{"id":290,"date":"2009-01-14T19:00:55","date_gmt":"2009-01-14T17:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=290"},"modified":"2009-07-23T13:09:05","modified_gmt":"2009-07-23T11:09:05","slug":"welcher-ist-der-preis-den-wir-alle-dafuer-zahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/welcher-ist-der-preis-den-wir-alle-dafuer-zahlen","title":{"rendered":"Welcher ist der Preis den wir alle daf\u00fcr zahlen?"},"content":{"rendered":"<p><em>In Folge der Antirepressionsarbeit f\u00fcr die inhaftierten TierrechtsaktivistInnen in \u00d6sterreich wurde dieser Text von AnarchistInnen geschrieben, um Kritik an der Art und Weise der Soliarbeit zu artikulieren. <\/em><\/p>\n<p><strong>Unsere Meinung zu der Repression gegen TierrechtlerInnen in \u00d6sterreich:<\/strong><\/p>\n<p>Diesem Text gehen viele Diskussionen und Zweifel voraus, denn es ist f\u00fcr uns keine leichte Sache in der Wiener Szene mit Kritik aufzutauchen. Nicht nur zu diesem Thema.<!--more--><br \/>\nEs sind n\u00e4mlich Dinge\/Ereignisse aufgetreten mit denen auch wir nicht gerechnet haben. Lange waren die \u00dcberlegungen und das Niedergeschriebene zu diesem Thema klar und fertig. Wenn wir uns recht erinnern, ist dies ein weiterer Anlauf zu dieser Auseinandersetzung.<br \/>\nWarum sie jetzt erscheint wird in den folgenden Zeilen erl\u00e4utert bzw. erkl\u00e4rt.<br \/>\nDiese Einleitung ist auch wichtig, weil die Verhaftungen bzw. Hausdurchsuchungen und nachher die Gefangenschaft von AktivistInnen der BAT (Basisgruppe f\u00fcr Tierrechte) uns sehr getroffen hatte. Wir wollten sie sofort drau\u00dfen sehen, mit uns, nicht hinter einem Panzerglas, sondern mit uns auf den Stra\u00dfen.<br \/>\nDie Betroffenen sind seit l\u00e4ngerem wieder drau\u00dfen. Wie alles passiert ist wollen wir trotzdem nicht zum x-sten mal wiederholen. Es gibt einige Internetseiten und Folder die alles chronologisch gut zusammengefasst haben. Au\u00dferdem sprengt es jenen Rahmen welchen wir dem Thema schenken bzw. widmen wollen.<\/p>\n<p>Unsere Unzufriedenheiten, nicht nur unsere, sondern die von mehreren AnarchistInnen in Wien, fokussiert auf die Solidarit\u00e4tsarbeit f\u00fcr und mit den Gefangenen, die Gefangenen selber und dar\u00fcber hinaus auch den Umgang mit der ganzen Solidarit\u00e4tsarbeit.<\/p>\n<p>Uns ist bewusst wie die Lage in Wien zur Thematik Repression und vor allem zur Anti-Knast Agitation ist. Bis vor kurzer Zeit, konnte sie fast gleich Null gestellt werden. Der einzige Diskurs in Wien gegen eine Form von Gef\u00e4ngnisse l\u00e4uft zum Thema Schubhaft-Abschaffung und seine Wichtigkeit wollen wir nicht mindern, aber dennoch ist uns dieser Diskurs zu kurz gegriffen.<\/p>\n<p>Ab dem Moment der Inhaftierung der TierrechtlerInnen \u00e4nderte sich die Situation drastisch. Das Interesse erstreckte sich vorher eher auf einer internationalen Ebene. Die Realit\u00e4t innerhalb \u00f6sterreichischer Gef\u00e4ngnissen wird ignoriert. Ob mit der Entlassung der TierrechtlerInnen das Interesse zu Anti-Knast Arbeit bleiben wird, k\u00f6nnen wir nicht prognostizieren. Wir k\u00f6nnen nur sagen, dass es f\u00fcr uns nach wie vor ein wichtiger Aspekt und Kampf sein wird.<br \/>\nAu\u00dfer bei einzelnen Individuen hat dieses Thema ja nie Interesse erweckt. Dass es jetzt auf einmal es zu einem wichtigen Thema geworden ist, kommt uns zu rasch\/unreflektiert. Aber dies ist ein anderes Kapitel.<br \/>\nOben erw\u00e4hnen wir die BAT ganz bewusst alleine und nicht den VGT, denn uns sind die Leute vom VGT komplett egal. Zwar wollen wir die Freiheit f\u00fcr alle Gefangenen, egal aus welchen Gr\u00fcnden sie sitzen, aber wir rennen ihnen allen eben nicht nach.<\/p>\n<p>Die Unzufriedenheiten an der Solidarit\u00e4tsarbeit, welche uns \u00fcbrigens \u00fcberhaupt nicht ansprach, die Verzweiflung in einer Sackgasse zu sein und immer wieder gegen dieselbe Mauer zu rennen, erlebten wir als Ohnmacht.<br \/>\nWir konnten uns nicht selber helfen, jedoch ist uns klar, dass trotz der Entlassung der Gefangenen, eine Debatte und eine Diskussion vor uns steht. Vielleicht empfinden es nicht alle so.<\/p>\n<p>Um das ganze nicht im luftleeren Raum stehen zu lassen, obwohl es uns schon auch sehr wundert, dass wir nach so vielen Monaten die ersten sind, m\u00f6chten wir nun kurz auf einige Punkte eingehen.<br \/>\nWir versuchen so klar wie m\u00f6glich zu bleiben, um uns nicht in einzelnen Details zu verh\u00e4ngen, m\u00f6chten wir die Analyse und Kritik zum vergangenen Jahr kurz zusammenfassen.<br \/>\nDie Soliarbeit (und da reden wir jetzt nicht von Solifesten, zu denen kommen wir sp\u00e4ter kurz) hat sich sehr schnell als sehr hierarchisch strukturiert herauskristallisiert.<br \/>\nAn der Spitze war eine Gruppe, die mehr oder weniger den Ton angegeben hat; die die Richtlinien gezeigt hat, au\u00dferhalb gab es wenig. Der Diskurs war Pragmatismus, wie sich schnell herausstellte, egal wie; das fing schon in der ersten Woche mit einer Pressekonferenz mit der Gr\u00fcnen Partei an und m\u00fcndete in der Wahlkampagne mit derselben Gr\u00fcnen Partei und des Kandidierens von Sabine Koch f\u00fcr Nationalratswahl 2008.<br \/>\nDiejenigen die behaupten, dass so eine Praxis als Anarchistinnen tragbar ist, haben sich gut mit ihren Widerspr\u00fcchen arrangiert, denn wo es keine Konsequenz gibt, gibt es keine Widerspr\u00fcche.<br \/>\nWie ansonsten sollen wir das alles verstehen und einordnen? Das h\u00f6rt sich zynisch an, aber wir sind ratlos, da die fehlenden Positionen und Stellungnahmen zwar auch eine Aussage sind, aber in Anbetracht des Geschw\u00e4tzes hinter vorgehaltener Hand doch auch vielleicht Potential h\u00e4tten. Sie w\u00fcrden wenigstens mehr Klarheit \u00fcber dieses Spektakel verschaffen.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit mit der Gr\u00fcnen Partei, mit Menschen aus Linken Gruppen die nichts Weiteres als ihren Opportunismus ausnutzen und die Gelegenheit n\u00fctzen um zu profitieren. Denn uns ist es wichtig, dass sich Menschen mit Gefangenen solidarisieren, aber nicht mit politischen Organisationen die glauben, dass sie mit diesem Thema die eigenen<br \/>\nReihen f\u00fcllen k\u00f6nnen, weil es \u201epopul\u00e4r\u201c und \u201eaktuell\u201c ist.<\/p>\n<p>Unsere Entt\u00e4uschung galt den Menschen die die Soliarbeit machten bzw. noch machen, weil wir sie als Autonome bzw. AnarchistInnen zu kennen glaubten. Seit dem erkennen wir sie nicht mehr. Dasselbe gilt einigen Gefangenen, wir erwarten von ihnen noch eine offizielle Stellungnahme. Wir verstehen nicht warum Aufgrund von Pragmatismus bzw. wie es so oft genannt wird \u201eRealpolitischen Interessen\u201c, revolution\u00e4re Theorien und Praxen \u00fcber Bord geworfen werden und die Gr\u00fcne Partei zu Verb\u00fcndeten gemacht wird.<\/p>\n<p>Unser einziger gesunder Bezug zu den Gr\u00fcnen ist der Angriff gegen sie als ein Teil des Kapitals, des Systems, der Macht, der Unterdr\u00fcckung. Wir w\u00fcrden nicht mehr nerven und uns als zufrieden geben, wenn endlich Positionen bezogen werden w\u00fcrde. Das ganze Gefl\u00fcster hinter den Kulissen geht uns auf die Nerven. Sollen bitte Schwarz auf Wei\u00df die Gefangenen sagen, dass sie die Zusammenarbeit mit der Gr\u00fcnen Partei super fanden. Von Sabine Koch wissen wir es wenigsten schon, sonst verstehen wir nicht warum sie f\u00fcr die Gr\u00fcnen ansonsten bei den letzten Wahlen in den Wiener Listen der Gr\u00fcnen kandidierte. Denn bevor dies nicht passiert, sehen wir nicht ein, warum wir solche Ex-Gefangene unterst\u00fctzen sollen bzw. irgendetwas f\u00fcr sie machen sollen.<br \/>\nDies sollen die Menschen aus der Antirepressiongruppe auch bitte tun. Soll die Debatte anfangen, endlich sollen die Fetzen fliegen, weil einfach warten bis die Geschichte gegessen ist, liegt nicht in unserem Interesse.<\/p>\n<p>Ironischerwei\u00dfe, als die TierrechtlerInnen verhaftet wurden, haben alle m\u00f6glichen von Gruppen sich mit ihnen unbegrenzt solidarisiert. Wir haben damals nichts geschrieben, keine Stellungnahme genommen. Es gab nicht dass Bed\u00fcrfnis, den Raum, die Energie daf\u00fcr. Es w\u00e4re auch f\u00fcr die Szene komplett fehl am Platz gewesen. Denn es gab andere Priorit\u00e4ten als sich mit dem eigenen Handeln auseinander zusetzen. Dar\u00fcber hinaus gab es \u00dcberraschungen die uns zu einer Ohnmacht f\u00fchrten. Dass wir jetzt wieder auftauchen hat klare Gr\u00fcnde. Wir nehmen das Geschehene nicht als einen Nebensatz wahr, sondern als ein Scheitern von AnarchistInnen. Eine kommende Debatte kann auch der Radikalisierung anarchistischer Individuen dienen. Denn wir radikalisieren uns durch unser Handeln im Angriff gegen das Herrschende.<\/p>\n<p>Unsere kritische Einstellung gegen\u00fcber allem was Links ist beruht auf unserer Theorie und Praxis. Dies ist ein Teil davon.<\/p>\n<p>Und nun zum Ungang mit der ganzen Geschichte. Beides bezieht sich auf Menschen au\u00dferhalb und innerhalb der Gef\u00e4ngnisse, denn Gefangene sind f\u00fcr uns keine Opfer, die keine Meinung\/Handlungsm\u00f6glichkeit mehr haben\/\u2026.<\/p>\n<p>Die Auseinandersetzung ist uns wichtig, weil die Situation ernst zu nehmen ist! Und da reden wir nicht nur von dem Fall der TierrechtlerInnen, sondern von allen weiteren Kriminalisierungen und Repressionen, die in Zukunft hereinbrechen werden.<\/p>\n<p>Wir fordern Stellungnahmen, Auseinandersetzungen mit dem Thema und einen Blick in den Spiegel, um vielleicht zu erkennen, dass Arroganz eine verkannte Form von Dummheit ist.<br \/>\nWie k\u00f6nnen Menschen behaupten es sei alles perfekt gelaufen?<br \/>\nWieso gibt es keine Reflexionen? Ist es Feigheit, die kennen wir alle und zu der sollten wir auch stehen lernen, sonst bleibt alles nur eine H\u00fclle von coolen anarchistischen Spr\u00fcchen und sp\u00e4testens wenn die Repression eintritt bekommen wir die verdr\u00e4ngte Angst zu sp\u00fcren.<br \/>\nWarum gestehen sich viele nicht ihr Scheitern ein?<br \/>\nDas sind Fragen, die viele nicht beantworten k\u00f6nnen\/wollen, die hier aber zur Diskussion gestellt werden.<br \/>\nDas klingt jetzt alles nach Provokation, aber es uns leider viel zu ernst um Spa\u00df zu machen. Wir denken uns deutlich genug ausgedr\u00fcckt zu haben.Was die Soli-Feste betrifft, denken wir, dass es nicht wichtig ist, ob wir diese cool oder Schei\u00dfe fanden. Uns ist nur wieder mal die ewige Formel des \u201eAlkohol &#8211; Verkaufs + Party = Solidarit\u00e4t\u201c aufgefallen. Dies zeigt sich aber in allem in der Autonomen\/Anarchistischen Szene und ist jetzt nichts Neues.<\/p>\n<p>Was aber nicht bedeutet, dass wir die ganzen spontanen Demonstrationen vergessen haben. Ausdruck von Wut gegen Polizei und Gef\u00e4ngnisse.<\/p>\n<p>Wir sehen es als eigenen Fehler, dass auch wir immer wieder die \u201eUnerfahrung\u201c zu Anti-Knast Arbeit und Repression in \u00d6sterreich als Rechtfertigung herangezogen haben, um die Handlungen der Autonomen\/ Anarchisitischen Szene in Wien zu rechtfertigen. Nach vielen Monaten der Soliarbeit und der fehlenden Reflexion dar\u00fcber sehen wir das aber anders.<\/p>\n<p>Unerfahrung ist keine Ausrede. Denn pragmatischer Selbstmord spiegelt das Handeln und die Einstellung von uns allen. Im Falle von Wien, keine starke Anarchistische Bewegung, brauchen einige die Gr\u00fcne als R\u00fcckrad.<br \/>\nDa machen wir wieder mal unsere Meinung bekannt, dass es nicht wichtig ist, dass wir viele sind, sondern dass unser Handeln uns widerspiegelt. In unserem Fall der soziale Krieg zwischen uns und dem Kapitalismus\/Staat\/Patriarchat.<br \/>\nWir wollen noch abschlie\u00dfen, dass auch in dieser Solidarit\u00e4tsarbeit der Diskurs von Schuld und Unschuld vorherrschte. Das hat in einer anarchistischen Praxis nichts verloren. Wie sollte denn ansonsten anarchistische Solidarit\u00e4t aus, wenn Menschen zum Beispiel bei ihrer Tat erwischt werden? Wir wollen nicht das Konstrukt des ganzen Falles absprechen, wir wollen es aber auch nicht extra hervorheben, da es t\u00e4gliche Praxis des Staates ist. Immerhin konstruiert er ja auch jeden Tag absurde Gesetze und so vieles mehr.<\/p>\n<p>Dies ist das Ende unserer \u00dcberlegungen, die jetzt endlich niedergeschrieben wurden. Das bedeutet f\u00fcr uns keinen Abschluss, sondern einen Beginn einer Auseinandersetzung, f\u00fcr eine revolution\u00e4re Theorie und Praxis.<\/p>\n<p>Es ist auch nicht wichtig wer die VerfasserInnen des Textes sind (auch so eine Besch\u00e4ftigungstherapie in der Szene). Alle Anstrengung dies raus zu finden ist entweder Arbeit der Polizei, oder Ablenkung von der eigenen Auseinandersetzung.<\/p>\n<p>Einige AnarchistInnen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Folge der Antirepressionsarbeit f\u00fcr die inhaftierten TierrechtsaktivistInnen in \u00d6sterreich wurde dieser Text von AnarchistInnen geschrieben, um Kritik an der Art und Weise der Soliarbeit zu artikulieren. 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