{"id":488,"date":"2009-05-22T11:44:12","date_gmt":"2009-05-22T09:44:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=488"},"modified":"2014-12-15T18:44:19","modified_gmt":"2014-12-15T17:44:19","slug":"neue-antiterrorermittlungen-in-frankreich-tod-einer-genossin-ein-weiterer-schwer-verletzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/neue-antiterrorermittlungen-in-frankreich-tod-einer-genossin-ein-weiterer-schwer-verletzt","title":{"rendered":"Neue Antiterrorermittlungen in Frankreich \u2013 Tod einer Genossin, ein weiterer schwer verletzt"},"content":{"rendered":"<p><em>Diesen Beitrag haben wir um den 15. Mai herum geschrieben. Jeden Tag erscheinen neue Artikel in der b\u00fcrgerlichen Presse und die Geschichte entrollt sich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck. Wir werden dieses Ereignis weiterverfolgen, deshalb k\u00f6nnt ihr auf unsere Website schauen, sobald es Updates gibt, werden sie dort bekannt gemacht. F\u00fcr diejenigen, die franz\u00f6sisch sprechen und aufgrund ihres nicht eingesperrt seiens einen Zugang zum Internet haben, empfehlen wir die immer lesenswerte anarchistische Website der Zeitung \u201cCette Semaine\u201d, cettesemaine.free.fr.<\/em><\/p>\n<p><center><strong><br \/>\nNeue Antiterrorermittlungen in Frankreich \u2013<br \/>\nTod einer Genossin, ein weiterer schwer verletzt<\/strong><\/center>W\u00e4hrend wir versuchen diesen Beitrag zu schreiben, finden wir es extrem schwierig unsere Gef\u00fchle in Worte auszudr\u00fccken. Trotzdem versuchen wir dies, vor allem, weil dieses Ereignis leider immer noch nicht in der Bewegung bekannt gemacht wurde.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAnfang Mai mussten wir auf einigen franz\u00f6sischen Internetseiten eine traurige Nachricht lesen. In der Nacht zum 1. Mai ist eine Genossin, Zoe, 24 Jahre alt, beim Hantieren mit Natriumchlorat (geeignet zum Bau von explosiven Gegenst\u00e4nden und Rauchpulver \u2013 je nach Gemisch) ums Leben gekommen. Ihr Freund, Mick\u00e4el, wurde schwer verletzt und liegt im Moment noch im k\u00fcnstlichen Koma auf der Intensivstation im Krankenhaus in Lyon, wohin er sofort mit Hilfe eines Hubschraubers gebracht wurde.<br \/>\nWas aus ihm wird, sollte er zu Bewusstsein kommen, ist unklar. Die Bullen warten schon ungeduldig und die Aasgeier der Presse arbeiten wieder flei\u00dfig daran die Figuren zweier \u201eTerrorist_innen, die wahrscheinlich der anarcho-autonomen Bewegung angeh\u00f6ren\u201d aufzubauen.<\/p>\n<p>Die Beiden befanden sich zum Zeitpunkt des Unfalls in einer verlassenen Fabrik in Cognin, was in der N\u00e4he von Chambery liegt. Sie wurden von der Presse als \u201cMenschen, die dem libert\u00e4ren Milieu nahe stehen\u201d beschrieben. Wie wir in den Zeitungen lesen mussten war Mick\u00e4el in der Schweiz aktiv und hat auch im Squat \u201cLa Tour\u201d bis zu dessen R\u00e4umung im Jahr 2007 gewohnt. Zoe hat auch eine Geschichte, die mit Hausbesetzungen zu tun hat. Die Beh\u00f6rden beschweren sich bei ihr \u201enichts weiteres als ihre Beteiligung an einigen politischen Demonstrationen gefunden zu haben\u201d.<br \/>\nDas Umfeld der beiden, das Squat &#8220;Les Pilots&#8221; in Chambery (eine Stadt in der N\u00e4he von Grenoble), wurde unter die Lupe genommen: Am Montag, den 4. Mai wurde das Squat von einem martialischen Aufgebot von 130 Bullen, darunter Antiterroreinheiten, durchsucht, um \u201eBeweise jeglicher Art zu finden\u201d. Die elf Menschen, die sich in dem Squat aufhielten, wurden verh\u00f6rt. Einer von ihnen, Raphael, wurde f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in der Polizeiwache festgehalten, denn nach dem Antiterrorgesetz kann mensch bis zu 144 Stunden (sechs Tage) sitzen. Schlussendlich wurde er nach der Anh\u00f6rung beim Haftrichter in Haft genommen.<br \/>\nNat\u00fcrlich wird jetzt auf ganz hohem Niveau gegen Terrorist_innen ermittelt, aufgrund \u201eMitgliedschaft in einer Vereinigung von \u00dcbelt\u00e4ter_innen mit Kontakten zu einer terroristischen Vereinigung\u201d und \u201eZerst\u00f6rung von Dokumenten oder Objekten, die einen Bezug zu Verbrechen oder Delikten haben\u201c. Raphael soll angeblich Dokumente vernichtet haben, die mit der Explosion in Cognin zu tun gehabt haben sollen \u2013 das jedenfalls behauptet die Polizei. Au\u00dferdem soll das Squat \u201ePilot\u201d ger\u00e4umt werden, um die Ordnung in der Stadt wieder herzustellen.<br \/>\nMittlerweile wurden auch zwei weitere Squats in Chambery durchsucht und Leute verh\u00f6rt. Zitate aus einer Erkl\u00e4rung des Squat \u201eLes Pilots\u201d: \u201e[&#8230;] Es gibt gro\u00dfe Chancen, dass diese Geschichte seitens des Staates instrumentalisiert wird, um den Aufbau der \u201einneren Feinde\u201d, der neuen \u201eanarcho-autonomen Zelle\u201d, neu modisch und eine Psychose en vogue, voranzutreiben. Dies wird zur Errichtung neuer Sicherheitsma\u00dfnahmen dienen, gerade im Hinblick auf die europ\u00e4ischen Wahlen, die bald anfangen [&#8230;].<br \/>\nAuch f\u00fcr uns ist die Sache nicht beendet. Denn warten wir auf die n\u00e4chste GAV [&#8220;Garde \u00e0 vue&#8221; &#8211; vorl\u00e4ufige Festnahme, welche bis zur Vorf\u00fchrung vor den Haftrichter andauert, bis zu 144 Stunden], wissen wir weder was sie suchen, noch bis zu welchem Punkt sie bereit sind zu gehen. Es wurde gesagt, dass sie gerade einen \u201e\u00e4lteren Menschen\u201d suchen, der an dem Abend in Cognin dabei gewesen sein soll. [&#8230;].\u201d<br \/>\nDas Magistrat, das nun die Ermittlungen in der Hand hat, ist zum Teil das gleiche, das gegen die sogenannten \u201eTarnac 9\u201d ermittelt. Raphael wurde nun nach seiner Anh\u00f6rung in den Pariser Knast \u201eLa Sante\u201d verlegt. In die gleiche Abteilung wie Julien Coupat, der letzte im Knast verbliebene der \u201eTarnac 9\u201d. Es wurde ein Unterst\u00fctzungskommittee f\u00fcr Raphael in Chambery gegr\u00fcndet und es fand eine Solidemo in Chambery f\u00fcr ihn statt, an welcher sich 200 Leute beteiligten.<\/p>\n<p>So weit erstmal die Fakten, die uns bekannt sind.<\/p>\n<p>Es ist gerade allgemein ziemlich schwierig zu verstehen was in Frankreich abgeht, denn leider gab es keine Texte, die nicht auf franz\u00f6sisch waren und generell herrscht etwas \u201eRuhe\u201d um die Sache. Den Gro\u00dfteil der Informationen mussten wir leider aus der b\u00fcrgerlichen Presse entnehmen, was uns gar nicht gef\u00e4llt, weil uns selbstverst\u00e4ndlich eher die Worte unserer Genoss_innen glaubhaft erscheinen. Wir w\u00fcrden uns vor allem w\u00fcnschen mehr Stellungnahmen zu lesen, die auf den Tod der Genossin und die schweren Verletzungen des anderen Genossen eingehen. Denn die meisten Beitr\u00e4ge, die wir lesen konnten (dies hei\u00dft selbstverst\u00e4ndlich nicht, dass wir alle Beitr\u00e4ge zu dem Fall gelesen haben), haben sich eher auf die Kriminalisierungsversuche, die der Staat und seine Antiterrortruppen gerade anwenden und weiter ausbauen, konzentriert und ausgesagt, \u201eda\u00df wir keine Terrorist_innen seien\u201d (ein weiteres Zitat aus dem Squat \u201eLes Pilots\u201d).<br \/>\nDas sagen auch wir. Denn es ist wichtig und richtig. Wir wissen n\u00e4mlich, wer die wahren Terrorist_innen sind und wo sie gem\u00fctlich sitzen: Polizeiwachen, Tribunale, Parlamente usw.<\/p>\n<p>Wir finden es traurig, dass wir nur wenige Worte \u00fcber die beiden Genoss_innen finden konnten. Es bleibt vielleicht auch nur wenig Zeit sich gerade darauf zu konzentrieren, denn der Staat \u00fcberzieht die Menschen aus ihrer Umgebung sofort mit Repression. Zudem d\u00fcrften ihre GenossInnen auch gerade mehr als \u201eersch\u00fcttert\u201d sein und wir k\u00f6nnen auch verstehen, wenn sie selbst erstmal kein Wort in der \u00d6ffentlichkeit reden m\u00f6chten. Aber was ist mit allen anderen?<br \/>\nWir sind von dem Tod einer Genossin und den schweren Verletzung eines weiteren ersch\u00fcttert und bei so etwas wollen wir nicht schweigen&#8230;<\/p>\n<p>Hier aus der Entfernung befinden wir uns in einer \u201eprivilegierten\u201d Position. Deshalb wollen wir mit diesem Schreiben auch auf keinen Fall das Verhalten der Genoss_innen dort \u201everurteilen\u201d, denn wie gesagt, wir wissen selbst so wenig dar\u00fcber, dass wir dabei das Gef\u00fchl haben nicht wirklich viel sagen zu k\u00f6nnen, au\u00dfer ein paar unserer emotionalen Eindr\u00fccke nach solch einem Ereignis.<\/p>\n<p>Was bei der Sache aber nicht vergessen werden sollte ist, dass durch einen fehlenden Informationsfluss, welcher direkt aus der Szene kommt und dabei die bestehenden autonomen Medien nutzt, das Meinungs-Monopol und die Verbreitung von Informationen den b\u00fcrgerlichen Medien obliegt. Dieses Monopol wird immer in einer uns diffamierenden und in schlechtes Licht r\u00fcckenden Art und Weise benutzt und bewusst werden Informationen weggelassen und falsche hinzugef\u00fcgt, um bestimmte Stimmungsbilder in der Bev\u00f6lkerung zu erzeugen. Deswegen ist es notwendig die eigenen Medien ausgiebig zu nutzen, damit wir als GenossInnen nicht auf die b\u00fcrgerliche Presse angewiesen sind.<\/p>\n<p>Ob wir die beiden GenossInnen kennen?<br \/>\nWahrscheinlich nicht, aber darum geht es auch nicht.<br \/>\nEs kann sicherlich sein, dass wir uns irgendwo auf den Barrikaden Europas in den Jahren mal getroffen haben oder blo\u00df beim Vok\u00fc mampfen bei einem Grenzcamp, wer wei\u00df.<br \/>\nUns interessiert auch weniger, was die beiden an dem Abend gemacht haben und was sie vor hatten.<br \/>\nDenn unsere Solidarit\u00e4t oder Trauer wird sich dadurch nicht \u00e4ndern. Genauso wie unsere Verbundenheit mit Leuten, die gegen Staat und Kapital k\u00e4mpfen.<br \/>\nWir hoffen, da\u00df sich die Leute aufgrund der Schwere der Situation nicht einsch\u00fcchtern lassen werden und dass wir gemeinsam die Unterst\u00fctzung f\u00fcr den weiteren Genossen, der gerade im Krankenhaus, in den H\u00e4nden der Bullerei liegt, organisieren k\u00f6nnen, genauso wie weitere Repressionsschl\u00e4ge, die demn\u00e4chst kommen k\u00f6nnten erfolgreich zur\u00fcckschlagen werden.<br \/>\nDennoch werden die Beh\u00f6rde solch einen Fall bestimmt nicht aus den Augen verlieren und weiter versuchen uns durch ihre Ermittlungen in die \u201eDefensive\u201d zu dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Lasst uns ihnen zeigen, dass unsere Revolte unaufhaltsam ist und dass wir f\u00e4hig sind aus der Defensive heraus wieder den Angriff gegen das Bestehende zu organisieren.<br \/>\nWie wir es schon oft gemacht haben.<\/p>\n<p>Der beste Weg um Zoe zu trauern und Mick\u00e4el zu unterst\u00fctzen bleibt die Fortsetzung des Kampfes gegen die Gegenwart. Viel mehr schaffen wir erstmal nicht zu sagen, denn die Traurigkeit dieses Falles l\u00e4sst sich schwer in Worten oder k\u00e4mpferischen Slogans ausdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Raphaels Adresse:<br \/>\n<em>Rapha\u00ebl SERRES num\u00e9ro d\u2019\u00e9crou : 290890 Maison d\u2019arr\u00eat de la Sant\u00e9 42 rue de la Sant\u00e9 &#8211; 75014 Paris<\/em><\/p>\n<p>Soliwebseite auf franz\u00f6sisch: <a href=\"http:\/\/lesinculpes.over-blog.com\">www.lesinculpes.over-blog.com<\/a><\/p>\n<p>In Trauer um Zoe und Gedanken an alle, die mit uns Trauern<br \/>\nUnsere Gedanken gehen an Mickael<br \/>\nSolidarit\u00e4t mit Raphael<br \/>\nSolidarit\u00e4t mit allen Gefangenen<\/p>\n<p>ABC Berlin<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diesen Beitrag haben wir um den 15. Mai herum geschrieben. Jeden Tag erscheinen neue Artikel in der b\u00fcrgerlichen Presse und die Geschichte entrollt sich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck. 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