{"id":4339,"date":"2011-06-05T22:01:42","date_gmt":"2011-06-05T20:01:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=4339"},"modified":"2011-11-13T00:36:44","modified_gmt":"2011-11-12T23:36:44","slug":"brief-von-werner-braeuner-zur-solidaritaetsaktion-in-sehnde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/brief-von-werner-braeuner-zur-solidaritaetsaktion-in-sehnde","title":{"rendered":"Brief von Werner Braeuner zur Solidarit\u00e4tsaktion in Sehnde"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Werner-Braeuner-Hungerstreik-Webbanner.jpg\" rel=\"lightbox[4339]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-4096\" title=\"Der anarchistische Gefangene Werner Braeuner befindet sich seit dem 8. Mai 2011 im Hungerstreik in der JVA Sehnde\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Werner-Braeuner-Hungerstreik-Webbanner.jpg\" alt=\"Der anarchistische Gefangene Werner Braeuner befindet sich seit dem 8. Mai 2011 im Hungerstreik in der JVA Sehnde\" width=\"250\" height=\"68\" \/><\/a><em>Am 24. Mai zogen <a href=\"http:\/\/www3.de.indymedia.org\/2011\/05\/308528.shtml\" target=\"_blank\">solidarische GenossInnen vor den Knast in Sehnde<\/a> und begr\u00fc\u00dften die Gefangenen, im speziellen den seit dem 8. Mai hungerstreikenden <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/tag\/werner-braeuner\" target=\"_blank\">Werner Braeuner<\/a>. In einem Brief schreibt Werner \u00fcber die Reaktion unter den Gefangenen. Au\u00dferdem dokumentieren wir weiter unten einen Presseartikel aus der Jungen Welt vom 4. Juni.<\/em><\/p>\n<p><em> <\/em><\/p>\n<p><em>Das <a href=\"http:\/\/political-prisoners.net\/\" target=\"_blank\">Netzwerk Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen<\/a> wird am am Dienstag, den 7. Juni eine Infoveranstaltung \u00fcber Werner durchf\u00fchren, ab 19 Uhr im Mehringhof (Gneisenaustra\u00dfe 2a in Berlin-Kreuzberg), au\u00dferdem wird es eine Woche sp\u00e4ter am 14. Juni ab 10 Uhr eine Solidarit\u00e4tskundgebung vor dem Jobcenter in Neuk\u00f6lln (Mainzer Strasse 27) geben.<\/em><\/p>\n<p>Werner Braeuner, 322. Tag Arbeitsverweigerung, 25. Tag Hungerstreik, Sehnde, 1.6.11<\/p>\n<p>Einen revolution\u00e4ren Gru\u00df an euch, GenossInnen in Magdeburg, aus dem Knast, dem innersten Heiligtum von Staat, Sozialdemokratie \/ Lohnarbeit und Kapital!<br \/>\n<!--more--><br \/>\nMorgens, am 25.5. berichteten Mitgefangene von meiner Haftstation sichtlich begeistert von Eurem Besuch. Ich hatte nichts bemerkt, da ich tief und fest geschlafen hatte. Jedenfalls soll Eure Aktion verdammt laut gewesen sein. Ihr wart vor dem Hafthaus 1, mein Hafthaus 2 ist etwa 40 Meter weiter. Ihr seid jedoch bestens geh\u00f6rt worden, sagten die Mitgefangenen, allerdings konnten sie die Aktion nicht zuordnen. Einige meinten, es k\u00f6nne wegen meines Hungerstreiks sein vielleicht. In den folgenden Tagen setzte sich in der JVA dann \u00fcberall die Auffassung durch, es habe sich um eine Aktion von entlassenen georgischen Gefangenen gehandelt, die im Knast verbliebene Landsleute h\u00e4tten gr\u00fc\u00dfen wollen. Ich selbst bin nicht davon ausgegangen, es sei wegen des Hungerstreiks gewesen, die Linke in Hannover ignoriert mich sehr engagiert bzw. h\u00e4lt mich f\u00fcr \u201eparanoid\u201c, wie ich erfahren durfte.<\/p>\n<p>Erst als XX am 30. zu Besuch hier war, habe ich erfahren, wer die Aktion gemacht hat, am selben Tag habe ich mit der Post Euer Indymediaposting erhalten. Am Dienstag machte jenes Posting bereits seine Runde durch den Knast, weil es in die Betriebe mitgenommen wurde. Eure Aktion hat also noch nach einer Woche die Gefangenen m\u00e4chtig interessiert!<\/p>\n<p>Eure Aktion war \u00fcberaus wichtig, weil sie nochmals sehr sehr deutlich gemacht hat, dass Knastkampf ohne Unterst\u00fctzung von drau\u00dfen schwach bleiben muss. Das haben die Gefangenen dadurch begriffen, dass die JVA mit meinem Hungerstreik bisher \u00e4u\u00dferst duldsam umgegangen ist, auf die ansonsten \u00fcblichen Repressionsma\u00dfnahmen ist ganz verzichtet worden. Die Bedeutung von Organisierung und Vernetzung ist den Gefangenen also sicher klar geworden. Und nat\u00fcrlich st\u00e4rkt eine solche Aktion ALLEN Gefangenen den R\u00fccken, weil sie auf eine Verbindung nach drau\u00dfen hinweist, das baut jeden Gefangenen auf, auch wenn er selbst nicht in direkter Verbindung zu einer Aktion von drau\u00dfen steht.<\/p>\n<p>Leider habe ich die Angewohnheit, wie ein Baby zu schlafen; jetzt im Hungerstreik noch mehr und auch fr\u00fch schon am Abend, weil ich etwas ersch\u00f6pft bin. Verdammt, ich habe Euch verpasst und w\u00e4re gern dabei gewesen! Also \u00e4rgere ich mich ein bisschen; nat\u00fcrlich aber ist die Freude, dass ihr hier gewesen seid weit weit gr\u00f6\u00dfer als der \u00c4rger!!! Obwohl es irgendwie unwirklich f\u00fcr mich wirkt nach vielen Jahren eingesperrt sein hinter Mauern: Dass da tats\u00e4chlich Menschen vor der Mauer waren, um mich im Knastkampf zu unterst\u00fctzen. Aber doch, ja, ihr seid dagewesen! Unglaublich. Und unglaublich sch\u00f6n. Danke GenossInnen!<\/p>\n<p>Am 31.5. Vormittags ist Ungew\u00f6hnliches geschehen. Des Morgens, kurz nach Zelleneinschluss, erschien Abteilungshelfer Tiedje h\u00f6chst pers\u00f6nlich, um mir Post zu \u00fcberreichen, welche die Bediensteten \/ Schlie\u00dfer hier von ihm die Anweisung haben, nicht an mich auszuh\u00e4ndigen, n\u00e4mlich Schreibpapier, Kuli und Briefumschl\u00e4ge (von der Berliner Soligruppe). \u201eAbteilungshelfer\u201c sind die verl\u00e4ngerten Arme der Anstaltsleitung in den einzelnen Vollzugsabteilungen, also kam Tiedjes Freundlichkeit von oben. Was hat den Sinneswandel der Anstaltsleitung, die ansonsten nur das Wort Repression kennt, bewirkt? Ich denke, es waren 2 Dinge:<\/p>\n<p>1. Das Radiointerview bei Radioflora am Vorabend des Sinneswandels.<\/p>\n<p>2. Eure Aktion am 24., weil Menschen aus Fleisch und Blut vor einer Knastmauer dem in einem Medium Gesagten \u00fcberhaupt erst Gewicht verleihen k\u00f6nnen! Die Macht kommt aus den Gewehrl\u00e4ufen \u2013 Worte bleiben immer allein Worte, sie k\u00f6nnen keine Kugeln abfeuern; aber Menschen aus Fleisch und Blut sind dazu in der Lage! Und es ist gut, Anstaltsleitungen von Kn\u00e4sten Letzteres in Erinnerung zu rufen, denn was, wenn nicht (potentielle) Gewalt k\u00f6nnte Gewaltt\u00e4ter an Gewalttaten (Repression ist eine Gewalttat!) hindern.<\/p>\n<p>Die Stimmung hier im Knast ist ver\u00e4ndert durch unseren gemeinsamen Knast \u2013 und Klassenkampf, GenossInnen! Die Gefangenen sind viel aufger\u00e4umter denn je, als seien die Ketten mit einem Male leichter geworden, beinahe schwerelos; verdruckste Gefangene leben pl\u00f6tzlich auf, sind vergn\u00fcgt, und es wird auch anders kommuniziert, besser. Seit jetzt schon gut 2 Wochen ist das Essen wieder ausreichend von der Menge her und gehaltvoller, bisweilen ist das Abendbrot geradezu opulent: W\u00fcrfelschinken en gros! Wann hat es zuletzt hier \u00fcberhaupt mal rohen Schinken gegeben? Verdammt lang her! Das Gulasch (Pute) heute Mittag strotzte vor Fleisch und Pilzen, es gibt nun auch keine stinkenden Futter-, sonder \u00fcbliche Speisekartoffeln. Hier ist Unglaubliches geschehen! Klar, die Anstaltsleitung hat die Hosen voll, sie f\u00fcrchtet der Laden hier k\u00f6nnte hochgehen, nachdem mein Hungerstreik durchaus die Lunte sein k\u00f6nnte, die zum Pulverfass f\u00fchrt. Dass diese Lunte nicht wenige Tage nach Erscheinen mit massiver Repression bereits wieder beseitigt worden ist, hat einen Grund, einen einzigen! Eure revolution\u00e4re Solidarit\u00e4t, GenossInnen des Netzwerk Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen in Magdeburg (und Berlin). IHR seid es, IHR allein, die all die Ver\u00e4nderungen in diesem Knast letztlich herbeigef\u00fchrt habt! Ohne Euch w\u00e4re ich hier hinter den Mauern, im innersten Heiligtum der Repression, schon l\u00e4ngst gescheitert mit dem Hungerstreik!!!<\/p>\n<p>Ein Hoch auf die revolution\u00e4ren Fraktionen des weltweiten Proletariats und auf all jene, die sich diesen Fraktionen in den kommenden Klassenk\u00e4mpfen noch anschlie\u00dfen werden!<\/p>\n<p>F\u00fcr eine k\u00e4mpfende Arbeiterklasse!<\/p>\n<p>Werner<\/p>\n<hr \/>\n<p><em><strong>Presseartikel, <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2011\/06-04\/045.php\" target=\"_blank\">erschienen am 4. Mai, in der Jungen Welt<\/a>, von Markus Bernhardt<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Gef\u00e4ngnisleitung kompromi\u00dflos<\/strong><br \/>\n<em>Inhaftierter protestiert mit Hungerstreik gegen Bedingungen und Essen in JVA<\/em><\/p>\n<p>Um auf das Schicksal des derzeit in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Sehnde bei Hannover inhaftierten Werner Braeuner aufmerksam zu machen, plant das Berliner \u00bbNetzwerk Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen\u00ab in den kommenden Tagen mehrere Solidarit\u00e4tsaktionen.<\/p>\n<p>Braeuner ist seit 2001 inhaftiert, weil er nach der Streichung seiner Arbeitslosenhilfe den Chef der \u00f6rtlichen Arbeitsagentur erstochen hatte. Er verweigert bereits seit dem 8. Mai die Nahrungsaufnahme. Damit protestiert er nach eigenen Angaben gegen unmenschliche Haftbedingungen in der JVA. So habe er stark verunreinigte Gef\u00e4ngnisnahrung erhalten und darin sogar Exkremente gefunden, berichtete Braeuner Mitte Mai in einer Erkl\u00e4rung. Daraufhin hatte er die Leitung der Haftanstalt aufgefordert, ihm den vom Nieders\u00e4chsischen Justizministerium f\u00fcr Nahrungsmittel veranschlagten Tagesverpflegungssatz von etwa sieben Euro auszuzahlen, um sich eigenst\u00e4ndig mit Lebensmitteln versorgen zu k\u00f6nnen. Dies lehnte die Anstaltsleitung ab.<\/p>\n<p>Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt der Inhaftierte unterdessen vom Komitee f\u00fcr Grundrechte und Demokratie. In einem Schreiben an die Leitung der JVA Sehnde, das junge Weltvorliegt, fordert dessen Sprecher Wolf-Dieter Narr, sich gegen\u00fcber \u00bbHerrn Braeuner kompromi\u00dfbereit zu zeigen\u00ab. Narr kritisiert, da\u00df mit Verweis auf den wachsenden Kostendruck in Gef\u00e4ngnissen zunehmend auch an ganz grundlegenden Dingen gespart werde. Dadurch k\u00f6nne etwa eine gesunde, vitaminreiche Ern\u00e4hrung nur noch \u00fcber den Zukauf von Lebensmittel auf eigene Rechnung in den \u00fcberteuerten, vielerorts privat betriebenen Gef\u00e4ngniskiosken gew\u00e4hrleistet werden.<\/p>\n<p>Um \u00fcber die Situation Braeuners zu informieren, l\u00e4dt das \u00bbNetzwerk Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen\u00ab f\u00fcr den 7. Juni um 19 Uhr zu einer Veranstaltung in den Mehringhof (Gneisenaustra\u00dfe 2a) ein. Am 14. Juni (10 Uhr) soll au\u00dferdem eine Solidarit\u00e4tskundgebung vor dem Jobcenter in Neuk\u00f6lln (Mainzer Str. 27) stattfinden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.political-prisoners.net\/\" target=\"_blank\">www.political-prisoners.net <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 24. Mai zogen solidarische GenossInnen vor den Knast in Sehnde und begr\u00fc\u00dften die Gefangenen, im speziellen den seit dem 8. Mai hungerstreikenden Werner Braeuner. 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