{"id":4086,"date":"2011-05-17T09:18:03","date_gmt":"2011-05-17T08:18:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=4086"},"modified":"2014-12-19T19:11:13","modified_gmt":"2014-12-19T18:11:13","slug":"beitrag-von-billy-im-rahmen-des-kollektiven-hungerstreiks-in-knaesten-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/beitrag-von-billy-im-rahmen-des-kollektiven-hungerstreiks-in-knaesten-in-der-schweiz","title":{"rendered":"Beitrag von Billy, im Rahmen des kollektiven Hungerstreiks in Kn\u00e4sten in der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/marco-costa-billa-silvia-im-hungerstreik.jpeg\" rel=\"lightbox[4086]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-4091\" title=\"Solidarit\u00e4t mit den k\u00e4mpfenden Gefangenen - Marco, Costa, Billy &amp; Silvia im Hungerstreik - Solidarit\u00e4t mit den in der Schweiz inhaftierten Anarchisten Marco Camenisch, Luca (Billy) Bernasconi, Costantino Ragusa und Silvia Guerini\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/marco-costa-billa-silvia-im-hungerstreik-250x187.jpg\" alt=\"Solidarit\u00e4t mit den k\u00e4mpfenden Gefangenen - Marco, Costa, Billy &amp; Silvia im Hungerstreik - Solidarit\u00e4t mit den in der Schweiz inhaftierten Anarchisten Marco Camenisch, Luca (Billy) Bernasconi, Costantino Ragusa und Silvia Guerini\" width=\"175\" height=\"131\" \/><\/a><span class=\"dropcap\">S<\/span>eit dem 1. Mai 2011 befinden sich die vier in der Schweiz inhaftierten Anarchisten <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wer-ist-marco-camenisch\" target=\"_blank\">Marco Camenisch<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/inhaftierung-von-drei-anarchistinnen-in-der-schweiz\" target=\"_blank\">Luca (Billy) Bernasconi, Costantino Ragusa und Silvia Guerini<\/a> in einem kollektiven Hungerstreik. Jede\/r der vier wird f\u00fcr eine Woche den Knastfrass verweigern.<br \/>\nBilly hat sich kurz vor Beginn des Hungerstreiks mit einem Brief aus dem Knast gemeldet, \u00fcbersetzt wurde dieser von Marco Camenisch.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Beitrag zur gemeinsamen Initiative<br \/>\n1. Mai \u2013 28. Mai 2011<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>\u00dcbersetzt von Marco Camensich, Knast Lenzburg<\/em><\/p>\n<p>WissenschaftlerInnen und ForscherInnen, Industrien und Regierungen bewegen uns auf eine neue verheerungsvolle \u00c4ra zu: die digitale, der intelligenten Umwelten, der Effizienz des unendlichen Kleinen und der technowissenschaftlichen Konvergenz, die \u201eGrosses\u201c verspricht. Ein Zeitalter, das sich schon jetzt vor unseren Augen materialisiert, obwohl wir es noch als Sciencefiction wahrnehmen, das epochale Umw\u00e4lzungen mit sich bringen wird und das uns mit derselben Oberfl\u00e4chlichkeit vorgeschlagen wird, mit der sie uns das neuste TV-Modell, ein neues Handy oder x-\u201cKonsumg\u00fcter\u201c tagt\u00e4glich vorschlagen. Sie m\u00f6chten uns die Zukunft w\u00fcnschenswert machen und sprechen davon, wie etwa von einem Theaterst\u00fcck im Programm, wie von etwas, das wir entdecken werden wenn der Vorhang sich hebt und uns nur noch das Zuschauen \u00fcbrig bleibt.<\/p>\n<p>Die Industrie hat, wie immer schon, die in den letzten Jahrzehnten in der Gesellschaft aufkommenden Spannungen gut zu erfassen und wiederzuverwerten gewusst. Zuerst durch einen erschwinglichen Konsumismus, auch f\u00fcr die \u00e4rmeren Klassen der Gesellschaft, und nun durch einen \u201eneuen\u201c Konsumismus, der nur so strotzt von sozialem und \u00f6kologischem Verantwortungssinn, sodass auch Dissens zu Profit wird und es ihnen gelang, die Massen von den Strassen und K\u00e4mpfen f\u00fcr einen Umbruch in die Superm\u00e4rkte hinein zu versetzen, in die Warteschlange vor der Kasse, wo man sich sch\u00f6n gesittet den Lebensstil kaufen kann, den alle das Recht haben f\u00fcr sich auszuw\u00e4hlen. Eine fast messianische Operation, der Konvertierung zu einem bewussten Konsum und zur Hoffnung in die wissenschaftliche Forschung, die eine weitgehende Unterst\u00fctzung durch den Profi- und Lobby-Umweltschutz gefunden hat, der sich dem Trend mit jenem Eifer angeschlossen hat, der denen eigen ist, die zu ihrem neuen Jesus gefunden haben, dem man getrost das Schicksal des Planeten, die L\u00f6sung aller Ungerechtigkeiten und sie S\u00fchne aller S\u00fcnden anvertrauen kann. Also bitte, nach dieser langen Zeit rauchender Schlote und Industrieabfallverklappung direkt ins Meer ist es doch unm\u00f6glich ein Hightech-Zeitalter nicht willkommen zu heissen, das mit Gr\u00fcnem aus allen Poren nur so um sich schmeisst! Wieso den ForscherInnen kein Vertrauen schenken, die das versprechen, was wir f\u00fcr unm\u00f6glich hielten und in ihren Labors anscheinend den Heiligen Gral des ewigen Lebens und nachhaltigen Wohlstands entdeckt haben? Das ist ihre Botschaft, die sowohl von den Wirtschaftslobbys als auch von den Umweltlobbys lanciert wird, in peinlichem Einklang, der wie eine Gehirnw\u00e4sche daherkommt. Und trotzdem stellt sich die Frage, in diesem Alltag, wo wir unser Leben in einem Zement- und Asphaltlabyrinth fristen, wo unsere H\u00e4nde mehr Tasten und Bildschirme als andere H\u00e4nde und K\u00f6rper ber\u00fchren und streicheln und unser Geist eher in der Eventualit\u00e4t als in der unmittelbaren Wirklichkeit anwesend ist: von welchem Leben ist den die Rede? Was sind denn in diesem Begriff vom ewigen Leben die 50&#8217;000 nicht menschlichen Spezies, die wegen diesem \u201eFortschritt\u201c allj\u00e4hrlich ausgerottet werden? Und was heisst eigentlich Wohlstand? Die Haufen \u201eKonsumg\u00fcter\u201c, die sich in Superm\u00e4rkten und Konsummeilen der St\u00e4dte t\u00fcrmen und dazu bestimmt sind Abfall zu werden? Oder etwa die Lebenserwartung, die wir dadurch fast verdoppelt haben, indem wir jene \u201eAndere\u201c halbiert haben, die weit weg von uns wohnenden, von uns ausgebeuteten SubproletarierInnen, der Unzivilisierten, die wir kolonisiert haben oder der von uns gez\u00fcchteten und misshandelten Tieren? Ist es diese Sklaverei- und Abfallgesellschaft, die wir nachhaltig und auf ewig reproduzierbar machen wollen? Denn der sch\u00e4dliche Charakter dieser technoindustriellen Gesellschaft liegt nicht nur im Schaden, den sie der menschlichen Gesundheit und der als touristische Ausstattung betrachteten Umwelt zuf\u00fcgt, ein Schaden, den sie im Rahmen von Grenzwerten und j\u00e4hrlich zugelassenen Dosismengen zu halten versuchen. Ganz im Gegenteil sind Klimawandel, Feinstaub, Bodenradioaktivit\u00e4t und die Folgen f\u00fcr unsere Gesundheit bloss die offensichtlichsten Auswirkungen und Anzeichen der vom Metropolenleben, den verbreiteten Metropolen, den Infrastrukturen der Industrieproduktion und des Massenkonsumismus dargestellten Sch\u00e4dlichkeit. Die Sch\u00e4dlichkeit ist dieses Industriesystem selbst, das Autonomie und Selbstbestimmung raubt, um alle und alles der Produktion von Dienstleistungen und Schrott zu unterwerfen. Die Anzeichen einer Krankheit mit der eigentlichen Krankheit zu verwechseln bringt nichts, f\u00fchrt zu keinen L\u00f6sungen. Folglich heisst die Weiterf\u00fchrung des Kampfes gegen die Folgen des industriellen Systems, anstatt Kampf gegen das Industriesystem an sich bloss, dass die weitere Zerst\u00f6rung von Gebieten und \u00d6kosystemen von Gemeinschaften und Spezies zugelassen wird, und das einem geringen Prozentsatz aller BewohnerInnen dieses Planeten weiter zu erm\u00f6glichen an ihrem eigenen \u00dcberfluss zu sterben. Die Forderungen nach einer \u00f6kosolidarischen oder nachhaltigen Wirtschaft, anstatt der aktuellen neoliberalen, f\u00fchrt auch nicht viel weiter; das Lebende wird weiter reifiziert und das Existierende weiter kommerzialisiert und der Marktwirtschaft zum Fressen vorgeworfen, die Richtung wird dieselbe bleiben, n\u00e4mlich schnurstracks in den sozialen und \u00f6kologischen Kollaps hinein. Und wenn der gesellschaftliche Zusammenbruch an diesem Punkt schon fast als Hoffnung betrachtet werden kann, um von Null an neu aufzubrechen, um uns der F\u00e4ulnis der Institutionen und der solchen ben\u00f6tigtenden Mentalit\u00e4t zu entledigen, damit wir die aufrichtige und spontane Solidarit\u00e4t unter Individuen endlich entwickeln, so k\u00f6nnen wir uns keinesfalls den \u00f6kologischen Kollaps leisten. Entgegen allem Geschw\u00e4tz der Pfaffen oder TranshumanistInnen, unser Schicksal ist und bleibt das Schicksal der Erde.<br \/>\nL\u00e4ngs der gesamten Geschichte strebten die M\u00e4nner und Frauen aller Zeiten nach einem freien, selbstst\u00e4ndigen und selbstbstimmten Leben. Ein Streben, das immer gegen M\u00e4chte (Herrschaften und Regierungen, wirtschaftliche und politische M\u00e4chte) prallte, die hingegen immer das Ziel hatten, die Kontrolle, den Besitz und den Missbrauch \u00fcber das Leben anderer an sich zu reissen. Die uns aus den B\u00fcchern bekannte Geschichte kann als chronologische Entwicklung dieser Machtgier betrachtet werden, die von den antiken Zivilisation bis heute sich immer st\u00e4rker verbreitet, strukturiert, verfeinert und konzentriert hat. Paradox ist, dass im Zeitalter, das sich wie noch nie mit der Etikette Freiheit voll klebt, diese Beherrschung die M\u00f6glichkeit hat den Kreis zu schliessen, total zu werden, und das dank dem Beitrag von \u201eGr\u00f6ssen\u201c der Wissenschaft, durch die Kontrolle des unendlichen Kleinsten der Bausteine des Lebens m\u00f6glich wurde: der Gene und der Materie.<br \/>\nLeider ist jene Idee so verbreitet wie krankhaft, die den modernen Wissenschaften und den von diesen stammenden Technologien eine neutrale und wesentlich positive Rolle in der Geschichtsentwicklung zu spricht, w\u00e4hrend diese hingegen schon an sich Tr\u00e4gerInnen einer Unterscheidung sind, als Ausdruck einer Kultur, die sich selbst ins Zentrum des Universums gestellt hat, ihre Werte als \u00fcberlegen und folglich allgemeing\u00fcltig definiert hat, und die alles was \u201eanders\u201c war zur Ressource zu ihren Diensten gemacht hat. Wissenschaft und Technologie als neutral zu definieren ist nur schon angesichts ihres erdr\u00fcckenden Beitrags, den sie zur Verbreitung und Auferlegung unseres sozialen und wirtschaftlichen Modells auf beiden Halbkugeln geleistet hat, gelinde gesagt naiv. Diese angebliche Neutralit\u00e4t ist eher eine gutm\u00fctige Fratze, die der technoindustriellen Gesellschaft zum Heiligenschein einer nat\u00fcrlichen Evolution verhilft, um sie uns besser als unausweichbar zu verkaufen. Bio- und Nanotech, die und die Medien und Institutionen als vom Himmel geschenkte und gefallene Entwicklung-Manna zu verdealen versuchen, die alle Probleme der Erde l\u00f6sen und sie eilig retten wird, stellen ganz im Gegenteil f\u00fcr das industrielle und technologische System die Chance dar, sich v\u00f6llig neu zu definieren und seine Herrschaft in der Chancenlosigkeit zu verankern , die wir alle haben werden um uns der Abh\u00e4ngigkeit von seiner Produktion, seinen Infrastrukturen\/Institutionen und seinen Technologien zu entziehen.<br \/>\nEin Beispiel mehr dieses modernen Jochs, der durch die Gewohnheit des Tragens unserer Wahrnehmung entzogen wurde, liefern uns die j\u00fcngsten News \u00fcber die steigenden Preise f\u00fcr Nahrungsmittel als Bedrohung durch neue Hungersnot der V\u00f6lker Asiens und Afrikas und nicht nur. Preisanstieg als einen der Funken, welche die Revolten ausgel\u00f6st haben und nicht aufh\u00f6ren den Fl\u00e4chenbrand in den arabischen L\u00e4ndern zu n\u00e4hren&#8230; Wie immer sind die WirtschaftswissenschaftlerInnen mit prompten Rechtfertigungen zur Stelle, die ihren wirtschaftlichen Gesetzm\u00e4ssigkeiten wie immer so sch\u00f6n entsprechen, mit denen sie seit Jahrhunderten versuchen f\u00fcr die erpresserischen Sklaverei des Kapitals einen nat\u00fcrlichen Ursprung herbeizureden. Sie geben der D\u00fcrre in China, dem zu vielen Regen in Indien, den \u00dcberschwemmungen in Australien oder den Fl\u00e4chenbr\u00e4nden in Russland die Schuld. Manche geben auch \u201eSpekulation\u201c auf den Warenm\u00e4rkten zu, als w\u00e4re das verwunderlich und zum Kopfsch\u00fctteln&#8230; F\u00fcr sie, die Regierungen, die Welt der Wissenschaft und Wirtschaft ist, selbstverst\u00e4ndlich, wieder einmal die Natur f\u00fcr die x-te aufkommende Nahrungsmittelkrise die Schuld, diese ach so unvollkommene und irrationale Natur und niemals der Kapitalismus, der den Gemeinschaften die Ern\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t geraubt, und die B\u00f6den, W\u00e4lder, Gew\u00e4sser und auch das Leben von Milliarden von Unterdr\u00fcckten der Pl\u00fcnderung durch Regierungen und Industrie ausgeliefert hat. Ihre L\u00f6sung wird die ewig gleiche sein, Kampf(?) dem Hunger auf der Welt durch Erh\u00f6hung der Produktion, ihre Rationalisierung und Technologiesierung &#8230; und eine weiter Ausbreitung des Industriesystems, dieses Parasiten, der uns die gesellschaftliche und \u00f6kologische Verheerung gebracht hat und mit dem wir zusammenleben m\u00fcssen. \u00c4hnlicherweise in Europa, wo Regierungen und Agrobusiness immer mehr Druck aufsetzen, sich mit wissenschaftlichen Grundlagen stark machen die ihnen nicht widersprechen, um die endg\u00fcltige Vermarktung der GVO durchzusetzen. Ein institutioneller aber auch sehr praktischer Druck durch \u201ezuf\u00e4llige\u201c Kontaminierungen mit GVO-Samen plus des Werks der Medien und Lobbys um uns die Hightechzukunft w\u00fcnschenswert zu machen. Was ein klarer Wink mit dem Zaunpfahl ist ja bequem im Sofa zu bleiben und resigniert zu warten bis der Vorhang aufgeht.<\/p>\n<p>Bio- und Nanotech und die Entwicklung des Nuklearen nisten in unserem Alltag eine Sch\u00e4dlichkeit ein, deren Tragweite sowohl der Verbreitung als auch der Bedrohung in der Geschichte neu ist. Angesichts der \u00d6kosysteme \u00fcber und unter dem Wasser und ihres krassen Zustandes bleiben wahrlich keine Ausfl\u00fcchte mehr \u00fcbrig um abzuwarten, dass \u201ejemand\u201c etwas unternimmt oder das Bewusstsein der Menschen endlich erwacht.<br \/>\nDieser Hungerstreik ist um sich einmal mehr drinnen als KomplizInnen der K\u00e4mpfe draussen zu f\u00fchlen. Um der Resignation einen Tritt zu verpassen. Denen drinnen wie draussen ein L\u00e4cheln, die uns von Angesicht zu Angesicht sehen m\u00f6chten. Euch draussen eine feste Umarmung, auch den verhafteten Genossen von Bologna, den Schlaflosen CastorblockiererInnen in der ValSusa und allen \u00fcberall, die weiter nicht weichen.<br \/>\nF\u00fcr Tier- und Erdbefreiung!<\/p>\n<p>Billy, aus dem Knast des sozialen Friedens, der 29. April 2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit dem 1. 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