{"id":4895,"date":"2011-08-18T10:01:26","date_gmt":"2011-08-18T08:01:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=4895"},"modified":"2013-12-31T09:08:16","modified_gmt":"2013-12-31T08:08:16","slug":"neuigkeiten-von-den-kalifornischen-gefangenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/neuigkeiten-von-den-kalifornischen-gefangenen","title":{"rendered":"Neuigkeiten von den kalifornischen Gefangenen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Hungerstreik-im-Hochsicherheitsgef%C3%A4ngnis-Pelican-Bay.jpg\" rel=\"lightbox[4895]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-4661\" title=\"Hungerstreik im Hochsicherheitsgef\u00e4ngnis Pelican Bay\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/07\/Hungerstreik-im-Hochsicherheitsgef%C3%A4ngnis-Pelican-Bay-193x250.jpg\" alt=\"\" width=\"193\" height=\"250\" \/><\/a><em>Vom <a title=\"Hungerstreik in Pelican Bay (USA)\" href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/hungerstreik-in-pelican-bay-usa\" target=\"_blank\">1. bis zum 22. Juli fand im Hochsicherheitsgef\u00e4ngnis Pelican Bay, Kalifornien, USA, ein Hungerstreik<\/a> statt.<br \/>\nDazu ein Text, welcher auf <a href=\"http:\/\/www.de.indymedia.org\/2011\/08\/314138.shtml\" target=\"_blank\">de.indymedia<\/a> ver\u00f6ffentlicht wurde, und die \u00dcbersetzung eines Briefes von Mutope Duguma, welcher in der Organisierung des Hungerstreiks eine entscheidene Rolle gespielt hat.<\/em><\/p>\n<p>Am 1. Juli waren zun\u00e4chst einige Hundert Gefangene im ber\u00fcchtigten Pelican Bay Prison in einen unbefristeten Hungerstreik getreten. Ihre Kernforderungen waren ein Ende der Jahrzehnte langen Anwendung von Isolationshaft, die Abschaffung von Gruppenbestrafung sowie Zugang zu Bildung, Kommunikation mit der Au\u00dfenwelt sowie elementare Gesundheitsversorgung. Die Gefangenen erkl\u00e4rten von vornherein, dass sie notfalls ihr Leben f\u00fcr die Erf\u00fcllung dieser Forderungen einsetzen w\u00fcrden.<br \/>\n<!--more-->Innerhalb weniger Tage schlossen sich in insgesamt 13 anderen kalifornischen Gef\u00e4ngnissen \u00fcber 6600 Gefangene an. Die Kalifornische Gef\u00e4ngnisbeh\u00f6rde (im Original &#8220;California Department of Corrections and Rehabilitation&#8221; &#8211; CDCR) signalisierte nach ca. drei Wochen Gespr\u00e4chsbereitschaft, da sehr viele Gefangene bereits todkrank waren. Die extreme Sommerhitze hatte bei vielen der Hungerstreikenden zu starker Dehydrierung und Nierenbeschwerden gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Am 20. Juli kam es zu Verhandlungen zwischen dem Vorsitzenden und Vize-Vorsitzenden der CDRC, Matthew Cate und Scott Kernan auf der einen und Delegierten der Gefangenen auf der anderen Seite. Es wurde vereinbart, der Beh\u00f6rde drei Wochen Zeit zu geben, mit der Umsetzung der Forderungen der Hungerstreikenden zu beginnen. Als Zeichen der eigenen Bereitschaft unterbrachen die Gefangenen darauf hin den Hungerstreik.<\/p>\n<p>Die CDRC verk\u00fcndete zun\u00e4chst, der Hungerstreik sei f\u00fcr die Zusage nach Fortbildungsm\u00f6glichkeiten und die Ausgabe von Wollm\u00fctzen gegen die K\u00e4lte im Winter beendet worden. Das entspricht jedoch nicht den Tatsachen. Wie aus einem Brief vom 8. August des in Pelican Bay inhaftierten Mutope Duguma (1) hervor geht, warten die Gefangenen lediglich, ob die Beh\u00f6rden ihren Teil der Zusagen erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Mutope Duguma sagt: &#8220;Die beiden Idioten (der CDRC &#8211; Einschub \u00dcbersetzerin) propagieren, dass unsere Delegierten sich mit Schutzm\u00fctzen, Rechtshilfe und Wandkalendern zufrieden gegeben h\u00e4tten, w\u00e4hrend viele von uns aufgrund von Denunziationen f\u00fcr 10 bis zu 40 Jahren in Isolationshaft sitzen. Auf diesen Bl\u00f6dsinn sollen wir uns geeinigt haben? Sei mal realistisch.&#8221;<\/p>\n<p>Aus Verantwortung f\u00fcr \u00fcber 500 Hungerstreikende allein in Pelican Bay h\u00e4tten die Delegierten zu einer Unterbrechung des Hungerstreiks aufgerufen, um zu sehen, ob die Beh\u00f6rden wirklich nach L\u00f6sungen suchen w\u00fcrden. Es gibt gen\u00fcgend Erfahrungen aus voran gegangenen K\u00e4mpfen. Die Gefangenen wollen wirklich ein Ende der Isolationshaft und des aufgezwungenen Spitzelsystems durchsetzen. Vielen ist klar, dass sie ohne die Durchsetzung dieser Forderungen keine realistische M\u00f6glichkeit mehr haben, der au\u00dfergerichtlichen Willk\u00fcr der W\u00e4rter_Innen lebend zu entkommen. Sie sind daher bereit, bis zum Tod f\u00fcr die Aufhebung der Isolationshaft und aller anderen Forderungen zu k\u00e4mpfen. Mutope Duguma: &#8220;Das System kann uns nicht gegeneinander ausspielen. Wir werden unsere friedlichen Demonstrationen fortsetzen, um dieser Folter zu widerstehen. Der Hungerstreik ist definitiv eine gewaltfreie Aktion, welche wir fortsetzen k\u00f6nnen.&#8221;<\/p>\n<p>Aus den milit\u00e4rischen Antworten fr\u00fcherer Beh\u00f6rden auf US Gef\u00e4ngnisaufst\u00e4nde (2) hatten bereits im Winter 2010\/2011 \u00fcber 4500 Gefangene in den Bundesstaaten Georgia, Alabama und Ohio nicht den offenen Aufstand sondern die Arbeitsverweigerung gew\u00e4hlt. Sie lie\u00dfen sich \u00fcber Wochen in ihren Zellen einschlie\u00dfen und f\u00fcgten den Konzernen und Gef\u00e4ngnisleitungen damit \u00fcber Wochen Millionensch\u00e4den zu.<\/p>\n<p>In wenigen Tagen will sich das Parlament Kaliforniens in einer Gesetzgebungsanh\u00f6rung mit den Zust\u00e4nden in seinen Gef\u00e4ngnissen besch\u00e4ftigen. Angeh\u00f6rige der Hungerstreikenden werden dort sprechen. Weit \u00fcber Kalifornien hinaus wird dazu aufgerufen, f\u00fcr eine Ende der Isolationshaft und Masseninhaftierung auf die Stra\u00dfe zu gehen.<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>(1) siehe dem Brief unter diesem Text<\/p>\n<p>(2) z.B. der Attica Gef\u00e4ngnisaufstand von 1971: Gefangene rebellierten offen und nahmen W\u00e4rter als Geiseln, um Verbesserungen der Haftbedingungen durchzusetzen. Der Bundesstaat New York entschied, das Milit\u00e4r auf die Gefangenen loszulassen. Das kostete 39 Gefangene und Geiseln das Leben. Die allermeisten Gefangenen wurden anschlie\u00dfend schwer gefoltert. Weitere Informationen auf <a href=\"http:\/\/libcom.org\/history\/1971-the-attica-prison-uprising\" target=\"_blank\">libcom.org<\/a> oder im Film <a href=\"http:\/\/atticathefilm.com\/\" target=\"_blank\">Attica<\/a> \u00fcber den Aufstand und die blutige Niederschlagung<\/p>\n<hr \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ein Brief von Mutope Duguma (amerikanischer Name: James Crawford),<br \/>\nGefangener des Pelican-Bay Gef\u00e4ngnisses in Kalifornien, USA<\/strong><\/p>\n<p>Es ist mir wieder einmal eine aufrichtige Freude, den New Afrikan People durch meine Hand Geh\u00f6r zu verschaffen. Ich hab mich von meinem strikten 20-t\u00e4gigen Hungerstreik erholt und ich kann euch sagen, dass es so, wie ich es pers\u00f6nlich erfahren habe, die H\u00f6lle war! Ich f\u00fchlte wie das Leben aus mir raus gesaugt wurde.<\/p>\n<p>Es war genauso grauenhaft, wie ich es mir vorgestellt hatte, wir hatten Tag f\u00fcr Tag Leute die zusammenbrachen und mein Zellengenossse und ich verloren 40 Pfund (Anm.: ein bisschen weniger als 20 Kilo). Mein Zellengenosse hei\u00dft Sitawa (R.N. Dewberry), er sendet euch Gr\u00fc\u00dfe. Er musste ins Corcoran SHU (Hochsicherheitsgef\u00e4ngnis) verschifft werden, da er so gebrechlich wurde. Er ist 1,83 m gro\u00df und wog 206 Pfund (ca. 90 kg) und fiel auf 166 Pfund (ca.70 kg). Ich bin 1,85 m gro\u00df und wog 250 Pfund (ca. 115 Kg), wobei ich nun auf 210 Pfund (ca. 90 kg) bin.<br \/>\nAber es war definitiv ein erschreckendes Ereignis, da du niemals wusstest wann du, aufgrund des Hungers, ausscheiden w\u00fcrdest. Ich beobachtete, dass wenn einer einen schnellen Stoffwechsel hat, das sich das Gewicht schnell reduziert, denn Sitawa sah erschreckend d\u00fcnn aus. Ich habe mir Sorgen um ihn gemacht.<\/p>\n<p>Wenn du deine Leute liebst, dann machst du dir immer Gedanken um sie. Ich habe ihm gesagt, er solle sich nicht so viel bewegen, aber er ist ein Revolution\u00e4r. Wir debattierten dar\u00fcber das wir uns bis zum Ende gegenseitig helfen w\u00fcrden zu \u00fcberleben, w\u00e4hrenddessen wir sehr langsam dahin rafften.<\/p>\n<p>Jetzt versuchen wir wieder zu zunehmen, denn dieser Hungerstreik ist weit davon entfernt zu Ende zu sein. Sitawa ist einer der vier Hauptrepr\u00e4sentanten in den Verhandlungen. Er tritt f\u00fcr alle New Afrikans, die in ganz Kalifornien in Isolationshaft gefangen gehalten werden, ein.<\/p>\n<p>Aufgrund der Verhandlungen vom 20. Juli 2011, ist der Hungerstreik gerade tempor\u00e4r abgebrochen, denn die CDCR ( kalifornische Gef\u00e4ngnisverwaltung), vertreten durch Staatsekret\u00e4r Scott Kernan und Matthew Cate, flehte unsere Verhandlungsvertreter an, den Hungerstreik abzubrechen, wobei sie im Gegenzug unsere 5 Kernforderungen in 2-3 Wochen best\u00e4tigen w\u00fcrden. Es ist jetzt der 7. August und wir warten immer noch darauf.<\/p>\n<p>Dann behaupten diese zwei Idioten, dass sich unsere Verhandlungsvertreter auf Kalender, Rollm\u00fctzen und einen Anwalt f\u00fcr Spezialgerichte eingelassen h\u00e4tten, obwohl wir hier, aufgrund von Spitzelaussagen 10-40 Jahre in Isolationshaft absitzen.<br \/>\nAuf solchen Schei\u00df sollen wir uns eingelassen haben? Seid nicht kindisch.<\/p>\n<p>Unsere Vertreter sind nicht besorgt, denn das Wichtigste ist, was sie in der n\u00e4chsten Verhandlung sagen und tun. Er versprach uns alle f\u00fcnf Forderungen und einen schrittweisen Wandel. Wenn er mit leeren H\u00e4nden zur\u00fcck kommt, stehen wir wieder am Anfang: Hungerstreik.<\/p>\n<p>Hier gibt es 500 Gefangene, die den Hungerstreik buchst\u00e4blich nicht abbrechen wollten, aber wir m\u00fcssen darauf achten, denn diese Gefangenen, uns eingeschlossen, w\u00fcrden ihre Leben riskieren \u2013 denn welche andere M\u00f6glichkeit haben wir, wir die der Folter bis ans Ende unseres Lebens ausgesetzt sind, noch au\u00dferhalb dessen?<\/p>\n<p>Also macht es uns was aus? Nein, denn f\u00fcr 21\u00bd Jahre wurden wir im Pelican Bay Staatsgef\u00e4ngnis unter den menschenunw\u00fcrdigsten Bedingungen in Isolationshaft stillgehalten.<br \/>\nAlso k\u00e4mpfen wir weiter daf\u00fcr, dass man uns wie respektable menschliche Wesen behandelt.<\/p>\n<p>Ich werde euch auf dem Laufenden halten, denn dieser Hungerstreik hat noch nicht mal richtig angefangen!<\/p>\n<p>Das System wird kein Spielchen mit uns treiben, denn wir werden friedlich demonstrieren um uns der Folter zu widersetzen, und der Hungerstreik ist eine friedliche Grundhaltung, die wir wieder anfangen werden aus\u00fcben.<\/p>\n<p>Es war mir ein Vergn\u00fcgen<\/p>\n<p>One love, one struggle.<\/p>\n<p>Schreibt unserem Gef\u00e4hrten:<\/p>\n<p>James Crawford,<br \/>\nD-05996, D1-117U, PBSP-SHU<br \/>\nP.O. Box 7500<br \/>\nCrescent City<br \/>\nCA 95532<\/p>\n<p><em>Er ist der Autor des \u201eAufrufs\u201c, der formalen Ank\u00fcndigung des massiven Hungerstreiks, an dem 6600 Gefangene teilnahmen.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vom 1. bis zum 22. Juli fand im Hochsicherheitsgef\u00e4ngnis Pelican Bay, Kalifornien, USA, ein Hungerstreik statt. 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