{"id":42,"date":"2009-03-02T00:26:33","date_gmt":"2009-03-01T23:26:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.abc-berlin.net\/?p=42"},"modified":"2011-04-14T23:41:57","modified_gmt":"2011-04-14T22:41:57","slug":"oops-he-did-it-again-%e2%80%93-vassilis-paleokostas-wieder-ausgebrochen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/oops-he-did-it-again-%e2%80%93-vassilis-paleokostas-wieder-ausgebrochen","title":{"rendered":"Oops, he did it again! \u2013 Vassilis Paleokostas wieder ausgebrochen!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/paleokostas-hubschrauberausbruch-220209.jpg\" rel=\"lightbox[42]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-624\" title=\"Greece Prison Escape\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/03\/paleokostas-hubschrauberausbruch-220209-300x200.jpg\" alt=\"Greece Prison Escape\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a>Ungew\u00f6hnlich, aber ab und an gibt es auch mal einen Jubelartikel. Denn wir haben leider nicht oft die M\u00f6glichkeit euch \u00fcber Ausbr\u00fcche innerhalb des europ\u00e4ischen Raumes zu berichten. Diesmal ist es aber anders. Denn wie wir aus der b\u00fcrgerlichen Presse erfahren durften, hat es Vassilis Paleokostas, einer der ber\u00fchmtesten \u201eVerbrecher\u201d Griechenlands, schon wieder geschafft dem dummem griechischen Knastsystem einen Scherz zu spielen. Vassilis ist am 22.2.09 dank der Hilfe eines Hubschraubers aus dem Hochsicherheitsknast Korydallos in Athen, zusammen mit einen Mitgefangenen \u2013 Alket Rizai, entkommen. Und das nur einen Tag bevor sich beide vor einen Gericht f\u00fcr ihren letzten gemeinsamen Ausbruch per Hubschrauber vor drei Jahren h\u00e4tte verantworten sollen. Vor drei Jahren wurde der Hubschrauber von Vassilis\u2019s Bruder Nikos organisiert, diesmal laut Presse von einem unbekannten Paar, au\u00dferdem wurden von den Schlie\u00dfern auf den Hubschrauber geschossen, was mit einer Maschinengewehrsalve beantwortet wurde. Der Hubschrauber wurde sp\u00e4ter in der Umgebung von Athen aufgefunden. Von dort hatten sich die Entflohenen und die BefreierInnen mit dem Pkw aus dem Staub gemacht.<br \/>\n\u00dcber solch einen erfolgreichen Ausbruch kann mensch nicht viel sagen, als die H\u00e4nde f\u00fcr die beiden zu klatschen und hoffen, dass sie weiter in Freiheit bleiben. Die lange Geschichte von Vassilis geben wir hier zum Teil wieder, sowie ein paar S\u00e4tze zur Gesamtsituation in Griechenland.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>Etwas zur Vorgeschichte\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Seit dem Zerfall des Ottomanischen Imperiums im Jahr 1821 hat Griechenland hat eine popul\u00e4re und gro\u00dfe Tradition von sozialen und proletarischen R\u00e4ubereien als Antwort auf Ausbeutung und Armut. Diese Leute holen das Geld zur\u00fcck aus den H\u00e4nden der Reichen, Obrigkeiten, Ausbeuter, und gew\u00f6hnlich verstecken sie sich in den D\u00f6rfern. Auch durch die Hilfe der Menschen von dort, welche jegliche Kooperation mit der Polizei ablehnen und Schutz vor den Obrigkeiten bieten. Die Rebellen hatten immer gute Verbindungen zu den Menschen und haben immer f\u00fcr die Gemeinschaft in Form von finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr Bildung, medizinische Behandlung und Schutz vor der Polizei gesorgt.<br \/>\nInnerhalb einer solche Realit\u00e4t, die beiden Br\u00fcder Vasilis und Nikos, und viele andere auch, welche in einer armen Familie aufwuchsen, konnten nocht l\u00e4nger die Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung von sich selber und an den Menschen in der Gesellschaft um sie herum ertragen. Deshalb haben sie ihre Leben in den letzten 30 Jahren als soziale Rebellen gelebt. Sie haben zahlreiche Bank\u00fcberf\u00e4lle, Autodiebst\u00e4hle und Fluchten aus dem Knast hinter sich, haben allerdings nie schicke Klamotten getragen, teure Autos gefahren oder in Luxush\u00e4usern gelebt. Tats\u00e4chlich haben sie einmal das Geld zur\u00fcck auf den Boden der Bank geworfen, weil es zu wenig f\u00fcr die Sache, f\u00fcr die sie es brauchten, war.<br \/>\nAlles wurde immer dorthin gesendet, wo es gebrauchen wurde und mit den Leuten, die ihnen Schutz geboten und niemals ein Wort gegen\u00fcber der Polizei \u00fcber sie ausgesprochen haben, verteilt. Innerhalb dieser ganzen Jahren haben sie immer im Untergrund gelebt. Von Zeit zu Zeit wurden sie von der Polizei gefunden, was dann zu einer Flucht in einem gestohlenem Auto oder ungl\u00fccklicherweise zu einer Zeit im Knast f\u00fchrte. Allerdings sind sie immer wieder gefl\u00fcchtet mit Hilfe des anderen.<br \/>\nDurch den 80igern f\u00fchrten sie eine Vielzahl von Bank\u00fcberf\u00e4llen durch, bis zu dem Zeitpunkt an dem Nikos 1988 im Knast landete. Aber nach nur ein paar Tagen wurde er von seinem Bruder wieder befreit, indem dieser ein Seil \u00fcber die Knastmauer geworfen hatte.<br \/>\nZwei Jahren sp\u00e4ter im Februar 1990 wurde Nikos erneut verhaftet. Einen Monat sp\u00e4ter wurde auch Vasilis zusammen mit ein Kumpel verhaftet, als er versuchte seinen Bruder zu befreien. Dies war das einzigste Mal, wo beide gleichzeitig im Knast sa\u00dfen.<br \/>\nIm Dezember 1990 schaffte es Nikos aus dem Korydallos Knast in Athen zu fl\u00fcchten, w\u00e4hrend ein gro\u00dfer Knastaufstand stattfand. Die Polizei suchte die n\u00e4chsten 16 Jahre nach ihn, bis er 2006 nach einem Verkehrsunfall endg\u00fcltig verhaftet wird. Seitdem war er nicht mehr drau\u00dfen.<br \/>\n1991 schaffte es Vasilis aus dem Halkida Knast zu fl\u00fcchten. Er raubte 1992 eine Bank aus und im Jahr 1995 vollzogen beide zusammen einen Bank\u00fcberfall in Athen. Im Dezember 1995 werden beiden beschuldigt den Pr\u00e4sident der der \u201eHalvas\u201d-Fabrik, Haitoglou, entf\u00fchrt zu haben. Angeblich haben sie ihn nach vier Tage und der Zahlung von 750.000 Euro L\u00f6segeld laufen lassen. Der Innenminister erlie\u00df einen Haftbefehl, welcher im Fernsehen, Radio und auf Plakate ver\u00f6ffentlicht wird, inkl. ihren Bildern und einer Belohnung in der H\u00f6he von genau 750.000 Euro.<br \/>\n1996 wurde Vasilis von der Polizei in Korfu ausfindig gemacht, aber mit Hilfe eines Autos schafft er es von ihnen zu fl\u00fcchten. Zwei Jahre sp\u00e4ter findet eine \u00e4hnliche Situation im Yanitsa statt und nochmal im Mai 1999. Nikos gelingt ein spektakul\u00e4rer Ausbruch mittels eines Hubschraubers im Jahr 2003. Mit Hilfe eines Fahrrades raubt Nikos 2006 eine Bank in Veria aus. Seine Flucht wird garantiert, weil die gesamte Polizei mit dem Schutz des Pr\u00e4sidenten, welcher gerade einen Besuch in den Stra\u00dfen Verias abh\u00e4lt, besch\u00e4ftigt ist. Im September 2006 wird er bei einen Autounfall erneut verhaftet, nach vielen Jahren in einem Leben fl\u00fcchtend und sich versteckend.<\/p>\n<p><strong>Die letzte Inhaftierung\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Am 20. August 2008 wurden vier Personen in Griechenland verhaftet mit dem Vorwurf der Entf\u00fchrung, bei welcher auch hohes L\u00f6segeld gezahlt wurde. Die Verhafteten sind Polikarpos Georgiadis, Vasilis Paleokostas, Vagelis Hrisohoides und eine vierte Person, von welcher sich die anderen distanziert haben aufgrund seines Verhaltens. Am 21. wurden vier weitere Personen verhaftet, weil sie eine untergeordnete Rolle bei der Entf\u00fchrung gehabt haben sollen.<br \/>\nDie Person, welche entf\u00fchrt wurde, ist Georgos Mylonas, der Chef der Union der Schwerindustriebesitzer (Arbeitgebergewerkschaft). Er sorgte vor nicht all zu langer Zeit f\u00fcr Aufregung, indem er l\u00e4ngere und h\u00e4rtere Arbeitszeiten in den Fabriken bef\u00fcrwortet hatte. Er wurde nach einer Zahlung von 10 Millionen Euro wieder freigelassen, welche von seiner Ehefrau arrangiert wurden.<br \/>\nDie Medien und die Polizei behaupten das Geld h\u00e4tte dem Ziel gedient Nikos Palaiokostas, Vasilis\u2019s Bruder, aus dem Knast zu befreien. Bilder in der b\u00fcrgerlichen Presse zeigen eine gro\u00dfe Anzahl von Munition, Kalashnikovs, einer Panzerfaust, Sprengstoff, kugelsicheren Westen und Anz\u00fcge der Feuerwehr, welche bei der Verhaftung gefunden worden sind. \u00dcber die Menge des gefundenen Geldes gibt es jeden Tag eine neue Geschichte. Der Polizei sagt, dass ein Gro\u00dfteil der Scheine markiert war und in \u00fcber 150 verschiedenen Lokalit\u00e4ten gefunden.<\/p>\n<p>Der Geschichte und die Traditionen von Vagelis, Vasilis und Polikarpos in diesem Fall, genauso wie die von viele anderen Schl\u00e4gen gegen die Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung der Menschen, sind wichtig um den Kontext dieser Entf\u00fchrung \u2013 und der soziale Rebellion innerhalb der allt\u00e4glichen Realit\u00e4t \u2013 zu verstehen.<br \/>\nPolikarpos und Vagelis sind seit Jahren beliebte Genossen in der anarchistischen Szene und waren sehr aktiv. Polikarpos wurde erstmals am 16. April 2004 ins Gef\u00e4ngnis gesteckt, weil er versucht hatte mittels eines Zeitz\u00fcnders ein Fahrzeug einer Sicherheitsfirma geh\u00f6rte in Brand zu stecken. Daraufhin versuchte die Polizei ihn wegen versuchter Brandstiftung und Besitz von Sprengstoff anzuklagen, aber sie konnten nichts beweisen. Er sa\u00df ein Jahr in Untersuchungshaft, wurde f\u00fcr schuldig erkl\u00e4rt, kam aber frei, weil das Urteil ein Jahr Knast war und er dieses schon abgesessen hatte.<br \/>\nW\u00e4hrend seines Knastaufenthalts lernte er Vasilis kennen. Die b\u00fcrgerlichen Medien beschuldigt ihn zu dieser Zeit au\u00dferdem ein Bankr\u00e4uber zu sein, dies passt es ihnen heutzutage gut, um zu deklarieren, dass Vasilis \u201ePolikarpos ausgew\u00e4hlte, um sich an der Verschw\u00f6rung zur Befreiung seines Bruders Nikos zu beteiligen\u201d. Diese zwei Br\u00fcder sind seit Jahrzehnte ber\u00fchmte \u201eLegenden\u201d in Griechenland.<\/p>\n<p><strong>Die gegenw\u00e4rtige Situation\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Polikarpos sitzt immer noch im Knast und beteiligt sich aktiv an der Diskussion mit den GenossInnen drau\u00dfen, sowie an den Protesten, die drinnen stattfinden (zwei Beitr\u00e4ge von ihn werden in unserer demn\u00e4chst erscheinenden Brosch\u00fcre \u00fcber die Hungerstreiks in den Kn\u00e4sten in Italien, Deutschland und Griechenland zu finden sein).<\/p>\n<p>Der Ausbruch hat f\u00fcr \u201eUnruhe\u201d innerhalb der Reihen der Knastleitung und der griechischen Justiz gesorgt und etliche K\u00f6pfe wurden fallen lassen.<br \/>\nKnastausbr\u00fcche durch die Anwendung von (entf\u00fchrten oder gemieteten) Hubschraubern sind keine neue Erfindung, es gab innerhalb der letzten Jahren schon einige, z.B. in franz\u00f6sischen Kn\u00e4sten. Der Weg zu solch einer erfolgreichen Ausbruchsmethode wurde aber von der IRA (Irish Republican Army) er\u00f6ffnet. Am 31.10.1973 schaffte es ein Kommando der IRA auf dem Hof des Mountjoy-Knastes in Dublin mit einen entf\u00fchrten Hubschrauber zu landen und verschiedene IRA-K\u00e4mpfern zu befreien. Bevor die Schlie\u00dfer realisieren k\u00f6nnten was passierte, war der Hubschrauber schon wieder weg. So \u201eeinfach\u201c geht das.<\/p>\n<p>In Zeiten der Finanzkrise und der des Kapitalismus k\u00f6nnen wir uns und den Gefangenen nur w\u00fcnschen, dass Hubschrauber bald zu billigen Preisen auf Ebay oder sonst wo zu finden sein werden\u2026<\/p>\n<p><strong>Hubschrauber f\u00fcr alle \u2013 Kn\u00e4ste f\u00fcr niemanden!<\/strong><\/p>\n<p>ABC Berlin<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/260172_1_griechenland_dpa.jpg\" rel=\"lightbox[42]\"><img loading=\"lazy\" class=\"aligncenter size-full wp-image-407\" title=\"WIRECENTER\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/260172_1_griechenland_dpa.jpg\" alt=\"WIRECENTER\" width=\"521\" height=\"348\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/260172_1_griechenland_dpa.jpg 698w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/260172_1_griechenland_dpa-250x166.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 521px) 100vw, 521px\" \/><\/a><\/p>\n<p><center><code>[kml_flashembed movie=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/4qbJ1RLqqAw\" width=\"425\" height=\"344\" allowfullscreen=\"true\" fvars=\"fs=1\" \/]<\/code><\/p>\n<p><code>[kml_flashembed movie=\"http:\/\/www.youtube.com\/v\/c0w3vW1je_U\" width=\"425\" height=\"344\" allowfullscreen=\"true\" fvars=\"fs=1\" \/]<\/code><br \/>\n<\/center><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ungew\u00f6hnlich, aber ab und an gibt es auch mal einen Jubelartikel. 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