{"id":4046,"date":"2010-12-06T22:47:37","date_gmt":"2010-12-06T21:47:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=4046"},"modified":"2011-05-12T10:53:29","modified_gmt":"2011-05-12T09:53:29","slug":"zur-situation-der-gefangenen-in-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/zur-situation-der-gefangenen-in-griechenland","title":{"rendered":"Zur Situation der Gefangenen in Griechenland"},"content":{"rendered":"<p><em>Dieser Text gibt einen \u00dcberblick \u00fcber aktuelle Gefangene und deren K\u00e4mpfe in Griechenland, erschienen im <a href=\"http:\/\/gefangenen.info\/images\/gi_358_web.pdf\">Gefangenen.Info Nr. 358 Okt.\/Nov. 2010<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>Seit dem Aufstand im Dezember 2008 versucht der griechische   Repressionsapparat die erstarkten subversiven Bewegungen zu zerschlagen.   In den letzten 2 Jahren geschah dies wieder vermehrt durch  Verhaftungen  unter dem Vorwurf der \u201eMitgliedschaft in einer  terroristischen  Organisation\u201c. Unter diesem Vorwurf wurden 2009 f\u00fcnf  junge Gef\u00e4hrtInnen  verhaftet, da sie Teil der seit 2008 aktiven  Stadtguerilla-Gruppe  \u201eVerschw\u00f6rung der feurigen Zellen\u201c (\u201eConspiracy of  the Cells of Fire\u201c)  sein sollen. <!--more-->Drei von ihnen, Harilaos \u201cHaris\u201d  Hatzimichelakis,  Panayiotis \u201cTakis\u201d Masouras und Konstantina  Karakatsani sitzen immer  noch im Knast. Nicht nur die Polizei tat  alles, um den Fall so  spektakul\u00e4r wie m\u00f6glich zu gestalten, sondern  auch die Medien, welche  immer wieder von \u201esicheren H\u00e4usern\u201c sprachen,  die die Gef\u00e4hrtInnen  angeblich zur Planung diverser Anschl\u00e4ge und zur  Aufbewahrung von  Sprengstoff nutzten. Dies ist geplante Taktik. Denn  schon 2007 quollen  die Medien von schlecht geschriebenen Geschichten  \u00fcber. Damals wurde  einer der von den Medien erfundenen \u201eRobbers in Black\u201c Yiannis Dimitrakis von der Polizei angeschossen und verhaftet,  als er dabei war  eine Bank zu \u00fcberfallen. Polizei und Medien  konstruierten das Bild eines \u201eanarchistischen Terroristen\u201c und  dokumentierten dessen Aktivit\u00e4t im  anarchistischen Spektrum. Yiannis  muss wegen dem bewaffneten \u00dcberfall  noch weitere 35 Jahre absitzen.  Gegen 3 weitere Gef\u00e4hrten liegen  Haftbefehle vor, wobei einer, gegen  Simos Seisidis, im M\u00e4rz diesen  Jahres vollstreckt wurde. Bei der  Festnahme wurde er von Polizeikugeln  am Bein getroffen, wodurch  ernsthafte Verletzungen entstanden und ihm  schlussendlich das Bein  amputiert werden musste. Er wird im Krankenhaus  des Knastes Korydallos  in Athen unter h\u00f6chsten Sicherheitsvorkehrungen  gefangen gehalten. Aris  Seirinidis, auch ein anarchistischer Gef\u00e4hrte  aus Athen, wird  vorgeworfen, 2009 auf ein Polizeifahrzeug geschossen zu  haben. Er sitzt  immer noch im Knast, ohne jegliche Beweise.<\/p>\n<p>Ebenfalls angeklagt wegen bewaffneten Bank\u00fcberfalls ist Christos   Stratigopoulos und wegen Komplizenschaft der 73-j\u00e4hrige Alfredo Bonanno.   Beide sitzen seit dem 1. Oktober 2009 in Athen im Gef\u00e4ngnis. Obwohl   Christos die komplette Verantwortung f\u00fcr den \u00dcberfall \u00fcbernommen hat,   werden jegliche Antr\u00e4ge auf Freilassung Bonannos abgelehnt. Der   Gesundheitszustand des 73-j\u00e4hrigen ist sehr schlecht, er hat einen Tumor   im Schulterbereich, und ist unter anderem Diabetiker. Der Prozess  gegen  die beiden Anarchisten ist f\u00fcr den 22. November 2010 angesetzt.  Es  zeigt sich sehr deutlich, wie der griechische Staat Alfredo trotz  seines  Gesundheitszustandes versucht, zu schikanieren, er ist seit  Jahrzehnten  in der anarchistischen Bewegung aktiv und bekannt, durch  Texte und  andere Aktivit\u00e4ten.<br \/>\nWenn mensch sich z. b. das Strafma\u00df  von Vangelis Chrysochoidis und  Polykarpos Georgiadis ansieht, die f\u00fcr  das Entf\u00fchren eines  Industriebosses im Jahr 2008 zu 22 Jahren  verurteilt wurden, oder das  von Ilias Nikolau, der wegen eines  Brandanschlags auf eine  Polizeistation in Thessaloniki im August 2008  7,5 Jahre bekam, so sieht  die Zukunft f\u00fcr Bonanno und Stratigopoulos  weniger rosig aus.<\/p>\n<p>Bei all diesen Verhaftungen ist es wohl kaum zuf\u00e4llig, dass es sich   immer um Menschen handelt, die an eine befreite Gesellschaft glauben und   f\u00fcr diese auch kompromisslos k\u00e4mpften und auch weiterhin hinter  Gittern  daf\u00fcr k\u00e4mpfen werden. Das dann \u201ezuf\u00e4llig\u201c Menschen wie Lambros  Foundas  von Polizisten erschossen werden, scheint unglaubw\u00fcrdig.  Polizeikugeln  trafen ihn t\u00f6dlich, als er am 10. M\u00e4rz 2010 ein Auto  knacken wollte. Er  sei bewaffnet gewesen, so die Polizisten. Das nur  einen Monat sp\u00e4ter 6  Gef\u00e4hrtInnen festgenommen werden, denen  Mitgliedschaft in der  Stadtguerilla-Gruppe \u201eRevolution\u00e4rer Kampf\u201c  (Revolutionary Struggle)  vorgeworfen wird, kann auch hier wieder kein  Zufall sein. Eine Gruppe,  die jahrelang erfolgreich Staat und Kapital  durch militante Aktionen  sabotierte. Denn wie sich herausstellte, nahm  Lambros Foundas ebenfalls  an den Aktivit\u00e4ten von \u201eRevolution\u00e4ren Kampf\u201c  teil, wie 3 der  Verhafteten, Panayiota \u201cPola\u201d Roupa, Constantinos  \u201cCostas\u201d Gournas und  Nikolaos \u201cNikos\u201d Maziotis in einem 16-seitigen   Selbstbezichtigungsschreiben darlegten.<br \/>\nAm 17. September wurden  wieder einmal drei Gef\u00e4hrtInnen 150 km s\u00fcdlich  von Athen festgenommen.  Auch ihnen wird vorgeworfen, einen bewaffneten  Bank\u00fcberfall begangen zu  haben, obwohl keinerlei Beute oder irgendeine  Bewaffnung zum Zeitpunkt  ihrer Verhaftung vorlag. Einer der nun  Gefangengehaltenen, Michalis  Traikapis, geh\u00f6rte zu den Thessaloniki 7,  die w\u00e4hrend der Proteste um  den EU-Gipfel 2003, festgenommen wurden.  Anfang Oktober wurde ein  19j\u00e4hriger Gef\u00e4hrte in Thessaloniki unter dem  Vorwurf der Brandstiftung  (zu der er sich bekannte) verhaftet, wobei  noch 4 weitere Personen  gesucht werden.<br \/>\nDie Liste solcher F\u00e4lle wird nicht k\u00fcrzer, solange  die Regierung und die  Medien alles daran setzten, subversive  Zusammenh\u00e4nge zu  kriminalisieren. Derzeit sitzen ca. 25 AnarchistInnen,  neben unz\u00e4hligen  \u201esozialen\u201c Gefangenen, in griechischen Kn\u00e4sten.  Die  Summe f\u00fcr ihre  Unterst\u00fctzung bel\u00e4uft sich monatlich auf mehrere tausend  Euro.<\/p>\n<p>Es scheint eine Hexenjagd in Griechenland im Gange zu sein, in dessen   Visier AnarchistInnen und Antiautorit\u00e4re geraten, wobei nicht  vergessen  werden darf, dass die repressiven Ma\u00dfnahmen auf alle Teile  der  k\u00e4mpfenden Bev\u00f6lkerung zielen.<\/p>\n<p>Doch der Repression steht eine enorme Solidarit\u00e4t gegen\u00fcber. Sei es   durch die Besetzung von Fernsehstudios wie auf Kreta, durch die   Besetzung der Universit\u00e4ten, durch Demonstrationen und durch Anschl\u00e4ge.   Sei es durch den seit Sommer existierenden Gefangenen-Solidarit\u00e4tsfond   oder durch die Hungerstreiks in den griechischen Kn\u00e4sten. Letzterer   veranlasste die griechische Justiz dazu, dass Nikos Maziotis sein   neugeborenes Kind von Pola Roupa und ihm besuchen durfte.  Wie wir  diesen Artikel schreiben, befinden sich Nikos Maziotis und  Costas  Gournas seit dem 13. Oktober wieder im Hungerstreik, denn Costas  m\u00f6chte  in einen Knast verlegt werden, welcher n\u00e4her zu seiner Familie  liegt.  (Costa hat wegen seiner erfolgreichen Verlegung inzwischen seinen  HS  beendet. Red.)<br \/>\nGleichzeitig bekamen mehrere Athener Gef\u00e4hrtInnen,  Angeh\u00f6rige und  FreundInnen der wegen Mitgliedschaft im \u201eRevolution\u00e4rer  Kampf\u201c  Eingesperrten, Briefe von der Staatsanwaltschaft, die sie \u201ezu  Gespr\u00e4chen  einladen\u201c und zwar nach \u00a7 b 187 A P.K., was dem  Antiterrorparagraphen  entspricht.<\/p>\n<p>Das l\u00e4sst glauben, dass der Staat nicht vor hat, den Druck gegen die Unbeugsamen abzubauen.<\/p>\n<p>Aber die Leidenschaft f\u00fcr die Freiheit bleibt st\u00e4rker als jede Zelle!<\/p>\n<p>Anarchist Black Cross, Berlin<br \/>\n<a href=\"..\/\">www.abc-berlin.net<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Text gibt einen \u00dcberblick \u00fcber aktuelle Gefangene und deren K\u00e4mpfe in Griechenland, erschienen im Gefangenen.Info Nr. 358 Okt.\/Nov. 2010. Seit dem Aufstand im Dezember 2008 versucht der griechische Repressionsapparat die erstarkten subversiven Bewegungen zu zerschlagen. 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