{"id":7816,"date":"2012-10-08T14:10:26","date_gmt":"2012-10-08T13:10:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=7816"},"modified":"2014-12-26T22:04:28","modified_gmt":"2014-12-26T21:04:28","slug":"aufruf-zur-solidaritaet-mit-dem-antifaschistischen-kampf-in-griechenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/aufruf-zur-solidaritaet-mit-dem-antifaschistischen-kampf-in-griechenland","title":{"rendered":"Aufruf zur Solidarit\u00e4t mit dem antifaschistischen Kampf in Griechenland"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/antifa-acab.jpg\" rel=\"lightbox[7816]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-3712\" title=\"Antifaschistische Aktion - ACAB\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/antifa-acab-187x250.jpg\" alt=\"Antifaschistische Aktion - ACAB\" width=\"120\" height=\"160\" srcset=\"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/antifa-acab-187x250.jpg 187w, https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/antifa-acab.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 120px) 100vw, 120px\" \/><\/a><span class=\"dropcap\">D<\/span>ie Ereignisse \u00fcberschlagen sich in diesen Tagen in Griechenland. W\u00e4hrend die \u00dcbergriffe auf MigrantInnen, deren Wohnh\u00e4user und L\u00e4den durch Faschisten weiter gehen, zeigte sich die letzten Wochen und Monate immer wieder antifaschistischer Widerstand in Form von Demonstrationen, Flugblattaktionen und direkten Antworten. Vergangene Woche zeigte die Staatsmacht wieder einmal, auf wessen Seite sie steht.<\/p>\n<p>Nachdem in Volos (am 29.9.) ein Abgeordneter der faschistischen Partei Chrissi Avgi (Goldene Morgend\u00e4mmerung) w\u00e4hrend einer Kundgebung am Wochenende vor den Augen der Polizei eine Waffe gegen\u00fcber protestierenden AntifaschistInnen zog, wollte man auf der Wache \u201eaus Zeitgr\u00fcnden\u201c die Anzeige von Augenzeugen nicht aufnehmen.<\/p>\n<p>Am selben Wochenende fand in Athen eine <a href=\"https:\/\/linksunten.indymedia.org\/de\/node\/68469\" target=\"_blank\">antifaschistische Motorraddemo statt (30.9)<\/a>, um die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die andauernden \u00dcbergriffe und die unertr\u00e4glichen Zust\u00e4nde f\u00fcr MigrantInnen, versch\u00e4rft durch die staatliche Aktion \u201eXenios Zeus\u201c, zu informieren, und um Pr\u00e4senz in den Stra\u00dfen Athens zu zeigen.<\/p>\n<p>Nachdem diese auf einige Nazis traf, begannen Polizeieinheiten der Delta, die die Demo zuvor beobachtet hatten, die AntifaschistInnen zu attackieren, wobei einige zum Teil schwer verletzt wurden. 15 DemonstrantInnen wurden festgenommen. Eine Solidarit\u00e4tsdemonstration zum Gericht, in die man die Gefangenen gebracht hatte, am darauffolgenden Tag, wurde ebenfalls angegriffen. 25 AntifaschistInnen wurden daraufhin in Gewahrsam genommen, 4 blieben bis Freitagmittag in Haft und wurden dann entlassen. Die 19 Inhaftierten berichteten von menschenunw\u00fcrdigen Bedingungen und \u00dcbergriffen in Haft. Sie trafen auf Andere, die dort seit 3 Monaten \u201evergessen\u201c werden. Die Kosten f\u00fcr jede Verhaftung dieser Art sind hoch: Nur f\u00fcr die Vorf\u00fchrung beim Haftrichter mussten innerhalb von 4 Tagen rund 15.000 Euro bezahlt werden. Am Freitag 5.10 wurden die letzten 15 Verhafteten frei auf Kaution (3.000 Euro) frei gelassen.<\/p>\n<p>Neben der Versch\u00e4rfung der Situation durch Nazis und Polizei zeigte die Regierung im Anschluss an die Verhaftungen wieder einmal, auf wessen Seite sie steht. So lies die Pressestelle des Innenministeriums (auf eine Stellungnahme des \u201elinken\u201c Parteienb\u00fcndnisses Syriza) hin verlauten, man werde weitere Ma\u00dfnahmen veranlassen, um Recht und Ordnung durchzusetzen. Dar\u00fcber hinaus warf man Linke in einen Topf mit den Faschisten und erkl\u00e4rte, <em>man werde solch antidemokratischen Tendenzen eind\u00e4mmen<\/em>. In der Realit\u00e4t wird gemeinsame Sache mit den Nazis gemacht: W\u00e4hrend diese sich mit offensichtlichen Straftaten in den Medien br\u00fcsten und ungeschoren davon kommen, werden Linke mit Repression \u00fcberzogen. Gleichzeitig l\u00e4uft weiterhin die rassistische, staatliche Polizeiaktion \u201eXenios Zeus\u201c, bei der in den letzten 2 Monaten rund 27.500 NichtgriechInnen in Gewahrsam genommen und rund 2600 verhaftet wurden, weil sie nicht die n\u00f6tigen Papiere vorweisen konnten. Alles weist darauf hin, dass sich die Situation f\u00fcr MigrantInnen und AntifaschistInnen und alle, die unter die rassistische und faschistische Ideologie fallen, weiterhin versch\u00e4rfen wird. Das Zusammenspiel zwischen Polizei und Neonazis mit R\u00fcckendeckung durch die Regierung und die Durchsetzung rassistischer Abschiebegesetze sind alarmierend und m\u00fcssen als pr\u00e4faschistische Zeichen gewertet werden.<\/p>\n<p>Es herrscht ein unertr\u00e4glicher Ausnahmezustand in Griechenland f\u00fcr alle Kr\u00e4fte, die sich dem widersetzen. Dabei ist es den \u00fcbrigen europ\u00e4ischen Regierungen sicherlich egal, wer in Griechenland regiert \u2013 solange die Ordnung durch zehntausende Polizisten aufrechterhalten wird, die einen reibungslosen Ablauf monet\u00e4rer Gesch\u00e4fte garantieren. Der stetige Abwehrkampf und die Antirepressionsarbeit binden immer wieder Kapazit\u00e4ten. Zudem k\u00f6nnen Geldbetr\u00e4ge f\u00fcr Verfahren in der aktuellen finanziellen Lage kaum noch aufgebracht werden.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><strong>Solidarit\u00e4t mit dem antifaschistischen Kampf in Griechenland!<br \/>\nUnited we stand!<\/strong><\/h3>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Antifas, AnarchistInnen und Antiautorit\u00e4re im Oktober 2012<\/em><\/p>\n<p><strong>Spenden f\u00fcr die Bewegung und die Inhaftierten \u00fcber ABC Berlin an:<\/strong><\/p>\n<p>SSB e.V.<br \/>\nKto.: 6603098570<br \/>\nBLZ: 100 500 00<br \/>\nIBAN: DE40 1005 0000 6603 0985 70<br \/>\nStichwort: \u201eKNASTSOLIDARIT\u00c4T\u201c antifa greece<\/p>\n<hr \/>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Brief der 15 gefangenen AntifaschistInnen<\/h3>\n<p>Heute erkl\u00e4rte der Staat den B\u00fcrgerkrieg. Diejenigen, die nicht durch die Messer der Faschisten get\u00f6tet wurden, kommen durch juristische Entscheidungen der Junta ins Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Wir rufen K\u00e4mpfende und alle, f\u00fcr die W\u00dcRDE, SOLIDARIT\u00c4T, GLEICHHEIT und FREIHEIT nicht blo\u00df leere Worte sind, sondern eine Lebenshaltung, dazu auf, den historischen Moment in dem wir leben zu begreifen und dementsprechend zu handeln.<\/p>\n<p>IDEEN k\u00f6nnen weder unterdr\u00fcckt noch eingekerkert werden<\/p>\n<p><em>Die 15 verhafteten antifaschistischen Frauen und M\u00e4nner\u201d<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<h3 style=\"text-align: center;\">1. Bericht der gefangenen AntifaschistInnen der Motorraddemo 30.9.2012<\/h3>\n<p>Alle 19 Geiseln in den Polizeipr\u00e4sidien meldeten sich am Mittwoch, 3. Oktober, mit ihrem ersten eigenen Bericht: Ein paar Worte aus den Arrestzellen der 7. Etage des Polizeihauptpr\u00e4sidiums Athen<br \/>\nObwohl es schon drei Tage her ist seit unserer Festnahme w\u00e4hrend der antifaschistischen Motorraddemo am 30. September, auf der wir auch Flugbl\u00e4tter verteilten, halten wir es f\u00fcr gut, auch jetzt noch ein paar Dinge klarzustellen.<\/p>\n<p>Nach einem manifesten Aufruf fand am Sonntag, den 30. September eine Motorraddemo mit Flugblattverteilaktion statt, die von Exarchia aus startete. Diese Demonstration erfolgte als Antwort auf faschistische Pogrome und Angriffe auf Migranten in verschiedenen Stadtteilen Athens durch faschistische Banden, die sich als \u201eKomitees der Anwohner und Ladeninhaber\u201c ausgeben und unterst\u00fctzt durch offizielle staatliche Banden agieren. Wir haben hier kein Interesse an der Analyse oder Erkl\u00e4rung der gegebenen und banalen Beziehung zwischen Goldener Morgend\u00e4mmerung\/Chrisi Avgi und der griechischen Polizei. Direkt nachdem die Patrouille von Chrisi-Avgi-Faschisten (-B\u00fcrgern) attackiert worden war, folgte ein Angriff von Bullen der DELTA-Polizeieinheit auf Motorr\u00e4dern, die dem Ende der Demo folgten, aber auch zugleich in Parallelstra\u00dfen nebenher fuhren. 15 der antifaschistischen K\u00e4mpferinnen und K\u00e4mpfer wurden gefangen und an Armen und Beinen und am Kopf verletzt. Bullen benutzten auch Taser-Elektroschockwaffen. Wir wurden auf die 6. Etage des Athener Polizeipr\u00e4sidiums gebracht, vor der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde, wo wir die Nacht weiterhin verpr\u00fcgelt, bedroht, an den Haaren gezogen und mit Zigaretten verbrannt wurden, von DELTA-Teams, die, w\u00e4hrend sie uns bewachten, Fotos von uns f\u00fcr ihr privates Fotoalbum machten. Drohungen wie \u201eJetzt wissen wir, wer du bist, wir werden dich verbrennen wie deine Gro\u00dfeltern im B\u00fcrgerkrieg\u201c sind bezeichnend f\u00fcr den Terrorismus, den uns die idiotischen Pr\u00e4toren der DELTA-Teams zuzuf\u00fcgen versuchten. Zugleich durften wir w\u00e4hrend 19 Stunden am St\u00fcck weder mit Anw\u00e4lten noch mit \u00c4rzten Kontakt aufnehmen. Am n\u00e4chsten Tag, nachdem sie diese Transfer-Show abzogen, um unsere verd\u00e4chtigen Profile aufzunehmen, brachten sie uns schlie\u00dflich zu den Gerichtsgeb\u00e4uden auf dem Gel\u00e4nde der ehemaligen Evelpidon-Milit\u00e4rschule.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend wir noch im Gericht waren, griffen Anti-Riot-Bulleneinheiten die solidarisch davor Versammelten an und verpr\u00fcgelten viele von ihnen \u00fcbel. Insgesamt 25 Leute wurden festgenommen, 4 von ihnen bekamen Anklagen. Sie wurden zum 6. Stock des Polizeipr\u00e4sidiums gebracht und von dem Moment ihrer Festnahme an wandten die Bullen dieselbe Taktik der Einsch\u00fcchterung an, darunter auch dem\u00fctigende k\u00f6rperlicher Durchsuchungen. Nach einer noch nie dagewesenen rachs\u00fcchtigen Entscheidung wurde die vorl\u00e4ufige Festnahme der vier Gefangenen um drei Tage (bis Freitag) und die vorl\u00e4ufige Festnahme der 15 zuerst Gefangenen bis Donnerstag verl\u00e4ngert.<\/p>\n<p>Sie brachten uns in die Haftzellen des 7. Stocks des Polizeihauptquartiers, in eine \u00fcberf\u00fcllte Abteilung, die f\u00fcr 30 Personen vorgesehen ist und wo gegenw\u00e4rtig 80 Menschen in unvorstellbar elenden Umst\u00e4nden \u201eleben\u201c, als Versuch, unsere \u201eNerven zu zerr\u00fctten\u201c. Jedoch begegneten wir dort einem wahrhaft au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gef\u00fchl von Solidarit\u00e4t von Leuten, die bis zu drei Monaten an diesem Ort \u201evergessen\u201c wurden.<\/p>\n<p>Inmitten der \u201e\u00f6konomischen Krise\u201c werden mehr und mehr Menschen in Armut und Elend getrieben, sozialer Kannibalismus wird als Tugend belohnt, Faschismus erhebt seine Fratze in unseren Regionen und Bezirken, die staatliche Offensive wird auf allen Ebenen intensiviert. Inmitten dieser Zeit k\u00f6nnen Optionen der Selbstorganisation, Solidarit\u00e4t, Kameradschaft und direkter Aktion nicht nur der Angst wirkungsvoll begegnen, die sie versuchen \u00fcber unser Leben zu verh\u00e4ngen, sondern sind eine Perspektive einer anderen sozialen Organisation.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen tiefgehend begreifen, worum es bei Faschismus wirklich geht. Faschismus wird nicht einfach von selbst aussterben, wir m\u00fcssen ihn zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Gefangenen des 30.9. und 1.10. (Einige von uns stolze Nachkommen anarcho-kommunistischer Brigaden\/Bandistas)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ereignisse \u00fcberschlagen sich in diesen Tagen in Griechenland. 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