{"id":6150,"date":"2012-02-19T11:15:27","date_gmt":"2012-02-19T10:15:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=6150"},"modified":"2012-02-19T18:56:17","modified_gmt":"2012-02-19T17:56:17","slug":"%e2%80%9enichts-ist-vorbei-alles-beginnt-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/%e2%80%9enichts-ist-vorbei-alles-beginnt-jetzt","title":{"rendered":"\u201eNichts ist vorbei. Alles beginnt jetzt\u201c"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Athen-12.2.12_2.jpg\" rel=\"lightbox[6150]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-6151\" title=\"Solidarit\u00e4t mit dem sozialen Aufstand in Griechenland! \u2013 In Athen am 12. Februar 2012\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Athen-12.2.12_2-250x166.jpg\" alt=\"Solidarit\u00e4t mit dem sozialen Aufstand in Griechenland! \u2013 In Athen am 12. Februar 2012\" width=\"175\" height=\"116\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Athen-12.2.12_2-250x166.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/Athen-12.2.12_2.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 175px) 100vw, 175px\" \/><\/a><em>\u00dcbersetzt aus dem Italienischen. Erschien am 13. Februar 2012 auf www.finimondo.org; gefunden auf dem <a href=\"http:\/\/andiewaisendesexistierenden.noblogs.org\/post\/2012\/02\/18\/%E2%80%9Enichts-ist-vorbei-alles-beginnt-jetzt%E2%80%9C\/\" target=\"_blank\">An die Waisen des Existierenden-Blog<\/a><\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eNichts ist vorbei. Alles beginnt jetzt\u201c<\/h3>\n<p>Alle wussten, dass es nicht mehr lange dauern konnte. Die griechische \u201eZeitbombe\u201c, wie sie von den B\u00f6rsenspekulanten von \u00fcberall genannt wird, w\u00fcrde fr\u00fcher oder sp\u00e4ter explodieren. Bereits seit mehreren Jahren lebt das Land am Rande des Abgrunds, nach Luft ringend und sich Zeit herausschlagend. Die Ermordung von Alexis im Dezember 2008 war nur der Funke, der eine Revolte ausbrechen liess, die, angesichts der unertr\u00e4glich gewordenen Lebensbedingungen, bereits in der Luft lag. <!--more-->Im Grunde sind die Proteste seither, mit Hochs und Tiefs, weiter angewachsen. Je mehr Monate vergingen, je mehr sich die Schlinge des Internationalen W\u00e4hrungsfonds und der Europ\u00e4ischen Union zuzog, desto offensichtlicher wurde, dass nichts die griechische Bev\u00f6lkerung davon abhalten konnte, sich die Strassen zu nehmen und zu protestieren. Dass diese Pattsituation, dieses Luftanhalten nicht ewig andauern kann, wussten alle. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter w\u00fcrde sich eine Entscheidung aufdr\u00e4ngen. Drastisch und radikal.<\/p>\n<p>Gestern, am Sonntag dem 12. Februar 2012, wurde diese Entscheidung getroffen. Das Parlament sollte im Verlaufe des Tages die Gesetzesverordnung annehmen, welche, im Tausch gegen ein Darlehnen von mehreren Milliarden, die Sparmassnahmen bewilligt, die von der sogenannten \u201eTro\u00efka\u201c auferlegt werden. Der Wortlaut des Abkommens ist undeutlich, aber man weiss, dass er Liberalisierungen, K\u00fcrzungen in den sozialen Auslagen, Massenentlassungen im \u00f6ffentlichen Sektor und eine sprunghafte Reduzierung der L\u00f6hne und Renten vorsieht, um die es sowieso bereits schlecht steht. In einem Wort: Schluss mit der sanften Tour.<\/p>\n<p>Aber Gestern, am 12. Februar 2012, hat nicht nur die Regierung ihre Entscheidung getroffen. Am Nachmittag, kaum war die Regenflut vorbei, haben sich die Strassen von Athen und anderen griechischen St\u00e4dten mit Frauen und M\u00e4nnern gef\u00fcllt, die nicht eingeschlossen in ihrem Haus bleiben konnten, um darauf zu warten, dass der Fehrnseher ihnen das Ende jeglicher Hoffnung verk\u00fcndet. Eine riesige, unbemessbare Menge. M\u00fcde? Gewiss. Emp\u00f6rt? Ebenso. Aber, mehr als alles, <em>w\u00fctend<\/em>. Trotz der zahlreichen pr\u00e4ventiven Verhaftungen, die am Morgen stattfanden. Obwohl die Polizei die besetzte rechtswissenschaftliche Universit\u00e4t umstellte, um, vergebens, zu verhindern, dass die Besetzer sich an der Demonstration beteiligen, hat sich der Syntagmaplatz vor dem griechischen Parlament schnell mit Personen aus allen vier Ecken der Stadt gef\u00fcllt. Und als inmitten dieser bunt durchmischten Masse die vermummten Demonstranten mit St\u00f6cken und Molotovs bewaffnet auftauchten, hat diese \u00fcberstr\u00f6mende Menge <em>applaudiert<\/em>. Denn die Feindlichkeit gegen\u00fcber allen Repr\u00e4sentanten des Staates war, selbst nach Aussagen der Journalisten, \u00a0bei jeder anwasenden Person f\u00fchlbar. Und dieses Mal, w\u00e4hrend die Konfrontationen begannen, w\u00e4hrend die Luft sich mit dem strengen Geruch von Tr\u00e4nengas f\u00fcllte, gelang es dem Ordnungsdienst der Linksgewerkschaften \u2013 der sich vor einigen Monaten f\u00fcgsam zum Schutz des Parlamentes aufstellte \u2013 nicht einmal, auf den Platz zu gelangen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich also im Innern des Palastes die politische Klasse darauf vorbereitete, sich zu F\u00fcssen der Wirtschaft hinzuknien, k\u00e4mpften die Menschen draussen f\u00fcr das Leben. Daf\u00fcr hatten sie es nicht n\u00f6tig, auf das Resultat der endg\u00fcltigen Abstimmung zu warten. Das griechische Feuer, dieses unl\u00f6sbare und daher unausl\u00f6schbare R\u00e4tsel, hat alles niedergebrannt, was es auf seinem Weg fand. Dutzende und dutzende Geb\u00e4ude \u2013 darunter Banken, Gesch\u00e4fter, grosse L\u00e4den, Bibliotheken, Kinos\u2026 \u2013 wurden den Flammen ausgeliefert. Unter diesen befand sich sogar die Marfin Bank, jene Bank, in der w\u00e4hrend der Demonstration vom 5. Mai 2010 drei Angestellte zu Tode kamen. Sie wurde dem Erdboden gleichgemacht. Das Stadtzentrum ist komplett in den Rauch der Br\u00e4nde und des Tr\u00e4nengases getaucht. Die Strassen sind Schwarz voller Leute, Barrikaden werden errichtet, gewaltsame Konfrontationen mit den Ordnungskr\u00e4ften finden etwas \u00fcberall statt.<\/p>\n<p>Doch es geht hier nicht um die gew\u00f6hnliche griechische Chronik, die zu h\u00f6ren (und zu bewundern) wir seit Jahren gew\u00f6hnt sind. Denn gestern hat sich etwas ge\u00e4ndert. Die endg\u00fcltige Entscheidung wurde getroffen und\u2026 es ist unm\u00f6glich, wieder umzukehren. Die gewaltsamen Angriffe der Polizei konnten die Demonstranten nicht davon abhalten, mehrere Male auf den Syntagmaplatz zur\u00fcckzukehren. Die Molotov Cocktails wurden begleitet von neuen, noch kr\u00e4ftigeren Brands\u00e4tzen. Die gef\u00fcrchteten Bullenbrigaden auf Motorr\u00e4dern machen nicht mehr so sehr Angst, nachdem ein inmitten der Strasse gespanntes Seil eine ihrer Einheiten den Demonstranten zum Frass vorwarf. Das Ratshaus von Athen wurde besetzt (und ebensobald wieder ger\u00e4umt). Einige Kommissariate, wie in Akropolis und Exarchia, wurden in Anstrum genommen (mehrere Bullen blieben verletzt zur\u00fcck und ihre Autos gingen in Flammen auf). Die Privatresidenz von Costas Simitis (Premierminister von 1996 bis 2004) wurde angegriffen. Und in Omonia, einem Quartier der Hauptstadt, wurde ein Waffenladen gepl\u00fcndert. Dies ist keine Revolte mehr\u2026<\/p>\n<p>Es ist also kein Zufall, wenn die rechtswissenschaftliche Universit\u00e4t, die von Anarchisten und Anti-Autorit\u00e4ren besetzt und als Bastillon der Revolte betrachtet wird, gestern von den Ordnungskr\u00e4ften umstellt und mehrere Male in Ansturm genommen wurde. Vergebens. Auch wenn es unter den Besetzern Verletzte gab, hielt die Besetzung stand und k\u00fcndigte an: \u201eNichts ist vorbei. Alles beginnt jetzt.\u201c Ausserdem, wenn jene, die als die Provokateure der Unruhen bezeichnet wurden, gestern von Anfang des Nachmitags an umstellt blieben, wer hat dann ab 17:00 bis sp\u00e4t in die Nacht auf allen Strassen von Athen gek\u00e4mpft?<\/p>\n<p>Und ihr denkt, dass die Hauptstadt die einzige ist, die brennt? In Thesaloniki kam es zu Konfrontationen mit den Bullen, w\u00e4hrend die Glocken einer Kirche ert\u00f6nten, wie um den Generalalarm zu geben. Demonstrationen ebenfalls in Patras, wo w\u00e4hrend der vorherigen Tage Enteignungen von Superm\u00e4rkten stattfanden, gefolgt von gratis Wiederverteilungen der Produkte. In Volos haben die Demonstranten zun\u00e4chst das Steuerb\u00fcro in Ansturm genommen und die Dokumente zerst\u00f6rt, die sich im Innern befanden, und danach das Stadthaus in Brand gesteckt. In Korfu wurden dieses Mal die B\u00fcros von mehreren Politikern der PASOK (Sozialisten), darunter jenes des Ex-Justizministers Dendias, angegriffen und vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt. Ratshaus- und Pr\u00e4fekturbesetzungen werden in zahlreichen Orten vermeldet.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend Athen verw\u00fcstet wurde, erkl\u00e4rte der Finanzminister Venizelos, in einem Versuch, die Pille der parlamentarischen Abstimmung durchgehen zu lassen: \u201eDie Wahl liegt nicht zwischen Opfer erbringen und keine zu erbringen, sondern zwischen den Opfern und etwas unvorstellbarem\u201c. Und dabei hat er recht. Gestern, am 12. Februar 2012, hat die griechische Regierung f\u00fcr die Aufopferung seitens ihrer Untertanen entschieden. Genauso wie es Morgen die Regierenden in Italien, Spanien, Portugal, Belgien\u2026 tun werden. F\u00fcr jene, die sie nicht akzeptieren, ist es unn\u00fctz, um einen gerechteren Staat, einen ausgeglicheneren Markt, oder die Respektierung der Menschenrechte zu betteln. In Athen, der Wiege der Zivilisation, hat die Demokratie endlich ihre heuchlerische Maske heruntergeworfen. Wer nicht auf den Knien leben will, dem bleibt nur, <em>etwas unvorstellbares<\/em> zu versuchen.<br \/>\nDen Aufstand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcbersetzt aus dem Italienischen. Erschien am 13. Februar 2012 auf www.finimondo.org; gefunden auf dem An die Waisen des Existierenden-Blog \u201eNichts ist vorbei. Alles beginnt jetzt\u201c Alle wussten, dass es nicht mehr lange dauern konnte. 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