{"id":4939,"date":"2011-08-26T09:05:59","date_gmt":"2011-08-26T07:05:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=4939"},"modified":"2011-08-26T09:05:59","modified_gmt":"2011-08-26T07:05:59","slug":"charlie-bauer-revolutionaer-und-gefaehrte-im-kampf-gegen-knast-und-staat-verstorben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/charlie-bauer-revolutionaer-und-gefaehrte-im-kampf-gegen-knast-und-staat-verstorben","title":{"rendered":"Charlie Bauer &#8211; Revolution\u00e4r und Gef\u00e4hrte im Kampf gegen Knast und Staat verstorben"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Charlie-Bauer.jpg\" rel=\"lightbox[4939]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-4941\" title=\"Charles Bauer, geboren am 24. Februar 1943 in Marseille (FR), verstarb am 7. August 2011 in Montargis (FR) im Alter von 68 Jahren. Ein Herzinfarkt riss ihn unvorhersehbar aus seinem k\u00e4mpferischen Leben.\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Charlie-Bauer-250x232.jpg\" alt=\"Charles Bauer, geboren am 24. Februar 1943 in Marseille (FR), verstarb am 7. August 2011 in Montargis (FR) im Alter von 68 Jahren. Ein Herzinfarkt riss ihn unvorhersehbar aus seinem k\u00e4mpferischen Leben.\" width=\"175\" height=\"162\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Charlie-Bauer-250x232.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/08\/Charlie-Bauer.jpg 350w\" sizes=\"(max-width: 175px) 100vw, 175px\" \/><\/a>Charles Bauer, geboren am 24. Februar 1943 in Marseille (FR), verstarb am 7. August 2011 in Montargis (FR) im Alter von 68 Jahren. Ein Herzinfarkt riss ihn unvorhersehbar aus seinem k\u00e4mpferischen Leben.<\/p>\n<p><em>\u201eIch erteile keine Lektionen, ich bin weder Vater Courage noch Rambo. So soll man mich nicht sehen. Wenn ich jemand in seinem Elend sehe, sag ich ihm: \u201eSteh auf und mach was!\u201c&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Er wuchs auf in der Estaque, eines der Viertel Marseilles, in denen ein besonders rauer Wind wehte. Schon fr\u00fch schloss er sich einer Jugendbande an, um auf der einen Seite ein wenig Geld zum \u00dcberleben zu organisieren und auf der anderen Seite, um dem tristen Alltag zu entfliehen. Die damit verbunden Unannehmlichkeiten mit den Bullen und Justiz waren vorprogrammiert, doch sein Leben der allt\u00e4glichen Revolte begrub schnell die Logik von staatlicher Justiz und Repression.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<em>\u201eUnser Krieg fand auf der Stra\u00dfe und nicht in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben statt. Der Krieg hat schon bald mit uns gespielt. Ein k\u00fcnstlicher Krieg mit richtigen Toten und Verletzten. Wir glaubten nicht an den gro\u00dfen Sieg, das letzte Gefecht. Unser Sieg war der Alltag, unser Kampf die Verweigerung, die Ablehnung der Zorn, die Revolte eines jeden einzelnen und der bestehenden Gruppen. Die Zeit f\u00fcr einen allgemeinen Aufstand war noch nicht gekommen.<br \/>\nEin Bruch mit der Autorit\u00e4t, Bruch mit den gesellschaftlichen Bindungen&#8230;.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Bande brach in Modegesch\u00e4fte und Juweliere ein und \u00fcberlie\u00df Teile der Beute den Leuten auf der Stra\u00dfe. So ging das bis 1964, in dem Jahr wo er und seine Komplizen von einer Armada von CRS-Bullen (franz. Spezialeinheit) gestellt und verhaftet wurde.<br \/>\nIm Untersuchungsgef\u00e4ngnis wurde er bestialisch gefoltert, um ihm ein Gest\u00e4ndnis heraus zu locken, was den Schergen des Staates jedoch nicht gelang. Die Anklage lautete \u201eDiebstahl und Einbruch\u201c, \u201edas Tragen von Waffen\u201c und \u201eZugeh\u00f6rigkeit in einer kriminellen Vereinigung\u201c. Die folgenden 14 Jahre verbrachte er in dutzenden Kn\u00e4sten Frankreichs. Isolationshaft, Arreststrafen, Hochsicherheitstr\u00e4kte, Misshandlung und Dem\u00fctigung pr\u00e4gten diese Jahre ebenso wie die Rebellion, Hass, Ablehnung und zahlreiche Ausbruchsversuche.<\/p>\n<p>1978 kam er auf Bew\u00e4hrung frei. Er zog mit seiner Freundin nach Caen, wo er anfing in einem linken Buchladen zu arbeiten. Er organisierte Veranstaltungen, publizierte Texte und organisierte sich in Komitees und in antifaschistischen Zusammenh\u00e4ngen. Die Theorie des Anarcho-Kommunismus, seine militante Praxis und der Hang zu einfachster \u201eIllegalit\u00e4t\u201c f\u00fchrten `78 zu einem erneuten Bruch in seinem Leben. Schon oft hielt er sich aus beruflichen Gr\u00fcnden in Paris auf. Dort sollte er Jaques Mesrine \u201eden Staatsfeind Nr.1\u201c treffen, der erst kurz zuvor aus dem Hochsicherheitstrakt ausgebrochen war.<br \/>\nDer Kampf gegen die Kn\u00e4ste, besonders gegen die Hochsicherheitstr\u00e4kte verbanden beide innigst. Zusammen planten sie einen Sprengstoffanschlag auf einen dieser Spezialkn\u00e4ste, der jedoch nie ver\u00fcbt wurde, denn Mesrine wurde vorher durch auf ihn angesetzte Bullen erschossen. Ein paar Tage danach wurde auch Charlie und seine Frau verhaftet, die zusammen, w\u00e4hrend Charlie noch im Knast sa\u00df ein Kind bekamen.<\/p>\n<p>Erneut stand er, unter der Anklage \u201edie rechte Hand Mesrines\u201c gewesen zu sein, vor Gericht. Diese Freundschaft sollte auf das Urteil erheblichen Einfluss haben. 10 weitere Jahre, gegeiselt in der modernen H\u00f6lle des Justizapparats, durchwanderte er wieder Z\u00fcchtigungen, Isolation und die Hochsicherheit. St\u00e4ndiger Begleiter: sein phantastischer Widerstandsgeist, sein Zorn und seine menschliche W\u00fcrde. Er nahm am Hungerstreik und an anderen Aktionen teil, um den Forderungen nach Menschlichkeit in einer unmenschlichen Umgebung Nachdruck zu verschaffen. 25 Jahre hinter Gittern, davon 9 Jahre in Isolationshaft.<br \/>\nNiemals ein M\u00e4rtyrer, niemals Idol. Ein einfacher Mensch aus armen Verh\u00e4ltnissen, mit einem sensiblen Sinn f\u00fcr Gerechtigkeit, an dessen Leben wir durch seine B\u00fccher und Texte dankend teilnehmen d\u00fcrfen&#8230;..<\/p>\n<p><em>\u201eIch habe da geschrieben, wo das Wort verboten ist, an den Orten der absoluten Isolation, in den Hochsicherheitsgef\u00e4ngnissen von Fresnes, Fleury, Lisieux, Mende oder anderswo. Das war gestern&#8230;<br \/>\nUnd ich wei\u00df, dass dieses Verbot heute andere erleben. Und morgen wird es, wenn wir nicht aufpassen, noch schlimmer werden, weil es offensichtlich immer etwas Schlimmeres als das Schlimmste gibt.<br \/>\nEs gibt keine konventionelle universelle Ma\u00dfeinheit, um diesen oder jene Grad des Schmerzes zu bestimmen; es muss als solches denunziert werden, ob durch Gef\u00e4ngnis, Folter, Ausschluss, Hochsicherheitstrakt, Isolationshaft, Unterdr\u00fcckung, Repression, Herrschaft, Ausbeutung usw. usf.<br \/>\nEs gibt ein neues Bewusstsein, dem die Kritik an der politischen Macht, wie sie au\u00dferhalb der Gef\u00e4ngnismauern repr\u00e4sentiert und ertragen wird, eine starke soziale Bedeutung verleiht. Was die Regierung auch immer unternehmen wird und wie entschlossen sie auch immer sein mag, dieses Bewusstsein zu brechen und zu zerst\u00f6ren \u2013 der Kampf kann sich dadurch nur weiter radikalisieren, und sei es in den Kampfformen der Verzweiflung.<br \/>\nDie Spirale ist unabwendbar. Jeder \u2013 wenn nicht alle \u2013 ist daf\u00fcr verantwortlich.\u201c<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Charles Bauer, geboren am 24. Februar 1943 in Marseille (FR), verstarb am 7. August 2011 in Montargis (FR) im Alter von 68 Jahren. 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