{"id":686,"date":"2008-05-30T23:03:58","date_gmt":"2008-05-30T21:03:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=686"},"modified":"2012-05-02T04:37:02","modified_gmt":"2012-05-02T03:37:02","slug":"thomas-meyer-falk-freilassung-von-meyer-falk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/thomas-meyer-falk-freilassung-von-meyer-falk","title":{"rendered":"Thomas Meyer-Falk: Freilassung von Meyer-Falk?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" rel=\"lightbox[686]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-662\" title=\"faust-durchs-gitter\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" alt=\"faust-durchs-gitter\" width=\"115\" height=\"120\" \/><\/a>Vor bald 12 Jahren wurde ich von der Polizei verhaftet und 1997 zu 11 Jahren 6 Monaten Haft, sowie Unterbringung in der Sicherungsverwahrung verurteilt. In drei weiteren Prozessen kamen insgesamt f\u00fcnf Jahre drei Monate hinzu, da sich diverse Politiker und Juristen im Staatsdienst von mir beleidigt und wahlweise bedroht oder gen\u00f6tigt f\u00fchlten.<br \/>\nZwei Drittel der Strafen waren im November 2007 verb\u00fcsst; deshalb beantragte ich im Vorfeld meine Freilassung aus der Haft. Denn gem. \u00a7 57 Strafgesetzbuch ist eine Entlassung nach 2\/3 der Haftzeit m\u00f6glich, sofern dies \u201eunter Ber\u00fccksichtigung des Sicherheitsinteresses der Allgemeinheit\u201c zu verantworten ist, sprich es darf keine weitere Straff\u00e4lligkeit zu erwarten sein (faktisch erfolgt nur in ca. 30 % der F\u00e4lle solch eine vorzeitige Freilassung).<br \/>\n<!--more--><br \/>\nBedingt durch \u00dcberlastung der Richter, Krankheit des Vorsitzenden Richters Kleinheinz und einen Verteidigerwechsel, zog sich das Verfahren hin.<\/p>\n<p>Die Vollzugsanstalt Bruchsal, in Gestalt von Frau Oberregierungsr\u00e4tin G\u00f6bel, nahm mehrfach Stellung: Eine vorzeitige Entlassung k\u00f6nne ihrer Ansicht nach nicht bef\u00fcrwortet werden.<br \/>\nUrs\u00e4chlich sei, dass ich keine \u201eechte Empathie mit den Opfern (meiner) Taten\u201c zum Ausdruck bringe, vielmehr den objektiven Tatbestand in Frage stelle, wenn ich schreibe, Politiker\/Richter h\u00e4tten sich von mir bedroht g e f \u00fc h l t.<br \/>\nGespr\u00e4che mit Sonder-\/Fachdienster der Anstalt w\u00fcrde ich ablehnen. Zwar sei ich im \u201eUmgang mit den Bediensteten der JVA (&#8230;) deutlich zur\u00fcckhaltender geworden\u201c (bezogen auf meine \u201eBeschwerdefreudigkeit\u201c), jedoch erm\u00f6glichte ich nach wie vor, so die Anstalt in ihrer j\u00fcngsten Stellungnahme, dem Personal keinen \u201etieferen Zugang zu (meinem) pers\u00f6nlichen Erleben und Empfinden\u201c.<\/p>\n<p>Mit Verf\u00fcgung vom 18. April 2008 ordnete das Gericht nunmehr die Einholung eines kriminalprognostischen Gutachtens an. Bestellt wurde Prof. Dr. Foerster (Universit\u00e4t T\u00fcbingen) zum Sachverst\u00e4ndigen. Da ich ab Juni 2008 in der Anstaltsschule einen Lehrgang besuche (f\u00fcr den jeder Teilnehmer 500 Euro bezahlen muss), bat ich den Gutachter, erst nach Abschluss des Kurses die Untersuchung durchzuf\u00fchren. Diesem Wunsch trug dieser Rechnung und k\u00fcndigte an, im November oder Dezember zu erscheinen.<br \/>\nMit der JVA Bruchsal streite ich mich jedoch noch herum, wo die Begutachtung durchgef\u00fchrt werden soll; Frau G\u00f6bel w\u00fcnscht eine Verlegung nach T\u00fcbingen, da sich so evtl. wertvolle Erkenntnisse dar\u00fcber ergeben k\u00f6nnten, wie ich unter ver\u00e4nderten \u00d6rtlichkeiten reagiere. Ich selbst lie\u00df wissen, die Exploration abzulehnen, sollte man mich nach T\u00fcbingen in die dortige Anstalt \u00fcberstellen.<\/p>\n<p>Dies hat damit zu tun, dass man als so genannter \u201eTransportgefangener\u201c in aller Regel in einer relativ unsauberen, kahlen Transportzelle zwei\/drei Wochen ausharren muss. Besuche\/Telefonate sind gar nicht oder kaum m\u00f6glich, Freizeitangebote tendieren gegen null; ganz abgesehen davon, dass schon die Form des Transports in den gro\u00dfen Gefangenentransportbussen, auch nach Ansicht einiger Juristen menschenunw\u00fcrdig ist.<\/p>\n<p>Die allermeisten Gefangenen machen das Spiel der Justiz mit, steigen brav in den Bus und sitzen dann artig in den Transportzellen; nur um hinterher w\u00fctend davon zu berichten, wie \u00fcbel die Bedingungen dort gewesen w\u00e4ren und man doch \u201eeigentlich\u201c etwas dagegen tun m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Mein Verteidiger hat deshalb dem Gericht mitgeteilt, entweder die Exploration finde in Bruchsal statt, oder gar nicht. Ich selbst erg\u00e4nzte noch, der Anstalt stehe es frei, mein Verhalten unter ver\u00e4nderter \u00d6rtlichkeit zu testen, in dem man mich in den offenen Verzug verlege (was diese freilich ablehnt).<\/p>\n<p>Realistischerweise muss festgestellt werden, eine vorzeitige Entlassung ist nicht zu erwarten. Kein Gutachter wird einem Gefangenen nach bald 11 Jahren in Isolationshaft (denn bis Mai 2007 sa\u00df ich in Einzelhaft) eine hohe Wahrscheinlichkeit f\u00fcr ein straffreies Leben bescheinigen. Aber ohne eine solche positive Prognose erfolgt keine Freilassung.<\/p>\n<p>Und dann ist da auch noch die Frage nach den (eigenen) Prinzipien! Ich bin unver\u00e4ndert der Ansicht, mir steht meine Freiheit zu \u2013 ohne Bedingungen irgendwelcher staatlichen Stellen. Und was ich nach der Haft machen werde, ist meine Sache und kein Gericht, kein Gef\u00e4ngnisjurist hat zu beurteilen, ob das was ich machen werde, mit den Gesetzen dieses Staates in Einklang steht oder vielleicht auch nicht. Will ich meine Bewegungsfreiheit um den Preis der moralischen Korrumpierbarkeit r\u00fcckgewinnen, in dem ich mich auf die mal mehr, mal weniger subtilen Spiele dieses Staates einlasse? Wozu n\u00e4mlich an erster Stelle die Unterwerfung geh\u00f6rt!<\/p>\n<p>Und an diesem Punkt sage ich einfach uns schlicht: \u201eNein!\u201c. Nein, das m\u00f6chte und werde ich nicht, selbst wenn das bedeutet, dass die Anstalt ihre Tore freiwillig weiterhin nicht f\u00fcr mich \u00f6ffnen wird. War es Mao, der schrieb, im Kampfe mit dem Feind sei jede L\u00fcge erlaubt? Soll ich mich also, wie so viele Gefangene, an die Sozialarbeiterin, die Psychologin, die Abteilungsjuristin, die Richter und den Gutachter ranwanzen, ihnen sch\u00f6ne Augen machen und einreden, was f\u00fcr ein guter, angepasster Mensch ich nun geworden sei?<br \/>\nUnd auch an diesem Punkt sage ich einfach und schlicht: \u201eNein!\u201c.<\/p>\n<p>Das hat nichts damit zu tun \u201eM\u00e4rtyrer\u201c spielen zu wollen, sondern es widert mich geradezu k\u00f6rperlich an, mich verbiegen zu m\u00fcssen. Mir tun all jene Gefangene leid, die sich auf die Spielchen der Justiz vorne herum einlassen und hinten herum schimpfen und fluchen. Ist mir meine Freiheit wichtig? Ja!<br \/>\nJa, mir ist meine Freiheit wichtig; aber mir ist auch der Weg dorthin wichtig.<\/p>\n<p><em>Thomas Meyer-Falk<\/em><br \/>\n<em> c\/o JVA \u2013 Z. 3113<\/em><br \/>\n<em> Sch\u00f6nbornstr. 32<\/em><br \/>\n<em> D-76646 Bruchsal<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.freedom-for-thomas.de\">www.freedom-for-thomas.de<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.freedomforthomas.wordpress.com \">www.freedomforthomas.wordpress.com <\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor bald 12 Jahren wurde ich von der Polizei verhaftet und 1997 zu 11 Jahren 6 Monaten Haft, sowie Unterbringung in der Sicherungsverwahrung verurteilt. 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