{"id":5648,"date":"2011-11-18T06:53:23","date_gmt":"2011-11-18T05:53:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=5648"},"modified":"2011-11-18T08:41:04","modified_gmt":"2011-11-18T07:41:04","slug":"schulen-sind-gefaengnisse%e2%80%a6-und-gefaengnisse-brennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/schulen-sind-gefaengnisse%e2%80%a6-und-gefaengnisse-brennen","title":{"rendered":"Schulen sind Gef\u00e4ngnisse\u2026 und Gef\u00e4ngnisse brennen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/schulebrennt.jpg\" rel=\"lightbox[5648]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-5647\" title=\"Schulen sind Gef\u00e4ngnisse\u2026 und Gef\u00e4ngnisse brennen\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/schulebrennt-250x132.jpg\" alt=\"Schulen sind Gef\u00e4ngnisse\u2026 und Gef\u00e4ngnisse brennen\" width=\"250\" height=\"132\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/schulebrennt-250x132.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/schulebrennt.jpg 500w\" sizes=\"(max-width: 250px) 100vw, 250px\" \/><\/a><em>Folgend ein Text, der am 31. Oktober in der 22. Ausgabe der Belgischen anarchistischen Strassenzeitschrift <a href=\"http:\/\/journalhorsservice.blogspot.com\/\" target=\"_blank\">Hors Service<\/a> publiziert wurde.<\/em><br \/>\n<em> Anschlie\u00dfend eine kleine \u00dcbersicht \u00fcber die Ausdr\u00fccke der Wut gegen die Schule in Belgien vom Monat Oktober.<br \/>\nvon <a href=\"http:\/\/andiewaisendesexistierenden.noblogs.org\/post\/2011\/11\/17\/schulen-sind-gefangnisse-und-gefangnisse-brennen\/\" target=\"_blank\">an die Waisen des Existierenden<\/a><\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong><\/strong><strong>Schulen sind Gef\u00e4ngnisse\u2026 und Gef\u00e4ngnisse brennen<br \/>\n<\/strong><\/h3>\n<p>Schulbeginn. Erneut steht uns ein Jahr von Unterwerfung und Erniedrigungen bevor. Nach diesen zwei Monaten \u201eFreizeit\u201c, in denen wir uns ausruhen konnten, beginnt bei den ersten bereits die Langeweile sich breit zu machen. Da dr\u00e4ngt sich die Vermutung auf, dass die Schule uns nicht nur k\u00f6rperlich, sondern auch psychisch einengt. Dass die Schule uns also jeglicher M\u00f6glichkeit beraubt, selbst \u00fcber unser Leben bestimmen zu k\u00f6nnen, ohne dem Einfluss des Lehrers oder einer anderen Autorit\u00e4t ausgesetzt zu sein.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nLasst uns also von Beginn an die richtigen Worte w\u00e4hlen; eine Schule ist ein Knast und nichts anderes. Den Begriff Knast definiere ich als einen Ort oder eine Institution, die uns einsperrt, um \u2013 auf welche Weise auch immer \u2013 die herrschende Ordnung aufrecht zu erhalten. Arbeit, Schulen, psychiatrische Anstalten, zusammengepferchte Wohnungen, Abschiebelager, Strafanstalten. Die Funktion der Kn\u00e4ste mag variieren, doch entstammen sie alle der gleichen Idee \u2013 das reibungslose Funktionieren einer Gesellschaft zu gew\u00e4hrleisten, die auf Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung beruht.<\/p>\n<p>Sprechen wir hier also von der Schule, ein Themenfeld, das, meiner Meinung nach, viel zu oft vergessen wird im Kampf gegen jede Herrschaft. Dabei ist die Schule eindeutig autorit\u00e4r. Der Lehrer \u00fcbt eine unantastbare Macht aus; wenn er spricht, m\u00fcssen alle anderen schweigen. Man braucht eine Erlaubnis f\u00fcr die banalsten Dinge; aufs Klo gehen, miteinander reden, aufstehen oder etwas trinken. Je nach seiner Laune kann der Lehrer dies alles ohne Begr\u00fcndung verbieten. Jeder noch so kleine Versto\u00df wird bestraft. \u00dcberwachungskameras werden zur Normalit\u00e4t. Eigentlich paradox, wenn wir uns vor Augen halten, dass der Staat uns so zu autonomen Individuen erziehen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Dieses strikte Reglement ist f\u00fcr jeden sichtbar und wird somit oft kritisiert, nicht zuletzt auch von der Linken. Aber nachdem man Jahre \u00fcber Jahre in diesem Knast verbracht hat, wird es wohl schwierig, diesen engstirnigen Rahmen zu \u00fcbersteigen. Das Ziel dieser Personen ist es also nicht, den Knast Schule zu zerst\u00f6ren, sondern ihn zu \u201edemokratisieren\u201c oder etwas ertragbarer zu gestalten. Hierbei handelt es sich blo\u00df um einen weiteren Schritt hin zur Perfektionierung der Schulen, was weit entfernt \u2013 wenn nicht gar entgegengesetzt \u2013 ist, von dem, was wir uns ersehnen. Diese Kritiken scheinen \u00fcberdies alle einen wesentlichen Punkt einfach zu ignorieren; die Schule ist kein isoliertes Ph\u00e4nomen, sondern ist in einen sozialen Kontext eingebettet. Und es ist genau hier, wo wir \u2013 als Anarchisten \u2013 intervenieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Schule ist Teil dieser kapitalistischen Welt und nimmt dabei eine entscheidende Rolle ein; sie soll die j\u00fcngsten dieser Gesellschaft auf den \u201eArbeitsmarkt\u201c vorbereiten. Die in der Schule vermittelten Werte sind, unter anderem, Gehorsam, Arbeitseifer und Konkurrenzkampf. Die Schule f\u00fchrt uns geradeaus in die Fabriken, die B\u00fcros oder die Arbeitslosigkeit, aber in keinstem Fall in unsere Freiheit. Wenn wir den Kapitalismus angreifen, m\u00fcssen wir die Schulen mit der selben Wut zur\u00fcckweisen, wie wir die Arbeit oder jede andere Herrschaft \u00fcber unser Leben zur\u00fcckweisen.<\/p>\n<p>Die Erziehung hat sich im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert, aber ihr oberstes Ziel bleibt immer dasselbe; den \u201eKindern\u201c die Autorit\u00e4t der \u201eErwachsenen\u201c auf zu zwingen, wie es schon bei den Spartanern in der Antike oder bei den kirchlichen Schulen im Mittelalter der Fall war. Die Schulen wurden nicht \u201ezu unserem eigenen Wohl\u201c gegr\u00fcndet, sondern um uns zu domestizieren und uns zu gut ge\u00f6lten R\u00e4dchen in einem komplexen und entfremdenden System zu machen. Folglich sind die Schulen nur ein Werkzeug in den H\u00e4nden der Herrschenden und somit ohne Erbarmen zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p>Verschiedene Formen von Angriffen gegen den Knast Schule sind allgegenw\u00e4rtig, werden aber meistens blo\u00df als \u201egrundlose Gewalt\u201c von jugendlichen Straft\u00e4tern abgestempelt. Diese Diffamierung stellt nur einen krampfhaften Versuch dar, die Revoltierenden gegen die Schule zu isolieren. Indem wir lauthals unsere Komplizenschaft mit den Angreifern ausdr\u00fccken, k\u00f6nnen wir die Stille durchbrechen, die diesen \u201eVandalismus\u201c so oft begleitet. Scheiben einschlagen, Lehrer angreifen oder Mobiliar zerst\u00f6ren sind alles Akte von Individuen, die der Staat noch nicht in eine zahme Herde transformieren konnte. Widersetzen wir uns entschieden der tr\u00fcgerischen Trennung von dem \u201epolitischen\u201c und dem \u201esozialen\u201c um endlich unser Leben zur\u00fcckzugewinnen. Es ist kein Zufall, dass Schulen bei jeder sozialen Revolte zu den ersten Angriffszielen z\u00e4hlen. Lassen wir alle H\u00fcrden zur\u00fcck, die uns diese Gesellschaft aufdr\u00e4ngt. Was uns antreibt, die Schulen \u2013 und alle anderen Kn\u00e4ste \u2013 anzugreifen, ist unsere grenzenlose Leidenschaft f\u00fcr die Freiheit.<\/p>\n<p><strong>Auf dass der n\u00e4chste Feueralarm mehr ist als blo\u00df eine Pr\u00e4ventivma\u00dfnahme\u2026<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Eine kleine \u00dcbersicht der Ausdr\u00fccke der Wut<br \/>\ngegen die Schule in Belgien im Monat Oktober<\/strong><\/h3>\n<p><strong>JAMBES \u2013<\/strong> Ein scheinbar absichtlich gelegter Brand verw\u00fcstet \u00fcber 20 Zimmer des Internats von Jabmbes. Auch andere Teile des Geb\u00e4udes werden von den Flammen und vom Rauch besch\u00e4digt. Das Feuer brach am fr\u00fchen Montag Morgen in dem noch leeren Geb\u00e4ude aus. <em>(11. Oktober 2011)<\/em><\/p>\n<p><strong>MARCHES \u2013<\/strong> Unbekannte dringen in den Hof des Gymnasiums ein und stecken dort M\u00fcllkontainer in Brand. Das Feuer breitet sich auf das Geb\u00e4ude aus und verw\u00fcstet einen Gro\u00dfteil der Schule. Alle Lektionen wurden auf unbestimmte Dauer abgesagt. <em>(16. Oktober 2011)<\/em><\/p>\n<p><strong>HUY \u2013<\/strong> Wieder brennen Abfallcontainer im Hof einer Sekundarschule. Das Geb\u00e4ude wird durch das Feuer besch\u00e4digt, dennoch scheint es die Wut der Brandleger \u00fcberstanden zu haben. Die Schulleitung spricht von einem Akt, der davon inspiriert war, was in Marches geschah.<em> (17. Oktober 2011)<\/em><\/p>\n<p><strong>LIEGE \u2013<\/strong> Jugendliche stehlen das Auto ihres Lehrers und sto\u00dfen es in den Fluss. Sie wurden auf frischer Tat ertappt, w\u00e4hrend das Auto bereits versank. <em>(17. Oktober 2011)<\/em><\/p>\n<p><strong>IZEGEM \u2013<\/strong> Eine Schule wird von Vandalen v\u00f6llig verw\u00fcstet. Sie verw\u00fcsten praktisch alle R\u00e4ume, Direktions- und Lehrerb\u00fcros. Sogar die Beleuchtungen werden von den Decken der G\u00e4nge gerissen. Die Direktion, der Gemeinderat und der Elternrat sind \u00fcber diesen \u201ebestialischen und nie gesehenen Vandalismus\u201c zutiefst schockiert. Die Lektionen werden abgesagt und die Sch\u00fcler werden vor\u00fcbergehend in anderen R\u00e4umen ihre Lektionen abhalten m\u00fcssen. <em>(23. Oktober 2011)<\/em><\/p>\n<p><strong>HORNU \u2013<\/strong> Am Dienstag bricht gegen 13:00 ein Brand an der Provinzialuni Richard Stii\u00e9venart aus. Laut den Feuerwehrleuten brach das Feuer im Erdgeschoss, auf der H\u00f6he eines Archivraumes aus. <em>(25. Oktober 2011)<\/em><\/p>\n<p><strong>BRUGLETTE \u2013<\/strong> Es ist bei weitem nicht das erste Mal, das die Gemeindeschule von Brugelette Vandalenakte verzeichnet. Infolge betr\u00e4chtlicher Besch\u00e4digungen des Schulgeb\u00e4udes wird sie ihre Reparaturarbeiten fortf\u00fchren m\u00fcssen. Dieses Mal am\u00fcsierten sich die Randalierer damit, Steine gegen mehrere Scheiben der Sporthalle und des Geb\u00e4udes zu schmei\u00dfen. \u00a0<em>(28. Oktober 2011)<\/em><\/p>\n<p><strong>SAINT-REMY \u2013<\/strong> In der Nacht von Freitag auf Samstag gegen 2:40 wird die Feuerwehr aufgrund eines hinter der Gemeindeschule stehenden brennenden Containers gerufen. Das Feuer wird rasch gel\u00f6scht. <em>(31. Oktober 2011)<\/em><\/p>\n<p><strong>DENDERMONDE \u2013<\/strong> Vandalen verw\u00fcsten einen guten Teil der technischen und Handelsschule. Sie zerbrachen die Au\u00dfent\u00fcren, rammten die T\u00fcren im Innern ein und verw\u00fcsteten einige R\u00e4ume, das Direktorb\u00fcro und das Sekretariat. In einigen Klassen haben sie die Computer und die neuen Beamer der Schule kaputt gemacht. Dies ist nicht das erste Mal dass diese Schule das Ziel von Vandalen \u00a0ist. Vor einigen Wochen wurde sogar ein Schuss aus einer Feuerwaffe auf ein Fenster der Schule abgegeben. <em>(31. Oktober 2011)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Folgend ein Text, der am 31. Oktober in der 22. Ausgabe der Belgischen anarchistischen Strassenzeitschrift Hors Service publiziert wurde. 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