{"id":6677,"date":"2012-04-25T22:40:54","date_gmt":"2012-04-25T21:40:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=6677"},"modified":"2012-06-03T17:15:51","modified_gmt":"2012-06-03T16:15:51","slug":"erlebnisbericht-stammheim-2012-von-smily","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/erlebnisbericht-stammheim-2012-von-smily","title":{"rendered":"Erlebnisbericht Stammheim 2012 von Smily"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Freiheit-f\u00fcr-Smily.png\" rel=\"lightbox[6677]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-6206\" title=\"Freiheit f\u00fcr Smily - inhaftiert in Stuttgart\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Freiheit-f\u00fcr-Smily.png\" alt=\"Freiheit f\u00fcr Smily - inhaftiert in Stuttgart\" width=\"179\" height=\"179\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Freiheit-f\u00fcr-Smily.png 255w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Freiheit-f\u00fcr-Smily-250x250.png 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/Freiheit-f\u00fcr-Smily-160x160.png 160w\" sizes=\"(max-width: 179px) 100vw, 179px\" \/><\/a><em>Anfang Februar 2012 wurde der <a title=\"Solidarit\u00e4t mit Smily \u2013 inhaftiert in Stuttgart-Stammheim\" href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/solidaritaet-mit-smily-inhaftiert-in-stuttgart-stammheim\" target=\"_blank\">Stuttgarter Antifaschist und RASH Aktivist Smily verhaftet<\/a>. Seitdem sitzt er in der JVA Stuttgart im Stadtteil Stammheim im Knast. Im Folgenden ver\u00f6ffentlichen wir einen von ihm verfassten Erlebnisbericht. Dieser wurde am 21.3. verfasst. Die sp\u00e4te Ver\u00f6ffentlichung ist auf die stringenten \u201ePostkontrolle\u201c der JVA zur\u00fcckzuf\u00fchren. [<a href=\"http:\/\/www.solikreis-stuttgart.tk\/\" target=\"_blank\">solikreis<\/a>]<\/em><\/p>\n<p>Es war Mittwoch, der 8. Februar 2012 gegen 6:00 Uhr morgens, als das SEK zusammen mit den bekannten Staatssch\u00fctzern Sitzler, Biel [Staatsanwalt] und Co. meine Wohnung st\u00fcrmte. Mittels einer Ramme brach man unangek\u00fcndigt die T\u00fcr auf, schrie lauthals \u201ePolizei!\u201c und riss mich schon wenige Sekunden sp\u00e4ter von meinem Sofa in Unterw\u00e4sche auf den Boden, den sie mit ihren dreckig-nass triefenden Schuhen betreten hatten.<br \/>\n<!--more-->Einer der vermummten SEKler trug eine Art Kettenhemd, wie mir auffiel und aus nicht mehr als 20 cm Entfernung bellte mir ein Sch\u00e4ferhund ins Gesicht. So lie\u00df man mich einige Sekunden fixiert liegen, bis ich dann aufstehen durfte und von Herrn Sitzler dar\u00fcber belehrt wurde, dass gegen mich ein Haftbefehl vorliegt, weil ich angeblich Zeugen f\u00fcr die anstehende Verhandlung am 17.02.2012 bedroht haben soll.<\/p>\n<p>\u201eSchwachsinn!\u201c entgegne ich ihm, was mich nicht davor bewahren sollte ersteinmal in&#8217;s Revier Hahnemannstr. 1 abtransportiert zu werden, w\u00e4hrend der Herr Sitzler dann mein Zimmer komplett durchsuchte, ohne dass meine Mitbewohnerin S., der ich noch ansah wie schockiert sie \u00fcber diesen morgendlichen \u201eBesuch\u201c war, daran teilhaben durfte, so wie es eigentlich gesetzlich verordnet ist. Man hat sie aus dem Zimmer entfernt, damit Sitzler in Ruhe das Zimmer durchsuchen konnte. Nachdem ich ca. 3 Stunden auf einer Zelle in der Hahnemannstr. verbringen durfte, holte mich ein Beamter aus selbiger und brachte mich zu Sitzler, der mir erkl\u00e4rte, dass ich zuvor genannte Zeugen angeblich via Facebook bedroht haben soll und dass aus diesem Grund eine Verdunkelungsgefahr bzgl. der anstehenden Gerichtsverhandlung, auf welcher ich angeklagt bin, besteht, und ich nun dem Haftrichter vorgef\u00fchrt werden m\u00fcsse. Des Weiteren sagte er mir, dass er mein Mobiltelefon und meinen Computer zur weiteren Ermittlung vorerst beschlagnahmt h\u00e4tte, wogegen ich sofort Widerspruch einlegte. \u00c4u\u00dfern wollte ich mich hierbei zu gar nichts. So wurde ich wieder auf die Zelle gebracht, um auf einen Termin beim Haftrichter zu warten.<\/p>\n<p>Der Haftbefehl selbst wurde mir ausgeh\u00e4ndigt, so dass ich ihn zum ersten Mal genau genauer studieren konnte. Diesem konnte ich entnehmen, dass ich angeblich Zeugen \u00fcber Facebook in \u201eunlauter Weise\u201c bedroht haben solle. Der dementsprechende Eintrag sei jedoch nicht mehr auffindbar (\u2026). Ich erinnerte mich zur\u00fcck wie von \u201eGrauzone Rock n Roll\u201c auf Facebook der Eintrag erschien \u201eich w\u00fcrde gern sein Gesicht sehen, wenn auf einmal 50 Grauzonisten vor seiner Haust\u00fcr stehen,\u201c der gegen mich gerichtet war. Eigentlich wurde ich also \u201ein unlauter Weise\u201c per Facebook bedroht. Auf den Eintrag reagierte ich, indem ich schrieb dass ich gern darauf warten werde, und ob uns die \u201e50 Grauzonisten\u201c dann auch anzeigen w\u00fcrden, wenn wir mit ihnen fertig sind. So wie die knapp 10 Grauzonisten im Juni 2011 am Palast der Republik in Stuttgart, Janko L., Thilo S. (fr\u00fcher aktiver Neonazi) und Co., die mich dort lauthals beleidigten und mich in \u201eunlauter Weise\u201c versuchten anzugreifen und ich mich dagegen wehrte. Genau deswegen war ich ja f\u00fcr den 17.02.2012 auch angeklagt. Aussagen der Grauzonis bei der Polizei, wie z.B. dass ich in der Stuttgarter Antifa-Szene sei, sollten hierbei schon ausreichen um den Staatsschutz heranzuziehen, wie ich der Akte und dem Aktenzeichen der Anklageschrift zuvor schon entnehmen konnte.<\/p>\n<p>Es profitierten nat\u00fcrlich auch beide gegnerischen Parteien davon meinem Engagement gegen Rechts mit staatlicher Repression entgegenzuwirken. Der eine Teil, weil er sich zu Unrecht kritisiert f\u00fchlt, weil man anprangert, dass ihre Lieblingsbands &#8211; oder auch sie selbst &#8211; Kontakte nach Rechts pflegen und man sich auf Grund dessen von ihnen und ihren Lieblingsbands distanzieren will und der andere Teil sperrt Links sowieso lieber vorerst auch mal schneller ein, w\u00e4hrend er auf dem rechten Auge permanent blind zu sein scheint, auch wenn die Beweislage manchmal sogar weniger als nur schwammig ist. So l\u00e4sst man Neonazis, die Antifaschisten vors\u00e4tzlich mit dem Auto anfahren und dabei billigend in Kauf nehmen, sie lebensgef\u00e4hrlich zu verletzen, dann doch erst einmal laufen, statt sie in U-Haft nach Stammheim zu stecken, wie es mir dann im sp\u00e4teren Verlauf ergehen sollte und auch schon einigen Genossen von mir erging. So ging die Grauzone mal wieder Hand in Hand mit dem Staat gegen ihre Widersacher vor, wie es schon oft der Fall war.<\/p>\n<p>Nach weiteren 4 Stunden auf der Zelle wurde ich dann erneut von einem Beamten abgeholt, der mich wieder zu Sitzler und 2 weiteren seiner Kollegen brachte, um den Weg zum Haftrichter anzutreten, der am 17.02. dann auch mein Urteil in erster Instanz entscheiden sollte. Sitzler fragte mich als erstes ob wir beide nun ein Problem h\u00e4tten, worauf ich ihn fragte warum er denn morgens nicht einfach geklingelt hat, um mir die \u201efrohe Botschaft\u201c des Haftbefehls zu verk\u00fcnden. Er entgegnete mir nur plump, dass wir wohl beide w\u00fcssten, dass ich auch anders kann und er nicht wusste wie ich derzeit aufgelegt sei (\u2026). Bei der Haftrichterin, die gerade erst ihr 2. Staatsexamen hinter sich gebracht zu haben schien, angelangt, traf auch schon mein Rechtsanwalt ein, den meine Mitbewohnerin S. zum Gl\u00fcck gleich nach meinem Abtransport kontaktiert hatte. Gegen den Vollzug des Haftbefehls legte mein Verteidiger vor Ort Widerspruch ein, der allerdings rasch von Richterin N. aufgrund der angeblich weiterhin bestehenden Verdunkelungsgefahr durch einen nicht auffindbaren Facebookeintrag abgelehnt wurde.<\/p>\n<p>So ging die Reise weiter nach Stammheim, wo ich dann noch bis zur Verhandlung verweilen sollte. In Stammheim angekommen, wurde ich von Anfang an als extrem gewaltt\u00e4tig eingesch\u00e4tzt, weshalb man mich gleich dar\u00fcber belehrte dass man hier schon jeden \u201ekleingekriegt\u201c hat und man mich, sollte ich aus der Reihe tanzen, in den \u201eBunker\u201c stecken werde. Ohne Tageslicht soll man die Zeit dort wohl in einer Papierunterhose verbringen, mit nichts au\u00dfer dem eigens ausgel\u00f6stem Schall, der einen wahnsinnig macht (\u2026) Alternativ unterbreitete man mir auch die Variante der Medikamenteneinnahme, \u201ezur Beruhigung\u201c. Die Anstalt h\u00e4tte diesbez\u00fcglich wohl \u201ealles zu bieten.\u201c Wie willenlos und fernab von jeder Realit\u00e4t dort sogar gerade erst 17-j\u00e4hrige aufgrund der Medikamente ihren Knastalltag \u00fcber sich ergehen lassen, sollte ich dann sp\u00e4ter noch sehen (\u2026). Die ersten 1 \u00bd Wochen bis zur Verhandlung bekam ich schon jede Menge Post, sogar aus dem Ausland, die ich allerdings erst nach meiner Wiederkehr vom Gericht erhalten sollte.<\/p>\n<p>Vor Gericht versuchte Frau N. dann von Anfang an den ganzen Fall zu entpolitisieren, obwohl er von Seiten der Staatsanwaltschaft durch den Einsatz vom Staatsschutz doch komischerweise als offensichtlich extrem linkspolitisch eingestuft wurde. Nicht zuletzt hat der Prozess auch tats\u00e4chlich einen erw\u00e4hnenswerten politischen Hintergrund, der zu meiner Entlastung beigetragen h\u00e4tte und nicht so einseitig ist, wie es Staatsanw\u00e4ltin und Richterin sp\u00e4ter darstellen wollten, die auf der Verhandlung leider das letzte Wort haben sollten. Der Sachverhalt wurde unter starker Gewichtung der Zeugen, die gleichzeitig Gesch\u00e4digte und Freunde der Grauzone (Schnittstelle von unpolitisch und Rechts) sind, in etwa so dargestellt, dass ich einfach mal so aus Spa\u00df einen nach dem anderen aus der Gruppe niederstreckte, w\u00e4hrendem wohl immer wieder versucht wurde auf mich \u201eeinzureden\u201c um mich so von meinem Vorhaben abzubringen, statt seine\u201c \u201eFroinde\u201c einfach gegen den \u00fcblen \u201eRotfaschisten\u201c zu verteidigen. Richterin N. erschien das bei einem Studenten, der noch dazu auf Bew\u00e4hrung war als v\u00f6llig logisch. Dass ich selbst eine Beule am Hinterkopf davon trug und ein Kommilitone vor Gericht best\u00e4tigen konnte, dass ich mich vor Ort gegen t\u00e4tliche Angriffe gewehrt hatte, tat dabei nichts zur Sache. Ebensowenig wie die von mir vorgelegten Screenshots vom Facebookeintrag von \u201eGrauzone Rock n Roll\u201c der belegte, dass eigentlich ich in \u201eunlauterer Weise\u201c bedroht wurde und der von Thilo S. mit einem \u201egef\u00e4llt mir\u201c untermalt wurde, um seine Sympathie gegen\u00fcber der Drohung und der eigentlich eher als problematisch einzustufenden Graustufe selbst kundzutun.<\/p>\n<p>So wurde ich aufgrund dessen von Richterin N. zu 10 Monaten ohne Bew\u00e4hrung verurteilt und wurde wieder zur\u00fcck nach Stammheim gebracht. Meine anwesenden Unterst\u00fctzer, Freunde und Genossen (ca. 100 Leute) protestierten hart im Gerichtssaal, was mir viel Kraft f\u00fcr den weiteren Verlauf meines Knastkampfes gab. Ich habe von den Genossen seit dem Tag meiner Inhaftierung sehr viel Solidarit\u00e4t erfahren, die von Anfang an vor dem Knastgeb\u00e4ude laut protestierten, was ich hier drin auch immer mitbekam, manchmal \u00fcber Dritte. Selbst w\u00e4hrend meines Abtransportes vom Gerichtsgeb\u00e4ude flogen noch Gegenst\u00e4nde gegen den Transportbus!<\/p>\n<p>Mittlerweile bin ich 43 Tage Gefangener der deutschen Justiz und habe auch hier drin schon einige Schikanen erfahren m\u00fcssen. So bekam ich z.B. die ganze letzte Woche keine Post, was sehr ungew\u00f6hnlich ist. Normalerweise erhalte ich mindestens 3, 4 Briefe pro Tag, manchmal auch 10. Besuchstermine sind derzeit auch keine eingetragen. Stattdessen sagte mir Ende der Woche ein Beamter, dass nun wohl ein Ermittlungsverfahren gegen mich eingeleitet wurde, wegen einer angeblichen gef\u00e4hrlichen K\u00f6rperverletzung auf einer vergangenen Demonstration in Leonberg. Die zust\u00e4ndigen Beamten seien schon da und ich k\u00f6nne mich sofort \u00e4u\u00dfern (\u2026) F\u00fcr mich war schon klar, dass man hier versucht mir etwas unterzuschieben, um wom\u00f6glich einen negativen Ausgang meiner anstehenden Haftpr\u00fcfung zu provozieren, oder auch durch die vorausgegangene Weichkocherei an diverse Infos zu kommen. Ich lehnte ein Gespr\u00e4ch mit den Beamten selbstverst\u00e4ndlich ab, lehn&#8217; mich entspannt zur\u00fcck und genie\u00dfe den weiteren Verlauf dieser l\u00e4cherlichen Show.<\/p>\n<p>Brechen lasse ich mich jedenfalls nicht, denn schlie\u00dflich sind das alles bekannte Spielchen, die sich st\u00e4ndig wiederholen und einfach zu offensichtlich sind.<\/p>\n<p>So, let the struggle continue!<\/p>\n<p>JVA Stuttgart Stammheim | 21.3.2012<\/p>\n<p>Smily<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Anfang Februar 2012 wurde der Stuttgarter Antifaschist und RASH Aktivist Smily verhaftet. Seitdem sitzt er in der JVA Stuttgart im Stadtteil Stammheim im Knast. Im Folgenden ver\u00f6ffentlichen wir einen von ihm verfassten Erlebnisbericht. Dieser wurde am 21.3. verfasst. Die&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[36,9],"tags":[412,410,411,115,106],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6677"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6677"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6677\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6681,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6677\/revisions\/6681"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6677"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6677"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6677"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}