{"id":5196,"date":"2011-09-19T22:13:37","date_gmt":"2011-09-19T20:13:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=5196"},"modified":"2011-09-20T00:00:21","modified_gmt":"2011-09-19T22:00:21","slug":"die-kommende-empoerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/die-kommende-empoerung","title":{"rendered":"Die kommende Emp\u00f6rung"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Steine-in-der-Hand.jpg\" rel=\"lightbox[5196]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-5197\" title=\"Steine in der Hand\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Steine-in-der-Hand-250x186.jpg\" alt=\"Steine in der Hand\" width=\"175\" height=\"130\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Steine-in-der-Hand-250x186.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/Steine-in-der-Hand.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 175px) 100vw, 175px\" \/><\/a><em>gefunden auf <a href=\"http:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/47140\" target=\"_blank\">linksunten.indymedia.org<\/a>, das Original in franz\u00f6sischer Sprache auf <a href=\"https:\/\/www.lereveil.ch\/contrib\/l-indignation-qui-vient\" target=\"_blank\">www.lereveil.ch<\/a><\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Die kommende Emp\u00f6rung<\/h3>\n<p>Seit einigen Monaten schon kann man in mehreren L\u00e4ndern Europas das Erscheinen einer Bewegung beobachten, die \u201edie Emp\u00f6rten\u201c oder \u201ereale Demokratie\u201c genannt wird.<\/p>\n<p>Hier wie dort l\u00f6ste sie mehrere konditionierte Reflexe aus, die allgemeinen Fallen und Felsen im Kontext \u201esozialer Bewegungen\u201c: zuerst der Fetischismus der Praktiken (wie die Platzbesetzung, das Sit-In, das Happening oder die Latschdemo und nun der Marsch&#8230;) und die strikte Beschr\u00e4nkung der Bewegung auf seine Praktiken, danach der Demokratismus (der religi\u00f6se Respekt und das Privileg, das kollektiven, in Versammlungen getroffenen Entscheidungen, die \u201erepr\u00e4sentativ sind f\u00fcr die Bewegung\u201c, einger\u00e4umt wird), der \u201eB\u00fcrgernihilismus\u201c <!--more-->(bornierter Respekt des Gesetzes, der Wahl, der vom Staat gegebenen \u201eRechte\u201c und von ihm verlangten Pflichten) und die dogmatische Gewaltlosigkeit (die soweit geht, dass sogar Polizeigewalt gegen diejenigen, welche sich dem Dogma widersetzen, verteidigt wird) und somit der Hegemonismus (ein Teil der Bewegung \u00fcbernimmt die Kontrolle \u00fcber die Gesamtheit), und vor allem: die Abwesenheit einer revolution\u00e4ren Perspektive und die Einkapselung in abstrakten und reformistischen Forderungen. Weit davon entfernt, eine revolution\u00e4re Aufwallung oder eine authentische spontane Revolte zu repr\u00e4sentieren, ist die Bewegung der Emp\u00f6rten schon eher Teil der Befriedung jeglichen realen Aufbegehrens (daher die Ablehnung der direkten Aktion), der Militarisierung des Staates (die im Ausland gef\u00fchrten Kriege und die Verst\u00e4rkung der Repression im Innern, wor\u00fcber das Schweigen der \u201eEmp\u00f6rten\u201c mehr als suspekt ist) und der Aufstieg des Faschismus in der Gesellschaft, namentlich durch ebendiese Bewegung.<\/p>\n<p><em>Die Krise als Befriedung<\/em><\/p>\n<p>Seit mehreren Jahren schon benutzen alle europ\u00e4ischen Regierung, alle Tendenzen bunt durchmischt, von der sozialdemokratischen Linken bis zur reaktion\u00e4rsten Rechten, das Argument der Krise, um jegliche Regung des Aufbegehrens zu bet\u00e4uben. Einerseits gibt es die Erkl\u00e4rung der Regierungen, die auch diejenige des Internationalen W\u00e4hrungsfonds und der Weltbank ist: die Krise sei eine Art metaphysisches Ph\u00e4nomen, das nicht mal die \u00d6konomen erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, eine Art Naturkatastrophe, die mit Hilfe von Reformpolitik und Sparpl\u00e4nen einged\u00e4mmt und bek\u00e4mpft werden m\u00fcsse. Als ob diese Krise nichts mit ebendieser Politik zu tun h\u00e4tte, als ob sie das Resultat g\u00f6ttlicher Vorsehung w\u00e4re. Dieses Argumentarium hat tats\u00e4chlich zum Ziel, von der vom kapitalistischen System und seinen Staaten ausgel\u00f6sten Krise zu profitieren, um die Sparpolitik zu rehabilitieren, die ebendiese Krise impliziert, mit der einzigen Absicht, den Kapitalismus einmal mehr gesund zu pflegen. Die \u201eEmp\u00f6rten\u201c hingegen, in ihrer gro\u00dfen Mehrheit bar jeglicher Klassenanalyse und jeglicher Kapitalismuskritik, sehen im allgemeinen die Krise und die Sparpolitik als Resultat einer Kaste \u201eParasiten-Bankiers\u201c und eines \u201etentakelartigen Finanzimperiums\u201c, oder \u201eNeue Weltordnung\u201c, die die Kassen geleert habe, als niemand hinschaute. Kurz: unn\u00f6tig, sich \u00fcber allzu komplizierte \u201epolitische Konzepte\u201c den Kopf zu zerbrechen: \u201eNieder mit dem NWO\u201c ist soviel cooler, soviel smarter und es fasst alles zusammen, ohne dass man \u00fcberlegen m\u00fcsste&#8230;<\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen, und sowohl die Bewegung der Emp\u00f6rten wie auch die neue extreme Rechte oder Sarkozy, sie alle denunzieren schliesslich das \u201eScheitern der Banken\u201c wovon das kleine Volk gerettet werden m\u00fcsse, ein \u201eFinanzkapitalismus\u201c, der verr\u00fcckt geworden sei und der reguliert oder \u201egereinigt\u201c werden m\u00fcsse und die Mittelklasse als \u201eOpfer der Krise\u201c. Der Grund dieser Bankanalyse ist simpel: diese Bewegung ist eben genau aus der sakrosankten Mittelklasse zusammengesetzt (die sowohl von Sarkozy, den Sozialdemokraten als auch von den neuen Faschisten \u00e0 la Soral umschmeichelt wird). Eine Klasse, die die Effekte \u201eder Krise\u201c noch kaum wahrnimmt, w\u00e4hrend die Mehrheit der Ausgebeuteten die Logik und die Lebensbedingungen im Kapitalismus seit jeher erdulden, die durch die Krise nur noch schlimmer wurden. Daher auch der Widerspruch zwischen dem Diskurs \u201ef\u00fcr die Revolution\u201c der Emp\u00f6rten in bezug auf die arabische Welt \u2013 wo, wie in Tunesien, die tats\u00e4chlich dominanten Praktiken der Angriff auf die Symbole der Macht, die Zusammenst\u00f6\u00dfe mit der Polizei, das Pl\u00fcndern der Superm\u00e4rkte, Gef\u00e4ngnisaufst\u00e4nde und -br\u00e4nde und eine ganze Serie von Tatsachen waren, die eine wahrhafte Logik des Klassenkrieges und der revolution\u00e4ren Guerilla bezeugen und eine Agitation, die, wenn sie als Erkl\u00e4rung auch nicht ausreicht, eine unbestreitbare Rolle spielte im Fall mehrerer Regime und im Sinneswandel der Armee oder der Polizei, die f\u00fchlten, dass der Boden unter ihren F\u00fcssen zu beben begonnen hatte \u2013 und dem Verhalten der selben \u201eEmp\u00f6rten\u201c hier, die ein Tag oder ein kleines eingeschlagenes Schaufenster eines Ladens oder einer Bank als \u201eGewalt\u201c betrachten.<\/p>\n<p><em>Hinter der Kritik des Finanzkapitalismus: linker Populismus und Antisemitismus<\/em><\/p>\n<p>Eben diese Teilkritik der Banken, nicht als Rad des kapitalistischen Systems, sondern als \u201eNest von Parasiten\u201c, das eine phantasmatische \u201eRealwirtschaft\u201c zerst\u00f6rt habe, und die die Banken als zentrales Problem betrachtet, erm\u00f6glicht das antisemitische Hirngespinst einer Verschw\u00f6rung welche vermeintlich versucht, die Welt zu kontrollieren. Denn durch den Versuch, das System der Banken und der Macht der gro\u00dfen multinationalen Unternehmen zu kritisieren, wenn auch nur teilweise, tappt die Bewegung der Emp\u00f6rten in die Falle eines typisch reaktion\u00e4ren und populistischen Diskurses und ist somit weit entfernt von jeglicher Kapitalismuskritik, sie best\u00e4tigt ihn sogar, indem sie die Rolle spielt, die von ihr verlangt wird: diejenige eines strikt gewaltlosen Aufbegehrens, bar jeglicher kritischer Substanz, die durch ihre Form jegliche wahre Bewegung (in der Art eines Generalstreiks oder eines Aufstands) verhindert und die Debatte nach rechts verlegt, in die grosse Falle der \u201eB\u00fcrgerdebatte\u201c tappt. Total harmlos geworden durch ihren selbst proklamierten \u201eapolitischen\u201c Charakter nimmt die Bewegung der Emp\u00f6rten in Tat und Wahrheit teil an der Aufrechterhaltung der Ordnung durch ein Spektakel des Aufbegehrens in einer vagen \u201eAnti-System\u201c-Front, welche das Feld frei l\u00e4sst f\u00fcr eine liberale, populistische oder gar faschistische Vereinnahmung. Die obsessive Denunziation der \u201eNeuen Weltordnung\u201c wiederholt letztendlich den neuen rechtsextremen Diskurs der Verschw\u00f6rung der \u201eHeimatlosen\u201c gegen \u201edie V\u00f6lker und die Nationen\u201c. Und dieser Diskurs, abgesehen davon, dass er nach Niederlage stinkt, ist schlichtweg faschistisch da nationalistisch und antisemitisch. Lassen wir uns nicht \u00fcber&#8217;s Ohr hauen: wo reales Aufbegehren verschwindet, machen die Reaktion\u00e4re Fortschritte.<\/p>\n<p><em>EMP\u00d6RUNG REICHT NICHT!<\/em><\/p>\n<p>Es ist deshalb kein Zufall, dass man in Frankreich unter den Organisatoren der \u201eBewegung der Emp\u00f6rten\u201c etliche Verschw\u00f6rungstheoretiker findet, die in Verbindung stehen mit rechtsextremen Bewegungen, welche den Antisemitismus durch ihre Pseudo-Kritik an der Finanz theorisieren. Das Konzept selbst des \u201eFinanzkapitalismus\u201c war ein zentrales Thema in der Propaganda der Nazipartei in Deutschland und der Faschismen in Europa, um einen inneren Feind zu konstruieren und das Nationalgef\u00fchl zu umschmeicheln. Das von den Emp\u00f6rten hoch gehaltene Thema des \u201eB\u00fcrgers\u201c erneuert ebenfalls diese konstante Abmahnung, die die Anordnung bedeutet, nicht zu revoltieren, sondern h\u00f6flich seine Emp\u00f6rung zu zeigen. Sie basiert auf dieser edelm\u00fctigen Hypothese, dass die Unterdr\u00fccker schliesslich aufgeben w\u00fcrden in Angesicht der Vernunft, die \u201evom Volk\u201c \u00f6ffentlich und friedlich ausgedr\u00fcckt wird. Dieses saint-simonistische M\u00e4rchen schliesst jedoch all diejenigen aus, die eben nicht als B\u00fcrger betrachtet werden: die Sans-Papiers, die \u201eKriminellen\u201c und all diejenigen, die ausserhalb der b\u00fcrgerlichen Legalit\u00e4t und Legitim\u00e4t agieren. All die Unerw\u00fcnschten, ausgebeutet per Definition. Indem sie so tun als wollten sie eine \u201ereale Demokratie\u201c kreieren, hat die Bewegung einzig die Entscheidungsmacht zentralisiert durch die Platzbesetzungsversammlungen und deren Ausw\u00fcchse (wie die Kommissionen der \u201eaccampadas\u201c in Spanien), in der Hoffnung, die Revolutionen im Machrek und im Maghreb nachzu\u00e4ffen (indem sie ohne jegliche reale Notwendigkeit, in fetischistischer Art und Weise, die sozialen Netzwerke des Typs Facebook benutzten), haben die Emp\u00f6rten einen Staat im Staat, einen Ersatz repr\u00e4sentativer Demokratie und b\u00fcrgerlichen Parlementarismus kreiert, wo jeglicher Wille, sich basisdemokratisch zu organisieren und lokal zu handeln, schlichtweg verunm\u00f6glicht wurde, insbesondere als in Barcelona der Wille zur Spaltung w\u00e4hrend der Besetzung, f\u00fcr den zwar mehrheitlich gestimmt wurde, von der Plattform der Besetzung zensiert oder als jegliche Debatte, die den gegebenen Rahmen verl\u00e4sst, schlichtweg sabotiert wurde. Oder wie in Athen, wo die Emp\u00f6rten dazu aufriefen, die T\u00e4ter \u201egewaltt\u00e4tiger Akte\u201c zu denunzieren und sie der Polizei vorzuwerfen: womit sie staatliche Repression im Namen der Gewaltlosigkeit unterst\u00fctzten! Indem sie gefangen sind in einer hohlen apolitischen Rhetorik, in einem autorit\u00e4ren und b\u00fcrokratischen Entscheidungsmodus, in einem abstrakten Pazifismus und einer dogmatischen Gewaltlosigkeit nehmen die Emp\u00f6rten an der Aufrechterhaltung des Status Quo teil, schikanieren sie jegliche Teilnahme Revoltierender oder Revolution\u00e4rer und \u00f6ffnen im Gegenteil den reaktion\u00e4ren Kr\u00e4ften den Weg, die bis dahin auf den \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen nichts zu sagen hatten. Die revolution\u00e4re Perspektive f\u00fcr \u201eeine Emp\u00f6rung in Bewegung\u201c zu opfern bedeutet, den Strick zu flechten, an dem man uns aufh\u00e4ngen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Sich auf eine befriedete Emp\u00f6rung zu beschr\u00e4nken und auf \u201edie Bankiers\u201c (obwohl diese, wie andere, mitverantwortlich sind f\u00fcr die Ausbeutung und die miserablen Lebensbedingungen der Mehrheit der Menschheit) zu fokussieren bedeutet, nicht zu sehen, dass sich \u00fcberall auf der Welt seit dem Beginn der \u201eWirtschaftskrise\u201c Revolten, Aufst\u00e4nde und revolution\u00e4re Situationen entluden, nicht nur gegen die Banken, sondern gegen den Kapitalismus, den Staat, die Regierungen, ihre herrschenden Klassen und ihre Bullen, ihre Gesetze, ihre Gerichte, ihre Gef\u00e4ngnisse und ihre Armeen. Es bedeutet, nicht zu sehen, dass die Sparpl\u00e4ne und die \u201eReformen des Steuersystems und des Banksystems\u201c die Politik der selben Regierungen und der selben Bourgeoisie ist, die behauptet, Opfer der \u201eKrise\u201c zu sein und tats\u00e4chlich am meisten davon profitiert, um ihre Wirtschaft und ihre Privilegien zu retten.<\/p>\n<p><strong>Die Wut muss handelnd ausgedr\u00fcckt werden! Gegen den Kapitalismus, gegen den Staat: ES LEBE DIE SOZIALE REVOLUTION! Die Wirtschaft ist krank? SIE SOLL KREPIEREN!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Einige AnarchistInnen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>gefunden auf linksunten.indymedia.org, das Original in franz\u00f6sischer Sprache auf www.lereveil.ch Die kommende Emp\u00f6rung Seit einigen Monaten schon kann man in mehreren L\u00e4ndern Europas das Erscheinen einer Bewegung beobachten, die \u201edie Emp\u00f6rten\u201c oder \u201ereale Demokratie\u201c genannt wird. 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