{"id":4132,"date":"2011-05-18T12:32:47","date_gmt":"2011-05-18T11:32:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=4132"},"modified":"2011-05-18T16:12:33","modified_gmt":"2011-05-18T15:12:33","slug":"libyen-krieg-oder-aufstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/libyen-krieg-oder-aufstand","title":{"rendered":"Libyen: Krieg oder Aufstand"},"content":{"rendered":"<p><em>\u00dcbersetzt aus der 17. Ausgabe der in Belgien erscheinenden anarchistischen Strassenzeitschrift vom 24. April 2011, <\/em><em>gefunden auf <a href=\"http:\/\/andiewaisendesexistierenden.noblogs.org\/\" target=\"_blank\">andiewaisendesexistierenden.noblogs.org<\/a>.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong><em>Die Eroberung der Freiheit<\/em><\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/burning-picture-of-Libyan-leader-Muammar-Gaddafi.jpg\" rel=\"lightbox[4132]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-4136\" title=\"burning picture of Libyan leader Muammar Gaddafi\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/burning-picture-of-Libyan-leader-Muammar-Gaddafi-103x150.jpg\" alt=\"burning picture of Libyan leader Muammar Gaddafi\" width=\"103\" height=\"150\" \/><\/a>Die uns durch die offizielle Presse erreichenden Nachrichten \u00fcber die  Lage in Libyen, erz\u00e4hlen uns einzig eine Geschichte des Kriegs. Sie  erz\u00e4hlen uns eine Geschichte, die uns erschaudern l\u00e4sst:  Bombardierungen, Tote, Splitterbomben, Verletzte und Fl\u00fcchtlinge. Ist  der Aufstand in Libyen zu einer grossen Schreckensgeschichte geworden?  Bleibt jetzt, da sich die Lage versch\u00e4rft hat, nichts anderes mehr als  Krieg? Gibt es nichts anderes zu erz\u00e4hlen \u00fcber diese Ereignisse voller  St\u00e4rke, Mut und Durchsetzungsverm\u00f6gen von Menschen, die die Waffen  aufgenommen haben, um sich selbst und alle anderen vom Joch eines  Diktators zu befreien, der sie 42 Jahre lang unterdr\u00fcckte? Wir denken  schon. Dass uns die westlichen Medien aber weismachen wollen, dort sei  einzig ein blutiger Krieg in Gange, \u00fcberrascht uns nicht. Schliesslich  sehen sich der geld- und machtbegierige Westen und seine NATO gezwungen,  ihre Rolle als \u201cRetter des Libyschen Volks\u201d zu legitimieren. Dazu  m\u00fcssen sie die k\u00e4mpferische Realit\u00e4t der Aufst\u00e4ndischen verbergen und  uns vorspiegeln, diese Menschen seien v\u00f6llig hilflos und nichts anderes.  Doch lasst uns die Zeitungen der kapitalistischen Medien einmal  beiseite legen und versuchen, den Aufstand von Nahem zu betrachten.  Lasst und seine Geschichte suchen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n\u00dcber das, was sie die \u201cshebabs\u201d nennen, wird viel schlechtes gesagt  in \u201cunseren\u201d Zeitungen. Shebabs sind die Aufst\u00e4ndischen, die sich  weigern, sich in die neue milit\u00e4rische Struktur eingliedern zu lassen,  welche sich im befreiten Teil von Libyen gebildet hat. Man nennt sie  Verr\u00fcckte, Banditen, Leute, die nicht wissen, was sie tun, die den  milit\u00e4rischen Befehlen nicht gehorchen wollen, keine echten Rebellen.<\/p>\n<p>Doch diese Kreierung eines negativen Bildes der Aufst\u00e4ndischen hat  seine Konsequenzen. Nur im Tausch gegen die Anerkennung der  milit\u00e4rischen Struktur, im Tausch gegen die Bildung einer wirklichen  Armee k\u00f6nnen die Aufst\u00e4ndischen vom Westen Waffen erhalten. Ansonsten  gibt es nichts. Was der Westen von den Aufst\u00e4ndischen verlangt, ist, mit  anderen Worten, die Beendigung ihres Aufstands im Tausch gegen einen  Krieg. Schliesslich will der Westen seine Kontrolle \u00fcber das Land  behalten und verst\u00e4rken. Eine Kontrolle, die vor allem notwendig ist, um  der \u201cillegalen Immigration\u201d entgegenzutreten (die nun oft durch Libyen  verl\u00e4uft) und die \u00d6l- und Gasressourcen zu sichern. Ein Aufstand kann  nicht kontrolliert werden, ein Krieg schon.<\/p>\n<p>Eine klassische milit\u00e4rische Struktur impliziert, dass es Offiziere  und Gener\u00e4le gibt, die die strategischen Entscheidungen treffen, und  dass das Fussvolk, das Kanonenfutter, diese Befehle ohne nachzudenken  auszuf\u00fchren hat. Eine milit\u00e4rische Struktur bedeutet, Krieg zu f\u00fchren,  und in einem Krieg geht es einzig darum, den Feind auszuschalten. In  Libyen scheint jedoch etwas anderes, etwas viel tiefgreifenderes im  Gange zu sein. Zun\u00e4chst und vor allem sind die Shebabs kein  Kanonenfutter, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Sie weigern sich,  eine Armee zu werden, und dies zeigt, dass es f\u00fcr sie nicht bloss darum  geht, den Feind auszuschalten, sondern, dass sie f\u00fcr viel mehr am  K\u00e4mpfen sind: f\u00fcr Freiheit. Und seine Freiheit verliert man in dem  Moment, in dem man beginnt, Befehle von neuen Gaddafis zu schlucken.  Diese neuen Gaddafis, die geboren werden, diese neuen Bosse, die gerne  h\u00e4tten, dass andere auf ihre Befehle h\u00f6ren, die glauben, dass sich das  verfluchte Recht zuschreiben, andere zu regieren. Die Autorit\u00e4t mag zwar  durch eine wahnsinnige Figur wie den Diktator symbolisiert werden, doch  f\u00fcr die Eroberung der Freiheit ist gewiss nicht nur der Sturz dieses  Irren notwendig. Diese Eroberung geschieht im Moment, in dem man k\u00e4mpft.  Die Eroberung des <em>Jetzt <\/em>ist der einzige Weg nach einer freien  Zukunft. Den Befehlen der neuen libyschen Soldaten zu gehorchen,  bedeutet das Ende des Aufstands, das Einl\u00e4uten einer neuen Periode von  Unterwerfung und Gehorsamkeit. Und es steht so viel auf dem Spiel.<\/p>\n<p>Auch die vielschichtige Zusammenstellung der Aufst\u00e4ndischen zeigt uns  Spuren von etwas, das tiefer geht. Es handelt sich hier um Menschen  unterschiedlicher Herkunft, auch um Migranten. Im Bewusstsein, dass  Migranten in Libyen w\u00e4hrend der Jahre, die dem Aufstand vorangingen,  eine zweitrangige Stellung in der Gesellschaft hatten und sehr viel  Rassismus kannten, hat ihre Beteiligung einen sehr grossen Wert. Dass  sich die Unterteilungen zwischen diesen Bev\u00f6lkerungsgruppen verwischen,  bedeutet, dass ein Grundpfeiler der Gesellschaft am Wanken ist.<br \/>\nWie es mit den Frauen ist, wissen wir nicht. Aber wir k\u00f6nnen uns nicht  vorstellen, dass die H\u00e4lfte der Bev\u00f6lkerung von einem seit Wochen  andauernden aufst\u00e4ndischen Prozess ausgeschlossen sein soll. So oder so,  ihre Befreiung wird nur durch die Fortsetzung dieses Prozesses n\u00e4her  r\u00fccken. Die Hierarchien zwischen Mann und Frau k\u00f6nnen nur aufgehoben  werden, wenn es Raum daf\u00fcr gibt. Und dieser Raum kann sich nur \u00f6ffnen,  wenn der Aufstand weiter geht, wenn die Weigerung der Militarisierung  aufrechterhalten wird.<\/p>\n<p><strong>Selbstorganisation und Affinit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/kinderpower-gegen-Gaddafi.jpg\" rel=\"lightbox[4132]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-4152\" title=\"Kinderpower gegen Gaddafi\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/kinderpower-gegen-Gaddafi-250x183.jpg\" alt=\"Kinderpower gegen Gaddafi\" width=\"175\" height=\"128\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/kinderpower-gegen-Gaddafi-250x183.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/kinderpower-gegen-Gaddafi.jpg 400w\" sizes=\"(max-width: 175px) 100vw, 175px\" \/><\/a>Vor allem der Aufstand in der Stadt Misrata wird uns heute von den  Medien als grosse Schreckensgeschichte, als unm\u00f6glicher Kampf  pr\u00e4sentiert. Dennoch sind die K\u00e4mpfe in Misrata noch immer am Laufen und  wir wollen nach Worten suchen, um dar\u00fcber zu sprechen, nach Worten, die  mehr umfassen, als das Kriegsvokabular von \u201cNiederlage\u201d und \u201cSieg\u201d. Wir  wollen hier nicht verkennen, dass viele Menschen sterben, oder dass der  Kampf hart ist. Tats\u00e4chlich kann man sagen, dass man wenig von seinem  Aufstand hat, wenn man tot ist. Doch unsere Absicht ist hier, Licht auf  jene Dinge zu werfen, die am entstehen sind, die da unten, inmitten der  K\u00e4mpfe, die <em>Chance<\/em> haben, zu entstehen.<br \/>\nMehr noch, als man sagen kann, dass die NATO-Bombardierungen dem Kampf  der Aufst\u00e4ndischen in einem gewissen Masse eine Hilfe waren, kann man  sagen, dass von diesem nicht viel \u00fcbrig bleibt, dass es die  Aufst\u00e4ndischen sind, die verlieren, wenn der Kampf aus ihren H\u00e4nden  gerissen wird.<br \/>\nGehen wir etwas auf die Art und Weise ein, auf die sich die  Aufst\u00e4ndischen in Misrata organisieren. Wie \u00fcberall in Libyen verf\u00fcgen  sie nicht \u00fcber Waffen, die technologisch auf der H\u00f6he jener der Armee  von Gaddafi sind. Sie k\u00e4mpfen mit selbstgemachten Handgranaten,  Molotov-Cocktails, leichten Waffen, und dies gemischt mit Kreativit\u00e4t,  Mut und Solidarit\u00e4t. Sie bilden eine Stadtguerilla, die Gaddafi davon  abh\u00e4lt, die Stadt wieder einzunehmen. Die Aufst\u00e4ndischen kennen die  Stadt wie ihre Jackentasche, ihr Terrain ist wie ein feindliches  Labyrinth, in das die Truppen das Kolonels kaum einen Fuss zu setzen  wagen. Auf H\u00e4usern rund um die ber\u00fchmte Tripolis-Strasse hat die Armee  von Gaddafi Heckensch\u00fctzen postiert, doch viele von ihnen sterben, da  sie von den Aufst\u00e4ndischen vom Rest der Truppen abgeschnitten wurden und  keine Nahrung oder Wasser mehr haben, andere ergeben sich. Daher Gaddafis Bombardierungen und Splitterbomben, daher der Einsatz von  schweren Gesch\u00fctzen. Misrata kann nicht zur\u00fcckerobert werden, ausser  durch Terror: durch das Streuen von Bomben.<\/p>\n<p>Ein anderer Vorteil der Shebab ist, dass es sich dabei nicht um eine  Armee von anonymen Soldaten gegen\u00fcber der anonymen Armee von Gaddafi  handelt, sondern um Leute, die sich in kleinen Gruppen organisieren,  Menschen, die einander kennen und vertrauen. Keine anonymen Soldaten,  sondern Individuen, die sich gegen ihre jahrelange Unterdr\u00fcckung  organisieren. Individuen, die Seite an Seite gek\u00e4mpft haben und  weiterhin k\u00e4mpfen. Dies ist der Kampf der Shebab \u00fcberall in Libyen. Und  dabei geht es um viel mehr, als um den <em>milit\u00e4rischen Vorteil. <\/em>Es  geht um eine neue Art und Weise, mit einander in Beziehung zu treten:  nicht als Soldaten, sondern als Kameraden im Kampf gegen die  Unterdr\u00fcckung.<\/p>\n<p>Selbst wenn der Aufstand zerschlagen wird, k\u00f6nnte man noch immer  sagen, dass in einem gewissen Sinn die Aufst\u00e4ndischen gewonnen haben.  Sie haben den Kampf an Seite ihrer Freunde und Angeh\u00f6rigen erprobt: sie  haben einen Kampf erprobt, der die Individuen intakt l\u00e4sst, die sie  Menschen sein l\u00e4sst, Menschen, die sich weigern, sich von milit\u00e4rischen  Strukturen zerdr\u00fccken zu lassen, welche aus ihnen erneut gehorsame  Roboter machen wollen.<\/p>\n<p><strong>Solidarit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Durch den ganzen Aufstand in Libyen und auch durch die Erhebungen in  anderen L\u00e4ndern hindurch webt sich ein roter Faden der Solidarit\u00e4t. Die  Rebellen in Misrata haben sich aus Solidarit\u00e4t mit jenen von Benghazi  aufgelehnt. Sie weigerten sich auch, einen Deal mit Gaddafi zu  schliessen, der das Land in zwei Teile spalten sollte. Denn sie wissen,  dass sich auf dem Territorium von Gaddafi noch Aufst\u00e4ndische befinden,  und wollen diese nicht den Scheusslichkeiten des Kolonels \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch die Frage der Nahrung und des Wassers. Ein  anderer sch\u00f6ner Aspekt dieses Aufstands ist, dass der Wert des Geldes im  Moment dabei ist, zu verschwinden. Libyen ist ein Land, das zu grossen  Teilen vom Import von Lebensmitteln abh\u00e4ngt, und auch jetzt noch kommt  die Nahrung gr\u00f6sstenteils \u00fcber die \u00c4gyptische Grenze. Ebenso wie aus  \u00c4gypten, gilt auch in den St\u00e4dten, die in den H\u00e4nden der Aufst\u00e4ndischen  sind, und an der Front schlicht: wer kein Geld mehr hat, bezahlt nicht.<\/p>\n<p><strong>Aber wof\u00fcr k\u00e4mpfen sie?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist eine Frage, die sich viele stellen, und um ehrlich zu sein:  seufz\u2026 Man k\u00f6nnte ganze B\u00fccher mit der Beschreibung des diktatorischen  Regimes von Gaddafi f\u00fcllen. Aber einen Aspekt seines System wollen wir  kurz beleuchten, denn er zeigt uns etwas sehr bemerkenswertes und  sch\u00f6nes: Gaddafi regierte mit der Hilfe eines Grossteils der  Bev\u00f6lkerung, welcher f\u00fcr den Geheimdienst arbeitete. Ein System, das  jenem der Stasi im fr\u00fcheren Ostdeutschland gleicht. In anderen Worten:  ein System, in dem man seinem eigenen Bruder oder Nachbar lieber nicht  zu sehr vertraut. Denn jene, die f\u00fcr den Geheimdienst arbeiten, sind  \u00fcberall, und denunzieren alle, die sich gegen den Diktator aussprechen.  Abweichler werden zu Hause abgeholt und in unterirdische Gef\u00e4ngnisse  geworfen\u2026<br \/>\nUnd nun bricht in einem solchen Land ein Aufstand aus. Das Misstrauen  hat dem Vertrauen Platz gemacht. Sich Denunzieren hat sich in  solidarisch Sein verwandelt. Dass es in einem Land, das sich auf die  intimste Form von \u201cTeilen und Herrschen\u201d st\u00fctzte, zu einem Aufstand kam,  ist von unsch\u00e4tzbarer Bedeutung und Sch\u00f6nheit. Es sind die Beziehungen  unter den Leuten, die auf dem Spiel stehen; und diese Ver\u00e4nderung der  Beziehungen ist viel st\u00e4rker als die Bomben der NATO.<\/p>\n<p><strong>Und wir?<\/strong><\/p>\n<p>Hierzulande h\u00f6ren wir einzig von der NATO, von den diplomatischen  Schritten des Nationalrats ((Der Nationalrat wurde in dem befreiten Teil Lybiens mit dem Ziel gebildet, um diplomatische Unterhandlungen mit der UNO, der NATO, der  EU und der Afrikanische Union aufzunehmen und \u00f6ffentliche Autiorit\u00e4ten auf die Beine zu stellen.)),\u2026 als ob sie die Hauptakteure und die  Shebabs nur Randfiguren sind. Dies hat vielleicht noch einen anderen  Grund als Macht und Geld. Vielleicht wollen sie uns davon abhalten, auf  schlechte Gedanken zu kommen. Wollen sie verhindern, dass der Aufstand  in Libyen uns inspiriert. Dass wir uns in den Kopf setzen, dass auch  wir, hier, einen Aufstand entfesseln k\u00f6nnen. Ein Aufstand, der von der  Selbstorganisation in kleinen Gruppen von Menschen, die einander gut  kennen ausgehen w\u00fcrde. Vielleicht, weil sich die Keime dieser Art von  Organisation auch hier im Westen bereits finden lassen, beispielsweise  wenn Jugendliche sich organisieren, um anzugreifen, wenn die Polizei  einen Freund von ihnen ermordet hat (denken wir bloss an das, was  k\u00fcrzlich in Charleroi geschehen ist ((Anm.d.\u00dc.: Nachdem ein 27-J\u00e4hriger am 1. April 2011 w\u00e4hrend einer brutalen Festnahme starb, stieg die Spannung in der kleinen belgischen Stadt Charleroi rasant an. Kaum einige Stunden sp\u00e4ter begannen vermummte Jugendliche Patrouillen mit Steinen zu bewerfen, Dienst- und Zivilwagen der Polizei auf der Strasse und vor Kommissariaten werden kaputtgeschlagen. Am Abend fliegen Molotovs auf das Kommissariat von Gilly. Am n\u00e4chsten Tag weitere Angriffe auf zwei Polizeiposten und stundenlange Konfrontationen mit der Polizei auf den Strassen. Viele Autos werden in Brand gesteckt und Schaufenster, wie beispielsweise von Sozialversicherungen [Mutualit\u00e9s Socialistes], werden eingeschlagen. Am dritten Tag finden sich kleine Gruppen von W\u00fctenden etwas \u00fcberall auf den Strassen. Schaufenster von L\u00e4den werden mit Abfalleimern eingeworfen. An der Nacht zum n\u00e4chsten Tag brennen noch immer Autos, und auch Baustellenfahrzeuge. Mittlerweile ist die Gemeinde von Gilly, Charleroi, mit Polizisten zugestellt. Doch den W\u00fctenden, abgesehen von einigen administrativen Festnahmen, gelingt es, sich ihrem Griff zu entziehen.<br \/>\nIn der n\u00e4chsten Woche stirbt ein weiterer Jugendlicher w\u00e4hrend einer Festnahme unter \u00e4hnlichen Umst\u00e4nden. Und es brennen weiterhin Autos, und hier und dort werden Molotovs gegen L\u00e4den und offizielle Geb\u00e4ude geworfen. Nach zehn Tagen der Unruhe beginnt sich die Spannung abzubauen, meinen die Medien. Doch kaum gesagt, fliegen Molotovs auf einen Polizeibus, den die Beamten f\u00fcr eine \u201cIntervention gleich um die Ecke parkten. Es scheint ihnen eher schwierig, daraus zu folgern, dass nun wieder Ordnung herrscht.)))<\/p>\n<p>Vergessen wir auch nicht, dass Sarkozy w\u00e4hrend der lang andauernden  Unruhen in Frankreich 2005 vorgeschlagen hat, milit\u00e4risches Arsenal ((Es handelt sich hier um Drohnen, um Flugzeuge ohne Piloten, die die Bewegungen verfolgen und filmen. Heute werden diese Flugzeuge auch gebraucht, um Bomben abzuwerfen und um spezifische Personen aus Distanz zu eliminieren.)) einzusetzen, um die Unruhen zu b\u00e4ndigen. Und dass die NATO im Norden von  Italien eine Milit\u00e4rbasis hat, die sich auf die Suche nach Methoden und  Technologien zur Niederschlagung von Aufst\u00e4nden in St\u00e4dten  spezialisiert. Denn sie wissen nur allzu gut, dass diese ausbrechen  k\u00f6nnen. Heute verurteilen sie die Machthaber vieler L\u00e4nder, weil \u201cauf  die eigene Bev\u00f6lkerung\u201d geschossen wird. Sie intervenieren in Libyen,  weil Gaddafi \u201csein eigenes Volk\u201d bombardiert. Doch wir wissen nur allzu  gut, dass die NATO-L\u00e4nder selbst keine Sekunde z\u00f6gern werden, um  dasselbe zu tun, wenn die Macht in ihren L\u00e4ndern bedroht wird. Sie  bereiten sich bereits darauf vor.<\/p>\n<p><strong>Es liegt an uns<\/strong><\/p>\n<p>Es ist einfach: Auch wir sind Unterdr\u00fcckte und auch wir k\u00f6nnen uns  organisieren, um gegen die Unterdr\u00fcckung zu k\u00e4mpfen. Auch wir k\u00f6nnen uns  entdecken und miteinander solidarisch sein in einem Kampf f\u00fcr unsere  Freiheit. Dies ist die wirkliche Bedrohung f\u00fcr jede Macht auf Erden.<\/p>\n<p>Um abzuschliessen, w\u00fcnschen wir den Aufst\u00e4ndischen viel Mut, die  gerade dabei sind, die Gehorsamkeit in ihrer Vergangenheit zu begraben.  M\u00f6ge Gaddafi krepieren, zusammen mit allen andern, die beabsichtigen,  \u00fcber andere Macht auszu\u00fcben, als \u00fcber sich selbst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcbersetzt aus der 17. Ausgabe der in Belgien erscheinenden anarchistischen Strassenzeitschrift vom 24. April 2011, gefunden auf andiewaisendesexistierenden.noblogs.org. 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