{"id":6144,"date":"2012-02-19T11:16:41","date_gmt":"2012-02-19T10:16:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=6144"},"modified":"2015-01-11T21:14:41","modified_gmt":"2015-01-11T20:14:41","slug":"solidaritaet-mit-dem-sozialen-aufstand-in-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/solidaritaet-mit-dem-sozialen-aufstand-in-griechenland","title":{"rendered":"Solidarit\u00e4t mit dem sozialen Aufstand in Griechenland!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/athen-12.2.12.jpg\" rel=\"lightbox[6144]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-6145\" title=\"Solidarit\u00e4t mit dem sozialen Aufstand in Griechenland! - In Athen am 12. Februar 2012\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/athen-12.2.12-250x165.jpg\" alt=\"Solidarit\u00e4t mit dem sozialen Aufstand in Griechenland! - In Athen am 12. Februar 2012\" width=\"175\" height=\"115\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/athen-12.2.12-250x165.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/athen-12.2.12.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 175px) 100vw, 175px\" \/><\/a><em>Dieser Text wurde am 18. Februar als Flugblatt auf den Strassen von Z\u00fcrich verteilt. Gefunden auf <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/55047\" target=\"_blank\">linksunten.indymedia.org<\/a><\/em><\/p>\n<h5 style=\"text-align: center;\">Solidarit\u00e4t mit dem\u00a0sozialen Aufstand in Griechenland!<\/h5>\n<p><span class=\"dropcap\">G<\/span>riechenland kennt schon seit Jahren keine Ruhe mehr. Sp\u00e4testens seit den wochenlangen Unruhen im Dezember 2008, deren Ausl\u00f6ser die polizeiliche Ermordung eines Jugendlichen war, hat sich das Pulverfass endg\u00fcltig entz\u00fcndet. Seither folgen alle paar Monate massive Strassenk\u00e4mpfe und landesweite Generalstreiks aufeinander. Die Konfliktbereitschaft gegen\u00fcber der Polizei und die zerst\u00f6rerischen Angriffe auf Institutionen machen deutlich, wie zahlreich, aber vor allem, wie sehr es die Leute satt haben, sich f\u00fcr das Wohl der Reichen und Regierenden durch das Elend schleifen zu lassen.<\/p>\n<p>Vergangenes Wochenende, w\u00e4hrend das Parlament \u00fcber eine neue Sparmassnahme entschied, kam es im ganzen Land erneut zu heftigen Unruhen. 48 Geb\u00e4ude (Banken, Steuer\u00e4mter, Kommissariate, Einkaufszentren, etc.) wurden dabei niedergebrannt. Dies nur, um einen Eindruck vom Ausmass zu geben. Aber worum es uns hier geht, sind nicht die Fakten, die mehr oder weniger verzerrt auch den Medien zu entnehmen sind. Worum es in diesem Flugblatt gehen soll, ist, wieso wir mit diesem Aufstand Solidarit\u00e4t empfinden, wieso wir ihn, dort wie \u00fcberall, als Grundbedingung f\u00fcr die Erk\u00e4mpfung der Freiheit betrachten, und wieso wir, ebenso wie viele Aufst\u00e4ndische in Griechenland, Anarchisten sind.<\/p>\n<p><strong>Wieso unsere Solidarit\u00e4t mit diesem Aufstand?<\/strong><\/p>\n<p>Einmal abgesehen davon, dass es schon eine Anmassung ist, zu erwarten, dass wir unsere Leben von ihren Gesetzen und Befehlen bestimmen lassen, erwarten die Regierenden heute in Griechenland und \u00fcberall, dass die bereits armen Schichten der Bev\u00f6lkerung zus\u00e4tzliche \u201eOpfer\u201c erbringen und den G\u00fcrtel noch enger schnallen, um einem Gesellschaftssystem aus der Krise zu helfen, von dem sie sowieso noch nie viel hatten. Ein grosser Teil der griechischen Bev\u00f6lkerung hat vergangenes Wochenende entschieden, diese Anmassung nicht l\u00e4nger hinzunehmen. Sie haben sich entschieden, die Regierung und Ausbeutung ihres Lebens nicht l\u00e4nger zu akzeptieren \u2013 mit all den Konsequenzen, all den Konfrontationen und Ungewissheiten, die diese Entscheidung bedeutet. Wir empfinden Respekt f\u00fcr den Mut und die Entschlossenheit dieser Leute, die, mit ihren Worten und Taten, auch uns Mut und Entschlossenheit geben. Wir empfinden Solidarit\u00e4t mit ihrem Aufstand, weil wir ihre Wut und Unzufriedenheit gegen\u00fcber den bestehenden Zust\u00e4nden teilen; weil wir in diesem Aufstand auch unser Verlangen nach Selbstbestimmung und Freiheit wiedererkennen. Denn, auch wenn die Gesellschaft hier in der Schweiz vielleicht noch stabiler und reibungsloser wirkt, so beruht sie hier, wie dort, wie praktisch \u00fcberall, auf genau denselben Prinzipien. Auf dem Befehlen und Gehorchen, dem Ausnutzen und ausgenutzt Werden, der Pflicht und der Aufopferung. Prinzipien, von denen einige wenige auf Kosten der meisten anderen profitieren. Und wir beklagen uns hier nicht, das wir, wie die meisten anderen, nicht unter jenen sind, die profitieren. Andere zu unterwerfen und auszunutzen, widert uns genauso an, wie uns zu unterwerfen und uns ausnutzen zu lassen. Uns geht es darum, dass wir keinen Bock auf diese Prinzipien haben. Wir wollen ein v\u00f6llig anderes Leben, als das, in das man uns zw\u00e4ngen will. Und die M\u00f6glichkeit eines solchen Lebens, eines Lebens ohne Unterwerfung, sp\u00fcren wir, wenn wir revoltieren. Die Hartn\u00e4ckigkeit der sozialen K\u00e4mpfe in Griechenland hat, unserer Meinung nach, weniger damit zu tun, dass die Regierenden dort besonders korrupt oder ungeschickt herrschen, sondern vielmehr damit, dass immer mehr Menschen, durch ihre Erfahrungen in der Revolte, eben diese Prinzipien, also die Herrschaft <em>an sich<\/em> in Frage stellen. Es ist vor allem darum, dass wir Solidarit\u00e4t mit diesem Aufstand empfinden.<\/p>\n<p><strong>Wieso den Aufstand als Grundbedingung f\u00fcr die Erk\u00e4mpfung der Freiheit?<\/strong><\/p>\n<p>Diese Gesellschaft basiert schon seit Urzeiten auf der Herrschaft, der Autorit\u00e4t. Seit fast ebenso langer Zeit basiert sie auf dem Privateigentum, das heisst, der Unterteilung in Besitzende und Besitzlose, Reiche und Arme. Und die M\u00e4chtigen, die Besitzenden, die Reichen, oder wie auch immer man jene nennen m\u00f6chte, die sich in dieser Gesellschaft Privilegien auf Kosten der anderen herausschlagen, haben immer schon darauf geachtet, diese Privilegien auch zu verteidigen \u2013 und zwar mit aller n\u00f6tigen Gewalt. Sie haben das Milit\u00e4r, die Polizei, die Gef\u00e4ngnisse eingerichtet&#8230; Und gerade bei Aufst\u00e4nden haben wir schon immer am deutlichsten gesehen, zu welchen Zwecken diese Einrichtungen dienen. Nicht nur heute, selbstverst\u00e4ndlich, und nicht nur in Griechenland oder in Nordafrika und Syrien, fragen sich massenhaft Leute, wieso sie sich ihre Unterdr\u00fcckung durch eine Minderheit an Privilegierten einfach gefallen lassen sollten. Diese Frage wurde schon zahlreiche Male in der Geschichte der Menschheit gestellt, und ebenso zahlreich waren die blutigen Niederschlagungen der Aufst\u00e4nde dieser allzu neugierigen Menschen, die es immer wieder wagten, das zu hinterfragen, was seit jeher als unantastbar hingestellt wird: das Prinzip der Autorit\u00e4t.<\/p>\n<p>Jene, die in dieser Gesellschaft \u00fcber die materielle Gewalt verf\u00fcgen, haben sie schon immer eingesetzt und werden es auch immer tun, um ihre Privilegien zu sch\u00fctzen. Wir glauben nicht, dass sie durch einen langsamen, politischen Prozess der \u201eBewusstwerdung\u201c eines Tages freiwillig, zu Gunsten aller, von ihren Privilegien absehen werden. Schliesslich geht es hier nicht um eine reine Vernunftssache. Es geht um Ideen, um eine gewisse Haltung gegen\u00fcber dem Leben, die manche teilen m\u00f6gen, andere nicht. Wir behaupten nicht, dass die Freiheit vern\u00fcnftiger ist als die Autorit\u00e4t, wir behaupten bloss, dass sie sch\u00f6ner, lebendiger, ergiebiger, freudiger und stolzer ist. Zwischen jenen, die die Freiheit wollen, und jenen, die die Autorit\u00e4t wollen, wird es immer einen Konflikt geben. Solange es Autorit\u00e4ten gibt, die \u00fcber unser Leben bestimmen, k\u00f6nnen wir die Freiheit nur kosten, wenn wir unser Leben ihrem Griff entreissen, wenn wir uns auflehnen. Darum betrachten wir den individuellen und kollektiven Aufstand als Grundbedingung f\u00fcr die Erk\u00e4mpfung der Freiheit.<\/p>\n<p><strong>Wieso sind wir Anarchisten?<\/strong><\/p>\n<p>Infolge der Unruhen in Griechenland konnten wir in einigen Medien lesen, wie diese etwas verdutzt feststellten, dass jene, die dort unten vermummt, mit St\u00f6cken und Molotovs bewaffnet, besonders energisch an der Seite der aufst\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerung k\u00e4mpfen, jene, die hier \u00fcblicherweise plump als \u201eschwarzer Block\u201c bezeichnet werden, dort \u201eAnarchisten\u201c genannt werden. Es scheint den dortigen Medien schwer noch m\u00f6glich, mit der Reduzierung auf eine blosse \u00c4usserlichkeit zu verh\u00fcllen, dass es sich hier um Menschen handelt, die Ideen haben. Und auf diese Ideen m\u00f6chten wir hier kurz eingehen, selbstverst\u00e4ndlich ausschliesslich von unserem eigenen Standpunkt aus.<\/p>\n<p>Wie gesagt basiert diese Gesellschaft seit jeher auf Herrschaft, auf <em>Archie<\/em>, um das griechische Wort zu benutzen. Die Anarchie w\u00e4re demnach die Abwesenheit jeglicher Herrschaft. Wir haben gesehen, wie alle autorit\u00e4ren Gesellschaftsformen, von der faschistischen Diktatur, \u00fcber die Entartungen des Sozialismus bis zur heutigen demokratischen Warengesellschaft, schon immer die alte Trennung zwischen Reichen und Armen, Befehlenden und Gehorchenden, Privilegierten und Unterdr\u00fcckten aufrechterhalten haben. Wir aber, als Anarchisten, wollen eine Welt, in der alle die gleiche Freiheit geniessen, in der wir durch Solidarit\u00e4t, gegenseitige Hilfe und Selbstorganisation die unbegrenzte Entfaltung aller Individuen erm\u00f6glichen. Jede Form von Autorit\u00e4t, von Regierung, von Einsperrung steht der M\u00f6glichkeit einer solchen Welt entgegen, mehr noch, die Tatsache, sie anzuerkennung und zu respektieren stumpft unser Denken soweit ab, dass wir uns gar nichts anderes mehr vorstellen k\u00f6nnen. Darum wollen wir sie hier und ab heute bek\u00e4mpfen. Darum lehnen wir es ab, mit dem Staat zu verhandeln oder von ihm zu fordern. Darum lehnen wir die Politik und die \u201eOrganisationen\u201c ab, die auf der Delegation von Entscheidungen beruhen, die die Entwicklung der Eigenst\u00e4ndigkeit der Individuen hemmen und somit autorit\u00e4re Mechanismen beg\u00fcnstigen. Darum schliessen wir uns lieber spontan, als Gef\u00e4hrten, die den selben Weg teilen, als Freunde, die \u00e4hnliche Ideen und Ziele verfolgen, f\u00fcr kurze oder l\u00e4ngere Zeit zusammen, um mit unseren eigenen H\u00e4nden zu k\u00e4mpfen, um mit beiden F\u00fcssen im Leben zu stehen. Wir sind Anarchisten, weil wir einfache Menschen sind, und weil wir die Arroganz und Heuchelei aller m\u00f6glichen Bosse und F\u00fchrer satt haben. Wir sind aber auch Anarchisten, weil wir neugierige Menschen sind, weil wir alles entdecken, alles ausprobieren, alles erfahren m\u00f6chten, was uns die Gesetze, Normen und Sitten heute untersagen \u2013 weil wir mehr vom Leben wollen, viel mehr! Wir sind Anarchisten, weil wir die Freiheit lieben und f\u00fcr sie k\u00e4mpfen wollen, kompromisslos, hier und jetzt.<\/p>\n<p><em>Auf dass sich das Feuer aus Griechenland weiterverbreitet&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Z\u00fcrich, 18. Februar 2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Griechenland kennt schon seit Jahren keine Ruhe mehr. 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