{"id":343,"date":"2008-09-06T08:37:38","date_gmt":"2008-09-06T06:37:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=343"},"modified":"2011-01-29T12:59:56","modified_gmt":"2011-01-29T11:59:56","slug":"ein-ueberblick-uber-den-hungerstreik-in-deutschen-gefaengnissen-anfang-august-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/ein-ueberblick-uber-den-hungerstreik-in-deutschen-gefaengnissen-anfang-august-2008","title":{"rendered":"Ein \u00dcberblick \u00fcber den Hungerstreik in deutschen Gef\u00e4ngnissen Anfang August 2008"},"content":{"rendered":"<p>Die gr\u00f6\u00dfte selbstorganisierte Aktion von Gefangenen, welche seit vielen Jahren innerhalb der deutschen Gef\u00e4ngnisse stattgefunden hat, ist nun schon vor \u00fcber einem Monat zu Ende gegangen. Wir haben uns etwas Zeit genommen, um ein paar Gedanken \u00fcber dieses Ereignis zusammenzufassen, denn Aktionen und Texte zur Reflektion gab es in den letzten Wochen genug. Von verschiedenen Seiten betrachtet hat dieser Hungerstreik eine gro\u00dfe Bedeutung, die Er\u00f6ffnung einer Debatte unter solidarischen Menschen und Inhaftierten k\u00f6nnte z.B. eines der wichtigsten Resultate sein, zusammen mit einer Verbesserung der Selbstorganisierung der Inhaftierten und die Er\u00f6ffnung neuer Perspektiven des Kampfes gegen das Knastsystem. Obwohl die Anzahl an Solidarit\u00e4tsaktionen nicht immer mit anderen L\u00e4ndern vergleichbar ist, hat sich trotzdem gezeigt, dass auch hier dieses Thema eine bestimmte Unterst\u00fctzung findet, welche sich auch langsam verbreitert.<!--more--><br \/>\nAber lasst uns langsam anfangen, denn es ist f\u00fcr uns schwierig einen lesbaren Text zu erstellen, aufgrund der Komplexit\u00e4t der Situation: wir haben keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit, sondern an der Teilnahme an einer Debatte, welche hoffentlich weitergehen wird.<\/p>\n<p><strong>Ein \u201ehistorischer\u201d Hungerstreik \u2013 der Anfang einer neuen Welle von K\u00e4mpfen?<\/strong><\/p>\n<p>Eine solch gro\u00dfe Aktion, welche von Gefangenen im kompletter Autonomie organisiert wurde, ist uns seit vielen Jahren nicht mehr zu Ohren gekommen. Der Prozess der Individualisierung, Vereinzelung und Entsolidarisierung, welcher innerhalb dieser Gesellschaft st\u00e4ndig zunimmt, kann sich dementsprechend hinter den Mauern der Gef\u00e4ngnisse nur noch auf extremere Art und Weise widerspiegeln. Die Politik der \u201eResozialisierung\u201d, die Erpressung der Gefangenen durch das Angebot von Lockerungen, aber nur zu dem hohen Preis eines passiven, konformen Verhaltens innerhalb der Mauern, der Skandal der Zwangsarbeit, das Damoklesschwert der Sicherungsverwahrung und schlie\u00dflich ein wachsendes Desinteresse seitens der Leute hier drau\u00dfen, egal ob \u201eNormale\u201d oder \u201eSzene-Angeh\u00f6rige\u201d, alles hat seinen Anteil am Niedergang der K\u00e4mpfe hinter den Gittern.<br \/>\nEs gibt nat\u00fcrlich immer vereinzelte Beispiele von Gefangenen, welche trotz dieser Situation die Fahne in all den Jahren hochgehalten haben und daf\u00fcr immer auch einen hohen Preis bezahlen m\u00fcssen, aber nie konnte die Rede von einer Gefangenenbewegung sein.<br \/>\nAufst\u00e4nde und revolution\u00e4re Aufbr\u00fcche sind unvorhersehbar und diesmal hat ein kleiner Funken gereicht, um eine neue potenzielle Situation innerhalb der deutschen Gef\u00e4ngnisse zu entfachen. Die Situation einer Gefangenen, Nadine Tribian, welche erheblichen Druck seitens des Gef\u00e4ngnissystems und ihrer RichtungsgeberInnen ausgesetzt war, hat die Bedingungen f\u00fcr eine eher selten existente solidarische Haltung unter den Gefangenen erm\u00f6glicht. Dass \u00fcber 500 Gefangene sich mit ihr solidarisch gezeigt haben, indem sie am Hungerstreik teilgenommen haben, ist vielleicht der Anfang einer neuen Zeit und zwar eine, in der Worte wie Solidarit\u00e4t wieder ihren Platz haben. Dazu kommt auch, dass der Protest auch generell gegen die Haftbedingungen gerichtet war und sich nicht nur an der Situation einer Gefangenen begrenzt hat. Au\u00dferdem gab es noch die Gefangenen, welche versucht haben diesem Hungerstreik eine noch breitere Perspektive zu geben, wie etwa Gabriel Pombo da Silva, indem sie ihren kompromisslosen Hass auf das gesamte Knastsystem sichtbar gemacht haben. Und wir sind uns sicher, dass au\u00dfer Gabriel noch weitere Gefangene sich \u00e4hnliche Gedanken gemacht haben, denn eine der gro\u00dfen Gelegenheiten, welche ein solcher Protest bieten ist eine m\u00f6gliche Radikalisierung ihrer Beteiligten &#8211; im Knast genauso wie hier drau\u00dfen.<br \/>\nGabriel hat vieles zum Hungerstreik beigesteuert, indem er Texte ver\u00f6ffentlicht hat und da er ein \u201ebekannter\u201d Gefangener (in dem Sinne, dass er viel Unterst\u00fctzung von AnarchistInnen weltweit genie\u00dft) ist, hat sein Aufruf zur Aktion bestimmt viele solidarische Menschen zum Handeln bewegt. Sp\u00e4ter werden wir noch auf seine Texte eingehen.<\/p>\n<p><strong>Die Reaktionen von drau\u00dfen \u2013 das Wort \u201cSolidarit\u00e4t\u201d verbreitet sich wieder&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Wie vielen wahrscheinlich bekannt ist, ist eine Antihaltung gegen\u00fcber Kn\u00e4sten innerhalb der \u201edeutschen Bewegung\u201d nicht wirklich weit verbreitet. Zwar gibt es relativ viele, die Initiativen in Solidarit\u00e4t mit \u201epolitischen\u201c Gefangenen organisieren, aber wesentlich weniger sprechen sich f\u00fcr eine Solidarit\u00e4t mit allen Gefangenen im Kampf und gegen das Knastsystem aus. Allerdings ist in letzter Zeit die Stimme der letzteren langsam aber kontinuierlich breiter geworden und hat Diskurse beeinflusst, mindestens das was unsere kleine \u201eSzene\u201d angeht. Und wir waren \u00fcberrascht davon, dass so eine relativ hohe Resonanz zu diesem Hungerstreik stattgefunden hat.<br \/>\nDie Unterst\u00fctzungsarbeit wurde haupts\u00e4chlich von vier, f\u00fcnf Zusammenschl\u00fcssen aus verschiedenen St\u00e4dten Deutschlands vorangetrieben (Rote Hilfe Dresden, Gefangenen-Info aus Hamburg, ABC-Orkan, Mauerfall \u2013 Gefangenen Rundbrief aus Morbach, Autonomes Knast Projekt aus K\u00f6ln, um nur ein paar davon zu benennen..), die soweit ihre Kr\u00e4fte reichten versucht haben, \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr die Proteste zu schaffen.<br \/>\nDenn die Aufgabe von uns hier drau\u00dfen bleibt es die Proteste der Gefangenen sichtbar zu machen: dazu gab es vielf\u00e4ltige Aktionen, welche dazu beigetragen haben das Thema in einem breiten Spektrum bekannt zumachen. Von Kundgebungen vor Kn\u00e4sten, Infos verteilen, solidarische Protestpostkarten an die Bielefelder Anstalt (dort wo Nadine sitzt) und das Justizministerium NRW schicken bis hin zu direkten Aktionen ist einiges gelaufen. Eine Auflistung davon gibt es am Ende dieses Textes.<br \/>\nViele haben uns st\u00e4ndig angeschrieben, weil sie Soliaktionen in ihren St\u00e4dten vor dem Gef\u00e4ngnis oder sonstwo organisieren wollten. Ob bei ihnen auch Gefangene am Streik beteiligt sind und was sie tun k\u00f6nnen wollten sie wissen, viele haben au\u00dferdem unsere Solipostkarten bestellt.<br \/>\nGenerell hatten wir das Gef\u00fchl, dass diese Proteste das Interesse vieler geweckt hat, trotz des angehenden \u201eSommerlochs\u201d. F\u00fcr viele war dies tats\u00e4chlich auch das erste Mal, dass sie sich ernsthaft mit dieser Problematik etwas tiefer auseinandergesetzt und sich dar\u00fcber Gedanken gemacht haben, dass z.B. einer Trennung zwischen \u201epolitischen\u201c Gefangenen und dem Rest unn\u00fctz ist. Wir sehen bei dem Ganzen schon ein paar Schritte in die richtige Richtung. Aber warten wir erstmal ab, was in den n\u00e4chsten Monaten passieren wird, eine Gelegenheit bestimmte Diskussionen zu f\u00fchren wird das Antiknastwochenende Ende September in Kiel sein.<\/p>\n<p><strong>Die b\u00fcrgerliche Presse \u2013 ein erwartetes (gr\u00f6\u00dftenteils) kollektives Schweigen<\/strong><\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil der b\u00fcrgerlichen Presse hat zu dem Kampf komplett geschwiegen, dies \u00fcberrascht uns nat\u00fcrlich nicht, sondern best\u00e4tigt weiter was wir von ihnen halten und zwar nichts positives. Wie auch immer, es gab ein paar positive Ausnahmen seitens der links-liberalen\/post-sozialistischen Zeitungen, welche die ganze Woche \u00fcber ausf\u00fchrlich berichtet haben &#8211; wie etwa Neues Deutschland und Junge Welt. Sieben Artikel sind dazu erschienen, welche von eher politisch aktiven JournalistInnen aus Berlin geschrieben wurden. Wenn von ihrer Seite Infos \u00fcber den Hungerstreik gefordert wurden, haben wir diese per Email weitergegeben bzw. auf unsere Website verwiesen.<br \/>\nWir haben zwar keine freundliche Haltung den b\u00fcrgerlichen Medien gegen\u00fcber, ganz im Gegenteil, allerdings m\u00fcssen wir auch anmerken, dass die Artikel recht passabel geschrieben worden sind (sie sind auch auf unsere Homepage zu finden, bildet euch eure Meinung dazu selber).<br \/>\nAndererseits m\u00fcssen wir aber auch sagen, das wir normalerweise bei so etwas Bauchschmerzen bekommen, aber in diesen Fall finden wir es gut wenn engagierte JournalistInnen versuchen \u00fcber diese K\u00e4mpfe fair zu berichten.<br \/>\nEines der Hauptprobleme ist auch, dass Gefangene selber nicht wirklich in der Lage sind solche Infos weiterleiten zu k\u00f6nnen. Sie haben zwar den Rundbrief der Iv.I. zu vielen Zeitungen geschickt, es gab aber keine R\u00fcckmeldungen, was uns nicht weiter \u00fcberrascht. Dementsprechend haben wir es auch f\u00fcr richtig gehalten, dass ihre Stimme auch einen Platz au\u00dferhalb unserer Medien findet, auch wenn normalerweise unsere Beziehung zu den Medien anders aussieht. In diesem Sinne war es nicht problematisch f\u00fcr uns Infos weiterzugeben und zu schauen was danach passiert.<br \/>\nWir d\u00fcrfen auch nicht untersch\u00e4tzen, dass die Gefangenen, au\u00dfer die, welche anarchistische Positionen vertreten, einen Erfolg eines solchen Kampfes darin sehen, je mehr Medien dar\u00fcber berichten, weil sie die \u201e\u00d6ffentlichkeit\u201d erreichen und zeigen wollen, was Knast bedeutet. Auf diese Art werden auch von ihnen Erfolge gemessen: dass Personen aus unserer \u201eSzene\u201d Aktionen organisieren finden sie bestimmt wichtig, freuen sich aber auch \u00fcber eine breitere Unterst\u00fctzung, welche laut ihrem Denken durch mehr Medienberichte erreicht werden kann.<br \/>\nEs bleibt dann auch unsere Aufgabe ihnen nochmal zu vermitteln, wie die Medienmaschinerie l\u00e4uft (obwohl viele Gefangene dies auch wissen, aber wahrscheinlich trotzdem weiter hoffen, dass es sich \u00e4ndern wird) und dass der Aufbau solidarischer Beziehungen im Kampf eigentlich ein konkretes und vertrauensvolles Ereignis ist. Dadurch versuchen wir eine eventuelle Nutzung der Maschinerie der Medien zu \u00fcberwinden und versuchen mit unseren eigenen Wegen viel mehr Leute als in unserer \u201eSzene\u201d zu erreichen. Das bleibt immer einer gro\u00dfe Herausforderung und gibt es immer noch eine Menge zu tun&#8230;<br \/>\nDurch einige JournalistInnen, mit denen wir in Kontakt standen, haben wir erfahren, dass die Kn\u00e4ste bei telefonischen Nachfragen immer meinten: \u201eHier gibt es keinen Hungerstreik!\u201d. Wie wir sp\u00e4ter rausgefunden haben soll es in Deutschland der Fall sein, dass ein Hungerstreik erst ab dem achten Tag offiziell von den Beh\u00f6rden und Knastleitungen als Hungerstreik eingestuft und bekannt gegeben wird.<\/p>\n<p><strong>Die Schwierigkeiten der Kommunikation \u2013 oder \u00fcber die Schwierigkeiten, die Betonmauern zu \u00fcberwinden&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Wie schon zuvor erw\u00e4hnt, eine Vielzahl von Menschen wollte von uns wissen in welchen Kn\u00e4sten der Hungerstreik stattfindet, um jeweils Aktionen organisieren zu k\u00f6nnen. Fast immer lautete unsere Antwort: \u201eWir wissen es selber nicht.\u201d Uns ging es genauso, wir haben am Donnerstag, den 31. Juli nachmittags erfahren, dass sich auch in Berlin-Moabit Gefangene beteiligen, daraufhin haben wir auf die schnelle eine Demo auf die Beine gestellt. Keine\/r von uns drau\u00dfen wusste in welchen Kn\u00e4sten Gefangenen am Streik beteiligt sind, f\u00fcr wie lange, wie viele insgesamt usw. Das hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit eine negative Wirkung auf Soliaktionen. Nicht das mensch unbedingt einen hungerstreikenden Gefangenen in ihrer\/seiner Stadt braucht, um etwas f\u00fcr die Solidarit\u00e4t zu organisieren. Allerdings, weil es f\u00fcr viele ein erstes Ann\u00e4hern an ein solches Thema war, h\u00e4tte ein solcher Bezugspunkt solidarische Anl\u00e4sse definitiv vereinfacht.<br \/>\nWoran lagen die Kommunikationsschwierigkeiten? Kurz gesagt, es lag an vielen verschiedenen Gr\u00fcnden. Erstens, unser Kontakt mit der Iv.I. ist erst etwa anderthalb Monate vor dem Hungerstreik zustande gekommen, indem wir ihren Rundbrief erhalten haben. Dazu kommt, es ist davon auszugehen, dass die Anstalten die Gefangenen einer gro\u00dfen Zensur vor und w\u00e4hrend der Aktion ausgesetzt haben, um genau diese Kommunikation beschr\u00e4nken zu k\u00f6nnen (nicht das es normalerweise anders laufen w\u00fcrde&#8230;). Wir hoffen darauf, dass uns die Gefangenen mitteilen werden, ob dies der Fall war oder woran es lag, dass die Infos nicht wirklich den Weg nach drau\u00dfen fanden &#8211; wir warten auf R\u00fcckmeldungen von euch. Wir d\u00fcrfen auch nicht vergessen, dass die Organisierung unter den Inhaftierten noch am Anfang steht und es braucht erstmal eine Weile bis eine bessere Koordinierung untereinander da ist.<br \/>\nSchlussendlich muss aber auch gesagt werden, das wir hier drau\u00dfen lernen m\u00fcssen miteinander besser zu arbeiten. Enge Kooperationen zwischen verschiedenen Gruppen gibt es zwar, aber diese m\u00fcssen weiter verbessert werden von uns allen bzw. muss es \u00f6fters Treffen geben, um Sachen gemeinsam zu besprechen.<br \/>\nHinzuzuf\u00fcgen gibt es noch, dass wir auch zugeben m\u00fcssen, dass dies die erste gro\u00dfe Aktion von \u201esozialen\u201c Gefangenen war mit welcher wir hier konfrontiert wurden. Aufgrund des Mangels an Erfahrungen waren wir auch mit der neue Situation zum Teil \u00fcberfordert und haben auch dementsprechend noch viel zu lernen. Es bleibt f\u00fcr uns als positiv zu bewerten, dass unter einigen Gruppen\/Einzelpersonen dieser Hungerstreik hoffentlich dazu gedient hat eine langfristigere und engere Zusammenarbeit in der Zukunft hinzubekommen.<\/p>\n<p><strong>Wie die Grenzen eines Hungerstreiks \u00fcberwunden werden k\u00f6nnten<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt und es gab in der Geschichte immer unterschiedliche Meinungen \u00fcber das Kampfmittel des Hungerstreiks &#8211; es w\u00e4re aber zu lang hier diese Diskussion zusammenzufassen. Viele Gefangene sehen dieses Mittel als das extremste und letzte an, welches ihnen der Staat l\u00e4sst. Ihre K\u00f6rper werden schlie\u00dflich als letzte Waffe benutzt, oft verbunden mit k\u00f6rperlichem Zerfall oder dem Preis des Todes \u2013 in der Geschichte der Hungerstreiks sind viele Todesf\u00e4lle konstatiert. Andere hingegen wollen dem Staat nicht den Gefallen machen sich noch weiter kaputt zumachen, als sie schon vom Knast selber kaputtgemacht worden sind, aber bleiben trotzdem mit dem Hungerstreik solidarisch, wie etwa Thomas Meyer-Falk.<br \/>\nWir respektieren die Entscheidung der Gefangenen eine solche Form von Aktionismus auszuw\u00e4hlen, denn es hat sich auch oft gezeigt, dass es zu Teilerfolge f\u00fchren kann, etwa wie im Fall der Thessaloniki7 (Gefangene nach den Protesten gegen den EU Gipfel im Jahr 2003 in Thessaloniki) oder das aktuelle Beispiel von Amadeu Casellas.<br \/>\nEin Hungerstreik kann aber nur Teilerfolge erreichen, wenn drau\u00dfen eine vielf\u00e4ltige Unterst\u00fctzung geboten wird: denn wir hier drau\u00dfen haben viel mehr M\u00f6glichkeiten zu handeln als diejenigen, die gerade als Geiseln vom Staat gefangen gehalten werden. Nur durch vielf\u00e4ltige Unterst\u00fctzung k\u00f6nnen die Forderungen der Gefangenen eine hohe Aufmerksamkeit bekommen, das ist die Aufgabe aller solidarischen Menschen, die sich dazu entscheiden ihre Unterst\u00fctzung anzubieten. Der Druck muss auf verschiedenen Ebenen aufgebaut werden, um das in sich begrenzte Kampfmittel des Hungerstreiks hier drau\u00dfen erweitern zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Solidarische Kritik als Salz jeglicher revolution\u00e4rer K\u00e4mpfe<\/strong><\/p>\n<p>Es gab verschiedene Kritiken an der Form dieses Hungerstreiks, vor allem an der \u201eOrganisation\u201d, welche ins Leben gerufen wurde &#8211; die Iv.I. Damit setzte sich ein Text von anarchistischen GenossInnen kurz vor dem Beginn des Hungerstreiks auseinander (der Text ist auch hier in der Entfesselt zu finden). Darin wird haupts\u00e4chlich kritisiert, dass zum Hungerstreik von einer \u201eOrganisation\u201d aufgerufen wird (denn eine offizielle Vertretung st\u00f6\u00dft gegen die Gedanken einer autonomen\/anarchistischen Organisierung), welche sich explizit auf bestimmte rein legale Aktionsformen beschr\u00e4nkt und nur Verbesserungen im Knast fordert, dabei den Gesamtkontext aus den Augen verliert &#8211; das gesamte Knastsystem. Daraufhin gab es einen Brief von Gabriel, der schon seine Solidarit\u00e4t und Mitbeteiligung am Hungerstreik bekannt gegeben hatte, welcher als Antwort zu dem Brief aus Belgien und zu einigen Kritiken, diese er pers\u00f6nlich bekommt hat, zu verstehen ist. Au\u00dferdem erhielten wir in den letzten Tagen einen Brief von Pit Scherzl, dem \u201eVorstand\u201d der Iv.I.\u201d, der auch auf einige der Kritiken eingeht.<br \/>\nWir sehen viele interessante Kritiken und Diskussionspunkte und sind froh dar\u00fcber, dass sich solch eine Debatte entfacht hat, denn die solidarische Kritik bleibt das Salz jeglicher revolution\u00e4rer K\u00e4mpfe. Diese muss aber solidarisch bleiben, nur leider werden oftmals die T\u00f6ne dieser Kritik anders verstanden, was dann eher negative als positive Spannung erzeugt, welche sich dann auf beiden Seiten widerspiegelt.<br \/>\nWir m\u00f6chten auch darauf hinweisen, dass eine solche Debatte zwischen Gefangenen und (zu meist) anarchistischen Unterst\u00fctzerInnen nichts neues ist. Eine Beispiel daf\u00fcr ist der letzte Hungerstreik gegen lebensl\u00e4nglich, welcher von italienischen Gefangenen letztes Jahr getragen wurde. Dazu wurde von einer \u201eoffiziellen\u201d Organisation aufgerufen und auch von dieser beendet, eine Sache, die auch von Seiten der AnarchistInnen kritisiert wurde.<\/p>\n<p><strong>\u201eAnarchistInnen werden nicht geboren, sondern werden gemacht\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Wir teilen einige Kritiken, welche von den belgischen GenossInnen und in einem Text von Gabriel formuliert worden sind. Wir sind auch gegen jegliche formelle Organisation, denn sie ist in ihren Wurzeln hierarchisch gepr\u00e4gt und aus diesem Grund von unsere Seite abzulehnen. Aus welchen Gr\u00fcnden Pit und die anderen sich dazu entschieden haben eine solche Form der Organisierung zu w\u00e4hlen wissen wir nicht, denn dies bleibt eine offene Frage, die zur Debatte steht, auch hier freuen wir uns auf eine solidarische Auseinandersetzung untereinander.<\/p>\n<p>Allerdings, k\u00f6nnen wir uns an Gabriels Brief anschlie\u00dfen und best\u00e4tigen, das AnarchistInnen nicht als solche geboren werden, sondern gemacht werden&#8230;<br \/>\nDrinnen genauso wie hier drau\u00dfen k\u00f6nnen wir nicht erwarten, dass Menschen, welche nicht unsere \u201ePolitisierung\u201d gehabt haben, vom ersten Moment an bestimmte Zust\u00e4nde erkennen oder in Frage stellen werden: genauso wie wir hier drau\u00dfen m\u00fcssen sie ihre Erfahrungen sammeln, um dann evtl. zu anderen Entscheidungen zu kommen und sich breiteren Kritiken an den gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden anzunehmen. Denn unsere Aufgabe als AnarchistInnen bleibt es bestimmte Entscheidungen zu kritisieren und zu gucken ob unsere Kritik aufgegriffen wird. Au\u00dferdem, eine Diskussion mit denjenigen aufzubauen, welche sich gerade im Kampf befinden und oftmals mit anarchistischen Prinzipien erstmal nicht zu tun haben. Erschwert wird dies dadurch, weil wir mit Menschen im Knast keine direkte Kommunikation, wie wir sie uns w\u00fcnschen w\u00fcrden, haben k\u00f6nnen. Und aufgrund dessen muss diese kritische Diskussion vorsichtiger gef\u00fchrt werden als die, welche wir im Alltag mit unseren GenossInnen haben. Durch das Fehlen einer solchen direkten Kommunikation zwischen den Beteiligten k\u00f6nnen solche Kritiken sehr schnell als unsolidarisch oder als Anpisse wahrgenommen werden. Und dies obwohl wir ganz genau wissen, wie es die Leute meinen, aber auch haupts\u00e4chlich weil wir in der privilegierten Situation sind oftmals die Personen bereits zu kennen und\/oder ihre Texte gelesen zu haben. Privilegien, welche die meisten Gefangenen nicht haben.<br \/>\nWenn wir weiterhin an einer Debatte und Zusammenarbeit mit den Gefangenen im Kampf interessiert sind m\u00fcssen wir Kommunikationswege er\u00f6ffnen, Prozesse ansto\u00dfen, wie gerade im letzten Monat der Fall war. Aber dabei nicht die Arroganz haben, dass sie sofort auf unseren Zug der Anarchie aufspringen und unsere Kritik aufgreifen werden.<br \/>\nVielleicht wird es passieren, vielleicht nicht, es kann niemand sagen. Den Versuch solche Kan\u00e4le weiterhin offen zuhalten gilt f\u00fcr uns als extrem wichtig, um \u00fcberhaupt neue Argumente, neue Ideen anderen Menschen zu \u00fcbermitteln: was diese dann damit machen, bleibt ihre Entscheidung.<br \/>\nAu\u00dferdem d\u00fcrfen wir auch nicht vergessen, dass viele wahrscheinlich mit unsere Form des Argumentierens das erste Mal \u00fcberhaupt konfrontiert sind: was f\u00fcr uns schon lange klar ist, muss von vielen erstmal aufgearbeitet werden, unsere Schreibstil kommt auch dementsprechend oft fremd vor&#8230;<\/p>\n<p><strong>\u00dcber Legalit\u00e4t und friedliche Proteste<\/strong><\/p>\n<p>Es wird auch kritisiert, dass die Iv.I. nur zu legalen Aktionen aufruft und sich explizit von Meutereien distanziert. Wir als AnarchistInnen sehen selbstverst\u00e4ndlich ein solches Vorgehen problematisch oder lasst es uns besser ausdr\u00fccken: w\u00fcrde dies hier drau\u00dfen passieren, w\u00fcrden wir ganz anders reagieren.<br \/>\nWir w\u00e4ren damit einverstanden gewesen, h\u00e4tte die Iv.I. zu friedlichen Protesten aufgerufen ohne eine ausdr\u00fcckliche Distanzierung von anderen Formen auszusprechen. Denn Protestformen gibt es verschiedene und jede\/r sollte die ausw\u00e4hlen, welche ihr\/ihm am n\u00e4chsten steht. In seinem aktuellen Brief beschreibt Pit ganz genau wo seine Probleme liegen: im Knast ist der Mensch ganz anderem Druck seitens des Staates ausgesetzt und unterworfen. Die Handlungen und der Spielraum beschr\u00e4nken sich bzw. der Preis den mensch evtl. zu bezahlen hat ist viel h\u00f6her als hier drau\u00dfen. Das d\u00fcrfen wir hier drau\u00dfen niemals vergessen oder kleinreden. Er nennt auch eine weitere Wahrheit, n\u00e4mlich dass die Situation in deutschen Gef\u00e4ngnissen eine andere als in Belgien oder Spanien ist und wir glauben ihn wenn der sagt, dass 95% der Gefangene sich wie Schafe verhalten und eine Revolte die Sache von ein paar wenigen w\u00e4re&#8230;<br \/>\nEs ist nicht m\u00f6glich die K\u00e4mpfe, welche hier stattfinden mit denen in anderen Teilen der Welt, hundertprozentig miteinander zu vergleichen und zu erwarten, dass etwas was anderswo geschieht hier auf die gleiche Art und Weise reproduziert werden kann, denn die Ausgangspositionen sind zu unterschiedlich.<br \/>\nAu\u00dferdem schreibt Pit aber auch, dass jede\/r drau\u00dfen handeln solle wie sie\/er es will und zeigt seine private Solidarit\u00e4t. Und dies ist f\u00fcr uns eine wichtige Aussage, denn sie l\u00e4sst viele T\u00fcren offen. Der Punkt ist einfach, dass die Menschen im Knast, da sie der totalen Willk\u00fcr ausgeliefert sind, sich vor etwaigen Schikane sch\u00fctzen m\u00f6chten, welche wir ganz genau von ihren Erz\u00e4hlungen kennen.<br \/>\nF\u00fcr Proteste gibt es immer \u201eVerantwortliche\u201d, im Knast ist es aber nicht m\u00f6glich in Anonymit\u00e4t zu bleiben. Zur Meuterei wird deswegen nicht aufgerufen, um der noch jungen Protestbewegung nicht durch den Staat die F\u00fc\u00dfe weghacken zulassen &#8211; in der Geschichte haben viele mit ganz legalen Mitteln angefangen und sich im Laufe der Zeit f\u00fcr andere entschieden bzw. diese mit angewendet &#8211; die M\u00f6glichkeiten sind noch da. Wir denken, das viele drinnen sich freuen, wenn hier drau\u00dfen uneingeschr\u00e4nkte Protestformen angewendet werden: ob sie auch irgendwann zu diesen kommen werden, werden wir sehen, dies ist eine Entscheidung, welche sie allein treffen m\u00fcssen &#8211; unsere Unterst\u00fctzung werden sie in allen F\u00e4llen haben.<\/p>\n<p><strong>Eine Kampf f\u00fcr \u201eRechte\u201d? &#8211; \u201elegal, illegal, schei\u00dfegal!\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Wir verstehen Gabriel und die andere Gefangenen, wenn sie sich nicht \u201estoisch\u201d oder andererseits \u201em\u00e4rtyrerhaft\u201d verhalten wollen, denn wir sind keine religi\u00f6se Menschen und eine solche Aufopferung hat f\u00fcr uns nichts mit Idealen und Anarchismus zu tun.<br \/>\nWir sehen es auch nicht als verkehrt an, wenn Gefangene f\u00fcr ihre \u201eRechte\u201d k\u00e4mpfen, denn hier drau\u00dfen es ist dies auch meistens nicht anders: \u201eRechte\u201d werden t\u00e4glich von uns allen benutzt, so wie z.B. wenn wir uns bei einem Prozess verteidigen. Au\u00dferdem wird die Anwendung verschiedener \u201eRechte\u201d eingefordert, sei es das auf ein Telefonat nach einer Festnahme oder das Recht auf eine\/n Anw\u00e4ltIn. Selbstverst\u00e4ndlich k\u00e4mpfen wir f\u00fcr die Umst\u00fcrzung der gegenw\u00e4rtigen Zust\u00e4nde und m\u00f6gen es nicht irgendwelche \u201eRechte\u201d des Staates zu fordern bzw. zu nutzen, aber wie auch Gabriel schreibt, \u201elegal, illegal, schei\u00dfegal\u201d. Rechte sind nunmal da, vorgegeben, zum Teil auch hart erk\u00e4mpft w\u00e4hrend der Geschichte.<br \/>\nWir als AnarchistInnen sehen unserem Kampf nicht als einen der nur b\u00fcrgerliche Rechte vom Staat einfordert oder Reformen zu prim\u00e4ren Zielen eines Kampfes macht. Unsere Ziele lassen sich nicht auf solch eine Art beschr\u00e4nken, indem wir dadurch quasi eine Legitimation des Staat schaffen und zu AnsprechpartnerInnen von dem wir was wollen werden. Allerdings muss gesagt werden, das Rechte bestehen und auch innerhalb eines Kampfes benutzt werden k\u00f6nnen, dies bleibt trotzdessen immer ein ewiger Widerspruch, auch unter uns. Zur \u201erichtigen\u201c Art und Weise, wie mensch damit umgehen muss besitzt noch keine\/r von uns eine Antwort, egal ob AnarchistIn oder nicht.<br \/>\nDie Hauptsache bleibt aber, dass dies nur eines der Mittel unseres Kampfes ist, weder das einzigste noch der Zweck, sonst w\u00fcrde uns nichts von reformistischen Bewegungen unterscheiden. Genau diese anderen Ziele und eine breitere Wahl der Mittel, die sich nicht durch Gesetzesb\u00fccher diktieren l\u00e4sst, mit deren Hilfe aber die Umst\u00e4nde umgeworfen werden sollen, bleiben die gro\u00dfen Unterschiede zu andere Bewegungen. Auch in einem kompromisslosen Kampf ist es m\u00f6glich \u201eRechte\u201d oder \u201eReformen\u201d einzufordern, dies l\u00e4sst sich bis jetzt auch nicht wirklich vermeiden (denn auch wir und andere Leute versuchen unsere Gegenpole unter Druck zu setzen, sei es gegen eine R\u00e4umung eines Hauses oder gegen die Anwendung neue Gesetze usw.) das Wichtigste ist nur, das es nicht unser Ziel bleibt, denn das ist die Freiheit und die Ausbreitung potenzieller aufst\u00e4ndischer K\u00e4mpfe und Situationen.<br \/>\nDass Gefangene f\u00fcr die Anwendung ihrer \u201eRechte\u201d k\u00e4mpfen sehen wir erstmal als unproblematisch an so lange vor ihren Augen klar ist, dass das Ziel ihres Kampfes z.B. die Abschaffung des Knastsystems ist, was mit der Abschaffung dieser Gesellschaft verbunden ist. Mindestens in den Briefen von Pit (denn von den meisten der andere Gefangenen haben wir leider bis jetzt nichts geh\u00f6rt) taucht es schon auf, dass es darum geht und dies l\u00e4sst uns hoffen, dass mehrere Gefangene genau solche Herangehensweisen und Ideen entwickeln werden, um gemeinsam weiter gegen das System zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>Das Ende eines Kampfes kann nur der Anfang eines neuen darstellen&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Wir sehen in diesem Kampf, in diesem Anfang einer Selbstorganisierung unter Gefangenen, ein Potenzial zum Aufbruch mit den Umst\u00e4nden, der Passivit\u00e4t im Knast und der Vereinzelung. Als eine M\u00f6glichkeit einer Radikalisierung ihres Daseins, indem wir miteinander eine Kommunikation aufbauen, indem keine\/r von uns auf dem Thron der Wahrheit sitzt und heilige Rezepte f\u00fcr alle verteilen will, indem wir uns gegenseitig beeinflussen, trotz der St\u00e4rke der Mauern. Au\u00dferdem sehen wir die M\u00f6glichkeit hier drau\u00dfen Bewusstsein und Solidarit\u00e4t f\u00fcr diesen Kampf \u2013 und zuk\u00fcnftige \u2013 weiter aufzubauen und zu verst\u00e4rken.<br \/>\nEs bleiben viel Fragen offen, es gibt noch viel zu tun. Uns w\u00fcrde au\u00dferdem interessieren wie die Einsch\u00e4tzung anderer Gefangener zum Hungerstreik und weiterer K\u00e4mpfe aussieht. Weil wir keine \u201eOrganisationen\u201d mit dem gro\u00dfen \u201eO\u201d m\u00f6gen, w\u00fcrden wir gerne in einen direkten Kontakt mit den Gefangenen treten wollen, eine die nicht durch die Repr\u00e4sentantInnen der Iv.I. vermittelt wurde. Vielleicht haben die Gefangenen selber keine Lust Kontakte aufzunehmen und delegieren eine solche Arbeit lieber an die Iv.I., aber dies wissen wir nicht und stellen deshalb diese Frage.<br \/>\nPit und alle anderen bei der Iv.I.: ihr m\u00fcsst euch nicht angegriffen f\u00fchlen, wir respektieren eure Arbeit und sind mit euch solidarisch trotz der Unterschiede. Diese gibt es und deshalb muss euch klar sein, dass wir als AnarchistInnen bestimmte Sachen kritisieren und auch weiterhin kritisieren werden. Genau auf die Art wie ihr es uns gegen\u00fcber auch machen w\u00fcrdet: solange alles auf einer solidarischen Ebene stattfindet, diese Kritik bleibt notwendig, um voneinander neues lernen zu k\u00f6nnen. Denn wir hier drau\u00dfen, obwohl auf freiem Fu\u00df und mit besseren Ausgangspositionen, sitzen nicht alle \u201eauf trockenem Hintern\u201d. Viele nehmen auch Risikos in Kauf und werden mit Repression und Knast konfrontiert: selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcnschen wir uns auch, das es immer mehr werden, die nicht sitzen bleiben, denn von diesen gibt es leider immer zu viele&#8230;<\/p>\n<p>Anl\u00e4sse f\u00fcr die Zukunft werden sich finden lassen. Einer k\u00f6nnte der angek\u00fcndigte Hungerstreik gegen lebensl\u00e4nglich, welcher ab dem 1.12. in Italien beginnen soll, sein. Schon vor einem Jahr gab es ein solches Ereignis, wobei es auch \u00e4hnliche Auseinandersetzungen zwischen anarchistischen Unterst\u00fctzerInnen drau\u00dfen und der Assoziation der Gefangenen, die zum Hungerstreik aufgerufen hatte, gab.<br \/>\nSo oder so wichtig bleibt, dass wir miteinander die er\u00f6ffneten Kommunikationswege aufrechterhalten, um den Kontakt nicht zu verlieren und um zuk\u00fcnftige Anl\u00e4sse gemeinsam zu diskutieren, organisieren, unterst\u00fctzen, auszuweiten. Auch dass die Leute hier drau\u00dfen sich weiter Gedanken machen, wie sie folgende K\u00e4mpfe von Gefangenen unterst\u00fctzen m\u00f6chten. Denn was in den letzten Monaten gelaufen ist, ist nicht wenig, wir sind aber auch sicher, dass es nur noch besser werden kann&#8230;<\/p>\n<p><strong>Eine Chronologie der Solidarit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>3.08. Dresden, Deutschland: solidarische Menschen organisieren eine Infostand im Alaunpark und verteilen Infomaterial \u00fcber den Hungerstreik.<\/p>\n<p>4.08. Berlin, Deutschland: \u00fcber 60 solidarische Menschen treffen sich vor der JVA Pl\u00f6tzensee, in welcher der antifaschistische Gefangene Christian eingesperrt ist und bewegen sich danach als lautstarke Demonstration zum U-Haftgef\u00e4ngnis Moabit, in dem auch einige Gefangene sich am Hungerstreik beteiligen.<br \/>\nAu\u00dferdem werden im Vorfeld 500 Protestpostkarten gedruckt mit dem Justizministerium NRW und dem Knast in Bielefeld als Adressaten. Dazu werden Transparente und Plakate mit dem Aufruf zur Solidarit\u00e4t an verschiedenen Hausprojekten sowie \u00f6ffentlichen R\u00e4umen aufgeh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>5.08. Berlin, Deutschland: zwei Lieferwagen der Firma C+C Shaper werden angez\u00fcndet wie verschiedene Zeitungen berichten. Ein Kommuniqu\u00e9 stellt die Aktion in Bezug zu dem Hungerstreik: &#8220;Wir kritisieren, dass ungenie\u00dfbare Nahrungsmittel zu sehr hohem Preisen verkauft werden und dr\u00fccken unsere Protest gegen ein System aus, in dem private Firmen mit Hilfe der Inhaftierung von Menschen erwirtschaften.&#8221;<\/p>\n<p>5.08. Hamburg, Deutschland: ca. 80 Leute treffen sich vor dem U-Haftknast Holstenglacis, Texte in verschiedenen Sprachen werden verlesen, au\u00dferdem kommt eine Kommunikation mit den Eingesperrten zustande.<\/p>\n<p>6.08. K\u00f6ln, Deutschland: solidarische Menschen treffen sich vor dem Bew\u00e4hrungsamt, Infos \u00fcber den Hungerstreik und die Situation von Nadine, sowie Antiknastplakate werden verteilt.<\/p>\n<p>6.08. Vancouver, Kanada: zwei Polizeiautos werden tags\u00fcber ins Brand gesetzt. Das erste parkte vor dem Gericht, das zweite war gerade leer, weil die Bullen damit besch\u00e4ftigt waren irgendjemanden zu verhaften:<br \/>\n\u201eWir hoffen, dass diese Aktion eine neue Kommunikation ausl\u00f6sen und neue Beziehungen in der Kampf schaffen werden.<\/p>\n<p>Unsere Wahl geht \u00fcber wegrennen, sich verstecken und Knast hinaus. Es gibt unz\u00e4hlige M\u00f6glichkeiten, die sich in der Konspirativit\u00e4t des Angriffs finden lassen.<\/p>\n<p>Wir haben uns dazu entschieden zwischen dem 1. und 7. August zu agieren, aufgrund des Aufrufs zur Solidarit\u00e4t mit den \u00fcber 500 sich im Hungerstreik befindenden Gefangenen in Deutschland und europaweit. Unsere Liebe ist den GenossInnen gewidmet, die ein Leben in Passivit\u00e4t und Schweigen ablehnen. F\u00fcr die Freiheit von Amadeu Casellas Ramon, Gabriel Pombo da Silva, Marco Camenisch, Jos\u00e9 Fernando Delgado! Freiheit f\u00fcr alle Gefangenen!<br \/>\nLasst durch den Willen zur Revolte unsere Untaten der Leidenschaft durch ihre stillen St\u00e4dte und in die Einsamkeit der Kn\u00e4ste ausbreiten! Wir sind dazu bestimmt ihre Gef\u00e4ngniswelt zu zerst\u00f6ren!<br \/>\nSolidarit\u00e4t\u201c (das gesamte Kommuniqu\u00e9 k\u00f6nnt ihr unter confrontation.wordpress.com finden)<\/p>\n<p>6.08. Vancouver, Canada: die Fenster des Bew\u00e4hrungsamtes werden eingeschlagen. Die Aktion wird den hungerstreikenden Gefangenen in Europa, sowohl speziell den Gefangenen Gabriel Pombo da Silva, Amadeu Casella Ramon und Jos\u00e9 Fernandez Delgado gewidmet.<\/p>\n<p>7.08. Amsterdam, Niederlande: die Fenster des Goethesinstituts werden in Solidarit\u00e4t mit den Hungerstreikenden in Deutschland eingeschlagen.<\/p>\n<p>8.08. Madrid und Canarias, Spanien: \u00fcber 50 Bankautomaten werden tempor\u00e4r au\u00dfer Betrieb gesetzt. Graffitis werden hinterlassen: \u201eMehr als 470 Gefangenen im Hungerstreik in Deutschland gegen Isolation. Aktive Solidarit\u00e4t. Gefangene im Kampf\u201d<\/p>\n<p>13.08. Santiago del Chile, Chile: die \u201einternationalistischen aufst\u00e4ndischen Kr\u00e4fte\u201d lassen eine Bombe vor der Itua-Bank explodieren. Die Aktion ist eine Reaktion gegen Unterdr\u00fcckung, die Kn\u00e4ste, den Staat und das Kapital, speziell im Solidarit\u00e4t mit Gabriel Pombo da Silva und f\u00fcr die Entlassung von Axel Osorio, ein chilenischer Bankr\u00e4uber, der sich seit Dezember 2007 im Knast befindet.<\/p>\n<p>14.08. Aachen, Deutschland: eine Demonstration wird vor der JVA abgehalten, da sich auch in diesem Knast einige Gefangene im Hungerstreik befinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die gr\u00f6\u00dfte selbstorganisierte Aktion von Gefangenen, welche seit vielen Jahren innerhalb der deutschen Gef\u00e4ngnisse stattgefunden hat, ist nun schon vor \u00fcber einem Monat zu Ende gegangen. 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