{"id":598,"date":"2009-06-20T18:10:50","date_gmt":"2009-06-20T16:10:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=598"},"modified":"2011-05-28T10:31:52","modified_gmt":"2011-05-28T08:31:52","slug":"aufruf-zur-unterstuetzung-der-inhaftierten-des-aufstandes-im-dezember-in-griechenland-und-brief-eines-der-inhaftierten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/aufruf-zur-unterstuetzung-der-inhaftierten-des-aufstandes-im-dezember-in-griechenland-und-brief-eines-der-inhaftierten","title":{"rendered":"Aufruf zur Unterst\u00fctzung der Inhaftierten des Aufstandes im Dezember in Griechenland und Brief eines der Inhaftierten"},"content":{"rendered":"<p><em>Der Aufstand in Griechenland hat einige GenossInnen und RebellInnen hinter Gittern gebracht. Die RichterInnen und der Staat m\u00f6chten sie nun als S\u00fcndenb\u00f6cke nutzen, denn jemand muss bezahlen. Sie sind aber keine S\u00fcndenb\u00f6cke, sondern K\u00e4mpferInnen, die unsere aktive Solidarit\u00e4t ben\u00f6tigen. Hier ein Aufruf zu Unterst\u00fctzung der Inhaftierten und ein Brief von Apostolis, einer derjenigen anarchistischen Genossen, die bis Ende Juni im Knast Korydallos in Athen \u00fcber sechs Monate in Untersuchungshaft sa\u00dfen.<br \/>\nAuf der anderen Seite der Mauern gab es eine Vielzahl von Angriffen auf staatliche und repressive Einrichtungen und Solidarit\u00e4tsaktionen zur Unterst\u00fctzung aller Inhaftierten und im speziellen f\u00fcr diejenigen des Dezemberaufstands.<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>Feuer, um die Erde zu reinigen<\/strong><\/p>\n<p>\u201cEine Bewegung, die nicht f\u00e4hig ist, auf ihre eingesperrten GenossInnen aufzupassen ist zum Tod verurteilt und dies zu einem hohen Preis und grausamer Folter\u201d.<br \/>\nDaniela Carmignani, Revolution\u00e4re Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Der Dezemberaufstand war ein sichtbarer und massiver Ausdruck des sozialen Krieges, welcher andauernd w\u00fctet und solange weitergehen wird, bis zur Zerst\u00f6rung der gesamten Herrschaft.<br \/>\nTausende haben auf den wieder angeeigneten Stra\u00dfen der Necropolis gek\u00e4mpft. Hunderte wurden verhaftet und durch besonders schnelle Verfahren wurden einigen in den Knast geworfen. Sechs von ihnen befinden sich weiterhin bis zum heutigen Tag eingesperrt. Weil nach der Meinung diejenigen, die an der Macht sind, muss jemand den Preis f\u00fcr die praktische Negation, die von uns allen gegen diese zerfallende Welt gezeigt wurde, bezahlen.<br \/>\nInnerhalb die erste zwei Wochen im Juni werden die verbliebenen Gefangenen vom Dezember, unter ihnen der Anarchist A. Kiriakopoulos, vor eine Gruppe von RichterInnen kommen, welche entscheiden werden, ob ihre Einsperrung fortgesetzt werden sollte. Solidarische Aktionstage werden zwischen dem 12. und 15. Juni in Griechenland stattfinden.<br \/>\nKnast ist ein direktes und gewaltt\u00e4tiges Instrument, dass die Macht gegen diejenigen verf\u00fcgt, die nicht f\u00e4hig sind oder es nicht wollen ihren Gesetzen zu folgen. Besonders in den Momenten von intensivierten K\u00e4mpfen oder Revolten hat der Knast die Rolle die \u201cTroublemaker\u201d zu isolieren, unsere kollektiven Angriffe zu schw\u00e4chen und Angst in denjenigen zu erwecken, die sich vielleicht an den Kampf anschlie\u00dfen wollen w\u00fcrden. Auf diese Art und Weise sind der Knast und das Justizsystem Strukturen, die das Ziel haben die Generalisierung des sozialen Konflikts zu unterbinden. Deshalb ist die Solidarit\u00e4t mit allen, die aufgrund des Dezemberaufstands eingesperrt sind, f\u00fcr die Fortsetzung des revolution\u00e4ren Projektes notwendig.<br \/>\nSolidarit\u00e4t sollte weder durch die Brille der Pflicht, des Dienstes oder der Karitas gesehen werden, noch braucht es eine pers\u00f6nliche Beziehung oder absolute politische Anerkennung mit der\/dem Eingesperrten, sondern sollte als Verst\u00e4rkung unsere Verbundenheit als KollaborateurInnen gegen das Bestehende dienen. Solidarit\u00e4t ist unsere Waffe, mit welcher wir nicht nur um den Knast zu angreifen, sondern alle Strukturen der Macht, in der Fortsetzung des sozialen Kampfes. Gleichzeitig ist Solidarit\u00e4t ein Werkzeug, dass benutzt werden kann, um das sofortige, praktische Ergebnis zu erreichen &#8211; unsere eingesperrten GenossInnen aus dem Knast zu holen.<br \/>\nDas ist ein Aufruf an alle GenossInnen, wo auch immer sie sind, um eine Welle der Solidarit\u00e4t loszutreten, die Schaudern auf den R\u00fccken der Schweinehunde, die an der Macht sind, erzeugen wird. Lasst uns ihnen beweisen, dass das Syndrome von Athen eine ansteckbares Krankheit ist.<br \/>\nInnerhalb und au\u00dferhalb der Knastgitter ist die aufst\u00e4ndische Perspektive ein dauerhafter Zustand, der nicht auf einen speziellen Moment wartet, Karitas nicht akzeptiert sondern direkt angreift, \u00fcberall, immer.<\/p>\n<p>Bis zur Zerst\u00f6rung aller Kn\u00e4ste<\/p>\n<p>Freiheit f\u00fcr den Genossen A. Kiriakopoulos und alle Gefangenen des Dezembers<br \/>\nSolidarit\u00e4t mit den Verfolgten<\/p>\n<p>F\u00fcr die Generalisierung des aufst\u00e4ndisches Zusammenpralls <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/fliegender-molli_1.jpg\" rel=\"lightbox[598]\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/fliegender-molli_1-300x239.jpg\" alt=\"fliegender-molli_1\" title=\"fliegender-molli_1\" width=\"300\" height=\"239\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-653\" \/><\/a><\/p>\n<hr SIZE=2>\n<p><strong>Brief des anarchistischen Genossen A. Kiriakopoulos aus dem Knast Korydallos<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcnf Monate nach den explosiven Ereignissen im Dezember, den Massenverhaftungen und den Verfolgungen, die stattgefunden haben, bleiben sechs von uns gefangenen innerhalb der Krallen des Staates. <\/p>\n<p>Neulich haben der sogenannte \u201cJustizstaat\u201d und seine Knechte entschieden meine Untersuchungshaft zu verl\u00e4ngern, dabei haben sie deutlich gemacht, dass die Priorit\u00e4t die Vernichtung meiner Person und meiner \u201ckrimineller\u201d Aktivit\u00e4ten, sowie der Schutz der Gesellschaft, w\u00e4re. Gemessen an ihrer Charakterisierung bin ich eine sorglose und fanatische Person. Um die Schl\u00fcsse daraus zu ziehen: sie haben mich als Feind der Gesellschaft beschrieben. Aber die Feinde der Gesellschaft sind all diejenigen, die nach dem kaltbl\u00fctigen Mord an dem Genossen Alexis Grigoropoulos versucht haben, das soziale Ph\u00e4nomen des gewaltt\u00e4tigen Aufstands im Dezember zu unterdr\u00fccken durch den r\u00fccksichtslosen und massiven Einsatz von Tr\u00e4nengas bis zum Ausma\u00df von Folter, das Verpr\u00fcgeln von Protestierenden und ihre rasche Einsperrung.<br \/>\nJedenfalls ist seit Jahren bekannt, dass wenn um es anarchistische Demonstrationen geht, die Polizei chemische Kampfstoffe beim geringsten Vorwand freisetzt, um damit die Leute foltern zu k\u00f6nnen. Trotz der boshaftes Repression gegen\u00fcber den Gewaltt\u00e4tigkeiten des aufst\u00e4ndischen Dezembers geht es weiter und es zeigt sich, dass das Feuer, welches entfacht wurde, nicht gel\u00f6scht werden kann. Schlie\u00dflich war der Tod von Alexis der Grund und gleichzeitig der Vorwand f\u00fcr den Ausbruch des sozialen Zorns. <\/p>\n<p>Wie immer wurde eine spezielle Rolle von den Massenmedien \u00fcbernommen und die abscheulichen JournalistInnen haben ihre Propaganda bis zur \u00e4u\u00dfersten Widerw\u00e4rtigkeit ausgereizt. Nach dem staatlichen Mord an Alexis haben sie blo\u00df \u00fcber die weit verbreiteten Zerst\u00f6rungen in allen Teilen von Griechenlands geschrieben und dass die Polizei niemanden verhaftet h\u00e4tte. Dennoch glaube ich, dass die Tatsache, dass alle von uns Eingesperrten aufgrund des Aufstands die gleiche Anklage haben, kein Zufall ist. Die Linie des Staates war genau die gleiche f\u00fcr fast alle von uns. <\/p>\n<p>Im Knast ist Zeit ist der schlimmste Feind. Vor allem, wenn du in Untersuchungshaft sitzt gibt es eine dauerhafte Unsicherheit, da du nie wirklich Bescheid dar\u00fcber wei\u00dft, wann du genau entlassen wirst. Dieses stellt eine Situation dar, die dich definitiv psychologisch fertig macht. Das ist auch ein Effekt, der aus der Tatsache verursacht wird, dass du gegen deinen Willen f\u00fcr 14 Stunden am Tag innerhalb einer 9m\u00b2 Zelle mit vier anderen eingesperrt bist. Eine Zelle, die blo\u00df f\u00fcr eine Person gedacht w\u00e4re. Es f\u00fchlt sich besonders an, wenn Beziehungen vom Genossenschaft oder sogar von Verst\u00e4ndnis rar sind, genauso wie au\u00dferhalb der Knastgitter. Sicherlich gibt es immer diejenigen, die sich entscheiden in W\u00fcrde und Kampf zu bleiben. <\/p>\n<p>Das Einsperren ist ein allt\u00e4glicher, psychologischer Krieg, der dir seitens des Systems aufgezwungen wird, wenn du im Knast bist. An der Spitze dessen sind auch die Schlie\u00dfer, die normalerweise die Gefangenen, die sich an K\u00e4mpfe beteiligen (Hungerstreiks, Ablehnung des Knastessens, Fordern der von der Zensur abgelehnten Drucksachen) auf eine erniedrigende und listiges Art und Weise behandeln. Ein typisches Beispiel davon ist z.B., dass beim letzten Mal als die Gefangenen das Knastessen als Protest gegen den Mord an Alexis abgelehnt haben, die Schlie\u00dfer der Abteilung zusammen mit anderen Schlie\u00dfern gekommen sind und die Gefangenen, die sich an den Proteste beteiligt haben, mit den Verlegung in andere Kn\u00e4sten gedroht haben. <\/p>\n<p>Im Allgemeinen, wenn du dich nicht ihrem Strafsystem unterwirfst, versuchen sie ein Klima der Angst zu schaffen. Sowieso ist Knast ein gro\u00dfes Sammelbecken von Gem\u00fctern. Falls du feige bist wird der Knast dich zerhacken und dich noch feiger machen, aber falls du hartn\u00e4ckig bist, wird er dich zu einer noch hartn\u00e4ckigeren und k\u00e4lteren Person machen. Die Zelle bringt den Gefangenen zum ersticken. Drau\u00dfen, auf dem Gef\u00e4ngnishof ist die Illusion der Freiheit&#8230; <\/p>\n<p>Trotzdem ist dadurch nichts beendet, der Kampf geht weiter. <\/p>\n<p><em>Diejenigen, die Recht haben, sind die Rebellen<br \/>\nnicht die Spitzel und diejenigen, die sich verbiegen <\/em><br \/>\n(ein bekanntes griechisches anarchistisches Lied)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/fliegender-molli_2.jpg\" rel=\"lightbox[598]\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/fliegender-molli_2-300x214.jpg\" alt=\"fliegender-molli_2\" title=\"fliegender-molli_2\" width=\"300\" height=\"214\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-654\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aufstand in Griechenland hat einige GenossInnen und RebellInnen hinter Gittern gebracht. Die RichterInnen und der Staat m\u00f6chten sie nun als S\u00fcndenb\u00f6cke nutzen, denn jemand muss bezahlen. 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