{"id":5741,"date":"2011-11-26T14:05:01","date_gmt":"2011-11-26T13:05:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=5741"},"modified":"2012-02-08T10:22:42","modified_gmt":"2012-02-08T09:22:42","slug":"flugblatt-in-solidaritaet-mit-sonja-und-c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/flugblatt-in-solidaritaet-mit-sonja-und-c","title":{"rendered":"Flugblatt in Solidarit\u00e4t mit Sonja und Christian zum Anti-Atom-Widerstand"},"content":{"rendered":"<p><em>gefunden auf <a href=\"http:\/\/www.verdammtlangquer.org\/2011\/11\/flugblatt-zum-anti-atom-widerstand\/\" target=\"_blank\">www.verdammtlangquer.org<\/a>, ein Flugblatt mit diesem Text wurde zum Castor-2011-Transport verteilt.<\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Die lange Tradition des Anti-AKW-Widerstands<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Ausgeliefert werden hei\u00dft nicht ausgeliefert sein! Solidarit\u00e4t mit Sonja und Christian!<\/strong><\/p>\n<p>Am 14. September wurden Sonja Suder (78) und Christian Gauger (70) nach 33 Jahren im Exil von Frankreich an Deutschland ausgeliefert und in Frankfurt-Preungesheim und im Knastkrankenhaus Kassel inhaftiert. Christian kam in Untersuchungshaft, obwohl er nach einem Herzstillstand im Oktober 1997 gesundheitlich extrem angeschlagen ist. Erst am 20. Oktober entkam er nach mehreren Interventionen seiner Anw\u00e4lte dieser f\u00fcr ihn lebensgef\u00e4hrlichen Situation. Gegen Auflagen wurde er von der Haft verschont. Sonja sitzt weiter in Untersuchungshaft.<!--more--><\/p>\n<p>Um was geht es?<br \/>\nAls Geburtsstunde der Widerstandsbewegung gegen das Atomprogramm der BRD gilt die Auseinandersetzung\u00a0 um das geplante AKW in Wyhl. Massenproteste konnten 1974\/75 den Bau verhindern. Als Teil der Bewegung setzten sich auch Revolution\u00e4re Zellen (RZ) mit der Perspektive der Anti-AKW-Arbeit auseinander und suchten neue Formen und militante Praxen f\u00fcr den Widerstand. RZ griffen z. B. im Mai 1978 den Wach- und Kon\u00adtrolldienst Nord und Niedersachsen an, der an den Atom-Standorten Gorleben, Brokdorf und Grohnde \u201eaufgefallen war\u201c. Im November 1982 ver\u00fcbten sie einen Anschlag gegen die Gesellschaft f\u00fcr Reaktorsicherheit in K\u00f6ln und f\u00e4llten einen Strommast in Kalkar, dessen Trasse direkt zum geplanten Schnellen Br\u00fcter f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Sonja und Christian werden konkret zwei Anti-Atom-Anschl\u00e4ge der RZ vorgeworfen: Der vom 22. August 1977 richtete sich gegen MAN wegen des Beitrags dieser Firma zur Herstellung s\u00fcdafrikanischer Atombomben. Schon damals kamen durch den Druck der Anti-AKW-Bewegung Atomgesch\u00e4fte in Deutschland nicht mehr so richtig voran und Firmen suchten sich deshalb neue Absatzm\u00e4rkte. MAN exportierte Verdichter f\u00fcr eine Urananreicherungsanlage an das rassistische Apartheidregime. MAN ist bis heute im R\u00fcstungsgesch\u00e4ft aktiv. Der zweite Anschlag richtete sich gegen die Firma KSB. RZ schrieben dazu im August 1977: \u201eNach unserer Aktion gegen den international geachteten Konzern MAN m\u00f6chten wir mit der Aktion bei KSB in Frankenthal einen Kandidaten vorstellen, der ganz im Stillen, aber dort im gro\u00dfen Rahmen wirkt.\u201c Die KSB AG war der weltweit gr\u00f6\u00dfte Pumpenhersteller und wichtig f\u00fcr den Bau von Kernkraftwerken in aller Welt. Heute schreibt das Unternehmen: \u201e40 Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Pumpen und Armaturen f\u00fcr Kernkraftwerke haben KSB zu einem der Weltmarktf\u00fchrer gemacht.\u201c<\/p>\n<p>Des Weiteren sollen Sonja und Christian wegen dieser Aktion nach dem Willen der Frankfurter Staatsanwaltschaft der Prozess gemacht werden: Am 18. Mai 1978 wurde auf das Heidelberger Schloss ein Brandanschlag ver\u00fcbt. In einem angeblichen Schreiben des Oberb\u00fcrgermeisters Zundel (!) unter dem Briefkopf der Stadt Heidelberg hie\u00df es: \u201eAls Oberb\u00fcrgermeister der Stadt Heidelberg erkl\u00e4re ich, dass irgendwelche Behauptungen, ich h\u00e4tte gestern Nacht im K\u00f6nigssaal des Heidelberger Schlosses Feuer gelegt, jeglicher Grundlage entbehren. Richtig ist vielmehr: Ich zerst\u00f6rte und zerst\u00f6re Geb\u00e4ude, die mir bei der Sanierung Heidelbergs im Wege stehen.\u201c Diese Aktion soll tats\u00e4chlich von einer RZ gemacht worden sein. Heute ist Gentrifizierung erneut und immer noch Anlass f\u00fcr Protest und Widerstand.\u00a0 Bei allen drei Vorw\u00fcrfen st\u00fctzt sich die Anklage auf angebliche Aussagen von Hermann F. Angeblich, weil sie unter folter\u00e4hnlichen Bedingungen fabriziert wurden: In Hermanns Scho\u00df explodiert im Sommer 1978 ein Sprengsatz \u2013 angeblich f\u00fcr eine RZ-Aktion gegen das Konsulat der damals in Argentinien herrschenden Folterdiktatur bestimmt. Hermann \u00fcberlebt, verliert aber beide Augen und seine Beine werden amputiert. Er bekommt st\u00e4ndig starke Schmerz- und Beruhigungsmittel. Seine einzigen \u201eBezugspersonen\u201c im Krankenhaus und einer Polizeikaserne sind LKA\u2019ler, Staatsanw\u00e4lte und Richter \u2013 Hermann bleibt viereinhalb Monate in dieser Lage absoluter Hilflosigkeit, der Schmerzen und eingeschr\u00e4nkter Wahrnehmungsf\u00e4higkeit. Kontakte zu FreundInnen und einem Anwalt seiner Wahl werden verhindert.<\/p>\n<p>Im August 1978, also kurz nach dem \u201eDeutschen Herbst\u201c und inmitten der staatlichen Jagd auf Linksradikale, bemerken Sonja und Christian, dass sie observiert werden, und verreisen erst einmal mit unbekanntem Ziel. Erst sp\u00e4ter erfahren sie von den Tatvorw\u00fcrfen gegen sie.<\/p>\n<p>22 Jahre nach ihrem Verschwinden, im Jahr 2000, werden Sonja und Christian in Paris festgenommen. Inzwischen ist eine weitere Beschuldigung hinzugekommen: Sonja wird nach fast 25 Jahren auf einmal von einem ehemaligen Mitglied der Carlos-Gruppe, dem Kronzeugen Hans Joachim Klein, beschuldigt, 1975 Waffen f\u00fcr die Aktion gegen die Opec-Konferenz nach Wien gebracht zu haben. Sogar das Landgericht Frankfurt hat diese Beschuldigung in einem anderen Verfahren als unglaubw\u00fcrdig abgewiesen, aber im Haftbefehl gegen Sonja wurde und wird sie nach wie vor aufgef\u00fchrt. Dennoch lehnt ein franz\u00f6sisches Gericht im Jahr 2000 den deutschen Auslieferungsantrag ab und entscheidet, dass die beiden gegen eine Kaution von 300 (!) Euro in Frankreich bleiben k\u00f6nnen. 2007 beantragt\u00a0 die deutsche Justiz allerdings einen formal neuen, \u201eeurop\u00e4ischen\u201c, Haftbefehl. Nun stimmt die franz\u00f6sische Justiz zu, obwohl der Haftbefehl inhaltlich \u00fcberhaupt nichts Neues enth\u00e4lt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der deutsche Staat Atomgesch\u00e4fte bis heute durch Hermesb\u00fcrgschaften absichert wie im Fall des brasilianischen Atomkraftwerks \u201eAngra 3\u201c und Konzerne weiter Atomtechnologie exportieren und nie ein Konzern f\u00fcr die Unterst\u00fctzung der Apartheid in S\u00fcdafrika zur Verantwortung gezogen wurde, soll Sonja und Christian auf Grundlage von skandal\u00f6sen, erfolterten \u201eAussagen\u201c und Kronzeugenangaben nach drei Jahrzehnten der Prozess gemacht werden. Die Anklageschrift kam Anfang November, weshalb f\u00fcr Februar oder M\u00e4rz 2012 mit Prozessbeginn gerechnet werden muss.<br \/>\nBeide haben sich geweigert, einen Deal mit der Staatsanwaltschaft zu machen, beide wollen jede Aussage verweigern. Mit dieser Haltung sollten sie beim kommenden Prozess internationale Unterst\u00fctzung erfahren \u2013 sorgen wir daf\u00fcr, dass sie sich nicht ausgeliefert f\u00fchlen!<\/p>\n<p>Kein Prozess gegen Sonja und Christian! Sonja muss sofort raus!<\/p>\n<p>Weitere und aktualisierte Infos: <a href=\"http:\/\/www.verdammtlangquer.org\" target=\"_blank\">www.verdammtlangquer.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>gefunden auf www.verdammtlangquer.org, ein Flugblatt mit diesem Text wurde zum Castor-2011-Transport verteilt. Die lange Tradition des Anti-AKW-Widerstands Ausgeliefert werden hei\u00dft nicht ausgeliefert sein! Solidarit\u00e4t mit Sonja und Christian! Am 14. 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