{"id":3507,"date":"2011-04-06T10:17:29","date_gmt":"2011-04-06T09:17:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=3507"},"modified":"2011-04-06T10:17:29","modified_gmt":"2011-04-06T09:17:29","slug":"aufruf-zu-aktionswoche-zur-solidaritaet-mit-den-geiseln-von-chimki-vom-2-bis-9-april-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/aufruf-zu-aktionswoche-zur-solidaritaet-mit-den-geiseln-von-chimki-vom-2-bis-9-april-2011","title":{"rendered":"Aufruf zu Aktionswoche zur Solidarit\u00e4t mit den Geiseln von Chimki vom 2. bis 9. April 2011"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/repression-chimki-russland.jpg\" rel=\"lightbox[3507]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-3521\" title=\"Solidarit\u00e4t mit mit den von Repression betroffenen Aktivisten in Chimki - Russland\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/repression-chimki-russland-190x250.jpg\" alt=\"Solidarit\u00e4t mit mit den von Repression betroffenen Aktivisten in Chimki - Russland\" width=\"103\" height=\"135\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/repression-chimki-russland-190x250.jpg 190w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/repression-chimki-russland.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 103px) 100vw, 103px\" \/><\/a><em>Vom 2. bis 9. April 2011 findet eine Aktionswoche f\u00fcr in Russland von Repression betroffenen Aktivisten statt. Im speziellen geht es um die drei Personen, die im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Abholzung des Waldes der Staat Chimki und den Bau einer neuen Autobahn in Untersuchungshaft sa\u00dfen bzw. immer noch sitzen. Hier der Aufruf zur Aktionswoche und ein Text, welcher die Hintergr\u00fcnde beleuchtet. Weitere Infos in mehreren Sprachen gibt es unter: <a href=\"http:\/\/khimkibattle.org\/\" target=\"_blank\">khimkibattle.org<\/a><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Aufruf zu Aktionswoche zur Solidarit\u00e4t<br \/>\nmit den Geiseln von Chimki vom 2. bis 9. April 2011<\/strong><\/p>\n<p>Wir rufen zur Solidarit\u00e4t mit Denis Solopow, Maxim Solopow und Aleksej Gaskarow all diejenigen auf, die die Repressionen gegen die drei Aktivisten nicht einfach hinnehmen wollen. Sie wurden zu Geiseln der unglaublichen Geschichte rund um den Wald von Chimki, einer Geschichte vom Widerstand der aufkeimenden Zivilgesellschaft im heutigen Russland und der seelenlosen Junta habgieriger Korruption\u00e4re. Dank dieser Geschichte erreichte die im Moskauer Umland gelegene Stadt Chimki traurige Ber\u00fchmtheit weit \u00fcber die Grenzen Russlands hinaus.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIm Herbst 2010 verbrachten Aleksej Gaskarov und Maxim Solopow drei Monate in Haft aufgrund eines an den Haaren herbeigezogenen Strafverfahrens, das nun vor Gericht regelrecht in sich zusammenbricht. Die Ermittler wandten Drohungen und Folter an und lieferten aus dem Mund von Polizeiagenten Falschaussagen. F\u00fcr den 14. April ist der n\u00e4chste Verhandlungstermin vor dem Stadtgericht in Chimki anberaumt.<\/p>\n<p>Denis Solopow, ein junger K\u00fcnstler, befindet sich derzeit im Kiewer Untersuchungsgef\u00e4ngnis Nr. 13 \u201eLukjanowka\u201c, wo Untersuchungsh\u00e4ftlinge unter unmenschlichen Bedingungen untergebracht sind. So schlafen sie wegen der \u00dcberbelegung in drei Schichten. Trotz der Anerkennung von Denis als Mandatsfl\u00fcchtling durch das UNO Fl\u00fcchtlingswerk, was auf einen begr\u00fcndeten Asylanspruch seinerseits hinweist, lehnte die zust\u00e4ndige ukrainische Migrationsbeh\u00f6rde seinen Asylantrag ab. Unmittelbar nach der Entgegennahme der Ablehnung wurde Denis festgenommen. Die Migrationsbeh\u00f6rde hat ihre Amtsbefugnisse \u00fcberschritten, indem sie offensichtlich die Miliz \u00fcber den Termin von Denis bei der Beh\u00f6rde in Kenntnis gesetzt hatte. Die von einem Gericht veranschlagten 40 Tage Haft laufen am 11. April hab. Anschlie\u00dfend muss Denis entweder freigelassen werden oder aber er wird in Abschiebehaft genommen, die sich bis zur Vorlage eines endg\u00fcltigen Bescheides bis zu anderthalb Jahre hinziehen kann.<\/p>\n<p>Die drei jungen M\u00e4nner sind Repressionen ausgesetzt aufgrund ihrer vermeintlichen Teilnahme an einer Demonstration gegen die Waldrodung zugunsten des Baus einer Mautautobahn und gegen die Staatswillk\u00fcr im Moskauer Vorort Chimki, die zu einem geringen Sachschaden am Geb\u00e4ude der lokalen Administration gef\u00fchrt hatte. Die Protestaktion fand als Reaktion auf den \u00dcbergriff vom Bauherrn angeheuerter Rechtsradikaler auf ein friedliches \u00d6kocamp im Wald von Chimki statt. Die Mautstrecke, deren Verlauf so geplant ist, dass lediglich unter dem Gesichtspunkt der Korruption Sinn macht, braucht niemand au\u00dfer einem engen Kreis von Oligarchen und korrupter Beamten und der Leitung des franz\u00f6sischen Konzerns Vinci, der die Ausschreibung zum Streckenbau gewonnen hat. Waldsch\u00fctzer und sozial engagierte Menschen in der Stadt Chimki sind st\u00e4ndigen \u00dcbergriffen und rechtswidrigen Repressionen ausgesetzt. Infolge gewaltt\u00e4tiger Angriffe wurden die Schicksale zweier Journalisten und engagierter gesellschaftspolitischer Akteure, die von Michail Beketow und Konstantin Fetisow, zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Weltweit ist die Bedrohung unseres Planeten allgegenw\u00e4rtig, der sich in einen leblosen Raum verwandelt, doch die nach Profit Strebenden lassen sich weder von der Atomkatastrophe in Japan, noch von dem furchtbaren Desaster im Golf von Mexiko oder den Waldbr\u00e4nden im Moskauer Umland beirren. In den unterschiedlichsten Winkeln Russlands und der Welt k\u00e4mpfen Menschen f\u00fcr ihre sozialen Rechte und f\u00fcr ihre reale Freiheit, und nicht f\u00fcr die \u201eFreiheit\u201c zu kaufen und zu verkaufen. Wenn wir uns alle, also alle, die \u00fcberzeugt davon sind, dass unsere Welt keine Ware darstellt, zusammenschlie\u00dfen, vervielf\u00e4ltigen sich unsere Kr\u00e4fte. Menschen aus verschiedenen L\u00e4ndern, von Amerika bis China, haben bereits zwei Mal auf Aktionstagen ihre Solidarit\u00e4t mit Maxim Solopow und Aleksej Gaskarow unter Beweis gestellt. Die Folge davon waren die Freilassung von Aleksej und Maxim, ein vor\u00fcbergehender Rodungsstopp, die Einstellung der Bauarbeiten und der Aufbau eines Netzwerks engagierter Menschen auf der ganzen Welt. \u00dcber Grenzen und weite Entfernungen hinweg.<\/p>\n<p>Wir sind uns dar\u00fcber im Klaren, dass wir allein mit der Situation nicht fertig werden. Deshalb bitten wir um Solidarit\u00e4t und die Beteiligung an der Aktionswoche vom 2. bis 9. April. Organisiert Mahnwachen vor den ukrainischen Botschaften und Konsulaten mit der Forderung nach Freilassung von Denis Solopow. Organisiert Kundgebungen vor den russischen Botschaften und Konsulaten und fordert die Einstellung des Verfahrens gegen Aleksej Gaskarow und Maxim Solopow und einen Waldrodungsstopp in Chimki. Organisiert Aktionen vor den Filialen von Vinci mit der Forderung, die Beteiligung an dem Bauprojekt einer Mautautobahn zwischen Moskau und St. Petersburg durch den Wald von Chimki zur\u00fcckzuziehen.<\/p>\n<p>Unsere Solidarit\u00e4t ist unsere Waffe!<\/p>\n<p>Informationen \u00fcber Solidarit\u00e4tsaktionen, Kopien von Protestschreiben, Faxen und Publikationen bitten wir an folgende Adresse zu schicken:<\/p>\n<p>info@khimkibattle.org<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Vorgeschichte. Der Wald von Chimki<br \/>\nund der Bau der Autobahn Moskau \u2013 St. Petersburg<\/strong><\/p>\n<p>Alles fing damit an, dass ein Projekt in Planung war, das die erste  kommerzielle Autobahn Russlands zwischen Moskau und Sankt Petersburg  vorsah. Diese Autobahn w\u00fcrde durch einen der wenigen \u00fcbriggebliebenen  W\u00e4lder in der N\u00e4he Moskaus f\u00fchren und durch den Bau von \u201c<em>Objekten der Infrastruktur<\/em>\u201d, also zum Beispiel Tankstellen und Einkaufszentren, den Wald der Stadt Chimki, welcher zum <em>\u201cgr\u00fcnen Ring Moskaus\u201d<\/em> geh\u00f6rt, quasi komplett vernichten. Den pragmatischeren und  wirtschaftlicheren Alternativvorschl\u00e4gen wurde durch die korrupten  Interessen einiger Akteure keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt.<\/p>\n<p><strong>Widerstand und Repression<\/strong><\/p>\n<p>Anfangs war keine rechtliche Grundlage f\u00fcr den Bau der Autobahn  gegeben, da laut russischen Gesetzen der Wald nicht bebaut werden darf.  Weil aber hinter dem Projekt gro\u00dfe Profitinteressen stehen, sollte hier  schnell eine fadenscheinige Au\u00dfnahmereglung geschaffen werden. So gab es  seit 2007 ein langes Hin und Her zwischen der Administration der  kleinen Stadt Chimki, BauunternehmerInnen und anderen Bauinteressierten  auf der einen Seite und BewohnerInnen, \u00d6koaktivistInnen und einigen  politischen Unterst\u00fctzerInnen auf der anderen Seite. Dabei haben die  VerteidigerInnen des Waldes auf legale Methoden, Aufkl\u00e4rung und  Unterst\u00fctzung namenhafter Organisationen gesetzt.<\/p>\n<p>Die Administration der Stadt Chimki dagegen ist f\u00fcr ihre, sogar f\u00fcr  Russland, auff\u00e4llige Korruption und brutale Methodik von  \u201cProbleml\u00f6sungen\u201c bekannt. Diese Methoden bekamen auch die  \u00d6koaktivistInnen zu sp\u00fcren.<br \/>\nSo wurde der Hund des Chefredakteurs <em>Michail Beketov<\/em>, dessen  Lokalzeitung sehr oft \u00fcber Korruption bestimmter BeamtInnen und  Unstimmigkeiten beim geplanten Bau der Autobahn berichtete, in der  Tradition der <em>\u201cwilden 90er\u201d<\/em> umgebracht, sp\u00e4ter sein Auto vor  seinem Haus angez\u00fcndet, bis er schlie\u00dflich selbst im November 2008 Opfer  eines schweren \u00dcberfalls wurde, den er nur durch Zufall \u00fcberlebte. Die  Folgen des Angriffs waren aber so schwer, dass er nie wieder ein aktives  Leben f\u00fchren kann. Auch andere kritische JournalistInnen wurden  mehrmals angegriffen und zum Teil schwer verletzt. 2009 starb einer von  ihnen an den Folgen eines Angriffs.<br \/>\nTrotz dieser Gewalt existierte eine kleine, aktive <em>\u201cBewegung f\u00fcr den Schutz des Waldes von Chimki\u201d<\/em>, die weiterhin friedliche Aktionen und Kundgebungen organisierte und f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung der Stadtbev\u00f6lkerung sorgte.<\/p>\n<p>Nach einigen Jahren gerichtlicher Auseinandersetzungen und \u00d6ffentlichkeitsarbeit hatte Ende 2009 der Premierminister <em>Putin<\/em> den offiziellen Status der betroffenen Fl\u00e4chen des Waldes zu Gunsten  der InvestorInnen ge\u00e4ndert. Diese Entscheidung wurde am 1. M\u00e4rz 2010  durch das h\u00f6chste russische Gericht best\u00e4tigt, und so gr\u00fcnes Licht f\u00fcr  die Abholzung des Waldes und den Bau der Autobahn gegeben.<\/p>\n<p><strong>Abholzung im Sommer 2010. Polizei und rechtsextreme Hools gegen AktivistInnen<\/strong><\/p>\n<p>Im Juli 2010 begannen ArbeiterInnen der Firma <em>\u201cTeplotechnika\u201d<\/em> mit der Abholzung des Waldes. Als dies von AktivistInnen entdeckt  wurde, errichteten sie am 15. Juli ein \u00d6ko-Camp im Wald, um die  Abholzung zu verhindern, was ihnen auch einige Male gelang. Mit der Zeit  fand sich eine bunte Mischung aus ca 50 Linken, AnarchistInnen,  AntifaschistInnen, Menschenrechts- und lokalen Grassrootinitiativen  zusammen. Parallel dazu wurden Kundgebungen in Moskau organisiert und  weitere Versuche gestartet mit der Administration der Stadt Chimki zu  verhandeln. Daraufhin fuhr die Administration, allen voran ihr  Vorsitzender <em>Streltschenko<\/em>, einen Doppelkurs, indem sie sich  einerseits zum Dialog bereiterkl\u00e4rte, ihn aber andererseits konsequent  sabotierte. Zus\u00e4tzlich wurde das Camp immer wieder von BauarbeiterInnen  und Unbekannten angegriffen. Die zu Hilfe gerufene Polizei gl\u00e4nzte dabei  jedesmal durch Desinteresse.<\/p>\n<p>Da der Konflikt inzwischen aber auch in \u00dcberregionale Medien Eingang  gefunden hatte, versprach die Baufirma am 23. Juli die Erlaubnispapiere  f\u00fcr die Abholzung des Waldes den BewohnerInnen des Camps vorzulegen.  Stattdessen tauchten an besagtem Morgen aber ca. 40 vermummte junge  M\u00e4nner auf. Einige von ihnen trugen T-Shirts mit rechtsextremen  Symboliken. Die Gruppe wurde sp\u00e4ter durch Fotos als die rechtsextreme  Moskauer Hooligangruppe <em>\u201cGladiators\u201d<\/em> erkannt. Sie bedrohten die  AktivistInnen und sorgten f\u00fcr die \u201cSicherheit\u201d der Holzf\u00e4llerInnen, die  nun die Abholzarbeiten wieder aufnahmen. Trotz dieser Drohkulisse  gelang es jedoch einigen AktivistInnen auf die Baumaschinen zu kommen  und die Arbeiten zu blockieren. Nach einigen Stunden Kampf, bei denen  die AktivistInnen sehr brutal angegangen wurden, traf die  Bereitschaftspolizei (OMON) ein und nahm mehrere AktivistInnen und  JournalistInnen brutal fest. Der Schl\u00e4gertrupp dagegen war f\u00fcr sie  weniger interessant und fuhr sogar mit der Polizei zusammen ab, w\u00e4hrend  die Abholzarbeiten weiter fortgesetzt werden konnten. In den folgenden  Tagen wurden alle, die sich Zutritt zum Wald verschaffen wollten, von  Polizei und Schl\u00e4gern vertrieben.<\/p>\n<p><strong>Der 28. Juli, Angriff auf das Verwaltungsgeb\u00e4ude in Chimki<\/strong><\/p>\n<p>Am 28. Juli sollte in der Stadt Chimki eine \u00f6ffentliche Anh\u00f6rung mit  VertreterInnen der Administration, der Bauunternehmen, der  StadtbewohnerInnen, JournalistInnen und GegnerInnen der Rodung  stattfinden. Diese wurde aber, wie schon mehrmals vorher, seitens  Stadtverwaltung und Bauunternehmen durch einen schlichten Zettel mit der  Aufschrift \u201cHeute findet keine Anh\u00f6rung statt\u201d kurzfristig abgesagt.<\/p>\n<p>Am Abend wurde in Moskau ein Stra\u00dfenkonzert <em>\u201cF\u00fcr den Wald von Chimki\u201d<\/em> von zwei Antifagruppen und zwei Hardcorebands angek\u00fcndigt. Als sich  einige hundert Menschen am Treffpunkt versammelt hatten, wurde durch ein  Megafon mitgeteilt, dass die VeranstalterInnen statt ein Konzert zu  geben, nach Chimki fahren w\u00fcrden und alle Anwesenden einladen  mitzukommen.<br \/>\nSo stiegen hunderte Menschen in einen Regionalzug und kamen gegen 20 Uhr  in Chimki an. Die Polizei war wie erwartet vollauf damit besch\u00e4ftigt,  m\u00f6gliche Proteste im Wald zu unterbinden, sodass sich bald eine Gruppe  von 300-400 Menschen mit Transparenten und Parolen auf den Weg zum  Verwaltungsgeb\u00e4ude machte. Das Geb\u00e4ude wurde mit Flaschen, Steinen und  Molotov-Cocktails beworfen, Parolen wurden an die W\u00e4nde gesp\u00fcht und die  T\u00fcr mit einer Axt versucht einzuschlagen. Nach wenigen Minuten zogen  sich die Menschen wieder Richtung Bahnhof zur\u00fcck, um den Zug nach Moskau  zu bekommen. Letztendlich dauerte die Aktion ungef\u00e4hr eine  Viertelstunde. Das Verwaltungsgeb\u00e4ude war zu diesem Zeitpunkt wie  erwartet leer, sodass niemand verletzt wurde. Laut den Anwesenden haben  die BewohnerInnen von Chimki die Aktion mit Begeisterung und Zustimmung  begleitet. Niemand wurde festgenommen.<\/p>\n<p>Noch am sp\u00e4ten Abend nahm die OMON die restlichen AktivistInnen im  Wald von Chimki fest, die allerdings offensichtlich keine Ahnung von den  Geschehnissen in Chimki hatten. Die Sprecherin der <em>\u201cBewegung f\u00fcr den Schutz des Waldes von Chimki\u201d<\/em>, <em>Anna Tschirikowa<\/em>,  distanzierte sich zwar von dem Angriff auf das Verwaltungsgeb\u00e4ude, wies  aber ebenfalls darauf hin, dass die Administration durch ihr Verhalten  selbst Schuld daran trage.<\/p>\n<p>Gleich nach der Aktion begann die Polizei und ihr <em>\u201cZentrum f\u00fcr Extremismusbek\u00e4mpfung\u201d<\/em> alle bekannten antiautorit\u00e4ren und antifaschistischen AktivistInnen  anzurufen und zu \u201cGespr\u00e4chen\u201d einzuladen. JournalistInnen, die bei dem  Angriff auf das Verwaltungsgeb\u00e4ude anwesend waren und den Protestmarsch  fotografiert oder gefilmt hatten, wurden festgenommen.<\/p>\n<p><em>Anna Tschirikova<\/em>, die Sprecherin der <em>\u201cBewegung f\u00fcr den Schutz des Waldes von Chimki\u201d <\/em>berichtete,  dass sie observiert werde und Angst um ihr Leben und das ihrer Familie  h\u00e4tte. Eine Bef\u00fcrchtung, die nach den vielen Angriffen und Mordversuchen  an kritischen Stimmen in der Vergangenheit nicht unbegr\u00fcndet war. Bald  darauf zog sie sich aus Chimki zur\u00fcck und tauchte mit ihrer Familie in  Moskau unter.<br \/>\n<strong><br \/>\nDie Festnahme von Aleksej Gaskarov und Maksim Solopov<\/strong><\/p>\n<p>Am 29. Juni 2010, dem Tag nach dem Protestmarsch in Chimki, wurden<em> Aleksej Gaskarov<\/em> und <em>Maksim Solopov<\/em> ohne jede R\u00fccksicht auf die russische Gesetzgebung festgenommen. Diese  Festnahmen sind rein politisch zu verstehen, denn Aleksej und Maksim  geh\u00f6ren zu den wenigen Sprechern der antifaschistischen und  anarchistischen Bewegung Russlands, die offen auftreten und ihre  Ansichten auch offen propagieren. So sprach beispielsweise Maksim kurz  vor seiner Festnahme im Radio \u00fcber den Sinn und die Ziele der Proteste  im Wald von Chimki. Nicht zuletzt deshalb stehen beide schon seit  l\u00e4ngerem an der Spitze der Todeslisten der rechtsextremen  Internetseiten. Das die Festnahmen jeder rechtlichen Grundlage  entbehren, wird besonders dadurch erkennbar, dass in den  Festnahmeprotokollen vermerkt wurde, dass beide am Tatort, also in  Chimki w\u00e4hrend des Angriffs auf das Verwaltungsgeb\u00e4ude, festgenommen  worden sein, wobei doch bekannt ist, dass es an besagtem Abend keine  Festnahmen gab.<br \/>\nIhnen wird zum Vorwurf gemacht <em>\u201cOrganisatoren des Massenhooliganismus mit Waffen oder als Waffe benutzten Gegenst\u00e4nden\u201d<\/em> zu sein. Sollten sie daf\u00fcr schuldig gesprochen werden, drohen ihnen bis  zu sieben Jahre Haft. Eine Zeitung zitierte einen Polizisten mit den  Worten: <em>\u201cDie Jugendlichen haben dadurch, dass sie die Macht  angegriffen haben, eine Grenze \u00fcberschritten. Unsere Aufgabe besteht  jetzt darin, sie wieder auf ihre Pl\u00e4tze zur\u00fcckzuweisen. Daher werden wir  sie nicht mit Samthandschuhen anpacken.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Nachdem die Untersuchungshaft immer wieder quasi unter Ausschlu\u00df der  \u00d6ffentlichkeit verl\u00e4ngert wurde, wurden Aleksej und Maksim \u00fcberraschend  im Oktober 2010 freigelassen. Und das, obwohl im Verlauf des Prozesses  immer wieder Zeugenaussagen durch Foltermethoden im Sinne der Ermittler  ver\u00e4ndert wurden. Trotz der Freude \u00fcber die vorl\u00e4ufige Freilassung,  bleiben die Anschuldigungen gegen Aleksej und Maksim bestehen und so  droht auch weiterhin eine Verurteilung.<br \/>\nAm 14. M\u00e4rz 2011 wird nun die vorl\u00e4ufige Anh\u00f6rung gegen die \u201cGeiseln von Chimki\u201d stattfinden.<\/p>\n<p>Zudem wurde bekannt, dass <em>Denis Solopow<\/em>, der ebenfalls  wegen der Vorf\u00e4lle in Chimki von den russischen Repressionsbeh\u00f6rden  gesucht wird, am 2. M\u00e4rz in der Ukraine von der Kriminalpolizei  festgenommen wurde, als er auf dem Weg zum Gericht war, um den Einspruch  gegen die Ablehnung seines Asylgesuchs zu verteidigen. Eine  Auslieferung an die russischen Beh\u00f6rden w\u00fcrde g\u00fcltiges internationales  Recht brechen, da ihm vorher der Fl\u00fcchtlingsstatus zugesprochen wurde.<\/p>\n<p>Seit der Festnahme von Maksim und Aleksej ist klar, dass hier ein  Schauprozess gegen die libert\u00e4re Str\u00f6mung Russlands gef\u00fchrt wird.  Sollten die \u201cGeiseln von Chimki\u201d tats\u00e4chlich auf Grundlage von L\u00fcgen und  Folter verurteilt werden, w\u00fcrde dies einen harten Schlag f\u00fcr die  anarchistische und antifaschistische Bewegung Russlands bedeuten.<\/p>\n<p><strong>Wir fordern, dass der Prozess und mit ihm jede Anschuldigung  gegen die \u201cGeiseln von Chimki\u201d sofort und bedingungslos fallen gelassen  wird!<br \/>\nFreiheit f\u00fcr Maksim, Aleksej und Denis!<br \/>\nFreiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 2. bis 9. April 2011 findet eine Aktionswoche f\u00fcr in Russland von Repression betroffenen Aktivisten statt. 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