{"id":323,"date":"2009-02-08T15:00:23","date_gmt":"2009-02-08T13:00:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=323"},"modified":"2011-04-14T23:45:20","modified_gmt":"2011-04-14T22:45:20","slug":"brief-des-griechischen-anarchisten-ilias-nikolau-aus-dem-knast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/brief-des-griechischen-anarchisten-ilias-nikolau-aus-dem-knast","title":{"rendered":"Brief des griechischen Anarchisten Ilias Nikolau aus dem Knast"},"content":{"rendered":"<p><em>In der Nacht zum 13.1.09 explodierte ein Brandsatz, welcher aus Benzin und Gasflaschen bestand, vor dem Eingang der Polizeiwache Evomos (Thessaloniki) und besch\u00e4digte die Fenster und die L\u00fcftungsanlage. Kurz danach verhaftete die Polizei den 26-j\u00e4hrigen Ilias Nikolau, wohnhaft in der n\u00e4heren Umgebung der Polizeiwache.<\/em><!--more--><br \/>\n<em>Ilias war zusammen mit Dimitra Sirianou und Kostakis Halazas \u00fcber ein Jahr auf der Flucht in der Folge der Ermittlungen gegen Vaggelis Botzatzis (aufgrund verschiedener Brandanschl\u00e4ge). Vaggelis wurde am 13.10.08 freigelassen. Am 14.11.08, w\u00e4hrend der Unruhen aufgrund des Hungerstreiks in griechischen Kn\u00e4sten, stellten sich die drei Gesuchten in einer Polizeiwache in Thessaloniki. Begleitet wurden sie dabei von \u00fcber hundert GenossInnen. Am folgenden Tag entschied der Richter sie bis zum Prozess freizulassen.<br \/>\nNun wurde Ilias angeklagt wegen \u201eExplosion\u201d (Schwerverbrechen), \u201eHerstellung\u201d und \u201eMitt\u00e4terschaft\u201d (Vergehen). Weder erkennt Ilias die Anschuldigungen an, noch gibt er zu \u201eauf frischer Tat ertappt worden zu sein\u201c. Bei der Durchsuchung der Wohnung seiner Eltern und an seinem Arbeitsplatz wurde nichts gefunden und noch weniger von den 30 Bullen, die das Haus seiner Gro\u00dfmutter in der N\u00e4he von Thessaloniki st\u00fcrmten.<br \/>\nIlias wurde in den Knast Amfissa gebracht, dies ist ein Brief, den er schrieb:<\/em><\/p>\n<p>\u201eAm Morgen des 13.1.09 wurde ich im westlichen Teil von Thessaloniki verhaftet, aufgrund der Anschuldigung eine Explosion vor dem Kommissariat der lokalen Polizei verursacht zu haben. Das passierte genau ein Jahr nachdem eine unglaubliche Anklage gegen mich und drei meiner GenossInnen im November 2007 erhoben wurde. Diese Anklage hat einen von uns in den Knast gesteckt und drei weitere zur Flucht gezwungen. Damit begann die Hexenjagd. Wir haben einen ziemlich hei\u00dfen Dezember erlebt und eine Situation, die das klare Fehlen des sozialen Komforts aufgezeigt hat. Sozialen Komfort gibt es nur in der Einbildung derjenigen, die es nicht verstehen, dass die Realit\u00e4t durch einen andauernden B\u00fcrgerkrieg gepr\u00e4gt ist. Mit den Revolution\u00e4rInnen auf der einen Seite, die gegen dieses demokratische Ungeheuer rebellieren. Zorn hat den Platz der Angst eingenommen und anstelle der Zustimmung ist die Negation getreten. Der Monat Dezember hat den Unterschied zwischen denjenigen, die Macht ern\u00e4hren, verteidigen und aufrechterhalten und denjenigen, die sie bek\u00e4mpfen verdeutlicht, als ein Zeichnen der kommenden Zeiten.<br \/>\nJetzt ist aber nicht die Zeit, um mit Nostalgie auf die Asche zur\u00fcckzublicken, welche der Aufstand auf seinem Weg hinterlassen hat. Wir m\u00fcssen die Zeichen der Gegenwart und der Zukunft verstehen und aussprechen. Die Zeichen, die schon existieren und die, die noch kommen werden. Die Zeichen eines unnachgiebigen sozialen Krieges. Wenn wir m\u00f6chten, dass die Momente der Negation, Revolte und W\u00fcrde gelebt werden, m\u00fcssen wir unsere H\u00e4nde sowie unsere W\u00fcnsche aufr\u00fcsten, entschlossen und organisiert. Ich widersetze mich denjenigen, die denken, dass Demonstrationen und friedliche Proteste einen Unterschied machen werden, weil sie schon tot sind. Sie schleppen ihre K\u00f6rper die Stra\u00dfen entlang, innerhalb der Gewerkschaften und in den luxuri\u00f6sen B\u00fcros ihrer Chefs.<br \/>\nIch nehme den Platz an der Seite derjenigen ein, die von der W\u00fcrde inspiriert werden und ich schlie\u00dfe mich denjenigen an, die den unverwechselbaren Willen der Zerst\u00f6rung dieses gigantischen Friedhofs f\u00fchlen. Der Knast ist ein zus\u00e4tzlicher Schritt zur Rebellion. Ein Schritt in Richtung der Inhaftierung. An alle diejenigen, die denken mich beseitigt zu haben, die denken uns beseitigt zu haben&#8230;f\u00fcr mich und meine GenossInnen funktioniert es genau andersherum! Weil so lange es Gefangene des Krieges geben wird, werden wir weiterk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Ich \u00fcbersende eine warme und rebellische Umarmung allen meinen GenossInnen und Revolution\u00e4rInnen in aller Welt.<br \/>\nFreiheit f\u00fcr alle Gefangenen des Aufstandes.<br \/>\nFreiheit f\u00fcr Yannis Dimitrakis, Polis Georgiadis und Giorgos Voutsi-Bogiatsis sowie alle Geiseln der Demokratie.<\/p>\n<p>Ilias Nikolau, Knast Amfissa, 19.1.09<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Nacht zum 13.1.09 explodierte ein Brandsatz, welcher aus Benzin und Gasflaschen bestand, vor dem Eingang der Polizeiwache Evomos (Thessaloniki) und besch\u00e4digte die Fenster und die L\u00fcftungsanlage. 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