{"id":6016,"date":"2012-01-26T12:12:39","date_gmt":"2012-01-26T11:12:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=6016"},"modified":"2012-01-26T12:12:39","modified_gmt":"2012-01-26T11:12:39","slug":"thomas-meyer-falk-das-ende-der-sicherungsverwahrung-eine-rezension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/thomas-meyer-falk-das-ende-der-sicherungsverwahrung-eine-rezension","title":{"rendered":"Thomas Meyer-Falk: Das Ende der Sicherungsverwahrung \u2013 eine Rezension"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" rel=\"lightbox[6016]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-662\" title=\"faust-durchs-gitter\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" alt=\"faust-durchs-gitter\" width=\"115\" height=\"120\" \/><\/a>Druckfrisch liegt nun seit Anfang Januar das Buch des seit Jahrzehnten im Umgang mit Gefangenen erfahrenen Sozialarbeiters und Bew\u00e4hrungshelfers Peter Asprion (Freiburg) vor. Auf knapp 200 Seiten, erschienen im Herder-Verlag, gibt der Autor den von Sicherungsverwahrung betroffenen Menschen ein Gesicht.<\/p>\n<p>Jedoch hat Asprion dabei insbesondere die aus der SV frei gelassenen \u201eAltf\u00e4lle\u201c im Blick und stellt exemplarisch zwei zur Zeit in Freiburg lebende Ex-Verwahrte vor, welche nach wie vor, also nach \u00fcber einem Jahr in Freiheit, von der Polizei Tag und Nacht bewacht werden. Er entd\u00e4monisiert sie nachdr\u00fccklich.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nFast ist man ein wenig verwundert, dass ein Sozialarbeiter mit der Vita Asprions, der ganz offen mit den Ideen abolitionistischer Denker sympathisiert, es zwei Jahrzehnte in einem Gef\u00e4ngnis ausgehalten hat, bevor er dann in die Bew\u00e4hrungshilfe wechselte.<\/p>\n<p>Wie einen roten Faden durchzieht das Buch der eindringliche Appell, die SV abzuschaffen und vor allem die Verwahrten und Ex-Verwahrten, wie \u00fcberhaupt Straft\u00e4ter nicht als D\u00e4monen anzusehen. Auf Seite 32 schreibt Asprion: \u201eLetztlich erscheint D\u00e4monisierung als ein Versuch des Menschen, f\u00fcr das \u00dcbel, das Schlechte, das B\u00f6se einen urs\u00e4chlichen Grund zu finden, den man ausmerzen kann\u201c.<\/p>\n<p>Dieser Satz beschreibt deutlich ein wesentliches Moment (nicht nur, aber auch) bundesdeutscher Kriminalpolitik, wie auch Presseberichterstattung.<\/p>\n<p>Sich in die Niederungen der Akten begebend, weist der Autor nach, wie selbst Gutachter, die eine Erprobung der Betroffenen im Rahmen von Vollzugslockerungen einfordern, letztlich bei Vollzugsanstalten wie gegen eine Wand laufen, die n\u00e4mlich nicht das geringste Risiko einzugehen gewillt sind.<\/p>\n<p>Neben den zwei ausf\u00fchrlichen Portraits aus der SV Entlassener, finden sich in dem Buch alle relevanten Informationen \u00fcber Historie und auch statistische Entwicklung im Bereich SV kurz und pr\u00e4gnant auf den Punkt gebracht. Peter Asprion nimmt sich jedoch auch des f\u00fcr die Diskussion so wichtigen Themas der Angst an; wie gehen \u201ewir mit unserer Angst um?\u201c, fragt er und gibt Antworten.<\/p>\n<p>Interessant sind sicherlich gleichfalls die kurzen Einblicke in die Einstellungen jener Polizeibeamter, die die beiden Ex-Verwahrten bewachen. Und gegen Ende des Buches stellt Asprion ganz eindringlich die Rationalit\u00e4t der Behauptung, in der Sicherungsverwahrung s\u00e4\u00dfe angeblich der \u201eharte Kern der gef\u00e4hrlichen T\u00e4ter\u201c, in Frage.<\/p>\n<p>Abgerundet wird das Buch durch einen sehr lesenswerten und analysierenden Einblick in den Verlauf von Begegnungen einer ehrenamtlichen Betreuerin, mit einem der beiden portr\u00e4tierten ehemaligen Sicherungsverwahrten.<\/p>\n<p>Auch wenn die Abschaffung der SV nicht zu erwarten ist, so kann Asprions Buch doch wichtige Impulse, ob zur Versachlichung, wie auch zur Vermenschlichung der Diskussion geben. F\u00fcr die Anti-Knast-Arbeit ist dieser Blick eines Insiders hinter die Kulissen gewiss auch nicht zu untersch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Andererseits darf man sicherlich die Wirkung des Buches nicht \u00fcbersch\u00e4tzen, denn es gibt mittlerweile den sogenannten \u201e\u00fcblichen Kreis der Verd\u00e4chtigen\u201c von Juristen und Psychiatern, die gerne auch zu \u00f6ffentlichen Anh\u00f6rungen im Bundestag, dort im Rechtsausschuss, geladen werden, um sich sachverst\u00e4ndig zu geplanten Gesetzes\u00e4nderungen im Strafrecht zu \u00e4u\u00dfern, jedoch letztlich nur noch die Rolle eines Feigenblattes inne haben. Denn ihre Rufe nach mehr Sachlichkeit, mehr Rationalit\u00e4t verhallen in Politik, Medien und weiten Teilen der Justiz ungeh\u00f6rt und unbeachtet.<\/p>\n<p>Nichtsdestotrotz ist Kritik und Widerstand unerl\u00e4sslich. Hierzu kann das<br \/>\nBuch seinen Beitrag unzweifelhaft leisten.<\/p>\n<p><em>Biografische Angaben<\/em><\/p>\n<p>Peter Asprion \u201eGef\u00e4hrliche Freiheit? Das Ende der Sicherungsverwahrung\u201c<br \/>\nHerder Verlag (2012), ISBN 978-3-451-30533-7, Preis: 16,99 Euro<br \/>\n200 Seiten<\/p>\n<p>Thomas Meyer-Falk<br \/>\nc\/o JVA \u2013 Z. 3113<br \/>\nSch\u00f6nbornstr. 32<br \/>\nD-76646 Bruchsal<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.freedom-for-thomas.de\" target=\"blank\">www.freedom-for-thomas.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.freedomforthomas.wordpress.com\" target=\"blank\">www.freedomforthomas.wordpress.com <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Druckfrisch liegt nun seit Anfang Januar das Buch des seit Jahrzehnten im Umgang mit Gefangenen erfahrenen Sozialarbeiters und Bew\u00e4hrungshelfers Peter Asprion (Freiburg) vor. 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