{"id":611,"date":"2009-06-30T18:40:30","date_gmt":"2009-06-30T16:40:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=611"},"modified":"2013-10-21T23:15:13","modified_gmt":"2013-10-21T22:15:13","slug":"tod-eines-anarchistischen-genossen-in-chile","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/tod-eines-anarchistischen-genossen-in-chile","title":{"rendered":"Tod eines anarchistischen Genossen in Chile"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/mauricio_morales.jpg\" rel=\"lightbox[611]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-full wp-image-633\" title=\"mauricio_morales\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/mauricio_morales.jpg\" alt=\"mauricio_morales\" width=\"140\" height=\"140\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/mauricio_morales.jpg 140w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/mauricio_morales-160x160.jpg 160w\" sizes=\"(max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/><\/a>Am 22. Mai war eine starke Explosion in der N\u00e4he der Schule der Gendarmerie in Santiago de Chile zuh\u00f6ren. Verursacht wurde diese durch einen Sprengk\u00f6rper, welchen Mauricio Morales, 27 Jahre alt, in seinem Rucksack dabei hatte.<br \/>\nMauricio, ein aktiver anarchistischer Genosse in den dortigen K\u00e4mpfen, kommt sofort ums Leben. Die chilenischen GenossInnen vermuten, dass die Bombe f\u00fcr die Schule der Gendarmerie (eine Bullenkaserne) bestimmt gewesen war. In den darauffolgenden Stunden wurde das besetzte Haus \u201cLa Idea\u201d mit Hubschraubern und von bewaffneten Spezialeinheiten umstellt und durchgesucht, um Sprengstoff zu finden. Au\u00dferdem sprachen die Beh\u00f6rde davon nach einem zweiten Genossen zu suchen, welcher angeblich bei der Explosion mit Mauricio zusammen gewesen sein solle. Es fanden massive Zerst\u00f6rungen in den R\u00e4umlichkeiten von Seiten der Bullen statt und die GenossInnen wurden erst einmal brutal festgenommen und unter Druck gesetzt, um Aussagen zu machen, was diese aber nicht taten. Nach Stunden auf dem Bullenrevier wurden alle wieder entlassen. Aber drei GenossInnen aus Argentinien m\u00fcssen sich nun t\u00e4glich bei den Bullen melden. Die Zeitungen sprechen gerade von vier Haftbefehlen und von \u00fcber 20 Personen, die als verd\u00e4chtig gelten sollen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nWeitere Durchsuchungen fanden statt, eine im besetzten sozialen Zentrum \u201cSacco y Vanzetti\u201d konnte von den Bullen nicht durchgesetzt werden, aufgrund der vielen solidarischen Menschen, die ihre Unterst\u00fctzung zeigten und das Zentrum verteidigten.<br \/>\nAm 24. Mai fand die Beerdigung von Mauricio statt, wo viele GenossInnen anwesend waren, um dem Genossen einen letzten Gru\u00df zu geben.<br \/>\nMomentan ist die Situation extrem chaotisch. Medien, Politik und Polizei sind auf der wilden Suche nach den anarchistischen BombenlegerInnen, die Luft ist sehr dick.<br \/>\nSprengstoffanschl\u00e4ge seitens anarchistischer Gruppen oder Individuen sind keine Seltenheit in Chile und nehmen seit einigen Jahren st\u00e4ndig zu, oft sind sie gegen die repressiven Beh\u00f6rden gerichtet. Es gibt au\u00dferdem eine informelle Koordinierung anarchistischer, aufst\u00e4ndischer, klandestiner Gruppen, die Aktionen unternehmen. Sie haben auch eine Erkl\u00e4rung zum Tod vom Mauricio ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nEs gab auch schon ein paar Antworten, um den Tod nicht unbemerkt zu lassen und zu zeigen, dass der Kampf fortgesetzt wird. Am 25.5. wurde Barrikaden in verschiedenen Stra\u00dfen des Bezirks Villa Francia in Santiago de Chile angez\u00fcndet. In Mexiko wurde ein Sprengk\u00f6rper von einer Zelle des FLA \u2013 CPV (Animal Liberation Front \u2013 Verschw\u00f6rung f\u00fcr die Rache) in einer Pelzmesse hinterlassen, da Mauricio Veganer war. Au\u00dferdem sind einige Leute in eine Polizeistation der Stadt Coacalco eingedrungen und haben Gegenst\u00e4nde sowie Radios und Computer der Polizei angez\u00fcndet und anarchistische Parolen hinterlassen. In Barcelona wurde ein Kran, mit welchem die neue U-Bahnlinie gebaut wird, im Gedanken an Mauricio angez\u00fcndet.<\/p>\n<p>Wir ver\u00f6ffentlichen hier eine Erkl\u00e4rung des besetzen anarchistischen sozialen Zentrums \u201cSacco y Vanzetti\u201d \u00fcber den Tod des Genossen. Geschrieben als das Haus gegen die Durchsuchung verteidigt wurde.<br \/>\nWir erkennen uns sehr stark im Geist dieser Erkl\u00e4rung wieder, in den Anstrebungen keinen M\u00e4rtyrer schaffen zu wollen und die Trauer nach dem Tod eines Genossen in die fortgef\u00fchrten Angriffe gegen das Bestehende umzuwandeln, als besten Weg einen solchen Verlust beantworten zu k\u00f6nnen. Wir denken, dass dies auch sein Wunsch gewesen w\u00e4re. Die Worte dieser Erkl\u00e4rung sind Worte, die unsere Herzen bewegen, genauso wie ein weiterer Verlust eines Genossen innerhalb eines Kampfes, der jeden Tag von beiden Seiten h\u00e4rter wird.<br \/>\nIm Gedanken am Mauricio, unsere Gef\u00fchle gehen an seine Verwarnten und all die GenossInnen, die gerade dem Angriff des chilenischen Staates unterworfen sind.<\/p>\n<p>Weitere Infos findet ihr auf spanisch unter: www.hommodolars.org<\/p>\n<hr size=\"2\" \/>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Es ist ein K\u00e4mpfer gestorben, aber unsere Feuer geht nicht aus&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Mauricio Morales, ein Bruder f\u00fcr uns, ist heute morgen gestorben. Er war dabei einen Sprengk\u00f6rper zu transportieren, dieser ist auf seinem R\u00fccken hochgegangen, er hat ihn sofort get\u00f6tet. Es wird angenommen, dass die unheilvolle Institution der Gendarmeriekaserne das Ziel seines Angriff sein sollte.<br \/>\nEr ist als K\u00e4mpfer gestorben, indem er ohne \u00c4ngste und Abstufungen jegliche Art von Macht in Angriff genommen hat. Er hat sich entschieden seinen Hass in Aktion zu verwandeln, indem er sein allt\u00e4gliches Leben in einen andauernden Kampf gegen das Bestehende verwandelt hat. Ver\u00f6ffentlichungen, direkte Unterst\u00fctzung von eingesperrten GenossInnen, Verbreitung von anarchistischer und antiautorit\u00e4rer Literatur, Versammlungen f\u00fcr die Propaganda der Ideen sind die Messer, die er w\u00e4hrend seiner Existenz gesch\u00e4rft hat. Er hat versucht seinen Beitrag zur Zerst\u00f6rung dieser Gesellschaft, die auf der Logik der Macht und Ausbeutung basiert, auf unterschiedliche Art und Weisen zu geben.<br \/>\nDie Trauer zerrei\u00dft gerade unsere Herzen, allerdings bleibt es wichtig, sich nicht herunterziehen zu lassen, nicht in Lethargie zu fallen, die aus dem Verlust eines Genossen entsteht. Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass er mit dem Blick an seinem Ziel gestorben ist. Und diese Sache muss uns bewegen, muss uns helfen unsere Augen zu \u00f6ffnen.<br \/>\nWir sind im Krieg, die Schl\u00e4ge werden mehr und von unterschiedlicher Art und Weise sein, aber ein\/e K\u00e4mpferIn ist jemand, der\/die nicht aufh\u00f6rt, der\/die nicht hinkt, der\/die aus seinem\/ihrem Leben eine st\u00e4ndige Bew\u00e4ltigung von Hindernissen \u2013 neben vielem weiteren &#8211; macht.<br \/>\nDie Rohheit des Todes schl\u00e4gt uns und das Erdloch ist so gro\u00df, dass es uns viel abverlangt zu glauben, was gerade abgeht.<br \/>\nDer Tod oder der Knast sind nicht blo\u00df Parolen, heute sind f\u00fcr uns ein Satz, der mit Blut und Feuer t\u00e4towiert ist. Aufgrund des traurigen Verlustes von Mauri reiben sich die Polizei, die Magistraten und die Presse die H\u00e4nde und gehen zum Gegenangriff \u00fcber, indem sie die zwei sozialen Zentren \u201cCueto con Andes\u201d und \u201cLa Idea\u201d durchsuchten. Die Gewalt der beiden Operationen \u00fcberrascht uns \u00fcberhaupt nicht, der Krieg wurde unternommen, ohne Beschaulichkeiten und wir nehmen das zur Kenntnis.<br \/>\nDie durchgesuchten besetzen H\u00e4user befinden sich in unserem Bezirk, das Get\u00fcmmel, welches von den Repressionsgruppen verursacht wurde hat uns verstehen lassen, dass ihr Ankommen bei uns auch ansteht. Trotzdessen sind solidarische GenossInnen hierher gekommen, um ihre Solidarit\u00e4t zu zeigen, w\u00e4hrend der gesamte Bezirk militarisiert wurde. Wir haben Widerstand geleistet und die repressiven Kr\u00e4fte haben es bis jetzt noch nicht geschafft in unser Haus einzudringen, trotz der Voraussagen.<br \/>\nGenossInnen, wir sind uns bewusst, was demn\u00e4chst passieren wird, wir wissen, dass wir sehr schwierige Tage und Monate vor uns haben. Aber wir wissen auch, dass die Trauer und der Schmerz wegen dem Verlust unseres Bruders uns nicht paralysieren wird.<br \/>\nWir betonen nochmal, dass er im Kampf gestorben ist, dass die Offensive unterschiedliche Formen hat.<br \/>\nWir appellieren an die Tatsache, dass die sch\u00f6ne Flamme seines anarchistischen Herzens sein unwiederbringlicher Wunsch nach die Vernichtung dieser Realit\u00e4t verbreiten wird.<br \/>\nSein K\u00f6rper liegt nun gefangen in den H\u00e4nden der Polizei und seiner S\u00f6ldnerInnen, aber die Energie seines Lebens bleibt unter uns, bei den GenossInnen, die mit ihm und auf unterschiedliche Art und Weise sich gegen alles, was uns in Sklaven verwandeln will, auseinandergesetzt haben bzw. auseinandersetzen.<br \/>\nAngeregt bedanken wir uns wegen der ehrlichen Unterst\u00fctzung der solidarischen GenossInnen, genauso wie wir ins Gesicht derjenigen spucken, die aus ihren Leben blo\u00df eine statische Kritik machen, besch\u00fctzt von Bequemlichkeiten und Ehrfurcht.<br \/>\nMut, GenossInnen, und auf der Hut sein!<br \/>\nSie werden auch hierher kommen, fr\u00fcher oder sp\u00e4ter, da haben wir keine Zweifel daran. Was aber wichtig ist, ist dass sich die gnadenlose Kritik an der gegebenen Ordnung verst\u00e4rken wird und sich wie die schwarze Pest (schwarze Pest: das w\u00e4re der Name des als n\u00e4chstes anstehenden Verlagsprojekt unseres Bruders Mauri gewesen) verbreiten wird. Das r\u00e4chende Feuer unserer Genossen gibt uns die Kraft, um die Existenz in einer dauerhaften Auseinandersetzung halten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nF\u00fcr dich Mauri, eine kr\u00e4ftige Umarmung und hab keine Zweifel: wir werden weiter f\u00fcr die Zerst\u00f6rung der Macht k\u00e4mpfen. Du bist mit uns, wir f\u00fchlen hier dein L\u00e4cheln und deine Kraft. Auf dem Dach unseres Hauses posierend, an die Horizont schielend&#8230;.niemals besiegt, noch bereuend.<\/p>\n<p>Besetztes soziales Zentrum und Bibliothek Sacco y Vanzetti,<br \/>\n22. Mai 2009, Santiago de Chile.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em><strong>\u201cLasst uns unsere Trauer in Zorn<br \/>\nund unseren Zorn in schwarzes Pulver verwandeln\u201d<\/strong><\/em>*<\/p>\n<p>*das Motto eines Transparentes, das von solidarischen GenossInnen erstellt wurde.<\/p>\n<hr size=\"2\" \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span class=\"youtube\"><iframe title=\"YouTube video player\" class=\"youtube-player\" type=\"text\/html\" width=\"480\" height=\"385\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/IT1_NFSmzt4?wmode=transparent&amp;fs=1&amp;hl=en&amp;showsearch=0&amp;rel=1&amp;theme=dark&nbsp;\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 22. Mai war eine starke Explosion in der N\u00e4he der Schule der Gendarmerie in Santiago de Chile zuh\u00f6ren. Verursacht wurde diese durch einen Sprengk\u00f6rper, welchen Mauricio Morales, 27 Jahre alt, in seinem Rucksack dabei hatte. 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