{"id":7932,"date":"2012-11-02T14:10:54","date_gmt":"2012-11-02T13:10:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.abc-berlin.net\/?p=7932"},"modified":"2012-11-02T20:19:20","modified_gmt":"2012-11-02T19:19:20","slug":"mitteilung-des-gefaehrten-mario-lopez-tripa-aus-dem-mexikanischen-knast-vom-22-september","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/mitteilung-des-gefaehrten-mario-lopez-tripa-aus-dem-mexikanischen-knast-vom-22-september","title":{"rendered":"Mitteilung des Gef\u00e4hrten Mario Lopez &#8220;Tripa&#8221; aus dem mexikanischen Knast vom 22. September"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/mario-libertad.jpg\" rel=\"lightbox[7932]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" title=\"Mario Antonio Lopez Fern\u00e1ndez LIBERTAD\" src=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/mario-libertad-191x250.jpg\" alt=\"Mario Antonio Lopez Fern\u00e1ndez LIBERTAD\" width=\"107\" height=\"140\" \/><\/a>Companer@as, endlich habe ich Nachrichten von der Au\u00dfenwelt erhalten und es macht mich wahnsinnig w\u00fctend zu wissen, dass viele Gef\u00e4hrt_innen weiterhin von der Repressionswelle der internationalen Herrschaft betroffen sind. Es ist offensichtlich, dass der Feind uns am Boden sehen will und diese Schl\u00e4ge sind zur moralischen und physischen Zerm\u00fcrbung derjenigen Individuen, Gruppen, Projekte und Kerne der anarchistischen Aktion bestimmt, die auf die eine oder andere Art und Weise das ausmachen, was wir generell als Bewegung bezeichnen k\u00f6nnen.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nK\u00fcrzlich erreichte mich die Nachricht der Festnahme des Genossen <a href=\"http:\/\/www.abc-berlin.net\/tag\/massimo-passamani\" target=\"_blank\">Massimo Passami<\/a> in Italien, aber leider habe ich diesbez\u00fcglich nicht viele Informationen. Auch h\u00f6rte ich vom verh\u00e4ngten Haussarrest gegen eine andere italienische Gef\u00e4hrtin, Daniela Battisti. Gleichsam schicke ich euch all meine Solidarit\u00e4t: Ai Ferri Corti Con La Vita!<\/p>\n<p>Trotz aller Anfeindungen gegen unsere Schwestern und Br\u00fcder auf der ganzen Welt gab es auch etwas, das mich sehr erfreut hat: die ver\u00f6ffentlichte Karte unseres Gef\u00e4hrten Braulio Duran. Es war sehr angenehm, sie zu lesen und zu wissen, dass er, trotz der Verh\u00e4ltnisse des Nicht-Lebens, in denen er sich befindet, stark bleibt und m\u00fcndlich f\u00fcr seine \u00dcberzeugungen als Veganer und Straight Edger einsteht.<\/p>\n<p>Von Seiten der Conspiracion Acrata erhielt und erh\u00e4lt Braulio immer unsere Solidarit\u00e4t und totale Unterst\u00fctzung und als Individuen teilten wir immer seine Positionen. Auch eingesperrt dr\u00fccke ich weiterhin meine Unterst\u00fctzung und Solidarit\u00e4t mit Braulio aus; dabei ist es gleichg\u00fcltig, dass wir uns nie getroffen und uns die Hand gegeben haben, denn gleichsam haben wir Ideen und \u00dcbereinstimmungen geteilt, speziell in seinem Handeln gegen die herrschenden Strukturen. Von daher begr\u00fc\u00dfe ich es sehr, dass er fortf\u00e4hrt, sich \u00f6ffentlich mitzuteilen und hoffentlich macht er das \u00f6fter, weil es f\u00fcr einen anarchistischen Gefangenen wichtig ist, die Kommunikation aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p>Der Knast, die &#8220;Unf\u00e4lle&#8221;, der Tod, die Repression, das Leben &#8220;auf der Flucht&#8221;; nichts von alledem konnte uns und wird uns jemals stoppen. Seit 1887, als in den USA die Massenmedien im Auftrag des Staates nach dem Blut der Anarchisten schrien, weil diese die demokratische Ordnung zerr\u00fctteten, bis heute in Chile, wo die Verdummungsmedien die Investigationsarbeit der Polizei erledigen, um unsere Gef\u00e4hrt_innen im Kampf vorzuf\u00fchren; bleibt doch trotz aller Widrigkeiten eine Konstante bestehen: der unbestechliche Kampf gegen die Macht. Menschen, die mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln k\u00e4mpfen, um die herrschenden Strukturen und Verbindungen zu zerst\u00f6ren, Gef\u00e4hrt_innen im Kampf, bereit, nicht einen Schritt zur\u00fcck zu gehen. Auch wenn wir fallen, erheben wir uns ein ums andere Mal wieder und mit aller Festigkeit gehen wir unseren Weg des t\u00e4glichen Kampfes gegen die Macht. Den Weg zur totalen Befreiung.<\/p>\n<p>Als Individualanarchist f\u00fchre ich, obgleich eingesperrt in den Kerkern des Staates, den allt\u00e4glichen Kampf nach M\u00f6glichkeiten fort; und sei es nur mit dem Wort suche ich zur Zerst\u00f6rung des Herrschaftssystems durch konsequente Taten und informelle Verbindungen, die uns erm\u00f6glichen, unseren Kampf zu verwirklichen, beizutragen. Ich versuche, in den Grenzen der Haft zum Prozess der Zerst\u00f6rung der Werte des Systems, zur Zerst\u00f6rung der Strukturen, die den Technologie-Kapitalismus st\u00fctzen, beizutragen; ich versuche, zum Prozess der Zerst\u00f6rung der Machtstrukturen, auf die sich die Gesellschaft und das Funktionieren des Unterdr\u00fcckungsapparats st\u00fctzt, beizutragen.<\/p>\n<p>Ich bin kein politischer H\u00e4ftling, ich bin ein anarchistischer Gefangener, der sich im Todesduell mit allem Existenten befindet, in Konflikt mit und in permanenter Hinterfragung des Herrschaftssystems und der Lebensform, die es uns aufzwingt. Seine Werte und Praktiken ablehnend, seine Machtstrukturen, seine Sprache und Z\u00e4hmung negierend. Noch weniger akzeptiere ich die Resignation, die das Christentum oder der Katholizismus uns aufzwingt, damit wir uns der Unterdr\u00fcckung nicht entgegenstellen. Die Religion ist der beste Weg zu Unterwerfung, Resignation und Ignoranz. Nichtsdestotrotz halten hier viele Menschen (arm an Geist und Verstand) weiterhin an der Religion fest, um das Eingesperrtsein zu ertragen, doppelt schwer an ihren Ketten tragend. Die Religion ist im Knast ein exzellentes Mittel, um jegliche M\u00f6glichkeiten von Konflikten zu neutralisieren oder zu katalysieren.<\/p>\n<p>Zuletzt m\u00f6chte ich einige Details meiner vorletzten Karte klarstellen, da mich schon einige Kommentare erreichten, weswegen es einer Klarstellung bedarf (Anm. d. \u00dcbers.: offensichtlich lag diese Karte leider nicht zur \u00dcbersetzung vor). Ich beziehe mich vor allem auf den Absatz, in welchem ich mich bez\u00fcglich des Drogenhandels \u00e4u\u00dfere. Es stimmt, dass es, ein Thema wie dieses so unbedacht anzusprechen, eine Sprache, die unseren Perspektiven so fremd ist, benutzend, einige Konfusion hervorrufen kann; in diesem Sinne m\u00f6chte ich klarstellen, das sich meine Aussage dar\u00fcber auf einen sehr speziellen Kontext bezieht und mehr als defensives Szenario verstanden werden kann, angesichts der Versuche der Verdummungsmedien, die darauf beharren, mich mit dem so genannten &#8220;organisierten Verbrechen&#8221; in Verbindung zu bringen &#8211; mit Gruppen, die in die internen K\u00e4mpfe zwischen der Macht und dem Drogenhandel involviert sind. Es war nie meine Absicht, mich in dem Rahmen des Diskurses &#8220;links &#8211; reformistisch &#8211; populistisch&#8221; zu positionieren. Obwohl ich allerdings anerkenne, dass sich unter der Pantomime dieses Kriegs zwischen Kartellen und\/oder Regierungs-Kartellen ein verdeckter Krieg gegen andere K\u00e4mpfe, die sich der Regierung entgegenstellen, abspielt. Dementsprechend handelt es sich beim Ansprechen dieses Themas auch nicht um den Versuch, mich mit den Sektoren der Linken gut zu verstehen oder um ihre Unterst\u00fctzung zu suchen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte betonen, dass es mir nicht an Unterst\u00fctzung mangelt und mir reicht die Solidarit\u00e4t derjenigen, die das machen. Mir reicht die ehrliche Solidarit\u00e4t meiner Gef\u00e4hrt_innen und all derer, die mich uneigenn\u00fctzig in der Situation, in der ich mich befinde, unterst\u00fctzen wollen. Das einzige Versprechen, das das beinhaltet, ist die aufst\u00e4ndisch-anarchistische Tendenz und ich glaube, dass ich in den letzten Mitteilungen versucht habe, zu erkl\u00e4ren, was das f\u00fcr mich bedeutet. Ich denke nicht, dass es meinen Ideen und Positionen, noch meiner anarchistischen Lebensart widerspricht, auch andere Themen anzusprechen, die uns in gewisser Weise auch angehen.<\/p>\n<p>Ich k\u00e4mpfe weder f\u00fcr eine &#8220;gute Regierung&#8221; noch f\u00fcr eine bessere Gesellschaft, so wenig wie ich f\u00fcr Reformen oder &#8220;revolution\u00e4re Gesetze&#8221; k\u00e4mpfe, geschweige denn mich f\u00fcr die &#8220;Abschaffung&#8221; der Gef\u00e4ngnisse oder die Installierung gewisser Gesetze gegen den Terrorismus einsetze. Auch demonstriere ich weder f\u00fcr einen humaneren Kapitalismus noch f\u00fcr die Um- oder Gleichverteilung des Reichtums. Ich k\u00e4mpfe f\u00fcr die totale und absolute Zerst\u00f6rung des Herrschaftssystems und allem, was dessen Existenz repr\u00e4sentiert: Gesellschaft, Werte, Moral, Kn\u00e4ste, Gesetze, Sexismus, Technologie, etc. Ich k\u00e4mpfe f\u00fcr ein freies, erf\u00fclltes Leben ohne Autorit\u00e4t(en). Das ist keine Utopie, dieser Prozess von Zerst\u00f6rung-Aufbau, an den ich appelliere, ist jetzt und heute m\u00f6glich und notwendig. Wir leben in einer Gesellschaft, die uns bei jeder sich bietenden Gelegenheit ihre Widerspr\u00fcche zeigt und ihr beschissener &#8220;sozialer Frieden&#8221; ist einer davon. Die Sozialdemokratie, die rechte Linke des Kapitals dr\u00e4ngt uns ein leeres Leben ohne Leidenschaft auf, uns zwingend, ein Nicht-Leben des Konsumierens, des Konformismus und der Ignoranz zu leben, uns eine scheinbare Geborgenheit anbietend, in der ein Fernseher mehr wert ist, als ein &#8220;ich liebe dich&#8221;, in der ein &#8220;ich liebe dich&#8221; zu einem Produkt des Marktes verkommt, in der einem Haufen materieller Schei\u00dfe mehr Wichtigkeit und Ausdruckskraft zukommt als dem Vergn\u00fcgen, das uns ein Treffen mit Freund_innen oder Gef\u00e4hrt_innen bereitet. Eine Gesellschaft, in der deine W\u00fcrde mit einem Freitagabend-Kinogutschein und mit den Sonderangeboten im Supermarkt erkauft wird; in der die B\u00fcrger_innen sich f\u00fcr einen Almosen, den sie Gehalt nennen, verkaufen und bewusst ihre eigene Sklaverei akzeptieren, verdient nichts anderes als ihre absolute Zerst\u00f6rung.<\/p>\n<p>Aber in ihrer harmonischen Ordnung gibt es Eingeschlossene, Ausgeschlossene und sich selbst Ausschlie\u00dfende. Und gerade Letztere sind es, die angesichts des grauen, gest\u00f6rten Alltags, den uns das System aufzwingt, anstatt zu jammern mit all ihrer Wut diese falsche Illusion der Geborgenheit ablehnen und ihr Leben in eine konstante Propaganda der Tat und des Kampfes \u00fcbersetzen; sich in die Schlacht st\u00fcrzend, bereit, nicht eher auszuruhen, als bis sie diese Gesellschaft der Schande in Tr\u00fcmmern sehen. Sie sind es, die in ihren Herzen eine freie Welt ohne Autorit\u00e4t(en) tragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>All meine Unterst\u00fctzung an die Soli-Aktions-Woche in Solidarit\u00e4t mit den anarchistischen Gefangenen vom 21. bis zum 30. September 2012!<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Mit allen notwendigen Mitteln, f\u00fcr die totale Zerst\u00f6rung des Herrschaftssystems.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Sozialer Krieg an allen Fronten<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em>Mario Antonio Lopez Hernandez,<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">anarchistischer Gefangener.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Centro de Observaci\u00f3n, Clasificaci\u00f3n y Humillaci\u00f3n (COC-H) del Reclusorio Preventivo Sur,<br \/>\nM\u00e9xico DF., 22. September 2012<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Companer@as, endlich habe ich Nachrichten von der Au\u00dfenwelt erhalten und es macht mich wahnsinnig w\u00fctend zu wissen, dass viele Gef\u00e4hrt_innen weiterhin von der Repressionswelle der internationalen Herrschaft betroffen sind. Es ist offensichtlich, dass der Feind uns am Boden sehen&#46;&#46;&#46;<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_links_to":"","_links_to_target":""},"categories":[9,298],"tags":[52,131,191,488,487],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7932"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7932"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7932\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7936,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7932\/revisions\/7936"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-berlin.net\/2008\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}