{"id":6560,"date":"2012-04-14T01:25:18","date_gmt":"2012-04-14T00:25:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=6560"},"modified":"2013-01-16T23:55:19","modified_gmt":"2013-01-16T22:55:19","slug":"thomas-meyer-falk-hiv-gefangener-ringt-mit-dem-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/thomas-meyer-falk-hiv-gefangener-ringt-mit-dem-tod","title":{"rendered":"Thomas Meyer-Falk: HIV-Gefangener ringt mit dem Tod"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" rel=\"lightbox[6560]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-662\" title=\"faust-durchs-gitter\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" alt=\"faust-durchs-gitter\" width=\"115\" height=\"120\" \/><\/a>Schon mehrmals berichtete ich \u00fcber \u201e<a title=\"Thomas Meyer-Falk: Tod und Sterben im Gef\u00e4ngnis\" href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/thomas-meyer-falk-tod-und-sterben-im-gefaengnis\" target=\"_blank\">Willi aus Bruchsal<\/a>\u201c, den 45-j\u00e4hrigen, HIV-positiven Gefangenen in der JVA Bruchsal (zuletzt <a href=\"http:\/\/www.18maerz.de\/web\/index.php\/material\/material-sonderbeilage\/189-sonderausgabe-2012-der-rhz-zum-1832012\" target=\"_blank\">in der Sonderausgabe der Roten Hilfe zum 18.3.2012<\/a>).<\/p>\n<p>Willi hatte sich 1996 beim Drogenkonsum im Gef\u00e4ngnis mit HIV infiziert, da die benutzte Nadel nicht ausreichend desinfiziert worden war. Da sich sein Gesundheitszustand zunehmend verschlechterte, k\u00e4mpfte er seit Anfang 2011 um seine Freilassung, um ein menschenw\u00fcrdiges Sterben in Freiheit.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<em>Verz\u00f6gerungstaktik durch Landgericht Karlsruhe<\/em><\/p>\n<p>Seit Sommer 2011 lag dem Landgericht ein Antrag auf Freilassung wegen Vollzugsuntauglichkeit vor; die zust\u00e4ndige Richterin meldete sich monatelang gar nicht, als dann ein Anwalt eingeschaltet wurde, weigerte sie sich strikt, diesen (auf Staatskosten) zum Pflichtverteidiger zu bestellen, da die Sach- und Rechtslage einfach sei. Als der Anwalt sie erstmals telefonisch erreichen konnte, bestand ihre erste Reaktion darin, sich bei dem Anwalt \u00fcber ihre \u00fcberbordende Arbeitslast bei Gericht zu beklagen, als Begr\u00fcndung f\u00fcr das Ausbleiben einer Entscheidung \u00fcber Willis Gesuch.<\/p>\n<p><em>Der Tod erledigt sein Gesch\u00e4ft<\/em><\/p>\n<p>Nach dem Willi zwischenzeitlich auch von einem Psychiater begutachtet worden war, denn das Gericht w\u00e4hnte in Willi eine m\u00f6gliche Gefahr f\u00fcr die Allgemeinheit, und dieser zu dem Schluss kam, eine Entlassung in eine betreute Einrichtung sei vertretbar, sch\u00f6pfte Willi Hoffnung. Diese verflog allerdings ebenso rasch mit jeder neu eintreffenden Absage von angeschriebenen Einrichtungen.<\/p>\n<p>Seit knapp zwei Wochen ging es ihm zunehmend schlechter, so dass der Arzt der JVA Willis Wunsch unterst\u00fctzte, des Nachts mit einem Mitgefangenen zusammen geschlossen zu werden. So verbrachte A. nun jede Nacht auf einer Matratze, die auf dem Boden lag, in Willis Zelle.<\/p>\n<p>Ostermontag jedoch war Willis Zustand derart schlecht, er war zeitlich und \u00f6rtlich desorientiert, hatte Halluzinationen, phasenweise reagierte er gar nicht, Wasser in Lunge und Bauch erschwerten die Atmung, dass \u201eAlarm\u201c ausgel\u00f6st wurde, als er bei der Mittagessensausgabe leblos im Bett gefunden wurde. Noch Minuten zuvor hatte ich selbst mit ihm gesprochen, soweit man seine leisen, kaum verst\u00e4ndlichen Worte als Gespr\u00e4ch bezeichnen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Und so wurde Willi ins st\u00e4dtische Krankenhaus notverlegt, dort wurde eine akute Lungenentz\u00fcndung festgestellt. Vorsorglich wurde seine n\u00e4chste Angeh\u00f6rige (die Mutter) telefonisch informiert; eine R\u00fcckkehr in die Anstalt ist wenig wahrscheinlich, da er mutma\u00dflich diesen letzten Kampf nicht gewinnen wird.<\/p>\n<p><em>Jeder verweigerte Willi ein Sterben in Freiheit<\/em><\/p>\n<p>Willi hatte den GR\u00dcNEN Ministerpr\u00e4sidenten Kretschmann um einen Gnadenakt gebeten. Willi hatte die Staatsanwaltschaft Freiburg um Haftentlassung wegen Vollzugsuntauglichkeit gebeten. Willi hatte das Landgericht Karlsruhe um Haftentlassung ersucht. Alles auch unterst\u00fctzt vom Gef\u00e4ngnisarzt, der die Prognose als \u201einfaust\u201c bezeichnete, der attestierte, mit einer lebensbedrohlichen Krisis sei jederzeit zu rechnen, die angesichts des desolaten Gesamtzustandes zum Tode f\u00fchren k\u00f6nne.<br \/>\nNiemand hat ihn erh\u00f6rt.<br \/>\nIn den Morgenstunden des 10. April 2012 hat Willis Herz aufgeh\u00f6rt zu schlagen. Er ist gestorben!<\/p>\n<p><em>Trauriger Einzelfall?<\/em><\/p>\n<p>Nein, es ist kein Einzelfall, von dem hier berichtet wird, sondern es ist der symptomatische Umgang von Staat und Justiz mit einem Marginalisierten. So wie ihm ergeht es unz\u00e4hligen anderen Menschen \u2013 und erst wenn die Marginalisierten, die rechnerisch in der absoluten Mehrheit sind, sich zusammen schlie\u00dfen und bereit sind sich zu wehren, zur Tat zu schreiten, ihre W\u00fcrde und ihr Mensch-Sein zu verteidigen gegen\u00fcber jenen, die ihnen das Mensch-Sein verweigern, auf die Stra\u00dfen gehen, wie am 31. M\u00e4rz weltweit, wird sich etwas \u00e4ndern.<\/p>\n<p><em>Thomas Meyer-Falk<\/em><br \/>\n<em> c\/o JVA \u2013 Z. 3113<\/em><br \/>\n<em> Sch\u00f6nbornstr. 32<\/em><br \/>\n<em> D-76646 Bruchsal<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.freedom-for-thomas.de\" target=\"blank\">www.freedom-for-thomas.de<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.freedomforthomas.wordpress.com\" target=\"blank\">www.freedomforthomas.wordpress.com <\/a> <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon mehrmals berichtete ich \u00fcber \u201eWilli aus Bruchsal\u201c, den 45-j\u00e4hrigen, HIV-positiven Gefangenen in der JVA Bruchsal (zuletzt in der Sonderausgabe der Roten Hilfe zum 18.3.2012). 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