{"id":4114,"date":"2011-05-17T23:52:19","date_gmt":"2011-05-17T22:52:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=4114"},"modified":"2011-05-18T00:11:52","modified_gmt":"2011-05-17T23:11:52","slug":"zur-kriminalisierung-antifaschistischer-strukturen-in-sachsen-und-brandenburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/zur-kriminalisierung-antifaschistischer-strukturen-in-sachsen-und-brandenburg","title":{"rendered":"Zur Kriminalisierung antifaschistischer Strukturen in Sachsen und Brandenburg"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Bullenrazzia-im-Wohnprojekt-Praxis-in-Dresden.jpg\" rel=\"lightbox[4114]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-4117\" title=\"Bullenrazzia im Wohnprojekt Praxis in Dresden am 3. Mai 2011\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Bullenrazzia-im-Wohnprojekt-Praxis-in-Dresden-250x167.jpg\" alt=\"Bullenrazzia im Wohnprojekt Praxis in Dresden am 3. Mai 2011\" width=\"200\" height=\"134\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Bullenrazzia-im-Wohnprojekt-Praxis-in-Dresden-250x167.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Bullenrazzia-im-Wohnprojekt-Praxis-in-Dresden.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><em>Am 12. April 2011 durchsuchten das LKA und dazu geh\u00f6rige B\u00fcttel in blau 20 Wohnungen und Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume in Sachsen und Brandenburg. Die Dresdner Staatsanwaltschaft wirft den 17 Beschuldigten die Bildung &#8220;krimineller Vereinigungen&#8221; nach \u00a7129 vor, sie sollen an mehreren \u00dcbergriffen auf Nazis in Dresden beteiligt gewesen sein.<br \/>\nDrei Wochen sp\u00e4ter durchsuchten am 3. Mai 2011 ca. 150 Bullen das Wohnprojekt &#8220;Praxis&#8221; in Dresden, welches urspr\u00fcnglich im Rahmen der Razzien am 12. April schon auf ihrer Liste stand. Der Vorwurf gegen einzelne BewohnerInnen, Mitglieder einer kriminellen Vereinigung zu sein, reichte den Bullen auch in diesem Fall erneut aus, um antifaschistische Strukturen zu kriminalisieren.<br \/>\nAuch wenn wir den L\u00fcgen der Staatsorgane wenig Glauben schenken, so erstaunt uns die Dreistigkeit ihrer Repressalien  immer wieder. Antifaschismus, in welcher Form auch immer, zu kriminalisieren hei\u00dft faschistischen Ideen Raum zur Entfaltung zu gew\u00e4hrleisten. Ganz allein an uns liegt es fernab von Staats-und Parteiinteressen, diesem braunem Treiben ein Ende zu bereiten&#8230; <\/em><!--more--><br \/>\n<em>Folgend zwei Texte vom <a href=\"http:\/\/www.libertaeres-netzwerk.info\/\" target=\"_blank\">Libert\u00e4ren Netzwerk Dresden<\/a>, ein Redebeitrag, der sich mit dieser repressiven Welle befasst und die Pressemitteilung zur Durchsuchung im Wohnprojekt &#8220;Praxis&#8221;.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ein Redebeitrag zu der Demonstration gegen die Repression<\/strong><\/p>\n<p>Am Donnerstag den 21. April fand in Dresden  eine Demonstration gegen die Hausdurchsuchungen im Zuge eines \u00a7129  Verfahrens gegen AntifaschistInnen aus ganz Sachsen statt. Unter anderem  wurde folgender Redebeitrag verlesen:<\/p>\n<p><strong>Razzien, Extremismus, Abschiebungen<\/strong><\/p>\n<p>Am   Dienstag den 12. April ist Landeskriminalamt, Staatsanwaltsschaft und   Polizei ein Schlag gegen den immer gef\u00e4hrlicher werdenden   Linksextremismus in Sachsen gelungen. 17 Wohnungen wurden in den fr\u00fchen   Morgenstunden durchsucht. Die Demokratie wehrt sich (endlich) gegen  ihre  Feinde, die die garantierten Grundrechte\u00a0 f\u00fcr ihre Zwecke  missbrauchen.  Derart l\u00e4sst sich die offizielle Lesart der Ereignisse  zusammenfassen &#8211;  eine Lesart, die von den meisten Medien unreflektiert  \u00fcbernommen wird ((z.B.: <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/razzia-bei-linksextremen-gezielt-und-brutal-1.1084484\" target=\"_blank\">S\u00fcddeutsche Zeitung<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,756479,00.html\" target=\"_blank\">Spiegel-Online<\/a><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/0,1518,756479,00.html\" target=\"_blank\"><\/a>)).  Dramatische Bilder werden ausgegraben: Man sieht  einen gro\u00dfen  Pflasterstein, mit dem die Scheiben eines Nazibusses  eingeworfen wurden  und einen Nazi mit abgerissenen Ohr. All dies  geschah irgendwann in den  vergangenen zwei Jahren, irgendwo in Sachsen.  Damit scheint das Ende des  &#8220;\u00f6ffentlichen Interesses&#8221; erreicht. Alles  passt ins Bild.<\/p>\n<p>Es  bleiben jedoch viele ungefragte Fragen, die  geeignet sein k\u00f6nnten das  Weltbild des &#8220;demokratischen Staatsb\u00fcrgers&#8221;  etwas ins Wanken zu bringen.  Einige sollen hier aufgeworfen werden: Was  wird den Beschuldigten  vorgeworfen? Was f\u00fcr eine Verbindung besteht  zwischen den Beschuldigten  aus ganz Sachsen und den begangenen  Straftaten der letzten zwei Jahre?  Was wurde beschlagnahmt? Was f\u00fcr  eine Verbindung besteht zwischen dem  B\u00fcndnis Dresden Nazifrei, dem Haus  der Begegnung, einer Anwaltskanzlei  und Straftaten in ganz Sachsen  innerhalb der letzten zwei Jahre? Gegen  welche kriminelle Vereinigung  wird \u00fcberhaupt ermittelt? Wer sind die  Linksextremisten und wer  bestimmt, ob sie welche sind? Was hat es f\u00fcr  Konsequenzen als Extremist  eingestuft zu sein?<\/p>\n<p>Den Beschuldigten  wird vorgeworfen Teil  einer kriminellen Vereinigung nach \u00a7129 StGB zu  sein, die eine Vielzahl  von Straftaten begangen haben soll. Damit ist  der Bewei\u00df, der von den  Ermittlungsbeh\u00f6rden zu erbringen sein wird,  dreigliedrig: 1. Muss  festgestellt werden, ob die vermutete kriminelle  Vereinigung denn  existiert. 2. muss der &#8220;kriminellen Organisation&#8221;  nachgewiesen werden,  dass die genannten Straftaten von ihr begangen  wurden. 3. muss den  Beschuldigten nachgewiesen werden, dass sie dieser  vermeintlichen  Vereinigung angeh\u00f6rten. Es muss also keine direkte  Verbindung zwischen  Beschuldigten und Straftaten bestehen, um ihnen  diese zur Last zu  legen. \u00dcber den Verdacht auf Mitgliedschaft in einer  kriminellen  Vereinigung hinaus wird bis zum jetzigen Zeitpunkt auch kein  weiterer  Tatverdacht den Einzelnen zur Last gelegt.<\/p>\n<p>Der Sinn von   Hausdurchsuchungen als Mittel der polizeilichen Ermittlungen sollte es   sein den Verdacht mit weiteren Beweisen zu erh\u00e4rten. Worin die Beweise   bezogen auf konkrete Straftaten in diesem Fall bestehen k\u00f6nnten ist   unklar. So bleibt jedoch im Sinne des \u00a7129 die M\u00f6glichkeit Verbindungen   zwischen Menschen und die Gesinnung der Betroffenen als Indizienbeweis   aufzudr\u00f6seln. Diese Sprache sprechen auch die haupts\u00e4chlich   beschlagnahmten Gegenst\u00e4nde: Handys, Computer, Textilien mit politischen   Aufdrucken und Aufkleber. Jedoch wurde in einem Fall zum Beispiel auch   eine fest eingebaute Reckstange als m\u00f6gliche Tatwaffe beschlagnahmt.   Derartige Konfeszierungen m\u00f6gen jedoch eher zur Pr\u00e4sentation bei einer   Pressekonferenz, wie die Zaunlatten nach den Ereignissen vom 19. Februar   2011, als vor Gericht eine Bewandnis erlangen.<br \/>\nInteressanterweise   erfolgten die neusten Razzien unter dem selben Aktenzeichen wie die   St\u00fcrmung der R\u00e4umlichkeiten des &#8220;Haus der Begegnung&#8221; und von  Vereinsr\u00e4umlichkeiten am Abend des 19. Februar. Gibt  es also eine  kriminelle Verschw\u00f6rung zwischen gewaltt\u00e4tigen  Demonstranten, Vereinen  und den diversen zivilgesellschaftlichen  Akteuren des Dresden Nazifrei  B\u00fcndnisses, die seit zwei Jahren  militanten Aufruhr sch\u00fchrt? Diese  Theorie taugt vorz\u00fcglich f\u00fcr das  Format phantasievoller Internetseiten  rechter Zusammenh\u00e4nge. F\u00fcr ein  strafrechtliches Ermittlungsverfahren in  einem &#8220;Rechtsstaat&#8221; erscheint  diese Theorie jedoch zumindest als in  hohem Ma\u00dfe unseri\u00f6s. Falls sich  die Justiz nicht in allen Instanzen auf  einen politisch motivierten  Gesinnungsprozess einl\u00e4sst, wird die  Anklage sicherlich vor Gericht  scheitern, das wissen auch die Kl\u00e4ger.  Statistisch gesehen enden nur 1%  der Verfahren nach \u00a7 129 mit einer  Verurteilung. ((siehe Wikipedia \u2192 Kriminelle Vereinigung)) Der Sinn der  Ermittlungen liegt also eher darin  einzusch\u00fcchtern, Macht zu  demonstrieren und Informationen zu  beschaffen.<\/p>\n<p>Vorrangig suchen  die Ermittlungsbeh\u00f6rden nicht  einzelne Straftaten aufzukl\u00e4ren, sondern  einen Schlag gegen die  sogenannte &#8220;linksextreme Szene&#8221; zu f\u00fchren. Der  Ansatz findet sich in  der breiten Streuung der Durchsuchungen wieder.  Der Rahmen des  Verfahrens ist tats\u00e4chlich derart diffus abgesteckt, dass  schon der  pers\u00f6nliche Kontakt einzelner Beschuldigter zu anderen  Personen  ausgereicht hat, um zu weiteren, vermutlich komplett  rechtswidrigen  Durchsuchungen in deren R\u00e4umlichkeiten zu f\u00fchren.  Dementsprechend  schwer f\u00e4llt es die kriminelle Vereinigung beim Namen zu  nennen, was in  den Medien auch gar nicht probiert wird. Es soll hier  dennoch eine  Benennung gefunden werden: Von staatlichen Beh\u00f6rden  unabh\u00e4ngiges,  antifaschistisches Engagement. Diese Gruppe umfasst: 1. &#8220;Linksextremisten&#8221;, 2. Vereine und Initiativen, die sich unabh\u00e4ngig   antifaschistisch engagieren und 3. Sympathisanten vorher benannter   Gruppierungen.<\/p>\n<p>Die Bezeichnung &#8220;Linksextremist&#8221; wird meist   unkommentiert in der \u00f6ffentlichen Debatte \u00fcbernommen, als handele es   sich um eine klar bestimmbare Gruppe &#8211; so selbstverst\u00e4ndlich vom &#8220;rechtschaffenen B\u00fcrger&#8221; zu trennen wie Auberginen von Sauerkraut. Tats\u00e4chlich definiert eine Beh\u00f6rde der Exekutive diese Gruppe nach   pseudowissenschaftlichen, selbstverfassten Kategorien: der   Verfassungsschutz. Die Einordnung ist weder gesetzlich verankert noch   erfolgt sie in einem juristischen Verfahren. Sie verl\u00e4uft an den   Betroffenen vorbei, ohne dass diese auch nur in Kenntnis gesetzt w\u00fcrden.   Man k\u00f6nnte sagen die Einordnung \u00e4hnelt einem Schufa-Eintrag. Die   Konsequenzen hingegen werden sehr schnell sp\u00fcrbar, da die Einstufung   Polizei und Beh\u00f6rden \u00fcber interne Datenbanken sofort zug\u00e4nglich wird. ((siehe <a href=\"http:\/\/www.akdatenbanken.de\/\" target=\"_blank\">www.akdatenbanken.de<\/a>))   Dies f\u00fchrt zu einer diskriminierenden Behandlung bei Kontakt mit   staatlichen Stellen &#8211; sei es bei einer Verkehrskontrolle, einer   Versammlung, sei es vor Gericht, wo Verfahren nicht mehr eingestellt   werden d\u00fcrfen, sei es bei Beantragung von Visa oder F\u00f6rdergeldern.<\/p>\n<p>In der \u00d6ffentlichkeit ist diese Brandmarkung hinreichend um die   Betroffenen aus sachlichen Diskussionen auszuschlie\u00dfen oder wie im Falle   der aktuellen Repressionen das staatliche Vorgehen an keinem Punkt  mehr  in Frage zu stellen. Reagieren die Gebrandmarkten ihren  Erfahrungen  entsprechend abweisend bis feindlich den Beh\u00f6rden  gegen\u00fcber, wird ihnen  das Verhalten als Beweis f\u00fcr ihre extremistischen  Umtriebe angedichtet.  Um die Behauptungen mit etwas Leben zu f\u00fcllen,  folgt ein kurzes, reales  Beispiel. Unz\u00e4hlige weitere k\u00f6nnten genannt  werden.<br \/>\nEine anerkannte  Person der politischen \u00d6ffentlichkeit in der  Dresdner Neustadt erh\u00e4lt  kurz vor der BRN ein Schreiben der Polizei.  Darin wird sie aufgefordert,  den Feierlichkeiten des Stadtteilfestes  fernzubleiben. Man wisse um  ihre Einstellungen und habe ihr Handeln  genau im Blick. Die Betroffene  reagiert erstaunt und beschwert sich bei  der lokalen Polizei \u00fcber den  Brief. Auch diese ist erstaunt \u00fcber das  Schreiben. Schlie\u00dflich sieht die  Betroffene nicht jugendlich,  gewaltbereit und \u00fcberhaupt wie ein  Extremist aus. Weitere  Nachforschungen ergeben, dass eine Einstufung als  &#8220;Gewaltt\u00e4ter Links&#8221;  nach einer Sitzblockade gegen einen Naziaufmarsch  einige Jahre zuvor  Ausl\u00f6ser dieses Briefes ist. Alle ca. 50  TeilnehmerInnen der  Sitzblockade wurden entsprechen eingestuft. Der  Betroffenen gelingt es  den Eintrag l\u00f6schen zu lassen. Den meisten  anderen, so sie von der  Eintragung wussten, mag dies kaum gelungen sein.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck  zu den  aktuellen Ereignissen. Die Vorf\u00e4lle in Sachsen reihen sich in  diverse  undemokratische Ma\u00dfnahmen staatlicher Stellen zur totalit\u00e4ren   Gleichschaltung der Gesellschaft ein. Getragen wird die Entwicklung von   konservativen Organisationen und Wirtschaftsverb\u00e4nden in der gesamten   Europ\u00e4ischen Union. Verschw\u00f6rungstheorie? Zu weit aus dem Fenster   gelehnt? Keines Falls. Bei allen lauen Demokratiebekenntnissen in   feierlichen Reden an die &#8220;Nationen&#8221; sprechen die Fakten eine andere   Sprache. Berurteilen wir die Politik nach den Taten.<\/p>\n<p>Es wurden   unz\u00e4hlige Freiheiten zum &#8220;Schutz vor islamischen Terroristen&#8221;   eingeschr\u00e4nkt und beh\u00f6rdliche Befugnisse erweitert. Wo sind die   Terroristen? Die einzige Verwendung der neuen Gesetze liegt in   Bespitzelung und Repression von oppositionellen Bewegungen &#8211; seien es   Proteste gegen Stuttgart 21 oder Atomkraftwerke, G8\/Nato-Gipfeltreffen   oder Naziaufm\u00e4rsche.<\/p>\n<p>Die rechtlichen Grundlagen f\u00fcr   Internetzensur sind gelegt. Die Zensur hei\u00dft aber nicht Zensur, sondern   &#8220;Kampf gegen Kinderpornografie&#8221; und Jugendmedienschutz-Staatsvertag   (JMStV). Es gibt Sperrlisten f\u00fcr Webseiten, aber der neue   Hauptmechanismus verl\u00e4uft deutlich perfider: Das Internet in der EU   kontrolliert sich selbst, denn jeder haftet f\u00fcr alles. Die   Seitenbetreiber haften f\u00fcr die Kommentare sowie f\u00fcr die Inhalte   verlinkter Seiten und auf diesen Seiten verlinkte Seiten. Die Hoster   wiederum f\u00fcr alle gehosteten Seiten. Pressefreiheit f\u00fcr alle weicht der   Angst vor horrenden Klagen. Der JMStV wird aufgrund einer Ablehnung des   Nordrhein-Westf\u00e4lischen Landtags am 16. Dezember 2010 derzeit neu   verhandelt. Ob sich damit seine Aussage \u00e4ndert bleibt abzusehen. ((siehe Wikipedia \u2192 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag))<\/p>\n<p>Es   vergeht kaum eine Woche, in der nicht von regierenden Politikern oder   anerkannten Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens gegen   minderverwertbare Gruppen der Gesellschaft gehetzt und Angst verbreitet   wird. Migranten (= \u201eIllegale\u201c, \u201eIntegrationsunwillige\u201c), Arbeitslose(=   \u201eSozialschmarotzer\u201c), politisch Engagierte (= \u201eChaoten\u201c, \u201eExtremisten\u201c)   und Jugendliche (\u201everwahrloste Jugendbanden\u201c) stehen vorne auf der   Agenda. Zu viele Journalisten h\u00e4ngen an den Lippen dieses   Personenkreises, schreiben ab oder lassen sich auf die vordiktierten   Diskussionen ein, statt selber Fragen aufzuwerfen. Die Aff\u00e4re Sarrazin   war ein trauriger H\u00f6hepunkt dieser Mechanismen.<\/p>\n<p>Kaum ein Monat   vergeht, an dem nicht verfassungswidrige Gesetze erlassen werden. Sie   werden in der Regel durch das Bundesverfassungsgericht au\u00dfer Kraft   gesetzt. Statt zu fragen, wie es sein kann, dass die Regierung   verfassungsfeindliche Gesetze erl\u00e4sst, wird dem Gericht Einmischung in   die Politik vorgeworfen. Ein sehr Aktuelles Beispiel ist die Ablehnung   des neuen S\u00e4chsischen Versammlungsgesetzes durch das Verfassungsgericht   am 19. April, dass trotz heftiger Kritik von Juristen durch in aller   Schnelle durch den Landtag gewunken wurde. ((z.B.: <a href=\"http:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/8485497.html\" target=\"_blank\">Mitteldeutscher Rundfunk<\/a>)) Als prominentes Beispiel   kann an das vorl\u00e4ufige Ende der Vorratsdatenspeicherung erinnert werden,   den Versuch die Bewegungsprofile aller Handybesitzer zentral zu   speichern.<\/p>\n<p>Die Extremismustheorie, obwohl wissenschaftlich stark   umstritten ((Vgl. Dr. Prof. Wolfgang Wippermann, Sistema Totalitario, Zur Kritik der Extremismustheorie)), wird staatlicherseits und in den Medien wie gottgegeben   akzeptiert und praktiziert. Sie hat sich als sehr m\u00e4chtiges Mittel zu   totalit\u00e4rer Gleichschaltung der Gesellschaft bewehrt. Sie erm\u00f6glicht es   dem Staat B\u00fcrger- und Menschenrechte individuell zu entziehen ohne die   Rechte an sich antasten zu m\u00fcssen. Mit der Gnade des  Verfassungsschutzes  darf kritisiert werden. Sie schafft Menschen  zweiter Klasse &#8211; st\u00f6rendes  bis gef\u00e4hrliches Ungeziefer. Die  Funktionsweise wurde oben bereits  konkret erl\u00e4utert. Viele Ma\u00dfnahmen im  Zuge der Extremismustheorie  konnten sich auch der Unterst\u00fctzung  &#8220;linker&#8221; Politiker sicher sein. Sie  werden als Ma\u00dfnahmen gegen  &#8220;Rechtsextremismus&#8221; \u00f6ffentlich angek\u00fcndigt.  Das Exekutive und Justiz  keine Unterscheidung zwischen &#8220;rechts&#8221; und  &#8220;links&#8221; kennen, wird f\u00fcr den  Populismus der Stunde gerne vergessen.  Au\u00dferdem wissen die  Entscheidungstr\u00e4ger, dass die Ausgrenzung sie selbst  als Personen des  \u00f6ffentlichen Lebens so schnell nicht treffen wird. Auf  der \u00f6ffentlichen  B\u00fchne zeigen sich Staat und Gesellschaft gerne  tolerant. Viele Vereine  blieben jedoch aufm\u00fcpfig und verhinderten eine  klare Abgrenzung der  &#8220;extremistischen&#8221; Zusammenh\u00e4nge. Sie waren h\u00e4ufig  Steigb\u00fcgelhalter f\u00fcr  staatskritische politische Forderungen. Um den 13.  Februar 2010 \/ 19.  Februar 2011 in Dresden trat eine Zivilgesellschaft  derart geschlossen,  selbstbewusst, unabh\u00e4ngig und kritisch auf, dass die  Versuche die  extremistischen Umtriebe ausfindig zu machen, in  pittoreske  Stottereskapaden der staatlichen Verantwortlichen m\u00fcndeten.  Das  Weltbild wird nun mit zweierlei Ma\u00dfnahmen zurecht gebogen. Zum einen   werden extremistische Untergrunddrahtzieher konstruiert; zum anderen   zwingt man die sich in Geldnot befindlichen Vereine f\u00fcr ihre F\u00f6rderungen   die sogenannte &#8220;Extremismusklausel&#8221; zu unterschreiben ((Dies wurde trotzdem von verschiedenen, engagierten Vereinen  abgelehnt.  So z.B. von dem Pirnaer Verein AKuBiZ e.V., vgl. <a href=\"http:\/\/www.libertaeres-netzwerk.info\/libertaeres-netzwerk\/presse\/mitteilungen-erklaerungen\/ablehnung-des-demokratiepreises-durch-das-akubiz\/\" target=\"_blank\">www.libertaeres-netzwerk.info<\/a>)). Konkret hei\u00dft   das: Entweder ihr schlie\u00dft oder ihr arbeitet nur noch mit vom   Verfassungsschutz genehmigten Personen zusammen. Eure Pressemitteilungen   m\u00fcssen vor der Ver\u00f6ffentlichung beh\u00f6rdlicherseits genehmigt werden.<\/p>\n<p>So   h\u00e4lt sich die aufgekl\u00e4rte, europ\u00e4ische Gesellschaft Menschen zweiter   Klasse. Aber es existieren auch jene dritter Klasse. Jene welche als   moderne Vogelfreie den Todesstreifen der europ\u00e4ischen Au\u00dfengrenze   durchquert und \u00fcberlebt haben. Wenn einem nicht die perfide Logik   \u00f6konomischer &#8220;Sachzw\u00e4nge&#8221; zu Kopf gestiegen ist, dann mag man sich   fragen, wie ein ganzer Mensch illegal sein soll. Der europ\u00e4ische B\u00fcrger   kann etwas illegales tun, der &#8220;Illegale&#8221; hingegen ist es per se. Die   Illegalen sind Unber\u00fchrbare. Wer ihnen hilft, begeht in den meisten   europ\u00e4ische L\u00e4ndern eine Straftat. Dem interessierten Leser ist zu   empfehlen sich \u00fcber die Lager von Malta zu informieren. Sie sollen hier   nicht beschrieben sein. Die Beschreibung w\u00fcrde unappetitlich und   \u00fcbertrieben erscheinen.<\/p>\n<p>In soweit w\u00e4ren einige Kritikpunkte   zusammengefasst. Fortfahren k\u00f6nnte man mit den internatonalen   Verwicklungen europ\u00e4ischer Konzerne, den Abgr\u00fcnden der radikalen   Marktwirtschaft oder europ\u00e4ischer Au\u00dfenpolitik. Hier k\u00f6nnen jedoch die   unmenschlichen Machenschaften der sogenannten &#8220;freien Welt&#8221; nur kurz   angerissen werden. Sie sollen uns nur folgendes mitgeben: Der Staat ist   nicht &#8220;gut&#8221;, sondern vertritt die politischen Ambitionen  einflussreicher  Zusammenh\u00e4nge. Der Staat ist (noch) nicht allm\u00e4chtig.  Es mangelt an  kritischer Presse und \u00d6ffentlichkeit. Es gibt keinen  Extremismus,  sondern verschiedene Vorstellungen menschlichen  Zusammenlebens. Es gibt  staatlich geschaffene oder akzeptierte Armut,  Unterdr\u00fcckung,  Ungerechtigkeit und Diskriminierung in der EU. Es  existieren totalit\u00e4re  Bestrebungen in der &#8220;Mitte&#8221; der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Erkenntnissen   m\u00fcssen Handlungen folgen. Gegen repressive Staaten und ungerechte   Wirtschaftssysteme sollten wir uns zu einer handlungsf\u00e4higen, bunten und   solidarischen Zivilgesellschaft zusammenschlie\u00dfen, die St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck   staatliche Handlungsbereiche ersetzt. Eine menschengerechte  Gesellschaft  kann nur in kleinen Schritten vom Individuum aus  entstehen. Alles  andere w\u00fcrde dem Individuum ein neues starres  Lebenskonstrukt  aufzwingen.<\/p>\n<p>Wenn staatliche Stellen und Parteien  jedoch der  Meinung sind diese Entwicklung durch willk\u00fcrliche  Kriminalisierungen und  Schmutzkampagnen unterbinden zu k\u00f6nnen, dann  m\u00fcssen die Aggressoren in  ihre Schranken verwiesen werden. Jetzt ist es  wichtig zusammenzustehen  und auf allen Ebenen den Konflikt auf die  Spitze zu treiben. Wichtig  bleibt dabei jedoch: Diese Bewegung darf  ihre eigenen Ideale nicht  verraten. Sie sollte selbstkritikf\u00e4hig und  inhomogen sein.<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t mit den kriminalisierten Aktivisten!<br \/>\nWeg mit der politischen Justiz!<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>PM: Dresden-L\u00f6btau, Hausdurchsuchung in libert\u00e4rem Hausprojekt<\/strong><\/p>\n<p>In den fr\u00fchen Morgenstunden des 03.05.2011 kam es erneut zu Razzien in  linken Strukturen Dresdens. Diesmal durchsuchte ein Gro\u00dfaufgebot von 150  Beamt*innen der Bereitschaftspolizei, des LKA und des SEK das libert\u00e4re  Hausprojekt \u201ePraxis\u201c. Grund f\u00fcr die Razzia waren Ermittlungen wegen der  Bildung einer kriminellen Vereinigung. Das Libert\u00e4re Netzwerk Dresden  wertet die heutige Ma\u00dfnahme, zusammen mit einem \u00fcberzogenen Einsatz am  1. Mai und vorherige Hausdurchsuchungen als Teil einer breiten  Einsch\u00fcchterungs- und Verleumdungskampagne.<\/p>\n<p>Gegen 4:30 Uhr wurden  Bewohner*innen der Columbusstra\u00dfe 9 auf mehrere M\u00e4nner aufmerksam, die  sich illegal Zutritt zum Hausflur ihres Geb\u00e4udes verschafft hatten und  in diesem mit Taschenlampen agierten. Wenige Minuten sp\u00e4ter umstellten  ca. 100 Beamt*innen der Bereitschaftspolizei das Geb\u00e4ude. Vermummte  Polizist*innen st\u00fcrmten mit Maschinengewehren zur Haust\u00fcr, die  gl\u00fccklicherweise vor der Zerst\u00f6rung ge\u00f6ffnet werden konnte. Im  Erdgeschoss wurden daraufhin mehrere Personen aus den Betten geholt und  zum Teil mit Kabelbindern gefesselt. Vier Personen wurden mit  vorgehaltener Maschinenpistole in einen Raum gef\u00fchrt. Dem Besitzer eines  Hundes wurde nach eigener Aussage mehrfach mit der Erschie\u00dfung des  Tieres gedroht.<\/p>\n<p>Von Seiten des LKA wurde den Anwesenden die  Begleitung der polizeilichen Ma\u00dfnahmen als Zeug*innen, ein verbrieftes  Recht zum Schutz vor polizeilicher Willk\u00fcr, untersagt. In den oberen  Etagen des Hauses wurde mehrfach versucht, verschiedene Wohnungst\u00fcren  einzurammen. Bewohner*innen wurden teilweise in ihren Wohnungen  bel\u00e4stigt, obwohl f\u00fcr diese R\u00e4umlichkeiten kein Durchsuchungsbeschluss  vorlag. Als Grund f\u00fcr die Durchsuchung wurde wie am 19.02. (in einem  Anwaltsb\u00fcro, dem Haus der Begegnung und verschiedenen Vereinsr\u00e4umen) und  am 12.04. (in verschiedenen Privat- und Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen) Ermittlungen  zur Bildung einer kriminellen Vereinigung angegeben. Zynisch ist dabei,  dass die Polizei nun stolz &#8220;Steine, die als Wurfgeschosse dienen  k\u00f6nnten&#8221; als Ermittlungserfolg pr\u00e4sentieren &#8211; dieselben Steine, die erst  durch die Unt\u00e4tigkeit der Polizei am 19. Februar von 250 Neo-Nazis auf  das Gel\u00e4nde geworfen wurden.<\/p>\n<p>Auch am 1. Mai kam es in den  Abendstunden zu \u00dcbergriffen von Seiten der Polizei; ein in den  Morgenstunden ge\u00f6ffneter Teil der nicht\u00f6ffentlichen Alaunparkfl\u00e4che  wurde von einer Hundertschaft der Leipziger Bereitschaftspolizei  ger\u00e4umt. Die feiernden Menschen an verschiedenen Lagerfeuern wurden nach  ihrer Aussage dabei mit einem martialischen Auftreten der Einsatzkr\u00e4fte  eingesch\u00fcchtert und anschlie\u00dfend mehrere Stunden im Parkareal  festgehalten.<\/p>\n<p>Die Ziele der staatlichen Ma\u00dfnahmen sprechen eine  klare Sprache, worum es dem LKA und der Staatsanwaltschaft geht;  durchsucht wurden Jugendvereine, ein Nachbarschaftsladen, das Projekt  &#8220;Praxis&#8221;, dass sich f\u00fcr selbstorganisierte Stadtteilpolitik einsetzt.  Mit einer Hundertschaft Bereitschaftspolizei wurde eine Fl\u00e4che gest\u00fcrmt,  die zur Selbstgestaltung und Interaktion einladen sollte. Es handelt  sich bei dem aktuellen Vorgehen nicht um einen Kampf gegen Gewalt,  sondern um einen gro\u00dffl\u00e4chigen Angriff auf alternative und  selbstbestimmte Lebenskultur, politische Eigeninitiative und  hierarchiekritische Konzepte.<\/p>\n<p>Als Menschen aus dem Libert\u00e4ren  Netzwerk m\u00f6chten wir dazu aufrufen, sich entschlossen gegen  Verleumdnungen zur Wehr zu setzen, sich nicht einsch\u00fcchtern zu lassen  und ihnen praktische Solidarit\u00e4t zuteil werden zu lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 12. April 2011 durchsuchten das LKA und dazu geh\u00f6rige B\u00fcttel in blau 20 Wohnungen und Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume in Sachsen und Brandenburg. Die Dresdner Staatsanwaltschaft wirft den 17 Beschuldigten die Bildung &#8220;krimineller Vereinigungen&#8221; nach \u00a7129 vor, sie sollen an mehreren&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[32],"tags":[237,174,151,236,708,235],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4114"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4114"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4114\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4130,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4114\/revisions\/4130"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4114"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4114"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4114"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}