{"id":4890,"date":"2011-08-17T22:29:31","date_gmt":"2011-08-17T20:29:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=4890"},"modified":"2012-04-10T20:31:20","modified_gmt":"2012-04-10T19:31:20","slug":"vom-kampf-im-val-susa-von-sabotage-und-distanzierungen%e2%80%a6","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/vom-kampf-im-val-susa-von-sabotage-und-distanzierungen%e2%80%a6","title":{"rendered":"Vom Kampf im Val Susa, von Sabotage und Distanzierungen\u2026"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/brand-im-Bahnhof-von-Tiburtina-in-Rom.jpg\" rel=\"lightbox[4890]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-4891\" title=\"Brand im Bahnhof Tiburtina in Rom am 24. Juli 2011\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/brand-im-Bahnhof-von-Tiburtina-in-Rom-250x189.jpg\" alt=\"Brand im Bahnhof Tiburtina in Rom am 24. Juli 2011\" width=\"150\" height=\"113\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/brand-im-Bahnhof-von-Tiburtina-in-Rom-250x189.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/brand-im-Bahnhof-von-Tiburtina-in-Rom-600x454.jpg 600w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/brand-im-Bahnhof-von-Tiburtina-in-Rom.jpg 633w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><em>von <a href=\"http:\/\/andiewaisendesexistierenden.noblogs.org\/post\/2011\/08\/17\/vom-kampf-im-val-susa-von-sabotage-und-distanzierungen\/\" target=\"_blank\">an die Waisen des Existierenden<\/a><\/em><\/p>\n<p>Am 24. Juli entfachte beim Bahnhof von Tiburtina in Rom ein riesiger Brand,\u00a0den die Feuerwehr erst innert f\u00fcnfzehn Stunden ausl\u00f6schen konnte und der das nationale Eisenbahnnetz blockierte. Dieser Brand brach in einem Neubau auf einer Baustelle von einem der Hauptknotenpunkte des TAV-Eisenbahnnetzes aus. Angesichts der Sch\u00e4den und der Schwierigkeit, die Ruinen zu analysieren, ging gleichsam der Verdacht \u00fcber eine Anti-TAV Sabotage [TAV=Hochgeschwindigkeitszug], wie jener eines Kurzschlusses um. Selbstverst\u00e4ndlich haben sich die Vertreter der Anti-TAV Bewegung ab dieser Mutmassung entr\u00fcstet. Diese Bewegung, von der stets so gutm\u00fctig behauptet wird, dass alles und alle nebeneinander auskommen\u2026<br \/>\n<!--more--><br \/>\nIm Val Susa findet seit nun etwa 10 Jahren Widerstand gegen den dortigen Bau einer Eisenbahnstrecke f\u00fcr Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge statt. Mit den wiederaufgenommenen Bauerbeiten diesen Sommer begannen die K\u00e4mpfe, nach 5 Jahren relativer Ruhe, im Tal wieder aufzuleben. Die Teilnehmer an diesem Kampf sind \u00e4usserst divers. So sind, neben den zahlreichen Anarchisten, nat\u00fcrlich vor allem grosse Massen an \u201eb\u00fcrgerprotestlerischen\u201c Bewegungen pr\u00e4sent (was man im Franz\u00f6sischen gut unter dem Begriff <em>citoyenisme <\/em>versteht). Und, wie es nicht selten bei Massenbewegungen der Fall ist, begannen darin leider auch Gef\u00e4hrten, \u201ePolitik\u201c zu machen und auf opportunistische Spielereien einzusteigen. Man passt die Sprache an, man passt die Praktiken an\u2026<\/p>\n<p>Darum haben wir folgend einen kurzen Text von italienischen Gef\u00e4hrten\u00a0(Original: <a href=\"http:\/\/finimondo.org\/node\/355\" target=\"_blank\">www.finimondo.org<\/a>) \u00fcbersetzt, die anhand der oben genannten mutmasslichen Brandsabotage in Rom einige dieser Problematiken zumindest aufwerfen\u2026.<br \/>\nWeiter unten folgt eine kurze Chronologie von Ereignissen von Anfangs Juli bis jetzt, darunter eine weitere Dissoziation nach einem Brand von mehreren Lastwagen einer TAV-Baufirma in Val Susa.<br \/>\nZuletzt jener Teil der Chronologie des Kampfes im Val Susa, der schon in der ersten Ausgabe der anarchistischen Zeitschrift <em><a href=\"https:\/\/andiewaisendesexistierenden.noblogs.org\/post\/2011\/07\/29\/1-ausgabe-von-grenzenlos-anarchistische-zeitschrift-zurich-juli-2011\/\" target=\"_blank\">Grenzenlos<\/a><\/em> ver\u00f6ffentlicht wurde.<\/p>\n<p><strong><br \/>\nDas Drahtseil<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend im Val Susa das Gefecht tobt, zwischen den zur Verteidigung der Freien Republik von Maddalena herbeigeeilten Freiwilligen und den zur Aufzwingung der Sklavenrepublik von Italien entsendeten Leibw\u00e4chtern, zerst\u00f6rte in Rom ein n\u00e4chtlicher Brand den neuen Steuerungssaal des Bahnhofs von Tiburtina (ein TAV-Knotenpunkt) und setzte den nationalen Eisenbahnverkehr au\u00dfer Betrieb. Die Vermutung, dass es zwischen den Protesten im Tal und Brandstiftung in der Stadt eine Verbindung geben k\u00f6nnte, war sofort da, ebenso wie auch die Emp\u00f6rung und die Dementierungen des \u201eNoTav-Volkes\u201c durch den Mund ihrer \u00f6ffentlichen Vertreter. Versp\u00e4tet und wenig \u00fcberzeugend die institutionellen Beteuerungen \u00fcber die wahrscheinlichen nat\u00fcrlichen Gr\u00fcnde des Ereignis: ein Kurzschluss, eher schwerlich eine Sabotage, vielleicht der Kollateraleffekt eines einfachen Kupferdiebstahls.<\/p>\n<p>Doch dieser Verdacht, der sich \u2013 halb zwischen Hoffnung und Angst \u2013 w\u00e4hrend Stunden erweckte und noch immer nicht v\u00f6llig zerstreut ist, sagt viel aus. \u00dcber die Angst der Autorit\u00e4ten, sowie \u00fcber die M\u00f6glichkeiten der Aktion. Das, was sie in Schrecken versetzt, ist das, was uns begeistert: die M\u00f6glichkeit, dass der Kampf gegen den TAV das abgelegene piemontesische Tal verl\u00e4sst, um im ganzen Land auszubrechen. Dass er sich schliesslich von den unertr\u00e4glichen b\u00fcrgerprotestlerischen (.: <em>cittadiniste<\/em>) Litaneien losreisst, um die Waffe der Sabotage zu ergreifen. Ein schrecklicher und gleichzeitig wunderbarer Gedanke. Und das ist nicht nur m\u00f6glich, es ist auch einfach. Kein Video\u00fcberwachungssystem, keine Patrouillenerh\u00f6hung wird jemals die Funktionsf\u00e4higkeit eines Bahnnetzes garantieren k\u00f6nnen, das sich \u00fcber zehntausende Kilometer erstreckt. Es ist nicht n\u00f6tig, auf einen Zug aufzuspringen und in den Wagen der Politik zu steigen, um zu versuchen, die Hoch Geschwindigkeit zu stoppen. Es ist nicht n\u00f6tig, den im \u00dcbrigen republikanischen Strategen eine gro\u00dfz\u00fcgige, ergebene und schweigende Hilfsarbeitskraft zu sein.<\/p>\n<p>Der Brand von Rom flammte f\u00fcnfzehn Stunden lang, bis er ausgel\u00f6scht wurde. Doch die verbliebene Asche weist noch immer widerst\u00e4ndische Glut auf. In anderen Teilen Italiens brennen TAV-Baustellen, aber es brennen auch Lastwagen einer Firma, die in die Arbeiten in Chiomonte (Val Susa) involviert ist. Und siehe da, wie die Feuerwehrleute von \u00fcberall her mit ihren Wasserschl\u00e4uchen herbeikommen, jene, die Schaum verspritzen und jene, die Pressecommuniqu\u00e9s schmieden. Und es sind vor allem diese letzteren \u2013 die Wortf\u00fchrer, die Vertreter, die F\u00fchrer \u2013, die sich am meisten darum k\u00fcmmern, Wasser aufs Feuer zu werfen. Vorgestern haben sie das Feuer von Florenz missbilligt, Gestern haben sie sich ab jenem von Rom entsetzt, Heute verurteilen sie jenes von Susa. Aber was, ist es nicht so, dass unter dem edlen und grossm\u00fctigen \u201eNoTAV Volk\u201c alle Gem\u00fcter, alle Methoden, alle Haltungen nebeneinander auskommen, in gegenseitigem Respekt der Differenzen? Waren nicht alle in ihrem Innern willkommen, sowohl jene, die Steine gen Himmel, wie jene, die Fl\u00fcche gen Erde werfen?<\/p>\n<p>Gewiss nicht. Alles Rhetorik, alles Propaganda. Die verurteilenden Bespuckungen der Flammen der Sabotageakte zeigen es auf. Sie sind allzu eigent\u00fcmlich, um den Beifall der Massen zu verdienen. Auch die gegenw\u00e4rtigen Ovationen gegen\u00fcber den Alpen-J\u00e4gern (ital.: <em>alpini<\/em>), die im \u00dcbrigen Soldaten sind, die ansonsten die Baustelle von Chiomonte \u00fcberwachten, zeigen es auf. Willkommen scheint im Val Susa einzig das schmutzige nebeneinander Auskommen \u2013 Frucht des voneinander Profitierens \u2013 zwischen jenen, die bekr\u00e4ftigen, dass eine andere Politik m\u00f6glich ist, dass eine andere Republik m\u00f6glich ist, dass ein anderer Staat m\u00f6glich ist, und jenen, die das Ende aller Politik, aller Republiken, aller Staaten herbeiw\u00fcnschen m\u00fcssten. Ein dialektisches Spiel, dass abwechselnd von taktischen Abkommen und duldsamen Seufzern, von geschlossenen Augen und verstopften Nasen, von linguistischen Akrobatiken und gelegentlichem Vergessen ausgetragen wird, in Hinsicht auf die finale Abrechnung. L\u00fcge und Heuchelei, mit im fr\u00fchzeitig verdorrten Herzen die Hoffnung, so gerissen geworden zu sein, dass man es sogar schaffen k\u00f6nnte, lukrative Gesch\u00e4fte mit Bankiers zu machen.<\/p>\n<p>Die Verd\u00e4chte \u00fcber den Brand von Rom, sowie die Gewissheiten \u00fcber jene der Region von Modena, von Florenz und Susa, sind da, um anzuk\u00fcndigen, dass diese schmutzige politische Freundschaft, die die Eintracht da gew\u00e4hrt, wo es nur Konflikt geben kann, gut vom einen auf den anderen Moment zerbrechen k\u00f6nnte.<\/p>\n<h6>[27.07.11, Italien]<\/h6>\n<hr \/>\n<p><strong>Einige weitere Nachrichten bez\u00fcglich Val Susa ab Juni 2011 bis jetzt:<\/strong><\/p>\n<p><strong>7. Juli: <\/strong>In Florenz wird ein Beh\u00e4lter mit f\u00fcnf Litern brennbarer Fl\u00fcssigkeit unter die Raupen einer Baumaschine einer Baustelle gelegt,\u00a0 die die Kernbohrungen im Innern einer TAV-Baustelle an der via Pacinotti, in der Gegend von Ponte al Pino ausf\u00fchrt. Gegen Mitternacht sah ein Passant die Flammen und die Feuerwehr l\u00f6schte den noch kleinen Brand aus.<\/p>\n<p><strong>11. Juli: <\/strong>In Trento wird der Eingangsbereich eines Lokals der Lega Nord mit einem Hammer eingeschlagen und die Sprayerei gegen den Bau des TAV in Val Susa wurde hinterlassen.<\/p>\n<p><strong>27. Juli: <\/strong>Vergangene Nacht, gegen 4 Uhr, wurde Italcoge angegriffen, ein Unternehmen, das auf der TAV-Baustelle arbeitet. F\u00fcnf Lastwagen vor dem Sitz in Susa wurden in Brand gesteckt. Einer wurde komplett zerst\u00f6rt, ein weiterer schwer und drei weitere leicht besch\u00e4digt. Nach den Angriffen auf die Baustelle selbst, handelt es sich hierbei um den ersten Angriff gegen das Val Susanische Unternehmen. Vor einige Zeit wurde einer der Gr\u00fcndungsmitglieder von Italcoge, Ferdinando Lazzaro, auf der Strasse von Demonstranten \u00fcberfallen, die ihn mit einem Ellebogenbruch ins Spital schickten.<br \/>\nDie No-TAV-Bewegung streitet auf ihrer offiziellen Internetseite ihre Implikation in dem Angriff ab. <em>\u201cWir denken, dass diese Handlung der NoTav Bewegung nicht zu Gunsten kommt, sondern im Gegenteil, dass es ihr schadet, und dass es eine Art und Weise ist, in den Kampf zu intervenieren, die nicht die unsrige ist. (\u2026) Diese Handlung geht in eine den NoTaV Initiativen entgegengesetzte Richtung, welche aus der Beteiligung und aus dem Widerstand der Massen den zentralen Punkt eines Gefechts machen, das keinem eine Bescherung macht\u2026\u201d<\/em><\/p>\n<p>Anmerkung eines Kameraden (von <a href=\"http:\/\/cettesemaine.free.fr\/spip\/article.php3?id_article=4307\">Breves du d\u00e9sordre, Cettesemaine.free.fr<\/a>): <em>\u201c[\u2026] Und nun genug von dieser \u201cMasse\u201d, diesem \u201cVolk\u201d des Tales, das angeblich mit allen gemeinsam Widerstand leistet\u2026 Zun\u00e4chst einmal gibt es auch Pro-TAV\u2019s in diesem Tal, und weiters gibt es einige, von jenen, die dagegen sind, die keinen Widerstand leisten. Schlie\u00dflich stellt sich, f\u00fcr all jene, die Widerstand leisten, vor allem die Frage des Warum. Warum\u2019s, die je nach Geschmack mehr oder weniger gut nebeneinander auskommen k\u00f6nnen, jedenfalls bis die einen sich von den anderen distanzieren, und sie den Bullen aufzeigen: Laut diesen Anschw\u00e4rzungen. seien die unbekannten Urheber dieses gegl\u00fcckten und gut gezielten Angriffs jene, die nicht aus \u201cder Masse\u201d das Alpha und Omega ihrer Ideen und Praktiken machen, jene, die denken, dass die Angriffe mit wenigen mit den Versammlungen oder den Demonstrationen mit vielen nicht unvereinbar sind. Folgt ihrem Blick\u2026<\/em><br \/>\n<em>Diese Dissoziationspraktiken (oder Distanzierungen, je nach Fall) und ihre Konsequenzen (der Macht aufzeigen, \u00fcber wem zuzuschlagen, um den eigenen Arsch zu retten), sind kein isolierter Fall, sie sind mehr als gew\u00f6hnlich im Innern aller K\u00e4mpfe des \u201cVolkes\u201d, zumindest seit den 70ern. Es liegt an jedem, die praktischen Konsequenzen gegen diese M\u00fclls\u00e4cke (die Verwalter von www.notav.info, denn dieses Communiqu\u00e9 ist direkt von dieser Seite unterzeichnet) und ihre Freunde zu ziehen: einerseits jene, die es verteidigen, andererseits jene, die, indem sie nicht \u00f6ffentlich und klar mit ihnen brechen, sozial zu ihrer sch\u00e4dlichen Macht beitragen\u2026\u201d<\/em><\/p>\n<p><strong>28. Juli: <\/strong>\u00dcbersetzung eines lokalen Zeitungsartikels: \u201cEine Feuerspur von mehreren Dutzend Metern H\u00f6he. Auf diese Weise zerst\u00f6rte ein Brand, in der Nacht von Sonntag auf Montag, die Antenne der Firma Vodafone, an der via Fersina gelegen, gleich neben Dolimiti Energie. Die Flammen wurden von einer Bezinflasche gen\u00e4hrt (\u2026) und vor Ort blieb ein Erkl\u00e4rungspapier: \u201cDie Unvorhersehbarkeit des Lebens wird euch mit Feuer ergreifen\u201d, weiters \u201cNo TVA\u201d und \u201cNo nocivit\u00e0\u201d [&#8220;Keine Sch\u00e4dlichkeiten&#8221;] und \u201cGegen die Herrschaft, gegen die Kontrolle\u201d, und \u201cFreiheit f\u00fcr Billy, Costa und Silvia\u201d.<\/p>\n<p><strong>29. Juli:<\/strong> \u00dcbersetzung eines italienischen Zeitungsartikelausschnitts: \u201cW\u00e4hrend zwei Stunden langer Konfrontationen in der Nacht von Dienstag auf Freitag, mit zwei Hundert Gegnern der Baustelle der Hochgeschwindigkeitslinie im Val Susa, wurden, laut Medien, sechs Polizisten verletzt. Die Demonstranten, ausger\u00fcstet mit Helmen, Vermummung und Gasmasken, werfen mit Steinen, Metallgegenst\u00e4nden und Petarden nach den Polizisten, welche mit Wasserwerfern und Tr\u00e4nengas erwiderten. Am Freitag f\u00fchrte die Polizei ein Dutzend Hausdurchsuchungen bei Angeblichen Teilnehmern der Protestbewegung durch.\u201d<\/p>\n<hr \/>\n<p>Folgend der Artikel aus der Grenzenlos:<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Der Kampf im Val Susa<\/strong><\/h2>\n<p><strong>Gar nicht so weit von der Schweizer Grenze, im Val Susa, i<\/strong><strong>m Norden von Italien, regt sich seit etwa 10 Jahren ein selbstorganisierter und direkter Kampf gegen den Bau einer Hochgeschwindigkeitszuglinie (TAV), die Turin und Lyon in 3 Stunden verbinden soll. Nachdem die Arbeiten 2005 aufgrund der massiven Mobilisierung (und des mangelnden Geldes) praktisch eingestellt wurden, hat seit 2010 die Planung wieder begonn<\/strong><strong>en und sind nun die Arbeiten auf den ersten Baustellen wieder aufgenommen worden. Baustellen einer langen Serie, die (nach ihren Vorstellungen) 2023 abgeschlossen sein sollte, w\u00e4hrend das ganze Tal verw\u00fcstet wird.<\/strong><\/p>\n<p><strong>24. Mai:<\/strong> Ein kurzer, zusammenfassender Bericht eines Anwesenden: <em>\u00abDie gestrige Nacht in Maddalena war sehr lang. Dem Widerstand gegen den TAV gelang die Blockierung des ersten Versuchs, die Baustellen in Betrieb zu nehmen. Eine \u201eBesetzung\u201c [Presidio] (eine Art Schuppen, zentraler Ort dieser Bewegung, wo man sich f\u00fcr den Kampf organisiert) h\u00e4lt sich schon seit mehr als einem Jahr an diesem Ort. Hunderte Gegner durchk\u00e4mmen das von Taschenlampen und Mond beleuchtete Tal. Dutzende B\u00e4ume werden gef\u00e4llt und auf die verschiedenen Strassen gelegt, die zur Baustelle f\u00fchren; Gr\u00e4ben werden gegraben \u2013 alle Mittel sind gut, um die Panzer aufzuhalten: B\u00e4ume, Eisenbahnschienen, Steine, usw. Die Ordnungskr\u00e4fte durchqueren ein Autobahntunnel und an dessen Ausgang\u2026 sehen sie sich gezwungen, wieder hineinzufahren, denn die auf der Hangseite stehenden Leute bewerfen sie mit hunderten von Steinen. Gegen 4 Uhr, nach einer Stunde voller Schreie, Lieder und Parolen, sind sie gezwungen, kehrt zu machen und in ihr Nest zur\u00fcckzukehren. Diese Nacht gelang es ihnen nicht, zu passieren. Der Widerstand hat erst begonnen. Freiheit wird nicht gefordert, sie wird genommen. Kommt zahlreich, wir brauchen Leute. Dieser Sommer k\u00f6nnte sehr warm werden.\u00bb<\/em><\/p>\n<p><strong>18. Juni:<\/strong> <em>\u00abSeit den Ereignissen im Mai stieg der polizeiliche und mediale Druck im Tal und in seiner Umgebung stetig an. Gestern kam es sogar zu Hausdurchsuchungen und Ermittlungen in Turin und im Tal, mit der Anschuldigung der Teilnahme an der Blockierung von vorbereitenden Bohrungen im Jahr 2010 und des Steinwerfens gegen Panzer am 23. Mai 2011 (die Bullen sammelten an diesem Tag 170kg Steine ein, die auf der Autobahn verstreut liegenblieben). Trotz der sehr unterschiedlichen gew\u00fcnschten Vorgehensweisen von den sehr unterschiedlichen Teilnehmenden halten sich die Barrikaden aufrecht. Alle Wege und Strassen, die zur zuk\u00fcnftigen Baustelle f\u00fchren, wurden auf einfallsreichste Arten blockiert. Die Teilnehmenden am Kampf sind sehr verschieden, trotz allem, was die Zeitungen uns weiszumachen versuchen (oh diese grausamen \u201caufst\u00e4ndischen Anarchisten\u201c!). Es gibt hier ein Bisschen von allem und die Diskussionen finden kein Ende, und eben dies macht die Reichhaltigkeit aus. Niemand verr\u00e4t niemand. Der Konflikt ist intern, aber gegen\u00fcber den Bullen ist man sehr wohl einer Meinung: sie sind unsere Feinde\u2026 wir m\u00fcssen schauen, wie wir uns ihnen entgegensetzen.\u00bb<\/em><\/p>\n<p><strong>22. Juni: <\/strong> in Campogalliano (Modena) wird in der Nacht ein Bagger und ein Lastwagen auf einer TAV-Baustelle in Solidarit\u00e4t mit dem k\u00e4mpfenden Val Susa in Brand gesteckt.<\/p>\n<p><strong>27. Juni: <\/strong>Im Laufe von Auseinandersetzungen in Val Susa wurden laut Medien 4 Demonstranten und 25 Polizisten verletzt, wovon 5 ins Spital mussten. <em>\u00abDie Ordnungskr\u00e4fte sind um 5 Uhr angekommen, um die Bedingungen f\u00fcr die \u00d6ffnung der Baustelle zu verschaffen. Gegen 7 Uhr begann ein Teil der Gegner die Polizei auf ziemlich gewaltt\u00e4tige Weise anzugreifen und die Polizei antwortete mit Schl\u00e4gen.\u00bb<\/em> meint ein Polizeisprecher. Der Polizei gelingt es schlussendlich, die Besetzung der Baustelle zu r\u00e4umen. Sie verwendet Tr\u00e4nengas zur Zerstreuung der Demonstranten und Bagger, um die Barrikaden niederzureissen.<\/p>\n<p><strong>3. Juli:<\/strong> Zehntausende von Demonstranten bewegen sich am Sonntag in drei Umz\u00fcgen auf die Baustelle zu, um zu versuchen, sie erneut zu besetzen. Hunderte von ihnen greifen die von etwa 900 Polizisten besch\u00fctzte Umz\u00e4unung an. Nach den Konfrontationen, die 6 Stunden lang und an drei verschiedenen Orten andauerten, meldeten 188 Polizisten Verletzungen. Diese sahen massenweise Steine, aber auch Petarden und Molotovs auf sich fliegen. Ihrerseits verhaften sie mindestens 5 Personen und versuchen die hunderten neben der Baustelle versammelten Demonstranten mit Tr\u00e4nengas zu zerstreuen. Die Baustellenarbeiter m\u00fcssen aus \u201cSicherheitsgr\u00fcnden\u201c ihre Arbeit vor\u00fcbergehend unterbrechen. Die Verhafteten Personen werden Teils \u00fcbel verpr\u00fcgelt, eine so sehr, dass die Bullen sie lieber los haben wollten und ins Spital abschoben. Die Anderen vier befinden sich zur Zeit noch immer im Gef\u00e4ngnis. Zwei von ihnen waren bereits in die Ermittlungen von Bologna verwickelt.<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\"><strong>[Die vier Verhafteten wurden kurz vor der Fertigstellung der Zeitschrift (Juni 2011) unter Hausarest\u00a0 und Kontaktverbot entlassen] <\/strong><\/h6>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von an die Waisen des Existierenden Am 24. Juli entfachte beim Bahnhof von Tiburtina in Rom ein riesiger Brand,\u00a0den die Feuerwehr erst innert f\u00fcnfzehn Stunden ausl\u00f6schen konnte und der das nationale Eisenbahnnetz blockierte. 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