{"id":7320,"date":"2012-07-17T22:17:04","date_gmt":"2012-07-17T21:17:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=7320"},"modified":"2012-07-17T22:18:37","modified_gmt":"2012-07-17T21:18:37","slug":"interview-mit-dem-solidaritaetskomitee-fur-sonja-und-christian","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/interview-mit-dem-solidaritaetskomitee-fur-sonja-und-christian","title":{"rendered":"Interview mit dem Solidarit\u00e4tskomitee f\u00fcr Sonja und Christian"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Revolution\u00e4re-Zellen.png\" rel=\"lightbox[7320]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright  wp-image-5991\" title=\"Revolution\u00e4re Zellen\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Revolution\u00e4re-Zellen-230x250.png\" alt=\"Revolution\u00e4re Zellen\" width=\"138\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Revolution\u00e4re-Zellen-230x250.png 230w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/Revolution\u00e4re-Zellen.png 300w\" sizes=\"(max-width: 138px) 100vw, 138px\" \/><\/a><em>In der linken Tageszeitung junge Welt erschien am 16. Juli ein Interview sowie ein Artikel, in welchen die Anklagen und die Prozessverschleppung gegen <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/tag\/sonja-suder\" target=\"_blank\">Sonja Suder<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/tag\/christian-gauger\" target=\"_blank\">Christian Gauger <\/a>thematisiert werden. Wir \u00fcbernehmen beide Texte.<\/em><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u00bb\u00d6ffentlich und kritisch\u00ab<\/h3>\n<p><strong>Der anstehende Proze\u00df gegen Sonja Suder und Christian Gauger mu\u00df aufmerksam begleitet werden. Ein Gespr\u00e4ch mit Anne Dietz<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Anne Dietz ist Sprecherin des Solidarit\u00e4tskomitees f\u00fcr Sonja Suder und Christian Gauger<\/em><\/p>\n<p><em>Seit neun Monaten sitzt die 79j\u00e4hrige Sonja Suder, die gemeinsam mit ihrem 70j\u00e4hrigen Lebensgef\u00e4hrten Christian Gauger bei den \u00bbRevolution\u00e4ren Zellen\u00ab (RZ) aktiv gewesen sein soll, in Frankfurt am Main in Untersuchungshaft. Was wird ihnen vorgeworfen?<\/em><br \/>\n<!--more--><br \/>\nIhnen werden drei Sprengstoff- bzw. Brandanschl\u00e4ge im RZ-Zusammenhang vorgeworfen und Sonja Suder au\u00dferdem eine Beteiligung an dem \u00dcberfall auf die OPEC-Konferenz 1975. Nach Angaben des Kronzeugen Hans-Joachim Klein soll sie daf\u00fcr Waffen transportiert haben, die jedoch gar nicht eingesetzt wurden.<\/p>\n<p>Den Brandanschlag auf die MAN-Werke in N\u00fcrnberg begr\u00fcndeten die RZ in einem Bekennerschreiben mit der Beteiligung des Unternehmens am Atomgesch\u00e4ft, es lieferte Verdichter f\u00fcr eine Urananreicherungsanlage in den Apartheidstaat S\u00fcdafrika. Ein Attentat auf die Klein, Schanzlin &amp; Becker AG (KSB) in Frankenthal galt der Herstellung von Pumpen f\u00fcr Kernkraftwerke. Die Aktion gegen das Heidelberger Schlo\u00df richtete sich gegen massive Stadtsanierungsma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Die Vorw\u00fcrfe beruhen auf angeblichen \u00c4u\u00dferungen von Hermann F., dem 1978 ein Sprengsatz auf dem Scho\u00df explodierte, wodurch er Augenlicht und beide Beine verlor. W\u00e4hrend er zwischen Koma und Wachzustand um sein Leben k\u00e4mpfte, vollgepumpt mit Psychopharmaka, sa\u00dfen Tag und Nacht Beamte am Krankenbett. Er wurde \u00fcber Monate total von der Au\u00dfenwelt abgeschottet und verh\u00f6rt. F. beschrieb dies sp\u00e4ter als folter\u00e4hnliche Verh\u00f6rsituationen, in denen er selbst keinerlei eigene Orientierung hatte. Das Verh\u00f6rmaterial wurde dann als das von \u00bbVernehmungen\u00ab deklariert, die nun auch gegen Sonja Suder und Christian Gauger verwendet werden sollen.<\/p>\n<p><em>Das Frankfurter Oberlandesgericht, OLG, stellte j\u00fcngst fest, bei Sonja Suder bestehe \u00bbbesonders hoher Fluchtanreiz\u00ab, sie m\u00fcsse deshalb weiter in Haft bleiben. Wie erkl\u00e4ren Sie sich, da\u00df die Verfolgungsbeh\u00f6rden und die Justiz offenbar noch immer Angst vor einer so betagten linken Aktivistin haben?<\/em><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Haftentscheidung ist zynisch, denn das OLG begr\u00fcndet eine Fluchtgefahr besonders mit dem hohen Alter Sonja Suders. Die Justiz will offensichtlich \u00fcber die Haft eine Aussage erzwingen, weil auch dem Gericht klar ist, da\u00df der unglaubw\u00fcrdige Kronzeuge Klein keine \u00fcberzeugenden Beweise liefert.<\/p>\n<p><em>Die letzte Aktion der \u00bbRevolution\u00e4ren Zellen\u00ab fand 1992 statt. Woher kommt der \u00fcbereifrige Verfolgungswille 20 Jahre danach?<\/em><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Es geht um die Deutungshoheit \u00fcber die Geschichtsschreibung sowie um Abschreckung, also letztlich auch um eine Machtdemonstration, wer am l\u00e4ngeren Hebel sitzt. Der bewaffnete Kampf ist vorbei, aber der Staat verh\u00e4lt sich im Sinne von \u00bbwir kriegen euch alle\u00ab und verfolgt Menschen Jahrzehnte lang, obwohl die Tatvorw\u00fcrfe auf nicht verwertbaren bzw. unglaubw\u00fcrdigen Angaben beruhen. Zudem hoffen die Beh\u00f6rden mit der Haft als Druckmittel auf Aussagen, die Hinweise ergeben, um andere verfolgen zu k\u00f6nnen. Damit haben sie ja leider auch \u00f6fter Erfolg, etwa wenn Deals gemacht werden, z. B. Aussagen gegen Haftverk\u00fcrzung und -verschonung.<\/p>\n<p><em>Sonja Suder und Christian Gauger wurden bereits im September 2011 aus Frankreich an die BRD ausgeliefert. Warum wurde der Proze\u00df bisher noch nicht er\u00f6ffnet?<\/em><strong><em><br \/>\n<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Weil das Gericht offensichtlich glaubte, da\u00df Sonja unter dem Druck der Haft Aussagen macht. Denn die Anklage liegt schon seit November 2011 vor. Die Justiz kam aber mit den unterschiedlichsten Begr\u00fcndungen \u2013 mal wurde ein Richter ausgewechselt, mal war das Gericht \u00fcberrascht, da\u00df Christians Verhandlungsf\u00e4higkeit \u00fcberpr\u00fcft werden mu\u00dfte. Er hat seit einem Herzstillstand im Jahr 1997 massive Erinnerungsprobleme. Uns scheinen das alles fadenscheinige Gr\u00fcnde zu sein, um die Haft von Sonja Suder zu verl\u00e4ngern. Der Ausgang des Prozesses ist v\u00f6llig offen. Zwar hat die Vorsitzende Richterin bisher keinen Zweifel daran aufkommen lassen, da\u00df sie beide unbedingt verurteilen will. Ob sie damit durchkommt, ist eine politische Frage und h\u00e4ngt auch von uns ab.<\/p>\n<p><em>Welche M\u00f6glichkeiten gibt es, Solidarit\u00e4t zu \u00fcben?<strong><br \/>\n<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Es ist wichtig, den Proze\u00df \u00f6ffentlich und kritisch zu begleiten. Dabei mu\u00df klargemacht werden, da\u00df drei der Anklagepunkte auf unter folter\u00e4hnlichen Bedingungen gewonnenen \u00c4u\u00dferungen beruhen. Es darf nicht sein, da\u00df derart zustande gekommene Erkenntnisse in einem Proze\u00df \u00fcberhaupt verwendet werden. Es ist auch nicht hinnehmbar, da\u00df die Aussagen des Kronzeugen Klein, dem vor zehn Jahren schon Unglaubw\u00fcrdigkeit von einem anderen Frankfurter Schwurgericht bescheinigt wurde, nun wieder f\u00fcr eine Verurteilung herangezogen werden.<\/p>\n<div style=\"text-align: right;\"><em>Interview von Markus Bernhardt \/ <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2012\/07-16\/047.php\" target=\"_blank\">junge Welt 16.07.2012 17.07.12<\/a><\/em><\/div>\n<hr \/>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Sp\u00e4te Rache<\/h3>\n<p><strong>Spekulationen und rechtswidrig zustande gekommene Aussagen: BRD-Justiz verschleppt Proze\u00dfbeginn gegen angebliche Mitglieder der \u00bbRevolution\u00e4ren Zellen\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Vor knapp 20 Jahren stellte die linke Stadtguerillagruppe \u00bbRevolution\u00e4re Zellen\u00ab (RZ) ihre Aktivit\u00e4ten ein. Dennoch geht die bundesdeutsche Justiz mit unvermindeter H\u00e4rte gegen vermeintliche Mitglieder der Organisation vor.<\/p>\n<p>Bereits seit \u00fcber neun Monaten sitzt die 1933 geborene Sonja Suder in der JVA Frankfurt am Main in Untersuchungshaft. Ihr wird vorgeworfen, gemeinsam mit ihrem heute 70j\u00e4hrigen Lebensgef\u00e4hrten Christian Gauger Mitte der 1970er Jahre an Anschl\u00e4gen des militanten Netzwerks beteiligt gewesen zu sein.<\/p>\n<p><em>D\u00fcrftige Beweislage<\/em><\/p>\n<p>Das betagte Paar, das seit Ende der 70er Jahre in Frankreich lebte, war im Jahr 2000 aufgrund eines internationalen Haftbefehls festgenommen worden. Obwohl die den beiden Linken zugeschriebenen Taten nach franz\u00f6sischem Recht verj\u00e4hrt waren, wurden sie nach langem juristischen Tauziehen am 14. September 2011 nach Deutschland ausgeliefert.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Sonja Suder noch immer inhaftiert ist, wurde ihr schwerkranker Lebensgef\u00e4hrte nach einigen Monaten aus der Untersuchungshaft entlassen. Er hatte 1997 einen Herzstillstand erlitten, war von seiner Frau wiederbelebt worden, lag mehrere Tage im Koma und verlor sein Ged\u00e4chtnis. Obwohl das Gesetz eine Frist von sechs Monaten vorschreibt, in der nach Erhebung der Anklage auch der Proze\u00df er\u00f6ffnet werden mu\u00df, ist ein genauer Termin f\u00fcr den Beginn der Verhandlung bis heute nicht festgesetzt.<\/p>\n<p>Ein Grund d\u00fcrfte sein, da\u00df die Beweislage mehr als d\u00fcrftig ist. Da die Frankfurter Staatsanwaltschaft aber offenbar sp\u00e4te Rache an den militanten Linken nehmen will, spielt das offenbar eine untergeordnete Rolle. So wirft die Justiz z. B. beiden vor, 1977 und 1978 an drei Anschl\u00e4gen der RZ beteiligt gewesen zu sein. Sie st\u00fctzt sich dabei jedoch einzig auf unter folter\u00e4hnlichen Umst\u00e4nden zustande gekommene Aussagen von Hermann F.<\/p>\n<p><em>Unglaubhafte Aussagen<\/em><\/p>\n<p>F. hatte sich am 23. Juni 1978 bei einem Explosionsunfall schwerste Verletzungen zugef\u00fcgt. Ihm mu\u00dften beide Beine amputiert und beide Augen entfernt werden, es kam zu einer Hirnsch\u00e4digung. Trotz seines lebensbedrohlichen Zustandes wurde er 1978 im Universit\u00e4tsklinikum Heidelberg von Polizei und Staatsanw\u00e4lten vernommen. Die angeblich dort von ihm gemachten Aussagen nutzt die Justiz nun, um gegen Sonja Suder und Christian Gauger zu Felde zu ziehen.<\/p>\n<p>Zudem unterstellt die Staatsanwaltschaft Frankfurt Suder, im Rahmen der Vorbereitung des \u00dcberfalls auf die OPEC-Minister am 21. Dezember 1975 in Wien bei der Anwerbung von Hans-Joachim Klein, der sp\u00e4ter an dem Attentat teilnahm, im Frankfurter Stadtwald anwesend gewesen zu sein. Sie habe au\u00dferdem Waffen und Sprengstoff nach Wien transportiert. Dabei st\u00fctzt sich die Justiz einzig auf eine Aussage Kleins, der 1998 in Frankreich festgenommen wurde. Selbst das Landgericht Frankfurt am Main hatte in einem fr\u00fcheren Verfahren gegen ihn festgestellt, da\u00df seine Einlassungen in diesem Fall unglaubhaft seien.<\/p>\n<p>Das tut f\u00fcr die Justiz offenbar nichts zur Sache. Das Frankfurter Oberlandesgericht fabulierte vielmehr k\u00fcrzlich im Rahmen eines Haftpr\u00fcfungstermines im Fall Sonja Suder, da\u00df bei der 79j\u00e4hrigen von einem \u00bbbesonders hohen Fluchtanreiz\u00ab ausgegangen werden m\u00fcsse. Denn sie habe damit zu rechnen, nach einer Verurteilung den Gro\u00dfteil ihres restlichen Lebens in Haft zu verbringen. Angesichts dessen fordert das Solidarit\u00e4tskomitee f\u00fcr Sonja Suder und Christian Gauger die sofortige Haftentlassung von Suder sowie die umgehende Beendigung der staatlichen Kriminalisierungsstrategie und Repression.<\/p>\n<p>Um eine angemessene Verteidigung der beiden Rentner gew\u00e4hrleisten zu k\u00f6nnen, bitten die Aktivisten um Spenden auf ein Treuhandkonto: Rechtsanwalt Hartmann, Konto-Nr. 35762087, BLZ 37050198, Sparkasse K\u00f6ln\/Bonn.<\/p>\n<p>Informationen im Internet: <a href=\"http:\/\/www.verdammtlangquer.org\" target=\"_blank\">www.verdammtlangquer.org<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Von Markus Bernhardt \/ <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2012\/07-16\/046.php\" target=\"_blank\">junge Welt 16.07.2012 17.07.12<\/a><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der linken Tageszeitung junge Welt erschien am 16. 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