{"id":3239,"date":"2011-03-01T10:48:30","date_gmt":"2011-03-01T09:48:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=3239"},"modified":"2014-12-26T22:58:50","modified_gmt":"2014-12-26T21:58:50","slug":"thomas-meyer-falk-knast-gesundheit-apotheke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/thomas-meyer-falk-knast-gesundheit-apotheke","title":{"rendered":"Thomas Meyer-Falk: Knast &#8211; Gesundheit &#8211; Apotheke"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" rel=\"lightbox[3239]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-662\" title=\"faust-durchs-gitter\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" alt=\"faust-durchs-gitter\" width=\"115\" height=\"120\" \/><\/a><em>\u00fcber Privatisierung im Gesundheitswesen der Gef\u00e4ngnisse <\/em><\/p>\n<p>Heute m\u00f6chte ich \u00fcber die Erfahrungen mit der \u201ePrivatisierung\u201c von Apothekenleistungen im Strafvollzug der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bruchsal berichten.<\/p>\n<p><em>Vor der Privatisierung<\/em><\/p>\n<p>Bis Ende 2009 erhielten die Gefangenen in Baden-W\u00fcrttemberg s\u00e4mtliche notwendigen medizinischen Produkte kostenlos \u00fcber die Anstalts\u00e4rzte (in der Gefangenensprache \u201eRevier\u201c genannt). Dies schloss auch Wundsalben, fettende Salben, Hustentabletten und \u00e4hnliches ein.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p><em>Nach der Privatisierung<\/em><\/p>\n<p>Die Anstalten schrieben die Versorgung der Gefangenen mit nicht verschreibungspflichtigen Apothekenprodukten aus und zumindest in Bruchsal werden seit Anfang 2010 die Insassen von der Stern-Apotheke (Inhaber: Apotheker Boris Osmann in Hohe B\u00f6rde\/Irxleben in Sachsen-Anhalt;  <a href=\"http:\/\/www.sternapo.de\" target=\"blank\">www.sternapo.de<\/a>, email:  apotheke@sternapo.de) beliefert.<br \/>\nDamit einher ging auch eine Verpflichtung der inhaftierten Patienten, nunmehr selbst f\u00fcr Dinge wie Erk\u00e4ltungssalben, Husten-, bzw. Halsschmerztabletten und vieles mehr, zu bezahlen. \u201eSt\u00e4rkung der Eigenverantwortung\u201c wurde dieses Sparprogramm genannt.<\/p>\n<p><em>Erfahrungen mit der Stern-Apotheke<\/em><\/p>\n<p>Da das Revier, laut Arzt, keinerlei Vorrat an von den Gefangenen selbst zu bezahlenden apothekenpflichtigen Produkten pr\u00e4sent hat, muss man zwingend bei Apotheker Osmann bestellen. Wer also mit einer akuten Grippe und Halsweh zum Arzt der JVA geht, erh\u00e4lt zwar Kopfschmerztabletten, aber weder Erk\u00e4ltungsbalsam, noch Halsschmerz-Pastillen (wie etwa Dobendan).<br \/>\nGerne darf der Patient diese jedoch bei Herrn Osmann bestellen. Man reicht also seine Bestellung ein, diese wird per Fax an die Stern-Apotheke \u00fcbermittelt. Umgehend erfolgt auch eine Rechnungsstellung (d.h. Vorauskasse).<\/p>\n<p>Nun beginnt die Warte- und Leidenszeit, denn mit der Lieferung nimmt es die Apotheke nicht so genau.<\/p>\n<p>Ich selbst wartete auf eine Bestellung, die am 10.01.2011 bezahlt wurde, bis zum 03.02.2011. Darunter das auch schon erw\u00e4hnte Dobendan gegen Halsschmerzen.<\/p>\n<p>Irgendwelche \u201eZwischennachrichten\u201c zu erteilen h\u00e4lt die Apotheke nicht f\u00fcr notwendig; auch Anrufe seitens des Krankenpflegepersonals bei der Apotheke fruchten nichts.<\/p>\n<p>Wer also krank wird, der sollte dies rechtzeitig im Voraus wissen.<\/p>\n<p>Es handelt sich hierbei nicht um einen bedauerlichen und deshalb nicht erw\u00e4hnenswerten Einzelfall; vielmehr kann den Informationstafeln der Gefangenen-Vertretung der JVA Bruchsal entnommen werden, dass man sich schon auf Grund zahlreicher Beschwerden von Gefangenen intensiv \u00fcber diese Lieferverz\u00f6gerungen mit dem Anstaltsleiter ausgetauscht habe. Dessen sinnige L\u00f6sung: Er kapituliert faktisch vor der Praxis des Apothekers Osmann, denn nunmehr kann in Akutf\u00e4llen \u00fcber eine Apotheke in Bruchsal der Patient dringend erforderliche Arzneimittel bestellen und erh\u00e4lt diese dann in der Tat zeitnah.<\/p>\n<p><em>Rechtliche Problematik<\/em><\/p>\n<p>Laut Landtag Sachsen-Anhalt betreibt Apotheker Osmann \u201emit Erlaubnis des Landesverwaltungsamtes einen Versandhandel mit Arzneimitteln\u201c (10.09.2010, Az. 5-A\/00293).<br \/>\nWenn dem so ist, dann trifft die Stern-Apotheke jedoch gem\u00e4\u00df \u00a7 11a Apothekengesetz eine Vielzahl von Pflichten gegen\u00fcber der Kundschaft. \u00a7 11 a Nr. 3 a ApoG bestimmt, dass \u201einnerhalb von zwei Arbeitstagen nach Eingang der Bestellung das bestellte Arzneimittel versandt wird (&#8230;)\u201c.<br \/>\nNur wenn zwischen Apotheke und Kunden eine l\u00e4ngere Lieferzeit vereinbart wurde, darf auch sp\u00e4ter geliefert werden; zumindest jedoch muss der Apotheker zwingend bei Verz\u00f6gerungen den \u201eBesteller in geeigneter Weise davon (&#8230;) unterrichten\u201c.<\/p>\n<p>Man braucht es eigentlich kaum erw\u00e4hnen, aber ich tue es dennoch: Weder h\u00e4lt sich der Apotheker an die Lieferfrist von 2 Arbeitstagen, noch sind l\u00e4ngere Lieferfristen vereinbart mit den Endkunden, geschweige denn erteilt er Zwischennachrichten.<\/p>\n<p>Als Patient sitzt man nur da und wartet, und wartet, und wartet.<\/p>\n<p>Und das, obwohl die Medikamente mitunter seit drei, vier, f\u00fcnf und mehr Wochen bezahlt sind. Die Anstalt zeigt sich hilflos.<\/p>\n<p><em>Pr\u00fcfung durch Apothekerkammer und Landesverwaltungsamt<\/em><\/p>\n<p>Nach Beschwerden bei der <a href=\"http:\/\/ak-sa.de\" target=\"blank\">Apothekerkammer<\/a> und beim Landesverwaltungsamt wird zur Zeit das Gesch\u00e4ftsgebaren des Apothekers Osmann gepr\u00fcft. Wie die Apothekerkammer mit einem Schreiben vom 21.02.2011 (Az. 15\/11, Herr Marcus Bondick) mitteilt, leugnet Herr Osmann alle Vorw\u00fcrfe, weshalb die Apothekerkammer weitere schriftliche Unterlagen angefordert hat. Es bleibt abzuwarten, wie diese Pr\u00fcfungen enden werden.<\/p>\n<p><em>Ergebnis<\/em><\/p>\n<p>Wieder zeigt sich, welche Folgen die Privatisierung im Strafvollzugsbereich haben kann \u2013 und das auf Kosten der Gesundheit der Gefangenen. <\/p>\n<p><em>Thomas Meyer-Falk<br \/>\nc\/o JVA \u2013 Z. 3113<br \/>\nSch\u00f6nbornstr. 32<br \/>\nD-76646 Bruchsal<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.freedom-for-thomas.de\" target=\"blank\">www.freedom-for-thomas.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.freedomforthomas.wordpress.com\" target=\"blank\">www.freedomforthomas.wordpress.com <\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00fcber Privatisierung im Gesundheitswesen der Gef\u00e4ngnisse Heute m\u00f6chte ich \u00fcber die Erfahrungen mit der \u201ePrivatisierung\u201c von Apothekenleistungen im Strafvollzug der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bruchsal berichten. 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