\u00f6ffentlichen, diese dadurch Millionen potenziellen Benutzern zug\u00e4nglich machen und somit eine Nachrichtensperre unm\u00f6glich machen.<\/h6>\n<h6 style=\"text-align: center;\">5 Laut Behauptungen in Le Figaro im November 1990 und wir hatten einige Gr\u00fcnde diesen zu glauben. Schon 1983 schrieb ein gewisser X. Raufer ein Buch \u201e\u00fcber soziale Gewalt\u201c, in dem er uns als eine Gruppe von verbitterten Halbintellektuellen bezeichnete, die begierig waren \u00d6l in jedes bestehende Feuer zu gie\u00dfen! Zu jener Zeit, als die Polizeioperationen gegen uns begannen war Raufer pers\u00f6nlicher Berater f\u00fcr Sicherheitsfragen von Pasqua, dem Minister f\u00fcr Inneres, der einmal versprochen hatte, die Subversiven mit Subversion bek\u00e4mpfen.<\/h6>\n<h6 style=\"text-align: center;\">6 F\u00fcr \u201etragische Banditen\u201c waren die Dinge anders, wie die Bonnot Gang, die sich der Gesellschaft mit einer \u201elive fast die young\u201c Haltung widersetzte; was nur klar war, in Anbetracht des Gemetzels, das nur kurze Zeit sp\u00e4ter mit dem Beginn des Ersten Weltkrieges eintrat.<\/h6>\n<h6 style=\"text-align: center;\">7 Andrea war eine Kameradin der Cangaceiros, deren Kampf gegen Krebs im Endstadium im oben erw\u00e4hnten Buch \u201eN\u2018Drea: One Woman\u2018s Fight to Die Her Own Way\u201c beschrieben ist. Anm. d. \u00dc.<\/h6>\n<h6 style=\"text-align: center;\">8 Das beste Beispiel daf\u00fcr in Frankreich ist immer noch Jacques Mesrine.<\/h6>\n<h6 style=\"text-align: center;\">9 Im Oktober 1994 erw\u00e4hnte ein franz\u00f6sisches Magazin in Zusammenhang mit der Berichterstattung \u00fcber zwei junge Anarchisten, die angeblich einige Polizisten und einen Taxifahrer in Paris erschossen hatten, Os Cangaceiros als weiters Beispiel f\u00fcr \u201edrohenden anarchistischen Nihilismus\u201c.<\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leute, die revolution\u00e4re Anspr\u00fcche erheben gelten als Tr\u00e4umer. Aber der Mensch ist aus dem Stoff gemacht, aus dem seine Tr\u00e4ume sind. Wir sind Revolution\u00e4re. 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