{"id":7489,"date":"2012-08-11T06:08:26","date_gmt":"2012-08-11T05:08:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=7489"},"modified":"2012-08-11T06:12:23","modified_gmt":"2012-08-11T05:12:23","slug":"2-mitteilung-von-mario-lopez-aus-dem-mexikanischen-knast","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/2-mitteilung-von-mario-lopez-aus-dem-mexikanischen-knast","title":{"rendered":"2. Mitteilung von Mario Lopez (aus dem mexikanischen Knast)"},"content":{"rendered":"<p><em><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/mario-libertad.jpg\" rel=\"lightbox[7489]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" title=\"Mario Antonio Lopez Fern\u00e1ndez LIBERTAD\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/mario-libertad-191x250.jpg\" alt=\"Mario Antonio Lopez Fern\u00e1ndez LIBERTAD\" width=\"107\" height=\"140\" \/><\/a>Der am 27. Juni in Mexiko-Stadt <a title=\"Solidarit\u00e4t mit Mario und Felicity\" href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/solidaritaet-mit-mario-und-felicity\" target=\"_blank\">bei einer Explosion verletzte<\/a> Mario Lopez (&#8220;Tripa&#8221;) wurde inzwischen in den Knast \u00fcberf\u00fchrt, wo er sich zur Zeit noch im Krankentrakt befindet. Er hat sich Ende Juli mit einem zweiten Kommunique zu Wort gemeldet, hier die deutsche \u00dcbersetzung, das Original findet sich auf der Soliwebsite <a href=\"http:\/\/solidaridadmario.espivblogs.net\/2012\/08\/01\/segundo-comunicado-companero-mario\/\" target=\"_blank\">solidaridadmario.espivblogs.net<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>Companerxs, ich werde versuchen, mich so kurz wie m\u00f6glich zu fassen, da ich in Zukunft gen\u00fcgend Zeit haben werde, um meine Stellungnahmen und meine Reflexionen deutlich zu machen.<br \/>\nMeine Positionierung bleibt die gleiche: mein absolutes Bekenntnis, Anarchist zu sein und als einziger verantwortlich f\u00fcr meine Taten zu sein. Vorerst werde ich mich darauf beschr\u00e4nken, allen mir nahestehenden companerxs f\u00fcr ihre Solidarit\u00e4t zu danken und einige Dinge \u00fcber diesen verdrehten Prozess zu &#8220;denunzieren&#8221;, welcher mit meinem Bekenntnis zum Anarchismus begonnen hat, das ich nicht bereue, niemals bereue!<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>1. <\/strong>Ich m\u00f6chte die totale Mitt\u00e4terschaft der \u00c4rzte des Krankenhauses &#8220;General Ruben Lenero&#8221; in Mexiko-Stadt mit der Staatsanwaltschaft anprangern, und zwar bez\u00fcglich der Ab\u00e4nderung der Gutachten dahingehend, dass sie mit der Anklage \u00fcbereinstimmen. Damit beziehe ich mich insbesondere auf die Aussage, die mir zwei, drei Stunden nach dem chirurgischen Eingriff, noch narkotisiert, mit starkem Erbrechen und Schwindel, abgenommen wurde. In diesem Rahmen der feigen Komplizenschaft ist auch die die Handlung des medizinischen Gutachters zu betrachten, der best\u00e4tigt hat, dass ich f\u00e4hig sei, eine Aussage zu machen, wobei er nicht einmal eine geeignete Untersuchung durchgef\u00fchrt hat und nie auch nur eine Frage an mich gerichtet hat, um meinen physischen und psychischen Gesundheitszustand zu erkennen.<\/p>\n<p><strong>2. <\/strong>Wie ich von Anfang an gesagt habe, akzeptiere ich in gewisser Weise meine absolute Verantwortung. Als Individuum bin ich mir und nur mir gegen\u00fcber verantwortlich f\u00fcr meine Handlungen. Deswegen habe ich mich seit dem Zeitpunkt meiner Festnahme als Anarchist bekannt, aber nach gr\u00fcndlicher Analyse der Aussagen habe ich etliche Sachen gefunden, die ich nicht gesagt habe, die sie aber, das war in dieser Situation offensichtlich, verf\u00e4lscht hatten. Hier zeigt sich deutlich die Beihilfe des Pflichtverteidigers, der sich, ganz auf der Seite der Staatsanwaltschaft stehend, f\u00fcr diese Farce hergegeben hat.<\/p>\n<p><strong>3.<\/strong> Genauso verurteile ich, dass der Richter, der meinen Fall bearbeitet, mit der Staatsanwaltschaft gemeinsames Spiel macht. Seit dem Moment, in dem ich die Verteidigung wechselte und die Pflicht&#8221;verteidigung&#8221; ablehnte, setzten sie uns etlichen Schikanen aus &#8211; mit dem einzigen Zweck, unter allen Umst\u00e4nden die \u00dcbernahme des Falls durch meine Anw\u00e4ltinnen zu verhindern.<br \/>\nDas zynischste an diesen Versuchen ist die Weigerung des Richters, die Beweise meiner Anw\u00e4ltinnen anzunehmen, dass ich die erste Aussage &#8211; wie vom Richter und der Staatsanwaltschaft behauptet &#8211;\u00a0 nicht &#8220;eigenh\u00e4ndig&#8221; geschrieben habe &#8211; zu einem Zeitpunkt, als ich mich auf Grund der Narkose in einem Zustand befand, der es mir weder erlaubte, zu lesen (kaum hatte ich zwei Zeilen ihrer Aussage gelesen, kotzte ich vom Schwindel), geschweige denn zu schreiben; weswegen sie mich gezwungen haben, die Aussage zu unterschreiben.<br \/>\nZudem muss betont werden, dass der Richter auch nicht die Beweise akzeptierte, die best\u00e4tigten, dass ich nicht der Autor dieser Aussage bin &#8211; und zwar basierend auf graphologischen Gutachten, die klar aussagen, dass besagtes Schriftst\u00fcck nicht mit meiner Handschrift \u00fcbereinstimmt.<\/p>\n<p><strong>4. <\/strong>Seit meiner Einlieferung ins Gef\u00e4ngnis (und auch schon w\u00e4hrend meines Krankenhausaufenthaltes) hat die Staatsanwaltschaft mit allen Mitteln versucht, mich zu isolieren. Sie verhinderten Besuche und lie\u00dfen mich nur meine Mutter ein Mal pro Woche sehen. Des Weiteren haben sie versucht, mich in einen f\u00fcr meine Genesung ungeeigneten, septischen Raum zu verlegen, was ihnen dank der Gef\u00e4ngnis\u00e4rzte nicht gelang; ich befinde mich weiterhin in einer einigerma\u00dfen sauberen Umgebung.<br \/>\nW\u00e4hrend meiner Gefangenschaft im Krankenhaus war ich &#8211; mit der Mitt\u00e4terschaft des Direktors und der \u00c4rzte &#8211; in einer f\u00fcr meine Verletzungen inad\u00e4quaten Umgebung untergebracht; mit st\u00e4ndiger Bewachung rund um mein Bett und den Verh\u00f6ren ausgeliefert. Zynischerweise wiesen genau diese Polizisten mich drohend darauf hin, dass ich mir auf Grund der mangelnden Hygiene in meinem Umfeld ernsthafte Infektionen zuziehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>5.<\/strong> Auch m\u00f6chte ich die st\u00e4ndige Verfolgung meiner Anw\u00e4ltinnen \u00f6ffentlich machen, derer sie sich ausgesetzt sehen, seit sie meinen Fall \u00fcbernommen haben. Dies beinhaltet unter anderem &#8220;Besuche&#8221;\u00a0 in ihren H\u00e4usern und die Einsch\u00fcchterung ihrer Familien, Verspottungen und Drohungen. Dies alles reiht sich in die lange Liste der Handlungen und Aktionen gegen meinen Prozess ein.<\/p>\n<p><strong>6.<\/strong> Ich m\u00f6chte mich \u00f6ffentlich bei den anderen Gefangenen hier bedanken, dass sie mir mit Medizin, Nahrungsmitteln und K\u00f6rperpflege geholfen haben und damit, den Raum halbwegs sauber zu halten, was meine baldige Genesung erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Companerxs, zuletzt m\u00f6chte ich klarstellen, dass ich all diese Anklagen und Erkl\u00e4rungen weder mache, um mich zu viktimisieren, noch mit dem Zweck, dass unsere ewigen Feinde &#8211; die Richter, Polizist_innen und alle anderen S\u00f6ldner des Systems der Unterdr\u00fcckung &#8211; mich bemitleiden. Sie bitte ich um gar nichts. Niemals werde ich um meine Freiheit betteln. Diesen ganzen &#8220;juristischen Prozess&#8221; f\u00fchre ich aus reiner Strategie weiter, mehr nicht.<br \/>\nIch schreibe diese Zeilen nur, um die Situation, in der ich mich befinde, bekanntzugeben &#8211; meinen Freund_innen, meiner Familie und dem ganzen Netz von soldarischen compas, welches sich Tag f\u00fcr Tag um die ganze Welt spannt.<br \/>\nNach gr\u00fcndlicher Reflexion in diesen Tagen ist es sehr wahrscheinlich, dass ich ab jetzt beginne, die Zusammenarbeit mit den Verh\u00f6ren und den Gutachten der Anklageseite zu verweigern, etwas, das ich von Anfang an h\u00e4tte machen sollen. Obwohl das, wie mir von einigen Personen geraten wurde, rechtlich keine g\u00fcnstige Strategie ist, steht diese Entscheidung doch in Zusammenhang mit meine \u00dcberzeugungen und stellt die Konsequenz meiner Positionierung gegen\u00fcber der Autorit\u00e4t und jedweder Macht dar. Diese Erfahrung war schwierig, aber mit Kraft, viel Mut und Wut und der Hilfe mir Vertrauter ist sie gewachsen.<br \/>\nDanke f\u00fcr all eure Unterst\u00fctzung!<\/p>\n<p>Dass ich von Anfang an die Verantwortung f\u00fcr meine Taten \u00fcbernommen habe, geschah zum Teil auch, weil ich nicht wollte, dass weitere Gleichgesinnte in meine Einzelaktionen verwickelt werden. Aufs Neue danke ich all eurer Solidarit\u00e4t und begr\u00fc\u00dfe alle Soli-Aktionen f\u00fcr mich und Felicity ohne eine gering zu sch\u00e4tzen, denn alle haben ihren eigenen Wert und ihre geb\u00fchrende Wichtigkeit. Ich danke den compas der <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/tag\/conspiracy-of-the-cells-of-fire\" target=\"_blank\">CCF-Griechenland<\/a> f\u00fcr ihre Gru\u00dfkarte, eure Worte geben mir Kraft, um weiterzumachen.<br \/>\nDie Solidarit\u00e4t ist unsere st\u00e4rkste Waffe.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Niemals geschlagen, niemals bereuend!<\/strong><br \/>\n<strong> Es lebe die Anarchie!!!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Mario Lopez, &#8220;Tripa&#8221;<\/em><br \/>\n<em> Anarchistischer Gefangener der Regierung Mexiko-Stadts,<\/em><br \/>\n<em> Mexiko, Juli 2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der am 27. Juni in Mexiko-Stadt bei einer Explosion verletzte Mario Lopez (&#8220;Tripa&#8221;) wurde inzwischen in den Knast \u00fcberf\u00fchrt, wo er sich zur Zeit noch im Krankentrakt befindet. 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