{"id":6437,"date":"2012-04-04T19:12:12","date_gmt":"2012-04-04T18:12:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=6437"},"modified":"2012-04-05T19:05:56","modified_gmt":"2012-04-05T18:05:56","slug":"briefe-von-beschuldigten-nach-der-brandstiftung-an-einer-bank-und-dem-tod-von-drei-angestellten-in-athen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/briefe-von-beschuldigten-nach-der-brandstiftung-an-einer-bank-und-dem-tod-von-drei-angestellten-in-athen","title":{"rendered":"Briefe von Beschuldigten nach der Brandstiftung an einer Bank und dem Tod von drei Angestellten in Athen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Marfin-Egnatia-Bank-in-Athen-am-05.05.2010.jpg\" rel=\"lightbox[6437]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-6440\" title=\"Marfin Egnatia Bank in Athen am 05.05.2010\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Marfin-Egnatia-Bank-in-Athen-am-05.05.2010-250x166.jpg\" alt=\"Marfin Egnatia Bank in Athen am 05.05.2010\" width=\"175\" height=\"116\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Marfin-Egnatia-Bank-in-Athen-am-05.05.2010-250x166.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/04\/Marfin-Egnatia-Bank-in-Athen-am-05.05.2010.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 175px) 100vw, 175px\" \/><\/a><em>Am 5. Mai 2010 fing in der Athener Innenstadt w\u00e4hrend einer gro\u00dfen Demo zum Generalstreik eine Bank Feuer, nachdem diese mit Molotowcocktails beworfen wurde. In der Bank befanden sich Angestellte, die von ihrem Boss zur Arbeit trotz des Streiks gezwungen wurden. Durch die Folge des Feuers starben drei von ihnen.<br \/>\nMonate sp\u00e4ter wurden mehrere anarchistische Genoss_innen festgenommen, unter dem Vorwurf f\u00fcr die Brandstiftung und den Tod der Angestellten der Bank verantwortlich zu sein. Hier die \u00dcbersetzung von Briefen, in den sie ihre Situation beschreiben.<\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Text von N.L. in Bezug auf seine Kriminalisierung f\u00fcr die Ereignisse vom 5. Mai 2010<\/h3>\n<p>In diesen Tagen \u2013 keineswegs zuf\u00e4llig im Hinblick auf Verstreichen von genau zwei Jahren seit dem tragischen Tod von drei Angestellten der Marfin \u2013 wird von den Polizei- und Justizbeh\u00f6rden erneut die unbegr\u00fcndete und ungerechte Verfolgung gegen mich &#8211; und gegen zwei weitere anarchistische Genossen &#8211; im Zusammenhang mit den Ereignissen auf der Demo vom 5. Mai wieder aufgenommen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nAm Freitag den 29.4.11, nach einer organisierten Operation der Kriminalpolizei, wurde ich in die GADA gebracht, ohne dass mir der Grund f\u00fcr meine vorl\u00e4ufige Festnahme mitgeteilt wurde. Nach 2 Stunden wurde meine Wohnung in Gegenwart eines Staatsanwaltes durchsucht, w\u00e4hrend es in der Gegend von Dutzenden Polizisten und Reportern wimmelte. Mein Gef\u00fchl der Wut wurde von dem der \u00dcberraschung abgel\u00f6st, als ich dar\u00fcber informiert wurde, dass meine vorl\u00e4ufige Festnahme im Zusammenhang mit den Ereignissen des 5. Mai 2010 steht. Die langj\u00e4hrige Kriminalisierung gegen mich durch die Polizei und ihre \u201ePapageien\u201c hatte soeben ihren H\u00f6hepunkt erreicht. Bereits am folgenden Tag wurde ich in Ver\u00f6ffentlichungen der Zeitungen Vima und Ta Nea, von den Polizeireportern Lambropoulos und Nesfyge-Vardelis als Anf\u00fchrer der Gruppe, die die Ianos-Buchhandlung angegriffen hatte, \u201efotografiert\u201c.<\/p>\n<p>Die polizeilich-politischen Gehirne, die nach 2 Jahren Untersuchung bewusst entscheiden, mich in diesen Fall zu verwickeln \u2013 meine Verleumdung und Verh\u00f6hnung bezweckend \u2013 wissen sehr gut, nachdem sie 90 Kameras und 70 Augenzeugen befragt haben, dass ich an keinem Angriff auf die Ianos-Buchhandlung beteiligt war. Meine konsequente und dynamische Pr\u00e4senz in den gesellschaftlichen K\u00e4mpfen \u00fcber all die Jahre scheint sie zu st\u00f6ren, deswegen bin ich seit Jahren ein Ziel der Kriminalpolizei. Au\u00dferdem hatten ich bereits am 5.5.2005 mit einem Text von mir in der Eleftherotypia meine enge Beschattung durch die Kriminalpolizei angezeigt und deren Versuch, mich im Fahren vom Motorrad zu st\u00fcrzen. Seitdem erlebe ich immer wieder das selbe Theater, mal, indem ich unter permanenter Beschattung stehe, andermals, indem ich von den bezahlten Gehaltstr\u00e4gern der Kripo als T\u00e4ter f\u00fcr was immer ihnen in den Kopf kommt \u201efotografiert\u201c werde, wieder andere Male mit vorl\u00e4ufigen Festnahme-Entf\u00fchrungen, wie am 25.10.2010 vor dem Beginn der gro\u00dfen antikapitalistischen Demo, am 28.10.1011 vor der Parade im Stadtteil Holargos und am 12.2.2012 vor der riesigen Demonstration gegen das Memorandum Nummer 2, wo sie, weil sie mich nicht entf\u00fchren konnten, meine Genossin A.K. entf\u00fchrten und sie bis 22.30 in der GADA festhielten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war ich bei der Demonstration am 5. Mai dabei. Nat\u00fcrlich habe ich meine Stimme und meine Kraft mit den hunderttausenden Demonstranten vereint, die mit Wut in Richtung Parlament zogen. Nat\u00fcrlich fahre ich seitdem bis heute fort, an allen gesellschaftlichen-klassen-K\u00e4mpfen teilzunehmen. Von den Demos gegen die fortlaufenden antisozialen Ma\u00dfnahmen, den Ausdr\u00fccken von Solidarit\u00e4t f\u00fcr gefangene Aktivisten bis zu K\u00e4mpfen in den Stadtvierteln als Mitglied der Volksversammlung Holargos-Papagou.<\/p>\n<p>Die Frage, die sich stellt, ist warum all dies in dieser bestimmten Zeit geschieht und auf was sie zielen. Nun, all dies spielt in einer Zeit, in der das Kapital und seine Diener einen nie dagewesenen Angriff auf die Unterdr\u00fcckten durchf\u00fchren. Arbeiterrechte, die mit blutigen K\u00e4mpfen errungen wurden, werden abgeschafft. Die Arbeitslosen haben die Millionengrenze \u00fcberschritten. Der auf jede Weise vorgenommene Aderlass der Lohnabh\u00e4ngigen und ihre Terrorisierung, damit sie sich der Erpressung der Bosse beugen, ist nunmehr rohe Realit\u00e4t. Der Widerstand aber entwickelt sich, w\u00e4chst und vereint Tag f\u00fcr Tag die Ausgebeuteten. Das ist es, was der Staat versucht zu unterbinden, das gesamte Spektrum der Repressionsmethoden nutzend. Pr\u00fcgel, Tr\u00e4nengas, \u201eBesen\u201c-Operationen, Beschattung, die Ver\u00f6ffentlichung von Fotos von Demonstranten und Massenfestnahmen.<\/p>\n<p>Ich habe nichts mit dem zu tun, was mit die Kriminalpolizei anh\u00e4ngen will. Ich k\u00f6nnte auf keinen Fall irgend etwas mit Aktionen zu tun haben, die beflecken k\u00f6nnten und die meinen politischen Zusammenhang und allgemein die Bewegung zur\u00fcck werfen, und schon gar nicht mit Aktionen, die sich gegen Lohnabh\u00e4ngige wenden. Die staatlichen Verfahrensweisen werden den gesellschaftlichen Widerstand gegen die moderne Junta nicht unterbinden, sie werden das k\u00e4mpfende Volk nicht einsch\u00fcchtern. Ich fordere, dass meine sowie die Verfolgung gegen die anderen beiden anarchistischen Genossen, die im gleichen Fall verfolgt werden, eingestellt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>N.L. 27.3.2012<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Konstrukt? Ein Wort reicht nicht&#8230;<\/h3>\n<p>Die Kripo fabriziert einen Brief, den sie dann an sich selbst schickt; in dem nennt der \u201eanonyme Informant\u201c nicht nur mich und zwei andere Genossen, sondern gibt dar\u00fcber hinaus auch noch unsere Handynummern und Adressen an! Aufgrund dieses Briefes wird ein Verfahren eingeleitet und wir werden am 29. April 2011 vorl\u00e4ufig festgenommen.<\/p>\n<p>Doch das Spiel ist sehr schlecht gestellt. Trotz der Durchsuchung unserer Wohnungen und des Spie\u00dfrutenlaufs, wirken die Fotografien selbst und die Widerspr\u00fcche in den Akten l\u00e4cherlich machend f\u00fcr die Justizbeh\u00f6rden. In ihrer Verzweiflung \u00fcber die M\u00e4ngel der fabrizierten Beweise, frieren die Untersuchungsbeh\u00f6rden den Fall f\u00fcr ein Jahr ein, w\u00e4hrend die Massenmedien nachdr\u00fccklich verk\u00fcnden, dass die Untersuchung sich auf verschiedene Personen konzentriert, wo sie doch f\u00fcr 48 Stunden auf unsere Kosten triumphierten.<\/p>\n<p>Ein Jahr sp\u00e4ter, w\u00e4hrend \u201eganz zuf\u00e4llig\u201c genau zwei Jahre seit den Ereignissen des 5. Mai vergangen sind, wird der Fall wieder aufgew\u00e4rmt, die Kriminalisierung der selben Personen wiederholt.<\/p>\n<p>Das oben Angef\u00fchrte kann nicht unabh\u00e4ngig von den generellen Verh\u00e4ltnissen untersucht werden.<br \/>\nDie letzten drei Jahre gewaltt\u00e4tiger Abwertung der Lebensqualit\u00e4t haben mit sich einen gro\u00dfen Teil der gesellschaftlichen Illusionen gerissen, die die letzten beiden Jahrzehnte von Bedeutung waren.<br \/>\nGegen den zerfallenden Gesellschaftsvertrag wappnet sich der Staat sowohl mit materiellen also auch mit ideologischen Konditionen.<br \/>\nGegen\u00fcber also den tausenden tr\u00e4gen \u201eStaatsangeh\u00f6rigen\u201c, die nunmehr mit dem kollektiven Widerstand lieb\u00e4ugeln, der an Tagen wie dem 12. Februar die staatlichen Verbote missachtet, reichen weder die tausenden Bullen, noch die repressive Ausr\u00fcstung von Millionen.<\/p>\n<p>Etwa so neigt der 5. Mai dazu, in einen d\u00fcsteren Gedenktag des Systems verwandelt zu werden. Der Staat, Arm in Arm mit Medien und Intellektuellen, versucht das Gewaltmonopol zur\u00fcck zu erobern, der gesellschaftlichen Gegengewalt das Gewicht von 3 Toten in Rechnung stellend.<br \/>\nDie Botschaft ist klar. Jeder Demonstrant in einer militanten Demo ist ein m\u00f6glicher M\u00f6rder, einfach nur, weil er auf der Stra\u00dfe war.<\/p>\n<p>Und die Kriminalisierung von uns Dreien treibt dies einen Schritt weiter. Sie kriminalisiert gleichzeitig die anarchistische Bewegung, exakt wegen derer langj\u00e4hrigen Entscheidung, an der Seite der gesellschaftlichen Klassenk\u00e4mpfe zu stehen, ohne dabei eine Loyalit\u00e4tserkl\u00e4rung f\u00fcr die b\u00fcrgerlichen Gesetze abzugeben, den vollst\u00e4ndigen Bruch mit dem System vorschlagend und gleichzeitig in diese Richtung hin agierend. Sie wird kriminalisiert, weil besonders heute die Verschm\u00e4hung der Politik und der Logiken von Vertretung und Vermittlung die anarchistischen Projekte auf die Lippen und in die Aktionen von Tausenden legen, die Anarchisten zu Verb\u00fcndeten in einem breiten Spektrum an K\u00e4mpfen macht, die die traditionellen Engen \u00fcberwinden.<\/p>\n<p>Und es ist unsere Stellung in den K\u00e4mpfen, die den Staat dazu treibt anzugreifen, indem wir kriminalisiert werden.<br \/>\nDie \u00dcberwachung vor unseren Wohnungen, die provozierenden vorl\u00e4ufigen Festnahmen, die rauschenden Telefone, die M\u00e4rchenerz\u00e4hlungen der Medien \u00fcber uns sind nichts anderes, als das, was in st\u00e4rkerem oder schw\u00e4cherem Ausma\u00df hunderte Genossen erleben.<\/p>\n<p>Es sind aber vor allem Bilder aus der Zukunft tausender anderer K\u00e4mpfender, die, w\u00e4hrend der Zirkel der Repression erweitert wird, sich als Ziel wieder finden werden, unabh\u00e4ngig von ihrer verbindenden oder nicht politischen Identit\u00e4t.<\/p>\n<p>Wenn es etwas gibt, das gegen die Zukunft, die f\u00fcr uns bereit gehalten wird, eine Antwort geben kann, dann ist das nicht eine \u201estarke\u201c und \u201etreffende\u201c Haltung, die sich weigert, in das Spiel der Dialektik einzutreten, in ihre eigene \u00dcberzeugtheit eingeschlossen, sondern die Akzeptanz der Vielf\u00e4ltigkeit der Widerst\u00e4nde selbst, der vielen m\u00f6glichen Haltungen und Antworten, die sich kreuzen. Wir schulden vor allem uns selbst, die Trennungen, die die K\u00e4mpfenden zersplittern zu \u00fcberwinden und den Gegenangriff anzutreten!<\/p>\n<p>Keinen Schritt zur\u00fcck gegen\u00fcber dem Konstrukt des Staates!<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>G.P.<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Text des vorl\u00e4ufig festgenommenen Th.S. vom 29.4.2011<\/h3>\n<p>Am 29.4.2011 als ich am Morgen das Haus verlie\u00df, kam ein Mann rennend auf mich zu und danach noch einer, der eine Kapuze aus seinem Pullover trug, zusammen mit einer Frau, die ihre Gesichtsz\u00fcge verborgen hatte und zwangen mich auf dem B\u00fcrgersteig aufrecht, mit dem R\u00fccken zu ihren Gesichtern zu stehen, wobei sie versuchten, mich zu beruhigen, indem sie mir sagen, dass sie mir nichts tun w\u00fcrden, dass sie von der Kripo seien (wobei nur einer mir seinen Polizeiausweis zeigte) und dass ich ihnen mit dem Auto folgen solle, dass nach 5 Minuten kam, in den 6. Stock der GADA, wegen irgendeines Falls, was nur wenig Zeit in Anspruch nehmen w\u00fcrde. Sie nahmen mir mein Mobiltelefon weg, das angeschaltet war, ebenso pers\u00f6nliche Schriftst\u00fccke und den Rucksack, den ich bei mir hatte.<\/p>\n<p>Im 6. Stock der Kripo, wo sie mich hinbrachten, zwangen sie mich allein und mit Handschellen auf dem R\u00fccken in 5 Metern Abstand von der Wand zu sitzen. Sie \u00f6ffneten meine Tasche und durchsuchten sie sorgf\u00e4ltig vor meinen Augen und f\u00fchrten eine K\u00f6rperkontrolle durch. Ich blieb dort f\u00fcr eine geraume Zeit und mir wurde von irgendeinem Polizeioffizier der 2. Kripo-Abteilung (logischerweise war diese Abteilung f\u00fcr meinen Verbleib dort verantwortlich), dass ich \u201ewegen einiger Vorkommnisse\u201c vorl\u00e4ufig festgenommen w\u00e4re und zu warten h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Nachdem etwa 4 Stunden vergangen waren, sagten sie mir, dass meine Wohnung durchsucht werden m\u00fcsse, in meiner und der Anwesenheit eines Staatsanwalts, die Durchsuchung fand statt, wobei ich die ganze Zeit mit Handschellen auf dem R\u00fccken gefesselt blieb. Bei der Durchsuchung vor allem meines Zimmers, aber auch das meines Mitbewohners, beschlagnahmten sie einen Computer, eine Videokamera, eine Kappe und verschiedene meiner Klamotten, wobei sie B\u00fcchern und Brosch\u00fcren mit politischem Inhalt sowie pers\u00f6nlichen Aufzeichnungen besondere Aufmerksamkeit schenkten.<\/p>\n<p>Danach und nachdem sich mich zur\u00fcck zur Kripo und in den selben Stock gebracht hatten, sagten sie mir ich sollte ihnen folgen, unbekannt wohin, bis wir schlie\u00dflich im 11. Stock (Antiterrorabteilung) ankamen, ohne dass sie mir den Grund nannten. Ich schaffte es aus dem, was sie sagten, etwas von einer \u201eGegen\u00fcberstellung\u201c heraus zu h\u00f6ren. Dort brachten sie mich in einen besonders ausgestalteten Raum, der der Gegen\u00fcberstellung mit \u201eZeugen\u201c diente.<\/p>\n<p>Man befahl mir aufrecht zu stehen, zuerst mit einem von der Kripo neben mir und danach allein, mein Profil nach rechts und nach links drehend. Dann kam irgendein H\u00f6herer von der Kripo, gab mir die Kappe, die sich beschlagnahmt hatten und befahl mir, sie zu tragen und das sogar auf verschiedene Arten und Weisen! Die ganze Zeit \u00fcber h\u00f6rte ich Stimmen von au\u00dferhalb des Raums und von einigen, die auf dem Stockwerk angekommen und wahrscheinlich als \u201eZeugen\u201c gekommen waren, um mein Gesicht wieder zu erkennen.<\/p>\n<p>Nachdem diese Prozedur vor\u00fcber war, brachten sie mich auf den alten Stock zur\u00fcck, wiesen mich wieder an, mich an die selbe Stelle zu setzen, wo ich die meisten Stunden verbrachte, auf die selbe Weise, diesmal ohne Handschellen und den Blick immer zur Wand. Auf meine st\u00e4ndigen Fragen an die Vorgesetzten in Bezug auf die Kommunikation mit einem Verwandten oder einem Rechtsanwalt bekam ich ablehnende Antworten oder man sagte mir, dass ich sp\u00e4ter kommunizieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Nach 10 Stunden Verbleib am selben Ort verk\u00fcndete man mir, dass ich in 10 Minuten gehen k\u00f6nne, wobei sie mir eine Vorladung f\u00fcr die Durchf\u00fchrung einer Voruntersuchung am 5.5.2011 gaben, ein Datum, was v\u00f6llig zuf\u00e4llig auf das Datum der gro\u00dfen Antimemorandums-Demonstration und der tragischen Geschehnisse in der Marfin-Bank fiel, wo vor einem Jahr drei Menschen ihr Leben verloren. Die Vorladung ist vom Staatsanwalt am Gericht f\u00fcr Vergehen in Athen und betrifft den Bruch von 7 Artikeln des Strafgesetzbuches, darunter auch solche, die als Verbrechen eingestuft werden.<\/p>\n<p>Am selben Tag geschahen weitere 4 vorl\u00e4ufige Festnahmen von Genossen durch die Kripo und Durchsuchungen ihrer Wohnungen. Vier von uns Festgenommenen bekamen eine Vorladung f\u00fcr eine Voruntersuchung in Bezug auf die Ereignisse vom 5. Mai 2010 bei der Streikdemo. Es ist kein Zufall, dass wir alle f\u00fcr den 5. und 6. Mai zur Kripo vorgeladen werden. Ich denke, dass Massenmedien und die GADA ein weiteres Mal ein Klima der Terrorhysterie schaffen wollen. Ein weiteres Mal Verfolgung und Verleumdung von Menschen, die sich politisch in der Anarchistischen-Antiautorit\u00e4ren Szene bewegen, so wie es die Medien am Tag der Festnahme gemacht hatten, wo sie von Verhaftungen und Schuldigen f\u00fcr die Brandstiftung in der Marfin-Bank sprachen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich h\u00e4tte ich nicht an so etwas teilnehmen k\u00f6nnen. Meine W\u00fcrde als Mensch aber auch als politisches Wesen erlaubt mir so etwas nicht. Ich glaube an den Sturz des Systems aber nicht an den Gebrauch von Gewalt als Selbstzweck. Ich glaube an einen Klassenkampf zwischen Sklaven und Bossen, an eine andere Gesellschaft, Freiheit, Klassenlos, Antiautorit\u00e4r und Selbstorganisiert, die sich von jeder Bedeutung von Sklaverei, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung losgel\u00f6st hat. Deswegen hat auch meine Vorladung durch die \u201eHerren\u201c Untersuchungsbeamten der Kripo in Bezug auf die Ereignisse beim Streik im Mai vergangenen Jahres die Kriminalisierung einer bestimmten Szene und bestimmter Menschen zum Ziel und ihr Grund ist politisch. Sie st\u00f6ren sie und sie wollen politische Regungen und widerst\u00e4ndige Stimmen unterbinden, die f\u00fcr eine Freie Gesellschaft k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>WIR WERDEN UNS NICHT TERRORISIEREN LASSEN,<br \/>\nWIR WERDEN IHRE VERFAHRENSWEISEN NICHT F\u00dcRCHTEN<br \/>\nWIDERSTAND-SOLIDARIT\u00c4T-W\u00dcRDE<br \/>\nSTAAT UND MASSENMEDIEN SIND DIE EINZIGE TERRORISTEN<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Der vorl\u00e4ufig festgenommene Th.S. .<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 5. Mai 2010 fing in der Athener Innenstadt w\u00e4hrend einer gro\u00dfen Demo zum Generalstreik eine Bank Feuer, nachdem diese mit Molotowcocktails beworfen wurde. 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