{"id":5078,"date":"2011-09-13T09:11:33","date_gmt":"2011-09-13T07:11:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=5078"},"modified":"2011-09-14T17:33:19","modified_gmt":"2011-09-14T15:33:19","slug":"40-jahrestag-des-gefaengnisaufstands-in-attica-am-9-september-1971","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/40-jahrestag-des-gefaengnisaufstands-in-attica-am-9-september-1971","title":{"rendered":"40. Jahrestag des Gef\u00e4ngnisaufstands in Attica am 9. September 1971"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Attica-Knastrevolte-1971.jpg\" rel=\"lightbox[5078]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-5109\" title=\"Knastrevolte in Staatsgef\u00e4ngnis Attica im Jahr 1971\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Attica-Knastrevolte-1971-250x148.jpg\" alt=\"Knastrevolte in Staatsgef\u00e4ngnis Attica im Jahr 1971\" width=\"250\" height=\"148\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Attica-Knastrevolte-1971-250x148.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Attica-Knastrevolte-1971.jpg 456w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><em>Am 9. September 1971 begann im Staatsgef\u00e4ngnis Attica im Bundesstaat New York eine Knastrevolte an der sich \u00fcber 1.200 Gefangene beteiligten. Wenige Tage sp\u00e4ter, am 13. September, wurde der Aufstand blutig niedergeschlagen. Attica ist bis heute f\u00fcr viele Menschen innerhalb der Kn\u00e4ste ein wichtiger Bezugspunkt und ist ein Teil der Geschichte des revolution\u00e4ren Widerstandes in den USA.<br \/>\nDer <a href=\"http:\/\/arapberlin.wordpress.com\/2011\/09\/08\/eine-gesellschaft-ohne-knaste\/\" target=\"_blank\">Berliner Antiknastzusammenhang a.r.a.p.<\/a> hat in einem Text die Ereignisse dargelegt.<\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">40. Jahrestag des Gef\u00e4ngnisaufstands in Attica<br \/>\nam 9. September 1971<\/h3>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>&#8216;We are men! We are not beasts and do not intend to be beaten or driven as such.<br \/>\nThe entire prison population has set forth to change forever the ruthless brutalization<br \/>\nand disregard for the lives of prisoners here and throughout the United States.&#8217;<\/em><br \/>\n&#8211; Attica Gefangener Elliot Barkley-<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>&#8216;If we cannot live as people, we will at least try to die like men.&#8217;<\/em><br \/>\n-Attica Gefangener Charles Horatio Crowley-<\/p>\n<p>Mit diesen Worten klagten Gefangene die unhaltbaren Zust\u00e4nde im Staatsgef\u00e4ngnis Attica im Norden des Bundesstaates New York an. Am 9. September 1971 entschlossen \u00fcber 1.200 Gefangene sich an einem Gef\u00e4ngnisaufstand zu beteiligen. Gefordert wurden Ausbildungsprogramme, medizinische Grundversorgung, das Ende von Zensur, genie\u00dfbares Essen, religi\u00f6se Freir\u00e4ume, Einstellung von afroamerikanischem und Spanisch sprechendem Gef\u00e4ngnispersonal und Straffreiheit f\u00fcr Zeit w\u00e4hrend der Rebellion. 38 W\u00e4rter des Gef\u00e4ngnisses wurden im Laufe der Rebellion als Geiseln genommen.<\/p>\n<p>Vier Tage sp\u00e4ter &#8211; am 13. September 1971 &#8211; wurde der Gef\u00e4ngnisaufstand vom Staate New York brutal und blutig niedergeschlagen. \u00dcber 500 State Troopers st\u00fcrmten bewaffnet mit Schrotflinten, Gewehren, Pistolen und Kn\u00fcppeln den besetzten Block D des Attica Gef\u00e4ngnisses, der vorher mit Tr\u00e4nengasgranaten aus Helikoptern beschossen wurde. In den Berichten der Gefangenen wird geschildert, dass die st\u00fcrmenden Einheiten auf alles schossen, was sich bewegte. Die von einer Untersuchungskommission als &#8216;staatliche Gewaltorgie&#8217; bezeichnete Erst\u00fcrmung dauerte nahezu eine Stunde und das Ergebnis waren 32 erschossene Gefangene, 10 get\u00f6tete Geiseln und 83 schwer verletzte Gefangene. Der W\u00e4rter William E. Quinn wurde zu Beginn der Rebellion schwer verletzt und verstarb zwei Tage sp\u00e4ter im Krankenhaus. Anschlie\u00dfend wurden die meisten der Gefangenen von Staatsbeamten schwer gefoltert.<\/p>\n<p><em>Die Hintergr\u00fcnde<\/em><\/p>\n<p>Die Geschehnisse in der Haftanstalt Attica gingen in die Geschichte des Widerstands in den USA als einem der am besten organisierten Gef\u00e4ngnisaufst\u00e4nde ein. W\u00e4hrend von Seiten einzelner Staatsakteure dies auf der \u00dcberzeugung beruhte, es handele sich um eine angeblich lange im Voraus geplante und vorbereitete Rebellion, betonen ehemalige Gefangene die Spontaneit\u00e4t des Ausbruchs und den hohen Grad der Organisation w\u00e4hrend des Aufstands. W\u00e4hrend die Gefangenen Attica unter ihrer Kontrolle hatten, wurde in den vier Tagen Gruppen gebildet, die f\u00fcr die Besorgung von Essen, f\u00fcr die Bewachung und den Schutz der Geiseln verantwortlich war und ein Verhandlungsteam wurde gew\u00e4hlt, das mit dem Mediatoren und dem Bevollm\u00e4chtigten f\u00fcr Gef\u00e4ngnisse des Staates New York Russell G. Oswald Gespr\u00e4che f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Attica war f\u00fcr die schlechte Behandlung von Gefangenen ber\u00fcchtigt. Bereits Monate vor der Rebellion wurde von Gefangenenvertretern versucht, \u00fcber bessere Bedingungen in der Strafanstalt mit der Gef\u00e4ngnisleitung zu verhandeln. Mit einer Kapazit\u00e4t f\u00fcr eigentlich 1.600 Gefangenen war Attica mit einer Anzahl von mehr als 2.000 Gefangenen \u00fcberbelegt. \u00dcber ie Zusammensetzung der H\u00e4ftlingspopulation existieren in den Medien unterschiedliche Angaben. So schwankt der Anteil der Afroamerikaner zwischen 54% bis 85%. Der Anteil der Puertoricaner wird mit 7% angegeben. \u00dcbereinstimmung besteht allerdings darin, dass 100% der W\u00e4rter Wei\u00dfe waren.<\/p>\n<p>Die Gefangenen mussten in den Zellen 14 bis 16 Stunden verbringen, der Lohn f\u00fcr Arbeit betrug 20 Cent bis 1 Dollar pro Arbeitstag, einmal in der Woche durfte geduscht werden und eine Seife und eine Rolle Toilettenpapier im Monat stand jedem Gefangenen zu. Dar\u00fcber hinaus waren Zensur und Vorenthaltung von Briefen sowie die Behinderung weiterer Kontakte \u00fcblich. Die M\u00f6glichkeit von Besuchen war stark beschr\u00e4nkt, nur wenige B\u00fccher konnten ausgeliehen werden und der Zugang zu Bildung gestaltete sich schwierig. Die medizinische Versorgung und Verpflegung war unter allen Standards. Die Attica Liberation Front, die gew\u00e4hlte Gefangenenvertretung, \u00fcbergab noch im Mai 1971 eine Liste mit Forderungen dem f\u00fcr die Aufsicht von Gef\u00e4ngnissen zust\u00e4ndigen Oswald. Oswald lie\u00df den H\u00e4ftlingen per Tonband ausrichten, dass f\u00fcr Reformen noch nicht die richtige Zeit w\u00e4re.<\/p>\n<p>In einer Zeit in der Proteste gegen den Krieg in Vietnam und die Bewegung f\u00fcr Rechte von Gefangenen stark war, war der Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Rebellion die Ermordung des schwarzen Aktivisten George Jackson im California State Prison am 21. August 1971. Als Protest stellten sich die Gefangenen am n\u00e4chsten Morgen beim Fr\u00fchst\u00fcck in zwei Reihen auf. Alle trugen schwarze Armbinden und machten einen Hungerstreik.<\/p>\n<p>In dieser politisierten Stimmung brach am 9. September die eigentliche Rebellion dadurch aus, dass ein W\u00e4rter die aus dem Speisesaal kommenden Gefangenen den Zugang zum Hof verweigerte. Dem W\u00e4rter wurde der Kn\u00fcppel abgenommen, weitere W\u00e4rter wurden ebenfalls entwaffnet und in Zellen gesperrt. \u00dcberall wurden Posten mit Gefangenen aufgestellt, die Werkst\u00e4tten \u00fcbernommen und Gefangene aus ihrer Einzelhaft befreit. Die Geiseln wurden von W\u00e4chter bewacht, es wurden Gruppen gebildet, die f\u00fcr die Organisation von Essen zust\u00e4ndig waren und die Attica Brothers bildeten ein Team, das die Verhandlungen mit Oswald und Vertretern des Beobachtungskomitees regelte und eine Erkl\u00e4rung nach drau\u00dfen abgab.<\/p>\n<p>Das Beobachtungskomitee bzw. Mediationsteam bestand aus Vertretern unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen, die bedeutend waren f\u00fcr die damaligen politischen K\u00e4mpfe und die sich f\u00fcr soziale Reformen und die Anerkennung religi\u00f6ser \u00dcberzeugungen einsetzten Im Beobachtungsteam waren Afroamerikanische Senatsabgeordnete, die Reformen in Gef\u00e4ngnissen unterst\u00fctzten, radikale B\u00fcrgerrechtsanw\u00e4lte wie William Kunstler, die puertoricanische nationalistische Bewegung Young Lords, Black Panther, die Nation of Islam vertreten durch Louis Farakhan und Journalisten verschiedener Zeiten wie die New York Times. Das Mediationsteam war eine Forderung der Gefangenen, um der \u00d6ffentlichkeit ihre Meinungen und Sichtweisen der Geschehnisse \u00fcbermittelten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Niederschlagung des Aufstands<\/em><\/p>\n<p>Am 13. September gab der damalige Gouverneur Nelson Rockefeller den Befehl Attica gewaltsam einzunehmen. Behauptungen, die Geiseln seien von Gefangenen gefoltert und get\u00f6tet worden, wurden durch die gerichtsmedizinischen Untersuchungen widerlegt. Bis auf den W\u00e4rter William E. Quinn wurden alle Geiseln durch Sch\u00fcsse der Staatsgewalt get\u00f6tet. Die Gefangenen besa\u00dfen keine Schusswaffen. So wird berichtet, dass die State Troopers von Zelle zu Zelle gingen und mit Maschinenpistolen einfach drauf los schossen. Ber\u00fcchtigt ist Attica auch f\u00fcr die Exzesse nach der Erst\u00fcrmung des besetzten Gel\u00e4ndes. Tagelang wurden die Gefangenen von den W\u00e4rtern verpr\u00fcgelt und misshandelt.<\/p>\n<p>Die staatliche Untersuchungskommission geleitet von Dean Robert McKay kam zum Ergebnis, dass die Niederschlagung des Aufstands unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gewesen sei und die State Troopers wurden beschuldigt, bei der Erst\u00fcrmung extreme Gewaltorgien ver\u00fcbt zu haben. Rockefeller wurde in dem Bericht kritisiert, nicht pers\u00f6nlich erschienen zu sein und dass er keine Alternative in Erw\u00e4gung gezogen habe, den Konflikt zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Gegen mehrere Gefangene wurden Prozesse gef\u00fchrt. Zwei Gefangene wurden f\u00fcr den Tod des W\u00e4rters Quinn verurteilt. Auch gegen die an der Erst\u00fcrmung des Gef\u00e4ngnishofes beteiligten State Troopers wurden Ermittlungen gef\u00fchrt. Die meisten Verfahren wurden eingestellt. 1976 erlie\u00df der Govenor Carey eine Begnadigung f\u00fcr alle an der Revolte und der Erst\u00fcrmung Beteiligter. Von 1974 bis 2000 f\u00fchrten die Gefangenen und ihre Angeh\u00f6rigen Entsch\u00e4digungsprozesse. Im Jahr 2000 wurde den 1.281 Gefangenen bzw. ihren Angeh\u00f6rigen eine Schadensersatzsumme von 8 Mio. Dollar und im Jahre 2005 den 32 Geiseln bzw. ihren Angeh\u00f6rigen 12 Mio. Dollar an Entsch\u00e4digung zugesprochen.<\/p>\n<p>Es gab viele Solidarit\u00e4tsaktionen und Demonstrationen f\u00fcr die Gefangenen in Attica. Eine davon war der Anschlag am 17. September 1971 der Weather Underground auf das Department of Corrections in New York. Attica ist bis heute ein wichtiger Bezugspunkt der K\u00e4mpfe f\u00fcr die Rechte von Gefangenen in den USA. Auch in den aktuellen Auseinandersetzungen und Hungerstreiks in Kalifornien, dem Arbeitsstreik Georgia und Lucasville in Ohio zitierten die Gefangenen die Forderungen und politischen Statements der rebellierenden M\u00e4nner in Attica.<\/p>\n<p>Im folgenden nennen wir die Namen der in Attica ermordeten Gefangenen und Geiseln. F\u00fcr die Geiseln wurde ein Gedenkstein vor dem Knast Attica errichtet. Es gibt keinen Gedenkort f\u00fcr die ermordeten Gefangenen.<\/p>\n<p><em>In Gedenken an die ermordeten Menschen in Attica:<\/em><\/p>\n<p>William Allen<br \/>\nElliott (L.D.) Barkley<br \/>\nJohn B. Barnes<br \/>\nEdward Cunningham (Geisel)<br \/>\nJohn J. D&#8217;Arcangelo (Geisel)<br \/>\nBernard Davis<br \/>\nAllen Durham<br \/>\nWillie Fuller<br \/>\nMelvin D. Gray<br \/>\nElmer G. Hardie (Geisel)<br \/>\nRobert J. Henigan<br \/>\nKenneth E. Hess<br \/>\nThomas B. Hicks<br \/>\nEmanuel Johnson<br \/>\nHerbert W. Jones Jr. (Geisel)<br \/>\nRichard J. Lewis (Geisel)<br \/>\nCharles Lundy<br \/>\nKenneth B. Malloy<br \/>\nGidell Martin<br \/>\nWilliam B. McKinney<br \/>\nLorenzo McNeil<br \/>\nSamuel Melville<br \/>\nEdward R. Menefee<br \/>\nJose Mentijo<br \/>\nMilton Menyweather<br \/>\nJohn G. Monteleone (Geisel)<br \/>\nRichard Moore<br \/>\nCarlos Prescott<br \/>\nMichael Privitiera<br \/>\nWilliam E. Quinn (Geisel)<br \/>\nRaymond Rivera<br \/>\nJames B. Robinson<br \/>\nSantiago Santos<br \/>\nBarry J. Schwartz<br \/>\nHarold Thomas<br \/>\nCarl Valone (Geisel)<br \/>\nRafael Vasquez<br \/>\nMelvin Ware<br \/>\nElon F. Werner (Geisel)<br \/>\nRonald Werner (Geisel)<br \/>\nWillie West<br \/>\nHarrison Whalen (Geisel)<br \/>\nAlfred Williams<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Ein von a.r.a.p ins Deutsche \u00fcbersetzter Zeitzeugenbericht des Black Panther Elbert Howard \u00fcber die Attica-Rebellion.<\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">SLAVE REVOLT AT ATTICA<br \/>\n&#8212; Big Man<\/h3>\n<p>Im September 1971 kurz bevor ich New England verlie\u00df, um wieder in die W\u00e4rme Kaliforniens zu ziehen, begleitete ich Bobby Seale (1) nach Attica ins State Prison. Im Radio wurde gemeldet, dass ein Riot ausgebrochen sei, und dass Teile des Knastes unter der Kontrolle der Gefangenen w\u00e4re. Die Gefangenen hatten den Knastbeh\u00f6rden eine Liste mit Forderungen \u00fcbergeben und sie forderten b\u00fcrgerliche Beobachter. Die Beobachtergruppe sollte aus Vertretern der Regierung, mehrerer Zeitungen, den Young Lords (2), Black Muslims (3), der Black Panther Party und anderer gesellschaftlicher Gruppen bestehen.<br \/>\nBobby, sein Fahrer Van Taylor, ich und einige andere Panther fuhren nach Attica, 40 Meilen westlich von Buffalo, New York. Kurz vor dem Knast hielten wir an und fragten einen State Trooper ( Staatspolizei) nach der Richtung. Er erkannte Bobby Seale. Bobby erkl\u00e4rte, wir seien angefragt worden als Teil des Verhandlungsteams nach Attica zu kommen. Der Tropper eskortierte uns dann zum Knast.<\/p>\n<p>Dort war alles voller staatlicher und \u00f6rtlicher Polizei , National Guard , Mitarbeiter des Rettungsdienstes und Unmengen an Medienleute und deren Ausr\u00fcstung. Sobald wir als Panther erkannt wurden, st\u00fcrzten sich die Presseleute mit Fragen und Anfragen nach Interviews auf uns. Bobby sagte, wir seien gerade angekommen und h\u00e4tten zu diesem Zeitpunkt nichts zu sagen.<br \/>\nIm Knast sprach es sich herum, dass wir angekommen waren. Der Anwalt Bill Kunstler kam zu uns und sagte, dass er Commissioner Russell Oswald Bescheid sagt, damit Vorkehrungen getroffen werden und wir in den Knast rein kommen. Oswald kam und befahl seinen bewaffneten W\u00e4rtern uns rein zu lassen.<br \/>\nIm Knast waren Leute von der Presse: New York Times, Daily News, Washington Post, Muhammad Speaks (4) und wir \u2013 The Black Panther News Service. Ich erinnere mich an Dr. Benjamin Spock, David Dellinger, Bill Kunstler, an Leute der Young Lords und der Black Muslims.<br \/>\nWir wurden \u00fcber die Forderungen der Gefangenen und die Situation der Geiseln informiert. Es waren mindestens 30 W\u00e4rter und Bedienstete als Geiseln genommen worden.<br \/>\nIch verga\u00df zu erw\u00e4hnen, dass vor dem Knast auch die Angeh\u00f6rigen der Geiseln waren. Es waren deren weinende Frauen und Kinder, die uns baten alles zu tun, um die Situation zu beenden, damit ihre M\u00e4nner und V\u00e4ter unverletzt freigelassen werden. Diese Situation werde ich nie vergessen \u2013 ihre Bitten gingen auch an Governor Rockefeller, jedoch fielen sie bei ihm auf \u201etaube Ohren\u201c.<br \/>\nAm 9. September 1971 \u00fcbernahmen rund 1.000 der 2.254 H\u00e4ftlinge (85% von ihnen waren schwarz) die Kontrolle \u00fcber den s\u00fcd\u00f6stlichen Teil des Gef\u00e4ngnisses. Die Insassen \u00fcbergaben eine Liste mit Forderungen: h\u00f6here L\u00f6hne, religi\u00f6se und politische Freiheit, bessere Ern\u00e4hrung , Verbesserung der medizinische Behandlung und der Freizeitangebote. Au\u00dferdem forderten die Gefangenen eine Amnestie f\u00fcr die Geiselnahme sowie die Zusage, dass es nach der \u00dcbergabe der Geiseln keine Repressionen gegen sie geben werde.<br \/>\nDanach begannen Verhandlungen zwischen den Gefangenen und Kommissar Oswald. W\u00e4hrend der 4t\u00e4gigen angespannten Verhandlungen wurde das Beobachterteam einschlie\u00dflich uns &#8211; der BPP &#8211; als Verbindung zwischen Oswald und den Insassen zugelassen. Oswald hatte eine Liste von<br \/>\n28 Reformen, von denen er sagte, er sei bereit, diese zu gew\u00e4hren. Er stimmte den meisten<br \/>\nForderungen der Gefangenen zu, au\u00dfer der sofortigen Entlassung von Attica Superintendent Vincent<br \/>\nR. Mancusi und der Forderung nach Amnestie. In den B\u00fcros des Knastleiters klingelten st\u00e4ndig die Telefone. Sie waren \u00fcberf\u00fcllt mit Reportern, die mehr oder weniger laut ihre Berichte durch gaben und mit Regierungsbeamten, die mit Leuten im B\u00fcro des Governors redeten. Sogenannte Runners \u00fcbermittelten die Nachrichten zwischen Oswald und dem Komitee der H\u00e4flinge. Governor Nelson Rockefeller lehnte die Amnestie ab, und trotz der Aufforderung des Beobachterteams weigerte er sich nach Attica zu kommen, um an den Verhandlungen teilzunehmen. Er zeigte keinerlei Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Verhandlungen. Als es dunkel wurde, genehmigten die Gefangenen den Mitgliedern der BPP und einigen Reportern in den \u201eSperrbezirk\u201c des Zellenblocks \u201eD\u201c zu kommen. Dieser f\u00fchrte auf den Hof, wo sich die \u201eGefangenen \u2013Kommandozentrale\u201c befand und wo die Geiseln waren.<br \/>\nUm auf dem Hof zu gelangen, mussten wir zu Fu\u00df durch einen langen halbdunklen Korridor, der etwa 30 Meter lang und vielleicht 3 Meter breit war. Es gab ein Oberlicht im Flur. Es gab Zellenbl\u00f6cke auf der linken Seite und eine Mauer zur rechten. An einigen Zellent\u00fcren standen Matratzen. An einigen Stellen auf dem Boden stand Wasser. Ganz am Ende des Korridors war eine Zellent\u00fcr bewacht von 3 oder 4 Gefangenen, die ihre Gesichter vermummt hatten, um nicht erkannt zu werden. Durch Zurufe wurde bekannt gemacht, dass die Panthers kommen. Wenn es je einen Ort gab, der nach Tod roch, dann war es hier. Der Tod war nur wenige Stunden entfernt.<br \/>\nJedenfalls kamen wir an das Ende des Korridors und wurden in den Hof gelassen. Der Hof war \u00fcberf\u00fcllt. Rund um den Hof herum, brannte an verschiedenen Stellen Feuer. Dort sa\u00dfen um einige der Feuer Angestellte des Knastes, man kann sie Geiseln nennen, wenn man will. Die meisten hatten Knastkleidung an. Man konnte erkennen, dass sie die Geiseln waren, da die meisten von ihnen wei\u00df waren. Sie waren verschmutzt und sahen sehr traurig aus, aber sie waren unverletzt. Du konntest ihnen ihre Hoffnung ansehen, dass alles bald vorbei sei und sie es \u00fcberleben w\u00fcrden.<br \/>\nDie Anf\u00fchrer der Revolte bzw. das Komitee hatte eine Art Kommandostand in den Hof gebaut, mit Tischen und St\u00fchlen, Licht und einem PA System . Als bekannt wurde, dass Bobby Seale und eine Delegation der BPP da waren, brach der ganze Hof in Applaus und Schreie der Anerkennung aus. Auf dem Weg zu unseren Pl\u00e4tzen sch\u00fcttelte ich die H\u00e4nde von vielen, vielen Gefangenen, die &#8220;Hey Big Man, All Power to the People.&#8221; sagten. Ich hatte keine Ahnung, dass diese M\u00e4nner mich kannten oder wussten, wer ich war. obwohl, es gab \u00fcber mein Gerichtsverfahren in New Haven und New York Artikel in fast allen Zeitungen der Ostk\u00fcste.<br \/>\nIn Anwesenheit von BPP und Presse wiederholten die Sprecher der Gefangenen ihre Forderungen.<br \/>\nBobby Seale sagte ihnen, dass er erst mit Huey P. Newton, dem Verteidigungsminister der BPP, reden muss, bevor er eine Zusage macht und ihre Forderungen unterst\u00fctzt. Bobby ging zu einem Telefon, um mit Huey zu sprechen. Huey stimmte unserer Meinung zu, dass auch wenn zur Zeit nur wenig getan werden k\u00f6nne, die Black Panther Party solidarisch mit den Gefangenen sei und sie in jeder nur erdenkliche Weise unterst\u00fctzen werde.<br \/>\nAm 11. September 1971, einem Sonntagmorgen, eroberte die zusammengezogene Streitmacht aus 211 Staatsbullen ( State Troopers ) und Justizbeamten Attica mit Schrotflinten, Gewehren und Tr\u00e4nengas. Nachdem das Rumgeballere zu Ende war, lagen 10 Geiseln und 29 Gefangene tot oder sterbend im Hof. 400 Schuss Munition wurden abgefeuert. 4 Geiseln und 85 Gefangene erlitten Schussverletzungen. Es wurde zun\u00e4chst berichtet, dass mehrere Geiseln durch Messer schwingende H\u00e4ftlinge starben. Durch die Berichte der Gerichtsmedizin am n\u00e4chsten Tag kam heraus, dass alle Geiseln und Gefangene durch Schussverletzungen gestorben waren. Bei den Gefangenen wurden keine Schusswaffen gefunden.<br \/>\nFrank &#8220;Big Black&#8221; Smith, ein Attica \u00dcberlebender, berichtet:<br \/>\n&#8220;Es war sehr, sehr barbarisch, wei\u00dft du , sehr, sehr grausam. Sie rissen uns unsere Kleidung vom K\u00f6rper. Wir mussten nackt auf dem Boden kriechen als w\u00e4ren wir Tiere. Und sie schnappten mich. Sie legten mich auf einen Tisch und schlugen mir in die Hoden.<br \/>\nSie verbrannten mich mit Zigaretten und lie\u00dfen hei\u00dfe Sachen auf mich fallen. Sie legten einen Football unter mein Kinn und sagten mir, dass sie mich t\u00f6ten w\u00fcrden, sollte der Ball runter fallen.<br \/>\nUnd ich war davon \u00fcberzeugt, nachdem ich gesehen hatte, dass so viele Menschen ohne jeden Grund erschossen wurden, dass sie dies wirklich tun w\u00fcrden. Sie stellten sich im Flur zum \u201e Spie\u00dfrutenlauf\u201c auf, zerbrachen Glas und streuten dieses in den Flur und dann mussten die Leute \u201eSpie\u00dfruten laufen\u201c.<br \/>\nDa standen dann Polizisten auf jeder Seite mit ihren Schlagst\u00f6cken, die sie \u201e nigger sticks\u201c nannten und schlugen auf die Menschen ein. Es tut wirklich weh. Du siehst einen Menschen, der einen anderen Menschen auf so eine Weise behandelt und das tut mir weh. Ich h\u00e4tte nie gedacht, dass so etwas passieren k\u00f6nnte. Ich h\u00e4tte nie gedacht, dass sie so viele wie Tiere behandeln werden. Und die Art und Weise, wie sie mich behandelten, wie sie mich verpr\u00fcgelten, und nachdem sie mich vom Tisch nahmen, musste ich \u201eSpie\u00dfruten laufen\u201c. Und die Art und Weise wie sie mir das Handgelenk brachen \u2013 \u00fcber meinem Kopf.<br \/>\nSie brachten mich ins Krankenhaus, warfen mich dort auf den Boden, spielten mit ihren Schrotflinten an mir rum , hielten sie mir ins Gesicht und setzten den Lauf der Schrotflinte \u00fcber die Augen und sagten mir \u2013 Nigger, wir werden dich t\u00f6ten.\u201c<br \/>\nNach all den Jahren bleibt immer noch die Frage unbeantwortet, warum die Eile? Die Insassen und Geiseln waren hinter einer zehn Meter hohen Wand. Sie w\u00fcrden nirgendwo hingehen. Niemand wei\u00df, warum die Eile n\u00f6tig war. &#8220;Es ist immer Zeit zu sterben.&#8221;<\/p>\n<p>Elbert &#8220;Big Man&#8221; Howard<\/p>\n<p>1 Bobby Seale ist Mitbegr\u00fcnder der Black Panther und war Parteivorsitzender. Nach einer Reihe von internen Auseinandersetzungen \u00fcber die Politik der Black Panthers wurde Seale 1974 aus der Partei ausgeschlossen.<br \/>\n2 Young Lords war eine Gruppe, die f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit Puerto Ricos und f\u00fcr mehr Rechte aller Puerto Ricaner_innen und Latinos\/ Latinas in den USA und gegen die Armut in den Barrios k\u00e4mpfte<br \/>\n3 u.a. Louis Farrakhan von der Nation of Islam<br \/>\n4 damalige Zeitung der Nation of Islam<\/p>\n<hr \/>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Auszug eines Interviews aus dem Jahr 1991 von Akil Al-Jundi, einem der Attica Brothers. Akil Al-Jundi starb 1997<\/h3>\n<p>\u201eW\u00fcrde ich es wieder tun? Ich w\u00fcrde es an jedem Tag wieder tun. Ich w\u00fcrde es wieder tun, denn ich habe nicht den Luxus, es nicht wieder zu tun. Ich lebe in der South Bronx.<br \/>\nIch kam aus der Karibik in die USA und ich habe in New York gelebt, seit ich hierher kam &#8230;<br \/>\nIch lebe in einer Community, in der es eine Zeit gab, da wollten die Menschen gar nicht \u00fcber die South Bronx reden.<br \/>\nWenn ich mich nicht irre, war es etwa um 1967, dass die Leute anfingen die South Bronx zu beachten.<br \/>\nIch bin bei den Bem\u00fchungen und den K\u00e4mpfen, die die Menschen f\u00fchren um ihr Leben t\u00e4glich zu bew\u00e4ltigen, dabei.<br \/>\nUnd es ist die Art und Weise des Lebens an Orten wie der South Bronx, die mich dazu brachten mich an den revolution\u00e4ren K\u00e4mpfen hier in der Stadt und landesweit zu beteiligen und zu versuchen internationale Verbindungen herzustellen.<br \/>\nBin ich stolz darauf, dass ich an der Attica Rebellion beteiligt war ?<br \/>\nIch bin stolz darauf, daran beteiligt gewesen sein, weil ich denke, dass es ein bedeutsames historische Ereignis war.<br \/>\nIch wage sogar zu behaupten, es war eines der wichtigsten Ereignisse im 20. Jahrhundert.<br \/>\nIch bin definitiv stolz darauf dabei gewesen zu sein.<br \/>\nUnd es gl\u00fccklicherweise \u00fcberlebt zu haben, um mit anderen Menschen die Erfahrungen zu teilen, die wir dort gemacht haben. Vieles was ich heute mache, mache ich auch wegen Attica.<br \/>\nDenn eines wei\u00df ich sicher, obwohl die Rebellion durch das Massaker 1971 formal gesehen endete, ist sie nicht vorbei.<br \/>\nEs ist ein kontinuierlicher Prozess &#8230; und darum versuche ich auf diesem Weg zu bleiben.<br \/>\nDenn wir m\u00fcssen imstande sein, aus Attica zu lernen, und die Lehren, die wir daraus ziehen, auf einer t\u00e4glichen Basis anzuwenden.<\/p>\n<p>All Power to the People.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 9. September 1971 begann im Staatsgef\u00e4ngnis Attica im Bundesstaat New York eine Knastrevolte an der sich \u00fcber 1.200 Gefangene beteiligten. Wenige Tage sp\u00e4ter, am 13. September, wurde der Aufstand blutig niedergeschlagen. Attica ist bis heute f\u00fcr viele Menschen&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[9,32,298,11],"tags":[329,79,296,119,37,184,284],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5078"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5078"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5078\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5130,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5078\/revisions\/5130"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5078"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5078"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5078"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}