{"id":78,"date":"2009-03-22T13:59:14","date_gmt":"2009-03-22T11:59:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.abc-berlin.net\/?p=78"},"modified":"2014-12-22T21:33:47","modified_gmt":"2014-12-22T20:33:47","slug":"gabriel-pombo-da-silva-ueber-normale-und-abnormale-buerger_innen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/gabriel-pombo-da-silva-ueber-normale-und-abnormale-buerger_innen","title":{"rendered":"Gabriel Pombo da Silva: \u00dcber normale und abnormale B\u00fcrger_innen&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><span class=\"dropcap\">N<\/span>icht selten bin ich ein bisschen \u201eneidisch\u201c auf die Leute, die sich als \u201enormal\u201c definieren (ob nun begr\u00fcndet oder auch nicht) Du weisst schon: Anonyme Individuen, die ihre Nachbar_innen nie (oder fast nie) zum nachdenken bringen (weder positiv noch negativ), am Tresen in einer Bar, auf Arbeit oder in der Schlange eines INEM\u00b9.<\/p>\n<p>\u201eNormal\u201c zu sein hei\u00dft in der Welt mit ihrer\/seiner Lebensf\u00fchrung nicht aufzufallen \u2013 wie hundert Millionen anderer, die heutzutage B\u00fcrger_innen genannt werden: Gl\u00e4ubige oder Atheist_innen, Arbeitslose oder Arbeiter_innen, Studierte oder nicht, gesetzestreu (mehr oder weniger) mit kleinen Lastern und Gewohnheiten, Familie usw&#8230;Die Mehrheit solcher \u201enormaler\u201c Menschen sind davon \u00fcberzeugt, dass sie B\u00fcrger_innen mit Rechten seien, was sie dazu zwingt in den Schranken dieser Rechte zu denken.<br \/>\nIhrer \u00dcberzeugung nach werden ihnen, sollten sie eines Tages ein (oder mehrere) Probleme haben, Institutionen mit ihren verschiedenen Instanzen zur Seite stehen, die sie repr\u00e4sentieren und ihnen helfen&#8230;Die Wahrheit zu kennen ist eine Sache von Leben&#8230;und zu leben bedeutet in etwa \u00f6fter auch mal inne zu halten, Erfahrungen zu sammeln und sich eine Vorstellung von den ganzen Dingen zu machen. Eine Person gibt auf \u201enormal\u201c zu sein sobald sie aufgibt ein_e B\u00fcrger_in zu sein. Und auf Grund des ein oder anderen Ereignis wird sie oder er zu jemandem die\/der mit Konventionen, Stereotypen, Regeln usw. bricht und auch mit dem Finger auf andere zeigt&#8230;In Zeiten der Fernseh-Demokratie und egoistischem Denken wie in 1984 von George Orwell nehmen die Hohepriester_innen der Meinungsbildung die Rolle ein sagen zu k\u00f6nnen, wer \u201enormal\u201c, \u201eabnormal\u201c, \u201esemi-normal\u201c usw. sei. Denen folgen die W\u00e4chter_innen der Ordnung und des Gesetzes, die wie Halbg\u00f6tt_innen der VERNUNFT und sichtbare Vertreter_innen des sichtbaren Systems fungieren&#8230;fast h\u00e4tte ich die die Demagog_innen der \u201eprofessionellen\u201c und repr\u00e4sentativen Politik vergessen (ihr wisst schon \u2013 die Gesichter auf der Mattscheibe oder auf Werbetafeln, die Dir das Blaue vom Himmel versprechen&#8230;) und diejenigen, die den Mehrwert der Arbeit und des Kapitals akkumulieren und die K\u00f6pfe des ganzen darstellen: Bosse, Patron_innen. Chef_innen usw. &#8230;Und ich habe gesagt, dass ich nicht allzu selten neidisch auf solche \u201enormalen\u201c Menschen und Pers\u00f6nlichkeiten bin weil sie einfach leben, sich einfach ern\u00e4hren, bewegen in Beziehungen treten und mehr v\u00f6geln als ich&#8230;Ich glaube, dass f\u00fcr die Mehrheit der Menschen frei zu sein bedeutet solche grunds\u00e4tzlichen Dinge (sich ern\u00e4hren, besitzen, sich bewegen, v\u00f6geln, Beziehungen haben usw&#8230;.) als gew\u00e4hrleistet zu sehen&#8230; was die Mehrheit dabei aber vergisst ist, dass dieses System solche Dinge aus verschiedenen Gr\u00fcnden nicht gew\u00e4hrleisten kann&#8230;Sicherlich bedeutet Freiheit aber viel mehr als solche Sachen, die sogar ich in Gefangenschaft und meiner ganzen \u201eAbnormalit\u00e4t\u201c genie\u00dfe (auch wenn in viel geringerem Ma\u00dfe)&#8230;Was f\u00fcr mich immer ein Geheimnis bleiben wird ist wie es m\u00f6glich sein kann, dass wenige \u00fcber den Gro\u00dfteil der Menschheit regieren und sie beherrschen kann. Ich w\u00e4re auch gerne \u201enormal\u201c um mich nicht immer anstrengen zu m\u00fcssen diese \u201eGesamtheit der Dinge\u201c zu bek\u00e4mpfen und mich dabei wie Don Quichotte in einem Land voller Ungerechtigkeit und B\u00f6sem zu f\u00fchlen&#8230;Sicher benutzen die Verteidiger_innen und Vertreter_innen dieses Systems Adjektive wie \u201eVerbrecher_in\u201c, \u201eSystem-Gegner_in\u201c usw. f\u00fcr Menschen wie mich&#8230;und um ihr System (\u00f6konomisch \u2013 politisch &#8211; asozial und unmoralisch) vor Monstern wie mir zu sch\u00fctzen haben sie Lagerst\u00e4tten, die sie \u201eZentren\u201c nennen eingerichtet.<\/p>\n<p>Vielleicht sollte ich zur Erkl\u00e4rung anf\u00fchren, dass ich seit ich 16 Jahre alt bin ich mich immer innerhalb solcher \u201eZentren\u201c aufgehalten habe (f\u00fcr Jugendliche, Erwachsene, gef\u00e4hrliche, weniger gef\u00e4hrliche, usw&#8230;.) und meinen \u201eWerdegang\u201c dem Staat verdanke. In einer logischen Folge brauchen sich der Staat und seine Institutionen genauso wie seine \u201eZentren\u201c nicht wundern oder davon schockiert sein, dass ein_e Verbrecher_in, Terrorist_in oder Monster ist, wer davon tr\u00e4umt einen Eintopf aus in kleine St\u00fccke geschnittener Leber von Beamt_innen machen zu wollen&#8230;oder? Ich habe nicht vor f\u00fcr diese \u00dcberlegungen eine p\u00e4dagogische und\/oder philosophische Rechtfertigung zu suchen&#8230;Ich schreibe weil es f\u00fcr mich an dem Ort, an dem sie mich halten, der einzige Weg ist das Schweigen und die Einsamkeit dieses Ortes aufzubrechen. Seltsamerweise ist Geselligkeit eine Frage des Charakters und nicht eine besondere F\u00e4higkeit derer, die in \u201egesellschaft\u201c leben \u2013 umgeben von \u201eB\u00fcrger_innen\u201c&#8230;<\/p>\n<p>Gabriel, Aachen \u2013 Februar 2009<\/p>\n<p>\u00b9INEM: spanisches Arbeitsamt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht selten bin ich ein bisschen \u201eneidisch\u201c auf die Leute, die sich als \u201enormal\u201c definieren (ob nun begr\u00fcndet oder auch nicht) Du weisst schon: Anonyme Individuen, die ihre Nachbar_innen nie (oder fast nie) zum nachdenken bringen (weder positiv noch negativ), am Tresen in einer Bar, auf Arbeit oder in der Schlange eines INEM.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":10279,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[9],"tags":[161,61],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=78"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10315,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/78\/revisions\/10315"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media\/10279"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=78"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=78"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=78"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}