{"id":563,"date":"2009-06-05T20:45:36","date_gmt":"2009-06-05T18:45:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=563"},"modified":"2009-06-05T20:47:57","modified_gmt":"2009-06-05T18:47:57","slug":"redebeitrag-auf-der-kundgebung-vor-dem-knast-in-berlin-moabit-am-5-juni","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/redebeitrag-auf-der-kundgebung-vor-dem-knast-in-berlin-moabit-am-5-juni","title":{"rendered":"Redebeitrag auf der Kundgebung vor dem Knast in Berlin-Moabit am 5. Juni"},"content":{"rendered":"<p>Wir sind heute hier vor dem Knast in Moabit versammelt, um unsere Solidarit\u00e4t mit den Menschen zu zeigen, die am 1. Mai verhaftet worden sind und seitdem hinter diesen grauen Mauern auf der anderen Stra\u00dfenseite festgehalten werden.<br \/>\nSie wurden im Laufe des gesamten Tages und w\u00e4hrend der Auseinandersetzung mit der Polizei eingesackt, aufgrund der Anschuldigung sich daran beteiligt zu haben. Dieses Jahr gab es die heftigsten Konfrontationen wie schon seit vielen Jahren nicht mehr und die Polizei wurde von Anfang an offensiv von der Demo verwiesen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nNach dem 1. Mai wurden auf Seiten der Polizei, der Politik und der Medien massiv rumgeheult und harte Strafen f\u00fcr die Verhafteten gefordert, sowie generelle Gesetzesversch\u00e4rfungen eingefordert, vor allem bei K\u00f6rperverletzung an PolizistInnen.<br \/>\nW\u00fcrden wir jedes Mal wenn wir ihre Pr\u00fcgel und Repression zu sp\u00fcren bekommen genauso rumheulen wie sie es tun w\u00e4re Berlin schon \u00fcberflutet.<\/p>\n<p>Dass dieses Mal zur Abwechslung \u2013 wenn auch nur kurz und mit vielen Ritualen behaftet \u2013 eine offensive Demonstration die Karten neu mischt, k\u00f6nnen wir nur begr\u00fc\u00dfen.<br \/>\nGerade weil wir uns alle nach den Ereignissen so gefreut haben, d\u00fcrfen wir die Leute, die im Moment aufgrund dieser kollektiven Offensive im Bau sitzen, nicht vergessen. Unter anderem sitzen auch vier Menschen unter dem Vorwurf des \u201cversuchten Mordes\u201d, aufgrund einiger Molliw\u00fcrfe, die am Abend stattfanden.<br \/>\nDas erinnert uns an den Fall der drei HausbesetzerInnen aus M\u00fcnchen, die vor einiger Zeit unter dem gleichen Vorwurf angeklagt und zu f\u00fcnf Jahren Haft verurteilt wurden, blo\u00df weil sie ihr besetztes Haus mit Steinw\u00fcrfen auf gepanzerte PolizistInnen verteidigt haben.<\/p>\n<p>Die Gefangenen sind mit einer harten Situation konfrontiert und m\u00fcssen unsere Solidarit\u00e4t sp\u00fcren. Uns ist es egal ob sie und alle anderen zuf\u00e4llig in Kreuzberg beim Eis essen waren und willk\u00fcrlich verhaftet wurden oder sich aktiv beteiligt haben: wir kennen keine Trennung zwischen \u201cSchuldigen\u201d und \u201cUnschuldigen\u201d, unsere Solidarit\u00e4t l\u00e4sst sich nicht davon diktieren und sollte offensiv bekundet werden.<br \/>\nWenn wir soziale Unruhen mit verursachen wollen und an ihrer Verbreitung Interesse haben, m\u00fcssen wir den Menschen auch unsere Ernsthaftigkeit zeigen: dass hei\u00dft unter anderem, die offensiven Angriffe auf die Polizei als Bewegung zu verteidigen und die Betreuung und die Solidarit\u00e4t mit denjenigen, die mit diesen Vorw\u00fcrfen einsitzen, zu organisieren. Ansonsten ist es auch zu verstehen, wenn viele denken, unsere Parolen w\u00e4ren blo\u00df leer und w\u00fcrden nicht eingel\u00f6st.<\/p>\n<p>Wenn wir nicht f\u00e4hig sind, nach Ereignissen wie diesen, die keine sozialen Unruhen waren, sondern ganz normale militante Angriffe auf die Polizei, wie sie jeden Tag \u00fcberall auf der Welt stattfinden, uns dazu zu verhalten, werden wir von hoffentlich anstehenden zuk\u00fcnftigen Situationen ganz sch\u00f6n \u00fcberfordert sein.<br \/>\nDeshalb bleibt es auch eine minimale Antwort, sich auf unterschiedliche Art und Weise solidarisch mit den Eingefahrenen zu zeigen und zum Beispiel heute ihre Isolation zum Teil zu durchbrechen, indem wir hier vor dem Knast mit Musik und Parolen pr\u00e4sent sind.<\/p>\n<p>Aber wir sind hier nicht nur wegen ihnen. Wir sind hier auch um unseren Hass gegen\u00fcber dem Knast und jeglichen Formen von Zwangsanstalten zu zeigen. Knast stellt f\u00fcr uns keine L\u00f6sung f\u00fcr Konflikte dar, die aufgrund der gegenw\u00e4rtigen Organisierung dieser kapitalistischen Gesellschaft verursacht werden.<br \/>\nKonflikte lassen sich nicht wegsperren und wir k\u00e4mpfen auch f\u00fcr die Abschaffung aller Kn\u00e4ste entlang eines H\u00fcrdenlaufs, welcher das Umkippen der bestehenden Verh\u00e4ltnisse anstrebt. Wir m\u00f6chten Kn\u00e4ste zu Baul\u00fccken umgewandelt sehen und gemeinsame Antworten f\u00fcr die Konflikte, die dort eingesperrt sind, finden.<\/p>\n<p>Am 31. Mai fand in Rom eine solidarische Initiative statt. Menschen, die sich solidarisch mit den Berliner 1. Mai-Gefangenen zeigen wollten, organisierten eine Kundgebung vor dem Knast Regina Coeli. In ihrer Erkl\u00e4rung betonten sie auch, dass sie sich auch dort versammelt h\u00e4tten, weil sie f\u00fcr die Freiheit von alle anderen und die Zerst\u00f6rung aller Kn\u00e4ste k\u00e4mpfen. Au\u00dferdem finden gerade verschiedene Soliveranstaltungen statt, um Geld zu sammeln und Informationen zu verbreiten.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich m\u00f6chten wir wieder unsere Solidarit\u00e4t mit Alex und Christian betonen: Alex sitzt seit noch nicht allzu langer Zeit wegen versuchter Brandstiftung an einer Luxuskarre in Untersuchungshaft. Mal wieder Dank einer guten Zusammenarbeit der Politik, Polizei und Medien. Christian k\u00e4mpft immer noch f\u00fcr seine endg\u00fcltige Entlassung nach einem mehrj\u00e4hrigen Urteil, aufgrund seines aktiven antifaschistischen Engagements. Aktive und vielf\u00e4ltige Solidarit\u00e4t f\u00fcr die Beiden ist nach wie vor notwendig.<\/p>\n<p>In diesem Sinne,<br \/>\nFreiheit f\u00fcr die Gefangenen der 1. Mai!<br \/>\nFreiheit f\u00fcr Alex und Christian!<br \/>\nFreiheit f\u00fcr alle!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir sind heute hier vor dem Knast in Moabit versammelt, um unsere Solidarit\u00e4t mit den Menschen zu zeigen, die am 1. Mai verhaftet worden sind und seitdem hinter diesen grauen Mauern auf der anderen Stra\u00dfenseite festgehalten werden. 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