{"id":4482,"date":"2011-06-24T12:01:50","date_gmt":"2011-06-24T10:01:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=4482"},"modified":"2014-12-22T21:20:16","modified_gmt":"2014-12-22T20:20:16","slug":"ueber-die-situation-des-gefaehrten-gabriel-pombo-da-silva-und-ein-paar-andere-dinge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/ueber-die-situation-des-gefaehrten-gabriel-pombo-da-silva-und-ein-paar-andere-dinge","title":{"rendered":"\u00dcber die Situation des Gef\u00e4hrten Gabriel Pombo da Silva und ein paar andere Dinge"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Gabriel-Pombo-da-Silva.jpg\" rel=\"lightbox[4482]\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-4067 alignright\" title=\"Gabriel Pombo da Silva, spanischer Anarchist, inhaftiert in der JVA Aachen\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/05\/Gabriel-Pombo-da-Silva-106x150.jpg\" alt=\"Gabriel Pombo da Silva, spanischer Anarchist, inhaftiert in der JVA Aachen\" width=\"106\" height=\"150\" \/><\/a><span class=\"dropcap\">A<\/span>m 2. und 10. Mai musste Gabriel, der seit dem Jahr 2004 in dem Gef\u00e4ngnis in Aachen eingesperrt ist, zwei Durchsuchungen durch die Schlie\u00dfer in seiner Zelle \u00fcber sich ergehen lassen. Sie kamen aufgrund einiger Denunziationen anderer Gefangener, die ausgesagt hatten, dass er ein Handy bei sich gehabt haben soll.<\/p>\n<p>Die erste Durchsuchung brachte nicht das erwartete Ergebnisse, aber der \u201eSicherheitsleiter\u201c nutzte trotzdessen die Gelegenheit, um alles m\u00f6gliche in den Schmutz zu ziehen und pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde (Kleidungst\u00fccke, Hanteln, Radio, Fernseher usw&#8230;) zu beschlagnahmen. Der offizielle Grund daf\u00fcr war, da\u00df er die \u201eRechtm\u00e4\u00dfigkeit\u201c oder ein m\u00f6gliches Verbieten verifizieren wollte \u2013 wir erinnern hier daran, da\u00df Gabriel sich immer noch verweigert die Knastkleidung zu tragen und sich dem Arbeitszwang zu unterwerfen, was innerhalb deutscher Kn\u00e4ste nicht die Normalit\u00e4t ist.<br \/>\nDie Schlie\u00dfer haben sich mit dieser schmutzigen Aktion nicht zufrieden gegeben und einen weiteren Hinweis eines Gefangenen erhalten, woraufhin sie eine zweite Durchsuchung w\u00e4hrend der Besuchszeit unternommen haben und zwar noch einmal in Gabriels Abwesenheit. Sie zerst\u00f6rten die Zelleneinrichtung und fanden ein Handy. Als unser Gef\u00e4hrte von dem Besuch zur\u00fcckkam, befahlen sie ihn sich auszuziehen, um bei ihm eine k\u00f6rperliche Durchsuchung durchzuf\u00fchren, eine Ma\u00dfnahme, die er wie \u00fcblich verweigerte. Aber dieses Mal wurde er zu einer Bestrafungszelle gebracht, wo einige Stunden sp\u00e4ter eine Armada von Meuchelm\u00f6rdern einbrachen, um ihn zum Ausziehen zu zwingen. Als sie diese unreine \u201eProzedur\u201c zur Ende brachten, fanden sie einige Pillen, die sie erst einmal als Drogen bewerteten.<br \/>\nAls erste \u201eSicherheitsma\u00dfnahme\u201c wurde ab sofort der Besuch mit Trennscheibe verordnet. Allerdings best\u00e4tigte das Ergebnis der Untersuchungen was Gabriel schon sagte: dass es sich um Vitamine handelte. Damit wurde die Aufhebung der Trennscheibe erreicht, aber am 26. Mai ordnete die Knastleiterin einige disziplin\u00e4re Sanktionen aufgrund des Handybesitzes an: Aufhebung aller \u201eresozialisierenden\u201c Aktivit\u00e4ten (Sport, Zugang zur K\u00fcche, Umschluss&#8230;) f\u00fcr einen weiteren Monat und der Langzeitbesuche f\u00fcr zwei Monate. Sie gaben ihm einen Teil seiner Sachen zur\u00fcck (das Radio und den Fernseher) und er denkt, da\u00df er den Rest auch bald wieder zur\u00fcckbekommen wird.<\/p>\n<p>Sicherlich haben diese Ereignisse bei Gabriel so viel Hass, sowie Ekel und Zorn verursacht, wegen der Aktionen der Schlie\u00dfer und aufgrund der Handlungen der Gefangenen, die bereit gewesen sind ihn zu verpfeifen, um sich aus einer problematischen Situation herauszureden &#8211; oder einfach um sich in ein gutes Licht vor den Henkern zu stellen.<br \/>\nDiese Geschichte reiht sich ein in die viel zu lange Liste der Grauenhaftigkeiten des Knastes, wo innerhalb einer eingeschlossenen Welt sich die unterschiedlichen Mechanismen der Herrschaft im gro\u00dfen Ma\u00dfstab reproduzieren: die Erpressung durch kleine Verg\u00fcnstigungen geht zusammen mit miserablen Abmachungen mit den Schlie\u00dfern, die auch gerne mal ihre Schl\u00fcsselbunde verleihen; die Denunziation erg\u00e4nzt die Anwendung von brutaler Gewalt gegen diejenigen, die sich diesen schmutzigen Machtspielen verweigern und sich nicht der Willk\u00fcrlichkeit der Ordnung anzupassen. Und wenn die Knastverwaltung die Schl\u00e4ge nicht als das geeignete Mittel betrachten, um diejenigen zu beugen die nicht resignieren, dann gibt es andere Waffen zur Verf\u00fcgung, um die hochgehaltenen K\u00f6pfe zu unterwerfen: neben der Folter der Einsperrung kommen Schikanen und Erniedrigungen aller Arten hinzu. Die Kontrolle \u00fcber die K\u00f6rper und den Geist betrifft dar\u00fcber hinaus auch die Beziehungen au\u00dferhalb der Mauern \u2013 durch die Verwaltung der Besuche, Eingriffe in die Briefwechsel und andere Wege der Kommunikation &#8211; sowie auch innerhalb der Mauern, wo die r\u00e4umliche Aufteilung der Gefangenen auch eine Folge der dreckigen Berechnungen \u00fcber das unertr\u00e4gliche Zusammenleben und die Konflikten und Racheakte, die sie provozieren k\u00f6nnten, ist.<\/p>\n<p>Gabriel leidet jeden Tag unter der Art der Isolation, die darauf abzielt die widerspenstigen Individuen gegen\u00fcber dieser etablierten Ordnung zu vernichten, es trifft ihn genauso wie andere, aber ohne dabei den Menschen, der er ist, aufzugeben, und weder seine Ideen noch seine Handlungen oder Ethik. Dies macht keinen Helden aus ihm, aber genauso wenig ein Opfer, sondern ein Individuum im Kampf gegen dieses System und alles was es auf allen Ebenen verk\u00f6rpert. Und dies ist genau der Kampf, den wir auch weiterverfolgen m\u00f6chten, indem wir unsere Entschlossenheit bekr\u00e4ftigen alle Arten der Einsperrung zu bek\u00e4mpfen, um die Kn\u00e4sten zu zerst\u00f6ren und um mit der Gesellschaft, die sie ben\u00f6tigt und produziert, zu einem Ende zu kommen.<\/p>\n<p>Einige GenossInnen, Juni 2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 2. und 10. Mai musste Gabriel, der seit dem Jahr 2004 in dem Gef\u00e4ngnis in Aachen eingesperrt ist, zwei Durchsuchungen durch die Schlie\u00dfer in seiner Zelle \u00fcber sich ergehen lassen. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":10279,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[1,9],"tags":[160,61,204],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4482"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4482"}],"version-history":[{"count":18,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4482\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10302,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4482\/revisions\/10302"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4482"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4482"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4482"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}