{"id":4438,"date":"2011-06-16T15:25:24","date_gmt":"2011-06-16T13:25:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=4438"},"modified":"2011-06-16T15:25:24","modified_gmt":"2011-06-16T13:25:24","slug":"aus-briefen-von-werner-braeuner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/aus-briefen-von-werner-braeuner","title":{"rendered":"Aus Briefen von Werner Braeuner"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Werner-Braeuner-Hungerstreik-Webbanner.jpg\" rel=\"lightbox[4438]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-4096\" title=\"Der anarchistische Gefangene Werner Braeuner befindet sich seit dem 8. Mai 2011 im Hungerstreik in der JVA Sehnde\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Werner-Braeuner-Hungerstreik-Webbanner.jpg\" alt=\"Der anarchistische Gefangene Werner Braeuner befindet sich seit dem 8. Mai 2011 im Hungerstreik in der JVA Sehnde\" width=\"250\" height=\"68\" \/><\/a><em>Werner Braeuner befindet sich mittlerweile am 40. Tag im Hungerstreik. Wir \u00fcbernehmen hier einige seiner Briefe, die auch schon auf der Webseite des <a href=\"http:\/\/political-prisoners.net\/solidaritaet-mit-dem-hungerstreik-von-werner-braeuner.html\" target=\"_blank\">Netzwerk Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen<\/a> ver\u00f6ffentlicht wurden.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Brief von Werner Braeuner vom 13.06.2011<br \/>\n334. Tag Arbeitsverweigerung; 37. Tag Hungerstreik<\/strong><\/p>\n<p>HS-Berichtsbrief #4<br \/>\n<!--more--><br \/>\nA.S.: Knastkampf ohne Unterst\u00fctzung von drau\u00dfen ist wie ein Schwanz, der mit dem Hund wedeln wollte.<\/p>\n<p>Einen revolution\u00e4ren Gru\u00df aus dem Knast, aus dem innersten Heiligtum von Staat, Sozialdemokratie\/Lohnarbeit und Kapital an die k\u00e4mpfende Soligruppe in Berlin<\/p>\n<p>Salut, GenossInnen!<br \/>\nSalut, Euch allen im Klassenkampf!<\/p>\n<p>Am 10.6., Freitag, war Vorstellung beim Arzt. Gewicht: 69,4kg;<br \/>\nBlutdruck, Puls in Ordnung; Urin-Schnelltest unauff\u00e4llig, allerdings erstmals erh\u00f6hter Keraton-Wert. Keine Blutentnahme am Mittwoch, 8.6.<\/p>\n<p>Von Freitag, 3.6., bis zum Freitag, 10.6., betrug die Gewichtsabnahme lediglich 300gr.! Laut Dr. Windelbroth zeigt dies in Verbindung mit dem erh\u00f6hten Keraton-Wertdes Aufgebrauchtsein der Fettreserven des K\u00f6rpers an; Keraton bildet sich mit Beginn des Abbaus der im Muskelgewebe gespeicherten Zuckerreserven des K\u00f6rpers. Mit diesem Abbau sinkt der Energieumsatz f\u00fchlbar, und tats\u00e4chlich hat sich etwa mit der vergangenen Woche eine gr\u00f6\u00dfere Mattigkeit eingestellt. Nach 1 Stunde verhaltener Aktivit\u00e4t ben\u00f6tige ich 2-3 Stunden v\u00f6llige Ruhe. Mitgefangene mit HS-Erfahrung berichten, diese Phase des Zuckerabbaus dauere nur kurze Zeit, vielleicht 1-2 Wochen, danach w\u00fcrde es mir sehr schlecht gehen. Laut Dr. Windelbroth wird nach Beendigung des Zuckerabbaus Abbau von Muskelgewebe beginnen. Doch mu\u00df jener Abbau bereits begonnen haben, wie sich an meinem K\u00f6rper eindeutig erkennen l\u00e4\u00dft. Abbau von Muskelgewebe produziert giftige Stoffwechsel-Substanzen (Niere belastet!) und kann, da das Herz Muskel ist, dieses sch\u00e4digen *<\/p>\n<p>* T3 und T4, die noch vom Blutbild ausstehend gewesenen Werte zur Sch\u00e4deldr\u00fcsenaktivit\u00e4t, liegen im unteren Normbereich.<\/p>\n<p>So weit mein laienhafter medizinischer Bericht. Meine Kampfmoral ist unver\u00e4ndert gut, ich bin weiterhin in guter psychischer Verfassung, koche begeistert f\u00fcr Mitgefangene (heute Abend Pizza!) und &#8220;esse&#8221; dabei mit Nase und Augen. Allerdings ist der Kreislauf wackelig, mu\u00df alles mit gro\u00dfer Ruhe tun. Falls das Ministerium in Verhandlungen treten will, so r\u00fcckt der Zeitpunkt nun also nahe. RA D\u00fcndar Kelloglu aus Hannover hat sich bereit erkl\u00e4rt, mich in eventuellen Verhandlungen zu vertreten. Ebenfalls Dr. Windelbroth als unabh\u00e4ngiger Mediator.<\/p>\n<p>Verhandlungsgegenstand sind die Mittel f\u00fcr Selbstbek\u00f6stigung UND eine weitere Angelegenheit, die ich Euch erstmals nun bekannt geben m\u00f6chte und die ich Euch bitte, ebenfalls solidarisch zu unterst\u00fctzen. Als Klassenk\u00e4mpferInnen und solidarische Menschen werdet Ihr das sicherlich gern tun:<br \/>\nIm weiteren Verlauf des Vollzugs von Strafe m\u00f6chten mein Mitgefangener Dirk und ich nicht getrennt werden. Von meiner Seite aus ist dies unabdingbar, da es mir unm\u00f6glich ist, einen hilflosen Kampfgef\u00e4hrten schutzlos auf dem Gefechtsfeld strafvollzuglicher scharfer Repression zur\u00fcckzulassen. Wie die Forderung nach Selbstbek\u00f6stigung steht auch die nun weitere Forderung unter der \u00dcberschrift &#8220;Solidarit\u00e4t im Klassenkampf&#8221;. Deshalb sind beide Forderungen untrennbar:<br \/>\nsine qua non!<\/p>\n<p>Sollte das Ministerium hier einwilligen und sich sp\u00e4ter eines anderen besinnen, werde ich den unbefristeten Hungerstreik sofort wieder aufnehmen. Es sei denn, Dirk w\u00fcrde erkl\u00e4ren, da\u00df ihm eine Trennung keine unannehmbaren H\u00e4rten verursachen w\u00fcrde. Dies ist mit Dirk abgesprochen. Er ist durch Schlaganfall vor 10 Jahren halbseitig gel\u00e4hmt und Diabetiker, Von der JVA Sehnde erh\u00e4lt er nicht nur keine &#8211; und ihm von Dr. Windelbroth \u00e4rztlich verordnete! Behandlung der Schlaganfallfolgen. er wird zudem mit Repression \u00fcberzogen, indem die Anstalt ihm eine Zahlungsvereinbarung f\u00fcr noch ausstehende Haftkosten verweigert, welche Vereinbarung ihm erlauben k\u00f6nnte, am Gefangeneneinkauf beim Knastkaufmann teilzunehmen- und dies f\u00fcr die n\u00e4chsten 5 (!) Monate. Durch die halbseitige L\u00e4hmung (80% Behinderungsgrad, weitgehende Unf\u00e4higkeit zur Verrichtung von Alltagsst\u00e4gigkeiten) braucht Dirk Hilfestellung bei Raum- und K\u00f6rperpflege sowie unz\u00e4hlige sonstige kleinere Assistenzen, die ihm anstaltsseitig nicht ausreichend oder garnicht gew\u00e4hrt werden k\u00f6nnen und von mir \u00fcbernommen werden. Dirk ist Rebell,  einer von uns.<br \/>\nAls letztes etwas, das gleichfalls anzusprechen ist. Die GenossInnen des (<a href=\"http:\/\/www.gefangenen.info\/\" target=\"_blank\">Gefangenen Info<\/a>) sind sehr solidarisch und haben in der Ausgabe 362, juni 2011, auf der Seite 16 aus drei Briefen von mir an GenossInnen zitiert. Im dort 2. Brief, in den Abs\u00e4tzen 1 bis 3 sowie im 3. Brief, 4. Absatz, finden sich leider einige verst\u00e4ndniserschwerende oder sinnentstellende \u00dcbertragungsfehler ausgerechnet in politisch und juristisch hoch relevanten Textpassagen. Daher hier f\u00fcr Euch mit Bitte um Ver\u00f6ffentlichung die berichtigten Abs\u00e4tze:<\/p>\n<p>2. Brief, Absatz 1 bis 3: &#8220;Meine tat vom 6.2.2001 wird immer f\u00e4lschlich als &#8220;Verzweiflungstat&#8221; bezeichnet. Ich m\u00f6chte dazu hier noch einmal klar Stellung beziehen: Verzweiflung liegt vor, wenn es keine reale Handlungsalternative mehr gibt, eine solche Alternative war jedoch vorhanden: Unterwerfung unter das Zwangsarbeitsregime des Verdener Sozialamts, oder k\u00fcrzer: willf\u00e4hig untertan sein&#8230;<br \/>\nImmerhin mu\u00dfte ich das Ziel zuvor auskundschaften, die \u00d6rtlichkeiten erkunden und eine Waffe zum Kampfort mitbringen. Anders als dem Gericht wegen der angedrohten Psychiatriefolter f\u00e4lschlich vorgetragen, hat es am 6.2.2001 keinen Wortwechsel oder Streit mit Klaus Herzberg vor dessen Haus gegeben, ich habe diesen mit dem Vorsatz aufgesucht, ihn in die H\u00f6lle zu schicken- ein Attentat also! Ich ging davon aus, vom Gericht ein Lebensl\u00e4nglich zu erhalten, doch wurde ich gezwungen, die L\u00fcgengeschichte von einer &#8220;Verzweiflungstat&#8221; vorzutragen)<\/p>\n<p>3. Brief, Absatz 4: &#8220;&#8230;; die Verwandtschaftsbeziehung meines damaligen Verteidigers Brennecke zum SPD-MdB St\u00fcncker; Verhinderung eines politischen Verfahrens durch die N\u00f6tigung, eine Totschlagsversion vorzutragen).&#8221;<br \/>\n(Der Redakton des &#8220;Gefangenen Info&#8221; \u00fcbermittle ich die Korrekturen zugleich mit dieser Post.)<br \/>\nIch danke Euch von der soligruppe, allen Unterst\u00fctzerInnen und SolibriefeschreiberInnen. Ohne Euch g\u00e4be es diesen Kampf nicht!<br \/>\nSolidarit\u00e4t ist eine Waffe! Revolution\u00e4rInnen schlie\u00dfen ihre Freundschaften im Kampf. Knastkampf ist Klassenkampf.<\/p>\n<p>Ex nihilo plentitudines Werner<\/p>\n<p>P.S.: Hat irgendwer irgendwann SozialdemokratInnen beim Klassenkampf ertappt??? (Lohnkampf ist nicht Klassenkampf!!!)<br \/>\nP.S. Bitte ver\u00f6ffentlicht diesen HS-Berichtsbrief!!!<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Brief von Werner Braeuner vom 09.06.2011<br \/>\n330.Tag Arbeitsverweigerung; 33.Tag Hungerstreik<\/strong><\/p>\n<p>Sehnde, 9.6.11<\/p>\n<p>Gr\u00fc\u00dfe Dich, &#8230;<\/p>\n<p>hab Dank f\u00fcr Post am 6.6., die anderntags hier war, ich hoffe, Dir geht&#8217;s gut.<br \/>\nJa, Briefe anderer, unbekannter Menschen abzutippen, ist ein harter Job.<br \/>\nWas mich betrifft, kann ich meine Schrift nat\u00fcrlich gut lesen&#8230; \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Hoffe, Du auch.<\/p>\n<p>Ja, ein bi\u00dfchen Durchblick hab ich \u00fcber die Szene\/Str\u00f6mungen drau\u00dfen; vor Festnahme im Febr.2001 war ich 3 Jahre in der Szene unterwegs, ausgehend von dem sch\u00f6n bunten Haufen, der sich unter dem Sammelbegriff &gt;Erwerbslosenbewegung&lt; tummelte. Au\u00dferdem habe ich \u00fcber die Knastjahre hinweg die Debatten und Diskurse drau\u00dfen durch Presse und informierte Kontakte verfolgt sowie unterschiedlichste linke Publikationen von drau\u00dfen reingeschickt bekommen, darunter auch viel sehr Hochwertiges an weiterf\u00fchrender oder vertiefender Literatur. Sein ist dauerndes Werden in einem Kollektiv revolution\u00e4rer Menschen. Wer denkt, er m\u00fcsse sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit einstellen oder einen Besuch auf &#8216;ner einsamen Insel vornehmen, wenn er mich kontaktiert, k\u00f6nnte sich tats\u00e4chlich wundern &#8230; \ud83d\ude42 Als natural born rebel \u2013 im Alter von 4 entschlo\u00df ich mich erstmals bewusst, Staat, Sozialdemokratie und Kapital gnadenlos zu bek\u00e4mpfen \u2013 war der Kopp w\u00e4hrend der Knastzeit ohnehin meistens drau\u00dfen, Knast ist Wasserglas, Drau\u00dfen ist Ozean. St\u00fcrme in Ozeanen sind meistens interessanter als die in Wassergl\u00e4sern&#8230;<\/p>\n<p>Ich bin 56, meine Orthographie stammt aus den 60igern des vorigen Jahrhunderts, \u00e4rgere Dich bitte nicht; wundere dich blo\u00df, bitte. Etwaige Rechtschreibfehler Deinerseits werde ich gelassen hinnehmen. Wahrscheinlich wirst Du&#8217;ne Menge zu tun und um die Ohren haben, drum bin ich es, der sich bei Dir zu entschuldigen h\u00e4tte, nicht umgekehrt. Herzlichen Dank also f\u00fcr deine gro\u00dfartige Unterst\u00fctzung, &#8230;!<\/p>\n<p>\u201eRevolution\u00e4r-erwerbslos-arbeitende-autonom-anarcho-kommunistische-syndikalistische-antifa-&#8230;.&#8221; ein gro\u00dfartiges Adjektiv! Ich ziehe meinen Hut vor dieser treffenden und genialen Wortsch\u00f6pfung, bis ans Ende Deines Briefs standen meine Mundwinkel in unmittelbarer N\u00e4he der Ohren! Respekt! Vor der Wortsch\u00f6pfung und vor dem Kollektiv, das sich unter einem solchen Adjektiv subsumiert finden kann. Ich finde mich bei der Soligruppe gut aufgehoben. Einen Gru\u00df, bitte, an alle und jedeN einzelneN!<\/p>\n<p>Dein ge\u00e4u\u00dfertes Verst\u00e4ndnis zu Eurer Soliarbeit \u201ef\u00fcr mich&#8221; ist m.E. Das einzig richtige und akzeptable, ich f\u00fchle mich wohl und frei dabei. \u201eGeben und Nehmen&#8221; nicht b\u00fcrgerlich als Tausch, sondern kollektiv als Waffenbruderschaft im revolution\u00e4ren Kampf. Zwangsveranstaltungen sind Schei\u00dfe! \u201eFreiheit&#8221; ist im b\u00fcrgerlichen Munde nur ein Wort&#8230; . Denn la\u00dft uns also k\u00e4mpfen, Schwestern und Br\u00fcder, der Vorteil des Angriffs ist auf unserer Seite, versetzen wir den Feind in Angst, geben wir ihm, was er so dringend braucht, um seine zwangsdressierte Psyche am Funktionieren zu halten. Dann wird er sich ergeben. Gr\u00f6\u00dfer als die Angst vor uns, ist seine Angst, ohne Angst dazustehen, ohne Feind. Lieber stirbt er, lieber gibt er auf. Der &gt;Todestrieb&lt; (Jaques Mesrine) ist die entscheidende Schwachstelle der b\u00fcrgerlichen Psyche, jener Trieb macht den \u00fcberm\u00e4chtig scheinenden Feind schwach und besiegbar. Als Jaques Ende Oktober\/Anfang November 79 an der Porte de Clignantcourt erschossen wurde, hat er den endg\u00fcltigen Sieg davongetragen: Die Angst seines Feindes stand nackt und blo\u00df vor aller Augen! Als das Maschinengewehrfeuer endete, hat er endg\u00fcltig verloren. Er hat bereits aufgegeben, da wartet eine reife Frucht, geerntet zu werden. Ohne Feind kann der B\u00fcrger nicht. Wir haben VIEL Zeit. Der Kampf kann mit gro\u00dfer Gelassenheit gef\u00fchrt werden. Ich bin Revolution\u00e4r, keine Memme. Sorgt euch nicht um mich. Die einzige Angst, von der zu reden ist, ist die unseres Feindes. Erfreuen wir uns an ihr, sie ist Stoff f\u00fcr sp\u00e4tere Geschichten an Lagerfeuern. Was ist der revolution\u00e4re Kampf? Ein Vernichtungsfeldzug? Nein, sondern eine Therapiema\u00dfnahme, die aus Untertanen Freie, aus B\u00fcrgern und sonstigen dressierten Lohnarbeits\u00e4ffchen w\u00fcrdevolle Gesch\u00f6pfe macht; kurz gesagt, macht der revolution\u00e4re Kampf aus Staatlingen, Lohnlingen und Profitlingen Menschen.<\/p>\n<p>Ja, es kommt Soli-Post an. Ob vollst\u00e4ndig, kann nicht gewu\u00dft werden, schlie\u00dflich haben da die Staatlinge ihre Flossen drauf. Soll nicht unsere Sorge sein, psychologische Kriegf\u00fchrung funktioniert nur bei Paranoikern.<\/p>\n<p>Brief 3 an die Soligruppe ist lang geworden, hoffentlich aber nicht langweilig. Ich wei\u00df, Du hast leise geflucht&#8230; . Es tut mir leid.<\/p>\n<p>Ein Hoch auf die revolution\u00e4ren Fraktionen des weltweiten Proletariats und auf jene, die sich diesen Fraktionen in den anstehenden K\u00e4mpfen noch anschlie\u00dfen werden!<\/p>\n<p>Leider hab ich nur einen franz\u00f6sischen Text des Alten Testaments zur Hand. Aus Juges 7,5: Ceux qui laperont l\u00b4eau avec la langue comme le font les chiens, tu les s\u00e9pareras de ceux qui s\u00b4agenouilleront pour boire.*<\/p>\n<p>*abgesehen vom monotheistisch-religi\u00f6sen Gehalt des Texts ein wundersch\u00f6nes Bild! (Ich bin \u201eHeide&#8221;.)<\/p>\n<p>Vivent les loups!<\/p>\n<p>Werner [Pfeil und Bogen] Ex nihilio plentitudines<\/p>\n<p>P.S.:<\/p>\n<p>P.S.1: Unter der <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/werner-braeuner-intervention-und-kommentar\" target=\"_blank\">URL<\/a> findet sich der Text &gt;Intervention und Kommentar von Werner Braeuner zu den Gr\u00fcnden f\u00fcr die T\u00f6tung eines Arbeitsamtsdirektors im Februar 2001 sowie zu den Hintergr\u00fcnden seines strafrechtlichen Verfahrens vor dem Landgericht Verden\/Aller im August 2001&lt;. Jener Text behandelt ausf\u00fchrlicher, und erg\u00e4nzt, das im Interview mit www.radioflora.de am 7.6.2011 berichtete.<\/p>\n<p>P.S.2: Aus Medienberichten nach der nieders\u00e4chsischen Landtagswahl im Zusammenhang des Revirements von Kultus- und Justizministerium, deren Minister zum jeweils anderen Ressort wechselten, l\u00e4\u00dft sich als Scharfmacher der Repression im Strafvollzug des Landes der Staatssekret\u00e4r Juergen Oehlschl\u00e4ger (so oder \u00e4hnlich geschrieben) vermuten. Der dann neue Justizminister Bernd Busemann (CDU) erwog damals, sich von Oehlschl\u00e4ger zu trennen, hat ihn allerding beibehalten.<\/p>\n<p>Interessant w\u00e4re, \u00fcber die politischen, wirtschaftlichen, verb\u00e4ndischen oder sonstigen organisatorischen Verbindungen und Zugeh\u00f6rigkeiten sowie \u00fcber den pers\u00f6nlichen \u00f6konomischen Hintergrund jenes Manns mehr zu erfahren, vor allem in Hinblick auf Beratungs- oder Bauunternehmen aus dem Gesch\u00e4ftsbereich Private Public Partnership bzw. Errichtung und\/ oder Betrieb (teil)privatisierter Haftanstalten. Das Land Niedersachsen steht in der Planung eines solchen Projekts in oder um Bremerv\u00f6rde.<\/p>\n<p>P.S.1, 9.6., nach heutigem Posterhalt um 17 Uhr: Hab Dank f\u00fcr Deinem Brief vom 8.6.; der TB ist ein Flugzeugtr\u00e4ger der Nimitz-Klasse wert, ja, er ist voll i.O., finde ich auch. Sch\u00f6n, was Du da alles berichtest, der Angriff l\u00e4uft und beginnt, sich zu entfalten. Ebenfalls um 17 Uhr, nach Fertigstellung meines Briefes hier, kam die Postkarte 2 (Mumia); die Nr.1 ist noch nicht angekommen. Ja, Mumia ist ein Bruder! Ja, sch\u00f6n, da\u00df du ihm schreibst, hab ich auch bereits einmal. Bitte gr\u00fc\u00dfe ihn und sende ihm die besten W\u00fcnsche von mir! F\u00fcr das Leben und die Freiheit von Mumia-Abu-Jamal! Und gegen die (rassistische) Vorverurteilung von Christy Schwundeck durch StA, Verbandsvertreter und Medien\/ Gerechtigkeit f\u00fcr Christy! Wer auf sein Recht verzichtet, verzichtet auf sein Menschsein, und wer auf das Recht nur eines einzigen Menschen verzichtet, verzichtet auf das der Menschheit aufs Menschsein.<\/p>\n<p>[Brief ENDE]<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Brief von Werner Braeuner vom 06. Juni 2011<br \/>\n326. Tag Arbeitsverweigerung \u2013 29. Tag Hungerstreik<\/strong><\/p>\n<p>Lieber,<\/p>\n<p>mir geht es gut, und ich best\u00e4tige den Erhalt der Post.<\/p>\n<p>Zusammen mit dieser Post geht morgen fr\u00fch die von Dir mitgeschickte Postkarte der tschechischen KP raus, an die Redaktion der \u201ejungen Welt\u201c, um mich f\u00fcr den solidarischen Beitrag am 5. 6. auf Seite 5, \u201eAnstaltsleitung kompromisslos\u201c bei den GenossInnen zu bedanken; ich habe mich sehr \u00fcber die Unterst\u00fctzung gefreut. Auch den Mitgefangenen macht ein solcher Beitrag viel Mut! Denn die Knastrepression hat sich pl\u00f6tzlich versch\u00e4rft, wie Dir&#8230; sicherlich bereits berichtet hat: neue und \u00fcble Einschlusszeiten f\u00fcr \u201eNichtarbeiter\u201c (siehe dazu auch meinen Brief 3 an die Berliner Soligruppe, der ebenfalls morgen fr\u00fch zusammen mit diesem Brief rausgeht)&#8230;.<\/p>\n<p>Gesundheitsbericht<\/p>\n<p>Am Freitag, 3. 6., Blutdruck und Urinschnelltest unauff\u00e4llig, Gewicht 69,7 kg (anf\u00e4nglich 83 kg). Die Abnehmgeschwindigkeit ist in der vergangen Woche \u00fcberraschend angestiegen auf 2,5 kg\/Woche, Vorwoche sind es lediglich 2,1 kg gewesen, Dr. Windelboth war am Freitag nicht anwesend, der Sani k\u00fcndigte an, den vergangenen Mittwoch ohne Angabe von Gr\u00fcnden ausgefallenen Bluttest am kommenden Mittwoch nachzuholen, meine psychische Verfassung ist weiterhin ungetr\u00fcbt \u2013 Kampf gibt Fl\u00fcgel!<\/p>\n<p>Sehr gut finde ich die Solikundgebung (in Berlin) vor der Arge in Neuk\u00f6lln, die von der \u201ejungen Welt\u201c angek\u00fcndigt worden ist. Bitte sende den GenossInnnen meine k\u00e4mpferischen Gr\u00fc\u00dfe! Gegen Staat und Repression, gegen das Dressieren von Menschen zu Lohnarbeits\u00e4ffchen durch Schule und repressive Arbeits- und Sozialbeh\u00f6rden! F\u00fcr eine gegen Lohnarbeit und Kapital k\u00e4mpfende Arbeiterklasse! Hoch die internationale Solidarit\u00e4t! F\u00fcr Revolution und Befreiung des Proletariats von Ausbeutung und Knechtschaft! Gegen die Kriege von NATO und US-Imperialismus! Es lebe das weltweite Proletariat! Solidarit\u00e4t mit Fl\u00fcchtlingen, Papierlosen und MigrantInnen! Einheit der Klasse! Sieg der Klasse! Klassenkampf!<\/p>\n<p>Bei 68 kg liegt mein pers\u00f6nliche Erfahrungsgrenze. 68 kg waren Mitte der 90er mein Kampfgewicht, als ich im Hochsommer f\u00fcr Monate mit Zelt und Rad im Gebirge unterwegs war. Was darunter liegt, unter 68 kg, ist mir unbekanntes Terrain. Es kann sein, dass ich bald schon schw\u00e4chele. Doch im Moment geht es mir \u00fcberraschend gut. Ich hoffe, das bleibt lange noch so.<\/p>\n<p>Es lebe der Kampf!<\/p>\n<p>Werner<\/p>\n<p>P.S. Ich habe am 31.5. meinem Anwalt Kelloglu geschrieben, er m\u00f6chte mich bei passender Gelegenheit besuchen, um eventuelle Optionen zu er\u00f6rtern!<\/p>\n<p>Doch so oder so k\u00e4mpfe ich auf Leben und Tod.<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Werner Braeuner: Brief vom 29. Mai 2011<br \/>\n319. Tag Arbeitsverweigerung &#8211; 21.Tag Hungerstreik<\/strong><\/p>\n<p>Einen revolution\u00e4ren Salut an die GenossInnen der Soligruppe aus dem Knast, aus dem innersten Heiligtum von Staat, Sozialdemokratie\/ Lohnarbeit und Kapital!<\/p>\n<p>Am Freitag, 27.5., ergab Wiegen 72,2 kg (\u2259-2,1kg zur Vorwoche); in der Woche ist die Abnehmgeschwindigkeit auf 12,5g\/h gesunken und betrug nur noch etwa die H\u00e4lfte der Geschwindigkeit der davorliegenden Woche. Laut Dr. Windelboth eine normale und erwartbare Entwicklung, er sch\u00e4tzt die Grenze hin zu einer gesundheitsbedrohlichen Abnahme k\u00f6nne bei mir bei etwa 60 kg liegen. Bei der aktuellen Abnahmegeschwindigkeit von etwa 2kg in der Woche w\u00fcrden bis zur Gefahrgrenze folglich noch 6 Wochen bleiben, eventuell l\u00e4nger, da die Abnahmegeschwindigkeit vorraussichtlich weiter sinken wird. Ein Mitgefangener, Roland Wenzel, hat 4 Hungerstreiks durchgef\u00fchrt und meint, bereits vor Erreichen dieser Grenze w\u00fcrde es mir allerdings k\u00f6rperlich und mental sehr sehr schlecht gehen. Er wundert sich, da\u00df es mir derzeit noch sehr gut geht, ich hatte, au\u00dfer am Mittwochmorgen f\u00fcr einige Stunden Schwindeligkeit, bisher keinerlei Beschwerden.<br \/>\nBlutdruck war normal, Bluteisen war normal, auch die sonstigen Blutwerte. Die Blutwerte T3 und T4, was immer das sein mag, waren am Freitag vom Labor noch nicht ermittelt worden und sollen nachgeliefert werden, am n\u00e4chsten Freitag sollen sie vorliegen. Da die Blutentnahme am Mittwoch erfolgt war, konnten jene fehlenden Werte wohl nicht rechtzeitig vom Labor festgestellt werden. Dr. Windelboth k\u00fcndigte an, mich bei Erreichen der Gefahrengrenze nicht l\u00e4nger behandeln und an einen anderen \u00e4rztlichen Dienst \u00fcberstellen zu wollen, da er die dann entstehende \u00e4rztliche Verantwortung nicht \u00fcbernehmen w\u00fcrde. Es m\u00fc\u00dfte entschieden werden, mich dann entweder unter Zwang k\u00fcnstlich zu ern\u00e4hren oder sterben zu lassen. In der Tat sollte diese Entscheidung nicht bei einem Arzt liegen, denn sie ist politisch  und f\u00e4llt mithin allein unter die Zust\u00e4ndigkeit des nieders\u00e4chs. Justizministers.<br \/>\nDer hat die Frage zu beantworten, ob das Leben eines Gefangenen den Betrag von j\u00e4hrlich 9 Millionen Euro  aufwiegt, den das Ministerium durch zweckfremde Verwendung der Bundesmittel f\u00fcr den Tagesverpflegungssatz Gefangener offensichtlich rechtswidrig einbeh\u00e4lt.<br \/>\n\u00dcbrigens berichtete Ronald Wenzel, in der JVA Hannover sei er wegen Hungerstreiks in Isolation gebracht worden, nach einigen Tagen des Hungerns sei ihm das wasser abgestellt worde, was ihm zum Abbruch des Streiks gezwungen habe. Er meint, dies Vorgehen der Anstalt sei rechtlich gedeckt. Ronald wird von Barbara Klawitter aus Hannover vertreten, er ist 60, hat unheilbaren Knochenkrebs, schwere Diabetes und wurde drau\u00dfen noch arbeitsunf\u00e4hig geschrieben, Rente ist beantragt, sein Arzt drau\u00dfen sch\u00e4tzt seine Lebenserwartung auf 18 Monate etwa, seine Unterschenkel sind vom Zucker bereits taub und sollen in 6 Monaten amputiert werden. Ronald erh\u00e4lt dennoch keine Diabetikerkost, die Anstalt begr\u00fcndet das mit \u201eKosten\u201c.<br \/>\nZudem macht ihm die Anstaltsleitung, in der Vollzugsabteilung vertreten durch den \u201eAbteilungshelfer\u201c Tiedje (de facto m\u00e4chtiger als die nominelle Leitung der Vollzugsabteilung und verl\u00e4ngerter Armder Anstaltsleitung f\u00fcr Repressionsdrecksarbeit, die die Vollzugsabteilungsleitung nicht \u00fcbernehmen wolln w\u00fcrde), Druck, arbeiten zu gehen, indem Ronald die ihm offenbar zustehende Diabetikerzulage von 50 oder mehr \u20ac f\u00fcr den Einkauf zus\u00e4tzlicher Nahrung verwehrt wird. RA&#8217;in Klawitter sei dran an dieser Sache, sagt Ronald.<br \/>\nNun, wie Ihr seht, sind Gefangene weitestgehend rechtlos, umso mehr verwunderlich ist der sanfte Umgang der Anstalt mit meiner im Hungerstreik befindlichen Person. Wie alle Verbrecher, scheuen Justizbeh\u00f6rde und Strafvollzug das Licht der \u00d6ffentlichkeit. Und jenes Licht seid Ihr, GenossInnen und die vielen anderen solidarischen Unterst\u00fctzerInnen! So lebe der revolution\u00e4re Kampf gegen Staat, Sozialdemokratie\/ Lohnarbeit und Kapital, es lebe die revolution\u00e4re Solidarit\u00e4t des Proletariats! Ein Hoch auf die revolution\u00e4ren Fraktionen des weltweiten Proletariats und auf jene, die sich diesen Fraktionen in den kommenden K\u00e4mpfen noch anschlie\u00dfen werden.<br \/>\nKopf und Faust allezeit oben,<\/p>\n<p>Werner [das Abtipper: Pfeil und Bogen-Piktogramm um den Schaft geschrieben]<\/p>\n<p>ex nihilo plentitudines!<\/p>\n<p>P.S.: Roland Wenzel ist einverstanden, \u00f6ffentlich genannt zu werden, er ist ein k\u00e4mpferischer und rebellischer Gefangener<\/p>\n<p>Wer auf sein Recht verzichtet, verzichtet auf ein Menschsein. Oder: Wer auf sein Menschsein verzichtet hat, verzichtet auch auf sein Recht, und auf das Recht aller anderen Menschen!<\/p>\n<p>P.S.2: Bitte sprecht nicht von \u201eVerzweiflungstat\u201c sondern von \u201eWiderstandstat\u201c was den 6.2.2001 betrifft. Die Totschlagsversion war erzwungen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werner Braeuner befindet sich mittlerweile am 40. Tag im Hungerstreik. Wir \u00fcbernehmen hier einige seiner Briefe, die auch schon auf der Webseite des Netzwerk Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen ver\u00f6ffentlicht wurden. Brief von Werner Braeuner vom 13.06.2011 334. Tag&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[9,4],"tags":[699,164,163],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4438"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4438"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4438\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4444,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4438\/revisions\/4444"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4438"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4438"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4438"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}