{"id":6832,"date":"2012-05-12T14:30:27","date_gmt":"2012-05-12T13:30:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=6832"},"modified":"2014-12-27T14:38:28","modified_gmt":"2014-12-27T13:38:28","slug":"pamphlet-rebellisches-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/pamphlet-rebellisches-griechenland","title":{"rendered":"Pamphlet: Rebellisches Griechenland"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Im-Gedenken-an-Alexis-Revolte-in-Griechenland-im-Dezember-2008.jpg\" rel=\"lightbox[6832]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-6833\" title=\"Im Gedenken an Alexis - Revolte in Griechenland im Dezember 2008\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Im-Gedenken-an-Alexis-Revolte-in-Griechenland-im-Dezember-2008-250x165.jpg\" alt=\"Im Gedenken an Alexis - Revolte in Griechenland im Dezember 2008\" width=\"175\" height=\"115\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Im-Gedenken-an-Alexis-Revolte-in-Griechenland-im-Dezember-2008-250x165.jpg 250w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/05\/Im-Gedenken-an-Alexis-Revolte-in-Griechenland-im-Dezember-2008.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 175px) 100vw, 175px\" \/><\/a><em><span class=\"dropcap\">I<\/span>n Anbetracht der Diskussion \u00fcber die soziale Auflehnung in Griechenland am Samstag 12. Mai im <a href=\"http:\/\/fermento.noblogs.org\/\" target=\"_blank\">FERMENTO<\/a> in Z\u00fcrich, publizieren wir hier drei Texte bez\u00fcglich Griechenland als Pamphlet, die in der 3. Ausgabe der internationalen anarchistischen Zeitschrift &#8220;A Corps Perdu&#8221; im September 2010 erschienen sind. Die ganze Ausgabe der 3. Nummer dieser Zeitschrift wird im Juni 2012 auf Deutsch erscheinen. \u00dcbernommen von <a href=\"http:\/\/andiewaisendesexistierenden.noblogs.org\/post\/2012\/05\/10\/rebellisches-griechenland\/\" target=\"_blank\">an die Waisen des Existierenden<\/a><br \/>\n<\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Rebellisches Griechenland<\/h3>\n<p>Der Spiegel des sozialen Friedens beginnt Risse aufzuweisen. Das Haltbarkeitsdatum der sozial-demokratischen Verwaltung Europas scheint \u00fcberschritten und, eine nach der anderen, nehmen dies die nationalen politischen Klassen zur Kenntnis. W\u00e4hrend die gesetzlichen Grundlagen f\u00fcr diese Wende in einigen L\u00e4ndern bereits in relativer Ruhe durch die Parlamente gew\u00e4hlt wurden, haben die Feindschaften in Griechenland ein unerwartetes Ausma\u00df angenommen. Obwohl diese Konfliktualit\u00e4t in die Kontinuit\u00e4t von K\u00e4mpfen gegen den Abbau des \u201eSozialstaates\u201c gestellt werden kann, an die wir bereits gew\u00f6hnt sind, hat sie die Tendenz einen betr\u00e4chtlich anderen Charakter anzunehmen \u2013 w\u00e4hrend sie von vergangenen Erfahrungen, wie jener der Revolte vom Dezember 2008 gen\u00e4hrt wird. Eine \u00dcbereinkunft mit dem Staat im Sinne des alten sozialen Paktes scheint immer unwahrscheinlicher, weil die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Grundlagen daf\u00fcr nicht mehr existieren. Wir stehen also vor neuen Ausgangsbedingungen. Daran gew\u00f6hnt, K\u00e4mpfe zu f\u00fchren, die darauf abzielen, die soziale Befriedung und den Konsens zu durchbrechen, der ihn umgibt, k\u00f6nnten wir bald mit einer neuen Form von Verwaltung konfrontiert sein, die eher darauf abzielt, ein Kriegsklima einzuf\u00fchren. Darum ist es umso notwendiger, neue Perspektiven zu entwickeln, uns darauf einzulassen, einige neue Hypothesen f\u00fcr den sozialen Krieg zu formulieren.<\/p>\n<p>Dies ist, wieso wir hier zun\u00e4chst noch einmal auf die Revolte vom Dezember 2008 zu sprechen kommen wollen. Der erste Text, der einige Zeit vor den aktuellen Ersch\u00fctterungen in Griechenland verfasst wurde, entspringt dem Willen, diesen Dezember 2008 zu evaluieren und seine Grenzen zu umreissen, aber vor allem, entlang der insurrektionellen Perspektiven zu reisen.<\/p>\n<p>Zwei Jahre sp\u00e4ter scheint eine gewisse Unzufriedenheit breite Schichten der griechischen Gesellschaft in Bewegung zu bringen. Diejenigen, die 2008 nicht ohne gro\u00dfe Sympathien, aber dennoch \u201ealleine\u201c dastanden, um die Flammen der Revolte kr\u00e4ftig zu sch\u00fcren, indem sie sie weit \u00fcber den anf\u00e4nglichen Funken hinaustrugen, k\u00f6nnen heute sp\u00fcren, wie um sie herum etwas anzuwachsen beginnt, das versucht, sich gegen\u00fcber der vorprogrammierten Verschlechterung des Lebens so vieler Menschen zu \u00e4ussern.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte diese Verschlechterung, die f\u00fcr einige bereits Realit\u00e4t ist und sich bei anderen gerade ank\u00fcndigt, einer gr\u00fcndlichen sozio-\u00f6konomischen Analyse unterziehen. Man k\u00f6nnte vom Ende eines Zyklus von Umstrukturierung, Liquidierung und Wiederaufbau sprechen. Und seien wir ehrlich, es w\u00e4re nicht ganz uninteressant. Es gibt aber auch eine andere Art und Weise, auf die man versuchen kann, auf die Realit\u00e4t Einfluss zu nehmen, in sie einzudringen, um die Subversion in sie hinein zu tragen. Diese andere Art und Weise, ein Spiel zwischen Theorie und Praxis, eine permanente Provokation von Herausforderungen, versucht eine gewisse Analyse der Situation auf das Terrain der Hypothese und des Experiments zu bringen. Nicht, weil wir Fanatiker des Handelns um des Handelns willen oder des T\u00e4umens um des T\u00e4umens willen w\u00e4ren, sondern weil wir von einem Willen angetrieben werden, unsere Ideen ins Herz der sozialen Konfliktualit\u00e4t zu tragen. Dieser Wille gibt sich nicht damit zufrieden, ein Zuschauer zu sein, sondern sucht permanent nach Anhaltspunkten, um \u2013 \u00e0 corps perdu* \u2013 ins Get\u00fcmmel zu springen. Und wir haben keine Lust, diese Spr\u00fcnge blind und un\u00fcberlegt zu machen. Und eben dies war der Anlass f\u00fcr den zweiten Text.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<br \/>\n* Diese franz\u00f6sische Redewendung bedeutet wortw\u00f6rtlich mit verlorenem K\u00f6rper und steht in etwa f\u00fcr ungest\u00fcm, voller Elan, ohne Berechnung.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Die Pfade der Revolte vom Dezember 2008<\/h3>\n<p>Diese Revolte war eine freiwillige Bewegung, eine bewusste Wahl, auch wenn sie gr\u00f6\u00dftenteils eine Reaktion war. Sie war Ausdruck der Tatsache, den Kampf in erster Person zu leben.<\/p>\n<p><em>Die Wut und der Aufstand<\/em><\/p>\n<p>Sagen wir es, ohne all zu viel zu z\u00f6gern: die Revoltierenden, die w\u00fctenden Proletarier treten vor allem ausgehend von konkreten Situationen in Aktion, wenn sich ein mir reicht\u2019s Gef\u00fchl breit macht. In konfliktreicheren Momenten stellen sie sich, um es so zu sagen, ins Negative gegen\u00fcber der Wirklichkeit, die sie umgibt. Da dieses Negative mit der gelebten Realit\u00e4t in einem dialektischen Verh\u00e4ltnis bleibt, hatte es schon immer Schwierigkeiten, sich von den Ketten der Realit\u00e4t zu l\u00f6sen, der es sich gegen\u00fcberstellt. Oft ist es vielmehr aus diesem Grund, als aus einem tief verwurzelten Reformismus, dass die Revolten der Unterdr\u00fcckten sich nach einer gewissen Zeit in einer Sackgasse wiederfinden, in der die Kraft fehlt, um den qualitativen Sprung zu wagen, sich bereits im Jetzt eine v\u00f6llig andere Welt vorzustellen. Es ist kein Zufall, dass Revolution\u00e4re sich die Frage dieses Sprungs oft gestellt haben, denn eben in ihm liegt der ganze Unterschied zwischen \u201eseine Wut ausdr\u00fccken\u201c und \u201eeine Insurrektion machen\u201c. Von den leninistischen Vorstellungen angewidert und kaum an das Gespenst des gro\u00dfen Tages der Revolution glaubend, der durch den Generalstreik eingeleitet wird, z\u00f6gern wir, uns diese Frage zu stellen&#8230; und so haben wir jene F\u00e4higkeit verloren, die andere noch aufrecht hielten: die Frage der Insurrektion, ihrer Methoden und ihrer Ziele zu stellen.<br \/>\nIm Dezember 2008 versetzt die Wut die Stadtzentren von Griechenland in Feuer und Flamme. Die Verbreitung der zerst\u00f6rerischen Praxis war beeindruckend, eine Frucht jahrelanger Kampferfahrungen und jahrelanger Verteidigung der Notwendigkeit der direkten Aktion. Dennoch ist diese Revolte im Allgemeinen eine Reaktion geblieben, eine wilde Reaktion ja, aber dennoch eine Reaktion. Und selten in der j\u00fcngsten Geschichte waren die Revolution\u00e4re so gut vorbereitet, dass sie unmittelbar die Insurrektion voranstellen (und in ihre Richtung dr\u00e4ngen) konnten, innerhalb einer Situation, in der die Antwort auf die Brutalit\u00e4t der Herrschaft die Form einer sich generalisierenden Revolte annahm. Denn wir m\u00fcssen zugeben, wir h\u00e4tten fast vergessen, dass es in der Vergangenheit Kameraden gab, und nicht nur eine Handvoll, die sich ganz bewusst der insurrektionellen Methode bedienten.<br \/>\nW\u00e4re es, wenn wir die subversiven Potenziale in Betracht ziehen, die heute in Griechenland vorhanden sind, nicht denkbar, die Frage der Insurrektion in einem \u00fcberlegteren Sinn auszuarbeiten, eine Insurrektion, die darauf abzielt, bestimmte Ziele zu erreichen und dabei gleichzeitig den notwendigen Raum zu befreien, um die bestehenden sozialen Verh\u00e4ltnisse zu untergraben? Werden wir jene F\u00e4higkeit wiedererlangen k\u00f6nnen, die wir im Laufe des Niedergangs des Klassenkampfes und der revolution\u00e4ren Initiativen verloren haben? Die Revolte vom Dezember 2008, sowie auch andere j\u00fcngste soziale Explosionen, die wir uns nur schwer vorstellen konnten, machen deutlich, wie sehr es noch immer m\u00f6glich ist, gegen die beste aller Welten* in den Kampf zu ziehen. Ohne einem Optimismus zu verfallen, der in einen Kontext, in dem sich die Reaktion auf die Unterdr\u00fcckung eher um reaktion\u00e4re Ideologien als um befreiende Emanzipation zu kristallisieren scheint, nicht angebracht w\u00e4re, scheint es dennoch, dass wir, so wenige wir auch sind, mehr tun k\u00f6nnen, als blo\u00df von Zeit zu Zeit ein paar Schl\u00e4ge auszuteilen oder schlicht die sozialen Strohfeuer mit subversiven Vorschl\u00e4gen zu begleiten.<br \/>\nWenn wir in die Zukunft blicken, m\u00fcssen wir uns die Frage stellen, ob der qualitative Sprung von den generalisierten Krawallen, die die Fassaden der Herrschaft besch\u00e4digen, zur Insurrektion, die ihre Fundamente ersch\u00fcttert, noch immer m\u00f6glich ist, und falls ja, wie wir diesen Sprung herbeif\u00fchren k\u00f6nnen. Dies hat nichts mit einem Avantgardismus zu tun, wie einige denken k\u00f6nnten, und auch nichts mit einem aktualisierten Blanquismus, wie ihn andere bereits predigen, sondern mit einem Drang, weiter zu gehen, um wieder insurrektionelle Hypothesen aufzustellen und in die Praxis umzusetzen.<br \/>\nAnhand der griechischen Erfahrung machen wir uns auf die Suche, weniger, um kristallklare Antworten zu finden, sondern, um m\u00f6gliche und denkbare Wege aufzusp\u00fcren.<\/p>\n<p><em>Die Frage des Winterpalastes<\/em><\/p>\n<p>Es ist eine alte Metapher, aber manchmal sind selbst die \u00e4ltesten Geschichten die M\u00fche wert, wiederholt und erneut interpretiert zu werden. Die Macht sitzt nicht \u2013 zumindest wenn wir f\u00fcr einen sozialen und nicht f\u00fcr einen politischen Wandel k\u00e4mpfen \u2013 in irgendeinem Winterpalast, den es zu erobern gilt. Es stimmt, um eine banale politische Ver\u00e4nderung zu bewirken, w\u00fcrde es gen\u00fcgen, durch Wahlen oder mit Gewalt den Sitz der Macht einzunehmen, um sie dann auf eine andere Weise fortbestehen zu lassen. Die Fundamente der Macht und der Ausbeutung sind aber die sozialen Beziehungen, und darum muss die revolution\u00e4re Aktivit\u00e4t darauf ausgerichtet sein, diese Beziehungen zu untergraben. Jede insurrektionelle Strategie, die sich dies nicht zur Kernfrage des Problems macht, droht schnell putschistischen Vorstellungen zu verfallen.<br \/>\nDie Revolte vom Dezember 2008 in Griechenland hat sich in den paar Wochen, die sie andauerte, so weit ausgebreitet, dass sie fast alle gro\u00dfen und kleinen St\u00e4dte umfasste, dass der Benzingeruch in fast allen Vierteln zu riechen war und es schwer noch m\u00f6glich war, ihren Schrei nicht zu h\u00f6ren. Aber die Ausbreitung der Revolte war nicht nur das Resultat eines quantitativen Wachstums der Bewegung. Der Grund daf\u00fcr, dass mehr Strukturen angegriffen wurden, war nicht so sehr, dass sich tausende Menschen an die Seite der Revolte geschart haben. Vielmehr war es die Frucht einer sehr wertvollen Entscheidung, n\u00e4mlich derjenigen, sich in keinster Weise zentralisieren zu lassen. Und diese Entscheidung war nicht die Anweisung irgendeines Zentral- oder F\u00fchrungskomitees, sondern das Resultat der fruchtbaren Kreuzbest\u00e4ubung zwischen den Erfahrungen der Vergangenheit und den antiautorit\u00e4ren Ideen. Ebenso war ein Wille anwesend, einen einheitlichen und massenorientierten Ausdruck der Revolte, der sich auf einen Ort oder ein Viertel konzentrieren w\u00fcrde, abzulehnen, und sich stattdessen f\u00fcr eine Vielzahl an nicht aufeinander abgestimmten und zerstreuten Initiativen zu entscheiden.<br \/>\nDie Entscheidung f\u00fcr die Dezentralisierung der Revolte, f\u00fcr eine Bewegung, die sich lieber vertreut als b\u00fcndelt, ist eine Entscheidung, die inspiriert ist von der Zur\u00fcckweisung der Politik, von einer Repr\u00e4sentation, die nach Referenzmomenten strebt, wie die Gro\u00dfdemonstration oder den landesweiten Streiktag,&#8230; Sie ist auch ein Ergebnis der Gewohnheiten von Informalit\u00e4t, die in der anarchistischen Bewegung von Griechenland fest verankert sind, welche sich schon immer geweiger hat, sich um eine Synthesenorganisation (wie zum Beispiel eine anarchistische F\u00f6deration) oder um eine Organisation anarchosyndikalistischen Typs aufzubauen, welche das Spektrum der sozialen Subversion auf den Kampf rund um die Produktionsst\u00e4tten reduzieren w\u00fcrde. Die \u201eSt\u00e4rke\u201c der Anarchisten in Griechenland liegt auch an der Tatsache, dass sie sich nach Affinit\u00e4ten organisieren, in einem sich kontinuierlich ausweitenden Archipel aus Verbindungen zwischen Individualit\u00e4ten und kleinen Gruppen, und dass sie \u2013 auch in ihrem Innern \u2013 das Aufkommen von dominanten Gruppen oder Repr\u00e4sentanten innerhalb des sozialen Kampfs bek\u00e4mpfen.<br \/>\nDiese Revolte strebte also nicht danach, sich eine Repr\u00e4sentation zu erk\u00e4mpfen. Sie hat, in der Praxis, jeglichen Dialog mit der Macht und ihren Konkurrenten verweigert. Sie hat sich geweigert, sich in das Spiel der Forderungen hineinziehen zu lassen, sich in der Suche nach einem Kr\u00e4ftemessen mit dem Staat und seinen Bullen dort zu verlieren, wo sie ihr auflauern.<br \/>\nDie Revolte vom Dezember 2008 war nicht zentralisiert, auch wenn das eine Frage ist, die sich vor allem die Teilnehmer an den Versammlungen in der Polytechnischen Schule, gleich neben Exarchia, gestellt haben. W\u00e4hrend es den Revoltierenden im Laufe der ersten Tage nach dem 6. Dezember gelang, die Ordnungskr\u00e4fte aus Exarchia und aus der Umgebung der besetzten Universit\u00e4ten zu verjagen, hat der Staat nicht gez\u00f6gert, diese erneut zu organisieren und zu versuchen, die Revolte in einem Umkreis von einem Quadratkilometer rund um Exarchia einzud\u00e4mmen. Den Kameraden war sehrwohl bewusst, dass eine Revolte, die sich territorial isolieren l\u00e4sst, dazu verurteilt ist, in einem Blutbad zu enden. Nach diesen ersten Tagen begann die allgemeine Stimmung also wieder umzuschlagen, um sich einer R\u00fcckkehr in die anderen Viertel der Metropole zuzuwenden und so die Initiative \u2013 das einzige Mittel gegen das vorhersehbare Ersticken \u2013 zu behalten.<br \/>\nDiese Zerstreuung stellt sich dem klassischen Konzept der Befreiung von Territorien, das hei\u00dft, Bollwerke zu errichten, indem man die Bullen und Ordnungsvertreter aus ihnen vertreibt, und hofft, beziehungsweise versucht,<\/p>\n<p>dass sich dies wie ein \u00d6lfleck ausweitet, de facto entgegen. Obwohl die Rebellen zahlreich und entschlossen waren, w\u00e4re es unm\u00f6glich gewesen, einen solchen Stellungskrieg zu halten. Tats\u00e4chlich haben es die Bullen bereits in der ersten Woche schnell geschafft, sich neu zu organisieren, um die Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze von Exarchia und die Stra\u00dfen rund um die besetzten Universit\u00e4ten vorl\u00e4ufig wieder einzunehmen \u2013 womit sie die Revoltierenden einluden, sich in einem Kampf nach milit\u00e4rischen Regeln zu verlieren, den sie niemals gewinnen k\u00f6nnten.<br \/>\nOhne St\u00fctzpunkte, ohne \u201eBr\u00fcckenk\u00f6pfe\u201c, ist jeder Versuch einer Insurrektion zum Scheitern verurteilt, das bedeutet jedoch nicht, dass diese St\u00fctzpunkte per se fixiert oder territorial definiert sein m\u00fcssen. Die \u201eBrandherde\u201c der Revolte vom Dezember 2008 befanden sich in der Aktion selbst, in der spontan oder informell organisierten Koordination zwischen den Rebellen. Sie haben sich mit Instrumenten zur Diskussion und Koordination, wie den oft kurzlebigen Versammlungen, ausgestattet. Nur in einigen F\u00e4llen sind diese Versammlungen zu permanenten Organen geworden, womit sie sich de facto immer weiter von den wirklichen Fragen der Revolte entfernten.<br \/>\nObiges gilt umso mehr, da die Revoltierenden, auch in den zerst\u00f6rerischen Aktionen, nicht darauf beharrt haben, immer am selben Ort oder dieselben Ziele anzugreifen. Es f\u00e4llt daher auch schwer, zu verstehen, wieso so viele Artikel und Analysen \u00fcber den Dezember 2008 so sehr auf der Anzahl Versuche insistieren, den Christbaum auf dem Syntagmaplatz erneut anzuz\u00fcnden. W\u00e4hrend all dieser Wochen haben die Revoltierenden ihre F\u00e4higkeit bewiesen, dort anzugreifen, wo sie nicht erwartet wurden, sich zu zerstreuen, wenn es notwendig wurde und sich nicht in eine Konfrontation verstricken zu lassen, die die diffusen Angriffe in einen Grabenkrieg verwandeln w\u00fcrden. Diese Form der Revolte zeugt dar\u00fcber hinaus von ihrem zu tiefst antiautorit\u00e4ren Charakter: sie \u00fcberlie\u00df jedem und jeder die Verantwortung, autonom zu handeln, nach den eigenen Vorstellungen und Einsch\u00e4tzungen, anstatt auf eine Erwartungshaltung auf die n\u00e4chste Krawalldemonstration abzuzielen. Es ist die Spannung eines Strebens nach Dezentralisierung, nach Autonomie und nach der Verantwortung eines jeden k\u00e4mpfenden Individuums, die dieser Revolte erm\u00f6glichte, sich auszuweiten und mehrere Wochen lang anzudauern.<\/p>\n<p><em>Die Fassaden und die Infrastruktur<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der ersten Tage der Dezemberrevolte gelang es den Revoltierenden, einen Teil der Warenzirkulation lahmzulegen, indem sie unz\u00e4hlige sichtbare Strukturen der Herrschaft angriffen, pl\u00fcnderten und in Brand steckten. Im Verlauf der drei Wochen, die die Revolte andauern sollte, wurden mehr als 500 Gesch\u00e4fter, Banken und Regierungsgeb\u00e4ude niedergebrannt.<br \/>\nSehr bald ging es nicht mehr nur darum, anzugreifen, um seine Wut \u00fcber den Mord an Alexis und gegen dieses soziale Gef\u00e4ngnis auszudr\u00fccken, in dem wir alle eingesperrt sind. Die Revolte lie\u00df die M\u00f6glichkeit erkennen, viel weiter zu gehen. Es stellte sich also die Frage, wie man eine R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t verhindern konnte, um so den Raum und die Zeit zu kreieren, die notwendig sind, um gewisse Fragen auf den Tisch zu werfen und die Diskussion und Auseinandersetzung mit allen Ausgebeuteten zu f\u00f6rdern, auch mit jenen, die sich noch in einer \u201eZuschauerrolle\u201c befanden, eine Rolle, in die sie der Staat um jeden Preis zu dr\u00e4ngen versuchte.<br \/>\n\u201eEs ist unm\u00f6glich, im Schatten einer Kirche frei zu denken\u201c, und eben diese Feststellung ist es, die uns veranlasst, eine Triebkraft in Richtung von Br\u00fcchen zu sein. Und dann m\u00fcssen wir in den Spiegel schauen und uns fragen, wie es m\u00f6glich w\u00e4re, die Adern dieser Gesellschaft trocken zu legen. Nicht um ein sogenanntes Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis mit dem Staat und seinen Repr\u00e4sentanten zu entwickeln, nicht um Druck auf die \u201epassiven\u201c Massen auszu\u00fcben, sondern eben um, wenn auch nur vor\u00fcbergehend, die allt\u00e4glichen Klauen der Autorit\u00e4t etwas zu l\u00f6sen und den Raum zu schaffen, der in dem Bruch entsteht, um die richtigen Fragen zu stellen.<br \/>\nIm Spanien vor 1936 versuchten es die Revolution\u00e4re mit einer Insurrektion nach der anderen. Es w\u00e4re sicherlich interessant, auf diese Periode genauer einzugehen, um die Entwicklung insurrektioneller Hypothesen, ihre praktische Umsetzungen und ihre Auswirkungen zu verstehen. Hier aber wollen wir nur einen Aspekt anf\u00fchren, der uns sehr zutreffend scheint: trotz der Tatsache, dass die Technologien damals viel weniger entwickelt waren als heute, versuchten die Aufst\u00e4ndischen bereits ab der ersten Stunde der Insurrektion (ja sogar schon ein kleines bisschen vorher&#8230;) alle Kommunikations- und Transportmittel zu unterbrechen. Im Laufe der Vorbereitungen und w\u00e4hrend der Insurrektion in Asturien von 1934 hatten sich die Aufst\u00e4ndischen organisiert, um die Eisenbahnlinien abzuschneiden, denn diese st\u00e4hlernen Monster konnten in wenigen Stunden hunderte Soldaten herbeischaffen oder, umgekehrt, Waffen und Fertigprodukte, die von gewisser N\u00fctzlichkeit waren, aus der kaum eroberten Stadt herausschaffen<br \/>\nEbenso wie es willkommen w\u00e4re, wenn das Fernsehen w\u00e4hrend einer Revolte, die sich generalisiert, einmal eine Zeit lang schweigen w\u00fcrde, so w\u00e4re es auch n\u00fctzlich, wenn die Produktion, falls sie nicht durch Streiks oder Sabotagen am Arbeitsplatz blockiert wird, etwas unterbrochen wird und die Zirkulation sich auf die Bewegungen der Aufst\u00e4ndischen reduziert. Im Grunde sind Kommunikation und Produktion von der Infrastruktur, das hei\u00dft, von der Elektrizit\u00e4t, den Telefonverbindungen, den Verkehrsadern und dem unaufh\u00f6rlichen Informationsfluss derart abh\u00e4ngig geworden, dass man kein gro\u00dfartiger Spezialist sein muss, um diese lahm zu legen.<\/p>\n<p>Die zwei Jahrzehnte verstreuter Revolte in Griechenland und ihre soziale Verteidigung haben im Dezember 2008 ihre Fr\u00fcchte getragen. Im Laufe der Jahre wurden, sowohl auf der Ebene der Gegeninformation als auch auf der Ebene des Angriffs, die Strukturen des Feindes identifiziert und f\u00fcr die Augen aller sichtbar gemacht, die noch sehen wollen. Wichtiger als jede Vorbereitung oder Strategie, war es diese bewusste und willentliche Entscheidung f\u00fcr den Angriff, hier und jetzt, die dieser Revolte die notwendige Luft zum Atmen gegeben hat, ein Sauerstoff, der sie ebenfalls befl\u00fcgelte, um \u00fcber die Grenzen hinaus zu fliegen. Es bleibt dennoch nicht weniger wahr, dass die Frage, in Momenten, die solche M\u00f6glichkeiten \u00f6ffnen und in denen alles auf dem Spiel stehen kann, nicht darauf reduziert werden darf, m\u00f6glichst viele Fassaden der Herrschaft zu zerst\u00f6ren, sondern eben darauf abzielen sollte, Schritte in Richtung des Angriffs auf die Infrastrukturen zu machen. Denn in seinen Kellern bewahrt der Staat ganze Kartographien der Bev\u00f6lkerung auf und in den Forschungszentren gewinnen die k\u00fcnftigen t\u00f6dlichen Projekte der Herrschaft St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck an Form. Ohne uns Illusionen dar\u00fcber zu machen, dass die Zerst\u00f6rung von auch all dem ebenfalls die bestehenden sozialen Verh\u00e4ltnisse umw\u00e4lzen w\u00fcrde, k\u00f6nnten wir zumindest versuchen, den Weg f\u00fcr die Subversion offen zu halten, indem wir jene Projekte behindern, welche die M\u00f6glichkeit dieser Subversion f\u00fcr immer belasten k\u00f6nnen.<br \/>\nDie Tatsache, dass eine Generalisierung der Revolte Br\u00fcche erm\u00f6glicht, die tiefer gehen, als in Zeiten des \u201eFriedens\u201c, bedeutet nicht, dass sie deswegen als etwas betrachtet werden kann, dass von allen anderen, oft spezifischen oder partiellen K\u00e4mpfen, die bis dahin gef\u00fchrt worden sind, losgel\u00f6st ist. Wir k\u00f6nnten das Ansteigen der sozialen Temperatur und die wachsende St\u00e4rke ausnutzen, um die M\u00f6glichkeiten zu evaluieren, diese K\u00e4mpfe zu einem Endpunkt, zu einem Ziel zu bringen. So w\u00fcrden wir noch immer zu einer Ausweitung der Revolte beitragen, indem wir die Subversion in Gebiete bringen, in denen bereits gek\u00e4mpft wird. Indem wir beispielsweise den wachsenden sozialen Groll mit dem kleinen Bisschen verbinden, das oft noch fehlt, um den Bau irgendeines sch\u00e4dlichen Projektes zu verhindern. Dies w\u00fcrde uns erm\u00f6glichen, zwischen dem was vor, w\u00e4hrend und nach der Intensivierung des sozialen Krieges stattfindet, ein Band zu schmieden.<\/p>\n<p><em>Die Besetzungen<\/em><\/p>\n<p>Eine der wesentlichen Fragen, die sich sowohl die Revoltierenden als auch diejenige gestellt haben, die versuchten, die Bewegung zu analysieren, lautet: Wie w\u00e4re es m\u00f6glich, mehr Menschen mit einzubeziehen? Nicht nur im quantitativen Sinn, sondern vielmehr in Bezug auf die sozialen Kategorien. Wie beispielsweise die Kluft schlie\u00dfen, die die Randalierenden auf der Stra\u00dfe von den Arbeitern in den Produktionsst\u00e4tten oder von den Migranten in den Vierteln trennte?<br \/>\nZuallererst, und mit dem Risiko, pessimistisch zu sein, was die \u201ehistorischen Missionen\u201c der Arbeiterklasse, der Prek\u00e4ren oder der Migranten betrifft, sollt gesagt sein, dass oft vergessen wird, dass es f\u00fcr die befreiende Revolte unentbehrlich ist, aus den sozialen Rollen herauszutreten. Es ist wahr, dass die Revolte von dort ausgehen muss, wo wir stehen, sie muss sich aber auch, um insurrektionelle All\u00fcren anzunehmen, gerade gegen da richten, wo wir stehen. Und wenn es von gr\u00f6\u00dfter Wichtigkeit ist, aus seiner sozialen Rollen herauszutreten, wie k\u00f6nnen wir unsere Perspektiven dann darauf st\u00fctzen, die Ohren irgendeiner sozialen Kategorie zu \u00f6ffnen? Wir w\u00fcrden nichts anderes tun, als diese zu reproduzieren. W\u00e4re es im Gegenteil nicht denkbar, eine Entwicklung von Perspektiven anzugehen, die jeden auffordert, die t\u00e4gliche Knechtschaft und deren Rollen zur\u00fcckzulassen? Nicht wenige Kameraden waren \u00fcberrascht, als sie sahen, wie sich hunderte \u201eMigranten\u201c, obwohl sie mit aktivistischer Viktimisierung bombardiert wurden, der Bewegung der Revolte anschlo\u00dfen und sich an den Krawallen, Pl\u00fcnderungen, etc. beteiligten.<br \/>\nEin Versuch, um zur territorialen und sozialen Verbreitung der Revolte beizutragen, war im Dezember 2008 das Besetzen von Geb\u00e4uden und die Verwandlung dieser in Orte der Begegnung und der Diskussion. Die Kameraden hatten es sich bereits zur Gewohnheit gemacht, in Momenten wachsender Konfliktualit\u00e4t verschiedene Universit\u00e4ten zu besetzen. Dies war auch Anfang Dezember 2008 nicht anders. W\u00e4hrend die ersten Versammlungen in diesen besetzten Universit\u00e4ten stattfanden, wurden in allen Ecken Griechenlands auch dutzende Schulen besetzt. Diese Schulbesetzungen dienten weniger als Bezugspunkte und Diskussionsr\u00e4ume, sondern waren Ausgangspunkte, um gemeinsam wilde Demonstration zu starten oder, um Blockaden oder Angriffe vorzubereiten. Sie waren sozusagen beinahe technische Werkzeuge, die zur Koordination und Organisation der Initiativen notwendig waren.<br \/>\nSp\u00e4ter wurden in verschiedenen Vierteln von Athen Verwaltungsgeb\u00e4ude und Rath\u00e4user besetzt. W\u00e4hrend diese einerseits eine Antwort auf die materiellen N\u00f6te der Revoltierenden boten, waren sie auch dazu berufen, eine andere Rolle zu spielen: eine Rolle der Selbstverwaltung. Dies war beispielsweise bei der Besetzung des Rathauses von Halandri der Fall, wo die Besetzer die Gemeindeangestellten gebeten haben, ihre T\u00e4tigkeiten zur Unterst\u00fctzung von B\u00fcrgern und Migranten (haupts\u00e4chlich das Ausstellen von Aufenthaltsbewilligungen) fortzusetzen und ihre \u201esch\u00e4dlicheren\u201c T\u00e4tigkeiten niederzulegen. Hier taucht eine interessante Frage auf, die sich fast ausschlie\u00dflich in einem Kontext einer generalisierten Revolte stellt: Was anfangen mit dem Bestehenden, wenn man seine Aufmerksamkeit bereits auf das richtet, was nach der Revolte, sowohl im positiven wie auch im negativen Sinne, kommen wird? Einerseits gibt es die M\u00f6glichkeit, die neuralgischen Infrastrukturen der Herrschaft zu zerst\u00f6ren (wie beispielsweise in den Rath\u00e4usern die Grundb\u00fccher und Bev\u00f6lkerungsregister, die ganze Steuerb\u00fcrokratie, ausstehende Bezahlungen, Melderegister, etc.), wodurch eine schnelle R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t erschwert wird. Andererseits k\u00f6nnte man meinen, dass ein gewisser Pragmatismus, falls die Revolte nicht pl\u00f6tzlich in die Revolution m\u00fcndet, einer insurrektionellen Logik nicht per se schaden w\u00fcrde. Wenn Geld verbrannt wird, dann ist das, um gewisse Fragen auf den Tisch zu bringen, aber w\u00e4re die Aneignung von Geld w\u00e4hrend einer Revolte nicht schlichtwegs eine Vorbereitung auf die n\u00e4chste Insurrektion? Gilt dies dann nicht auch f\u00fcr alle Arten von Ausweispapieren? Das Terrain ist vielleicht heikel, aber diese Fragen dr\u00e4ngen sich auf und k\u00f6nnen schwerlich, sei es auf rein ideologische oder auf rein strategische Weise, au\u00dferhalb von bestimmten Kontexten beurteilt oder gekl\u00e4rt werden.<br \/>\nAber kommen wir zur\u00fcck auf die Besetzungen. Die meisten Versammlungen [frz.: assembl\u00e9es] fanden innerhalb dieser Besetzungen statt, was jedoch nicht bedeutet, dass sie vor faulen Mechanismen gefeit w\u00e4ren, nur weil sie im Kontext eines Kampfes stattfinden. Die Repr\u00e4sentations- und Delegationsmechanismen wuchern w\u00e4hrend Versammlungen, bei denen mehr als hundert Menschen anwesend sind, fr\u00f6hlich vor sich hin, vor allem wenn es darum geht, zu einer gemeinsamen Entscheidung zu gelangen. Nun, wie k\u00f6nnen wir vermeiden, dass Versammlungen, die notwendige Instrumente zur Koordination und Begegnung sind, zu kleinen antagonistischen Parlamenten werden? Wie kann verhindert werden, dass sie sich die Macht verschaffen, Beschl\u00fcsse zu fassen und im Namen ihrer Teilnehmer zu sprechen? K\u00f6nnen wir uns Versammlungen nicht als Diskussions-Momente vorstellen, anstatt als entscheidungstreffende Instanzen? Lasst uns deutlich sein: auch wenn die \u201eResolutionen\u201c, die im Dezember 2008 von den Versammlungen angenommen wurden, \u00fcberwiegend einen anti-autorit\u00e4ren Charakter hatten, so \u00e4ndert das im Grunde nichts am Problem, wie man verhindern kann, dass die Repr\u00e4sentations- und Delegationsmechanismen reproduziert werden. Denn ein Miniparlament, das f\u00fcr eine anarchistische Resolution stimmt, wird immer ein Parlament bleiben, ein Quell von Mediation und ein Hemmschuh f\u00fcr die freie Assoziation und die freie Initiative. Man k\u00f6nnte sich also auch fragen, wie es m\u00f6glich ist, dass Texte erscheinen konnten, die von solchen Versammlungen unterzeichnet sind. Es scheint mir fast undenkbar, dass hunderte Menschen sich in einer freien und horizontalen Art, gemeinsam, \u00fcber Texte von zwei Seiten ausdr\u00fccken konnten&#8230; Wie man es auch dreht und wendet, verschwiegen und verborgen oder nicht, es ist der Abstimmungs und der Delegationsmechanismus, der dies erm\u00f6glicht. W\u00e4re es stattdessen nicht denkbar, alle zu ermutigen, das niederzuschreiben, was er oder sie denkt, ohne es durch irgendeinen Stempel legitimieren zu m\u00fcssen (wie die Unterzeichnung mit \u201eVersammlung von&#8230;\u201c), und einen Text in dem Masse zu beachten, wie er anspricht, inspiriert oder auf bestimmte Fragen antwortet? Eine freie Zirkulation von Ideen zu ermutigen, die nicht nach irgendeiner Repr\u00e4sentation streben?<br \/>\nEine der Besetzungen, die in gewissen Milieus viel kommentiert und manchmal auch verherrlicht wurde, war jene des Gewerkschaftssitzes der GSEE. Dieses Geb\u00e4ude wurde von Basissyndikalisten, autonomen Kommunisten und anti-autorit\u00e4ren Kameraden besetzt. Sie ver\u00f6ffentlichten mehrere Texte, die mit \u201edie Besetzer\u201c unterzeichnet waren, Texte, die vor allem zur Selbstorganisation aufriefen (es ist nicht ganz klar, ob sie damit die Selbstorganisation des Kampfes ausserhalb jeglicher Repr\u00e4sentation, oder schlicht das Organisieren von \u201eBasisgewerkschaften\u201c meinten) und eine gro\u00dfe \u201eproletarische\u201c Beteiligung anstrebten.Ich gehe davon aus, dass es auch f\u00fcr die Besetzer offenkundig war, dass die Gewerkschaften und der Syndikalismus Hilfsstrukturen der kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse sind. Warum also sollte man ihre Geb\u00e4ude besetzen? Weil ihre Zerst\u00f6rung von den Gewerkschaftlern schlecht aufgefasst w\u00fcrde? Weil eine Besetzung beweisen w\u00fcrde, dass ein Kampf ausserhalb der Gewerkschaften m\u00f6glich ist \u2013 obwohl dies auf der Strsse bereits f\u00fcr jeden sichtbar war, der Augen hat und sehen will? Oder etwas, weil es der Bewegung eine gewisse Legitimit\u00e4t geben w\u00fcrde, wenn Strukturen des Feindes erobert werden? Dies scheint mir dasselbe Paradox zu sein, wie jenes, das Parlament zu besetzen, um die Selbstorganisation zu verk\u00fcnden. Vergessen wir auch nicht, dass sich ein Teil der Besetzer des GSEE physisch gegen Kameraden widersetzte, die die Archive und das Material der Gewerkschaft zerst\u00f6ren wollten; und dass sie sogar die T\u00fcren des Geb\u00e4udes verschlossen hielten, als Menschen draussen auf der Stra\u00dfe versuchten, einem Polizeiangriff zu entkommen. Auch die besten Absichten verhindern nicht, dass es zu Abrutschern in die Politik kommt und diese die Revolte St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck von innen anfrisst.<\/p>\n<p><em>Die Pl\u00fcnderungen<\/em><\/p>\n<p>Ab dem dritten Tag nach der Ermordung von Alexis begannen sich die Pl\u00fcnderungen zu verbreiten. Viele andere Leute, die sich nicht nur mit der Polizei konfrontierten, sondern auch versuchten, sich einiger Waren zu bem\u00e4chtigen, schlossen sich den Revoltierenden an. der Zauber des Respekts vor dem Eigentum anderer schmolz weg wie Schnee in der Sonne. Dass sich die Ausgebeuteten auf einmal selbst bedienen, ohne einen Zwischenh\u00e4ndler mit einzubeziehen, ist ein sch\u00f6ner Kontrast zur Gewohnheit der freiwilligen Untert\u00e4nigkeit, zum \u00fcblichen Loblied auf die Arbeit und zum \u201eman muss sich sein Leben verdienen\u201c.<br \/>\nAls auf einmal Menschen mit den H\u00e4nden voller Mobiltelefone, Computer, Radios, etc. zur besetzten Polytechnischen Schule zur\u00fcckkamen, fanden dort Diskussionen von mehreren Stunden dar\u00fcber statt, was damit angefangen werden sollte. Letztendlich wurden die gepl\u00fcnderten Waren verbrannt. Auch wenn dies nur eine kurze Episode war (der Gro\u00dfteil der gepl\u00fcnderten Waren wurde nat\u00fcrlich mit nach Hause genommen), \u00f6ffnet sie den Weg f\u00fcr eine interessante Fragestellung. Wenn es zwar stimmt, dass der Respekt vor dem Privateigentum w\u00e4hrend Pl\u00fcnderungen dahinzuschmelzen scheint, so handelt es sich dabei nicht per se um Angriffe gegen die kapitalistische Akkumulation oder die Warenlogik. Der Unterschied zwischen einer Pl\u00fcnderung, die sich aneignen will, und einer Pl\u00fcnderung, die enteignen will, liegt wahrscheinlich in ihrem Warum, in ihrer Intention. Genauso wie alle anderen, k\u00f6nnen auch Revolution\u00e4re, durch die M\u00f6glichkeiten, die sich konkret ergeben, die Gelegenheit einer Revolte ausnutzen, um an die Zukunft, an das Danach zu denken und sich im Hinblick auf kommende K\u00e4mpfe materiell zu versorgen. Es w\u00e4re eher traurig, wenn man aus einem insurrektionellen Moment mittelloser herauskommt, als man es vorher war. Hier unterscheidet sich das Warum jedoch sehrwohl von denjenigen, die pl\u00fcndern, um die Waren anschlie\u00dfend auf dem Markt weiterzuverkaufen, und somit die kapitalistische Akkumulation innerhalb einer Intensivierung der Subversion fortf\u00fchren. Ja, es gibt einen Unterschied: Pl\u00fcnderungen sind illegal, w\u00e4hrend die Lohnausbeutung legal ist, was jedoch ver\u00e4ndert das in Bezug auf den Angriffe gegen die kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse? Vielleicht w\u00e4re es besser, davon abzusehen, die Pl\u00fcnderungen zu verherrlichen (im Stil von einer \u201elegitimen Wiederaneignung der Ausgebeuteten, um sich ein St\u00fcck des \u201eProdukts ihrer Arbeit\u201c zur\u00fcckzuholen\u201c); ebenso, wie es fehl am Platz w\u00e4re, die Pl\u00fcnderungen zu verurteilen (im Stil von \u201cdie Ausgebeuteten wollen nur selbst Kapitalisten werden). Vielleicht k\u00f6nnen wir einfach sagen, dass Pl\u00fcnderungen normal sind, und dass sich die Tiefe der Subversion proportional zur Ver\u00e4nderung der Haltung gegen\u00fcber den Waren, zum Warum der Pl\u00fcnderung und zum konkret Werden der Enteignungsfrage verh\u00e4lt.<br \/>\n\u201eAuf dass jeder nach seinen Bed\u00fcrfnissen nehme\u201c war eine alte Devise der sozialen Revolution. Sie bleibt noch immer g\u00fcltig, sowohl zu Zeiten einer Insurrektion als auch zu Zeiten des sozialen Friedens, sowohl in kollektiver als auch in individueller Hinsicht. Doch angesichts des immer tieferen Eindringens der Warenlogik, m\u00fcssen wir aus der Dialektik zwischen kapitalistischer Enteignung und einfacher Aneignung heraustreten, insbesondere, wenn man die Entwicklung von immer sch\u00e4dlicheren Technologien in Betracht zieht. Wie k\u00f6nnen wir die Frage der Bed\u00fcrfnisse von dem losl\u00f6sen, was uns die kapitalistische Gesellschaft als unsere Bed\u00fcrfnisse einh\u00e4mmert? Eine Insurrektion, die nicht f\u00e4hig ist, sich diese Fragen zu stellen, wird sich schnell in einer Sackgasse wiederfinden, in der die Revolte unvermeidlich durch den Kapitalismus absorbiert wird. Es w\u00e4re mutiger, sich diese Fragen zu stellen, ohne in einen asketischen Moralismus zu fallen, anstatt einfach das \u201ejeder nach seinen falschen Bed\u00fcrfnissen\u201c zu bejubeln.<\/p>\n<p><em>Das Warum artikulieren<\/em><\/p>\n<p>Wenn es der Revolte nicht gelingt, die Rollen, die uns diese Gesellschaft auferlegt, umzust\u00fcrzen, wird sie schnell sterben. W\u00fcrden wir denken, dass die Domestizierung der Individuen durch ihre Umgebung und ihre soziale Rolle unumst\u00f6\u00dflich sei, w\u00fcrde dies das Ende des Traumes von der sozialen Revolution und allgemeiner von jeglicher Emanzipation bedeuten. Aber gl\u00fccklicherweise widerlegt die Realit\u00e4t der Revolte solch d\u00fcstere Gedanken, die ein fruchtbarer Boden sind f\u00fcr einen Zynismus, der letzten Endes die M\u00f6glichkeit der Subversion negiert, oder f\u00fcr eine aristokratische Selbstverherrlichung, die die Ausgebeuteten so sehr verachtet, dass sie diese gleicherma\u00dfen als Feinde betrachtet, wie die Ausbeuter.<br \/>\nDas \u00e4ndert aber nichts daran, dass es, solange sich die Ausgebeuteten weiterhin als solche definieren und ihre Revolten weiterhin auf die soziale Rolle abstimmen, die ihnen auferlegt wird, keiner Explosion, wie gro\u00df diese auch sein mag, gelingen wird, die sozialen Verh\u00e4ltnisse umzust\u00fcrzen und mit dem Rollenspiel dieser Gesellschaft reinen Tisch zu machen. In den zahlreichen Kommuniqu\u00e9s, die im Dezember 2008 das Licht der Welt erblickten, lie\u00dfen Migranten, Soldaten, Sch\u00fcler, revoltierende Jugendliche, w\u00fctende Arbeiter, etc., ihre \u201eZustimmung\u201c zur Revolte erkennen, indem sie ihre soziale Bedingung in den Vordergrund stellten. Nat\u00fcrlich kritisieren sie ihre Bedingung, doch fanden es fast alle wichtig, sich zu definieren, sich dieses oder jenes Etikett zu geben und auf diese Weise die auferlegten Kategorien auf sich zu nehmen. Nat\u00fcrlich sagt es viel aus, wenn nicht nur ein spezifischer \u201eSektor\u201c in Bewegung ger\u00e4t und die anderen sich anschlie\u00dfen, aber das wichtigste sind nicht die \u201eSektoren\u201c, sondern die Motivationen, die Warum\u2018s, die Verlangen nach dem Umsturz ihrer Bedingung. Es ist dieser qualitative Sprung, der als Zeichen einer insurrektionellen Perspektive betrachtet werden kann, vielmehr als die Tatsache, dass sich \u201eandere Kategorien\u201c dem Kampf hinzuf\u00fcgen.<br \/>\nDie Frage bleibt allerdings noch immer dieselbe. Wie und auf welchen Grundlagen k\u00f6nnen die Revoltierenden einander begegnen und sich in der Revolte zusammenschlie\u00dfen? Reicht es, die Wut zu teilen oder einander im gemeinsamen Angriff gegen die Strukturen dieser Welt zu begegnen? Oder ist der insurrektionelle Prozess eben jener qualitative Sprung heraus aus der Dialektik zwischen der unterdr\u00fcckenden Realit\u00e4t und der rein zerst\u00f6rerischen Negation davon?<br \/>\nEs ist lange her, dass wir so massenhafte Solidarit\u00e4tsbekundungen gesehen haben, wie w\u00e4hrend dieses Dezembers 2008. \u00dcberall auf der Welt mussten die Strukturen von Staat und Kapital Sch\u00e4den erleiden, nicht nur mit der Solidarit\u00e4t im Herzen, sondern auch der Entschlossenheit, das Feuer der Revolte auch im eigenen Kontext zu sch\u00fcren. Die Revolte in Griechenland hat Revoltierende von anderswo inspiriert, im Bewusstsein, dass es einen sozialen Sturm braucht, um in einer gemeinsamen Spannung nach Freiheit Komplizen zu finden und Banden zu schmieden. Vielleicht k\u00f6nnen wir aus den Spuren dieser internationalen Solidarit\u00e4t einen Versuch herauslesen, ein bestimmtes Warum zu artikulieren. \u00dcber die Grenzen und sozialen Kategorien hinaus, haben sich die Rebellen woanders in der M\u00f6glichkeit wiedererkannt, alles auf eine Karte zu setzen.<\/p>\n<p><em>Der Wille<\/em><\/p>\n<p>Viele Analysen (und haupts\u00e4chlich nicht diejenigen, die aus Griechenland kamen) schieben unaufh\u00f6rlich die \u201eKrise\u201c, die \u201ebesondere Brutalit\u00e4t der griechischen Polizei\u201c oder auch die \u201eKorruption und Schw\u00e4che des griechischen Staates\u201c in den Vordergrund. \u00dcber diejenigen, die ewig auf der Suche nach \u201eobjektiven Bedingungen\u201c sind, k\u00f6nnten wir uns am\u00fcsieren, indem wir dutzende Gegenbeispiele nennen, bei denen praktisch niemand auf den Mord durch einen Polizisten reagiert hat und bei denen die \u201eAntwort des Proletariats\u201c auf eine Krise vor allem darin zu bestehen schien, sich so schnell wie m\u00f6glich anzupassen. Ich will hier nicht den Einfluss der sozialen und \u00f6konomischen Situation auf m\u00f6gliche Revolten abstreiten, doch es gibt schlicht kein Ursache-Wirkungs Verh\u00e4ltnis zwischen Unterdr\u00fcckung und Revolte, und genauso wenig gibt es eine \u201eBewegung des Kapitals\u201c, welche die Ausgebeuteten per se revoltieren l\u00e4sst.<br \/>\nEs w\u00e4re eine Mystifizierung, die Revolte vom Dezember 2008 als eine automatische Konsequenz der verschlechterten Lebensumst\u00e4nde darzustellen. Sie war eine freiwillige Bewegung, eine bewusste Wahl, auch wenn sie gr\u00f6\u00dftenteils eine Reaktion war. Sie war Ausdruck der Tatsache, den Kampf in erster Person zu leben \u2013 und nicht als Spielstein der historischen Entwicklung. Und dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen wir sagen, dass sie das Ergebnis jahrelanger, hartn\u00e4ckiger K\u00e4mpfe von Anarchisten und anderen sozialen Rebellen war. Diese Revolte zeigt einmal mehr, dass die revolution\u00e4re Aktivit\u00e4t, in all ihren Aspekten, auch in Zeiten geringerer sozialer Konfliktualit\u00e4t ebenso wichtig ist, und dass sie jederzeit Fr\u00fcchte tragen kann, auch wenn die sozialen Explosionen manchmal sehr weit entfernt scheinen.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>[Text geschrieben im November 2009] <\/em><\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<br \/>\n* Der franz\u00f6sische Begriff \u201cLe meilleur des mondes\u201d wurde 1710 von dem Philosophen Leibniz gepr\u00e4gt, der behauptete, dass Gott die \u201cbeste aller m\u00f6glichen Welten\u201d geschaffen hat. Es ist auch der franz\u00f6sische Titel des dystopischen Romans Brave New World (Sch\u00f6ne neue Welt) von Aldous Huxley.<\/p>\n<hr \/>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Reise ins Herz einer M\u00f6glichkeit<\/h3>\n<p>Auch wenn die \u00dcberraschung ein ganz angenehmes Gef\u00fchl sein kann, so sollten wir doch alles daransetzen, dass wir den gegenw\u00e4rtigen Herausforderungen nicht als hilflose Kommentatoren beiwohnen, ertr\u00e4nkt in der Passivit\u00e4t, die uns die Herrschaft einfl\u00f6ssen will.<\/p>\n<p>Die Umstrukturierungen, die gegen Ende des Zweiten Weltkrieges oder in anderen L\u00e4ndern nach der Zeit der Diktaturen unternommen wurden, setzten jahrelang auf einen Sozialstaat, der imstande war, diese Neubegr\u00fcndung des Kapitalismus zu begleiten und dessen soziale Spannungen zu verwalten. Seit den 80er Jahren sind die sogenannten \u201esozialen Errungenschaften\u201c jedoch stark in Beschuss geraten und im Laufe der 90er Jahre beschleunigte sich ihr Abbau und Zerfall auf ein Tempo, das vom internationalen Kontext und von den lokalen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen bestimmt wurde. Die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, der Abbau der sozialen F\u00fcrsorge und des Rentensystems, die Liberalisierung und anschlie\u00dfende Privatisierung des Energie-, Kommunikations- und Transportsektors ersch\u00fctterten das, was viele lange Zeit f\u00fcr Sicherheiten hielten.<br \/>\nIm Grunde ist die \u201eFinanzkrise\u201c des vergangenen Jahres keine Krise, sondern eine Konsequenz dieser neuen Umstrukturierungen. Jenseits der enormen Summen, die von vielen Staaten provisorisch bereitgestellt wurden, um einige Banken zu \u201eretten\u201c, wurden vor allem die Verk\u00e4ufe von Unternehmen und \u201e\u00f6ffentlichen\u201c Industrien fortgesetzt. Infolgedessen verbleiben die Staaten massiv verschuldet und einige der Rezepte, die ihre Kassen h\u00e4tten wiederauff\u00fcllen k\u00f6nnen, wurden bereits ausgesch\u00f6pft. Sie werden also weiterhin ins Fleisch der Menschen schneiden m\u00fcssen. Die heutige Situation in Griechenland liefert uns ein Vorgeschmack dessen, was uns auch in anderen L\u00e4ndern erwartet.<br \/>\nDie Sparpl\u00e4ne, die heute schon in England, Spanien, Italien, Griechenland und vielen anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern eingef\u00fchrt werden, sind dem, was jahrzehntelang eines der Paradigmas des \u201eSozialstaates\u201c war \u2013 der Erh\u00f6hung des Konsums auf dem Binnenmarkt \u2013 diametral entgegengesetzt. Einerseits reduziert der griechische Staat den Zugang zum Konsum (mit Lohn- und Rentensenkungen) und andererseits erh\u00f6ht er die direkten und indirekten Steuern drastisch, um noch etwas Geld in die Taschen zu kriegen. Das deklarierte Ziel ist nicht l\u00e4nger die in Europa so gepflegte \u201eIntegrierung der Armen\u201c, es wird offen hingenommen, dass sich eine ganze Bev\u00f6lkerungsschicht, die bereits dem Elend ausgesetzt ist, nun einer verst\u00e4rkten Ausbeutung unterordnen muss und sich damit gl\u00fccklich sch\u00e4tzen soll. In groben Z\u00fcgen wurde diese Richtung schon seit Jahren auch von der europ\u00e4ischen Migrationspolitik eingeschlagen. Angesichts einer kontinuierlich anwachsenden Migration, verwaltet die sogenannte Festung Europa die Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me schon immer durch Regularisierungen und Erh\u00f6hungen der Abschiebekapazit\u00e4t, jedoch eng verbunden mit immer prek\u00e4reren Arbeitsvertr\u00e4gen. Die Existenz einer Unterschicht in der Bev\u00f6lkerung wird also ausdr\u00fccklich, je nach Anforderungen des Marktes, akzeptiert und erw\u00fcnscht.<br \/>\nGewisse Konflikte der vergangenen Jahre (Argentinien 2001 oder Bangladesch vor allem 2006) waren bereits Zeichen einer Versch\u00e4rfung des \u00f6konomischen Krieges. Die heutigen Ereignisse in Griechenland sind die europ\u00e4ische Best\u00e4tigung davon. Obwohl sich immer dunklere Zeiten ank\u00fcndigen, und die gegenw\u00e4rtige Schw\u00e4che der sozialen und revolution\u00e4ren Kritik wird dies nicht widerlegen, versp\u00fcren wir die Intuition, dass auch f\u00fcr uns neue Zeiten anbrechen k\u00f6nnen, Zeiten, die M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen k\u00f6nnten, die wir lange Zeit aus den Augen verloren. Aber dies sicherlich nicht, indem wir uns nach Begr\u00fcndungen im Stil von \u201eje schlimmer desto besser\u201c richten. Auch wenn die \u00dcberraschung ein ganz angenehmes Gef\u00fchl sein kann, so sollten wir doch alles daransetzen, dass wir den gegenw\u00e4rtigen Herausforderungen nicht als hilflose Kommentatoren beiwohnen, ertr\u00e4nkt in der Passivit\u00e4t, die uns die Herrschaft einfl\u00f6\u00dfen will.<\/p>\n<p><em>Im Land von Prometheus<\/em><\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen in die Geschichte ziemlich weit zur\u00fcckgehen, um einen Moment und einen Ort zu finden, an dem die revolution\u00e4re \u2013 und dar\u00fcber hinaus gr\u00f6\u00dftenteils antiautorit\u00e4re \u2013 Bewegung f\u00e4hig war, den sozialen Entwicklungen und dem sozialen Kampf so nahe zu stehen, wie dies momentan in Griechenland der Fall ist. Es ist das vorl\u00e4ufige Resultat von vielen Jahren Kreuzbest\u00e4ubung zwischen der griechischen anarchistischen Bewegung, in ihrer ganzen Vielfalt, und einer bestimmten sozialen Kampfbereitschaft. Viele Male haben die griechischen Anarchisten an der Seite der sich auflehnenden Unterdr\u00fcckten gestanden, w\u00e4hrend sie gleichzeitig bewiesen haben, imstande zu sein, auch in Zeiten zu k\u00e4mpfen, in denen der Rest der Gesellschaft in die andere Richtung blickte. Unsere Feinde sind sich dessen mindestens ebenso bewusst wie wir. Griechenland war nicht nur das erste Land der Eurozone, das drastische soziale Ma\u00dfnahmen gegen die Ausgebeuteten vornehmen musste; Griechenland war und ist nicht nur eine wichtige Basis f\u00fcr milit\u00e4rische Operationen haupts\u00e4chlich in Richtung der Balkanl\u00e4nder und gleichzeitig eine Pforte nach Europa f\u00fcr Migranten aus dem Osten; es ist auch ein Land, das sich mit gro\u00dfen sozialen Spannungen und einer hartn\u00e4ckigen revolution\u00e4ren Aktivit\u00e4t konfrontiert sieht.<\/p>\n<p>Heute, da die institutionelle Linke an der Macht ist, kann sie nicht mehr auf althergebrachte Weise ihre Rolle als Rekuperateurin und Hemmschuh des sozialen Kampfes spielen. Diese Karte verspielte sie bereits, als sie auf der Basis eines \u201eprogressiven Programms\u201c, infolge der Explosion vom Dezember 2008 in die Regierung gew\u00e4hlt wurde. Der Spielraum der griechischen politischen Klasse hat sich also betr\u00e4chtlich verringert, und im Falle einer Ausbreitung und Verh\u00e4rtung der Konflikte \u00f6ffnen sich ihr zwei \u2013 historisch gesehen keineswegs neue \u2013 Wege: entweder es gelingt der harten Rechten, gest\u00fctzt auf einen latenten Patriotismus und den Anforderungen des nationalen und internationalen Kapitals entgegenkommend, die Ordnung mit Hilfe einer technischen Regierung und eiserner Hand wiederherzustellen; oder es erscheint die M\u00f6glichkeit einer Insurrektion am Horizont. Es steht viel auf dem Spiel.<br \/>\nFast das ganze Jahr 2009 \u00fcber wurde Griechenland von einer langen Reihe von Streiks, Blockaden, Demonstrationen und Angriffen gegen die Strukturen der Macht ersch\u00fcttert. Die St\u00f6rung der Wirtschaft war gro\u00df, als Tausende Landwirte die Autobahnen und die H\u00e4fen blockierten und somit aufzeigten, das es m\u00f6glich ist, den Kampf auf eine andere Art anzugehen, als die Streiks und die von den Gewerkschaften dirigierten Demonstrationen. Konfrontiert mit einer wachsenden Spekulation \u00fcber die griechischen Staatsschulden (wobei angemerkt werden sollte, dass ein Gro\u00dfteil der griechischen Schulden in den H\u00e4nden \u201egriechischer\u201c Banken liegt) und mit dem explosionsartigen Anwachsen der Haushaltsdefizite, schaltete die sozialistische Regierung anfangs 2010 in den f\u00fcnften Gang hoch, was auch eine Beschleunigung der Protestbewegungen provozierte. Es ist nicht \u00fcbertrieben, von einem \u201eKriegsklima\u201c zu sprechen, sowohl auf wirtschaftlicher, wie auch auf politischer und sozialer Ebene. Ab Anfang 2009 bis heute hat die Regierung die L\u00f6hne und Renten schlagartig reduziert (mit K\u00fcrzungen von 10-30%), die direkten und indirekten Steuern erh\u00f6ht, die Ausbildung umstrukturiert und das \u00f6ffentliche Gesundheitswesen quasi abgeschafft. Um die Strukturen des Staates aufrechterhalten zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die politische Klasse und die wirtschaftliche Elite Griechenland m\u00f6glichst schnell in ein Paradies der Ausbeutung verwandeln, in eine Speerspitze der Eurozone. Der griechische Staat erkl\u00e4rt den unteren Klassen offen den Krieg und versucht blo\u00df noch mittels des Patriotismus und des Spektakels des \u201erevolution\u00e4ren Terrorismus, der die Gesellschaft bedroht\u201c, den Schein einer gewissen \u201eSorge um das Volk\u201c aufrechtzuerhalten.<\/p>\n<p>F\u00fcr die bestehenden Institutionen in Griechenland ist die Situation ziemlich kritisch und es ist lange her, dass ein europ\u00e4ischer Staat den hei\u00dfen Atem einer m\u00f6glichen Insurrektion in seinem Nacken versp\u00fcrte. Aber lasst uns nichts \u00fcberst\u00fcrzen. Trotz bedeutungsvoller, aber begrenzter Konflikte (w\u00e4hrend der Demonstration vom 5. Mai 2010 in Athen konnte der Gewerkschaftsf\u00fchrer der GSEE kaum zwei Worte sagen, bevor er von hunderten Demonstranten verjagt wurde), halten sich die meisten Proteste an die Richtlinien der sozialdemokratischen Gewerkschaften, der stalinistischen Partei KKE und einiger linker Strukturen, wie etwa der PAME, haupts\u00e4chlich weil diese immer noch die Grundlage einiger formeller Initiativen wie der Generalstreiks bilden. Trotz zahlreicher praktischer Erfahrungen von Selbstorganisation in den Stra\u00dfen (bei Demonstrationen, Besetzungen und Aufruhren), haben die Proteste die notwendige Bekr\u00e4ftigung ihrer Autonomie noch immer au\u00dfer Acht gelassen. Kombiniert mit einer recht brutalen Polizeirepression und einem medialen Terror, besteht die Gefahr darin, sich in einen Verschleisskrieg verwickeln zu lassen. Ohne behaupten zu wollen, dass der unbeschr\u00e4nkte Generalstreik (im Gegensatz zu den 24-st\u00fcndigen \u201eAktionstagen\u201c) der Vorbote eines insurrektionellen Moments sei, steht dennoch au\u00dfer Frage, dass die Lahmlegung der wirtschaftlichen T\u00e4tigkeit und der Warenzirkulation notwendig ist. Dazu m\u00fcsste in Richtung einer Dezentralisierung der Initiativen, oder mit anderen Worten, einer bekr\u00e4ftigten Selbstorganisation des Kampfes gedr\u00e4ngt werden, um die Initiative den Gewerkschaften zu entrei\u00dfen und einen Raum zu kreieren, der sich den R\u00fcckrufen zur Ordnung widersetzt. Eine M\u00f6glichkeit scheint darin zu bestehen, auf dezentralisierte und diffuse Weise auf die Lahmlegung der wirtschaftlichen Infrastruktur hinzuarbeiten. Und diese Angelegenheit geht nicht nur die revolution\u00e4re Minderheit etwas an, wie es einige glauben m\u00f6gen, es ist im Gegenteil ein praktischer Vorschlag, der sich an alle richtet, der sich von vielf\u00e4ltigen Erfahrungen n\u00e4hrt und bei dem Kreativit\u00e4t und Verbreitung jede wirtschaftliche oder milit\u00e4rische Auffassung \u00fcberwiegen.<\/p>\n<p>Es ist also klar, dass die Frage der Selbstorganisation weit \u00fcber die Problematik hinausgeht, eine breite Lahmlegung der wirtschaftlichen Infrastruktur zu erreichen. Diese ist nur ein Teil, wenn auch ein notwendiger Teil des Weges, oder besser, der Wege, die die Subversion beschreitet. Zurzeit vermehren sich die selbstverwalteten Besetzungen und die Versammlungen in Vierteln, Schulen,&#8230; Die Herausforderung besteht nun darin, dass sie sich nicht als eine der m\u00f6glichen Oppositionsoptionen gegen den Stand der Dinge innerhalb der gleichen Reihe wie die Gewerkschaften und Parteien verstehen. Die Herausforderung besteht darin, dass sie die Politik zur\u00fcckweisen, dass sie sich mit einer kommunikativen Kraft gegen\u00fcber anderen Revoltierenden ausstatten, und mit einer stummen und feindseligen Kraft gegen\u00fcber allen Institutionen, selbst den \u201eoppositionellen\u201c. Ein Projekt wie die Errichtung von Basisgewerkschaften (was gegenw\u00e4rtig zur Frage steht), l\u00e4uft in diesem Sinne, abgesehen von den anderen Problematiken, die die anarcho-syndikalistische Logik aufwirft, Gefahr, ziemlich bald ins Netz zu gehen und sich \u2013 trotz allem \u2013 auf dem Terrain des Feindes wiederzufinden. Die Selbstorganisation stirbt, sobald sie als eine Form von Gegenmacht verstanden wird (egal, ob sie sich nun mit der alten Etikette der \u201eDiktatur des Proletariats\u201c, der etwas moderneren der \u201eKlassenautonomie\u201c oder der j\u00fcngsten des \u201ehorizontalen Netzwerks\u201c schm\u00fcckt). Nicht nur, weil sie schlie\u00dflich sehr bald alle Mechanismen der Politik und der Autorit\u00e4t in ihrem Innern reproduzieren wird (die Repr\u00e4sentation und die Hierarchie), sondern auch, weil sie dazu verleitet sein wird, die Strukturen des Feindes, die scheinbar vernachl\u00e4ssigbar seien und abgeschw\u00e4cht wirken, intakt zu lassen. Diese Feststellungen sind nicht neu, sie k\u00f6nnen auch aus den Erfahrungen der Pariser Kommune 1871, der Arbeiterr\u00e4te, der spanischen Revolution 1936 oder des j\u00fcngsten Volksaufstands in Argentinien 2001 gezogen werden. Halten wir uns auch bewusst, dass der R\u00fcckgang des Elans von Selbstorganisation schon immer Hand in Hand ging mit Fragen, die an das \u00dcberleben gebunden waren. Und wenn diese Fragen schon vor hundert Jahren komplex waren, so sind sie es heutzutage umso mehr, in einer Welt, in der die technologische und industrielle Abh\u00e4ngigkeit jede Perspektive einer sozialen Revolution schwer belastet. Daf\u00fcr zu sorgen, dass diese Fragen auf den Tisch kommen, wenn Erfahrungen von Selbstorganisation gemacht werden, ist sicherlich nur ein erster Schritt.<\/p>\n<p><em>Das Duell verweigern<\/em><\/p>\n<p>Die Insurrektion ist nicht das Werk von Revolution\u00e4ren und Anarchisten alleine. Sie ist sozial, und zwar nicht nur in dem Sinne, dass sie einen gro\u00dfen Teil der Ausgebeuteten mit einschlie\u00dft, sondern vor allem, weil sie die bestehenden sozialen Rollen untergr\u00e4bt, indem sie die Strukturen zerst\u00f6rt, die sie aufrecht halten. Ebenso wie sie sich nicht gegen Ausgebeutete richtet, um der Ausbeutung ein Ende zu setzen, sondern gegen die Strukturen und Menschen, die die Ausbeutung erm\u00f6glichen, so darf sie sich auch nicht in die Ecke einer Verherrlichung des \u201eVolkes\u201c oder \u201eder Ausgebeuteten\u201c treiben lassen, deren Resignation, oder sogar Guthei\u00dfung, letzten Endes die Kr\u00e4fte sind, die die Maschine am Laufen halten. Die Revolte vom Dezember 2008 hat diese Problematik wieder aktuell gemacht, und alle Vorschl\u00e4ge, die darin entstehen konnten, haben versucht, die Umzingelung der Resignation zu durchbrechen. Zwei Jahre sp\u00e4ter, mit einer Unzufriedenheit, die auf sozialer Ebene einiges verbreiteter scheint, bekommen diese Sorgen eine andere Wendung. Auch wenn es sicher stimmt, das die Resignation noch immer Verw\u00fcstungen anrichtet, scheint es dringender, andere Wege zu finden, Wege, die nicht zu einem Abbruch, einer Stagnation des Konfliktes f\u00fchren, sondern ihn jenseits der Modelle der politischen Opposition ausbrechen lassen. In der Tat kann diese Stagnation die Form einer Unzufriedenheit annehmen, die in die Politik eintaucht (mit beispielsweise den Irrwegen irgendeiner Art von \u201eGegenmacht\u201c, einschlie\u00dflich jener der Versammlungen), sie kann aber auch, ungeachtet der Absichten der Anh\u00e4nger des Paradigmas der Stadtguerilla, aus einer Militarisierung des Konfliktes entstehen,.<br \/>\nDer Staat hat in Zeiten, in denen die sozialen Spannungen explosionsartig anwachsen, alles Interesse daran, den Konflikt als Zweikampf, als Duell zwischen zwei \u201eFraktionen\u201c darstellen zu k\u00f6nnen (in diesem Fall der Staat gegen die Anh\u00e4nger der \u201eStadtguerilla\u201c, mit der Bev\u00f6lkerung als Zuschauer). Nicht, dass er in einem gegebenen Moment nicht auch die anarchistische Bewegung als Gesamtheit f\u00fcr diesen Zweck gebrauchen und in einem gro\u00dfen Spektakel verschlucken lassen k\u00f6nnte \u2013 dies ist sogar ziemlich wahrscheinlich \u2013, dennoch scheint es nicht sehr schlau, ihm die Sache zu erleichtern, indem wir selbst \u2013 mehr oder weniger explizit \u2013 Hierarchien unter den unterschiedlichen Angriffsformen gegen die Strukturen des Staates und des Kapitals aufstellen. Die Insurrektion hat keine Avantgarden oder Besch\u00fctzer n\u00f6tig, als Feindin aller Fetischismen fordert sie nichts anderes, als die Entschlossenheit, den Wind der Subversion durch die ganze Gesellschaft zu blasen. Wenn die Frage der Waffen aufkommt, sollte sie in der Perspektive einer Bewaffnung von allen, einer Generalisierung der Offensive gestellt werden; wir d\u00fcrfen die bewaffnete Tat nicht auf diese oder jene Gruppe, Bezeichnung oder Fraktion abschieben lassen.<\/p>\n<p>Der griechische Staat beginnt, auf einer raschen Militarisierung des Konfliktes zu insistieren, und er hofft darauf, dass die Anarchisten die Initiative daf\u00fcr ergreifen werden. Er verst\u00e4rkt also die spezifische Repression und den Terror gegen die anarchistische Bewegung; er hat mittlerweile klargestellt, dass es weiterhin Tote geben wird, dass er vor den Augen aller foltern wird, dass er nicht z\u00f6gern wird, die milit\u00e4rische Besetzung (eines Viertels wie Exarchia zum Beispiel) weiter voranzutreiben, und dass er offen para-staatliche und faschistische Truppen benutzen wird. Der Staat will die Anarchisten nicht nur vom sozialen Kampf isolieren und ihre Dynamiken zerschlagen, sondern sie auch in eine Spirale zerren, worin die Logik des Auge um Auge, Zahn um Zahn herrscht, mit Konterschl\u00e4gen seitens der Anarchisten, die sicherlich richtig und mutig sind, deren Preis jedoch das Zur\u00fcckweichen der Subversion in breiten Schichten der Gesellschaft sein k\u00f6nnte. Der Staat benutzt die Medien bewusst in einem konter-insurrektionellen Blickwinkel, dessen Ziel es ist, den Terror zu verbreiten, die Bev\u00f6lkerung in Angst zu versetzen (mit dem Schreckgespenst der \u201e\u00fcber Griechenland herfallenden Migrantenhorden\u201c, der \u201eanarchistischen Terroristen\u201c, der \u201eblutr\u00fcnstigen R\u00e4uber\u201c,\u2026). Der Staat h\u00e4lt sich nicht mehr dadurch aufrecht, dass er den sozialen Frieden und die Vers\u00f6hnung erkauft, sondern dadurch, dass er immer offener all jenen den Krieg erkl\u00e4rt, die k\u00e4mpfen. Es ist nicht einfach, die Falle zu vermeiden, um nicht in die Netze eines milit\u00e4rischen Konfliktes verstrickt zu werden, der zweifellos der Totengr\u00e4ber f\u00fcr jedwelches Projekt von Subversion w\u00e4re. Lasst uns einander recht verstehen, denn die heutigen Zeiten erfordern es, reinen Wein einzuschenken: dies ist kein Pl\u00e4doyer daf\u00fcr, die Waffen zu senken, es geht hier nicht um einen Diskurs, der behauptet, die \u201einsurrektionelle Gewalt ver\u00e4ngstige die Proletarier und m\u00fcsse daher eingeschr\u00e4nkt werden\u201c. Es ist im Gegenteil eben der Moment f\u00fcr jeden und jede, alles daran zu setzen, sich die Waffen zu verschaffen, die er oder sie gebrauchen will; die Notwendigkeit des Angriffs m\u00f6glichst breit mit all jenen zu teilen, die nicht l\u00e4nger vor dem Altar der Nation und der Wirtschaft niederknien wollen; dem Angriff den Platz zu geben, der ihm schon immer zukommen m\u00fcsste: ein Akt der bewussten Zerst\u00f6rung einer feindlichen Struktur, und nicht ein Medium der eigenen Selbstpromotion. Die Subversion weicht zur\u00fcck, wenn die Kameraden nur sprechen, nachdem sie einen Schuss abgegeben haben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser letzten Jahren ist in Griechenland, erst zaghaft und heute mit gr\u00f6\u00dferer Wucht, ein weiteres Ph\u00e4nomen aufgetaucht. Oder besser gesagt, hat es den subversiven Himmel mit unerfreulichen Wolken verdunkelt. Einige nannten es \u201eNeo-Nihilismus\u201c, und seine Anh\u00e4nger selbst begraben uns unter einer ganzen Reihe von Adjektiven, die von \u201enihilistisch\u201c, \u201eanarchistisch\u201c, \u201eindividualistisch\u201c, \u201eantisozial\u201c\u2026 bis zu \u201eterroristisch\u201c und \u201emilitaristisch\u201c gehen \u2013 Adjektive, deren gegenseitige Unvereinbarkeit das einzige zu sein scheint, was sie gemeinsam haben. Vielleicht w\u00e4re es hier zun\u00e4chst angebracht, uns in Erinnerung zu rufen, wer die \u201erussischen Nihilisten\u201c waren. Abgesehen von der Tatsache, dass der Nihilismus anfangs eine philosophische und literarische Str\u00f6mung war, die vom Materialismus, vom Asketismus und vom Individualismus gepr\u00e4gt wurde, wird er sich sp\u00e4ter (um 1860-1890) vor allem durch Attentate gegen die hohen Pers\u00f6nlichkeiten des zaristischen Regimes ausdr\u00fccken. Oft opferten die Nihilisten ihr eigenes Leben, um einen besonders abscheulichen Machthaber zu beseitigen. Gleichzeitig unternahmen sie viele Anstrengungen, um ihre Ideen (die zu diesem Zeitpunkt eine manchmal seltsame Mischung aus Anarchismus und revolution\u00e4rem Sozialismus waren, aber stets verbunden mit dem philosophischen Nihilismus) unter dem Volk und vor allem unter den Bauern zu verbreiten. Auch dies taten sie oft unter einer Gefahr f\u00fcr ihr eigenes Leben, denn im Allgemeinen, wie Volin es gut beschrieben hat, verehrten die Bauern den Zaren, ihren \u201eGro\u00dfen Vater\u201c auf eine fast mystische und religi\u00f6se Weise. Die F\u00e4lle, in denen die Nihilisten und Revolution\u00e4re von Bauern an die Polizei verraten oder gleich selbst gelyncht wurden, sind unz\u00e4hlbar. Aber trotz allem, und eben durch den Wunsch gest\u00e4rkt, in einer Welt von Individuen und nicht von Untertanen zu leben, sind diese Revolution\u00e4re weiterhin \u201eauf das Volk zugegangen\u201c. Die d\u00fcstere russische Gestalt Netschajew, dessen Katechismus des Revolution\u00e4rs vor allem jegliche Art von Manipulation lobpreist, wird oft mit diesen Nihilisten gleichgestellt. So wurden sie alle \u00fcber einen Kamm geschoren und es entstanden Missverst\u00e4ndnise und Verwirrungen, deren Echos im heutigen Griechenland die schlimmsten Positionen hervorgebracht haben. Die Konsequenzen davon sind f\u00fcr all jene, die versuchen, die Idee einer befreienden Revolution voranzutragen, alles andere als nebens\u00e4chlich. Denn die Revolution wird nicht, um ihre Sprache zu gebrauchen, gegen die Sklaven des Kapitalismus gef\u00fchrt, sondern gegen die Meister und gegen all jene, die gerne ihren Platz einnehmen w\u00fcrden. Aber das gen\u00fcgt diesen Protagonisten des \u201eNichts\u201c nicht, die von einer eher schlecht verdauten Lekt\u00fcre Nietzsches getrieben werden: sie wollen \u00fcberall Feinde haben, gegen alle Krieg f\u00fchren, w\u00e4hrend sie die Kritik an den sozialen Verh\u00e4ltnissen (aus denen die Gesellschaft besteht) mit jener an Individuen verwechseln. Um die Zusammenarbeit der Ausgebeuteten mit dem System aufzuzeigen, k\u00f6nnen sie sich jeden beliebigen Arguments, auf jede beliebige Weise bedienen. Ein Dieb, der von \u201eeinem B\u00fcrger\u201c festgehalten wird, bringt sie dazu, Drohungen auszusprechen, die gegen die ganze Gesellschaft, in weniger verh\u00fcllten Worten, gegen die ganze Bev\u00f6lkerung gerichtet sind. Ein Kampf von Arbeitern um bestimmte Forderungen wird in ihren Augen zu einer Beleidigung gegen\u00fcber der revolution\u00e4ren Spannung. F\u00fcr sie ist die Agitation nicht daf\u00fcr da, den Humbug der Wahlen aufzudecken, diejenigen zu kritisieren, die an Wahlen glauben und zum Angriff gegen die Politik anzustacheln, sondern schlicht dazu, all jene, die zur Urne gehen, zu bestrafen, oder ihnen mit der Bestrafung zu drohen.<br \/>\nDie Kritik an der Resignation der Ausgebeuteten ist sicherlich ein Kern der anarchistischen Ideen und Aktivit\u00e4ten, welche sich f\u00fcr die Revolte und die gewaltsame Insurrektion aussprechen, doch niemals indem die Ausgebeuteten mit den Ausbeutern auf eine selbe Ebene gestellt werden. Diejenigen, die denken, dass sie auf aristokratische Weise \u201efrei\u201c sind, dies zu tun, sollten sich bewusst machen, dass eine tiefe Kluft sie von denjenigen trennt, die vom Traum von Freiheit f\u00fcr jeden und jede, und nicht von jenem der Freiheit gegen alle und alles angetrieben werden.<\/p>\n<p><em>Von einem Hier und einem Dort<\/em><\/p>\n<p>Heute, da in Griechenland lange aufgestaute M\u00f6glichkeiten mit aller Gewalt versuchen, in das Bestehende einzufallen, dr\u00e4ngen sich auch f\u00fcr Kameraden anderer L\u00e4nder Fragen auf, die keinen Aufschub zulassen. Nicht nur, weil das, was sich dort abspielt, mit gr\u00f6\u00dfter Wahrscheinlichkeit einen Einfluss auf alle Anarchisten und Revolution\u00e4re in Europa und dar\u00fcber hinaus haben wird, sondern vor allem, weil die M\u00f6glichkeit einer Ansteckung t\u00e4glich denkbarer wird. Wir wollen hier nicht eine Art Domino-Theorie wieder ausgraben, aber, angesichts der immer engeren und tieferen internationalen Verschachtelung der wirtschaftlichen und staatlichen Strukturen auf dem alten Kontinent (mit dem Projekt der Europ\u00e4ischen Union als eine ihrer formellen Strukturen), scheint uns klar, dass es eine Selbstverblendung w\u00e4re, die Grenzen der Gebiete, in denen wir wohnen, der Nationalstaaten, in denen wir unsere K\u00e4mpfe f\u00fchren, als un\u00fcberwindbare Horizonte zu verinnerlichen. Die alte Frage des Internationalismus dr\u00e4ngt sich wieder auf und verlangt nach neuen Antworten.<br \/>\nGr\u00f6\u00dftenteils sind es dieselben Fragen, die schon im Dezember 2008 an den T\u00fcren der Gef\u00e4hrten angeklopft haben, nur, dass es heute noch um viel mehr geht. Auch wenn eine Reise nach Griechenland durchaus die M\u00fche wert sein kann, um Erfahrungen auszutauschen und zu teilen, bevorzugen wir es, uns die Frage zu stellen, wie wir in unseren eigenen Kontexten weiter gehen k\u00f6nnen, als das blo\u00dfe Ausdr\u00fccken von internationaler Solidarit\u00e4t, und wie unsere Aktivit\u00e4ten \u00fcber ein ermutigendes und gro\u00dfherziges Klopfen auf die Schultern unserer griechischen Kameraden hinaus gehen k\u00f6nnen, die momentan so viel zu verlieren, aber vor allem so viel zu gewinnen haben.<br \/>\nLasst uns in Betracht ziehen, dass alle K\u00e4mpfe und Gesten der Revolte, angesichts der Ausweitung des sozialen Krieges in Griechenland, eine gr\u00f6\u00dfere Bedeutung erhalten werden. Nicht, weil sie auf die eine oder andere Weise einen direkten Druck auf die griechischen Institutionen aus\u00fcben w\u00fcrden, sondern eben, weil sie die gef\u00fcrchteten Tr\u00e4ger einer Ansteckung sein k\u00f6nnten. Teils objektiv und teils durch eigenes Bem\u00fchen, ist es m\u00f6glich, die verschiedenen \u201elokalen\u201c K\u00e4mpfe mit dem sozialen Krieg in Griechenland zu verbinden, und vice versa, eben weil dies die logische Konsequenz einer sozialen Verkn\u00fcpfung ist, einer \u00c4hnlichkeit von Situationen, die sich, so suggeriert uns unsere Intention, bereits morgen auch in \u201eunseren\u201c Gegenden ereignen k\u00f6nnten. Und es zeugt gewiss nicht von schlechtem Willen, festzustellen, dass die subversiven Kr\u00e4fte in vielen L\u00e4ndern viel schw\u00e4cher sind als in Griechenland und mit der Allgegenw\u00e4rtigkeit einer rabiaten Reaktion zu k\u00e4mpfen haben (denken wir nur an Italien, wo der Rassismus und die politische Verwaltung durch eine erschreckende Zustimmung in breiten Bev\u00f6lkerungsschichten totalit\u00e4re Konturen annehmen). Darum dr\u00e4ngt sich die Notwendigkeit auf, \u00fcber die Solidarit\u00e4t hinaus zu gehen, und wirklich zu versuchen, unsere K\u00e4mpfe international miteinander zu verkn\u00fcpfen. Jeder Schlag, der heute ausgetragen wird, k\u00f6nnte eine Bedeutung haben, die \u00fcber ihn hinausgeht. So k\u00f6nnte endlich, auch in unseren Perspektiven, der Logik eines Hier und eines Dort ein Ende gesetzt werden.<br \/>\nObwohl es scheint, dass die laufende wirtschaftliche Umstrukturierung aus einer generalisierten Instabilit\u00e4t ihr neues Akkumulationsgebiet machen will (im Gegensatz zu vor einigen Jahrzehnten), ist auch eine andere Destabilisierung m\u00f6glich, eine, die der Herrschaft nicht zu Gute kommt. Wir sollten dar\u00fcber nachdenken, ernsthaft nachdenken. W\u00e4re es nicht m\u00f6glich, auf einige Analysen und Hypothesen zu kommen, die den lokalen Kontext mit dem verbinden w\u00fcrden, was wahrscheinlich die ganze Eurozone betreffen wird, und so die F\u00e4higkeit zu entwickeln, die heute laufenden K\u00e4mpfe aufgrund ihrer potenziell destabilisierenden Auswirkungen zu evaluieren? Die Herausforderung scheint es uns jedenfalls wert, versucht zu werden. Um einander zu st\u00e4rken, dort, wo ein gewonnener Kampf in diesem weiten sozialen Krieg \u00fcber sein erstes konkretes Resultat hinausgehen kann; um zu versuchen, unsere Aktivit\u00e4ten im Lichte ihrer Beziehung zu den Aktivit\u00e4ten ein paar hundert Kilometer weiter entfernt zu sehen. Der Versuch, uns auf diese Pfade zu begeben, k\u00f6nnte uns vielleicht helfen, insurrektionelle Hypothesen zu entwickeln, zu vermeiden, allzu sehr \u00fcberrascht zu werden und uns auf einen Weg zu begeben, der versucht, die gegenw\u00e4rtige Unzufriedenheit und Wut, die in vielen L\u00e4ndern pr\u00e4sent ist und sich manchmal auf verwirrte Weise ausdr\u00fcckt oder ohne emanzipatorische Perspektiven bleibt, in Richtung des sozialen Krieges gegen jede Form von Ausbeutung und Autorit\u00e4t zu ziehen.<\/p>\n<p><em>Der Traum<\/em><\/p>\n<p>Eine insurrektionelle Hypothese braucht nicht nur Analysen und Aktivit\u00e4ten. Sie bleibt tote Buchstaben oder ein Schlag ins Wasser, wenn sie ihr Warum nicht zu kommunizieren wei\u00df. Obwohl sie eine Methode, ein praktischer Vorschlag an alle ist, kann sie in diesen Zeiten nicht auf die Anwesenheit einiger vager, aber diskutierter Konzepte von Befreiung zur\u00fcckgreifen. Die Konzepte, die durch den sozialen Kampf vorangetragen, durch ihn kommunizierbar gemacht wurden, gibt es nicht mehr. Wir m\u00fcssen es wagen, uns die Frage zu stellen, wie wir wieder einen Traum aufleben lassen k\u00f6nnen, nicht als Trugbild, nicht als Mythos, sondern als eine Gesamtheit von lebendigen Intentionen. Der revolution\u00e4re Beitrag zum sozialen Kampf sollte sich nicht nur darauf reduzieren, destruktive Vorschl\u00e4ge anzubringen und zur Revolte anzustacheln. Sein insurrektioneller Charakter zeigt sich deutlicher, wenn es ihm nicht nur gelingt, den Feind zu identifizieren und eine Negativit\u00e4t in Gang zu setzen, die sicherlich allen W\u00fctenden und all jenen Mut gibt, die die Ketten der Resignation zerschlagen wollen, sondern wenn es ihm auch gelingt, zu kommunizieren, wof\u00fcr er k\u00e4mpft, und dies bereits hier und jetzt in seinem Innern zu beleben.<br \/>\nIn diesem Sinne haben zwei Jahrzehnte Ideo logisierung der revolution\u00e4ren Ideen gro\u00dfe Sch\u00e4den angerichtet. Wir sind Waisen von Ideen, die ihre Denkbarkeit verloren zu haben scheinen. Wir m\u00fcssen aus der Ecke herausbrechen, in die wir gedr\u00e4ngt wurden, und aufh\u00f6ren, diese Situation kl\u00e4glich zu verherrlichen. Die Konfliktualit\u00e4t, die zur Zeit anw\u00e4chst, und die einen ziemlich anderen Charakter annehmen k\u00f6nnte, als das, was wir bisher nur allzu gut kannten, bietet uns reelle M\u00f6glichkeiten, wieder zu experimentieren und die ideologische Umzingelung unserer Basis zu durchbrechen. Der Widerspruch der Subversion verbirgt sich in der Spannung zwischen der Ann\u00e4herung an die Realit\u00e4t und dem Ausbrechen aus dem Rhythmus, um zu kommunizieren, was f\u00fcr unm\u00f6glich gehalten wird.<\/p>\n<p>Vielmehr als eine akkurate Einsch\u00e4tzung der Situation, in der wir uns befinden, sind diese Worte eine Aufforderung, ja ein Aufruf, unsere K\u00f6pfe zu \u00f6ffnen und zu versuchen, den sich anbahnenden Herausforderungen direkt in die Augen zu schauen. In den kommenden Zeiten k\u00f6nnte vieles auf dem Spiel stehen, und die einzige Sicherheit, die wir haben, ist, dass Tr\u00e4gheit und ideologische Verblendung noch schwerwiegendere Folgen werden haben k\u00f6nnen als sie bisher schon hatten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Spiegel des sozialen Friedens beginnt Risse aufzuweisen. Das Haltbarkeitsdatum der sozial-demokratischen Verwaltung Europas scheint \u00fcberschritten und, eine nach der anderen, nehmen dies die nationalen politischen Klassen zur Kenntnis. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6833,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[1,454,34],"tags":[147,75,92,44,709],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6832"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6832"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6832\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10599,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6832\/revisions\/10599"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6833"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6832"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6832"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6832"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}