{"id":7346,"date":"2012-07-18T14:48:22","date_gmt":"2012-07-18T13:48:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=7346"},"modified":"2012-07-18T14:48:36","modified_gmt":"2012-07-18T13:48:36","slug":"thomas-meyer-falk-50-jahre-im-gefaengnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/thomas-meyer-falk-50-jahre-im-gefaengnis","title":{"rendered":"Thomas Meyer-Falk: 50 Jahre im Gef\u00e4ngnis"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" rel=\"lightbox[7346]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-full wp-image-662\" title=\"faust-durchs-gitter\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/faust-durchs-gitter.jpg\" alt=\"faust-durchs-gitter\" width=\"115\" height=\"120\" \/><\/a>K\u00fcrzlich berichtete die <a href=\"http:\/\/taz.de\/Laengste-Haftstrafe-seit-Bestehen-der-BRD\/!96971\/\" target=\"_blank\">taz<\/a> in einem langen Artikel \u00fcber, wie ihn alle nennen, Icke, in Haft seit dem 20. Januar 1962. Icke sitzt seit den 80er Jahren in der baden-w\u00fcrttembergischen Haftanstalt Bruchsal (www.jva-bruchsal.de), die Jahrzehnte zuvor hatte er in Berliner Gef\u00e4ngnissen zugebracht.<\/p>\n<p><em>Was hat Icke getan?<\/em><\/p>\n<p>Wie die taz berichtet, habe Icke am 13. Januar 1963 ein junges P\u00e4rchen in dessen VW K\u00e4fer erschossen. Das Hamburger Abendblatt habe damals vom \u201eerregendsten Prozess der Berliner Nachkriegsgeschichte\u201c geschrieben. <!--more-->Offenbar immer schwer bewaffnet unterwegs, sobald er die Wohnung verlassen hatte, traf er nachts gegen 1 Uhr in Berlin auf besagten VW K\u00e4fer. Ihm h\u00e4tten die F\u00fc\u00dfe wehgetan vom durch die Stra\u00dfen Laufen und so h\u00e4tte er die Idee gehabt, sich nach Hause fahren zu lassen. Als er sich unter vorgehaltener Waffe auf den Fahrersitz gedr\u00e4ngt habe, seien die beiden Insassen davon ausgegangen, ausgeraubt zu werden. Gegen 1.45 Uhr, so die Schilderung des taz-Autors Kai Schlieter weiter, sei Icke in Neuk\u00f6lln auf einen Feldweg abgebogen, wo dann die Situation begonnen habe zu eskalieren, als sich Karin Baumann, eine der beiden Geiseln, mit Schl\u00e4gen ihres Schuhs auf Ickes Kopf zu wehren begann und ihm dann auch ins Lenkrad gefasst habe. Hier sei dann Icke ausgerastet und habe der Frau und ihrem Freund acht Mal in den K\u00f6rper geschossen. Weitere Sch\u00fcsse seien dann auch noch gezielt auf die K\u00f6pfe abgegeben worden und er \u2013 Icke \u2013 sei weggerannt und habe die Waffe in einen Kanal geworfen.<\/p>\n<p><em>Das Urteil<\/em><\/p>\n<p>Am 30. Mai 1965 urteilte das Berliner Schwurgericht, dass Icke \u201elebensl\u00e4nglich\u201c wegen Doppelmordes ins Zuchthaus m\u00fcsse. Ein Detail am Rande: wie die taz berichtet, habe das Gericht unter Vorsitz von Richter Heinz Brandt, einem fr\u00fcheren NSDAP-Mitglied und Abteilungsleiter in der Reichsgruppe \u201eJunge Rechtswahrer\u201c getagt und geurteilt.<\/p>\n<p><em>Warum wird Icke nicht freigelassen?<\/em><\/p>\n<p>Das Strafgesetzbuch sieht vor, dass zu lebensl\u00e4nglicher Haft verurteilte Menschen nach fr\u00fchestens 15 Jahren entlassen werden k\u00f6nnen, jedoch nur dann, wenn die Sozialprognose g\u00fcnstig ausf\u00e4llt, sprich, wenn keine erneuten (T\u00f6tungs)Delikte zu erwarten sind.<br \/>\nDie taz zitiert Gutachter, denn in der Praxis orientieren sich die Gerichte bei ihren Entlassungsentscheidungen an den Beurteilungen von Psychiatern, wonach Icke angeblich einsichtslos sei. So schrieb 1997 der Sachverst\u00e4ndige Engell: \u201eDer Proband legt eine saloppe Fr\u00f6hlichkeit an den Tag und macht einen v\u00f6llig unbeschwerten Eindruck.\u201c<br \/>\nEin Facharzt f\u00fcr Psychiatrie, Dr. Schramm, sekundiert 2005, von Icke seien k\u00fcnftig \u201eDrogenschmuggel oder andere illegale Aktivit\u00e4ten\u201c zu erwarten. Und 2012 kommt der Chefarzt der Psychiatrie in Wiesloch, Dr. Splitthoff zu der Ansicht, der Gefangene sei \u201enach 50 Jahren Haft genauso bindungslos\u201c wie zu Beginn der Inhaftierung.<br \/>\nDas Oberlandesgericht Karlsruhe meint im Jahr 2006, dass w\u00fcrde Icke aus der \u201evertrauten Umgebung der Haftanstalt gerissen\u201c, er einer \u201eVielzahl von nicht voraussehbaren Konflikten\u201c ausgesetzt w\u00e4re, welchen der Verurteilte \u201enicht mehr gewachsen ist.\u201c<\/p>\n<p><em>Reaktion auf den taz-Artikel<\/em><\/p>\n<p>Nach Erscheinen des taz-Artikels am 07. Juli 2012 bekam Icke, wie er mir erz\u00e4hlte, einige Zuschriften; teils von Menschen, mit welchen er fr\u00fcher schon in Kontakt stand. Zudem meldete sich jemand von der dpa (Deutsche Presseagentur), um ihn gleichfalls zu interviewen; denn dem taz-Artikel von Schlieter ging ein Besuch von diesem in der JVA Bruchsal voraus.<\/p>\n<p><em>Ausblick<\/em><\/p>\n<p>Ob Icke jemals entlassen wird, erscheint angesichts der durchaus uneinsichtig zu nennenden Sichtweise der Gutachter und Gerichte zweifelhaft; offenbar gen\u00fcgt es, einen Menschen nur lange genug wegzuschlie\u00dfen, um diesen dann nur deshalb weiter einzusperren, weil er schon so lange sitzt, da man nicht absch\u00e4tzen kann, wie er sich verh\u00e4lt, wenn er nun doch noch frei k\u00e4me. Eine Pervertierung des Anspruchs eines Gefangenen auf Achtung seiner Menschenw\u00fcrde. Auch wenn Icke vor 50 Jahren zwei Menschen get\u00f6tet hat, muss es irgendwann genug sein mit dem Verwahrvollzug. Wer jedoch nicht in das Konformit\u00e4tsraster von Gutachtern, Richtern und Knastbediensteten passt und sich auch nicht passend machen l\u00e4sst, hat ungeachtet aller Sonntagsreden \u00fcber angeblich jedem Menschen zustehende Grundrechte faktisch kaum noch Rechte.<\/p>\n<p>Ob die Angeh\u00f6rigen der 1962 get\u00f6teten Frau und des get\u00f6teten Mannes heute f\u00fcr Ickes weitere Inhaftierung pl\u00e4dieren w\u00fcrden, das bleibt im Dunkeln.<br \/>\nWie der Volksmob die Situation beurteilt, d\u00fcrfte hingegen klar sein: Knast bis zum bitteren Ende. Eine solche Position w\u00fcrde verkennen, dass selbst Menschen, die wesentlich grausamere Verbrechen begangen haben, unter keiner Regierung Deutschlands l\u00e4nger einsitzen mussten als Icke. Darunter KZ-Schergen, die tausende Menschen auf dem Gewissen hatten, Nazi-Richter, die Todesurteile im Akkord f\u00e4llten, aber auch andere T\u00e4ter, die viel mehr Menschen, und auf ungleich brutalere Weise t\u00f6teten \u2013 sie alle kamen in den zur\u00fcckliegenden Jahrzehnten frei. Icke, so scheint es, wurde schlicht vergessen \u2013 und heute m\u00f6chte niemand die Verantwortung \u00fcbernehmen einen seit \u00fcber 50 Jahren inhaftierten Menschen freizulassen. Hatte man doch auch noch nie solch einen \u201eFall\u201c.<\/p>\n<p>So wird Icke weiterhin, wie jeden Tag, egal ob es regnet, schneit oder 30 Grad im Schatten hat, im Hof der JVA seine Runden drehen \u2013 bis zu seinem Tod. Immer eine T\u00fcte mit Apfelschnitzen dabei, die er dann w\u00e4hrend des Hofgangs isst.<\/p>\n<p><em>Was kann getan werden, um Ickes Freilassung zu fordern?<\/em><\/p>\n<p>Da Icke in Berlin verurteilt wurde, ist nach wie vor der regierende B\u00fcrgermeister von Berlin zust\u00e4ndige Gnaden-Instanz.<br \/>\nWer m\u00f6chte, kann also an<\/p>\n<p>Der Regierende B\u00fcrgermeister von Berlin<br \/>\n&#8211; Senatskanzlei \u2013<br \/>\nJ\u00fcdenstra\u00dfe 1<br \/>\n10178 Berlin<\/p>\n<p>Telefon (030) 9026-0<br \/>\nTelefax (030) 9026-2013<br \/>\nPers\u00f6nliches B\u00fcro<br \/>\nTelefon (030) 9026-3015<br \/>\nTelefax (030) 9026-3021<br \/>\ne-mail: der-regierende-buergermeister@senatskanzlei.Berlin.de<\/p>\n<p>schreiben und dort die Begnadigung von<br \/>\nHans-Georg NEUMANN, wie Icke mit b\u00fcrgerlichem Namen hei\u00dft,<br \/>\ngeboren am 14.09.1936 (verurteilt am 30.05.1963 vom Landgericht Berlin) fordern.<\/p>\n<p><em>Thomas Meyer-Falk<\/em><br \/>\n<em> c\/o JVA \u2013 Z. 3113<\/em><br \/>\n<em> Sch\u00f6nbornstr. 32<\/em><br \/>\n<em> D-76646 Bruchsal<\/em><\/p>\n<p><em><a href=\"http:\/\/www.freedom-for-thomas.de\" target=\"blank\">www.freedom-for-thomas.de<\/a><\/em><br \/>\n<em> <a href=\"http:\/\/www.freedomforthomas.wordpress.com\" target=\"blank\">www.freedomforthomas.wordpress.com <\/a> <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00fcrzlich berichtete die taz in einem langen Artikel \u00fcber, wie ihn alle nennen, Icke, in Haft seit dem 20. Januar 1962. Icke sitzt seit den 80er Jahren in der baden-w\u00fcrttembergischen Haftanstalt Bruchsal (www.jva-bruchsal.de), die Jahrzehnte zuvor hatte er in&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[36,9],"tags":[504,267,14,115,106],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7346"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7346"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7346\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7349,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7346\/revisions\/7349"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7346"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7346"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7346"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}