{"id":4010,"date":"2011-05-12T09:41:54","date_gmt":"2011-05-12T08:41:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=4010"},"modified":"2014-12-19T19:14:40","modified_gmt":"2014-12-19T18:14:40","slug":"%ef%bb%bf%ef%bb%bfdie-grosse-welle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/%ef%bb%bf%ef%bb%bfdie-grosse-welle","title":{"rendered":"\ufeff\ufeffDie grosse Welle"},"content":{"rendered":"<p><em>\u00dcbersetzt aus Invece, Nr. 4, April 2011, anarchistische Monatszeitschrift aus Italien, gefunden auf <a href=\"http:\/\/andiewaisendesexistierenden.noblogs.org\/\" target=\"_blank\">andiewaisendesexistierenden.noblogs.org<\/a>.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Die-gro\u00dfe-Welle-vor-Kanagawa.jpg\" rel=\"lightbox[4010]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-4031\" title=\"Die gro\u00dfe Welle vor Kanagawa\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Die-gro\u00dfe-Welle-vor-Kanagawa-150x103.jpg\" alt=\"Die gro\u00dfe Welle vor Kanagawa\" width=\"150\" height=\"103\" \/><\/a><span class=\"dropcap\">E<\/span>ines der ber\u00fchmtesten Werke der japanischen Kunst ist die \u201cgrosse Welle\u201c des Malers Hokusai. Es stellt einen Tsunami dar, ein Wort, das \u201cHafenwelle\u201c bedeutet, und dessen japanische Herkunft beweist, wie sehr diese m\u00e4chtige Manifestation der Natur f\u00fcr das Land der aufgehenden Sonne typisch ist. Der K\u00fcnstler verweist, indem er hilflos wirkende Boote auf riesigen Wellen malte, auf die enorme Disproportion, die zwischen der Kraft der Natur und der Gebrechlichkeit der Menschen besteht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Tokyo decadence<\/strong><\/p>\n<p>Japan ist eines der technologisch am weitentwickeltsten und folglich eines der energiebed\u00fcrftigsten L\u00e4nder der Welt.<br \/>\nDer Energieverbrauch pro Kopf ist in Japan zehn Mal h\u00f6her als in Indien. Als einer der Hauptproduzenten elektronischer Energie weltweit ist, verf\u00fcgt das japanische Land dennoch \u00fcber keine eigenen Energiequellen. Von sich aus kann es nur gerade 10% seines Bedarfs mit Wasserkraft abdecken, w\u00e4hrend es f\u00fcr weitere 60% fossile Brennstoffe verwendet (\u00d6l, Gas, Kohle), die es importieren muss. Dies hat einen so grossen Einfluss auf den weltweiten Erd\u00f6lmarkt, dass der Produktionsstopp, der auf die k\u00fcrzliche Katastrophe folgte, eine Senkung des Roh\u00f6lpreises bewirkte.<br \/>\nW\u00e4hrend der letzten Jahrzehnte musste Japan, aus Gr\u00fcnden der sogenannten \u201eEnergiesicherheit\u201c, seine Abh\u00e4ngigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren und die Energieversorgung diversifizieren. Der Zugang zu den Quellen fossiler Brennstoffe ist immer \u00f6fters an den Einsatz von milit\u00e4rischen Mitteln gebunden, er ist abh\u00e4ngig von der politischen Instabilit\u00e4t der Produktionsl\u00e4nder, dem Anstieg der Nachfrage nach \u00d6lprodukten und dem kontinuierlichen Ausgehen der Reserven. Um also das Fortbestehen seines industriellen Systems zu sichern, musste sich Japan der kostspieligen und, in Anbetracht der geologischen Eigenschaften des Landes, \u00e4usserst gef\u00e4hrlichen Atomkraft anvertrauen. Heute h\u00e4ngt ein Viertel seiner Energieversorgung von dieser Energiequelle ab. 55 Atomkraftwerke stehen verstreut \u00fcber eines der am dichtesten bev\u00f6lkerten L\u00e4nder der Welt.<\/p>\n<p>Japan ist ein Archipel, das sich beim Begegnungspunkt von drei beweglichen Platten der Erdkruste befindet (die Pazifische, die Philippinische und die Eurasische Platte). Aufgrund seiner Position ist es das Land, in dem die meisten Erdbeben verzeichnet werden. Tokio wird etwa alle 70 Jahre von einer sehr starken Ersch\u00fctterung getroffen; 1923 wurde es von einem Beben komplett zerst\u00f6rt, das 100\u2019000 Opfer forderte; laut zahlreicher Experten sei die Stadt, trotz moderner anti-erdbeben Konstruktionen, nicht darauf vorbereitet, ein \u00e4hnliches Ereignis zu \u00fcberstehen.<br \/>\nJapan erstreckt sich \u00fcber eine Fl\u00e4che von 377\u2019855 Quadratkilometern, auf der, mit einer 7 Mal h\u00f6heren Dichte als der weltweite Durchschnitt, mehr als 127 Millionen Bewohner leben. Das st\u00e4dtische Gebiet von Tokio ist das gr\u00f6sste der Welt, es leben dort 35 Millionen Menschen. Jenseits des Zentrums, des pulsierenden Herzens der technologischen Zivilisation, und der anderen reichen Zonen, befinden sich riesige Ballungszentren f\u00fcr Arme. Ihre soziale Ausgrenzung geht so weit, dass die Orte, wo sie leben, nicht einmal auf den Katasterkarten eingezeichnet sind: sie sind der ineffiziente Teil des Landes.<br \/>\nEs w\u00e4re unm\u00f6glich, Hypothesen \u00fcber ein alternatives Verwaltungsmodell einer Metropole aufzustellen, das nicht eine hohe Energieabh\u00e4ngigkeit und das Herbeiziehen ins st\u00e4dtische Zentrum der Ressourcen implizieren w\u00fcrde, die in einer enorm viel weiteren Umgebung produziert wurden.<br \/>\nW\u00fcrde es nicht von einem konstanten Energiefluss versorgt, k\u00f6nnte ein st\u00e4dtisches System wie jenes von Tokio nicht existieren, nicht als Ort der techno-wissenschaftlichen Avantgarde und nicht einmal als einfacher Ort zum leben. Es k\u00f6nnte weder das \u00dcberleben seiner Bewohner, noch die Befriedung ihrer Grundbed\u00fcrfnisse wie Trinken, Essen und W\u00e4rme garantieren. Ein langanhaltender Energiemangel w\u00fcrde zum Zusammenbruch des Systems, zur massenhaften Abwanderung der Bev\u00f6lkerung und zum Risiko eines B\u00fcrgerkriegs f\u00fchren. Eine Gefahr, die f\u00fcr die Herrschaft noch gr\u00f6sser ist, als die Gefahr einer radioaktiven Verseuchung eines Teils der Bev\u00f6lkerung infolge eines nuklearen Unfalls.<br \/>\nOhne seinen Kranz aus Atomkraftwerken k\u00f6nnte Tokyo schwerlich funktionieren.<br \/>\nMomentan wissen wir nicht, wie die Explosion im Kraftwerk von Fukushima ausgehen wird, aber ein Unfall diesen Ausmasses, kann leider, im besten Falle, unmittelbar, sowie auf lange Sicht, schwere Auswirkungen f\u00fcr Tokio haben. Im schlimmsten Falle, was eine schwerwiegende Verseuchung der Stadt bedeuten w\u00fcrde, st\u00fcnden wir einer nie dagewesenen metropolitanen Apokalypse gegen\u00fcber. Und trotzdem ist es wahrscheinlich, dass ganz Japan auch in Zukunft gezwungen werden wird, sich den Atomkraftwerken anzuvertrauen, und seine Bewohner werden sich daran gew\u00f6hnen m\u00fcssen, mit erh\u00f6hten radioaktiven Werten zu leben.<br \/>\nDieser Unfall hat nicht nur die mit der Atomkraft verbundenen Risiken ans Licht gebracht, sondern auch das Scheitern eines urbanistischen Entwicklungsmodells, dessen Paradigma Tokio war. Eine zum Scheitern verurteilte Urbanistik, die an ihren Explosionspunkt kam. Eine Lebenshypothese, die sich von den vom Kapital herbeigef\u00fchrten, \u00f6kologischen Katastrophen befreien will, wird diese urbanistischen Modelle zur\u00fcckweisen m\u00fcssen. Doch wie, das ist eine noch g\u00e4nzlich zu kl\u00e4rende Hypothese.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Die Explosion<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u201eAber solange die moderne Technologie weiter fortschreitet, wird es Katastrophen jeglicher Art geben, die vom Menschen hervorgerufen werden. Keine Regierungsaufsicht kann all diesen Katastrophen zuvorkommen, nicht nur, weil es immer Verantwortungslosigkeit, Nachl\u00e4ssigkeit und Fehler geben wird, sondern auch, weil die Einf\u00fchrung neuer Technologien unvermeidbare Konsequenzen mit sich bringt, die niemand, auch wenn man aufmerksam und verantwortungsvoll w\u00e4re, im Voraus erahnen kann. Darum kommen die Katastrophen f\u00fcr gew\u00f6hnlich aus unerwarteter Richtung. Je h\u00f6her die entfesselte Kraft ist, desto gr\u00f6sser werden die Katastrophen sein.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Ted J. Kaczynski<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der letzten Jahrzehnte folgten drei gravierende und unendlich viele kleine nukleare Unf\u00e4lle aufeinander. Uns gen\u00fcgt das, um zu sagen, dass es keine sicheren Atomkraftwerke gibt. Sicher sind die Kraftwerke nur in der Propaganda jener, die sie erbauen. Wenn sie explodieren, ist die Antwort stets dieselbe: \u201esie waren zu alt, sie wurden schlecht verwaltet, es ist Schuld der Natur\u201c. Die Naturereignisse entwickeln sich nicht auf konstante und lineare Weise. Meistens geht die Natur in Spr\u00fcngen vor. In Wirklichkeit sind die sogenannten \u201eaussergew\u00f6hnlichen Ereignisse\u201c normal. Bez\u00fcglich des Zusammenhangs zwischen dem k\u00fcrzlichen Erdbeben in Japan, dem Tsunami und der Explosion im Reaktor des Atomkraftwerks von Fukushima von einem aussergew\u00f6hnlichen Ereignis zu sprechen, macht keinen Sinn. Eine vernachl\u00e4ssigte Variabel als aussergew\u00f6hnliches Ereignis zu betrachten, in dem Moment, wo man sich einer aussergew\u00f6hnlich sch\u00e4dlichen Technologie anvertraut, ist in Wirklichkeit ein schlichter Betrug und ein Verbrechen von der Macht gegen\u00fcber der Bev\u00f6lkerung. In Fukushima passierte, was passieren konnte, und was wahrscheinlich bereits im K\u00e4stchen der m\u00f6glichen Variablen vorgesehen und vermerkt war, aber aufgrund des niedrigen Wahrscheinlichkeitswertes als hinnehmbar betrachtet wurde. Eine bis auf einen vorausgesehenen Spielraum sichere Entscheidung zu treffen, garantiert f\u00fcr nichts, wenn dieser Spielraum pl\u00f6tzlich hervorspringt \u2013 etwas, das in der Wirklichkeit geschieht und das die Statistiker wissen, aber bewusst verbergen.<br \/>\nDie Statistik soll beruhigen, verbirgt aber einen grossen Betrug: das Erscheinen des Unerwarteten auf der Szenerie wird vernachl\u00e4ssigt.<br \/>\nDie Vorstellung der Welt, die der Ideologie, die uns die Sicherheit der Atomkraftwerke verspricht, zugrunde liegt, ist die Vorstellung des Endes der Geschichte, des Triumphs des Kapitalismus, einer Plangesellschaft, die sich stufenweise, linear und voraussehbar Entwickelt: es ist eine falsche Vorstellung.<br \/>\nRealit\u00e4t ist, dass eine Welt, die zehn Jahren zuvor noch stabil wirkte, nach zehn Jahren instabiler als ein ausbrechender Vulkan sein k\u00f6nnte und dann sind die Voraussagen unserer mehrfach ausgezeichneten Wissenschaftler so viel Wert wie faule Eier.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u201eEine menschliche Bev\u00f6lkerung ist ein Beispiel einer Kettenreaktion. Sie w\u00e4chst an, wenn im Durchschnitt in jeder Familie mehr als zwei Kinder erwachsen werden und eine neue Familie gr\u00fcnden; die Geburten m\u00fcssen mehr als zwei pro Familie sein, denn einige Kinder sterben und andere verm\u00e4hlen sich nicht. Auf die gleiche Weise verzehrt beim Uranium jede Spaltung (ausser bei den sehr seltenen, spontanen) ein Neutron, und wenn die Spaltungsfragmente nicht mindestens ein neues Neutron ausstossen, kann es keine selbsterhaltende Kettenreaktion geben.\u201c<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Otto Robert Frisch, Los Alamos 1943-1945<\/em><\/p>\n<p>Bei einer nuklearen Reaktion wird die urspr\u00fcngliche Materie, das Uranium, in etwas verwandelt, das nicht mehr Teil der Natur, sondern ein Erzeugnis des Menschen ist: das Plutonium, das giftigste aller Elemente. Auch die Herrschaft des Kapitals neigt dazu, sich zu verbreiten, indem sie das, was sie antrifft, in etwas verwandelt, das nicht mehr Teil der Natur ist.<br \/>\nDer Mensch, als ein dem Reich der Tiere angeh\u00f6rendes Wesen, kann in Gegenwart des Plutoniums nicht \u00fcberleben. Von einem anderen Blickwinkel aus betrachtet, jenem des Kapitals, k\u00f6nnte man sagen, dass das Problem der Mensch ist, da er noch nicht f\u00e4hig ist, in Neo-Umgebungen wie jener von Fukushima zu leben. Die Gentechnik arbeitet bereits daran, die Unannehmlichkeit zu l\u00f6sen.<br \/>\nEin System in stetigem Wachstum trifft fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf eine Grenze, jenseits derer der Kollaps eintritt: das System ist nicht mehr haltbar!<br \/>\nEin Querlesen der zusammengefassten Daten, die wir \u00fcber die \u00d6konomie, Geologie, Demographie und den Energieverbrauch von Japan aufgelistet haben, kann einem den Eindruck verschaffen, dass ein Entwicklungsmodell wie das japanische v\u00f6llig aus dem Gleichgewicht geraten ist: Im Verh\u00e4ltnis zwischen Verbrauch an Ressourcen und der F\u00e4higkeit des Planeten, sich zu regenerieren, im Verh\u00e4ltnis zwischen Bev\u00f6lkerungsdichte, hydrogeologischer Risiken und der Pr\u00e4senz von gef\u00e4hrlichen Einrichtungen. Das Entwicklungsmodell, das Japan und den Rest der westlichen L\u00e4nder reguliert, baut nicht auf den Konzepten von Harmonie und Ausgeglichenheit auf, sondern auf jenen von Disharmonie und Wachstum ohne Grenzen. Am Gipfel dieses Wachstums kann sich nur der Zusammenbruch des Systems ereignen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Effizienz<\/strong><\/p>\n<p>1853 durchbrechen die amerikanischen Kanonenboote unter dem Kommando des Komodore Perry die Blockierung der japanischen H\u00e4fen. Das Kaiserreich, das sich bis dahin durch Verschliessung und Autarkie gegen \u00e4ussere Einmischung wehrte, wurde somit mit Gewalt gezwungen, die Grenzen dem freien Markt zu \u00f6ffnen.<br \/>\nInnerhalb weniger Jahre und den Westen kopierend, restrukturierte sich Japan unter der F\u00fchrung des Kaisers Meiji in den milit\u00e4rischen und industriellen Bereichen und n\u00e4hert sich den Sitten der europ\u00e4ischen L\u00e4nder an.<br \/>\nSchon Anfangs 20. Jahrhunderts war es eine imperiale Macht im asiatischen Gebiet, die milit\u00e4risch mit den Westm\u00e4chten verglichen werden konnte. Infolge der im Zweiten Weltkrieg erlittenen Niederlagen wurde die milit\u00e4rische St\u00e4rke Japans redimensioniert.<br \/>\nNach dem Nachkriegs-Wiederaufbau wuchs die Nation als Industriekraft heran, bis sie zur zweiten Weltwirtschaftsmacht wurde. Gegenw\u00e4rtig ist sie die dritte, und, obwohl zwei drittel des B.I.P. aus dem Dienstleistungssektor kommen, hat es eine sehr starke Industrie, die f\u00fchrend in Sachen Automobilherstellung, Konsumelektronik und Schiffsbau ist.<br \/>\nDas Land der aufgehenden Sonne ist also trotz seiner geographischen Position ein westliches Land, eines der L\u00e4nder, welches das westliche, techno-wissenschaftliche Entwicklungsmodell am besten repr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Was den nuklearen Unfall in Fukushima betrifft, kann man gewiss nicht behaupten, dass er ein Ergebnis von Nachsichtigkeit oder Ineffizienz war, wie es jemand zu tun versuchte.Versuchen wir stattdessen die Hypothese in Betracht zu ziehen, dass es eben die grosse japanische Effizienz war, die diese Katastrophe verusachte.<br \/>\nGerade ihre Effizienz, veranschaulicht durch die hervorragende Qualit\u00e4t ihrer High-Tech Industrie, ist eine der ber\u00fchmten Eigenschaften der Japaner. Sie sind bekannt daf\u00fcr, arbeitsam und sorgf\u00e4ltig und sprichw\u00f6rtlich auf das Detail bedacht zu sein. Die japanischen Geb\u00e4ude geh\u00f6ren zu den robustesten (in Japan ereignen sich j\u00e4hrlich 1\u2019000 seismische Beben der St\u00e4rke 4 ohne relevante Sch\u00e4den zu verursachen). Die Sicherheitsnormen sind die strengsten und die Technologie ist die fortgeschrittenste der Welt.<br \/>\nEs ist diese japanische Effizienz, die die Katastrophe herbeif\u00fchrte, die \u00dcbersch\u00e4tzung der eigenen Mittel und die Untersch\u00e4tzung der Kraft der Natur hat zum Ungl\u00fcck gef\u00fchrt. Die Atomkraftwerke explodierten, weil sie gebaut wurden, und nicht weil Zwischenf\u00e4lle passieren.<br \/>\nWenn man sagt, dass uns Japan \u201ezwanzig Jahre voraus ist\u201c, nun, dann ist es das heute auch in den Katastrophen. Was wir in diesen Tagen in den Fernsehern gesehen haben, ist die Zukunft, der wir entgegengehen. Die tragische Zukunft, die der kapitalistischen Gesellschaft bevorsteht. Eine Gesellschaft, in der sich die Vergiftung, die Ausbeutung und der Krieg stetig ausweiten. Eine dermassen zynische Gesellschaft, dass es ihr gelingt, in den Katastrophen Gelegenheiten zu finden, um zus\u00e4tzliche Profite zu schlagen, in der die Kriege die B\u00f6rsenkurse hochgehen lassen.<br \/>\nJe weiter dieses Entwicklungsmodell fortschreitet und je komplexer es wird, desto gr\u00f6sser wird seine Gebrechlichkeit. So passiert es, dass ein unvorhergesehenes Ereignis leicht eine Kettenreaktion ausl\u00f6st: die Riesenwelle setzt simple Hydraulikpumpen ausser Betrieb, die ihrerseits die ausgekl\u00fcgelten Atomkraftwerke ausser Kontrolle bringen, die schliesslich Millionen von Menschen t\u00f6dlich bedrohen.<\/p>\n<p>Wenn wir nicht gegen das rebellieren, was in Japan geschah, wenn wir akzeptieren, das die Sache weiterl\u00e4uft wie zuvor, wenn wir uns erz\u00e4hlen lassen, dass solche Trag\u00f6dien nicht mehr geschehen k\u00f6nnen, wenn wir uns davon \u00fcberzeugen lassen, dass nur der Fortschritt der Technologie die Probleme l\u00f6sen kann, dann sind wir dabei, uns darauf einzustellen, die neuen \u00dcberlebensbedingungen hinzunehmen, es hinzunehmen, mit den Verstrahlungen zu leben und uns neuen, immer gr\u00f6sseren und irreversibleren Katastrophen zu n\u00e4hern.<br \/>\nWas in Fukushima geschah, ist also auch eine Warnung, es zeigt uns, was der Mensch ist und zu was er f\u00e4hig ist, seine extreme Gebrechlichkeit und sein grenzenloser Allmachtswahn.<br \/>\nIn seiner Tragik ist es eine wertvolle Gelegenheit, eine Gelegenheit, um die Augen zu \u00f6ffnen, um sich bewusst zu werden, um jene zu bek\u00e4mpfen, die diese Welt verw\u00fcsten, um aus dem konsumeristischen Lebensstil auszusteigen, um die kapitalistische \u00d6konomie und die techno-industrielle Gesellschaft zu zerst\u00f6ren, um die Verantwortung auf sich zu nehmen, die Dinge auf revolution\u00e4re Weise zu ver\u00e4ndern, das heisst, f\u00fcr eine neue Lebensweise. Vergeuden wir sie nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>P.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines der ber\u00fchmtesten Werke der japanischen Kunst ist die \u201cgrosse Welle\u201c des Malers Hokusai. 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